{"id":10333,"date":"2011-08-03T09:26:01","date_gmt":"2011-08-03T07:26:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10333"},"modified":"2019-07-11T16:42:45","modified_gmt":"2019-07-11T14:42:45","slug":"von-der-selbststandigen-zur-kommunalen-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10333","title":{"rendered":"Von der \u201eSelbstst\u00e4ndigen\u201c zur \u201eKommunalen Schule\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Neben der Debatte um die sog. &bdquo;Selbstst&auml;ndige Schule&ldquo; gibt es inzwischen einen neuen schulpolitischen Diskurs. Es ist dies der Diskurs um die Kommunalisierung von Schule unter den Schlagw&ouml;rtern &bdquo;Kommunale Schule&ldquo; oder &bdquo;Kommunale Bildungslandschaft&ldquo;. Auch wenn vereinzelt auch Sinnvolles unter diesem Label firmiert, ist die Debatte vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie &ndash; wie bereits von der &bdquo;Selbstst&auml;ndigen Schule&ldquo; bekannt &ndash; f&uuml;r den Fall einer &bdquo;Kommunalisierung&ldquo; der Schulen das Blaue vom Himmel herab verspricht. In Zwischent&ouml;nen wir jedoch deutlich, dass das Ziel einer solchen Dezentralisierung in erster Linie K&uuml;rzungen im Bildungsbereich sind, die sich angeblich mittels sagenhafter Synergieeffekte bei gleichzeitiger &bdquo;Qualit&auml;tssteigerung&ldquo; erreichen lassen sollen.<br>\nEs geht darum, die Zust&auml;ndigkeit &ndash; angefangen von den Lehrerarbeitsverh&auml;ltnisse bis hin zur Definition von Bildungsinhalten &ndash; auf die Kommunen als p&auml;dagogische &bdquo;Allesk&ouml;nner&ldquo; zu &uuml;bertragen. Hinter den wohlklingenden Worten von Liberalisierung und Dezentralisierung versteckt sich nicht nur eine massive Verschlechterung der Lehr-, Lern- und Arbeitsbedingung sondern gleichzeitig auch eine &Uuml;berwindung der Eintrittsh&uuml;rden f&uuml;r private Akteure auf dem &bdquo;Bildungsmarkt&ldquo; Schule.<br>\nVon Jens Wernicke<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Von der &bdquo;Selbstst&auml;ndigen&ldquo; zur &bdquo;Kommunalen Schule&ldquo;<\/strong><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Daher wollen wir Modelle erproben, Schulen ganz in kommunale Verantwortung zu geben. Das Modell der selbstst&auml;ndigen Schule schafft hierf&uuml;r den geeigneten organisatorischen Rahmen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>SPD Hessen: Haus der Bildung. Chancen er&ouml;ffnen &ndash; Perspektiven geben!<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Wenn sich das Modell bew&auml;hrt, sollen bis 2018 alle allgemein bildenden Schulen in die vollst&auml;ndige Tr&auml;gerschaft der Gemeinden, St&auml;dte und Kreise &uuml;bergehen; auch bei berufsbildenden und F&ouml;rderschulen sollen die Schultr&auml;ger die M&ouml;glichkeit erhalten, sie vollst&auml;ndig zu &uuml;bernehmen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>SPD Niedersachsen: Zukunft der Bildung. Beschluss des Landesvorstandes vom 3. Februar 2006<\/p><p>Alle Jahre wieder erfinden Regierungen und die sie beratenden Think-Tanks neue &bdquo;Bildungszauber&ldquo;, wie ich sie nennen mag. Da wird uns dann beispielsweise versprochen, mittels des Konzepts der &bdquo;Selbstst&auml;ndigen Schule&ldquo; w&uuml;rde endlich alles besser: Unsere Kinder erhielten endlich wirklich guten Unterricht, die soziale Segregation n&auml;hme ab, die soziale Selektivit&auml;t des Bildungssystems