{"id":102441,"date":"2023-08-14T14:32:55","date_gmt":"2023-08-14T12:32:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102441"},"modified":"2023-08-14T15:40:41","modified_gmt":"2023-08-14T13:40:41","slug":"leserbriefe-zu-zinskritik-rueckkehr-eines-alten-denkfehlers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102441","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eZinskritik \u2013 R\u00fcckkehr eines alten Denkfehlers\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Jens Berger vertritt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102113\">hier<\/a> die These, nach der die alten &bdquo;Argumente&ldquo; der Zinskritiker offenbar seit dem erneuten Steigen der Zinsen ihre Wiedergeburt feiern w&uuml;rden. W&auml;hrend der Niedrigzinsphase der letzten Jahre sei es um die Zinskritik ruhig geworden. Es werden daher aus gegebenen Anlass zwei &auml;ltere Artikel vorgestellt, &bdquo;die sich mit den &bdquo;Argumenten&ldquo; der Zinskritiker besch&auml;ftigen und sie im Kern widerlegen&ldquo;. Wir danken f&uuml;r die zahlreichen und interessanten Leserbriefe. Hier nun eine Auswahl, in der auch andere Meinungen vertreten werden. <strong>Christian Reimann<\/strong> hat sie f&uuml;r Sie zusammengestellt und <strong>Jens Berger<\/strong> zahlreiche Leserbriefe beantwortet. Da in den meisten kritischen Zuschriften auch auf zahlreiche andere &ouml;konomische Themenfelder eingegangen wurde, w&uuml;rde es jedoch den Rahmen sprengen, alle Zuschriften in der Ausf&uuml;hrlichkeit zu beantworten, die sie eigentlich verdient h&auml;tten. Wir bitten, dies zu verzeihen.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>wichtige Erinnerung an den alten Artikel und zur richtigen Zeit! <\/p><p>Obwohl ich mit Zinsen und Krediten kaum etwas zu tun hatte (au&szlig;er beim Baf&ouml;G und das war zu meiner Zeit zinslos), war ich bisher der Meinung, dass der Zins eines der Grund&uuml;bel des Kapitalismus sei. Aber er ist das Entgelt f&uuml;r eine Dienstleistung. Und oft f&uuml;r eine sehr n&uuml;tzliche (z.B. Erm&ouml;glichung des Eigenheimerwerbs). Habe wieder was dazu gelernt! <\/p><p>Komplizierte Zusammenh&auml;nge nicht nur analysieren, sondern auch noch verst&auml;ndlich darstellen, das k&ouml;nnen Sie. Chapeau! <\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nRolf Henze<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Guten Tag Herr Berger,<\/p><p>ich sch&auml;tze Ihre Artikel grunds&auml;tzlich sehr, und es ist auch verdienstvoll, dass Sie sich &uuml;berhaupt mit dem Thema &ldquo;Zinskritik&rdquo; besch&auml;ftigen. Einige&nbsp;Argumente, das Sie bringen, sind angesichts der Schlichtheit der Argumentation manch eines Zinskritikers durchaus&nbsp;zutreffend. Unter den Zinskritikern befinden sich jedoch auch &Ouml;konomen, und diese argumentieren vollkommen anders als von Ihnen rezipiert. Beispiele: Der&nbsp;Zusammenhang zwischen Zins und&nbsp;Wachstumszwang l&auml;uft &uuml;ber die &ldquo;Goldene Regel der Akkumulation&rdquo; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goldene_Regel_der_Akkumulation#:~:text=Die%20Goldene%20Regel%20der%20Akkumulation,der%20Wachstumsrate%20des%20Bruttoinlandsprodukts%20ist.\">Phelps-Allais-Theorem &ndash; hier ein kurzer Beitrag aus Wikipedia<\/a>). Die besagt am Ende ebenfalls, dass der Zinssatz der Wachstumsrate entspricht. Oder:&nbsp;Sicherlich gibt es Zinskritiker, die einfach &ldquo;der Zins muss weg&rdquo; ausgerufen haben, ohne nach seinen Bestandteilen zu differenzieren. Silvio Gesell, der Gr&uuml;nder der Freiwirtschaftslehre, strebte Preisstabilit&auml;t an, wonach eine Inflationspr&auml;mie im Zinssatz nicht mehr gezahlt werden m&uuml;sste. Die Risikopr&auml;mie im Zinssatz wollte er AUSDR&Uuml;CKLICH nicht abschaffen &ndash; lesen Sie sein Werk (z.B. S. 337 in der 9. Auflage aus 1949). Es geht &ldquo;nur&rdquo; darum, den &ldquo;Basiszinssatz&rdquo; (in der Sprache von Keynes die Liquidit&auml;tspr&auml;mie) durch k&uuml;nstliche Durchhaltekosten zu neutralisieren &ndash; ein Gedanke, den Keynes im &Uuml;brigen als &ldquo;gesund&rdquo; bezeichnete und der Keynes&rsquo; Hauptwerk durchzieht &ndash; auch, wenn er in der Mainstream-Keynes-Rezeption kaum vorkommt.&nbsp; Ich k&ouml;nnte jetzt jeden zweiten Satz Ihres Beitrages so durchgehen &ndash; das w&auml;re dann aber kein Leserbrief mehr, sondern ein Buch. Falls Sie sich wirklich einmal eingehender mit der Thematik besch&auml;ftigen wollen, melden Sie sich bitte bei mir. Meine o.a. Kritik schm&auml;lert im &Uuml;brigen&nbsp;nicht die Achtung und Bewunderung Ihrer sonstigen&nbsp;Arbeit &ndash; machen Sie weiter so!<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nProf. Dr. Dirk L&ouml;hr&nbsp;<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Sehr geehrter Herr L&ouml;hr,<\/em><\/p><p><em>dass das gesamte Thema &bdquo;Zinsen&ldquo; weit &uuml;ber die pauschale Zinskritik hinausgeht, die ich in meinen beiden Artikeln thematisiert habe, ist vollkommen klar. &bdquo;Nur&ldquo; weil ich diese pauschale Zinskritik f&uuml;r einen Denkfehler halte, hei&szlig;t dies nat&uuml;rlich nicht, dass ich den status quo in allen Punkten verteidige. In vielen meiner Artikel &uuml;be ich ja auch scharfe Kritik an der Zinspolitik der Zentralbanken und die Gesch&auml;ftsmodelle vieler Banken kritisiere ich ohnehin. &Uuml;ber die H&ouml;he des Zinses schreibe ich wohlweislich ja auch gar nichts. Es geht &bdquo;nur&ldquo; um die Argumentation, den Zins als solches f&uuml;r s&auml;mtliche Probleme verantwortlich zu machen, die es mit unserem Wirtschaftssystem gibt.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>Auf Ihren Artikel &bdquo;Kritik der Zinskritik&ldquo; vom 23.8.2011, den Sie jetzt in Nachdenkseiten wieder ver&ouml;ffentlichen, schreibe ich Ihnen.<\/p><p>Ich bin nach intensivem Studium der Literatur und der Argumente der Freiwirtschaftstheorie ein Anh&auml;nger. So abwegig wie Sie, sehe ich das nicht. Ich freue mich einmal eine Kritik zu lesen, die nicht so oberfl&auml;chlich ist.<br>\nMan muss dar&uuml;ber viel lesen und sich intensiv hineindenken. Z.B. Das Buch &bdquo;Das Geldsyndrom&ldquo; von Helmut Creutz. In meinem Brief beziehe ich mich auf die 5. Auflage 2001. Es gibt auch neuere Auflagen, herausgegeben von Thomas Kubo. Mir beantwortet das Buch fast alle Fragen zu unserem Finanzsystem.<\/p><p>Sie fragen: Warum soll eine Umlaufgeb&uuml;hr die Menschen abhalten Geld zu horten? Die Inflation w&uuml;rde es doch ohnehin entwerten.<\/p><p>Die Inflation entsteht in erster Linie, wenn zu viel Geld in das System kommt. Betrachten Sie einmal, wie stark die EZB die Geldmenge in den letzten 20 Jahren erh&ouml;hte, um von deflation&auml;ren Gefahren loszukommen. Ein st&auml;ndiger gesunder Geldumlauf l&auml;sst sich steuern. Das will die Freiwirtschaft.<br>\nWas Horten anbelangt, muss man nur einmal ansehen, wie Bargeld sortiert ist: 33% sind nach Geldsysndrom 1000DM Scheine,&ndash; die bei der normalen Nachfrage so gut wie nicht benutzt werden. Das ist heute bei den 200 und 500&euro;Scheinen &auml;hnlich . Siehe GS Seite 191, 199 und 204.<\/p><p>Die Freiwirtschaft will den Zins nicht verbieten! Er ist ein wichtiger Regulator. Ihr geht es nur um den so. Grundzins oder Pr&auml;mie f&uuml;r Liquidit&auml;tsverzicht.<\/p><p>Die EZB vermag es nicht die Geldmenge zu steuern. Steuern kann man nur, was sich bewegt. Und weil sich zu viel nicht bewegt, haben wir die Probleme.<\/p><p>Ich will keinen langen Brief schreiben, weil ich nicht wei&szlig;, ob Sie ihn lesen und bedenken. Ich habe es bedacht. Eine gut gemanagte Umlaufgeb&uuml;hr w&uuml;rde viele Probleme l&ouml;sen. Au&szlig;erdem will die Freiwirtschaft auch die Bodenwirtschaft gerechter gestalten und erkl&auml;rt, wie Geld und der unvermehrbare Boden zusammenh&auml;ngen. Mir sind diese Gedanken wegweisend.<\/p><p>Darf ich auf eine Antwort hoffen?<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nAdolf Holland-Cunz<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Sehr geehrter Herr Holland-Cunz,<\/em><\/p><p><em>selbstverst&auml;ndlich d&uuml;rfen Sie auf eine Antwort hoffen und Sie bekommen auch eine. Es ist nicht &bdquo;nur&ldquo; das Thema Zinskritik, bei dem ich mit Autoren wie den von Ihnen zitierten Herrn Creutz &uuml;ber Kreuz liege. Auch seine Erkl&auml;rung zur Entstehung der Inflation ist ein Denkfehler. Mit diesem Thema hatte ich mich auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14074\">schon auseinandergesetzt<\/a>. Dass Autoren, die die Geldmenge monokausal f&uuml;r die Inflation verantwortlich machen, auch zu m.E. skurrilen Einsch&auml;tzung zum Zins kommen, &uuml;berrascht mich da nicht. Aber auch hier sollten die letzten zehn Jahre eigentlich die Argumente ordnen. W&auml;hrend der gesamten Niedrigzinsphase hatten wir in Deutschland ja eben fast &uuml;berhaupt keine Inflation, w&auml;hrend im letzten Jahr Preise und Zinsen stiegen. Klar, man darf hier Ursache und Wirkung nicht verwechseln, da die EZB ihre Zinspolitik ja vor allem an der Inflation ausrichtet. Die &bdquo;Theorie&ldquo;, dass die Zinsh&ouml;he monokausal die Inflation bestimmt, ist daher ein Irrglaube. Zynisch k&ouml;nnte man sagen, dass empirisch wohl eher das Gegenteil der Fall ist und die Inflation den Zins &bdquo;steuert&ldquo; &ndash; EZB und Co. sei Dank.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger, <\/p><p>ich bitte Sie &uuml;ber folgende Dinge nachzudenken : <\/p><ol>\n<li>Worin unterscheiden sich Staatsschulden von Eigenheim oder Unternehmensschulden ? <\/li>\n<li>In den Bankbilanzen von z.B. der GLS Bank ist transparent dargestellt, dass alle Einlagen in Form von Schuldverschreibungen geparkt werden und s&auml;mtliches neues Kreditgeld als Buchgeld in der Bilanz neu auftaucht. Somit steigt die Geldmenge mit der Kreditnachfrage und die Einlagen bekommen nicht die Kreditkunden. <\/li>\n<li>Unternehmen m&uuml;ssen f&uuml;r Anleger mehr Dividende\/Rendite verdienen, als der Investor risikolos von der Bank erh&auml;lt. Dies entspricht dem Einlagezins der Zentralbank, da die Bank dort das Geld risikolos parken kann. Der Zins &uuml;bt somit Druck auf Unternehmen aus ausreichend Gewinn zu erzielen, damit Anleger genug Dividende erhalten. Dieser Druck ist Kostendruck, da die M&auml;rkte oft ges&auml;ttigt sind und der Umsatz nicht beliebig erh&ouml;ht werden kann. <\/li>\n<\/ol><p>Der gr&ouml;&szlig;te Denkfehler ist aus meiner Sicht der systemimanente Wachstumszwang durch die Investoren, die mehr Rendite haben m&ouml;chten, als es bei der Bank gibt. Dieser Wachstumszwang &uuml;bt im globalen Wettbewerb einen ungeheuren Lohn, Rationalisierungs- und Outsourcingdruck auf die Besch&auml;ftigten aus. <\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nAndreas Grenzd&ouml;rfer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>zun&auml;chst vielen Dank f&uuml;r Ihren interessanten Artikel &uuml;ber Zinsen.<\/p><p>Ich m&ouml;chte jedoch noch auf zwei Aspekte hinweisen, die meiner Meinung nach in diesem Kontext zumindest erw&auml;hnenswert sind:<\/p><ol>\n<li>Sie haben nur &uuml;ber das Prinzip Zinsen gesprochen, nicht aber &uuml;ber den Mechanismus der sie festlegt.<br>\nZinsen werden (bei uns) durch die Europ&auml;ische Zentralbank (planwirtschaftlich) festgelegt. Sie unterliegen damit einem Monopol.