{"id":102353,"date":"2023-08-11T15:16:46","date_gmt":"2023-08-11T13:16:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102353"},"modified":"2023-08-15T10:05:12","modified_gmt":"2023-08-15T08:05:12","slug":"wer-verhandlungen-fordert-meint-putin-soll-bekommen-was-er-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102353","title":{"rendered":"Wer \u201eVerhandlungen\u201c fordert, meint: Putin soll bekommen, was er will"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind ja einiges gew&ouml;hnt von der aktuellen, modernen Debatte um Krieg und Frieden. Hier ist ein weiteres Beispiel f&uuml;r den lockeren Umgang mit Krieg und f&uuml;r die Diffamierung der Friedensbewegung. Und das aus der Feder eines 36-J&auml;hrigen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nHier war im urspr&uuml;nglichen Artikel der Nachdenkseiten, den wir am 11. August ver&ouml;ffentlicht hatten, das Original des Leitartikels fotografiert wiedergegeben. Das d&uuml;rfen wir aus rechtlichen Gr&uuml;nden nicht. Deshalb wird hier der Text wiedergegeben:<\/p><p>DIE RHEINPFALZ &ndash; Nr: 185   11.8.2023<br>\nLEITARTIKEL<\/p><p><strong>Ukraine k&auml;mpft f&uuml;r Frieden<\/strong><br>\n<em>Von Tobias Heimbach<\/em><\/p><p><strong>Der Krieg in der Ukraine beunruhigt viele. Doch die derzeit lauteste Gruppe, die &bdquo;Frieden&ldquo; sagt und &bdquo;Verhandlungen&ldquo; fordert, meint in Wirklichkeit: Russlands Machthaber Wladimir Putin soll bekommen, was er will.<\/strong><\/p><p>Wenn man auf die zerst&ouml;rten St&auml;dte in der Ukraine blickt, auf die verw&uuml;steten Landstriche und die frischen Gr&auml;ber, dann scheint es ziemlich klar, was dieses Land braucht. Dann m&ouml;chte man rufen: H&ouml;rt auf zu schie&szlig;en, sofort! Dann muss Frieden das einzig Richtige sein. Oder?<\/p><p>Doch in der aktuellen Debatte wird nur selten vom Frieden gesprochen. Die Gr&uuml;nen, die sich einmal als pazifistisch verstanden, fordern immer neue Waffenlieferungen f&uuml;r die Ukraine. Und ausgerechnet ein sozialdemokratischer Bundeskanzler treibt eine nie dagewesene Aufr&uuml;stung der Bundeswehr voran. Wer Frieden fordert, hat eigentlich immer recht. Das Problem ist nur: Wie alles im Leben hat auch der Frieden seinen Preis. Und nicht jeder Frieden bringt Freiheit. Er kann auch Unterdr&uuml;ckung bedeuten. Das ist es, was diejenigen, die sich zur Friedensbewegung z&auml;hlen, vergessen.<\/p><p>Diese setzt sich heute aus unterschiedlichen Gruppen zusammen. Da sind &Uuml;berzeugungspazifisten, die sich reinen Herzens &ndash; und ziemlich naiv &ndash; Frieden w&uuml;nschen. Und dann gibt es die, die Frieden fordern, weil sie sich schlicht &uuml;berfordert f&uuml;hlen, von den Krisen und Katastrophen der Welt. Sie wollen Ruhe &ndash; und mancher einen niedrigeren Gaspreis. <\/p><p>Und dann ist da noch die derzeit lauteste Gruppe. Sie sagt &bdquo;Frieden&ldquo;, fordert &bdquo;Verhandlungen&ldquo; und meint tats&auml;chlich: Russlands Machthaber Wladimir Putin soll bekommen, was er will. Gro&szlig;e Teile dessen, was sich heute &bdquo;Friedensbewegung&ldquo; nennt, ist vor allem eine Klammer f&uuml;r Anti-Amerikanismus aus ost- und westdeutscher Tradition. Deswegen trifft man auf Demonstrationen Vertreter der AfD neben Esoterikern und Sahra Wagenknecht.<\/p><blockquote><p>\n<strong>Wer meint, in Deutschland entstehe ein milit&auml;risch-industrieller Komplex, hat die Lage nicht verstanden.<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>Das erkl&auml;rt auch, weshalb die Friedensbewegung derzeit keinen Zulauf hat. Beim Ukraine-Krieg ist eindeutig, wer angreift und wer sich legitim verteidigt. So nachvollziehbar der Wunsch nach Frieden sein mag: Es braucht daf&uuml;r immer zwei. Und solange der eine nicht den Frieden, sondern den Krieg will, muss der andere k&auml;mpfen. So verh&auml;lt es sich mit Russland und der Ukraine. Sie wird sich verteidigen, bis sie wieder friedlich leben darf.<\/p><p>Die Friedensbewegung in der Vergangenheit entstanden aus ganz anderen Gemengelagen. Dass sich Westdeutsche in den 1950 er Jahren gegen die Wiederbewaffnung stellten, war wenige Jahre nach dem von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg mehr als verst&auml;ndlich. Bei den Nachr&uuml;stungsdebatten der 1980 er Jahre war die Lage nicht so klar wie heute im Ukraine Krieg. Die Debatten von damals, mit den Slogans von damals auf heute anzuwenden, funktioniert nicht.