{"id":102756,"date":"2023-08-22T10:00:00","date_gmt":"2023-08-22T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102756"},"modified":"2023-08-29T12:36:28","modified_gmt":"2023-08-29T10:36:28","slug":"europaeische-gemeinsamkeiten-und-perspektiven-kultur-als-basis-fuer-frieden-und-prosperitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102756","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Gemeinsamkeiten und Perspektiven: Kultur als Basis f\u00fcr Frieden und Prosperit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem in den deutsch-russischen Beziehungen einige Jahre lang Tauwetter eingetreten war und eine zun&auml;chst noch blasse Sonne des Friedens und der Prosperit&auml;t die dunklen Wolken durchdrungen hatte, herrscht aufgrund des Krieges in der Ukraine nach dem 24. Februar 2022 wieder akuter Kalter Krieg, der rasch in einen hei&szlig;en Krieg &uuml;bergehen kann. Nach wie vor werden existenzgef&auml;hrdende Aggressionen gesch&uuml;rt, Russland wird permanent provoziert, und es sieht nicht danach aus, dass diese Jahrhunderttrag&ouml;die bald ein Ende findet und sich die V&ouml;lker Europas wieder auf ihre Gemeinsamkeiten besinnen. Derzeit ist das Gegenteil der Fall; starke zentrifugale Kr&auml;fte und divergierende politische Vorstellungen f&uuml;hren immer mehr zu Auseinandersetzungen, auch innerhalb der europ&auml;ischen Staaten. Von <strong>Wolfgang Bittner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7773\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-102756-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230822-Europaeische-Gemeinsamkeiten-und-Perspektiven-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230822-Europaeische-Gemeinsamkeiten-und-Perspektiven-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230822-Europaeische-Gemeinsamkeiten-und-Perspektiven-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230822-Europaeische-Gemeinsamkeiten-und-Perspektiven-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=102756-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230822-Europaeische-Gemeinsamkeiten-und-Perspektiven-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230822-Europaeische-Gemeinsamkeiten-und-Perspektiven-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ein Europa souver&auml;ner Staaten<\/strong><\/p><p>Im Gespr&auml;ch ist erneut ein mehr eigenst&auml;ndiges Europa souver&auml;ner Staaten (das sogenannte Europa der Vaterl&auml;nder), also eine Abwendung von der US-affinen Politik, die zu ruin&ouml;sen Verh&auml;ltnissen gef&uuml;hrt hat. Mit gigantischer Aufr&uuml;stung und einer St&auml;rkung der NATO beginnen zu wollen, zeugt davon, wie verkorkst die Situation ist. Denn der von den USA gef&uuml;hrte Nordatlantikpakt hat sich in den vergangenen Jahren von einem Verteidigungsb&uuml;ndnis zu einem Aggressionsb&uuml;ndnis entwickelt, das sich anma&szlig;t, global im Sinne des monopolaren Anspruchs der USA zu agieren.<\/p><p>Um der Selbstst&auml;ndigkeit Europas willen das Hauptaugenmerk auf das Projekt einer europ&auml;ischen Armee zu richten, erscheint ebenso verfehlt. Im Rahmen der NATO w&uuml;rde eine solche Armee letztlich den US-Milit&auml;rs unterstehen, die dann uneingeschr&auml;nkten Zugriff auf europ&auml;ische Kampfeinheiten f&uuml;r ihre Interventionskriege h&auml;tten. Und au&szlig;erhalb der NATO w&uuml;rde, nachdem die Briten aus der EU ausgeschieden sind, die Atommacht Frankreich dominieren.