{"id":102845,"date":"2023-08-24T09:00:14","date_gmt":"2023-08-24T07:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102845"},"modified":"2023-08-25T07:14:25","modified_gmt":"2023-08-25T05:14:25","slug":"cum-ex-skandal-es-kann-zweifelsfrei-bewiesen-werden-dass-bundeskanzler-olaf-scholz-vor-dem-untersuchungsausschuss-gelogen-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102845","title":{"rendered":"Cum-Ex-Skandal: \u201eEs kann zweifelsfrei bewiesen werden, dass Bundeskanzler Olaf Scholz vor dem Untersuchungsausschuss gelogen hat\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die parlamentarische Sommerpause ist noch nicht zu Ende, die erste Sitzungswoche des Bundestags beginnt am 4. September, doch mit der Ruhe im Kanzleramt d&uuml;rfte es bereits jetzt vorbei sein. Die Aff&auml;re um die Warburg-Bank, deren krumme Cum-Ex-Gesch&auml;fte und die bis heute nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rte Rolle von Olaf Scholz in dem Skandal hat eine neue Wendung erfahren. Laut dem Finanzexperten Fabio de Masi, der in seiner Zeit als Abgeordneter der Linksfraktion die Aufkl&auml;rung zur Causa ma&szlig;geblich mit ins Rollen gebracht hatte, belegen neue Dokumente &bdquo;zweifelsfrei&ldquo;, dass Kanzler Scholz vor dem Untersuchungsausschuss zur Warburg-Aff&auml;re im August 2022 gelogen hat. R&uuml;cktrittsforderungen werden laut. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_915\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-102845-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210824_Cum_Ex_Skandal_Es_kann_zweifelsfrei_bewiesen_werden_dass_Scholz_gelogen_hat_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210824_Cum_Ex_Skandal_Es_kann_zweifelsfrei_bewiesen_werden_dass_Scholz_gelogen_hat_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210824_Cum_Ex_Skandal_Es_kann_zweifelsfrei_bewiesen_werden_dass_Scholz_gelogen_hat_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210824_Cum_Ex_Skandal_Es_kann_zweifelsfrei_bewiesen_werden_dass_Scholz_gelogen_hat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=102845-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210824_Cum_Ex_Skandal_Es_kann_zweifelsfrei_bewiesen_werden_dass_Scholz_gelogen_hat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210824_Cum_Ex_Skandal_Es_kann_zweifelsfrei_bewiesen_werden_dass_Scholz_gelogen_hat_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Am Abend des 22. August 2023 ver&ouml;ffentlichte der Finanzexperte Fabio de Masi, der zuvor auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Sahra Wagenknecht t&auml;tig war, folgenden umfangreichen Tweet, in welchem er unter anderem erkl&auml;rte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das ist ein Durchbruch in der Warburg-Aff&auml;re. Es kann nun zweifelsfrei bewiesen werden, dass Bundeskanzler Olaf Scholz vor einem Untersuchungsausschuss gelogen und sein Pressesprecher gleich mehrfach und in b&ouml;ser Absicht die Unwahrheit gesagt hat. Ein Einfluss auf das Steuerverfahren kann zwar bisher nur per dichter Indizienkette belegt werden, aber die L&uuml;ge vor einem Untersuchungsausschuss ist ein hinreichender Grund, um zu sagen: Herr Scholz, treten Sie zur&uuml;ck! Denn die L&uuml;ge macht nur Sinn, wenn es darum ging, diese strafbare Einflussnahme zu vertuschen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Das ist ein Durchbruch in der <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Warburg?