<\/p><p>Wer nun warnt, es entst&uuml;nde ein milit&auml;risch-industrieller Komplex in Deutschland, hat die Lage nicht verstanden. Deutschland ist ein zutiefst zivilgepr&auml;gtes Land, keines, vor dem die Nachbarn zittern. Im Gegenteil. Die Verb&uuml;ndeten f&uuml;rchten sich eher vor einem schwachen Deutschland, das ihnen nicht gegen Russland beistehen kann.<\/p><p>Und wenn Russland dieser Tage vom Frieden spricht, dann klingt das so wie das, was Ex-Pr&auml;sident Dmitri Medwedew am Dienstag sagte:&ldquo; Russland wird zu seinen eigenen Bedingungen Frieden erreichen.&ldquo; Daf&uuml;r verschleppt Russland Kinder, bombardiert Bluttransfusionszentren und Wohnh&auml;user. Tag f&uuml;r Tag.<\/p><p>Und so gilt: Willst du den Frieden, so r&uuml;ste dich zum Krieg. Deswegen ist es richtig, die Bundeswehr zu st&auml;rken. Denn eine Armee ist wie ein Brautkleid. Man braucht es nicht oft, aber wenn der Anlass da ist, dann geht nichts anderes. Der Wunsch nach Frieden ist derweil nicht verschwunden. Er ist das, wof&uuml;r die Ukraine k&auml;mpft.<\/p><p>Soweit der Text dieses Leitartikels.<\/p><p>Ich hatte begonnen, besonders erstaunliche Stellen dieses &bdquo;Leitartikels&ldquo; farblich zu markieren. Aber eigentlich zeugt fast jeder Satz von Oberfl&auml;chlichkeit, von Feindseligkeit und angelernten Gedanken.<\/p><p>Zum Beispiel: &bdquo;Wie alles im Leben hat auch der Frieden seinen Preis. Und nicht jeder Frieden bringt Freiheit.&ldquo; &ndash; Hier ist der schon in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts hochgespielte angebliche Gegensatz von Frieden und Freiheit.<\/p><p>Zum Beispiel: &bdquo;Und dann ist da noch die derzeit lauteste Gruppe (in der Friedensbewegung). Sie sagt &bdquo;Frieden&ldquo;, fordert Verhandlungen und meint tats&auml;chlich: Russlands Machthaber Wladimir Putin soll bekommen, was er will.&ldquo; &ndash; Hier ist das g&auml;ngige Etikett: Putinversteher!<\/p><p>Zum Beispiel: &bdquo;Beim Ukrainekrieg ist eindeutig, wer angreift und wer sich legitim verteidigt.&ldquo; &ndash; Beachtlich, dieser 36-J&auml;hrige hat noch nichts davon geh&ouml;rt, dass der Invasion Russlands vom 22. Februar 2022 ein t&ouml;dlicher Artilleriekrieg gegen die Ostukraine vorausging. Wir finden auch hier die immer wiederkehrende Manipulationsmethode: Geschichten verk&uuml;rzt erz&auml;hlen.<\/p><p>Zum Beispiel: &bdquo;So nachvollziehbar der Wunsch nach Frieden sein mag: Es braucht daf&uuml;r immer zwei. Und solange der eine nicht den Frieden, sondern den Krieg will, muss der andere k&auml;mpfen. So verh&auml;lt es sich mit Russland und der Ukraine.&ldquo; &ndash; So einfach ist die Welt und so klar die Schuldzuweisung.<\/p><p>Und auch im weiteren Verlauf kommt weiter das, was wir t&auml;glich zum Wiederaufbau des Feindbilds &bdquo;Russland&ldquo; brauchen: &bdquo;Russland verschleppt Kinder, bombardiert Bluttransfusionszentren und Wohnh&auml;user.&ldquo; &hellip;. &bdquo;Willst du den Frieden, so r&uuml;ste dich zum Krieg&ldquo; &ndash; Damit ist nicht nur Aufr&uuml;stung zur Abschreckung gemeint, sondern auch zur Kriegf&uuml;hrung.<\/p><p><strong>Was f&uuml;r eine schreckliche Generation w&auml;chst da nach. Korrekt formuliert: Was f&uuml;r schreckliche Menschen wachsen in der zurzeit aktiven und meinungsf&uuml;hrenden Generation nach.<\/strong><\/p><p>Hier ist einer von ihnen, ausgebildet bei <em>Springer<\/em>, aktuell t&auml;tig unter anderem f&uuml;r die <em>Stuttgarter Nachrichten<\/em>, die <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> und <em>Die Rheinpfalz<\/em>:<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230811-Kriegstreiber-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>P.S.: Wenn man den Artikel von Herrn Heimbach im Internet aufruft, wird <a href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/politik_artikel,-ukraine-k%C3%A4mpft-f%C3%BCr-frieden-_arid,5540960.html\">auch gleich noch Sahra Wagenknecht mit verwurstet<\/a>. <\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102448\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind ja einiges gew&ouml;hnt von der aktuellen, modernen Debatte um Krieg und Frieden. Hier ist ein weiteres Beispiel f&uuml;r den lockeren Umgang mit Krieg und f&uuml;r die Diffamierung der Friedensbewegung. 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