\n<p>Wenn es der EZB beliebt kann sie die Zinsen erh&ouml;hen oder reduzieren. Das bedeutet insbesondere, dass Zinsen sich nicht an der aktuellen Nachfrage nach Krediten orientieren, also nicht durch Angebot und Nachfrage festgelegt werden. Somit entstehen potentiell unn&ouml;tige Blockaden bei der Geldvergabe (durch zu hohe Zinsen) oder gef&auml;hrliche Anreize Kredite aufzunehmen (durch zu niedrige Zinsen). Menschen werden bei zu niedrigen Zinsen verleitet Dinge zu kaufen, die sich sich eigentlich nicht leisten sollten. Das hat insbesondere auch Sekund&auml;reffekte: Wenn viele glauben sich ein Haus leisten zu k&ouml;nnen, weil es Null- und Negativzinsen gibt, dann erh&ouml;ht das die Nachfrage nach Immobilien immens. Dadurch erh&ouml;hen sich die Preise f&uuml;r Immobilien und damit etwas zeitverz&ouml;gert auch die Mieten.<\/p>\n<p>Und nicht zuletzt machen Zentralbanken mit einer Nullzinspolitik den Gesch&auml;ftsbanken ihr Gesch&auml;ftsmodell kaputt, durch Kredite Geld zu verdienen. Dies n&ouml;tigt dann die Banken unter Umst&auml;nden riskantere Gesch&auml;fte einzugehen und erh&ouml;ht das Risiko von Bankenpleiten.<\/p><\/li>\n<li>Sie haben nur &uuml;ber das Prinzip Kredit gesprochen, nicht aber &uuml;ber dessen Mechanismus. W&auml;hrend Privatleute und Firmen Kredite nur vergeben k&ouml;nnen, wenn sie das entsprechende Geld auch besitzen, sieht es bei Banken anders aus. Diese d&uuml;rfen (bei uns) f&uuml;r jeden Euro Stammkapitel 99 Euro Kredit ausgeben. Das bedeutet, dass Banken gegen&uuml;ber anderen Unternehmen bei gleichem Kapitel das 100 fache an Zinsen erwirtschaften k&ouml;nnen.<\/li>\n<\/ol><p>Anders formuliert: Gesch&auml;ftsbanken bekommen Geld f&uuml;r etwas, das sie gar nicht besitzen. Denn das Geld f&uuml;r den Kredit eines Kunden wird aus dem Nichts erzeugt, wenn der Kunde den Kredit abruft. Und es verschwindet auch wieder im Nichts, wenn der Kredit zur&uuml;ckgezahlt wurde. Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Richard Werner hat dies in einem Experiment auch empirisch nachgewiesen.<\/p><p>Aus meiner Sicht sind diese beiden Aspekte bei der Diskussion zu Zinsen und Krediten relevant.<\/p><p>Sch&ouml;ne Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nAndreas<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Andreas,<\/em><\/p><p><em>da gebe ich Ihnen weitestgehend Recht. Diese Punkte hatte ich in der Vergangenheit auch h&auml;ufig kritisiert. Ich hatte das z.B. mal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17700\">in einer Rezension zu Thomas Frickes Bankenbuch<\/a> erw&auml;hnt. Wichtig ist aber: Das sind regulatorische Themen, die nicht mit dem Zins als solchen zu tun haben. Das es hier eine Menge Punkte gibt, die kritisiert werden m&uuml;ssen, steht f&uuml;r mich v&ouml;llig au&szlig;er Frage. Das schreibt ich im Artikel zur Zinskritik aber auch ganz explizit. Ihre Zahlen zur m&ouml;glichen Kreditvergabe sind &uuml;brigens nicht korrekt, da es ja auch noch die Saldenmechanik und Eigenkapitalrichtlinien f&uuml;r Banken wie Basel II und III gibt, die verhindern, dass Einlagen im maximal theoretisch m&ouml;glichen Ma&szlig;e gehebelt werden. <\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sie schreiben:<\/p><p>Es besteht keine Notwendigkeit, Zinsen und Zinseszinsen durch immer neue Kredite zu bedienen und die Geldmenge bleibt durch den Zins weitestgehend unber&uuml;hrt.<\/p><p>Das verstehe ich nicht. Z.B. kann Zentralbankgeld ausschlie&szlig;lich durch die Zentralbank gesch&ouml;pft werden. Gesch&auml;ftsbanken k&ouml;nnen lediglich Derivate wie z.B. Giralgeld erzeugen, was nur Versprechen auf Zentralbankgeld sind. Wenn nun eine Zentralbank 1000 EUR sch&ouml;pft und an eine Gesch&auml;ftsbank verleiht, und die Zentralbank bei 10% Zinsen verlangt, dass die Gesch&auml;ftsbank daf&uuml;r in einem Jahr 1100 EUR zur&uuml;ckzahlen soll, wie soll das ohne zus&auml;tzliche Kredite funktionieren, wenn doch nur 1000 EUR Zentralbankgeld gesch&ouml;pft wurden?<\/p><p>Irgendwie schade, dass ich meine Frage nicht in einem &ouml;ffentlichen Forum zur Diskussion stellen kann und statt dessen durch die &ldquo;Zensur&rdquo; der leserbriefe@nachdenkseiten.de gehen muss.<\/p><p>VG Andreas<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Andreas,<\/em><\/p><p><em>auf diesen Punkt gehe ich im Artikel ein. Die Zinseinnahmen der Banken und Gl&auml;ubiger werden aus dem normalen Geldkreislauf entnommen. Geld != Verm&ouml;gen.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger, liebe Freunde von den Nachdenkseiten, <\/p><p>der Artikel ist soweit jeweils in den einzelnen Punkten nachvollziehbar, impliziert meines Erachtens jedoch mindestens ein wenig, dass die Kritik an dem gegenw&auml;rtig hohen Zins-Niveau der Europ&auml;ischen Zentralbank falsch ist. Ihr Artikel kommt zur Unzeit, wenigstens w&auml;re ein Absatz zum Zinsniveau der EZB ratsam gewesen. <\/p><p>Dazu meine ich, dass die gegenw&auml;rtig hohen Zinsen eine bereits r&ouml;chelnde Wirtschaft weiter erw&uuml;rgen und zur Inflationsbek&auml;mpfung deshalb nicht notwendig sind, weil es sich ja eben nicht um die von Lohnentwicklung versus Profit getriebene Standardinflation handelt. <\/p><p>Die Ursachen der jetzigen Inflation sind dagegen fast monokausal und beruhen haupts&auml;chlich auf der (selbstverschuldeten) Entwicklung der Energiepreise. Nebenbei segeln vorwiegend gerade auch die Nahrungsmittelriesen und die Wohnungswirtschaft im Schatten dessen mit und treiben ihre Profite in ungeahnte H&ouml;hen. Deren &ldquo;Gierflation&rdquo; l&auml;sst sich nur gr&uuml;ndlich anprangern. Das bremst sie vielleicht. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nUlrich Engelke<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Herr Engelke,<\/em><\/p><p><em>um Himmels Willen! Ich geh&ouml;re doch selbst zu den Kritikern der EZB-Zinspolitik. Ich bin da also ganz bei Ihnen. So sollte der Artikel nicht verstanden werden.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Berger,<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r den o.g. Artikel, er l&auml;sst mich auch noch einmal eigene Gedanken reflektieren, mitunter jenen, wodurch der Zins nicht zwangsl&auml;ufig aus neuer Kreditvergabe erbracht werden muss, sondern wom&ouml;glich schlicht eine Umverteilung stattfindet, um den Zins zu finanzieren. Hier w&auml;re es vielleicht interessant, dass einmal statistisch zu belegen oder n&auml;her zu erl&auml;utern, ich pers&ouml;nlich halte beide Ans&auml;tze f&uuml;r denkbar aber das nur am Rande.<\/p><p>Mir ist folgende Passage in Ihrem Artikel aufgefallen:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;wenn man sich die&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/statistik\/bankenstatistik\/S131ATIMB2425.PDF\">Statistiken der Bundesbank [PDF &ndash; 25 KB]<\/a> anschaut, erkennt man jedoch, dass der Kreditsumme von 3.963 Milliarden Euro, die der deutsche Bankensektor an den Privat- und Unternehmenssektor vergeben hat, immerhin 3.206 Milliarden Euro an Einlagen aus diesen beiden Sektoren gegen&uuml;berstehen.&nbsp;<br>\n&hellip; die Kreditvergabe im Wesentlichen aus den Einlagen der Bankkunden vorgenommen wird.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Statistik, dass der Kreditsumme in &auml;hnlicher H&ouml;he Einlagen gegen&uuml;berstehen mag richtig sein. Aber daraus zu schlie&szlig;en, dass die Kreditvergabe im Wesentlichen aus den Einlagen vorgenommen wird, das ist meines Erachtens nach nicht korrekt.<\/p><p>Bei der Bundesbank lesen wir hierzu:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Tats&auml;chlich wird bei der Kreditvergabe durch eine Bank stets zus&auml;tzliches Buchgeld geschaffen. Die weitverbreitete Vorstellung, dass eine Bank &bdquo;auch altes, schon fr&uuml;her gesch&ouml;pftes Buchgeld, z.B. Spareinlagen, weiterreichen&ldquo; (k&ouml;nne), wodurch die volkswirtschaftliche Geldmenge nicht erh&ouml;ht wird, trifft nicht zu.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/resource\/blob\/614528\/ca4942c86c4f86881309fac3942c3f0a\/mL\/haeufig-gestellte-fragen-geldschoepfung-data.pdf\">siehe hier<\/a><\/p><p>Auch hat Professor Richard Werner dies nachgewiesen, <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1057521914001070\">siehe hier<\/a><\/p><p>Vielleicht m&ouml;chten Sie die obige Passage daraufhin noch einmal &uuml;berpr&uuml;fen und ggf. ab&auml;ndern?<\/p><p>Besten Dank f&uuml;r Ihre M&uuml;hen im voraus und auch vielen Dank an dieser Stelle f&uuml;r Ihre wertvolle Arbeit, ebenso an Ihre Kollegen.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nJulian Waizmann<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Sehr geehrter Herr Waizmann,<\/em><\/p><p><em>da haben Sie vollkommen Recht. Diese Passage in meinem alten Text ist missverst&auml;ndlich. Ich wollte darauf hinweisen, dass in der Bilanz Einlagen und Kredite sich ungef&auml;hr die Waage halten. Das hei&szlig;t nicht, dass die Kredite aus dazu korrespondierenden Einlagen 1:1 finanziert werden. Diese Passage w&uuml;rde ich heute sicher anders formulieren. Sinn und Zweck war es lediglich, das &bdquo;Argument&ldquo; der Zinskritiker zu widerlegen, dass die Kredite die Einlagen um ein vielfaches &uuml;bersteigen w&uuml;rden.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Berger, <\/p><p>mir fehlt leider bez&uuml;glich ihres Artikels zur Zinskritik, ihre Meinung zur Geldsch&ouml;pfung der Zentralbanken gegen&uuml;ber Gesch&auml;ftsbanken gegen Zins (dem so genannten Leitzins). Ist es bei dieser Zinszahlung nicht der Fall dass das Geld f&uuml;r die R&uuml;ckzahlung des Zins nicht vorhanden ist, und nur durch neue (Zentralbank)Geldsch&ouml;pfung erzeugt werden kann. Und somit einen &ldquo;Wachstumszwang&rdquo;, bzw. ein Zwang , neues Geld sch&ouml;pfen zu m&uuml;ssen um die Zinsen zu bezahlen, erzeugt wird? K&ouml;nnen Sie bitte zu dieser Thematik, der Geldsch&ouml;pfung, uns Ihre Meinung mitteilen.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nJens Hoffmann<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Herr Hoffmann,<\/em><\/p><p><em>zum Thema &bdquo;Geldsch&ouml;pfung&ldquo; hatte ich vor 10 Jahren mal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1M4RrXkJg4g\">einen kleinen Infofilm<\/a> gemacht.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>Sie schreiben in Ihrem Artikel &ldquo;Stellungnahme zum Artikel &bdquo;Kritik an der Zinskritik&ldquo;&rdquo;:<\/p><p>Es ist zwar richtig, dass Banken ihre Kredite nicht ausschlie&szlig;lich aus den Kundeneinlagen vergeben &ndash; wenn man sich die&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/statistik\/bankenstatistik\/S131ATIMB2425.PDF\">Statistiken der Bundesbank [PDF &ndash; 25 KB]<\/a> anschaut, erkennt man jedoch, dass der Kreditsumme von 3.963 Milliarden Euro, die der deutsche Bankensektor an den Privat- und Unternehmenssektor vergeben hat, immerhin 3.206 Milliarden Euro an Einlagen aus diesen beiden Sektoren gegen&uuml;berstehen.<\/p><p>Diese Aussage war schon 2011 falsch und ist es heute immer noch. Die Gesch&auml;ftsbanken verleihen bei der Kreditvergabe nicht einen Cent von Kundeneinlagen. Mit dem Buchungssatz &ldquo;Forderungen an Verbindlichkeiten&rdquo; werden bei der Kreditvergabe dem Kunden auf seinem Girokonto Zahlungsmittel zur Verf&uuml;gung gestellt (Guthaben eingebucht) und im selben Atemzug auf dem Kreditkonto eine Forderung gegen den Kunden gebucht. Das ist alles. Kann man bei der Bundesbank <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/de\/service\/schule-und-bildung\/erklaerfilme\/wie-entsteht-geld-teil-ii-buchgeld-613628\">hier nachlesen<\/a> oder sich die Seiten des Projektes &ldquo;<a href=\"https:\/\/was-ist-geld.de\/geld-und-vermoegen\/\">Wie entsteht Geld<\/a>&rdquo; der Universit&auml;t Hamburg anschauen.