w&uuml;rde &uuml;berwunden etc. pp. Doch schaut man sich die verhandelten Vorstellungen und Konzepte genauer an, stellt sich heraus, dass mit der Rede von vermeintlicher Selbstst&auml;ndigkeit ganz explizit kein Mehr an p&auml;dagogischer Freiheit oder demokratischer Beteiligung gemeint ist, sondern &bdquo;Selbstst&auml;ndigkeit&ldquo; als Synonym f&uuml;r &bdquo;Nach den Regeln des Marktes funktionierend&ldquo; verwandt wird. Das meiste an Rhetorik ist nur Ablenkung vom materiellen Kern der Ver&auml;nderungen: Statt &ndash; wie gern apostrophiert &ndash; Autonomie, die in einem demokratischen Gemeinwesen einzig unter Wahrung materieller und organisatorischen Pr&auml;missen denkbar ist, wird aktuell de facto eine neue Art der Heteronomie des Bildungssystems forciert [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Fortan sollen die anonymen Kr&auml;fte des Marktes, f&uuml;r die Diversifizierung oberstes Gebot und Chancengleichheit ein Fremd-, wenn nicht gar ein Schimpfwort darstellt, und nicht mehr gew&auml;hlte Regierungen die Geschicke der Bildung und der im Bildungssystem Agierenden lenken und gestalten. Bildungs&ldquo;deform&ldquo; wird uns als Bildungsreform verkauft. <\/p><p>Dahinter steht das Leitbild der neoliberale Marktanarchie, in der sich jeder nur noch um sich selbst, seine Leistungskennzahlen, seine Sch&uuml;lerquoten und die&bdquo;Markterfolge&ldquo; der Schulen bem&uuml;ht. Der Staat gibt die Verantwortung f&uuml;r eine Gleichwertigkeit der Bildungs- und Lebensverh&auml;ltnisse ab, und zwingt Institutionen und die handelnden Personen in eine bedingungslose Konkurrenz miteinander. Einen Wettstreit, dessen Ziel nicht Demokratie, sondern Marktgesellschaft hei&szlig;t, und dessen Hintergrundmusik nicht einmal mehr den Anklang von sozialer Sicherheit oder kollegialem, solidarischem Miteinander erkennen l&auml;sst, vielmehr werden Untergang und zumindest Strafe bei dann &bdquo;eigenverantwortet&ldquo; nicht erreichten und f&uuml;r viele nie erreichbar gewesenen Zielen orchestriert; diese negative Utopie gewinnt  mehr und mehr Kontur. <\/p><p>&bdquo;Alles wird besser f&uuml;r Eure Kinder&ldquo;, verspricht uns die Politik, versprechen uns Stiftungen und Arbeitgeberverb&auml;nde &ndash; und diskutieren dabei im Hintergrund l&auml;ngst &uuml;ber Millionenk&uuml;rzungen im Bildungsetat, den regul&auml;ren Einzug prek&auml;rer Besch&auml;ftigung und von Leiharbeit in Schulen, Lohnk&uuml;rzungen f&uuml;r Lehrkr&auml;fte, die sie dann besch&ouml;nigend &bdquo;Leistungsbezahlung&ldquo; nennen, usw. usf. Und warum? Weil ausgehend von der Pr&auml;misse, es sei keinesfalls mehr Geld f&uuml;r Bildung zu mobilisieren [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>], jedwede Debatten zum Thema der immer offensichtlicher zutage tretenden (Unterfinanzierungs-)Probleme des Bildungssystems auf etatinterne Umschichtung respektive Effizienzsteigerungsdebatten gelenkt wird und diese &bdquo;Effizienzsteigerungen&ldquo; wiederum zielsicher auf derlei Methoden hinauslaufen m&uuml;ssen. Die falschen Pr&auml;missen geb&auml;ren falsche Politik. Oder anders: Wo die gesellschaftliche Krise nicht als das erkannt wird, was sie ist, n&auml;mlich als Krise von mittels Steuersenkungen geleerter &ouml;ffentlicher Kassen, sondern m&auml;chtige Einzelinteressen das Bestehende als Krise eines &uuml;berbordenden, zu gro&szlig; und teuer gewordenen Staates