{"id":103402,"date":"2023-09-06T11:00:57","date_gmt":"2023-09-06T09:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103402"},"modified":"2023-09-06T13:40:09","modified_gmt":"2023-09-06T11:40:09","slug":"ukraine-krieg-das-geschaeft-mit-dem-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103402","title":{"rendered":"Ukraine-Krieg: Das Gesch\u00e4ft mit dem Tod"},"content":{"rendered":"<p>Staatlich gef&ouml;rderte Waffenlieferungen lassen die Unternehmensgewinne explodieren. Dass kriegerische Konflikte die Gesch&auml;fte von R&uuml;stungskonzernen bef&ouml;rdern, ist eine bekannte Tatsache, aber noch nie in der j&uuml;ngeren Geschichte konnten sich westliche R&uuml;stungsfirmen und Kapitalgesellschaften so schamlos am Leid der Menschen bereichern wie im Ukraine-Konflikt. Von Dr. <strong>Frank Haubold<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103402#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nWas dem Publikum als Akt der Solidarit&auml;t und N&auml;chstenliebe verkauft wird, n&auml;mlich die Lieferung von Waffen in ein Kriegsgebiet, ist in Wirklichkeit ein gewaltiges Konjunkturprogramm f&uuml;r die R&uuml;stungsindustrie und die dahinterstehenden Kapitalgesellschaften.<\/p><p>Ein Beispiel daf&uuml;r ist die von Politik und Medien heftig beworbene Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an die Ukraine. Ein relevanter milit&auml;rischer Nutzen des angeblichen &bdquo;Gamechangers&ldquo; ist bislang nicht erkennbar (Aufnahmen zerschossener Exemplare des Panzers fluten inzwischen das Internet), aber der Aktienkurs des Herstellers Rheinmetall stieg von etwa 85 Euro im Jahr 2021 auf inzwischen fast 250 Euro, hat sich also infolge des Ukraine-Konflikts verdreifacht. <\/p><p>&bdquo;Na, sch&ouml;n&ldquo;, wird jetzt der eine oder andere einwenden. &bdquo;Erstens braucht die Ukraine Waffen, um sich zu verteidigen, und zweitens ist es gut f&uuml;r die deutsche Wirtschaft, wenn Unternehmen Gewinne erwirtschaften.&ldquo; Dass diese Gewinne steuerfinanziert sind, denn die Ukraine wird auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, auch nur einen Panzer zu bezahlen, ist der erste Punkt, der dagegenspricht, der zweite ist nicht weniger brisant, denn die Gewinne flie&szlig;en direkt in die Taschen der Anteilseigner und die sitzen &uuml;berwiegend nicht in Deutschland. Im Falle Rheinmetall sind die Hauptaktion&auml;re die Wellington Management Co. LLP (Sitz: Boston, USA), die Capital Research &amp; Management Co. (Sitz: Los Angeles, USA), die Fidelity Management &amp; Research Co. LLC (Sitz: Boston, USA) und so geht es weiter. Mittelbar flie&szlig;en also deutsche Steuergelder &uuml;ber die steigenden Aktienkurse hiesiger R&uuml;stungsunternehmen direkt in die Taschen der US-amerikanischen Finanzindustrie!<\/p><p>&Auml;hnlich l&auml;uft es auch bei den ganz Gro&szlig;en des R&uuml;stungsgesch&auml;ftes, zum Beispiel Lockheed Martin mit einem B&ouml;rsenwert von 104 Milliarden Euro (Rheinmetall: 10,8 Milliarden Euro), dem Hersteller der an die Ukraine gelieferten HIMARS-Raketenwerfer und Javelin-Panzerabwehrraketen. Der Aktienkurs stieg hier im Gefolge des Ukrainekonflikts von etwa 300 auf inzwischen 415 Euro (+38 Prozent). Unter den Anteilseignern finden sich alle Gro&szlig;en des Finanzgesch&auml;ftes von der State Street Corp. und der Vanguard Group bis hin zu Herrn Merz&rsquo; fr&uuml;herem Arbeitgeber BlackRock.<\/p><p>Wo mit Waffenlieferungen viel Geld verdient wird, darf nat&uuml;rlich auch Gro&szlig;britannien nicht fehlen. Hier dominiert der R&uuml;stungskonzern BAE Systems, der der Ukraine massenhaft Haubitzen vom Typ M777 liefert, die fast ebenso zahlreich tagt&auml;glich von den Russen zerst&ouml;rt werden. Das bef&ouml;rdert das Gesch&auml;ft, so dass der Aktienkurs des Unternehmens von knapp 7 Euro 2021 auf inzwischen 12 Euro anstieg (+71 Prozent). Relevante Anteilseigner sind auch hier u. a. Capital Research &amp; Management Co. (siehe oben), die Vanguard Group und BlackRock.<\/p><p>Das sind nur drei Beispiele f&uuml;r R&uuml;stungskonzerne, deren Gewinne &uuml;berwiegend in US-Kapitalgesellschaften abflie&szlig;en, was auch erkl&auml;rt, weshalb man in Gro&szlig;britannien und den USA keinerlei Interesse an einer Verhandlungsl&ouml;sung im Ukraine-Konflikt hat. Jeder Tag, an dem in der Ukraine weitergek&auml;mpft wird, Raketen und Granaten verschossen werden und Soldaten get&ouml;tet, sp&uuml;lt zig Millionen Dollar in die Taschen der Anteilseigner. Weshalb sollte man darauf verzichten, zumal man der Unterst&uuml;tzung von Politik und Medien sicher sein kann, die dem Publikum erfolgreich weismachen, in diesem Konflikt ginge es um Demokratie, Selbstbestimmung und Menschenrechte?