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#Warburg<\/a> Aff&auml;re. Es kann nun zweifelsfrei bewiesen werden, dass <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Bundeskanzler?ref_src=twsrc%5Etfw\">@Bundeskanzler<\/a> Olaf Scholz vor einem Untersuchungsausschuss gelogen und sein Pressesprecher gleich mehrfach und in b&ouml;ser Absicht die Unwahrheit gesagt hat. Ein Einfluss auf das&hellip;<\/p>\n<p>&mdash; Fabio De Masi &#129449; (@FabioDeMasi) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/FabioDeMasi\/status\/1694062328231121247?ref_src=twsrc%5Etfw\">August 22, 2023<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p>Diese Darlegung auf <em>X-Twitter<\/em> f&uuml;hrte er in einem Essay mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.fabio-de-masi.de\/de\/article\/4333.warburg-aff%C3%A4re-der-beweis-dass-der-kanzler-l%C3%BCgt.html\">&bdquo;Warburg-Aff&auml;re: Der Beweis, dass der Kanzler l&uuml;gt&ldquo;<\/a> noch weiter aus. <\/p><p><strong>Die L&uuml;ge des Olaf Scholz<\/strong><\/p><p>Um zu verstehen, wie und in welcher Form der amtierende Kanzler den Untersuchungsausschuss angelogen hat, muss man einige Jahre zur&uuml;ckgehen. Ende 2019 erkl&auml;rte der Hamburger Senat nach vorheriger R&uuml;ckfrage beim damaligen Bundesfinanzminister Scholz auf eine Anfrage der Linken in der B&uuml;rgerschaft, es h&auml;tte zu keiner Zeit ein Treffen zwischen Scholz (als Erster B&uuml;rgermeister von Hamburg von 2011 bis 2018) und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Warburg-Bank, Christian Olearius, gegeben.<\/p><p>Wenige Monate sp&auml;ter, im Februar 2020, mitten im laufenden Wahlkampf zur Hamburger B&uuml;rgerschaft, ver&ouml;ffentlichten <em>ZEIT<\/em> und <em>NDR<\/em> Ausz&uuml;ge aus Dokumenten (Tagebuch des Privatbankers Olearius), aus denen hervorging, dass Scholz sich entgegen der bisherigen Darstellung sehr wohl Ende November 2017, mitten im aufgeflogenen Steuerskandal, zumindest einmal mit dem Miteigner der Warburg-Bank getroffen hatte &ndash; in seinem Amtszimmer.<\/p><p>Erst nach dieser Ver&ouml;ffentlichung r&auml;umte Scholz das Treffen ein &ndash; und lie&szlig; &uuml;ber seinen damaligen Pressesprecher im Finanzministerium (heute im Amt des Regierungssprechers), Steffen Hebestreit, Folgendes verlautbaren:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zu den Aufgaben eines Ersten B&uuml;rgermeisters geh&ouml;rt es, mit den Wirtschaftsvertretern der Stadt im regelm&auml;&szlig;igen Austausch zu stehen. So hat es auch ein Treffen von Olaf Scholz mit Herrn Olearius im November 2017 im Amtszimmer des B&uuml;rgermeisters gegeben, wie aus dem Kalender des Ersten B&uuml;rgermeisters hervorgeht, der der Senatskanzlei vorliegen m&uuml;sste. Wieso dies bei der Beantwortung der Kleinen Anfrage nicht ber&uuml;cksichtigt worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Scholz wird infolge der Enth&uuml;llung, die ordentlich f&uuml;r Unruhe im politischen Berlin sorgt, gleich zwei Mal (Fr&uuml;hjahr und Sommer 2020) im Finanzausschuss des Bundestages zu der Thematik befragt. Er best&auml;tigt dort zwar das Treffen im November 2017 mit Verweis auf einen angeblichen Kalendereintrag (das wird noch relevant im weiteren Verlauf!), betont aber, dass er selbst keinerlei eigene Erinnerungen an das Treffen habe, und verschweigt, apropos Erinnerungsl&uuml;cken, zu diesem Zeitpunkt den Abgeordneten, dass es bereits zuvor (2016) Treffen mit Olearius im Hamburger Rathaus gab. Dies wird er erst sp&auml;ter einr&auml;umen.<\/p><p>Mittlerweile wei&szlig; die &Ouml;ffentlichkeit: Scholz traf sich in seiner Zeit als Hamburger B&uuml;rgermeister mindestens drei Mal mit Christian Olearius, und das zu einem Zeitpunkt, als gegen die Warburg-Bank bereits wegen massiver Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Laut mehreren Medienberichten gibt es zudem Vermerke der Generalstaatsanwaltschaft K&ouml;ln, die darauf <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/innenpolitik\/id_100097020\/cum-ex-olaf-scholz-und-seine-sehr-privaten-treffen.html\">hindeuten<\/a>, dass es noch weitere Treffen zwischen Scholz und dem Privatbanker in dessen Villa in Blankenese gab. Der Bankier suchte laut seinen eigenen Tagebuch-Aufzeichnungen die Unterst&uuml;tzung von Scholz, um eine R&uuml;ckforderung des Finanzamts im mittleren zweistelligen Millionenbereich wegen der illegalen Cum-Ex-Gesch&auml;fte zu verhindern oder zumindest abzumindern. Ob dies mit oder ohne Hilfe von Scholz geschah, ist bis heute nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rt. Fest steht aber, das Finanzamt Hamburg verzichtete kurz nach dem Treffen von Scholz mit Olearius tats&auml;chlich darauf, Forderungen in H&ouml;he von weit &uuml;ber 40 Millionen Euro einzutreiben. Insgesamt betrugen die Steuerschulden der Bank bundesweit 170 Millionen Euro.