darzustellen und glaubhaft zu machen verm&ouml;gen, zwingt uns schlie&szlig;lich Debatten um &bdquo;L&ouml;sungsans&auml;tze&ldquo; auf, die in Wahrheit nur ein noch schneller, ein noch mehr und ein noch hei&szlig;er des bisherigen Fl&auml;chenbrandes bedeuten. <\/p><p><strong>Hidden privatisation in public education<\/strong><\/p><p>Die Bildungsinternationale, globale Dachorganisation von 348 Bildungsgewerkschaften aus 169 L&auml;ndern aller f&uuml;nf Kontinente, hat sich der beschriebenen Prozesse und Entwicklungen bereits im Jahr 2007 in ihrer Studie &bdquo;Hidden privatisation in public education&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] angenommen und kommt zu dem Schluss, dass es sich hierbei um einen weltweit stattfindenden Prozess handelt, der als verborgene Privatisierung zu kategorisieren ist:<\/p><p><em>&ldquo;Around the world, forms of privatization are being introduced into our public education systems. Many of the changes are the result of deliberate policy, often under the banner of &lsquo;educational reform&rsquo; and their impact can be far-reaching, for the education of students, for equity, for the conditions of teachers and other educational personnel. Other changes may be introduced unannounced: changes in the way schools are run which may be presented as &lsquo;keeping up with the times&rsquo;, but in reality reflect an increasingly marketbased, competitive and consumerist orientation in our societies. In both cases, the trend towards privatization of public education is hidden. It is camouflaged by the language of &lsquo;educational reform&rsquo;, or introduced stealthily as &lsquo;modernization&rsquo;.&rdquo;<\/em><\/p><p>Wo staatliche Einrichtungen mehr und mehr den Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterworfen werden, ebnet dies die Unterschiede zwischen privaten und &ouml;ffentlichen Schulsystemen ein. Diese Einebnung ver&auml;ndert dabei &ndash; auch ohne dass an ihrem Ende die &ouml;ffentlichen Schulen privatisiert oder, wie etwa in Amerika, als &bdquo;Vertragsschulen&ldquo; an private Dienstleister &uuml;berantwortet w&uuml;rden [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] &ndash; das Bildungssystem grunds&auml;tzlich, und leider nicht zum Besseren: <\/p><table border=\"1\" style=\"text-align:center\">\n<tr>\n<th>P&auml;dagogische Werte<\/th>\n<th>Marktwerte<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>individuelle Bed&uuml;rfnisse von Schule und Sch&uuml;ler<\/td>\n<td>individuelle Leistung von Schule und Sch&uuml;ler<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gemeinsamkeit<br>(heterogene Klassen, offener Zugang, Inklusion)<\/td>\n<td>Ausdifferenzierung und Hierarchisierung<br>(Lernbedingungen, Leistungsklassen, selektiver Zugang, Exklusion)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>dient dem Gemeinwohl<\/td>\n<td>ist attraktiv f&uuml;r &bdquo;Abnehmer&ldquo; und &bdquo;Kunden&ldquo;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ressourcenallokation schwerpunktm&auml;&szlig;ig bei den am meisten Hilfsbed&uuml;rftigen<\/td>\n<td>Ressourcenallokation schwerpunktm&auml;&szlig;ig bei jenen, die als besonders begabt erscheinen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kollektivit&auml;t<br>(Kooperation zwischen Schulen und Sch&uuml;lern)<\/td>\n<td>Konkurrenz<br>(zwischen Schulen und Sch&uuml;lern)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>umfassende