{"id":10283,"date":"2011-07-29T16:28:06","date_gmt":"2011-07-29T14:28:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10283"},"modified":"2014-11-27T16:25:40","modified_gmt":"2014-11-27T15:25:40","slug":"zwei-nachtrage-zu-die-verschiebung-der-achse-nach-rechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10283","title":{"rendered":"Zwei Nachtr\u00e4ge zu  &#8220;Die Verschiebung der Achse nach Rechts &#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zum <a href=\"\/?p=10276\">Beitrag von heute Mittag<\/a> kamen zwei wichtige Erg&auml;nzungen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>NDS-Freund G.K. korrigiert die Opferzahlen.<\/strong>\n<p>Im Text steht:  <\/p>\n<blockquote><p>&ldquo;Klar, der Bayerische Ministerpr&auml;sident von 1992 wollte nicht, dass in Deutschland von damals bis heute sehr viele Menschen Opfer von Fremdenfeindlichkeit und rechter Gewalt wurden; 48 Todesopfer sind seit 1990 registriert.&rdquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>DIE ZEIT schrieb am 16.9.2010 unter der &Uuml;berschrift &ldquo;Rechte Gewalt: Eine furchtbare Bilanz&rdquo; einleitend:<\/p>\n<blockquote><p>&ldquo;137 Menschen starben seit 1990 durch rechte Gewalt &ndash; viel mehr als bislang bekannt.&rdquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/38\/Rechte-Gewalt\">Bericht hei&szlig;t es<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>&ldquo;47 Menschen sind nach Auskunft der Bundesregierung in Deutschland seit 1990 durch politisch rechts motivierte Gewalttaten ums Leben gekommen &ndash; die meisten von ihnen in den ersten zehn Jahren nach der Wende.<br>\nNach Recherchen der ZEIT und des Berliner Tagesspiegels starben zwischen 1990 und 2009 insgesamt mindestens 137 Menschen durch rechte Gewalt &ndash; etwa dreimal so viele, wie staatliche Stellen ausweisen.&rdquo; <\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li><strong>Eine wichtige Erg&auml;nzung schickt ein anderer Leser der NDS. Hier seine Mail: <\/strong><br>\n<blockquote><p>Ein paar kurze Anmerkungen m&ouml;chte ich mir noch vor allem zu ihrem Punkt 5 erlauben: &ldquo;Die herrschende Ideologie, der Neoliberalismus, enth&auml;lt konzeptionell und in seiner Wirkung typisch faschistische Elemente&rdquo;. <\/p>\n<p>Sie haben Recht, wenn Sie in der &ldquo;neoliberalen Ideologie&rdquo; die &ldquo;Vorstufen faschistischen Denkens&rdquo; ersehen. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob sich das allein auf die &ldquo;neoliberale Ideologie&rdquo; abw&auml;lzen l&auml;sst. Ich erinnere z.B. an den &ldquo;sozialen Wildwuchs&rdquo; und Leistungsmissbrauch, den Walter Arendt (SPD) um 1975 beklagte.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] Ich wei&szlig; zwar, dass in j&uuml;ngeren Debatten die Abwertung von Erwerbslosen vor allem durch Neoliberale erfolgte, habe aber Bedenken, den Blick nur auf die &ldquo;Neoliberalen&rdquo; zu lenken. <\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz teile ich Ihre Beobachtung was die &ldquo;Pferde&auml;pfeltheorie&rdquo; betrifft, obgleich dies nichts wirklich Neues ist, sondern sich schon in Joseph Townsends &ldquo;A Dissertation on the Poor Laws&rdquo; (1786) finden l&auml;sst.