<\/p><p><strong>Dekonstruktion der L&uuml;gen von Scholz und seinem Pressesprecher<\/strong><\/p><p>Doch zur&uuml;ck zur zuvor zitierten Aussage von Scholz&lsquo; Pressesprecher. An der Korrektheit von dessen Darstellung bestehen erhebliche Zweifel, de Masi spricht in diesem Zusammenhang davon, dass dies &bdquo;mehrfach gelogen&ldquo; sei, und f&uuml;hrt dies auch aus:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;1. Der Termin stand nicht mehr (oder gar nie) in Scholz Kalender, da der Termin laut seiner B&uuml;roleiterin im M&auml;rz 2018 nicht ins Finanzministerium &uuml;berspielt wurde;<\/p>\n<p>2. Dem Hamburger Senat lag der Kalender nicht mehr vor, was Scholz&lsquo; Leute wussten, da der Senat ja bei ihnen angefragt hatte;<\/p>\n<p>3. Warum der Hamburger Senat die Treffen nicht einger&auml;umt hatte, entzog sich nicht ihrer Kenntnis, da Scholz daf&uuml;r selbst verantwortlich war. Er hatte dem Hamburger Senat nicht geantwortet.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es liege, so der Finanzexperte weiter, auf der Hand, dass Scholz den Kalendereintrag vorget&auml;uscht habe, um sp&auml;ter noch die Option Erinnerungsl&uuml;cke anf&uuml;hren zu k&ouml;nnen, falls die weiteren Termine noch entdeckt werden w&uuml;rden. Scholz, so die Erl&auml;uterung von de Masi, konnte zu dem Zeitpunkt ja nicht einsch&auml;tzen, was noch in den konfiszierten Tageb&uuml;chern des Warburg-Miteigners stand und bis zu welchem Grad Journalisten dazu Zugang hatten.<\/p><p>&Uuml;berpr&uuml;fen wir nun, soweit m&ouml;glich, die drei von de Masi angef&uuml;hrten Punkte:<\/p><blockquote><p>\n1. &bdquo;Der Termin stand nicht mehr (oder gar nie) in Scholz&lsquo; Kalender&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Alle verf&uuml;gbaren Informationen best&auml;tigen diese Darlegung von de Masi: Im April 2021 schickte, wie unter anderem auch <em>DER SPIEGEL<\/em> <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/olaf-scholz-in-der-cum-ex-affaere-der-raetselhafte-kalender-a-37eea7d2-3464-45db-9caa-68df7c818769\">berichtet<\/a>, die langj&auml;hrige B&uuml;roleiterin von Scholz, Jeanette Schwamberger, ein Schreiben an den Untersuchungsausschuss in Hamburg. In diesem berichtet sie &uuml;ber den Umgang mit dem Terminkalender und erkl&auml;rt, als Scholz 2018 von Hamburg nach Berlin gewechselt sei, habe man die Daten aus den Jahren 2014 bis 2018 &bdquo;in den Ministerkalender in Microsoft Outlook &uuml;bertragen&ldquo;. Dazu erg&auml;nzt sie dann allerdings, und jetzt wird es interessant:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zum Termin (von Scholz mit Olearius) finden sich keine Eintr&auml;ge im Ministerkalender des Bundesministeriums der Finanzen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>In einer internen Mail, datiert auf den 25. April 2021, die dem <em>STERN<\/em> vorliegt und nicht vom Bundeskanzler dementiert wurde, &auml;u&szlig;ert sich seine B&uuml;roleiterin noch expliziter und <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/olaf-scholz--e-mails-aus-seinem-team-zum-cum-ex-skandal-werfen-neue-fragen-auf-33754512.html\">erkl&auml;rt<\/a>, sie habe &bdquo;noch nie&ldquo; einen Termin mit Olearius von November 2017 im Kalender gesehen.