<\/p><p>Herzlichst<br>\nHajo Zeller<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Herr Zeller,<\/em><\/p><p><em>das ist nat&uuml;rlich korrekt, aber f&uuml;r die konkrete Fragestellung eher ein Nebenkriegsschauplatz. Das Bankensystem funktioniert nat&uuml;rlich nicht so, dass man einen Euro aus dem Einlagekonto A auf das Kreditkonto B &uuml;berweist. H&auml;tte ich im Artikel aber nun auch noch ausf&uuml;hrlich die Themen &bdquo;Saldenmechanik&ldquo; und &bdquo;Geldsch&ouml;pfung&ldquo; thematisiert, h&auml;tte man darauf wohl ein Buch machen k&ouml;nnen und die eigentliche Zielrichtung w&auml;re verw&auml;ssert. Letztlich ist es f&uuml;r die reine Debatte der Zinskritik m.E. sinnvoller, sich auf die Geldmenge und Bilanzen des Gesch&auml;ftsbankensektors zu beschr&auml;nken und die Gesch&auml;ftsbanken selbst als Black Box zu betrachten. <\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>11. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<br>\n&nbsp;<br>\n&hellip;&rdquo;Wir halten die Zinskritik f&uuml;r einen Irrweg&rdquo;&hellip;, wer ist &ldquo;Wir&rdquo;.&nbsp; Im Buch von Prof. Dr. Senf &ldquo;Der Nebel um das Geld&rdquo; geht er mit den wissenschaftlichen Mythen hinsichtlich des Geldes und der Zinsen um.&nbsp; Herr Prof. Dr. H&ouml;rmann setzt sich mit der Verbuchung von Krediten im Bankensektor sehr kritisch auseinander. Er spricht vom &ldquo;Schuldscheintausch&rdquo;. Niemand schuldet dem anderen etwas. Somit entfallen auch Zinsen. Er bezeichnet die Finanzwissenschaften als &ldquo;Firlefanzwissenschaften. Herr Prof. Dr. Flassbeck spricht davon dass Zinsen Produktivit&auml;t ben&ouml;tigen. Der Mensch mu&szlig; sie also erwirtschaften. Ich hatte dies etwas anders ausgedr&uuml;ckt (Der Zins ist nie in der Welt). &hellip;&rdquo;Wer seine Ersparnisse also nicht unter dem Kopfkissen versteckt, &bdquo;hortet&ldquo; sie auch nicht, sondern stellt sie &ndash; indirekt &uuml;ber den Bankensektor &ndash; Kreditnehmern und somit der Volkswirtschaft zur Verf&uuml;gung.&rdquo;&hellip;Viele Kredite entstehen so aber nicht &ndash; es entsteht Giralgeld, ich glaube man nennt es girieren. Verbucht wir es als sogenannter Schuldscheintausch. (Prof. Dr. F. H&ouml;rmann). Was meiner Meinung nach v&ouml;llig unbeachtet bleibt ist der Faktor der &ldquo;Verschuldensf&auml;higkeit&rdquo;. Herr Prof. Dr. Flassbeck hat dazu ja schon sehr sch&ouml;n ausgef&uuml;hrt und damit die Staatsverschuldung erkl&auml;rt. Wenn Haushalte, Unternehmen nur noch sparen mu&szlig; der Staat sich eben verschulden. Einer mu&szlig; Schulden machen. Alternativ das Ausland (Target 2 Salden die Herr Prof. Dr. Sinn erkl&auml;rt). Was aber so gut wie nie erkl&auml;rt wird ist die Frage wer ist verschuldensf&auml;hig und wo sind die Grenzen.Durch den Euro haben sich die Staaten mit dieser W&auml;hrung ein Zinsproblem geschaffen. Die EZB mu&szlig; bei ihrer Zinspolitik die hochverschuldeten L&auml;nder ber&uuml;cksichtigen wenn sie durch Zinserh&ouml;hungen die Inflation und damit die heraufziehende Wirtschaftskrise bek&auml;mpfen m&ouml;chte. Viele Meinungen zu diesem Thema zeigen doch nur dass niemand so ganz genau Bescheid weiss. Die &ouml;konomischen Entwicklungen weltweit zeigen dies doch sehr deutlich, insbesondere bei uns durch die Zunahme der Tafeln. Warum &auml;ndert dies die Politik nicht? Kann sie nicht oder will sie nicht? Ach ja, auf jedem Produkt oder jeder Dienstleistung lasten ca. 30 &ndash; 40&nbsp; Prozent an Zinskosten. Die Einkommensschwachen trifft es am h&auml;rtesten. Diese Zinsen flie&szlig;en in die Taschen der Gl&auml;ubiger.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nP. Ehrental<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Herr Ehrental,<\/em><\/p><p><em>Sie haben sicher Verst&auml;ndnis, dass ich Ihnen hier keine ausf&uuml;hrliche Antwort geben kann, da dies den Rahmen sprengen w&uuml;rde. Nur so viel &ndash; ich kenne die Schriften von Herrn Senf und halte sie f&uuml;r irref&uuml;hrend und falsch. Gleiches gilt f&uuml;r Herrn H&ouml;rmann. Hans-Werner Sinns Aussagen zu Target 2 sind abenteuerlich. Dazu hatte ich in der Vergangenheit <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45529\">schon h&auml;ufiger was geschrieben<\/a>. <\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>12. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo NDS, sehr geehrter Herr Berger, <\/p><p>meiner Meinung nach vermag kein einziger Punkt Ihres Artikels aus dem Jahre 2011 zu &uuml;berzeugen. Stattdessen klingt vieles verklausuliert und erinnert an jenen &ldquo;Sprech&rdquo;, der den Banken-, Wirtschafts-, Versicherungs- und &auml;hnlich dubiosen Sektoren entstammt, und dem mi&szlig;traut werden sollte, weil er i.d.R. dazu dient, den Charakter eines H&uuml;tchenspiels zu verschleiern und den Spielteilnehmer &ndash; das auszunehmende Opfer &ndash; hinl&auml;nglich zu verunsichern. <\/p><p>Unterm Strich haben wir &ndash; trotz aller Detail- und Sonderfallfragen &ndash; eine ganz simple Situation, die ich in drei ebenso simplen S&auml;tzen umschreiben m&ouml;chte: <\/p><p>Ich erschaffe einen Hosenknopf per Zauberei\/Fingerschnipps, und diesen Hosenknopf leihe ich Ihnen, weil sie bedauerlicherweise keinen haben. Ich m&ouml;chte daf&uuml;r aber zwei Hosenkn&ouml;pfe von Ihnen zur&uuml;ck. Sie sind des magischen Fingerschnipps jedoch leider nicht m&auml;chtig&hellip; <\/p><p>Es ist mir vollkommen schleierhaft, wie man hierin kein grunds&auml;tzliches Problem erkennen mag. Da liegt freilich der von Ihnen erw&auml;hnte Verdacht des &ldquo;Systemspielers&rdquo; nahe. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJohannes Bichler<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>13. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Guten Tag Herr Berger,<\/p><p>an der aufgez&auml;hlten Kritik fehlt mir in Abwesenheit n&auml;herer Kenntnis vom Thema vor allem mein erster Punkt, wurde der nie genannt?<\/p><ol>\n<li>Das Geld ist eine &ouml;ffentliche Einrichtung, zur zwangsweisen Benutzung durch Jedermann bestimmt, durch die Allgemeinheit getragen und anerkannt, mit Rechten und Pflichten, der regul&auml;re Gebrauch mit Vorteilen und Risiken verbunden. Schon von daher verbietet sich ein Einkommen auf dessen Basis. So wie ich ja eben auch nicht einfach Schranken auf den &ouml;ffentlichen Stra&szlig;en, welche dieselben Eigenschaften aufweisen, aufstellen darf, um dann vom Stra&szlig;enbenutzer eine Gegenleistung zu verlangen.<\/li>\n<li>Das bedeutet nichts anderes als ein leistungsloses Einkommen. Tats&auml;chlich kommt die Leistung nat&uuml;rlich von den Benutzern.<\/li>\n<li>Der Zins als Ausfallrisikoausgleich stellt in sich ein Widerspruch dar. Der Kredit kann nur einmal ausfallen, vermutlich mit rasch abfallender Wahrscheinlichkeit, nicht linear. W&auml;re der Zins quasi eine Ausfallversicherung, d&uuml;rfte der Kreditgeber sich bei Ausfall nicht noch zus&auml;tzlich am bisher bezahltem Teil bedienen. Oder der Zins m&uuml;&szlig;te bei vollst&auml;ndiger Abzahlung zur&uuml;ck erstattet werden.<\/li>\n<li>Der Zins kann auch kein Ausgleich f&uuml;r ein Warten auf Was auch immer darstellen, da das Geld nach Punkt 1 der Allgemeinheit geh&ouml;rt. Zwar darf man dem &bdquo;Besitzer&ldquo; nicht einfach das Geld wegnehmen, wenn er es gerade mal nicht benutzt, wie &uuml;berm&auml;&szlig;iges Parken mu&szlig; aber &uuml;berm&auml;&szlig;ige Verhinderung des regul&auml;ren Gebrauches wie auch die Drohung damit sanktioniert werden.<\/li>\n<li>Da das Geld nicht dem Besitzer geh&ouml;rt, der Mietgegenstand aber dem Eigent&uuml;mer, sind Miete und Zins nicht vergleichbar. Bonus: Kaution f&uuml;r den Fall des Ausfalles (Unfall, Mietnomade) f&auml;llt einmal an, geht wieder an den Mieter zur&uuml;ck.<\/li>\n<li>Beim Unterschied zwischen Umlaufgeb&uuml;hr und Inflationen meinen Sie wahrscheinlich den Zins. Dieser ist wie die Stra&szlig;enschranke eine Erpressergeb&uuml;hr, zu zahlen vom Stra&szlig;enbenutzer an einen Einzelnen, die Umlaufgeb&uuml;hr f&auml;llt beim Schrankenaufsteller an und geht an die Allgemeinheit.<\/li>\n<\/ol><p>Soweit die Logik, weitgehend aus Punkt 1 abgeleitet.<\/p><p>Nach Margrit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation, sind in vielen Preisen erhebliche Zinsanteile enthalten, zum Teil weit &uuml;ber 50%. Wenn das so ist, kann man den Zins als leistungsloses Einkommen nicht als auswirkungsarm einstufen.<\/p><p>Gute Nacht<br>\nUdo steinbach<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>14. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Nachdenkseiten-Redaktion,<br>\nsehr geehrte Nachdenkseiten-Leser, <\/p><p>ich habe mir den Artikel versucht offen durchzulesen, eine gewisse Vereinnahmung muss ich dabei allerdings eingestehen. Die Kritikpunkte waren mir im Kern bekannt, auch wenn ich den Zins trotz dieser Kritikpunkt kritisch gegen&uuml;berstehe. <\/p><p>Einer dieser Kritikpunkte ist das Konzept der Gegenleistung f&uuml;r eine Zahlung in der Zukunft gegen einen Mehrheit in der Gegenwart. Das l&auml;sst sich auch realwirtschaftlich erkl&auml;ren, dass ein konkretes Materielles Objekt heute, eben einen h&ouml;heren Wert hat, wie das Objekt erst in 10 Jahren zu besitzen. Das Haus oder Auto sind hier prima Beispiele. W&uuml;rde ich trotzdem ein Auto und ein Haus nutzen wollen, ohne Kredit, dann m&uuml;sste ich diese Objekte mieten, oder eben unter der Br&uuml;cke wohnen und mit dem Fahrrad fahren. Dies ist imho. sogar der kritischsten Punkt, den es zu beachten g&auml;lte, wenn man das Geldsystem &auml;ndern will&hellip; und ich glaube das sollte man trotzdem, aber eben unter Ber&uuml;cksichtigung, dass dieser Nutzen in irgendeiner Form trotzdem der Gesellschaft zu Gute kommt. <\/p><p>Ein Anti-Kritikpunk vom Artikel war: Die Geldmenge steigt durch den Zins nicht.<br>\nDas ist in sofern korrekt, aber der korrekte Kritikpunkt an Stelle lautet ja aber auch, dass durch die Sch&ouml;pfung des Zinses, es im Gesamttopf niemals genug Geldmenge gibt, um alle Kredite inkl. Zinsen zur&uuml;ckzuzahlen. Sprich der eigentliche Kritikpunkt ist nicht die Erh&ouml;hung der Geldmenge, sondern die Tatsache, dass die Zinsen lediglich durch Aufnahme weiterer Kredite bezahlbar sein. Dies f&uuml;hrt unweigerlich in eine sich immer schneller drehende Spirale, je h&ouml;her der Anteil der Kredite bzw. Zinsen am Gesamtgeldtopf betr&auml;gt. Es leuchtet ein, dass die Erh&ouml;hung der Geldmenge dieses Anteil verkleinert. Inwiefern dies die Quote auf einem &ldquo;gesunden&rdquo; Niveau halten kann, m&ouml;chte ich nicht behaupten beurteilen zu k&ouml;nnen. Es m&uuml;sste hier Klarheit geschaffen werden, ob dies tats&auml;chlich unter Realbedingungen m&ouml;glich sei. Denkbar w&auml;re hier auch ein andere gezielten Mechanismus auf Seiten der Zentralbank einer W&auml;hrung, um hier einen Ausgleich zu schaffen. F&uuml;r ein konkreten Vorschlag fehlt mir hier die Fachkenntnis und ich meine auch keinen in anderen Artikeln gefunden zu haben. Mir gef&auml;llt mir auch die Anekdote mit dem 100&euro;-Schein, der als Kaution beim Hotelier liegt, eine Ketten von Schulden im Dorf begleicht, bevor der Schein wieder auf dem Tresen liegt und dort ohne etwas bezahlt zu haben, wieder mitgenommen wird. Es zeigt sinnbildlich deutlich, wie das Hinzuf&uuml;gen der Geldmenge, etwas anderes ist aus Sicht der Dorfwirtschaft nicht, es wurde das umlaufende Geld um 100 &euro; erh&ouml;ht und nach Tilgung der Schulden wieder entnommen. Ob dieses Gedankenkonstrukt in der Realit&auml;t klappen w&uuml;rde, ist dann allerdings fraglich, da die Schuldenkette sich sicher selten so einfach geradlinig aufl&ouml;sen l&auml;sst. Denn wenn das klappen w&uuml;rde, m&uuml;sste die Zentralbank nur gelegentlich Geld sch&ouml;pfen und warten bis es wieder bei ihnen