Wertsch&auml;tzung aufgrund einer Vielzahl akademischer und sozialer Qualit&auml;ten<\/td>\n<td>begrenzte Wertsch&auml;tzung aufgrund des Erreichens von Leistungsindikatoren<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>die Bildung aller Kinder und Jugendlichen ist gleicherma&szlig;en wertvoll und wichtig<\/td>\n<td>der Wert der Bildung von Kindern und Jugendlichen ist abh&auml;ngig von entstehenden Kosten und sp&auml;terem Nutzen<\/td>\n<\/tr>\n<\/table><p>Quelle: Bildungsinternationale: Hidden privatisation in public education<\/p><p>In dieser Entwicklungen, die bundes- und weltweit selbstverst&auml;ndlich in verschiedenen, indifferenten und niemals stringenten Auspr&auml;gungen vonstattengehen, manifestiert sich dabei selbstredend nicht das Bild einer Verschw&ouml;rung von oben, sondern vor allem der Einfluss gewisser, gesellschaftlich dominanter und nicht personalisierbarer Interessen. Allen voran wohl des Interesses nach (neuen) Anlage- und Renditem&ouml;glichkeiten (auch auf dem Bildungs&ldquo;markt&ldquo;). Zu den Durchsetzungswerkzeugen dieser Interessen geh&ouml;ren neben der origin&auml;ren Privatisierung eben auch Deregulierung und Liberalisierung. (Auch die Praxen der &bdquo;Selbstst&auml;ndigen Schule&ldquo; konnten nur so verstanden werden, wenn sie auch nicht abschlie&szlig;end kategorisiert werden k&ouml;nnen.) <\/p><p><strong>Neues &bdquo;Reform&ldquo;-Ziel: Kommunalisierung<\/strong><\/p><p>Betrachtet man die laufenden bildungspolitischen Debatten aus diesem Blickwinkel, stellt sich heraus, dass es neben dem Diskurs um die &bdquo;Selbstst&auml;ndige Schule&ldquo; l&auml;ngst einen neuen gibt, der &ndash; zumindest bundesweit betrachtet &ndash; ersterem zunehmend den Schneid abkauft. Es ist dies der Diskurs um die Kommunalisierung von Schule, unter den Schlagworten &bdquo;Kommunale Schule&ldquo; oder &bdquo;Kommunale Bildungslandschaft&ldquo;. <\/p><p>Auch wenn vereinzelt ggf. Sinnvolles unter diesem Label firmiert, ist die Debatte in ihrer Breite doch vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie &ndash; wie schon bei der &bdquo;Selbstst&auml;ndigen Schule&ldquo; &ndash; f&uuml;r den Fall einer &bdquo;Kommunalisierung&ldquo; von Schulen das Blaue vom Himmel herab verspricht. Schaut man sich die gro&szlig;artigen Versprechen genauer an, wird erkennbar, dass das Ziel einer solchen &bdquo;Kommunalisierung&ldquo; der Schulen in erster Linie K&uuml;rzungen im Bildungsbereich sind, die sich mittels sagenhafter Synergieeffekte bei gleichzeitiger &bdquo;Qualit&auml;tssteigerung&ldquo; erreichen lassen sollen. <\/p><p>Diese Zwischent&ouml;ne werden lauter, wenn man sich die Gegebenheiten betrachtet und fragt, was in Anbetracht dieser eigentlich wirklich einer Ver&auml;nderung unterworfen werden soll: <\/p><p>Aktuell tragen die Kommunen die Verantwortung f&uuml;r Schulgeb&auml;ude und nicht-p&auml;dagogisches Personal, das Land hingegen verantwortet &uuml;ber Rahmenlehrpl&auml;ne die Inhalte der Bildung sowie die Lehrerarbeitsverh&auml;ltnisse. Was also meint jemand, der unter diesen Vorzeichen einer &bdquo;Kommunalisierung&ldquo;, die in vielen Ohren zuerst einmal nach Demokratisierung klingt, das Wort redet? <\/p><p>Mir ist kein einziges Papier bekannt, in dem Kommunalisierung bspw. ein grunds&auml;tzliches Recht der Schultr&auml;ger auf Gr&uuml;ndung von Integrierten Gesamtschulen im echten