<\/p><p>Hintergrund der Aussage? Am 30. April 2021 war Scholz vor dem Untersuchungsausschuss in Hamburg geladen. F&uuml;r diesen Zweck verfasste sein damaliger Staatssekret&auml;r Wolfgang Schmidt, der als engster Vertrauter des jetzigen Bundeskanzlers gilt, in Zusammenarbeit mit Scholz&lsquo; B&uuml;roleiterin einen Sprechzettel f&uuml;r ihn. Darin hei&szlig;t es unter anderem als Formulierungsvorschlag, der per Mail an Schwamberger geht:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im November 2017 hat sich der damalige Erste B&uuml;rgermeister Olaf Scholz mit Herrn Olearius in seinem B&uuml;rgermeister-Amtszimmer zu einem Gespr&auml;ch getroffen. Dies ist dem Dienstkalender des B&uuml;rgermeisters zu entnehmen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Darauf antwortet Scholz&lsquo; B&uuml;roleiterin laut der dem <em>STERN<\/em> vorliegenden Mail an Schmidt und Hebestreit um 22:30 Uhr:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das irritiert mich. Ich habe noch nie einen Termin mit Olearius von November 2017 im Kalender gesehen. Auch nicht einen Termin im Oktober 2017. Das ist alles merkw&uuml;rdig, aber wir sind alle Kalender durch.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Sp&auml;ter dann im Untersuchungsausschuss auf den nicht belegbaren Kalendereintrag angesprochen, pr&auml;sentiert Scholz eine sehr eigenwillige Erkl&auml;rung. Bedingt durch IT-Probleme im Finanzministerium seien im Kalender ab Mitte Oktober 2017 &bdquo;ausschlie&szlig;lich Termine meines Amtsvorg&auml;ngers, Bundesminister Altmaier&ldquo; zu finden. Weiter f&uuml;hrt er aus:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Insofern gehe ich davon aus, dass das Treffen stattgefunden haben wird, auch wenn ich daran keine eigene Erinnerung habe.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Doch diese Scholz&rsquo;sche Version wird durch Ermittlungen des Landeskriminalamts (LKA) Nordrhein-Westfalen zumindest teilweise in Frage gestellt, denn das LKA hatte im Laufe der Untersuchungen zu Cum-Ex ein damaliges E-Mail- und Kalender-Postfach von Scholz zu seiner Zeit als B&uuml;rgermeister beschlagnahmt und dies mittlerweile ausgewertet. Diese Auswertung ist einsehbar. F&uuml;r den fraglichen 10. November 2017 sind dort genau acht Termine festgehalten, beginnend von 9 Uhr morgens bis 23 Uhr abends. Aufgef&uuml;hrt werden an Terminen unter anderem der Besuch eines Forschungszentrums sowie die Er&ouml;ffnung einer Fachkonferenz. Doch was fehlt, ist ein Termineintrag f&uuml;r das Treffen mit dem Warburg-Vertreter.<\/p><p>Ebenso pr&auml;sentiert sich die Lage zu den von de Masi aufgef&uuml;hrten Punkten 2 und 3. Denn seit letzter Woche liegt eine weitere Antwort des Hamburger Senats auf eine Anfrage der dortigen Linksfraktion vor, die wissen wollte, wieso der Senat Ende 2019 das mittlerweile einger&auml;umte Treffen zwischen Olearius und Scholz dementiert hatte. Die Antwort hat es in sich.<\/p><p>Der Senat r&auml;umt in seiner Antwort ein, dass er damals gar keinen Zugriff mehr auf den Kalender von Scholz gehabt habe, da dieser zu diesem Zeitpunkt bereits in Berlin als Finanzminister t&auml;tig war. Zwar habe man entsprechend bei ihm im Bundesfinanzministerium nachgefragt, aber eine R&uuml;ckmeldung sei &bdquo;innerhalb der f&uuml;r die Beantwortung der Schriftlichen Kleinen Anfrage zur Verf&uuml;gung stehenden Zeit nicht erfolgt&ldquo;. Die Auskunft, dass es keinerlei Gespr&auml;che gegeben habe, h&auml;tte man dann auf der Grundlage gegeben, &bdquo;weil grunds&auml;tzlich der Erste B&uuml;rgermeister in einem steuerlichen Verfahren nicht beteiligt ist&ldquo;.<\/p><p><strong>Alles spricht gegen die Version von Scholz<\/strong><\/p><p>Wir k&ouml;nnen festhalten: Alles spricht f&uuml;r die Darlegung von de Masi und alles gegen die Wahrhaftigkeit der Erkl&auml;rung von Hebestreit im Namen des jetzigen Bundeskanzlers und auch bez&uuml;glich Scholz&lsquo; eigener Aussagen vor dem Finanzausschuss des Bundestages sowie, in seiner Implikation noch gravierender und strafrechtlich relevant, gegen&uuml;ber dem Hamburger Untersuchungsausschuss.