<\/p><p>Es geht um viel Wesentlicheres, n&auml;mlich um eine Neubesinnung und Neuordnung Europas. Und das l&auml;sst sich nicht in der neoliberalen Diktatur, mit der es die Bev&ouml;lkerung zu tun hat, durchsetzen, nicht mit diesem Br&uuml;sseler Wasserkopf und den dort die Politik mitgestaltenden US-Netzwerken sowie etwa 12.000 Lobbyvertretungen, nicht in der herrschenden Aufr&uuml;stungshysterie, der wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Interventionspolitik und den Austerit&auml;tsvorgaben, die &auml;rmere L&auml;nder in den Ruin treiben.<\/p><p>Dabei ist f&uuml;r die Neuordnung Europas, in der es nicht nur um &Ouml;konomie, Technologie oder Milit&auml;r gehen kann, eine Beteiligung Russlands unabdingbar. Denn ohne Russland wird es ein friedliches, prosperierendes Europa nicht geben. Insofern m&uuml;ssen sich alle Bem&uuml;hungen der n&auml;chsten Zeit auf Vertrauen schaffende Ma&szlig;nahmen, Verhandlungen und eine Auss&ouml;hnung mit Russland richten. Dazu gibt es fortschrittliche Bestrebungen in ganz Europa. Die entscheidende Frage wird sein, ob den Bekundungen Taten folgen und wie dieses zerr&uuml;ttete Europa, w&auml;re es dann unabh&auml;ngiger, k&uuml;nftig gestaltet werden sollte.<\/p><p><strong>Europ&auml;ische Kultur<\/strong><\/p><p>Umso wichtiger ist es, sich auf Gemeinsamkeiten zu besinnen, die die V&ouml;lker Europas verbinden, und zwar unabh&auml;ngig vom Willen und der Propaganda nationalistisch gesinnter Kreise. Diese Gemeinsamkeiten finden sich in der Kultur, denn der geistig-kulturelle Austausch war niemals nur regional oder national beschr&auml;nkt oder ideologisch eingeengt. Es gab Epochen in Europa, in denen die Grenzen durchl&auml;ssiger waren als in unserer j&uuml;ngsten Vergangenheit.<\/p><p>Von europ&auml;ischer Kultur ist also die Rede, und wer davon spricht, meint f&uuml;r gew&ouml;hnlich die in den europ&auml;ischen L&auml;ndern gepflegte Literatur, Musik, Malerei, Bildhauerei, Architektur usw. Dazu geh&ouml;ren im weitesten Sinne auch die Achtung der Menschenrechte, das Bildungswesen, Wohnbedingungen oder Essgewohnheiten, ja sogar Verkehrswesen, Kranken- und Altenversorgung oder der Umgang mit Strafgefangenen. Das alles nennen wir Kultur, die sich &uuml;ber die Jahrhunderte entwickelt hat.<\/p><p>Die europ&auml;ische Kultur gr&uuml;ndet sich vor allem auf vier S&auml;ulen. Erstens: die griechische Philosophie und Humanitas; zweitens: r&ouml;mische Zivilisation und r&ouml;misches Recht in Verbindung mit den germanisch-keltischen Einfl&uuml;ssen; drittens: die christliche und j&uuml;dische Religion und viertens: in j&uuml;ngerer Zeit die Franz&ouml;sische Revolution mit ihrer Forderung nach Freiheit, Gleichheit und Solidarit&auml;t sowie die darauf beruhenden sozialen Ideen und Visionen. &Uuml;brigens hatte die franz&ouml;sische Erkl&auml;rung der Menschen- und B&uuml;rgerrechte von 1789 bereits Vorg&auml;nger in Korsika und in Polen, was heute kaum noch bekannt ist.<\/p><p>Die Urspr&uuml;nge dessen, was wir heute allgemein als unver&auml;u&szlig;erliche und unentziehbare Menschenrechte bezeichnen, lassen sich wiederum auf die Naturrechtsgedanken der Antike wie auch auf die alten Volksrechte im europ&auml;ischen Raum zur&uuml;ckf&uuml;hren. Diese Grundrechte und Grunds&auml;tze, die sich sp&auml;ter unter anderem in der englischen Magna Charta Libertatum von 1215 sowie in der Habeas-Corpus-Akte von 1679 manifestiert haben, wurden auch f&uuml;r die amerikanischen Freiheitsrechte &uuml;bernommen.