Ganztagsbetrieb und ohne Zwang zur &auml;u&szlig;eren Fachleistungsdifferenzierung, einen verbindlichen Anspruch der Schultr&auml;ger auf bedarfsgerechte Landeszuweisungen, einen Rechtsanspruch der Eltern auf Ganztagsbetreuung oder Beschulung ihrer Kinder in unmittelbarer Wohnortn&auml;he, einen Rechtsanspruch der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler auf qualitativ hochwertige Beschulung, die M&ouml;glichkeit von Schulen, von Noten oder Zentralabitur abzusehen, oder gar mehr demokratische Mitbestimmung von Eltern, Sch&uuml;lern und Lehrkr&auml;ften vor Ort, in der Kommune also, bezeichnen w&uuml;rde. Alles Dinge, die &uuml;blicher-, in diesem Kontext jedoch f&auml;lschlicherweise unter Kommunalisierung verstanden werden k&ouml;nnten, die realistisch m&ouml;glich und p&auml;dagogisch sinnvoll w&auml;ren. Dinge, die mit den Gewerkschafts-Vorschl&auml;gen f&uuml;r eine &bdquo;Demokratischen Schule&ldquo; seit Langem vorgedacht worden sind. Dinge jedoch, um die es in besagter Debatte tats&auml;chlich niemandem geht. <\/p><p>Ganz im Gegenteil: Es geht um das, worum es im organisatorischen Kontext einzig gehen kann, n&auml;mlich die (mittel- bis langfristig anvisierte) &Uuml;bertragung der Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r Lehrerarbeitsverh&auml;ltnisse sowie der Definitionsgewalt &uuml;ber Bildungsinhalte (vorerst) an die Kommunen, die als p&auml;dagogische &bdquo;Allesk&ouml;nner&ldquo; verkl&auml;rt werden und in deren H&auml;nden schlie&szlig;lich &ndash; egal, unter welchen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen &ndash; alles gut w&uuml;rde. <\/p><p>Wenn die Kommunen aber die &bdquo;Allesk&ouml;nner&ldquo; w&auml;ren,  warum ist dann dort, wo man sie l&auml;sst, zu beobachten, was zu beobachten ist: N&auml;mlich dass das, was man sie tun l&auml;sst, immer schlechter getan wird? Wenn kommunal Inklusion gel&auml;nge, sozialer Zusammenhalt verst&auml;rkt und soziale Selektion &uuml;berwunden werden k&ouml;nnte &ndash; warum errichten die Kommunen dann nicht bereits hier und heute barrierefreie, moderne Schulen, modernisieren bestehende Geb&auml;ude, stellen Hausmeister und Sozialarbeiter ein, bauen Computerpools aus, errichten Schulbibliotheken usw. usf.? Wenn kommunale Verantwortung endlich alles besser machte, warum verrotten dann Schulgeb&auml;ude, findet (auch und insbesondere) in kommunaler Verantwortung Personalabbau, Lohndumping und Prekarisierung statt, werden mehr und mehr Schwimmb&auml;der und Bibliotheken geschlossen, wird von Kommunen f&uuml;r die Benutzung von Schultoiletten inzwischen Geb&uuml;hr erhoben etc. pp.? Und wie um alles in der Welt sollte es erst werden, wenn eben diese Kommunen auch noch &uuml;ber Gehaltsh&ouml;he, Besch&auml;ftigungsdauer, Arbeitsbedingungen der Lehrerkr&auml;fte sowie ggf. Inhalte der Schulb&uuml;cher entscheiden d&uuml;rften. Wieso sollte uns angesichts der finanziell besonders gebeutelten Kommunen nun gerade die Kommunalisierung der Schulen das versprochene Schlaraffenland in der Bildung bescheren k&ouml;nnen? <\/p><p>Die Antwort lautet: Das kann selbst bei bestem Willen nicht gelingen. Versteckt hinter wohlklingenden Ank&uuml;ndigungen wird de facto eine massive Verschlechterung der Lehr-, Lern- und Arbeitsbedingungen forciert: unter den Schlagworten einer (erneuten) massiven Deregulierung und Liberalisierung, welche als Dezentralisierung politischer