{"id":10276,"date":"2011-07-29T12:22:57","date_gmt":"2011-07-29T10:22:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10276"},"modified":"2014-09-09T11:29:10","modified_gmt":"2014-09-09T09:29:10","slug":"die-verschiebung-der-achse-nach-rechts-ist-das-ergebnis-eines-zusammenspiels-von-solchen-die-sich-demokraten-nennen-mit-der-rechten-verbunden-uber-kommunizierende-rohren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10276","title":{"rendered":"Die Verschiebung der Achse nach Rechts ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von solchen, die sich Demokraten nennen, mit der Rechten \u2013 verbunden \u00fcber \u201ekommunizierende R\u00f6hren.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mit bisher drei Beitr&auml;gen sind wir bei der Analyse der Gewalttat in Norwegen auf die Rolle der &bdquo;Brandstifter&ldquo; eingegangen &ndash; <a href=\"?p=10216\">hier<\/a>, <a href=\"?p=10229\">hier<\/a> und <a href=\"?p=10269\">hier<\/a>. Ich verstehe, dass sich die m&ouml;glichen Brandstifter gegen diesen Vorwurf wehren. Aber sie t&auml;ten besser daran, dar&uuml;ber nachzudenken, wie eng ihr Denken und Handeln mit dem Gewaltt&auml;ter von Norwegen verbunden ist und wie weit dies zur&uuml;ckreicht. Politik, Wissenschaft und Publizistik sind in vielf&auml;ltiger Weise und seit langem mit der gewaltbereiten Rechten verbunden &ndash; viele sicher ohne es zu wollen, aber das macht im Ergebnis keinen Unterschied. Ich bin einigen Belegen f&uuml;r diese Beobachtung nachgegangen und skizziere sie im Folgenden. Das sind Denkanst&ouml;&szlig;e f&uuml;r eine Einordnung des Geschehens und der weiteren Entwicklung. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nAm 4. M&auml;rz 1992, also vor gut 19 Jahren, hat der damalige bayerische Ministerpr&auml;sident Streibl in Passau vor einem gro&szlig;en Publikum zur damals laufenden Asyldebatte Folgendes erkl&auml;rt:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Was wir nicht brauchen k&ouml;nnen, das sind die <strong>Wirtschaftsschmarotzer<\/strong> aus der ganzen Welt &hellip;<br>\nEin paar Ideologen tragen ihre <strong>Humanit&auml;tsduselei auf dem R&uuml;cken der einheimischen Bev&ouml;lkerung<\/strong> aus.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Ich &ndash; damals MdB &ndash; habe daraufhin Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Passau hat die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens &bdquo;mangels hinreichenden Anfangsverdachts&ldquo; abgelehnt.<\/p><p>Der Vorgang, immerhin die &Auml;u&szlig;erung eines amtierenden Ministerpr&auml;sidenten, ist typisch f&uuml;r eine unendliche F&uuml;lle von Einlassungen, Entscheidungen und Taten von Politikern, Medien und Wissenschaftlern, die sich demokratisch w&auml;hnen und gleichzeitig mit solchen &Auml;u&szlig;erungen die geistigen Orientierungspunkte in unserer Gesellschaft nach rechts verschoben haben. Klar, der Bayerische Ministerpr&auml;sident von 1992 wollte nicht, dass in Deutschland von damals bis heute sehr viele Menschen <a href=\"http:\/\/www.opfer-rechter-gewalt.de\/\">Opfer von Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt<\/a> wurden; 48 Todesopfer sind seit 1990 registriert. Aber Streibl ist wie viele andere auch mitverantwortlich f&uuml;r die folgenschweren Ver&auml;nderungen der Stimmungs- und Meinungslage. Wenn die angebliche demokratische Mitte in Politik und Medien sich so &auml;u&szlig;ert wie Streibl, wenn sie demokratische Regeln und das Recht bricht, wenn politische Korruption und Bereicherung dort &uuml;blich werden, dann verringert sich die Distanz zum rechten Rand. Dieser wird hoff&auml;higer und f&uuml;hlt sich auch so.