<\/p><p>Der junge Bob Dylan hat mit seinem Song &bdquo;Masters of War&ldquo; ein treffendes Portr&auml;t der Akteure im Hintergrund gezeichnet. Doch anders als seinerzeit in Vietnam l&auml;sst man heute nicht mehr das eigene Volk f&uuml;r sich k&auml;mpfen, sondern wie in diesem Fall die Ukrainer, f&uuml;r deren Schicksal man sich ansonsten in den Konzernetagen nicht einmal ansatzweise interessiert. <\/p><p>&bdquo;Aber Russland hat doch die Ukraine &uuml;berfallen&ldquo;, k&ouml;nnte man jetzt einwenden, und v&ouml;lkerrechtlich ist das auch so. Nur hat dieser Krieg eine Vorgeschichte, f&uuml;r die sich leider kaum jemand interessiert. Die USA haben Milliarden in die Vorbereitung eines Regime-Changes in der Ukraine investiert, der 2014 dann mit der Erst&uuml;rmung des Pr&auml;sidentenpalastes* durch rechtsnationalistische Milizen vollzogen wurde. Herr Steinmeier, der heute die Lieferung von ge&auml;chteter Streumunition an die Ukraine bef&uuml;rwortet, war damals (wie die Au&szlig;enminister Frankreichs und Polens) Schirmherr einer <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article126499471\/Janukowitsch-sieht-sich-durch-Steinmeier-getaeuscht.html\">Vereinbarung zwischen der gew&auml;hlten Regierung Janukowitsch und der ukrainischen Opposition<\/a> gewesen, die man nach der gewaltsamen Erst&uuml;rmung des Palastes* einfach in den Papierkorb warf. Dieser (offenbar geplante) Wortbruch der Europ&auml;er war neben dem US-Einfluss der Ursprung allen &Uuml;bels, denn die russenfeindliche Politik der Nationalisten in Kiew musste fr&uuml;her oder sp&auml;ter den fragilen Vielv&ouml;lkerstaat Ukraine zerbrechen.<\/p><p>Inzwischen halten sich die USA (und als Beobachter auch China) den Bauch vor Lachen, wenn sie beobachten, wie die Europ&auml;er und zuvorderst Deutschland die Beziehungen zu Russland auf Dauer ruinieren, die eigene Wirtschaft (mit Ausnahme der R&uuml;stungsindustrie) und Energieversorgung gegen die Wand fahren und Milliarden Euro an Steuergeldern nach Kiew &uuml;berweisen, wo sie nicht selten in dunklen Kan&auml;len versickern. Dazu passend dominieren hierzulande R&uuml;stungslobbyisten wie Frau Strack-Zimmermann und russophobe Scharfmacher wie Roderich Kiesewetter die &ouml;ffentliche Debatte und nicht etwa der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/14432029\/deutsche-wirtschaftsnachrichten-veroeffentlichen-vorschlag-fuer-friedensverhandlungen\">Verhandlungsvorschlag<\/a> von Ex-NATO-General Harald Kujat und dem Sicherheitsexperten Horst Teltschik. Den &bdquo;Masters of War&ldquo; kann es nur recht sein.<\/p><p>* 6.9.2023, 13 Uhr: An diesen Stellen war irrt&uuml;mlich von einer Erst&uuml;rmung des Parlaments 2012 die Rede.<\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.finanzen.net\/unternehmensprofil\/rheinmetall\">finanzen.net\/unternehmensprofil\/rheinmetall<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.finanzen.net\/unternehmensprofil\/lockheed_martin\">finanzen.net\/unternehmensprofil\/lockheed_martin<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.finanzen.net\/unternehmensprofil\/bae_systems\">finanzen.net\/unternehmensprofil\/bae_systems<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article126499471\/Janukowitsch-sieht-sich-durch-Steinmeier-getaeuscht.html\">welt.de\/politik\/ausland\/article126499471\/Janukowitsch-sieht-sich-durch-Steinmeier-getaeuscht.html<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/14432029\/deutsche-wirtschaftsnachrichten-veroeffentlichen-vorschlag-fuer-friedensverhandlungen\">diepresse.com\/14432029\/deutsche-wirtschaftsnachrichten-veroeffentlichen-vorschlag-fuer-friedensverhandlungen<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Dr. Frank Haubold wurde 1955 in Frankenberg\/Sachsen geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er an der TU Dresden Informationstechnik und promovierte an der Humboldt-Universit&auml;t zu Berlin. Er arbeitete 35 Jahre in verschiedenen Funktionen im Gesundheitswesen. Seit 1989 schreibt er Romane und Erz&auml;hlungen verschiedener Genres und bet&auml;tigt sich auch publizistisch. <a href=\"https:\/\/www.frank-haubold.de\">frank-haubold.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Staatlich gef&ouml;rderte Waffenlieferungen lassen die Unternehmensgewinne explodieren. Dass kriegerische Konflikte die Gesch&auml;fte von R&uuml;stungskonzernen bef&ouml;rdern, ist eine bekannte Tatsache, aber noch nie in der j&uuml;ngeren Geschichte konnten sich westliche R&uuml;stungsfirmen und Kapitalgesellschaften so schamlos am Leid der Menschen bereichern wie im Ukraine-Konflikt. Von Dr. <strong>Frank Haubold<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103402#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":103403,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[172,171],"tags":[294,1031,906,1418,260,2377],"class_list":["post-103402","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aufruestung","category-militaereinsaetzekriege","tag-aktienkurse","tag-investmentfonds","tag-ruestungsindustrie","tag-regime-change","tag-ukraine","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/230906-Haubold-Ukraine.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/103402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=103402"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/103402\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103434,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/103402\/revisions\/103434"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/103403"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=103402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=103402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=103402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}