Verantwortung und damit auch der &Uuml;berwindung landeseinheitlicher Standards daherkommt. Die Rede vom Schlaraffenland ist nur die Nebelgranate, die das vernebelt, worum es &ndash; zumindest den gesellschaftlich dominanten Interessen &ndash; eigentlich geht: N&auml;mlich letztlich um die &Uuml;berwindung von Markteintrittsh&uuml;rden und die &Ouml;ffnung des bisher gesch&uuml;tzten Bildungsmarktes f&uuml;r private Akteure und Belange. Eines Bildungsmarktes wohlgemerkt, dem &bdquo;Verwaltungsmodernisierung&ldquo; und &bdquo;Selbstst&auml;ndige Schule&ldquo; den Weg bereitet haben. <\/p><p>Zur Fundierung dieser These hier exemplarisch einige der seltenen O-T&ouml;ne, in denen die Apologeten der Kommunalisierung einmal deutlicher aus- und ansprechen, worum es ihnen geht:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Erst wenn die Kommunen durch erweiterte Zust&auml;ndigkeiten [&hellip;] &uuml;ber <strong>inhaltliche und personelle Gestaltungsm&ouml;glichkeiten<\/strong> verf&uuml;gen, werden sie in die Lage versetzt, die systemimmanenten wie die &ouml;rtlichen Ressourcen im Interesse der jungen Menschen [&hellip;] miteinander [zu] verbinden&ldquo; (Hessischer Landkreistag).<\/li>\n<li>&bdquo;Schulen werden langfristig nicht mehr ein <strong>staatlich vorgegebenes Angebot<\/strong> liefern k&ouml;nnen, das von der Lehrerauswahl bis zur Pausenregelung zentral gesteuert wird&ldquo; (Armin Lohmann, Nieders&auml;chsisches Kultusministerium).<\/li>\n<li>&bdquo;Es gibt &Uuml;berlegungen, das Projekt &sbquo;Br&uuml;ckenjahr&lsquo; seitens des Kreises auf alle Grundschulen auszuweiten und zu einer <strong>Kooperation von Schulen z.B. mit Dow-Chemical<\/strong> zur Problematik &sbquo;Naturwissenschaft und Mathematik in Unterricht und Praxis&hellip;&ldquo; (Dorothea Minderop (2008): Regionale Bildungslandschaften).<\/li>\n<li>&bdquo;In nordrhein-westf&auml;lischen Verwaltungen [&hellip;] werden die Ressorts Kindertagesst&auml;tte, Schule und Jugend, Erwachsenenbildung mit der Abteilung regionale Wirtschaftsf&ouml;rderung zusammengef&uuml;hrt, um <strong>Synergien f&uuml;r &ouml;konomische und bildungspolitische Konzepte<\/strong> zu erzielen&ldquo; (Armin Lohmann, Nieders&auml;chsisches Kultusministerium)<\/li>\n<li>&bdquo;Technische Vorgaben f&uuml;r die Ausstattung von Schulgeb&auml;uden in Deutschland m&uuml;ssen auf den Pr&uuml;fstand gestellt werden. Wer sich im europ&auml;ischen Ausland umschaut, wird zur Kenntnis nehmen m&uuml;ssen, dass sich Deutschland <strong>maximale Ausstattungsstandards<\/strong> leistet, bei inhaltlichen Leistungsvergleichen, wie der PISA-Studie aber schlecht abschneidet. In Deutschland muss m&ouml;glich sein, was in vielen europ&auml;ischen L&auml;ndern Realit&auml;t ist: Schuleinrichtungen m&uuml;ssen zwar sicher sein, Kindern und Jugendlichen kann jedoch <strong>das allgemeine Lebensrisiko<\/strong>, das sie auch au&szlig;erhalb der Schule betrifft, nicht abgenommen werden&ldquo; (Hessischer Landkreistag).<\/li>\n<\/ul><p><strong>Der Kreis schlie&szlig;t sich<\/strong><\/p><p>In Bayern, wo mehrere Gro&szlig;st&auml;dte seit L&auml;ngerem berufliche Schulen in eigener Tr&auml;gerschaft halten, schlie&szlig;t sich bereits der Kreis: Nachdem der Verband der Berufsschullehrer aufgrund der Finanznot der Kommunen schon vor 8 Jahren titelte &bdquo;Kommunale Schulen vor dem Kollaps?