<\/p><p>Wer sich auf die Suche nach Beispielen daf&uuml;r macht, wie durch die &ouml;ffentliche Debatte und durch politische Entscheidungen das Spektrum in den letzten 30 Jahren nach rechts verschoben worden ist, der wird eine F&uuml;lle von Belegen finden. Das Ergebnis meiner Suche ist deprimierend. Es w&auml;re nicht mehr nur deprimierend, wenn endlich die Konsequenzen aus diesen Erfahrungen gezogen w&uuml;rden:<\/p><ol>\n<li><strong>Die Asyldebatte<\/strong>\n<p>Anfangs der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde heftig um eine Neuregelung des Asylrechts gestritten. Die SPD &auml;nderte ihre asylfreundliche Position. Das erleichterte es der Union, so zu agitieren wie im zitierten Fall des Ministerpr&auml;sidenten Streibl aus Bayern. Dies und auch die Agitation einiger Medien unterschieden sich nicht mehr von rechtsradikaler Argumentationsweise. Ich erinnere mich noch gut an einen Telefonanruf einer Frau; sie beschimpfte mich als damaliger Abgeordneter und Vorsitzender der s&uuml;dpf&auml;lzischen SPD wegen eines asylfreundlichen Beschlusses dieses Teils der SPD. Ihre Aggression war bemerkenswert. Mein Mitarbeiter machte mich darauf aufmerksam, dass wenige Tage vorher in der ARD ein Film des Bayerischen Rundfunks gelaufen war. Dort waren unz&auml;hlige fremde Menschen zu sehen, die auf einen Grenzschlagbaum zustr&ouml;mten. Wenn so etwas beim &Ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk l&auml;uft, dann k&ouml;nnen die kommerziellen Sender und die Bild-Zeitung umso leichter die gleiche und noch sch&auml;rfere Agitation betreiben. Deshalb spreche ich in diesem Zusammenhang von kommunizierenden R&ouml;hren.<br>\nInsgesamt war die Asyldebatte eine Art Katalysator zur F&ouml;rderung von Fremdenfeindlichkeit. Man h&auml;tte sie nicht so f&uuml;hren m&uuml;ssen, um zu vern&uuml;nftigen und humanen Regelungen zu kommen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Krieg und milit&auml;rische Gewalt zur L&ouml;sung von politischen Problemen und zur Sicherung der Rohstoffversorgung und des Welthandels<\/strong>\n<p>&bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo;, das war die Einsicht, mit der ein gro&szlig;er Teil meiner Generation aufgewachsen ist. Ins rechte Weltbild passte diese Einsicht nicht. Genauso wenig wie die sicherheitspolitische Grundlinie der Regierungen Brandt und Schmidt: Gewaltverzicht, Vereinbarungen &uuml;ber Gewaltverzicht mit der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt. Die Tugend, sich in die Rolle anderer V&ouml;lker zu versetzen, wie es in Zeiten der Entspannungs- und Friedenspolitik &uuml;blich war, und eine Geste wie Brandts Kniefall in Warschau passten nicht ins rechte Weltbild. Aber die offizielle Politik wie auch ein damals entscheidender Teil unseres Volkes folgten dem rechtskonservativen Weltbild nicht und wandten sich gegen den Einsatz milit&auml;rischer Gewalt zur L&ouml;sung politischer Fragen.<br>\nDas ist nahezu alles aufgegeben, die Ordinate wurde kr&auml;ftig nach rechts verschoben: Rot-Gr&uuml;n bombt im Kosovo Krieg mit und gibt damit dem milit&auml;rischen Einsatz der NATO out of area, also au&szlig;erhalb des Verteidigungsgebietes, gr&uuml;nes Licht. Damit ist der Boden bereitet f&uuml;r die Nutzung milit&auml;rischer Gewalt zu ganz anderen Zwecken: Zur Sicherung der Handelswege, zur vielf&auml;ltigen milit&auml;rischen Intervention &ndash; je nach Gusto, in Libyen ja, in Saudi-Arabien und Syrien nein. Wenn Struck (SPD) meint, Deutschland Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt, dann f&auml;llt es nicht sonderlich auf, wenn im konservativen Lager, wie z.B. vom ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr Klaus Dieter Naumann der Einsatz der NATO und der Bundeswehr zur Sicherung der Rohstoffversorgung f&uuml;r richtig gehalten wird.