<\/p><p>Wie aber konnte sich eine gemeinsame europ&auml;ische Kultur in einem so zerkl&uuml;fteten Gebilde wie dem mittelalterlichen Europa entwickeln, fragen wir uns heute &ndash; und &uuml;bersehen dabei, dass der kulturelle Austausch in fr&uuml;heren Jahrhunderten zeitweise wenigstens so intensiv und problemlos vonstattenging wie im 21. Jahrhundert in der Epoche nach der vor&uuml;bergehenden Beendigung des Kalten Krieges, der Europa jahrzehntelang in feindliche Lager gespalten hatte. Solche Grenz&uuml;berschreitungen und ihre Bedeutung f&uuml;r die Literatur, Kunst und Wissenschaften k&ouml;nnen nicht hoch genug eingesch&auml;tzt werden; das gilt f&uuml;r vergangene Jahrhunderte, aber auch f&uuml;r die heutige Zeit, in der wir seit der von den USA oktroyierten Sanktionspolitik und dem inszenierten Krieg in der Ukraine einen epochalen R&uuml;ckschritt erleben.<\/p><p><strong>Grenz&uuml;berschreitungen<\/strong><\/p><p>Noch 2001 sagte der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag &ndash; das war damals noch m&ouml;glich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Kultur war immer unser gemeinsames Gut und hat die V&ouml;lker verbunden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Russland ist das gr&ouml;&szlig;te Land Europas, das wird zurzeit systematisch verdr&auml;ngt und ger&auml;t allm&auml;hlich in Vergessenheit. Zwischen den westeurop&auml;ischen L&auml;ndern und Russland gab es jahrhundertelang intensive Handelsbeziehungen, kulturellen und wissenschaftlichen Austausch. Was w&auml;re die europ&auml;ische Kultur ohne die russische Literatur, Kunst, Musik, ohne das russische Theater? Ich nenne nur die Schriftsteller und Dichter Tolstoi, Dostojewski, Tschechow, Gorki, Puschkin und Jewtuschenko, die Maler Jawlenski, Malewitsch und Repin (ich habe sofort die Wolgatreidler vor Augen), die Musiker Prokofjew, Schostakowitsch und Tschaikowski (ich h&ouml;re die Nussknacker-Suite). Puschkin las Goethe, Goethe las Puschkin, bis heute wird in Russland Heinrich Heine verehrt, und Beethoven widmete der Zarin Elisabeth seine Polonaise Op. 89, wof&uuml;r ihm zum Dank eine gro&szlig;z&uuml;gige Zuwendung gew&auml;hrt wurde. Zar Peter I. arbeitete 1607 inkognito auf einer niederl&auml;ndischen Werft, um die Techniken des Schiffsbaus zu erlernen, und Albert Lortzing verfasste nach dieser historischen Episode das Libretto f&uuml;r seine Oper &bdquo;Zar und Zimmermann&ldquo;.<\/p><p>Zwischen den europ&auml;ischen L&auml;ndern und zwischen ihren Dichtern und K&uuml;nstlern hat es immer einen regen kulturellen Austausch gegeben. Es ist kein Geheimnis, dass Johann Wolfgang von Goethe seinen &bdquo;ultimativen Kick&ldquo; w&auml;hrend einer Italienreise erhielt. Und sein Drama &bdquo;Faust&ldquo; beruht auf einer &Uuml;berlieferung, die erstmals 1587 in einem deutschen Volksbuch erschien und von einem Mann berichtet, der einen Bund mit dem Teufel eingeht. Das Vorbild daf&uuml;r war augenscheinlich der Arzt und Gelehrte Paracelsus, 1493 in der Schweiz geboren, der in &Ouml;sterreich und Italien lebte und praktizierte. Auch der englische Dramatiker Christopher Marlowe (1564-1593) schrieb ein St&uuml;ck &uuml;ber diese Thematik &ndash; den Pakt mit dem Teufel &ndash; schon lange vor Goethe.<\/p><p>F&uuml;r viele Kulturschaffende gab es keine Grenzen. Der N&uuml;rnberger Bildhauer Veit Sto&szlig; zum Beispiel schnitzte von 1477 bis 1489 den bis heute bewunderten Altar in der Marienkirche in Krakau. Nikolaus Kopernikus wurde in Torun (Thorn) geboren, und als er sich in Italien an der Universit&auml;t einschrieb, wusste er nicht &ndash; so wird bekundet &ndash;, ob er seine Herkunft als Deutscher oder als Pole angeben sollte. Erasmus von Rotterdam pflegte einen umfangreichen Briefwechsel mit Geistesgr&ouml;&szlig;en in ganz Europa, unter anderem mit Justus Decius, Berater des polnischen K&ouml;nigs Sigismund des &Auml;lteren in Krakau. Justus Decius (eigentlich Jost Ludwig Dietz) stammte aus dem Elsass, das damals zu Deutschland geh&ouml;rte, und galt seinerzeit als eine der einflussreichsten Pers&ouml;nlichkeiten in Polen.