{"id":10325,"date":"2011-08-02T17:00:24","date_gmt":"2011-08-02T15:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10325"},"modified":"2014-09-09T12:54:13","modified_gmt":"2014-09-09T10:54:13","slug":"versuch-der-einordnung-der-vorgange-in-den-usa-in-unsere-vorstellungen-von-demokratie-und-humanitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10325","title":{"rendered":"Versuch der Einordnung der Vorg\u00e4nge in den USA in unsere Vorstellungen von Demokratie und Humanit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Die viel beschworene Wertegemeinschaft gibt es nicht. Werte sind weder dort noch hier politisch entscheidend. Das wussten wir zwar immer schon. Aber vielleicht lernt jetzt mancher dazu. Und von Demokratie kann man auch nicht sprechen. Auch das ist nichts Neues, aber eindrucksvoll best&auml;tigt worden. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li>Die Interessen der m&auml;chtigen amerikanischen Finanzwirtschaft wurden mit &ouml;ffentlichen Mitteln und damit verbundener h&ouml;herer Verschuldung bedient. Jetzt belastet man mit den Sparma&szlig;nahmen die Familien der abh&auml;ngig Arbeitenden, der Rentner und der Arbeitslosen. Hier wird ganz offen Politik zu Gunsten der gut Verdienenden und der Reichen gemacht. Ihnen werden die Risiken ihres Finanzcasinobetriebes abgenommen. Die Kosten werden der Mehrheit aufgeb&uuml;rdet.<\/li>\n<li>Das ist m&ouml;glich, weil diese Mehrheit sich entweder aus dem Entscheidungsprozess &uuml;ber Wahlen zur&uuml;ckzieht oder sich zu Gunsten der Interessen der Oberen und zulasten ihrer eigenen Interessen herumkriegen l&auml;sst. &bdquo;Wer &uuml;ber viel Geld und\/oder publizistische Macht, kann die politischen Entscheidungen massiv beeinflussen. Die &ouml;ffentliche Meinungsbildung ist zum Einfallstor f&uuml;r den politischen Einfluss der neoliberalen Ideologie und der damit verbundenen finanziellen und politischen Interessen geworden. In einer von Medien und Geld gepr&auml;gten Gesellschaft ist das zum Problem der Mehrheit &hellip; geworden.&ldquo; Das ist ein Zitat aus der Vorbemerkung zu &bdquo;Meinungsmache&ldquo;. Siehe Ziffer zwei der Leseproben, die in den <a href=\"\/?page_id=4138\">NachDenkSeiten aufgenommen sind<\/a>. Dort ist Einschl&auml;giges zum jetzigen Vorgang in den USA &ndash; wie auch bei uns &ndash; beschrieben.<\/li>\n<li>Die Vorstellung, die herrschenden konservativen Kreise h&auml;tten irgend ein Ethos, sie w&auml;ren wertorientiert und an einem wie auch immer im Detail beschriebenen Gemeinwohl interessiert, ist &uuml;berholt. Vielleicht galt die Wertorientierung &ndash; was Deutschland betrifft &ndash; noch f&uuml;r Personen wie Kurt Georg Kiesinger oder Richard von Weizs&auml;cker, vielleicht auch f&uuml;r Adenauer, bei der heutigen F&uuml;hrungsschicht der Konservativen in Deutschland, f&uuml;r Merkel, Henkel, Merz, Wulff, f&uuml;r Westerwelle, R&ouml;ssler und Solms, gilt das allenfalls in Andeutungen.<br>\nDie Republikanische Partei in den USA scheint heute bis auf wenige Ausnahmen von Personen und Gruppen &uuml;bernommen worden zu sein oder gepr&auml;gt zu werden, die jegliches gemeinwohlorientiertes Ethos aufgegeben haben. So war das bei Reagan, bei Bush Junior und so ist es bei der Tea Party. In anderen L&auml;ndern, in den Niederlanden, in &Ouml;sterreich, in Italien, in Spanien und in Frankreich haben sich die konservativen Parteien in &auml;hnlicher Weise nach rechts bewegt.