<br>\nDiese gravierende Ver&auml;nderung entspricht selbstverst&auml;ndlich den Vorstellungen rechtsradikaler Kreise. Gewaltbereitschaft hier, Gewaltbereitschaft dort.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Pflege von Feindbildern und die Hatz auf alles Linke<\/strong>\n<p>Im konservativen Lager war es schon immer &uuml;blich, sich an der Pflege von Feindbildern zu erbauen und die eigene Schar um solche Feindbilder herum zu versammeln. In den f&uuml;nfziger Jahren wurde wie schon bei den Nazis der Antikommunismus gepflegt. Die Russen, oder in der  Variation Adenauers: &bdquo;die Sofjets&ldquo;, waren das Synomym f&uuml;r alles B&ouml;se. Die Feindseligkeit war damals in den schwarzen Bereichen Deutschlands durchaus auch auf Sozialdemokraten ausgedehnt. Letzteres hat sich gegeben. Aber die Pflege von Feindbildern ist geblieben und in einigen Bereichen versch&auml;rft worden. Auch im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk war z.B. undifferenziert von &bdquo;den Serben&ldquo; die Rede. Das Feindbild &bdquo;Die Linken&ldquo; funktioniert immer noch, wenn auch etwas umgeschichtet. Sozialdemokraten machen mit bei der Stigmatisierung der Linken, obwohl diese Aggression sie sichtbar oft selbst trifft und ihnen die Kanzleroption nimmt.<br>\nAm deutlichsten kam die Linkenhatz beim Versuch von Andrea Ypsilanti zum Vorschein, in Hessen ein rot-gr&uuml;n-rotes B&uuml;ndnis zu schmieden. Wie das System kommunizierender R&ouml;hren funktioniert, konnte man dabei 2009 gut beobachten. (Wir haben ausf&uuml;hrlich dar&uuml;ber berichtet, zum Beispiel <a href=\"?p=3574\">hier<\/a> und <a href=\"?p=3719\">hier<\/a>) Die massive Agitation der Bild-Zeitung bekam dadurch eine seri&ouml;sere Anmutung, dass auch andere Medien mitmachten, unter anderem auf besonders aggressive Weise Spiegel online. Eine typisch rechte Manier war dabei die sprachliche Verhunzung des Namens der Attackierten: <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/news\/politik\/chaos\/sie-stuerzt-spd-ins-chaos-3940786.bild.html\">&bdquo;Frau L&uuml;gilanti st&uuml;rzt die SPD ins Chaos&ldquo;<\/a>.<\/p>\n<p>Das Feindbild des norwegischen M&ouml;rders war &auml;hnlich gestrickt. Die jungen Sozialdemokraten auf der Ferieninsel sind in diesem Weltbild jedenfalls keine besonders sch&uuml;tzenswerte Spezies. Der Weg vom normalen Linken- und Rotenhass des rechts-konservativen Lagers zur Missachtung des Lebens junger Menschen aus dem roten Lager ist so schrecklich weit nicht. Das wissen wir aus unserer eigenen Geschichte. Wir haben es erlebt, als Christen, Konservative und Liberale dem Erm&auml;chtigungsgesetz zustimmten; das war gleichbedeutend mit der Zustimmung zur Verfolgung aller Linken, der Kommunisten und der Sozialdemokraten.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Demographiedebatte <\/strong>\n<p>&bdquo;Greisenrepublik&ldquo;, &bdquo;Die Alten leben auf Kosten der Jungen&ldquo;, &bdquo;Wir werden immer weniger&ldquo;, &bdquo;Wir sterben aus&ldquo; &ndash; Deutlicher geht&rsquo;s eigentlich nicht mit der N&auml;he zum rechten Lager. Diese Spr&uuml;che und die dahinter steckenden so genannten Analysen des demographischen Wandels sind die Basis der &Auml;ngste, die Sarrazin und der norwegische M&ouml;rder sch&uuml;ren.<br>\nDiese Verbindung zu artikulieren wird manchen Politikern, Publizisten und den Lobbyisten der Privatvorsorge nicht schmecken. Sie haben die Demographiedebatte gepflegt und benutzt. Sie haben sie benutzt, um das Vertrauen in die gesetzliche Altersversorgung zu ruinieren und als hilfreichen Ersatz die private Vorsorge zu propagieren, und sie nutzen die Demographiedebatte zur Zeit, um die private Krankenversorgung breiter durchzusetzen.