<\/p><p>Auf Grundlage dieses neuen Erkenntnisstandes ger&auml;t die gesamte bisherige Argumentationsgrundlage des amtierenden Kanzlers endg&uuml;ltig ins Wanken. Denn Scholz r&auml;umte zwar h&auml;ppchenweise und nur nach medialem Druck zumindest drei Treffen mit dem kriminellen Banker ein, berief sich dabei aber immer auf angebliche Kalendereintr&auml;ge. Eigene Erinnerungen, so betonte er es immer wieder vor dem Bundestag und dem Hamburger Senat, h&auml;tte er an keines der Treffen.<\/p><p>Dieses Vorgehen legt nahe, so auch die Einsch&auml;tzung von de Masi in seinem erw&auml;hnten Twitter-Beitrag, dass Scholz sich von Beginn an alle drei Treffen erinnert hat und der vorget&auml;uschte Kalendereintrag nur der Option Erinnerungsl&uuml;cke diente, falls die Treffen aufgedeckt werden w&uuml;rden. De Masi kommt in einer Stellungnahme gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten zu dem Schluss, dass das Verhalten von Scholz sowohl politische wie strafrechtliche Konsequenzen haben muss, und h&auml;lt den Kanzler f&uuml;r nicht mehr tragbar:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Man kann keinen Termin best&auml;tigen, der nicht im Kalender steht ohne aktive Erinnerung. Dies war also eine kalkulierte Strategie. Wer die &Ouml;ffentlichkeit so bewusst bel&uuml;gt, hat etwas zu verbergen. Und zwar den Einfluss auf ein Steuerverfahren zu Gunsten von Wirtschaftskriminellen und den Verzicht auf Tatbeute. Denn das Motto &bdquo;Reden ist Silber, Schweigen ist Scholz&ldquo; macht nur Sinn, wenn der Bundeskanzler sich st&auml;rker mit den kriminellen Cum-ex-Deals befasst hat als zul&auml;ssig. Damit ist dies nicht nur eine politische, sondern auch eine strafrechtliche Angelegenheit. Der Kanzler ist nicht mehr tragbar.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Shutterstock \/ photocosmos1<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102611\">Die &bdquo;Akte Scholz&ldquo; &ndash; das Buch zum Cum-Ex-Skandal<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96545\">Lesetipp &ndash; Fabio De Masis Betrachtungen zu Olaf Scholz und zur Warburg-Aff&auml;re<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80522\">Medien und Olaf Scholz: Aufruf zur Unterwerfung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98319\">Anh&ouml;rung von Habeck und Staatssekret&auml;r Philipp im Wirtschaftsausschuss: &bdquo;Daran erinnere ich mich nicht mehr&hellip;&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/cf886ff5e4c642b3a79baf78213be7ee\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die parlamentarische Sommerpause ist noch nicht zu Ende, die erste Sitzungswoche des Bundestags beginnt am 4. September, doch mit der Ruhe im Kanzleramt d&uuml;rfte es bereits jetzt vorbei sein. Die Aff&auml;re um die Warburg-Bank, deren krumme Cum-Ex-Gesch&auml;fte und die bis heute nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rte Rolle von Olaf Scholz in dem Skandal hat eine neue Wendung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102845\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":102846,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,127,138],"tags":[2512,1459,831,2752],"class_list":["post-102845","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-steuerhinterziehungsteueroasensteuerflucht","tag-cum-cumcum-ex","tag-de-masi-fabio","tag-scholz-olaf","tag-untersuchungsausschuss"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/shutterstock_2037924413.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102845","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=102845"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102845\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102871,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102845\/revisions\/102871"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/102846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=102845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=102845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=102845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}