ankommt, um es dann wieder aus dem System zu nehmen. Aber streng genommen funktioniert die Gesch&auml;ftsbanken-Kreditvergabe ja genau so. Die Zentralbank sch&ouml;pft das Geld und mit R&uuml;ckzahlung des Kredits kommt es wieder aus dem System. Damit w&auml;re imho. die Realit&auml;t schon eine Widerlegung dieser Anekdote, trotzdem ist dieser Mechanismus sicher trotzdem mit einem gewissen Einflussfaktor am Werk. <\/p><p>Wegen dem Argument &ldquo;Horten&rdquo; m&ouml;chte ich auch noch darauf hinweisen, dass meines Wissens nach volkswirtschaftlich dann Aufschwung herrscht, je schneller das Geld wieder den Besitzer wechselt. Kredit und Zins sind definitiv Teil dieses &ldquo;Wirtschaftsmotors&rdquo;. <\/p><p>Mein Kritikpunkt an der Zinskritik w&auml;re &uuml;brigens allgemein, dass man den Zins nicht separat betrachten sollte. Er ist Teil des Geldsystem, und sollte bei &Auml;nderungen auch als solcher betrachtet werden. Eine &Auml;nderung des Zinssystem, ohne das komplette Geldsystem zu &uuml;berarbeiten, d&uuml;rfte verheerend sein. Hier w&auml;ren die gr&ouml;&szlig;ten Kritikpunkte, warum dieses quasi vom Bankenkartell gesteuert wird und selbst Staaten nur beschr&auml;nkt Einfluss darauf haben. Das hat mit einem demokratischen System wenig gemein (vgl. Apell von Ernst Wolff: &ldquo;Es ist Zeit f&uuml;r ein demokratisches Geldsystem&rdquo;). Hier w&auml;re f&uuml;r Anpassungen auch breiter Diskurs von unten bis nach oben zu den &ldquo;Experten&rdquo; trotzdem angebracht, auch wenn man die meisten Kritikpunkte am Zinssystem tats&auml;chlich entkr&auml;ften oder mit beiden Seiten der Medaille betrachten sollte, bleibt dennoch ein gewisser systemischer und moralischer Mangel am Geldsystem allgemein nicht v&ouml;llig ausger&auml;umt. Hier w&auml;re analog der Spruch zur Demokratie angebracht: &ldquo;Das aktuelle Geldsystem ist das Schlechteste, das es gibt. Ich kenne nur kein Besseres.&rdquo; <\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e aus der Pfalz<br>\nMarkus S.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>15. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>zuf&auml;llig schaue ich nach &uuml;ber drei Jahren Abstinenz neugierig in die NDS und stolpere &uuml;ber Ihren Beitrag zur Zinskritik, zu dem ich mich vor 10 Jahren wohl auch ge&auml;u&szlig;ert habe.<\/p><p>Ich m&ouml;chte einen von Ihnen vernachl&auml;ssigten Blick auf dieses Thema werfen. Dabei interessieren mich keine religi&ouml;sen, v&ouml;lkischen, ja antisemitischen Grundt&ouml;ne.<\/p><p>Ich stimme zu, dass schon existierendes Geld ungern ohne eine Kompensation (Opportunit&auml;tskosten) aus der Hand gegeben wird. Bei gr&ouml;&szlig;eren Summen l&auml;sst man sich zudem zumeist eine dingliche Sicherheit geben. Bei Geb&auml;uden wird eine Hypothek gefordert. Und hier sto&szlig;en wir unweigerlich auf die H&ouml;he des Zinssatzes, der sich an den Opportunit&auml;tskosten orientieren kann. Irgendwelche Risikozuschl&auml;ge, die Sie anzeigen, w&auml;ren Zusatzgewinne, die nicht notwendig w&auml;ren, da das besicherte Objekt bei Nichterf&uuml;llung an den Kreditgeber fallen w&uuml;rde.<\/p><p>Bsp: Wenn ein Lebensversicherer Kapital f&uuml;r den Hausbau zur Verf&uuml;gung stellt, k&ouml;nnten nur Opportunit&auml;tskosten und keine Marktzinsen anfallen. Zum Nachteil der Versicherungskunden und Versicherungsunternehmen.<\/p><p>Anders sieht es aus bei Kreditinstituten, die keine Pfandbriefe ausgeben, sondern das Geld &bdquo;aus dem Nichts&ldquo; sch&ouml;pfen (erfinden). Hier kann man durchaus eine (zun&auml;chst theoretische) Debatte dar&uuml;ber f&uuml;hren, warum ein markt&uuml;blicher Zinssatz anf&auml;llt, obwohl es nur geringste Opportunit&auml;tskosten gibt. Schlie&szlig;lich kann bei Zahlungsverzug der Darlehensgeber auf das besicherte Objekt zugreifen.<\/p><p>Bsp: Wenn eine Bank noch nicht vorhandenes Geld erfindet und in Umlauf bringen kann, bestehen f&uuml;r sie au&szlig;er den Fixkosten eigentlich keine Risikokosten, so dass der Zinssatz -unabh&auml;ngig von der Marktsituation- sehr gering gehalten werden k&ouml;nnte. Der Gewinn bei Notverk&auml;ufen oder eine Nutzung des besicherten Objekts kann als Risikopuffer (bei stark fallenden Preisen) dienen.<\/p><p>Hier, bei frisch gesch&ouml;pftem Geld, sollte man ein neues Denkmodell anschauen. Und hier komme ich den Zinskritikern entgegen. Kann oder soll man versicherungsf&auml;hige Objekte mit einem minimalen (kostendeckenden) Zinssatz von gemeinn&uuml;tzig aufgestellten Kreditinstituten finanzieren? Weiter: K&ouml;nnen Gewinne aus den Notverk&auml;ufen gemeinn&uuml;tzig verteilt werden? Und: Warum kann das nicht Allgemeing&uuml;ltigkeit erlangen?<\/p><p>Das Wirtschaften w&uuml;rde sich ziemlich ver&auml;ndern. Dadurch entstehende unsinnige &Uuml;berangebote m&uuml;ssten unterbunden werden (eine neue Aufgabe entsteht). Aber das Absch&ouml;pfen eines Teils der menschengemachten Wertsch&ouml;pfungen in Hochzinsphasen durch (die heutigen) Kreditinstitute w&auml;re erledigt. Der Bankensektor w&uuml;rde devoter werden und an Macht einb&uuml;&szlig;en. &nbsp;&ndash; Einer florierenden, den Menschen zugutekommenden Wirtschaft stehen zurzeit gewissenlose Profiteure im Wege. Wollen die gekauften Politiker so etwas &auml;ndern? K&ouml;nnen Sie die Gier des Geldadels besiegen? Meine Antwort: unm&ouml;glich!<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nEdmund Hagmann<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Herr Hagmann,<\/em><\/p><p><em>es ist doch sch&ouml;n, wenn wir beide nach mehr zehn Jahren immer noch meilenweit auseinanderliegen ;)<\/em><\/p><p><em>beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>16. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Moin liebe NDS-Redaktion,<br>\nmoin Herr Berger, <\/p><p>ein &ldquo;Denkfehler&rdquo; auf den NachDenkSeiten? Huch? Gibt&rsquo;s so etwas &uuml;berhaupt? <\/p><p>Ich bin verwirrt ob Ihres Artikels vom 07. August 2023, da mir die Intention dessen nicht klar werden will. Was wollen Sie mir, als Leser, damit zu verstehen geben? Da&szlig; eine Diskussion unerw&uuml;nscht ist? Warum ver&ouml;ffentlichen Sie dann Beitr&auml;ge zu einem Thema, das aus Ihrer Sicht sowieso schon fest steht? Damit f&ouml;rdern Sie doch nur den Drang, dieses Thema zu diskutieren. <\/p><p>Sie wollen der &ldquo;Zinskritik&rdquo; &ldquo;auf den NachDenkSeiten&rdquo; keinen &ldquo;Raum bieten&rdquo;. Als &ldquo;Begr&uuml;ndung&rdquo; f&uuml;hren Sie an, da&szlig; Sie sie f&uuml;r einen &ldquo;Irrweg&rdquo; halten. Diesen &ldquo;Irrweg&rdquo; sollen dann zwei nachfolgende Artikel &ldquo;belegen&rdquo;, die -mit Verlaub- vor seltsamen Vergleichen nur so strotzen. Da f&uuml;hlt man sich sogleich an die &ldquo;schw&auml;bische Hausfrau&rdquo; erinnert, die man mit dem bundesdeutschen Staatshaushalt verglich, um die &ldquo;Schuldenbremse&rdquo; zu rechtfertigen &mdash; nichts w&auml;re weiter voneinander entfernt als das. <\/p><p>Falls doch eine inhaltliche Diskussion erw&uuml;nscht ist, hier ein paar grunds&auml;tzliche Dinge zum Thema &ldquo;Zins&rdquo; aus meinem Gedankenpool, ohne Anspruch auf Vollst&auml;ndigkeit oder Richtigkeit: <\/p><p>&ldquo;Zins&rdquo; kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so etwas wie &ldquo;Pacht&rdquo;, &ldquo;Abgabe&rdquo;. Diese kann in Form von Prozentpunkten auf eine Summe abgegeben werden, mu&szlig; aber nicht: das ist eine Erfindung der Finanzindustrie der Neuzeit, die erst so richtig Sinn mit Computern macht. <\/p><p>Zinsen sind ein System, um eine Geldmenge X zu vergr&ouml;&szlig;ern, also X + Z wie Zins und auch Zinseszins, X + ZZ. Diese Vergr&ouml;&szlig;erung der Geldmenge mu&szlig; zus&auml;tzlich erwirtschaftet oder aus Vorhandenem abgezogen werden; sie ist daher zwar &ldquo;im System&rdquo;, aber nicht im Sinne der zus&auml;tzlichen Geldmenge, die sich daraus generiert. Beides, das Erwirtschaften wie auch das Abziehen aus Vorhandenem, um Z\/ZZ zu bedienen, ist nur begrenzt m&ouml;glich. Daher ist dem aktuellen Finanzsystem der immer wiederkehrende Kollaps inh&auml;rent, solange, wie das Zinssystem angewandt wird. Und das wird es permanent. Man k&ouml;nnte es auch als ein Schneeballsystem betrachten (ironischerweise sind diese in Deutschland verboten). <\/p><p>Da&szlig; Zinseszinsen die Geldmenge ZZ gegen&uuml;ber Z noch weiter vergr&ouml;&szlig;ert, hatte ich in meiner (leider unver&ouml;ffentlichten) Leserzusendung vom 01. Juni 2023 in Bezug auf Herrn Kr&auml;mers <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98642\">&ldquo;Gegen falsche Kritik an den Tarifabschl&uuml;ssen&rdquo;<\/a>, (der &uuml;brigens immer noch unkorrigiert, mit seinen offensichtlichen Falschbehauptungen auf den NDS zu finden ist) dargelegt. Dort wurde behauptet, da&szlig; (steuerfreie) Einmalzahlungen ein prima Inflationsausgleich w&auml;ren und 6% + 5% in zwei Jahren genauso viel w&auml;ren wie 0% + 11%: das ist falsch, was Jeder selbst durchrechnen kann, der ein wenig Ahnung von Zinsrechnung hat. 6% + 5% ergibt unterm Strich mehr als einmalig 11%, schon allein aus dem Grund, weil sich die 5%-ige Erh&ouml;hung auf X + 6%(X) bezieht und deshalb stets gr&ouml;&szlig;er als 11%(X) ist. Mit jedem weiteren Zinseszins vergr&ouml;&szlig;ert sich genau diese Schere immer weiter, was insbesondere f&uuml;r Kredite von Bedeutung ist. <\/p><p>Zinsen werden v&ouml;llig willk&uuml;rlich von den Zentralbanken vorgegeben; demokratisches Mitspracherecht existiert hier nicht (eher ein Kl&uuml;ngeln der Zentralbanker unter sich). Selbst Negativzinsen gab es schon, welche die Sparer de facto enteignen, was f&uuml;r sich genommen ein Skandal ist und das Zinssystem als Waffe entlarvt, die jederzeit gegen die eigenen B&uuml;rger wie auch gegen Staaten angewendet werden kann. <\/p><p>Banken, die sich von Zentralbanken Geld leihen, verleihen es zu wesentlich h&ouml;heren Zinss&auml;tzen an Kreditnehmer weiter (was dann ihr Reingewinn ist), und das auch noch je h&ouml;her, desto niedriger die &ldquo;Bonit&auml;t&rdquo; festgelegt wird (auch das geschieht willk&uuml;rlich). Sogenannte private Ratingagenturen sind quasi die Bewerter von Firmen &amp; Staaten, welche nach Gusto entscheiden, wer wie viel zu zahlen hat: sieht so ein faires System aus? Bei Privatb&uuml;rgern mit der beispielsweise &ldquo;Schufa&rdquo; sieht es noch schlimmer aus. Das Wohnen in einer &ldquo;schlechten&rdquo; Wohngegend (wer legt das fest?) kann hier schon f&uuml;r h&ouml;here Zinsen beim n&auml;chsten Kredit sorgen, ohne da&szlig; der B&uuml;rger davon wei&szlig; &mdash; um bei Ihrem Hauskauf-&ldquo;Vergleich&rdquo; zu bleiben. Das ist reine Geldmache und nichts anderes. Etwaige Risiken (die eine Bank auch selbst minimieren kann) et cetera sind nur willkommene Ablenkungsman&ouml;ver, bei genauerer Betrachtung haltlose Rechtfertigungsversuche. <\/p><p>Sie schreiben, da&szlig; es der Wirtschaft besser geht, wenn die Leitzinsen niedrig sind. Damit haben Sie die Absurdit&auml;t eines Zinssystems doch selbst belegt. <\/p><p>Wenn ich die Sache korrekt &uuml;berblicke, dann sind die Zinsen sogar der Ausl&ouml;ser f&uuml;r Inflation, Deflation &amp; Stagnation. Wenn immer nur die selbe Geldmenge kursierte, ohne da&szlig; sie durch das Zinssystem auf wundersame Weise vermehrt w&uuml;rde, dann g&auml;be es auch dieses &ldquo;ewige Wachstum&rdquo; nicht (au&szlig;er im Falle von Negativzinsen); von Geldsch&ouml;pfungen aus dem &ldquo;Nichts&rdquo; wie bei Kreditvergaben oder die grotesken Finanzspekulationen in ihren &ldquo;Blasen&rdquo;, die weitaus gr&ouml;&szlig;er als die Realwirtschaft sind, einmal abgesehen. <\/p><p>&Uuml;brigens m&uuml;ssen Staaten tats&auml;chlich neue Kredite aufnehmen, alleine, um die Zinslast tragen zu k&ouml;nnen, wenn die Schuldenberge zu gro&szlig; werden &amp; sie sie aus dem laufenden BIP nicht stemmen k&ouml;nnen oder wollen. Medien haben mehr als nur einmal dar&uuml;ber berichtet. Man k&ouml;nnte ja auch weniger f&uuml;r die R&uuml;stung ausgeben&hellip; <\/p><p>Just my 2 Cents <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nMichael Schauberger<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Herr Schauberger,<\/em><\/p><p><em>puh, das ist ja eine Philippika erster G&uuml;ter. Das wir sehr wohl auf eine Diskussion aus sind, sollte Ihnen ja die Ver&ouml;ffentlichung Ihres Leserbriefs belegen. Aber manchmal ist es sinnvoller, sich auf &bdquo;We agree to disagree&ldquo; zu verst&auml;ndigen. W&uuml;rde ich auf Ihre Punkte eingehen, m&uuml;sste ich mich nur wiederholen.