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">**<\/a>] Ihre Beobachtung findet sich &uuml;brigens auch empirisch best&auml;tigt bei Wilhelm Heitmeyer in &ldquo;Deutschen Zust&auml;nde: Folge 9&rdquo; (2010), wo er u.a. eine Entsolidarisierung der Eliten feststellen konnte (diese f&uuml;hlen sich trotz Steuererleichtungern usw. sogar noch ungerecht behandelt). <\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang m&ouml;chte ich noch auf etwas aufmerksam machen, das Sie zwar implizit mit ihrem f&uuml;nften Kritikpunkt bereits angesprochen hatten, das aber noch einmal deutlich hervorgehoben werden muss: In den letzten Jahren hat sich n&auml;mlich verst&auml;rkt gezeigt, dass im Grunde alle Ihre Kritikpunkte &ndash; ob nun Demographie, Kriegseins&auml;tze, Asyldebatte, Sozialstaatsdebatte usw. &ndash; in Begleitung mit &ouml;konomischen Argumenten auftraten. &Uuml;berfliegen Sie bitte noch einmal Ihren Text und ihnen wird das sprichw&ouml;rtlich ins Auge springen. <\/p>\n<p>Erg&auml;nzend m&ouml;chte ich dazu an die Debatten um Sloterdijks &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/-00m3x9\">Revolution der gebenden Hand<\/a>&rdquo; und Gunnar Heinsohns Forderung &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/-00ltj4\">Sozialhilfe auf f&uuml;nf Jahre begrenzen<\/a>&rdquo; erinnern. Menschen wurden dort mit &ouml;konomischen Argumenten (!) abgewertet. Wenn Sie heute die typischen Diskussionen in den uns&auml;glichen Talkshows verfolgen, werden das Gleiche erleben: Immer h&auml;ufiger werden dort Menschenfeindlichkeiten in &ldquo;&ouml;konomische Metaphern&rdquo; verpackt. <\/p>\n<p>Das, was eigentlich soziale und moralische Fragen sind, wird mit &ouml;konomischer Arithmetik beantwortet. Wohl auch deshalb, um sich den Anschein &ldquo;wissenschaftlicher Neutralit&auml;t&rdquo; zu geben und somit die Deutungshoheit &uuml;ber auch moralisch-soziale Fragen zu erschleichen. Sarrazin hat das mit seinen Zahlenspielereien und dem Nimbus des &ldquo;neutralen&rdquo; Volkswirtes immer und immer wieder praktiziert. In der &Ouml;ffentlichkeit werden dann diese &ldquo;harten Fakten&rdquo; gegen die Einw&auml;nde z.B. der Sozialverb&auml;nde ausgespielt, mit dem Ergebnis, dass Letztere als romantische &ldquo;Gutmenschen&rdquo; dastehen, die von &Ouml;konomie und dergleichen keine Ahnung haben. Entsprechend brauchte mensch sie auch gar nicht erst in eine Kommission wie die Hartz-Kommission einzuladen. Die politischen wie wissenschaftlichen Gegner sind auf diese Weise sprichw&ouml;rtlich kalt gestellt. Entsprechend spielen diese Positionen keine Rolle mehr. <\/p>\n<p>Ein Grund mehr, Ihre Arbeit bei den NachDenkSeiten zu sch&auml;tzen! <\/p>\n<p>Um es abschlie&szlig;end auf einen Punkt hin zu verdichten: Wenn unsere Medien, Politiker und Wissenschaftler die Politik so vorbehaltlos &Ouml;konomisieren, wie wir es erleben, d&uuml;rfen wir uns nicht wundern, wenn Menschen mit eiskaltem N&uuml;tzlichkeitskalk&uuml;l abgewertet werden und das auch noch als &ldquo;legitim&rdquo; dargestellt wird. Im Grunde l&auml;sst sich das, was Sie als &ldquo;Verschiebung der Achse nach Rechts&rdquo; bezeichnen, etwas pr&auml;ziser als &ouml;konomisch intendierter Rechtsruck beschreiben. <\/p>\n<p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en<br>\nS. T. <\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ol><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Oschimansky, F. \/ Kull, S. \/ Schmid, G. (2001), &bdquo;<a href=\"http:\/\/skylla.wzb.eu\/pdf\/2001\/i01-206.pdf\">Faule Arbeitslose? Politische Konjunkturen einer Debatte<\/a> [PDF &ndash; 714 KB]&ldquo;, Wissenschaftszentrum Berlin f&uuml;r Sozialforschung, Discussion Paper FS|01-206, Berlin.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;**<\/a>] Townsend, J. (1786), <a href=\"http:\/\/socserv.mcmaster.ca\/econ\/ugcm\/3ll3\/townsend\/poorlaw.html\">A Dissertation on the Poor Laws<\/a>, within the archive for the history of economic thought at the McMaster University, Hamilton (Ontario, Canada)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum <a href=\"\/?p=10276\">Beitrag von heute Mittag<\/a> kamen zwei wichtige Erg&auml;nzungen. 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