<br>\nDieser Zweck, die Durchsetzung privater Interessen, heiligt das Mittel: das Sch&uuml;ren von &Auml;ngsten um das zahlenm&auml;&szlig;ige &Uuml;berleben des eigenen Volks.<\/p>\n<p>Der v&ouml;lkische Charakter des Denkens war bei einigen der Betreiber der Demographiedebatte leicht zu erkennen. Diese N&auml;he zum rechten Lager st&ouml;rte die Medienmacher wie einige Politiker offensichtlich nicht. Serien von Fernsehsendungen wurden dem demographischen Wandel gewidmet, reihenweise B&uuml;cher, ein Forum des Bundespr&auml;sidenten K&ouml;hler, Kommissionen wurden installiert, diverse Stiftungen finanzierten Studien. Und die Politik begann mit einer pronatalen Politik, also einer aktiven Bev&ouml;lkerungspolitik: Elterngeld, weil die Akademikerinnen angeblich zu wenig Kinder bekamen. Zusch&uuml;sse f&uuml;r Kinder in einzelnen Bundesl&auml;ndern. Und vieles mehr. &Uuml;brigens: Meist waren es Flops, weil die politischen Akteure nicht erkannten, warum junge Paare nicht den Mut zu Kindern haben: wegen der Unsicherheit im Beruf, wegen unsicherer Arbeitsverh&auml;ltnisse und Niedrigl&ouml;hnen, wegen der M&auml;ngel, beim notwendigen Versuch, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen, etc. &ndash; Die herrschende Politik konterkarierte ihre aktive Bev&ouml;lkerungspolitik zudem mit ihrer sonstigen arbeitsmarktpolitischen Linie: niedrige L&ouml;hne, Leiharbeit, Forderung nach Mobilit&auml;t, d.h. Zumutung von Wochenendehen , etc.<\/p>\n<p>Wenn die meinungsf&uuml;hrenden Medien und die ihnen verbundenen Politiker auch nur ein Zehntel der Zeit, der Kraft und des Geldes, das sie in die Demographiedebatte steckten, daf&uuml;r verwandt h&auml;tten, um die Integration der hier lebenden Ausl&auml;nder und Aussiedler voranzutreiben, dann w&auml;ren die wirklichen Probleme angegangen worden. Stattdessen hat man den Rechten den Boden f&uuml;r ihre v&ouml;lkischen Parolen und Untaten bereitet.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die herrschende Ideologie, der Neoliberalismus, enth&auml;lt konzeptionell und in seiner Wirkung typisch faschistische Elemente<\/strong>\n<p>Beginnen wir mit der Wirkung. Seit fast 30 Jahren wird die Einkommensverteilung in Deutschland immer ungerechter. Die Lohnquote, der Anteil der abh&auml;ngig Arbeitenden sinkt. Die Spitzengeh&auml;lter, die Dividenden und die Boni wurden &uuml;ber alle Ma&szlig;en angehoben. Gleichzeitig r&uuml;hmt sich Bundeskanzler a.D. Schr&ouml;der der Einf&uuml;hrung eines funktionierenden Niedriglohnsektors in Deutschland.<br>\nDas Denken in oben und unten ist zumindest bei den Meinungsf&uuml;hrern &uuml;blich geworden. Wer arm ist, ist selbst schuld. Wer das Gleichheitsgebot f&uuml;r ein zentrales Element einer Demokratie h&auml;lt, wird als hinterw&auml;ldlerisch denunziert. Wer die Steuer- und die Sozialpolitik einsetzen will, um das Ergebnis der funktionalen Einkommensverteilung zu Gunsten der unteren Einkommen zu korrigieren, wird als Anh&auml;nger des &bdquo;Verteilungsstaates&ldquo; attackiert. Die Adligen werden hofiert. &ndash; Das sind Vorstufen faschistischen Denkens. Vom F&uuml;hrerkult ist das alles nicht weit entfernt.<br>\nAuch die Investitionstheorie der herrschenden Kreise und ihrer Wirtschaftsideologie entspricht ihrer Vorstellung von der Bedeutung all derer, die oben sind, unter Missachtung jener, die wenig haben und wenig verdienen. Nach dieser Theorie, auch Pferde&auml;pfeltheorie genannt, muss man die Oberen so f&uuml;ttern wie ein Pferd, damit sie investieren, und dann die Spatzen in den Pferde&auml;pfeln gen&uuml;gend Nahrung finden.