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>17. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger,<\/p><p>seit Jahren verfolge ich relativ aufmerksam deine Text-Ver&ouml;ffentlichungen im Internet. Schon vor mehr als 10 Jahren hast du noch als &ldquo;Spiegelfechter&rdquo; die &ldquo;Zinskritiker&rdquo; kritisiert, zu denen ich mich seit 2010 z&auml;hle. Deine &ldquo;Kritik der Zinskritiker&rdquo; fand ich so schwach, dass ich zeitweise weniger von dir las, doch mit anderen Themen wie dem Buch &ldquo;Wem geh&ouml;rt Deutschland&rdquo; (das ich mit Gewinn gelesen habe) und der Vortragsreihe dazu, die ich in Wuppertal besuchte, sowie geopolitischen Analysen (&ldquo;Pipelines sprengen unter Freunden&rdquo;) konntest du mich als Leser &ldquo;zur&uuml;ckggewinnen&rdquo;. Ich hoffe, ich kann hiermit einige deiner Vorbehalte gegen &ldquo;Zinskritiker&rdquo; ausr&auml;umen.<\/p><p>Eingangs erkl&auml;rst du in deinem Text buchst&auml;blich lehrbuchm&auml;&szlig;ig, warum &ldquo;der Zins&rdquo; vom Kreditgeber erhoben und vom Kreditnehmer gezahlt wird. Du nennst die Bestandteile &ldquo;Risiko-Ausgleich&rdquo; und &ldquo;Zeitpr&auml;ferenz&rdquo; (Preis f&uuml;r das Warten). Gegen den Risiko-Ausgleich ist &uuml;berhaupt nichts einzwenden und es gibt sogar noch den von dir genannten Inflationsausgleich, der ebenfalls unbedenktlich ist. Problematisch ist dagegen der &ldquo;Preis f&uuml;r das Warten&rdquo;. Schon der vielleicht ber&uuml;hmteste Zinskritiker des 20. Jahrhunderts, Silvio Gesell, auf den der Begriff Freiwirtschaft zur&uuml;ckgeht, hat zwischen den von mir genannten und bedenklichen Zinskomponenten Risikopr&auml;mie und Inflationsausgleich einerseits und dem problematischen &ldquo;Urzins&rdquo; <a href=\"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/~roehrigw\/gesell\/nwo\/5_7.htm\">anderseits unterschieden<\/a>. Auch hat er mit der <a href=\"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/~roehrigw\/gesell\/nwo\/5_1.htm\">&ldquo;Robinsonade&rdquo;<\/a>) eine anschauliche Kurzgeschichte geschrieben, die verdeutlicht, dass es keinesfalls so ist, dass heutiger Konsum immer sp&auml;terem Konsum vorzuziehen ist. Im Gegenteil wollen auch heute fast alle Menschen f&uuml;r ihr Alter vorsorgen, also jetzt mehr arbeiten um sp&auml;ter weniger arbeiten zu k&ouml;nnen, als sie zum Leben brauchen. Es ist eine Leistung der Kreditnehmer, dies zu erm&ouml;glichen!<\/p><p>Dass tats&auml;chlich niemand sein Geld ohne den Urzins verleiht, liegt an der Liquidit&auml;tspr&auml;ferenz, die schon John M. Keynes, der durchaus lobend von Gesell sprach, ausf&uuml;hrlich beschrieb. Nat&uuml;rlich ist es beim jetzigen Geld f&uuml;r den einzelnen vorteilhaft, liquide zu bleiben, statt sein Geld in langfristigen Anlagen festzulegen. Geld ist im Kern aber nur Information, eine gesellschaftliche Vereinbarung, die jederzeit ge&auml;ndert werden kann. Ich empfehle, das &ldquo;Wunder von W&ouml;rgl&rdquo; zur Veranschaulichung der praktischen Durchf&uuml;hrbarkeit. Seit ein paar Jahren gibt es dazu nicht nur zahlreiche Texte, sondern auch einen sehr sehenswerten Spielfilm.<\/p><p>Die Geschichte vom &ldquo;Josefspfennig&rdquo; wird von uns Zinskritikern ja gerade deshalb erz&auml;hlt, weil sie zeigt, wie absurd und unm&ouml;glich exponentielles Verm&ouml;genswachstum in Naturalien auf einem begrenzten Planeten ist. Das Ergebnis von 2000-j&auml;hriger Verzinsung zu 5% w&auml;ren mehrere Erdkugeln aus Gold, hei&szlig;t es in der Geschichte. Wer es mathematischer m&ouml;chte: 1 * 1,05^2000 = 2,9 * 10^42 &ndash; also eine Zahl mit 42 Stellen. Der Einwand, dass ja ein Teil davon durch Steuern abgesch&ouml;pft w&uuml;rde, &auml;ndert &uuml;berhaupt nichts am Prinzip. Nehmen wir an, die &ldquo;Kapitalertragssteuer&rdquo; betr&uuml;ge ordentliche 50%, so w&auml;re die Rechnung halt 1 * 1,025 ^ 2000 = 2,8 * 10^21. Bill Gates besitzt dagegen (laut Bing) &ldquo;nur&rdquo; 118 Milliarden Dollar, also 1,2 * 10^13 Cent.<\/p><p>&ldquo;Zinskritiker&rdquo; gehen &uuml;brigens davon aus, dass die genannten Krisen, in denen immer wieder Verm&ouml;gen im gro&szlig;en Ma&szlig;stab vernichtet wird, h&auml;ufig keine Naturereignisse sind, sondern gerade durch die (durch Zins und andere leistungslose Einkommen) unhaltbar gewordene Verm&ouml;gensungleichheit herbeigef&uuml;hrt werden.<\/p><p>Der Wachstumszwang wird durch Zinsen insofern ausgel&ouml;st, dass wachsende Verm&ouml;gen bei gleichbleibenden Zinss&auml;tzen einen wachsenden Anspruch an die Wirtschaftsleistung haben. Bliebe die Wirtschaftsleistung gleich, w&uuml;rde das bedeuten, dass der Anteil der Arbeitseinkommen mit wachsenden Zinseinkommen zwangsl&auml;ufig zur&uuml;ckginge. Genau das zeigt das von dir genannte Beispiel der Jahre 1945 bis 1980: bei stets hohem Wirtschaftswachstum sind Zinsen relativ unproblematisch. Die arbeitende Bev&ouml;lkerung muss zumindest nicht &auml;rmer werden, nur weil der _Anteil_ der Zins-Zahlungen am Bruttoinlandsprodukt w&auml;chst. Dass es aber weder sinnvoll nur m&ouml;glich ist, dauerhaft exponentiell mehr zu produzieren &ndash; 2% vom heutigen BIP sind deutlich mehr als 2% vom deutschen BIP des Jahres 1950! -, kann nur mit neuerlicher Zerst&ouml;rung zu den Wachstumsraten dieser Zeit zur&uuml;ckgekehrt werden. Eine anschauliche Grafik dazu <a href=\"https:\/\/inwo.de\/einstieg\/crashkurs\/crash-kurs-ziel-1.html\">ist diese<\/a>.<\/p><p>Du schreibst selbst, dass du den Unterschied zwischen Inflation und &ldquo;Umlaufsicherung&rdquo;, der von Zinskritikern vorgeschlagenen L&ouml;sung, nicht verst&uuml;ndest. Hier kann ich dich tr&ouml;sten: der Unterschied ist tats&auml;chlich schwer zu verstehen, vielleicht auch deshalb, weil er gar nicht so gro&szlig; ist. Wichtig ist aber: eine wirksame Umlaufsicherung, die den Urzins neutralisiert, sollte _konstant_ etwa 3 % betragen. Die Inflation war aber lange unter 2 % und ist weit entfernt davon, stabil und damit planbar zu sein. Hortbares (hier einmal dieses Wort) Geld hat eine deflation&auml;re Tendenz eingebaut, es geh&ouml;rt also eine geh&ouml;rige Anstrengung dazu, &uuml;berhaupt eine Inflation zu erzeugen. Umso zerst&ouml;rerischer sind jetzt die angeblich der Inflationsbek&auml;mpfung dienenden Zinsvervielfachungen der EZB&hellip; Auch wenn stabile Inflation &uuml;ber die Auszahlung eines BGE durch die Zentralbank erzeugbar w&auml;re, oder durch teilweise Staatsfinanzierung &uuml;ber die Zentralbank (&ldquo;Modern Monetary Theory&rdquo;) scheint mir ein wertstabiles Geld mit Umlaufsicherung doch wesentlich angenehmer, als alle Werte quasi indizieren zu m&uuml;ssen.<\/p><p>Ein Vorwurf an &ldquo;Zinskritiker&rdquo;, den ich tats&auml;chlich als teilweise berechtigt ansehe, ist derjenige, dass sie in arroganter und ignoranter Weise ihre L&ouml;sung als die einzige wahre und allein selig machende darstellen. Zum einen werden mit &ldquo;Geld ohne Zinsen und Inflation&rdquo; (Margrit Kennedy) nat&uuml;rlich nicht alle Problem gel&ouml;st, insbesondere im Bodenbereich, wozu Gesell aber mit &ldquo;Freiland&rdquo; ebenfalls eine L&ouml;sung ausgearbeitet hat, und zum anderen bleiben noch Probleme mit Gewalt, Umweltzerst&ouml;rung, Vereinsamung&hellip; f&uuml;r die andere L&ouml;sungen gefunden werden m&uuml;ssen. Wir Zinskritiker sind aber davon &uuml;berzeugt, dass Freiland und Freigeld die besten Voraussetzungen schaffen, Zeit und Energie zur Bew&auml;ltigung dieser und anderer Probleme freizusetzen.<\/p><p>In der Tat gibt es unter Zinskritikern auch solche, die f&auml;lschlicherweise Geld und Verm&ouml;gen gleichsetzen. Die seri&ouml;seren Kritiker, zu denen in neuerer Zeit zum Beispiel Helmut Creutz (&ldquo;Das Geld-Syndrom&rdquo;) z&auml;hlte, unterscheiden dies aber im Gegenteil besonders stark: nur Zentralbankgeld (wozu auch Bargeld geh&ouml;rt) ist f&uuml;r Creutz tats&auml;chlich Geld. Alle anderen Geldformen sind nur &ldquo;Anspruch auf Geld&rdquo; &ndash; was man ja deutlich dann merkt, wenn ein Bank pleite geht und nicht vom Staat gerettet wird.<\/p><p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nVlado Plaga<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Vlado Plaga,<\/em><\/p><p><em>auch die Beantwortung dieser Mail w&uuml;rde hier den Rahmen sprengen, wenn ich wirklich auf alle Punkte eingehen soll. Wenn ich mal wieder zu einem Vortag in Wuppertal bin, k&ouml;nnen wir das nach den Vortrag gerne bei einem (oder wohl eher einigen ;-)) Glas Bier disktuieren. <\/em><\/p><p><em>Liebe Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>18. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger, <\/p><p>du hast es schon wieder getan. Ein kurzer Blick auf deinen Hinweis hin in euer Archiv (vor 12 Jahren!! &ndash; das war sogar vor meiner Zeit bei den NDS) und ich lerne was neues &ndash; es ist echt immer wieder erstaunlich. Vielen Dank daf&uuml;r.<\/p><p>Zwei Dinge habe ich insbesondere mitgenommen. Das eine ist die Entwicklung des Spitzensteuersatzes in den USA im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts. Ich m&ouml;chte dabei noch darauf hinweisen, dass das nicht &sbquo;die ganze Wahrheit&lsquo; sein d&uuml;rfte, weil Spitzensteuersatz sich ja auf Arbeitseinkommen bezieht und zum Beispiel nicht auf Zinseinkommen &ndash; das zumindest heute einen anderen Steuersatz verwendet &ndash; oder Firmengewinne. Und wie ist das eigentlich mit Boni, Pr&auml;mien, Aktienanteilen ect? Aber die Grafik ist nat&uuml;rlich trotzdem erhellend &ndash; sie beleuchtet vor allem die von dir vor 12 Jahren angef&uuml;hrte &sbquo;politische &Uuml;bereinkunft&lsquo; ab 1945. <\/p><p>Bis dato war mir dieser Aspekt nur &sbquo;episodisch&lsquo; bewusst, zum Beispiel aus einem Kommentar aus der Anstalt (sie Ruhe in Frieden) zum Spitzensteuersatz (oder war es Verm&ouml;genssteuer?) unter Helmut Kohl. <\/p><p>F&uuml;r das andere muss ich ausholen, denn begonnen hat diese Erkenntnis, mit einem Widerspruch an einem Punkt deiner Argumentation zur Zinskritik. <\/p><p>Grunds&auml;tzlich: ja &ndash; die Probleme mit den Anekdoten zur Zinskritik sind mir klar. Ich versuche selbst immer wieder dagegen anzuschreiben, und es ist schwierig. Ich habe sicherlich nicht den &Uuml;berblick &uuml;ber die unterschiedlichen Perspektiven, wie du ihn durch viele Zuschriften an die Nachdenkseiten hast. Ich habe nur einen beschr&auml;nkten Einblick, und den leite ich nicht so sehr aus Kommentaren ab, sondern mehr aus dem Inhalt der Artikel von Zinskritikern &ndash; zum Beispiel diesem hier: <\/p><p><a href=\"https:\/\/apolut.net\/zinsen-und-schulden-zerstoeren-die-balance\/%20\">apolut.net\/zinsen-und-schulden-zerstoeren-die-balance\/ <\/a><\/p><p>Und ich sehe immer nur diesen einen Standpunkt in unterschiedlichen Variationen: &bdquo;Zinsen zerst&ouml;ren das Geldsystem weil sie exponentielles Wachstum verlangen&ldquo;. <\/p><p>Wir sind uns hier dar&uuml;ber einig, dass das Argument in die Irre f&uuml;hrt. Ich w&uuml;rde speziell deiner Analyse zustimmen, dass dies &bdquo;einen Irrweg [darstellt], der nur von den eigentlichen Problemen ablenkt.