<br>\nZum aktuellen Vorgang in den USA hat Paul Krugman in einem Beitrag f&uuml;r die New York Times vom 31.7.2011 einschl&auml;gig notiert, der amerikanische Pr&auml;sident sei f&auml;lschlicherweise davon ausgegangen, die Republikaner w&uuml;rden verantwortungsvoll handeln. Er stellt jetzt fest, dass mit dem aktuellen Akt der Erpressung der lange Weg der USA in den Status einer Bananenrepublik begonnen worden sei. So sehr neu ist diese Erkenntnis eigentlich nicht. Und sie ist nicht auf die USA zu beschr&auml;nken.<\/li>\n<li>Die Rechtsverschiebung bei den ehedem konservativen Parteien l&auml;uft teilweise &uuml;ber einen &bdquo;Zugzwang&ldquo; neu aufgekommener rechter politischer Gruppierungen. Sie ist in vielen F&auml;llen zus&auml;tzlich begleitet von der ethischen und politischen Entleerung der sozialdemokratischen Parteien und im Falle der USA der Demokratischen Partei, oder im Falle Spaniens und Griechenlands der dortigen Sozialisten. Die Anpassung dieser Parteien an konservative bzw. rechtskonservative Ideologien wie die neoliberalen &bdquo;Reformen&ldquo;  hat den konservativen Parteien ihre Bewegung in die weit gehende Interessenabh&auml;ngigkeit und Wertelosigkeit erleichtert. Die Erpressung des amerikanischen Pr&auml;sidenten und der Demokratischen Partei durch die Republikaner wurde erleichtert durch deren Anpassung. Die Parallele zu Deutschland ist &uuml;berdeutlich.<\/li>\n<li>Die Verschiebung nach rechts und die Verschiebung zum Abschied von der Orientierung am Gemeinwohl werden begleitet von einer &auml;hnlichen Orientierung einschl&auml;giger Medienkonzerne. Die Erfolge der Rechtskonservativen in den USA w&auml;ren ohne das Wirken Murdochs nicht m&ouml;glich gewesen. Die Orientierung der deutschen Politik an den Interessen der Finanzindustrie und der gut verdienenden Oberschicht w&auml;re ohne das Zusammenspiel der konservativen F&uuml;hrungsfiguren mit Springer, Bertelsmann und einigen anderen gro&szlig;en Medienkonzernen nicht denkbar.<\/li>\n<li>Eine der wichtigen Strategien des rechtskonservativen Lagers ist offensichtlich: die Verarmung des Staates wird systematisch betrieben. Im Kapitel 13 des 2009 erschienenen Buch &bdquo;Meinungsmache&ldquo; ist &bdquo;Die Verarmung des Staates als strategischer Hebel&ldquo; skizziert, abrufbar in den <a href=\"\/?page_id=4138\">NachDenkSeiten als Ziffer 7 der Leseproben<\/a> Mit dem Ausbluten des finanziellen Spielraums der &ouml;ffentlichen H&auml;nde werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klatsche geschlagen: privaten Interessen werden neue Gesch&auml;ftsfelder er&ouml;ffnet, es wird ein Zwang zur Privatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen und zum Streichen sozialer Leistungen ausgel&ouml;st.<\/li>\n<li>Die Verf&uuml;hrbarkeit der Mehrheit durch die Minderheit wird erleichtert durch weit verbreitete und offenbar tief verankerte Fehl- und Vorurteile. Im konkreten Fall spielt die immer wieder zu beobachtende Vorstellung, der Staat k&ouml;nne sparen, wenn er die Absicht zum Sparen habe, eine zentrale Rolle. Dass dies h&auml;ufig nicht m&ouml;glich ist, weil die Sparpolitik die konjunkturelle Bewegung negativ beeinflusst und damit die Steuereinnahmen reduziert und die Notwendigkeit zur Zahlung an Arbeitslose vergr&ouml;&szlig;ert, sehen die herrschenden Kr&auml;fte nicht oder sie wollen das nicht sehen.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die viel beschworene Wertegemeinschaft gibt es nicht. Werte sind weder dort noch hier politisch entscheidend. Das wussten wir zwar immer schon. Aber vielleicht lernt jetzt mancher dazu. Und von Demokratie kann man auch nicht sprechen. Auch das ist nichts Neues, aber eindrucksvoll best&auml;tigt worden. 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