<\/p>\n<p>Eng verbunden mit dem Gesellschaftsbild von oben und unten sind Erscheinungen und Ereignisse, die signalisieren, dass es zweierlei Recht in unserer Gesellschaft gibt:<br>\nWer sein Brot als abh&auml;ngig Arbeitender verdient, dem wird die Lohnsteuer an der Quelle abgezogen. Wer Einkommen aus Zinsen bezieht, wird von vornherein nur mit 25 %, also oft geringer besteuert, und kann zudem sein Verm&ouml;gen und sein Einkommen in irgendwelche Steueroasen verschieben und damit der Besteuerung entziehen. Gegen Steueroasen ist bisher nichts Gescheites unternommen worden, solche Steuerdelikte werden nicht richtig verfolgt. Beamte, die wie in Hessen Steuerhinterziehung verfolgen wollen, werden kaltgestellt.<br>\nWer wie der fr&uuml;here hessische Ministerpr&auml;sident Roland Koch oder der fr&uuml;here Bundeskanzler Helmut Kohl bei der Parteienfinanzierung das Gesetz bricht, kommt ausgesprochen glimpflich davon und gilt weiterhin als Ehrenmann. Zumindest in den oberen Kreisen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Zerst&ouml;rung des Vertrauens in die Demokratie zahlt sich f&uuml;r die Rechte aus<\/strong>\n<p>Mit zweierlei Recht wird das Vertrauen in die demokratische Lebensform zerst&ouml;rt. Es wird weiter zerst&ouml;rt, wenn politische Entscheidungen zu Gunsten von privaten Interessen fallen und die Verbindung zwischen politisch Entscheidenden und den Profiteuren erkennbar ist. Politische Korruption ist ein zentraler Angriff auf das Ansehen der Demokratie. Bei uns ist Politische Korruption an der Tagesordnung und sie wird hingenommen, manchmal nicht einmal erkannt.<\/p>\n<ul>\n<li>So ist bei uns systematisch das Vertrauen in Sozialstaatlichkeit und insbesondere in die soziale Rentenversicherung ruiniert worden. Dieses Handwerk haben Banken und gro&szlig;e Versicherungen betrieben, weil sie von der Umschichtung zu Privatvorsorge Milliarden verdienen.<\/li>\n<li>So sind bei uns private Banken mit hunderten von Milliarden gerettet worden, ohne dass gepr&uuml;ft worden ist, ob diese Banken wirklich systemrelevant sind, wie es so sch&ouml;n hie&szlig;. Soziale Leistungen werden gestrichen, den Spekulanten werden die Wettschulden bezahlt. Es ist deutlich erkennbar, dass dies aus der engen Verkn&uuml;pfung von politischen Entscheidungstr&auml;gern und Finanzwirtschaft folgt.<\/li>\n<li>So ist bei uns ein bew&auml;hrtes &ouml;ffentlich-rechtliches System der Versorgung mit Fernseh- und H&ouml;rfunkprogrammen der Erosion preisgegeben worden, weil zwei Medienkonzerne &ndash; Bertelsmann und Leo Kirch &ndash; Anfang der achtziger Jahre ihr Interesse am kommerziellen Fernsehen signalisierten und die Regierung des Helmut Kohl daf&uuml;r gewannen, nicht nur die Schleuse zum kommerziellen Fernsehen zu &ouml;ffnen, sondern daf&uuml;r Milliarden an &ouml;ffentlichem Geld zur Verf&uuml;gung zu stellen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Kommerzialisierung hat weit reichende Folgen f&uuml;r das demokratische Leben in Deutschland gehabt: die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender haben sich im Kampf um die Einschaltquote den kommerziellen Sendern weit gehend angepasst, politische Bildung und politisches Interesse sind &uuml;ber weite Strecken unter die R&auml;der der Kommerzialisierung geraten, Gewalt im Umgang untereinander ist zunehmend Teil dieser Medienwelt.<br>\nDiese Ver&auml;nderungen zulasten demokratischen und humanen Umgangs finden oft in kleinen Schritten und schleichend statt. Aber sie sind erkennbar und es gibt sogar Forschungen &uuml;ber die Wirkung der Kommerzialisierung f&uuml;r die Lebendigkeit einer Demokratie.