&ldquo; <\/p><p>Aber wenn du sagst, &bdquo;Die Zinskritiker gehen implizit davon aus, dass die kreditvergebenden Banken die Zinseinnahmen horten&ldquo;, muss ich dir vehement widersprechen. Die innere Logik aller Artikel zu dem Thema, die ich kenne, machen deutlich, dass die Zinskritiker genau davon NICHT ausgehen. Wenn sie das t&auml;ten, w&auml;re ihre Kritik viel sachlicher und besser begr&uuml;ndet &ndash; ich werde das im folgenden Ausf&uuml;hren. <\/p><p>Stattdessen gehen die Zinskritiker &ndash; so sehe ich das immer wieder &ndash; davon aus, dass der Zinseszins ein systemisch immanentes Problem ist, ein Strukturproblem des Systems selbst &ndash; und darum eben ein generelles mathematisches Problem. Wir k&ouml;nnen uns vermutlich (vielleicht hoffentlich?) darauf einigen, dass dieser Standpunkt aus einem Unverst&auml;ndnis der Beispiele herr&uuml;hrt, die wie du sagst, bei n&auml;herer Betrachtung in sich zusammenfallen, wenn man sie logisch vom Anfang (den Basisannahmen) bis zum Ende durchschaut. Und das scheint vielen Zeitgenossen nicht zu gelingen. Leider ist dem schwer beizukommen. Ich habe das in einem der beiden Kommentare zum von mir oben verlinkten Apolut-Artikel versucht. Leider ist der Kommentarbereich dort augenscheinlich nur von registrierten Nutzern einsehbar. Und selbst wenn &ndash; wenn sich jemand mit der Logik an dieser Stelle schwer tut (und das Zinsproblem ist nicht banal, sondern schwierig), dann tut es Not die Argumente in einem pers&ouml;nlichen Austausch (wenn m&ouml;glich ein Gespr&auml;ch) zu erl&auml;utern. Textw&auml;nde helfen da eher wenig. <\/p><p>Horten dagegen w&auml;re ein Problem des Verhaltens, also nichts systemisches. Vielleicht siehst du dieses Argument ja h&auml;ufiger in den antisemitisch konnotierten Kritiken des Zins-Systems, mit denen ich mich &uuml;berhaupt nicht besch&auml;ftige (dort passen sie wie bestellt und nicht abgeholt(!)), aber in den anderen kann ich dieses Argument (leider) nicht finden. <\/p><p>Tats&auml;chlich gibt es eine &uuml;berw&auml;ltigende Evidenz daf&uuml;r, dass das Geldsystem nicht (oder nicht im Sinne der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung) funktioniert, sondern eben hortet! Und jetzt ist die Frage &ndash; ist das systemisch, oder ist das &sbquo;Fehlverhalten&lsquo;? <\/p><p>Oder alternativ &ndash; funktioniert es vielleicht so, wie es soll, aber wir haben bei diesem &sbquo;soll&lsquo; schlicht nix zu melden? <\/p><p>Theoretisch mache ich das immer gerne am Beispiel des Prachtbaus fest, den sich die Deutsche Bank vielleicht nach Frankfurt stellt. *Wenn* sie das von ihren Gewinnen tut, dann bezahlt sie &ndash; wie du das selbst erl&auml;uterst &ndash; Geh&auml;lter, Baukosten, Material, im g&uuml;nstigsten Fall sogar f&uuml;r K&uuml;nstler und nicht nur f&uuml;r das Architekturb&uuml;ro &ndash; und (finanz-)systemisch ist alles in Ordnung. In diesem Fall, fallen die argumentativen Beispiele der Zinskritiker, genau wie du das sagst, wie Kartenh&auml;user in sich zusammen. Was einigerma&szlig;en paradox anmutet, wenn man bedenkt, dass die Ungleichheit in den Verm&ouml;gen genau &uuml;ber solche Prachtbauten und andere Exzesse ihren Weg in die allgemeine Wahrnehmung findet. Das hei&szlig;t, wir m&uuml;ssen an der Stelle immer noch &uuml;ber Reichtumsverteilung reden, oder &uuml;ber die &ouml;kologischen Folgen, wenn das Finanzsystem dadurch &sbquo;stabil&lsquo; gehalten wird, dass einige wenige sich st&auml;ndig neue Prachtbauten, Luxussegelyachten oder Privatjets anschaffen m&uuml;ssen! Aber die Mathematik liefert, was sie soll: einen funktionierenden Geldkreislauf. <\/p><p>*Aber* die Deutsche Bank strebt eine Eigenkapitalrendite von 25% an &ndash; das ist wohlgemerkt eine Aussage von Joseph Ackermann, also ungef&auml;hr so alt oder noch &auml;lter, als deine Einlassungen zum Thema. Und diese 25% sind das, was nach den Prachtbauten an Reingewinn &uuml;brig bleibt. Die werden eben genau NICHT mehr in Prachtbauten in Frankfurt am Main, zum Beispiel &bdquo;an der Goldgrube 3&ldquo;, gesteckt, sondern kommen den Anteilseignern der Deutschen Bank in welcher konkreten Form auch immer zugute. Die werden also an dieser Stelle erst mal abgezogen. Und was passiert dann damit? Werden die vielleicht gehortet? Das ist die Frage, die wir praktisch beantworten m&uuml;ssen und auch k&ouml;nnen! <\/p><p>Aus meiner Sicht zeigen die Zahlen des Finanzsektors: die werden &uuml;berwiegend &sbquo;gehortet&lsquo;. Und zwar nicht auf Girokonten sondern in dubiosen Finanzanlagen, Geldgesch&auml;ften und Schattenbank-Aktivit&auml;ten, die man ohne weiteres als illegales &sbquo;Gl&uuml;cksspiel&lsquo; bezeichnen k&ouml;nnte. <\/p><p>Nur dieses Spiel ist get&uuml;rkt. Finanziell lukrativ wird die ganze Sache, weil es eben kein reines &sbquo;Gl&uuml;cksspiel&lsquo; ist, sondern solange es keinen Crash gibt, eine Dividende garantiert ist (und selbst dann gibt es f&uuml;r diese Art von &sbquo;Risikokapital&lsquo;, wie sie es nennen, Sicherheitsgarantien &ndash; wir erinnern uns vielleicht gemeinsam an James Dean und den Poker um Griechenland). Und damit diese Dividenden garantiert sind, m&uuml;ssen sie aus der Geldsch&ouml;pfung selbst gespeist werden &ndash; denn reale Werte k&ouml;nnen nicht im selben Ma&szlig;e wachsen wie die Geldmenge im Finanzsektor in &ndash; sagen wir &ndash; den letzten 40 Jahren (ich rede bewusst nicht von exponentiell, das ist eine irref&uuml;hrender Begriff von Leuten, die nicht in der Lage sind, mathematisch zu beschreiben was eine Exponentialfunktion ist UND nicht Willens oder in der Lage sind dieses Wissen praktisch anzuwenden, was die Regel ist, auch und gerade unter Uni-Absolventen &ndash; siehe auch Exponentialfunktion und Corona-Fake). <\/p><p>Das Problem wird dann nochmal verst&auml;rkt dadurch, dass &sbquo;alle Welt&lsquo; versucht der Realwirtschaft Geld abzupressen, um an den &sbquo;Wertsteigerungen&lsquo; im Finanzsektor &sbquo;teilzuhaben&lsquo; &ndash; was halt zu allem &Uuml;berfluss (das darf man hier w&ouml;rtlich nehmen) auch noch notwendig die &sbquo;Konjunktur&lsquo; abw&uuml;rgt. <\/p><p>Du sagst, &bdquo;das Argument [..], Geld, das nicht ausgegeben, sondern gespart w&uuml;rde, w&uuml;rde &bdquo;gehortet&ldquo; und damit der Volkswirtschaft entzogen&ldquo; k&ouml;nntest du &bdquo;durch Betrachtung der regul&auml;ren Kreditvergabe widerlegen.&ldquo; <\/p><p>Das geht einerseits am Problem vorbei (denn die Spareinlagen sind noch nicht mal Teil des Finanzsektors) und ist andererseits schlicht ein logischer Fehlschluss, denn die Zahlen zeigen keineswegs, &bdquo;dass auch heute noch die Kreditvergabe im Wesentlichen aus den Einlagen der Bankkunden vorgenommen wird&ldquo;. Die theoretische Basis ist hier eindeutig (aber nicht unbestritten). G&uuml;nter Grunert fasst sie zum Beispiel <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/banken-geldvermittler-und-geldschopfer\/\">hier zusammen<\/a>. <\/p><p>Leider ist der Artikel wohl hinter einer Bezahlschranke und G&uuml;nter Grunert hat sicherlich auch nur eine und zuerst seine eigene Meinung. Darum nehme ich mit ihm zusammen die Bundesbank in Anspruch. G&uuml;nter Grunert schreibt: [ZITAT] <\/p><p>Noch deutlicher wird die Deutsche Bundesbank in ihrem Begleitmaterial zum Sch&uuml;lerbuch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/FAQ_Listen\/faq_zum_thema_geldschoepfung.html?docId=322134#322134\">Geld und Geldpolitik<\/a>&ldquo;: <\/p><p>&laquo;Tats&auml;chlich wird bei der Kreditvergabe durch eine Bank stets zus&auml;tzliches Buchgeld geschaffen. Die weitverbreitete Vorstellung, dass eine Bank &sbquo;auch altes, schon fr&uuml;her gesch&ouml;pftes Buchgeld, z.B. Spareinlagen, weiterreichen&lsquo; (k&ouml;nne), [&hellip;] trifft nicht zu.&raquo;[ZITAT ENDE] <\/p><p>Will hei&szlig;en, um in einem in letzter Zeit so entsetzlich entstelltem logischen Zerrbild zu sprechen: Der von dir propagierte Zusammenhang zwischen &bdquo;Kreditsumme von 3.963 Milliarden Euro ,[und] immerhin 3.206 Milliarden Euro an Einlagen&ldquo; ist eine reine Korrelation, aber keinesfalls kausal &ndash; nach Aussage der Bundesbank. <\/p><p>Das hat also nichts mit einander zu tun. Das Geld der Sparer wird gehortet &ndash; und das schafft mindestens 3 Probleme. Einem davon &ndash; dem Entzug des Sparer-Kapitals aus dem Geldkreislauf &ndash; begegnet unser Geldsystem mit der Geldsch&ouml;pfung durch Kreditvergabe. Und das tut es &ndash; zumindest nach den von dir genannten Zahlen &ndash; augenscheinlich in recht vern&uuml;nftiger Weise. Ich sage augenscheinlich, weil ich dieser Interpretation und ihrer Datengrundlage so weit &uuml;ber den Weg traue, wie den Covid-Zahlen des RKI. <\/p><p>Das zweite Problem betrifft systemische Krisen. Die meisten von uns &ndash; so sie denn nicht von Kladden oder von der Leyen hei&szlig;en &ndash; Sparen ja f&uuml;r schlechte Zeiten oder f&uuml;r ganz normale allt&auml;gliche &sbquo;Risiken&lsquo; wie die Ausbildung der Kinder. Wenn es um die Ausbildung der Kinder geht, ist systemisch alles gut. Deine Tochter f&auml;ngt heute ihr Studium an, weshalb du heute dein daf&uuml;r geschaffenes Sparkonto anbrichst. Die Enkelin von Albrecht M&uuml;ller f&auml;ngt in 5 Jahren mit dem Studium an, und meine Tochter in 10. Systemisch gleichen sich also Sparen und Konsumieren aus &ndash; vorausgesetzt, und das ist ja wie du zeigst der Fall, die Spareinlagen werden dem Geldkreislauf nicht nominal entzogen sondern stehen in anderer Form weiterhin zur Verf&uuml;gung. <\/p><p>Anders l&auml;uft das bei systemischen Krisen. Sagen wir das Essen wird knapp. Das passiert dann nicht f&uuml;r mich dieses Jahr, und f&uuml;r dich n&auml;chstes, und f&uuml;r Albrecht M&uuml;ller erst in 12. Sondern das Essen wird jetzt knapp &ndash; f&uuml;r alle. Die erste Reaktion eines &sbquo;freien&lsquo; Marktes auf eine Verknappung ist ein Preisanstieg, um die Nachfrage zu begrenzen. Also der Markt reagiert auf die Unm&ouml;glichkeit, Essen zu verteilen, dass nicht da ist, in dem er den Zugang zu Nahrungsmitteln auf diejenigen mit der gr&ouml;&szlig;ten Zahlungsf&auml;higkeit beschr&auml;nkt. Mit anderen Worten &ndash; die anderen m&uuml;ssen Hungern. Das ist kein Problem des Marktes. Unsere logische Nebenbedingung war, dass die Nahrungsmittel knapp werden. Ein Teil der Nebenbedingungen ist explizit, dass der Markt daran nichts &auml;ndern kann. Er muss dann irgendwie darauf reagieren. Die Ursachen des Problems sind andere &ndash; vielleicht politische, weil ein Wirtschaftsminister die Gaseinfuhr aus einem Drittstaat unterbunden hat, und darum die D&uuml;ngemittelproduktion ausgel&ouml;scht hat. Nur so als fiktives Beispiel, das mit der Wirklichkeit nat&uuml;rlich nichts zu tun hat. <\/p><p>Zur&uuml;ck zur Geldwirtschaft: Vor dem Hunger werden die Spareinlagen aller Marktteilnehmer aufgezehrt, und zwar nicht gleichm&auml;&szlig;ig, sondern mit einem steigenden &sbquo;festen&lsquo; Satz &ndash; den Nahrungsmittelpreisen. In dem Moment in dem jemand die Preise nicht mehr zahlen kann &ndash; sprich sein Einkommen nicht mehr ausreicht und seine Spareinlagen aufgebraucht sind &ndash; muss er hungern und scheidet aus dem Markt aus. Das passiert so lange, bis die Preise ein Niveau erreicht haben, das sicherstellt, dass die Menge der Marktteilnehmer (Stichwort effektive Nachfrage) so klein ist, dass das &sbquo;Angebot&lsquo; zu ihrer (und nur ihrer) &sbquo;Versorgung&lsquo; ausreicht. <\/p><p>Das hei&szlig;t, angesichts der Tatsache, das Albrecht M&uuml;llers Einlagen (und Einkommen) gr&ouml;&szlig;er ist als meines, werde ich eher Hunger leiden als er, und mehr noch, meine Tochter wird auch eher nicht mehr in der Lage sein, ihr Studium zu finanzieren! Denn meine Einlagen, die daf&uuml;r gedacht waren, sind ja weg &ndash; aufgegessen m&ouml;chte man sagen. <\/p><p>Wir erinnern uns &ndash; wir sparen ja eigentlich um elementaren Lebensrisiken zu begegnen, und das funktioniert offenbar bei systemischen Problemen gar nicht. Das hei&szlig;t eigentlich sollten wir unsere Einlagen f&uuml;r solche Risiken nicht verwenden, aber diese Forderung ist v&ouml;llig weltfremd. Darum sind meine Spareinlagen dann eben trotzdem weg. Ich musste sie verfr&uuml;hst&uuml;cken. <\/p><p>Schlimmer noch, und das ist das dritte Problem: Die Kinder der Kladdens haben so viel Geld, dass sie selbst in Krisenzeiten nicht nur nicht hungern m&uuml;ssen (es sei ihnen geg&ouml;nnt) und ihr Studium unbesehen fortsetzen k&ouml;nnen (das ist sch&ouml;n) nein, es reicht auch noch, daf&uuml;r dass ihre Eltern im gro&szlig;en Stil Nahrungsreserven und -importe aufkaufen (also zum Beispiel Importgetreide aus der Ukraine, dass seinen Weg nicht in die Sahelzone findet, sondern in die EU, was erstaunlicherweise nicht mit einer Senkung des Lebensmittelpreises durch ein Mehrangebot verbunden ist, sondern zeitlich mit einer ungew&ouml;hnlich starken Inflation der selben korreliert (!) &ndash; wieder ein kleines rein fiktives Beispiel), um den Preis k&uuml;nstlich zus&auml;tzlich in die H&ouml;he zu treiben, und die &sbquo;Chancen der Krise&lsquo; ad&auml;quat f&uuml;r sich auzusch&ouml;pfen. <\/p><p>Will hei&szlig;en, Spareinlagen sind auch ein Problem, weil sie kurzfristig zus&auml;tzlich auf den Markt geworfen werden k&ouml;nnen und dabei die allgemeinen Regeln der Preisbildung au&szlig;er Kraft setzen und so den gesellschaftlich gew&uuml;nschten Ablauf des &sbquo;Marktes&lsquo; st&ouml;ren &ndash; in der Regel nicht zum Nachteil der &lsquo;Sparer&rsquo; oder allenfalls der Kleinsparer, und nebenbei nicht nur in Krisenzeiten. Diese M&ouml;glichkeit besteht jederzeit f&uuml;r jeden beschr&auml;nkten Teilmarkt unabh&auml;ngig (Nahrungsmittel, Immobilien, Heiz&ouml;l, Stahl, Maschinenbauteile, Mikroelektronik, Baustoffe &hellip;).<br>\nDieses Problem ist auch schon bei allgemeinen Sichteinlagen sp&uuml;rbar (siehe Inflation und Arbeitseinkommen bei Heiner Flassbeck &ndash; und speziell die &sbquo;Abweichungen&lsquo; von der Regel; muss man aber selber denken, steht nicht dabei), und skaliert nat&uuml;rlich mit der H&ouml;he der &sbquo;Spareinlagen&lsquo;. <\/p><p>Und hier kommt jetzt der Overkill: Als &sbquo;Spareinlagen&lsquo; in diesem Sinne kann man ohne weiteres auch die gigantischen Geldbetr&auml;ge aus den Derivate-Gesch&auml;ften und Schattenbanken betrachten. Kommt auch nur ein kleiner Bruchteil dieser &sbquo;Finanzreserven&lsquo; kurzfristig auf irgendeinen Markt f&uuml;r reale Wert- oder Gebrauchssachen, dann sind die zu erwartenden Preisverwerfungen gigantisch. Manipulationen sind T&uuml;r und Tor ge&ouml;ffnet &ndash; oder jede Krise bietet auch eine Chance. Von politischen Manipulationen zum Beispiel durch Lobbying haben wir noch kein Wort verloren. <\/p><p>Nochmal um das unmi&szlig;verst&auml;ndlich klar zu stellen: wir sprechen hier von dem oben behandelten Finanzsektor aus Derivaten, B&ouml;rsenwetten und Schattenbanken! Und dieses Problem f&uuml;hrt uns zur eigentlichen Wurzel zur&uuml;ck. <\/p><p>Die heutigen Probleme des Finanzsystems liegen nicht so sehr in den Finanzsystemen (obwohl sie dort seit Jahrhunderten methodisch angelegt und verwurzelt werden) sondern sind im Kern eine MACHTFRAGE und als solches ein soziales Problem. <\/p><p>Achso und ganz nebenbei &ndash; Inflation ist hier keine sinnvolle Antwort, denn selbst wenn sie nominal f&uuml;r alle identisch ist &ndash; f&uuml;hrt sie systematisch zur Verarmung der arbeitenden Bev&ouml;lkerung. Das ist sogar dann so, wenn die Inflation nicht bei Nahrungsmitteln (die ja wie ein h&auml;ufiges Argument besagt, einen wesentlich h&ouml;heren Anteil bei geringen Einkommen ausmachen) ausbricht, sondern wie in den vergangenen 10 Jahren geschehen als &lsquo;Asset Price Inflation&rsquo;. Denn die &lsquo;Assets&rsquo; werden nicht gegessen. Man kann ein Haus nicht essen. W&auml;hrend also ein Brot, dass ich f&uuml;r 100% mehr Geld kaufe einfach einen Verlust von 50% meiner Finanzkraft bedeutet, kann ich einen Asset nach 100% Inflation zwar auch nur unter Verlust von 50% meiner Finanzkraft kaufen, aber wenn ich den 1 Jahr lang halte, und die Inflation nochmal 100% betr&auml;gt verkaufe ich ihn danach f&uuml;r das 4-Fache. Im allerschlimmsten Fall mache ich selbst Verlust, aber ein anderer hat dann diesen meinen Verlust auf seinem Konto. Das sind ganz grunds&auml;tzliche Unterschiede &ndash; Inflation zur Minimierung&nbsp; (Entwertung) von Arbeitseinkommen(!) &ndash; Sichteinlagen sowieso &ndash; kein Problem. Inflation zur Vernichtung von Verm&ouml;gen (&lsquo;Assets&rsquo;) scheidet aus. <\/p><p>Und damit komme ich zu meiner zweiten Erkenntnis aus deinen Einlassungen: <\/p><p>Wir brauchen nicht nur f&uuml;r die Altersvorsorge ein umlagefinanziertes System, wir brauchen es generell. Kapitalgedeckte Sicherungssysteme sind eben nicht nur bei der Rente fatal. Sie funktionieren generell nicht, sobald es umw&auml;lzende Krisen gibt. Also Kapitalgedeckte Sicherungssysteme funktionieren immer nur solange, wie wir sie eigentlich nicht brauchen. Prima. <\/p><p>Nun ist die Erkenntnis nicht ganz neu. Und ich f&uuml;hle mich bei euch damit in guter Gesellschaft. Die Nachdenkseiten werben ja nicht nur seit 20 Jahren f&uuml;r eine Umlagefinanzierte Rente, sondern verstehen sich ganz allgemein als traditionell linke Kraft. <\/p><p>Neu ist daher f&uuml;r mich vor allem die gedankliche Verbindung, dass die normalen Sicherungssysteme &ndash; wie eben Spareinlagen, aber auch und sogar zum Beispiel Versicherungen &ndash; die selben Probleme haben, wie die Kapitalgedeckte Altersvorsorge, und darum auch genauso zu behandeln sind. Und die einzige Alternative sind jeweils Umlage-gedeckte Systeme (es gibt prinzipiell nur diese beiden). <\/p><p>Das hei&szlig;t jetzt nicht, dass wir die kapitalgedeckten Varianten verbieten &ndash; soll doch jeder der will. Wir d&uuml;rfen nur die gemeinschaftlichen Umlagesysteme nicht schleifen. Die kommen &uuml;brigens im Zweifel sogar ohne Geld aus. <\/p><p>So lange die Wohnheime stehen (und im Besitz einer Gemeinschaftlichen Institution sind), kann man den Studenten dort Wohnraum anbieten, und so ein Studium erm&ouml;glichen &ndash; im Prinzip v&ouml;llig unabh&auml;ngig von irgendwelchen Zahlungsstr&ouml;men. Und das bedeutet insbesondere auch, dass Studenten auch dann noch Uni-nah wohnen k&ouml;nnen, wenn sie nichts mehr zu essen haben. Damit sind diese beiden Probleme entkoppelt und das Problem Essen (das uns im Zweifel ja in einer Nahrungsmittelkrise erhalten bleibt) bedeutet eben nicht gleichzeitig, dass die Studenten auch noch aus ihrer Wohnung fliegen &ndash; im Beispiel oben gesprochen. <\/p><p>F&uuml;r die beiden neuen Erkenntnisse m&ouml;chte ich mich darum ganz herzlich bei dir und bei den Nachdenkseiten bedanken. Genauso wie f&uuml;r die Gelegenheit mich gedanklich intensiv mit diesen Themen zu besch&auml;ftigen &ndash; damals wie heute &ndash; und die darauf baut, dass ihr analytische oder praktische Argumente anf&uuml;hrt, was ja in unseren Zeiten nicht selbstverst&auml;ndlich ist. Ohne euch w&auml;re mir das weder vor 10 Jahren noch heute m&ouml;glich gewesen. Darum auch daf&uuml;r wieder einmal vielen Dank. <\/p><p>Sebastian Domschke<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>19. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<br>\nSehr geehrter Herr Jens Berger,<\/p><p>Vorab: Ich unterst&uuml;tze alle alternativen Nachrichtenportale und sehe mich von diesen auf alle F&auml;lle besser informiert, als von den sogenannten Qualit&auml;tsmedien.<br>\nIch h&auml;tte mich auch gern mit meiner Kritik direkt an Herr Berger gewandt, aber leider war ich nicht in der Lage seine Kontaktdaten zu finden.<br>\nDeshalb sende ich meine Nachricht an diese Adresse.<br>\nIch hoffe Sie sehen mir meine Unf&auml;higkeit nach.<\/p><p>Vorab Eines, ich habe mit Absicht diese Form der Kritik gew&auml;hlt um nicht in eine &ouml;ffentliche Diskussion mit ihnen zu gehen, da ich glaube, dass diese ihnen an der Stelle schaden w&uuml;rde.<\/p><p>Nun aber zu meiner Kritik, bzw. zu meinem Unmut.<br>\nIch h&ouml;re h&auml;ufig, wenn es mir m&ouml;glich ist, ihre Podcasts und musste nun mit Erstaunen feststellen, dass sie mich als Kritiker mit &bdquo;religi&ouml;s v&ouml;lkischen ja antisemitischen Gedankengut&ldquo; beleidigen.<\/p><p>Originaltonin Ihrem Potcast &bdquo;Zinskritik &ndash; R&uuml;ckkehr eines alten Denkfehlers&ldquo; :<br>\n&hellip;&bdquo;Diese Kritik war und ist jedoch meist keine &ouml;konomische Kritik, sondern vielmehr eine Kritik an der ungleichen Verteilung des Verm&ouml;gens und der Macht der Verm&ouml;genden oft durchmischt mit einem religi&ouml;sen v&ouml;lkischen ja antisemitischen Grundton.&ldquo;<\/p><p>Diese Beleidigung ist f&uuml;r mich kaum zu ertragen und ich m&ouml;chte hierzu eine Stellungnahme von Ihnen.<br>\nWieso werde ich von Ihnen mit dem Stempel &bdquo;religi&ouml;s v&ouml;lkischen ja mit antisemitischen Gedankengut&ldquo; versehen, wenn ich Kritik an der Zinspolitik habe?<\/p><p>Ich habe bei diesem Thema mit Sicherheit auch einen anderen Horizont als Sie. Ich kann viele Ihrer Ausf&uuml;hrungen in keinster Weise nachvollziehen, da ich mich intensiv mit dem Thema besch&auml;ftigt habe.<br>\nSelbst Finanzmathematiker von namhaften Kreditinstituten und Banken konnten der bestechenden Logik der Mathematik, mit der ich diese Herren konfrontiert habe, nicht widerlegen.<br>\nIch habe kein Problem damit, wenn Sie &uuml;ber Dinge reden, und diese verbreiten, die sie nicht v&ouml;llig durchdrungen haben. Aber Menschen, mit einem anderslautenden Wissenstand als Antisemiten oder mit v&ouml;lkischen Gedankengut zu bezeichnen, ist f&uuml;r mich unertr&auml;glich.<\/p><p>Ich habe einige Jahre echte Neonazis aus der Szene geholt, und muss mich von Ihnen jetzt nicht als das bezeichnen lassen, gegen das ich Jahrelang gek&auml;mpft habe.<\/p><p>Ich hoffe auf eine Richtigstellung.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nMirko Schmidt<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Sehr geehrter Herr Schmidt,<\/em><\/p><p><em>ich kann Ihre Kritik beim besten Willen nicht nachvollziehen. Im Artikel hei&szlig;t es &hellip;<\/em><\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Es ist nicht der Fall, dass ich meinem Artikel Zinskritiker pauschal in eine antisemitische Ecke stelle. Im Artikel schreibe ich &ndash; in einem einzigen kleinen Nebensatz -, dass Zinskritik oft mit einem antisemitischen Grundton durchmischt sei. Ich wundere mich, dass sich einige Leser an dieser Aussage reiben, ist es doch kein gro&szlig;es Geheimnis, dass antisemitische Machwerke wie Gottfried Feders &bdquo;Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft&ldquo; sich auch heute noch in vielen Foren gro&szlig;er Beliebtheit erfreuen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><em>Dass die Zinskritik von vielen antisemitischen &bdquo;Vordenkern&ldquo; aktiv genutzt wird, hei&szlig;t im Umkehrschluss nat&uuml;rlich nicht, dass Zinskritik per se antisemtisch sei. Warum wollen Sie sich einen Schuh anziehen, der gar nicht f&uuml;r Sie bestimmt ist? <\/em><br>\n<em>Und glauben Sie mir, ich wei&szlig;, wovon ich spreche, schlie&szlig;lich wurde mir ja selbst <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47830\">schon Antisemitismus vorgeworfen<\/a>, weil ich Kritik am Finanzsystem &auml;u&szlig;ere. Auf diese Vorw&uuml;rfe antwortete ich damals folgenderma&szlig;en ..