<\/p><p>Friedrich Schiller wurde von den Ideen Jean-Jacques Rousseaus beeinflusst; der franz&ouml;sische Philosoph Voltaire lebte eine Zeitlang am Hofe Friedrichs des Gro&szlig;en in Berlin; der schlesische Poet Andreas Gryphius &ndash; er lebte von 1616 bis 1664 und schrieb wunderbare schwerm&uuml;tige Gedichte &ndash; traf in Amsterdam den niederl&auml;ndischen Poeten Joost van den Vondel. Der Dichter Jakob Lenz und andere deutsche Dichter, Vorl&auml;ufer der Romantik, gingen nach Polen und Russland. Heinrich Heine und Ludwig B&ouml;rne emigrierten nach Paris, Georg B&uuml;chner floh &ndash; verfolgt von der hessischen Geheimpolizei &ndash; nach Frankreich und in die Schweiz, wo er mit 24 Jahren starb.<\/p><p>Der gro&szlig;e polnische Dichter Adam Mickiewicz lebte jahrelang in Russland und in Frankreich, der englische Dichter Lord Byron in der Schweiz und in Italien. Dostojewski spielte Roulette im Baden-Badener Spielkasino, in Bad Homburg und in Paris. Tolstoi besuchte Schulen in Deutschland, um sich Anregungen f&uuml;r eine Schule in seinem russischen Dorf Jasnaja Poljana zu holen. Der spanische Kulturphilosoph Ortega y Gasset studierte in Deutschland und lebte seit dem spanischen B&uuml;rgerkrieg unter anderem in Frankreich und den Niederlanden. Die ber&uuml;hmten deutschsprachigen Dichter Franz Kafka und Max Brod lebten in Prag, Franz Werfel und Karl Kraus in Wien. Der deutsche Schriftsteller Alfred D&ouml;blin reiste 1923 einige Monate durch Polen und hinterlie&szlig; der Nachwelt seine hochinteressanten gesellschaftsanalytischen Aufzeichnungen &bdquo;Reise in Polen&ldquo;, die 1926 erschienen.<\/p><p>Im &bdquo;Dritten Reich&ldquo; und w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs emigrierten deutsche Schriftsteller und K&uuml;nstler nach Schweden, zum Beispiel Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht und Peter Weiss, oder nach England, zum Beispiel Alfred Kerr, Kurt Schwitters oder Sebastian Haffner. Deutsche und polnische Existenzialisten und Intellektuelle flohen vor dem deutschen Faschismus zuerst in die Niederlande und schlie&szlig;lich weiter nach Frankreich und Spanien. Und in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts flohen viele griechische K&uuml;nstler vor dem griechischen Faschismus nach Deutschland, Frankreich und Polen. Sp&auml;ter kamen zahlreiche Dissidenten aus den kommunistischen L&auml;ndern Osteuropas nach Westeuropa.<\/p><p>Aber auch viele Maler wechselten ihren Wohnsitz, so Chagall, Kandinsky und Jawlensky, die von Russland nach Frankreich und nach Deutschland gingen. Gauguin heiratete eine schwedische Frau. Der Bildhauer Brancusi wanderte sogar zu Fu&szlig; von Rum&auml;nien nach Paris. Und auch der norwegische Maler Edward Munch wandte sich nach Paris, ebenso wie der schwedische Dramatiker August Strindberg oder der ber&uuml;hmte polnische Komponist Fr&eacute;d&eacute;ric Chopin. Sigmund Freud, Begr&uuml;nder der Psychoanalyse, emigrierte von Wien nach London.<\/p><p>Und schauen wir uns die Architektur an. Ganze Stra&szlig;enz&uuml;ge in Riga oder in Wilna k&ouml;nnten ebenso in L&uuml;beck stehen; in manchen Vierteln von Krakau oder Lemberg meint man, in Wien oder in Prag zu sein; italienische Architekten wirkten in Deutschland, Frankreich, Russland oder Polen. In den Dombauh&uuml;tten waren Baumeister aus vielen L&auml;ndern Europas vereinigt.