&ldquo;, ist die Entwicklung heute bereits einen Schritt weiter. Der lokalen Presse ist z.B. zu entnehmen: &bdquo;Der Landkreis [Aschaffenburg] steigt in Gespr&auml;che mit der gemeinn&uuml;tzigen Caritas Schulen GmbH ein, die sich f&uuml;r eine &Uuml;bernahme der Tr&auml;gerschaft der Aschaffenburger Fachakademie f&uuml;r Sozialp&auml;dagogik interessiert&ldquo;. Und weiter: &bdquo;Nicht m&ouml;glich sei jedoch eine Verstaatlichung [&hellip;] [derselben]. Dann h&auml;tten rund 300 weitere Schulen in Bayern ebenfalls das Anrecht darauf, und das sei &sbquo;f&uuml;r den Freistaat [&hellip;]  nicht tragbar&lsquo;. Obwohl [&hellip;] [derselbe] auch bei Privatschulen das Geld aus seiner Kasse zuschie&szlig;t, sieht [&hellip;] [das Bayerische Kultusministerium hier] einen klaren Unterschied: [&hellip;] Finanziell sei eine Differenz etwa bei den Verwaltungskosten gegeben.&rdquo; <\/p><p>Ja, so ist es: Hat erst einmal <em>allein<\/em> die Kommune die Verantwortung f&uuml;r Bildung und Bildungseinrichtungen, kann sie qua kommunaler Selbstverwaltung auch entscheiden, die Leistungen dieser durch billigere Fremdanbieter erbringen zu lassen, sich die Tr&auml;gerschaft mit diesen zu teilen oder bspw. Drittmittel &uuml;ber feste Sponsoring-Partner, zu akquirieren, die dann etwa auch gleich ganze Unterrichtseinheiten bestimmen k&ouml;nnen. <\/p><p>Es zeigt sich: Wo &ouml;ffentliche Armut bei immens gesteigertem privaten Reichtum f&uuml;r sakrosankt erkl&auml;rt wird, wird &bdquo;Geiz geil&ldquo; und Privatisierungen gelten als opportun, ja sogar zwingend. Dieser Geiz gegen&uuml;ber dem staatlichen Bildungssystem pr&auml;gt inzwischen fast alle Debatten um Bildungs-&bdquo;Reformen&ldquo; im Land. <\/p><p><strong>Eine ausf&uuml;hrlichere Skizze der Kritik an der &bdquo;Kommunalisierung&ldquo; von Bildung finden Sie hier: <a href=\"http:\/\/www.gew-unterfranken.de\/ab-mil\/vortrag_wernicke_aschaffenburg20110608.pdf\">Vortrag_Aschaffenburg [PDF &ndash; 6.0 MB]<\/a><\/strong><\/p><p><strong> Wernicke ist Referent f&uuml;r Bildungspolitik bei der GEW Hessen.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Zu Verwirrungen um den Begriff der &bdquo;Autonomie&ldquo; siehe: <a href=\"http:\/\/www.astafu.de\/inhalte\/publikationen\/hopo\/bd13\/hopo13.pdf\">hier [PDF &ndash; 3.7 MB]<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Vgl. hierzu die hervorragende Ausarbeitung von Sch&ouml;ller\/Bultmann unter anderem zur &bdquo;Implementierung eines postindustriellen Bildungsparadigmas&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.anti-bertelsmann.de\/2006\/schoellerbultmann.pdf\">hier [PDF &ndash; 265 KB]<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"http:\/\/download.ei-ie.org\/docs\/IRISDocuments\/Research%20Website%20Documents\/2009-00034-01-E.pdf\">Hidden Privatisation in Public Education [PDF &ndash; 1.2 MB]<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] vgl. hierzu unter anderem <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary78712\/Priva-13_web.pdf\">hier [PDF &ndash; 1.1 MB]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben der Debatte um die sog. &bdquo;Selbstst&auml;ndige Schule&ldquo; gibt es inzwischen einen neuen schulpolitischen Diskurs. Es ist dies der Diskurs um die Kommunalisierung von Schule unter den Schlagw&ouml;rtern &bdquo;Kommunale Schule&ldquo; oder &bdquo;Kommunale Bildungslandschaft&ldquo;. 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