<\/em><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Besonders schwer wiegt jedoch noch ein anderer Punkt. In &Auml;sops Fabel &bdquo;Der Hirtenjunge und der Wolf&ldquo; &ndash; schon wieder so eine Tiermetapher &ndash; ruft ein Hirtenjunge so lange aus Langeweile &bdquo;Wolf!&ldquo;, bis die Dorfbewohner den Warnruf nicht mehr ernst nehmen und als der Wolf wirklich kommt, glaubt niemand mehr dem Hirtenjungen und der Wolf frisst die ganze Herde. Dies ist die wohl passende Metapher f&uuml;r die st&auml;ndigen und immer absurder werdenden instrumentalisierten Antisemitismusvorw&uuml;rfe. Wenn dieser Vorwurf aus Kalk&uuml;l und Boshaftigkeit inflation&auml;r in immer groteskeren Attacken missbraucht wird, wird er irgendwann ignoriert und dies freut nat&uuml;rlich vor allem die echten Antisemiten, die dann mit ihrem sch&auml;ndlichen Treiben auf keinen Widerstand mehr sto&szlig;en. Der Missbrauch des Antisemitismusvorwurfs nutzt vor allem den Antisemiten. Und dies nehmen Akteure wie die Amadeu Antonio Stiftung billigend in Kauf, um kritische Stimmen mundtot zu machen. Sch&auml;mt Euch.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><em>Dass Gottfried Feder ein lupenreiner Antisemit war, ist sicher unstrittig. Selbstverst&auml;ndlich beruft sich nicht jeder Zinskritiker auf Feder. Leider bekommen wir aber auch heute noch Mails, die sich entweder direkt oder indirekt auf Feder und sein Traktat berufen. <\/em><\/p><p><em>Liebe Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>20. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe Nachdenkseiten,<br>\nvielen Dank f&uuml;r Eure tolle Aufkl&auml;rungsarbeit, die ihr in den letzten Jahren geleistet habt. Auch Dank an Jens Berger f&uuml;r seine meist gut recherchierten Artikel. Nur seine aus dem Archiv hochgeholten Texte zu den &ldquo;Zinskritikern&rdquo; geh&ouml;ren nicht dazu.<\/p><p>Zun&auml;chst sind Bergers Artikel zu den &ldquo;Zinskritikern&rdquo; nicht nur &uuml;ber 10 Jahre alt, sondern auch in der Tat veraltet. Zwischenzeitlich gab es die Niedrigzinsphase, in der die EZB den Forderungen der Gesell-Anh&auml;nger teilweise recht weit entgegenkam und die Zinsen sogar in den negativen Bereich senkte &ndash; &uuml;brigens durchaus mit Verweis auf Gesell, auf den sich das damalige Direktoriumsmitglied Beno&icirc;t Coeur&eacute; explizit bezog (<a href=\"https:\/\/www.bis.org\/review\/r160805b.pdf\">z.B. hier<\/a>). Dass die massiven Zinssenkungen vermutlich vor allem ein Wiederaufflammen der Finanzkrise verhindern sollten, tut dem keinen Abbruch, sondern zeigt vielmehr das Potential des Gesellschen Ansatzes. Es gibt mittlerweile mehrere wissenschaftliche Artikel zur Einf&uuml;hrung von Negativzinsen und deren Erweiterung auf das gesamte Zentralbankgeld aus dem Kreis f&uuml;hrender Makro&ouml;konomen. Die Analyse dieser renomierten &Ouml;konomen und Zentralbankerinnen mag sich von der Analyse der Laien-Gesellanh&auml;nger zwar unterscheiden, der L&ouml;sungsvorschlag eines negativ verzinsten Zentralbankgeldes ist aber derselbe!<\/p><p>(Hier drei Links zu einigen dieser wissenschaftlichen Papers: <a href=\"https:\/\/www.elibrary.imf.org\/view\/journals\/001\/2015\/224\/001.2015.issue-224-en.xml\">elibrary.imf.org\/view\/journals\/001\/2015\/224\/001.2015.issue-224-en.xml<\/a>, <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3427388\">papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3427388<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Publications\/WP\/Issues\/2018\/08\/27\/Monetary-Policy-with-Negative-Interest-Rates-Decoupling-Cash-from-Electronic-Money-46076\">imf.org\/en\/Publications\/WP\/Issues\/2018\/08\/27\/Monetary-Policy-with-Negative-Interest-Rates-Decoupling-Cash-from-Electronic-Money-46076<\/a> )<\/p><p>Unabh&auml;ngig davon, dass der Text von Jens Berger offensichtlich veraltet ist, gibt es neben mehreren Nebenwiderspr&uuml;chen einen Hauptwiderspruch in seinem Text. Denn was von den Gesell-Anh&auml;ngern problematisiert wird, ist nicht der Zins an sich, sondern der risikolose Zins. Jens Berger vermischt aber st&auml;ndig Argumentationen, die die Zinsen mal implizit als risikolos mal explizit nur als Risikopr&auml;mie darstellen. Was denn nun? Fakt ist, wie die kritisierte Geschichte des Josephspfennigs zeigt, dass selbst ein sehr geringer, preisbereinigter, risikoloser Zins &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum nicht funktionieren kann, sobald auch nur ein Teil des Einkommens daraus gespart wird. Und es ist in der Tat so, dass lange Perioden mit risikofreien Realzinsen irgendwann in einer Krise enden &ndash; zuletzt 2008 (und sp&auml;testens seit 2011 sind die Realzinsen mehr oder weniger stark negativ). Gegen eine angemessene Risikopr&auml;mie, die keine dauerhafte oder gar sich selbst beschleunigende Bereicherung erm&ouml;glicht, ist hingegen nichts einzuwenden.<\/p><p>Und gegen Ende seines Textes zeigt Jens Berger noch seine fehlenden Kenntnisse der heutigen Geldpolitik. Denn die Forderung nach einer Geldgeb&uuml;hr auf Zentralgeld &ndash; er verwendet hier den eher fragw&uuml;rdigen Laienbegriff &ldquo;Umlaufsicherung&rdquo; &ndash; zielt darauf ab, eine ansteigende Zinsstruktur bei einem insgesamt niedrigen Zinsniveau am Kapitalmarkt zu erm&ouml;glichen, und dies kann nicht ohne weiteres mit Inflation gleichgesetzt werden. Denn diese Gleichsetzung, die Jens Berger unterstellt, gilt nur in einer theoretischen Welt, in der sich alle Preise und L&ouml;hne im kontrollierten Gleichschritt ver&auml;ndern. Aber dies ist faktisch unm&ouml;glich, insbesondere die L&ouml;hne und Altersrenten w&uuml;rden den Preisen immer hinterherhinken. Dar&uuml;ber hinaus fehlt Jens Berger ein tieferes Verst&auml;ndnis der Politikinstrumente einer Zentralbank. Die Zielinflation z.B. auf 3% oder 4% zu erh&ouml;hen und zugleich als zentrales Steuerungsinstrument nur den Refinanzierungszinssatz zur Verf&uuml;gung zu haben, ist eben nicht dasselbe, wie &ldquo;Gesell&rsquo;s Solution&rdquo; (Willem Buiter, <a href=\"https:\/\/eprints.lse.ac.uk\/848\/1\/liqnew.pdf\">eprints.lse.ac.uk\/848\/1\/liqnew.pdf<\/a>). Diese besteht n&auml;mlich neben den weiter als Hauptinstrument dienenden Leitzinsen und einem nun deutlich niedriegeren Inflationsziel (0% w&auml;ren m&ouml;glich) jetzt zus&auml;tzlich aus einer im Zeitverlauf &auml;nderbaren Geb&uuml;hr auf Zentralbankgeld. Diese Geb&uuml;hr steht in diesem Fall dem Zentralbankrat als neues &ldquo;Tiefpass-Instrument&rdquo; (also als weiteres Steuerungsinstrument, das zwar selten, aber problemlos angepasst werden kann) zur Verf&uuml;gung, um Deflation unsch&auml;dlich zu machen und auch bei niedrigem Zinsniveau eine ansteigende Zinsstruktur zu gew&auml;hrleisten. Regelm&auml;&szlig;ige &Auml;nderungen des Inflationsziels hingegen sind nicht m&ouml;glich. Daher: Positive Zinsen lassen zwar Geldverm&ouml;gen (und Schulden) wachsen, w&auml;hrend Inflation Geldverm&ouml;gen und Schulden real schrumpft. Aber geldpolitisch liegen zwischen einer nur schlecht steuerbaren Inflation und der &ldquo;Gesell-Solution&rdquo; mit ihrer Gleichm&auml;&szlig;igkeit, Steuerbarkeit und Berechenbarkeit Welten.<\/p><p>Und es bleibt anzumerken (was Jens Berger leider auch nicht erw&auml;hnt): Es geht den &ldquo;Zinskritikern&rdquo;, nat&uuml;rlich nicht nur um eine stabile, berechenbare und nachhaltige Geld- und Finanzordnung, sondern auch explizit um die Absch&ouml;pfung anderer leistungsloser Einkommen, also insbesondere von Bodenrenten (sogenannte Differentialrente, z.B. in der Form von Pacht- und Mieteinnahmen), F&ouml;rder- und Sch&uuml;rfrechten und der Kontrolle von (heute oft digitalen) Marktpl&auml;tzen und Infrastrukturen. In diesen Bereichen entscheiden sich &ndash; nebem dem Geld- und Finanzmarkt &ndash; die grundlegenden Fragen der wirtschaftlichen und damit gesellschafltichen Gerechtigkeit und Stabilit&auml;t. Es sei hier nur beispielhaft auf Prof. Dirk L&ouml;hr und sein Einsatz f&uuml;r eine Bodenwertsteuer als erster Schritt zu einer gerechteren Boden- und Ressourcenordnung verwiesen.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nMatthias Klimpel<\/p><p>(<a href=\"https:\/\/inwo.de\/mitmachen\/inwo-ev\/vorstand-und-team.html#c386\">inwo.de\/mitmachen\/inwo-ev\/vorstand-und-team.html#c386<\/a>)<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>21. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr H&auml;ring,<br>\nSehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>ich verstehe schon im Ansatz nicht, wie man die Geldsch&ouml;pfung der Banken &ndash; die nichts anderes ist als ein Zahlungsversprechen auf Zentralbankgeld &ndash; mit der Situation eines Verm&ouml;gens, dessen Bestandteile man in der Tat &ldquo;verleihen&rdquo; kann, vergleichen kann. Auch das Korn im Speicher, das Herr H&auml;ring anf&uuml;hrt, ist mit der Kreditvergabe der Banken nicht zu vergleichen.<\/p><p>Der konzeptionelle Irrtum von Herrn Berger liegt in der Annahme, dass die Bank Geld &ldquo;verleiht&rdquo;.<\/p><p>In Wahrheit kauft sie den Kredit wie jedes andere verzinsliche Wertpapier und bezahlt mit dem eigenen Zahlungsversprechen = Giralgeld, vulgo &ldquo;Geld&rdquo;.<\/p><p>Erst der Kredit f&uuml;hrt dazu, dass Geld in diesem Sinne entsteht: Die Bank braucht f&uuml;r die Geldsch&ouml;pfung stets einen Gesch&auml;ftsvorfall. <\/p><p>Der Kredit bedeutet also keinesfalls, dass die Bank &ldquo;weniger Geld&rdquo; hat.<\/p><p>Eine Diskussion &uuml;ber Zinsen im Zusammenhang mit &ldquo;Geldverleih&rdquo; scheint mir &ndash; Pardon &ndash; eine glatte Fehlgeburt.<\/p><p>MfG<br>\nErik Jochem<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>22. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>Sie schreiben im Abschnitt &ldquo;Zins aus Sicht des Kreditgebers&rdquo;, dass ein Zins eine Risikopr&auml;mie und der Preis f&uuml;rs Warten sei.<br>\nZur Untermauerung Ihrer These w&uuml;rde ich mich &uuml;ber einen Nachweis in Form eines Briefes (oder auch E-Mail) Ihrer Bank freuen, die Ihnen mitteilt, dass Sie momentan nicht auf Ihr Geld zugreifen k&ouml;nnen, da Lieschen M&uuml;ller dieses f&uuml;r ihren Hauskauf hat.<\/p><p>Scherz beiseite: Das Geld f&uuml;r Frau M&uuml;llers Hauskauf entsteht digital durch einen Knopfdruck. F&uuml;r diese digitale Zahl verlangt die Bank, dass Frau M&uuml;ller sch&ouml;n weiter unn&uuml;tze Arbeit verrichtet und dabei Ressourcen verschwendet (= sog. &ldquo;Mehrwert&rdquo; schafft) und wenn sie ihren Arbeitsplatz\/Einkommen verliert, erh&auml;lt die Bank f&uuml;r diesen Knopfdruck ein Haus aus Stein. So macht man aus Luft Materie.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e!<br>\nBj&ouml;rn Gschwendtner<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jens Berger vertritt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102113\">hier<\/a> die These, nach der die alten &bdquo;Argumente&ldquo; der Zinskritiker offenbar seit dem erneuten Steigen der Zinsen ihre Wiedergeburt feiern w&uuml;rden. W&auml;hrend der Niedrigzinsphase der letzten Jahre sei es um die Zinskritik ruhig geworden. 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