<\/p><p>Alle diese K&uuml;nstler, Schriftsteller, Dichter, Architekten und Gelehrten inspirierten sich gegenseitig, und insofern k&ouml;nnen wir von einer europ&auml;ischen Kunst und Literatur, von einer europ&auml;ischen Kultur sprechen. Jeder brachte seinen eigenen nationalen Charakter, seine Pers&ouml;nlichkeit ein, gepr&auml;gt durch die regionale Kultur, durch lokale Eigenheiten, gesellschaftliche Verh&auml;ltnisse, Landschaft, Folklore usw. Betrachten wir Chagall und sein Werk: In seinen Bildern spiegelt sich seine russisch-j&uuml;dische Kindheit. Oder Franz Werfel, den Autor j&uuml;discher Herkunft, der in &Ouml;sterreich lebte, bevor er nach Frankreich und weiter in die USA emigrierte; er schrieb einen Bestseller &uuml;ber den katholischen Wallfahrtsort Lourdes in Frankreich.<\/p><p>&Uuml;ber die Jahrhunderte hat sich ein reger kultureller Austausch nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Nord und S&uuml;d entwickelt, in den die L&auml;nder eigene Impulse eingebracht und eine gemeinsame europ&auml;ische Identit&auml;t entwickelt haben, und zwar trotz unterschiedlicher Mentalit&auml;ten, politischer Strategien und kriegerischer Auseinandersetzungen. Allerdings ist festzustellen, dass dieser Prozess durch gezielte Einflussnahme aus den USA gravierend gest&ouml;rt ist. Eine k&uuml;nftige koordinierte Kulturpolitik sollte in der Lage sein, hier regulierend und bewahrend einzugreifen.<\/p><p><strong>Res&uuml;mee<\/strong><\/p><p>Literatur, Musik, Malerei, bildende Kunst oder Architektur k&ouml;nnen Grenzen &uuml;berschreiten, die Menschen h&ouml;ren und lernen voneinander, sie &uuml;berwinden ihre Fremdheit. Da sind unendlich viele M&ouml;glichkeiten, Br&uuml;cken zu bauen durch Kultur, die letztlich Grundlage f&uuml;r jede &ouml;konomische oder technische Entwicklung ist. Das ist essenziell! Schriftsteller und K&uuml;nstler &uuml;berschreiten Grenzen, von denen es immer noch viel zu viele gibt, mit Leichtigkeit, und sie haben keine Probleme miteinander. Es gibt andere Verbindungen und Gemeinsamkeiten zwischen Menschen als die Nationalit&auml;t.<\/p><p><em>Von <strong>Wolfgang Bittner<\/strong> erschienen u.a. 2014 &bdquo;Die Eroberung Europas durch die USA&ldquo;, 2019 &bdquo;Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen&ldquo; und &bdquo;Der neue West-Ost-Konflikt&ldquo;, 2021 &bdquo;Deutschland &ndash; verraten und verkauft. Hintergr&uuml;nde und Analysen&ldquo; sowie 2023 &bdquo;Ausnahmezustand &ndash; Geopolitische Einsichten und Analysen unter Ber&uuml;cksichtigung des Ukraine-Konflikts.&ldquo;<\/em><\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103033\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Grab von P. I. Tschaikowski in Sankt Petersburg &ndash; Shutterstock \/ Sergei Afanasev<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96395\">Geopolitische Einsichten und Analysen &ndash; Wolfgang Bittners neues Buch &bdquo;Ausnahmezustand&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90503\">Rolf M&uuml;tzenich und die Terrorliste der Ukraine<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102457\">&bdquo;Maulkorb f&uuml;r Kriegsgegner&ldquo; &ndash; Verfassungsbeschwerde gegen Neufassung von &bdquo;Volksverhetzung&ldquo;-Paragraf 130 eingereicht<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100878\">Denkfabrik SWP pr&auml;sentiert drei Optionen f&uuml;r &bdquo;dauerhafte Sicherheit der Ukraine&ldquo;: Demilitarisierung Russlands, Aufbau eines Atomwaffenarsenals oder NATO-Beitritt<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/27c0b9e973fc4b2aaf7970249be1bc85\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem in den deutsch-russischen Beziehungen einige Jahre lang Tauwetter eingetreten war und eine zun&auml;chst noch blasse Sonne des Friedens und der Prosperit&auml;t die dunklen Wolken durchdrungen hatte, herrscht aufgrund des Krieges in der Ukraine nach dem 24. 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