<\/p>\n<p>Aber sowohl diese Wirkungen einer politisch korrupten Entscheidung zu Gunsten der Kommerzialisierung wie auch der Vorgang der politischen Korruption selbst werden von den medialen Begleitern des Geschehens ausgeblendet. Ein gutes Beispiel daf&uuml;r ist der Bericht der S&uuml;ddeutschen Zeitung &uuml;ber die Trauerfeier zum Tode von Leo Kirch vom 22. Juli 2011: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/trauerfreier-fuer-leo-kirch-in-muenchen-fast-ein-staatsakt-1.1123658\">&bdquo;Fast ein Staatsakt&ldquo;<\/a>. Da wird Helmut Kohl als glaubw&uuml;rdiger Zeuge zitiert. Er nennt Kirch einen gro&szlig;en Mann. Der Redakteur der S&uuml;ddeutschen selbst nennt Leo Kirch einen Fernsehpionier. Kein Wort davon, welches Unheil dieser Fernsehpionier angerichtet hat, nicht einmal eine Andeutung und auch keine Andeutung zur politischen Korruption, der Tatsache n&auml;mlich, dass 13 Jahre nach der Entscheidung f&uuml;r die Kommerzialisierung des Fernsehens bekannt geworden ist, dass Leo Kirch Beratervertr&auml;ge von viermal 800.000 DM bis 300.000 DM mit einem ganzen Zirkel von Entscheidungstr&auml;gern bei der Kommerzialisierung im Jahre 1984 hatte.<\/p>\n<p>Hier haben wir wieder die Wirkung kommunizierender R&ouml;hren. Wenn selbst in der S&uuml;ddeutschen Zeitung nur Weihrauch &uuml;ber diesen Vorgang ausgegossen wird, dann kann man nicht erwarten, dass in rechten Medien die Wahrheit &uuml;ber Kohl und Kirch verk&uuml;ndet wird. Die bei diesem Vorgang erkennbare Umwertung der Werte ist ein zentraler Angriff auf unsere demokratische Lebensform und damit am Ende ein Wegbereiter f&uuml;r die radikale Rechte.<\/p><\/li>\n<li><strong>Hoff&auml;hige Bildzeitung<\/strong>\n<p>Wolfgang Lieb hat in seinem heutigen Beitrag <a href=\"?p=10269\">&bdquo;Die Brandstifter wehren sich &ndash; die Springer-Zeitungen blasen zum Gegenangriff&ldquo;<\/a> auf die Rolle von Springer im allgemein und die Bild-Zeitung im Besonderen hingewiesen. Die Bild-Zeitung und ihr in den letzten Jahren gewonnenes Renommee scheinen mir eines der Hauptprobleme beim Kampf gegen den Rechtsradikalismus zu sein. Eine Zeit lang war die Gef&auml;hrlichkeit von BILD verringert, weil seine  Glaubw&uuml;rdigkeit infrage gestellt war. F&uuml;hrende Person der SPD gaben zum Beispiel BILD keine Interviews; Helmut Schmidt hatte als Kanzler gespottet, bei BILD stimme nur die Bundesligatabelle; in den Betrieben wurde BILD von Betriebsr&auml;ten und Vertrauensleuten der Gewerkschaften kritisch hinterfragt. <\/p>\n<p>Das ist lange her. Zugleich hat die Bild-Zeitung ihren Kampf gegen Fremde und gegen Sozialstaatlichkeit versch&auml;rft. Wegen ihrer hohen Verbreitung und wegen ihrer Wirkung in andere Medien hinein ist das ein Problem von uns allen.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit bisher drei Beitr&auml;gen sind wir bei der Analyse der Gewalttat in Norwegen auf die Rolle der &bdquo;Brandstifter&ldquo; eingegangen &ndash; <a href=\"?p=10216\">hier<\/a>, <a href=\"?p=10229\">hier<\/a> und <a href=\"?p=10269\">hier<\/a>. Ich verstehe, dass sich die m&ouml;glichen Brandstifter gegen diesen Vorwurf wehren. Aber sie t&auml;ten besser daran, dar&uuml;ber nachzudenken, wie eng ihr Denken und Handeln mit dem Gewaltt&auml;ter von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10276\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[159,60,11],"tags":[1171,329,1165,1170,245],"class_list":["post-10276","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-innere-sicherheit","category-strategien-der-meinungsmache","tag-asyl","tag-brandt-willy","tag-breivik-anders","tag-streibl-max","tag-ypsilanti-andrea"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10276","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10276"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10278,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10276\/revisions\/10278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}