{"id":10349,"date":"2011-08-04T09:08:40","date_gmt":"2011-08-04T07:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10349"},"modified":"2014-09-09T12:56:49","modified_gmt":"2014-09-09T10:56:49","slug":"ein-neuer-anlauf-fur-den-pflege-riester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10349","title":{"rendered":"Ein neuer Anlauf f\u00fcr den \u201ePflege-Riester\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Junge Abgeordnete von CDU und CSU&ldquo; nutzen das nachrichtenarme Sommerloch und machen einen erneuten Anlauf zur Einf&uuml;hrung eines &bdquo;Pflege-Riesters&ldquo;. In einem &bdquo;Manifest&ldquo;, initiiert vom gesundheitspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, und dem parlamentarischen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der CSU-Landesgruppe und Chef der bayerischen Jungen Union, Stefan M&uuml;ller, das inzwischen von 22 Abgeordneten unterzeichnet wurde, wird gefordert, mit der Pflegereform endlich ernst zu machen und das bisherige Umlageverfahren in der Pflegeversicherung durch eine &bdquo;Kapitalreserve&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/parlamentarier-pochen-auf-reform-junge-unionspolitiker-meutern-gegen-hinhaltetaktik-bei-der-pflege-1.1127040\">zu erg&auml;nzen<\/a>.<br>\nDas steht zwar auch schon in den Koalitionsvereinbarungen sowohl der Gro&szlig;en <a href=\"\/upload\/pdf\/091027_verdi_Erste_Bewertung_Koalitionsvertrag.pdf\">Koalition als auch von Schwarz-Gelb [PDF &ndash; 312 KB]<\/a>, doch die jungen &bdquo;Christdemokraten&ldquo; machen sich Sorge, dass dieses Vorhaben erneut &bdquo;auf die lange Bank&ldquo; geschoben werden k&ouml;nnte.<br>\nNach der Rentenversicherung soll nun auch die Pflegeversicherung sturmreif geschossen werden. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Seit Jahren malen etwa die <a href=\"\/?p=2266\">INSM<\/a>, das <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/Themen\/Sozialpolitik\/Pflegeversicherung.aspx\">Institut der deutschen Wirtschaft<\/a> oder andere sog. <a href=\"\/?p=2514\">&bdquo;Experten&ldquo; wie R&uuml;rup oder Raffelh&uuml;schen<\/a> und nat&uuml;rlich die geballte <a href=\"\/wp-print.php?p=2164\">Propagandamacht der Finanzdienstleister<\/a> den demografischen Untergang nicht nur der gesetzlichen Rente sondern auch der umlagefinanzierten Pflegeversicherung an die Wand: Nur die Kapitaldeckung k&ouml;nne eine angemessene Altersvorsorge und Pflege gew&auml;hrleisten. Die Versicherungswirtschaft reibt sich die H&auml;nde. <\/p><p>Die FDP will <a href=\"\/wp-print.php?p=7846\">die Kapitaldeckung<\/a> auch <a href=\"\/wp-print.php?p=7846\">schon seit Langem<\/a> und nun nutzen &bdquo;junge Abgeordnete von CDU und CSU&ldquo; das Sommerloch und machen einen erneuten Anlauf. Sie fordern, mit der Pflegereform endlich ernst zu machen und das bisherige Umlageverfahren in der Pflegeversicherung durch eine &bdquo;Kapitalreserve&ldquo; zu erg&auml;nzen. <\/p><p>Das steht zwar auch schon in den Koalitionsvereinbarungen sowohl der <a href=\"\/upload\/pdf\/091027_verdi_Erste_Bewertung_Koalitionsvertrag.pdf\">Gro&szlig;en Koalition als auch von Schwarz-Gelb [PDF &ndash; 312 KB]<\/a>, doch die jungen &bdquo;Christdemokraten&ldquo; machen sich Sorge, dass dieses Vorhaben erneut &bdquo;auf die lange Bank&ldquo; geschoben werden k&ouml;nnte.  <\/p><p>&Uuml;ber die Denkfehler bei der Einf&uuml;hrung einer Kapiteldeckung von Altersvorsorgesystemen und die Interessen, die hinter einer solchen Forderung stehen, haben wir auf den NachDenkSeiten sowohl bei der Einf&uuml;hrung der Riester-Rente als auch schon bei Vorst&ouml;&szlig;en f&uuml;r eine Kapitaldeckung der Pflegeversicherung so oft geschrieben, dass wir uns angesichts des neuerlichen Anlaufs einfach darauf beschr&auml;nken k&ouml;nnen, Sie auf fr&uuml;here Beitr&auml;ge zu verweisen: <\/p><p>Schon vor sieben Jahren hat sich Albrecht M&uuml;ller in seinem Buch &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo; ausf&uuml;hrlich mit dem Denkfehler auseinandergesetzt, die Altersvorsorge durch ein Kapitaldeckungsverfahren &bdquo;demografiefest&ldquo; machen zu wollen. Es lohnt sich das Kapitel &bdquo;<a href=\"\/?p=247\">Jetzt hilft nur noch private Vorsorge&ldquo; noch einmal nachzulesen<\/a>. Die Argumente von damals sind aktueller denn je.<\/p><p>Auch bei der Einf&uuml;hrung einer &bdquo;Kapitalreserve&ldquo; bei der Pflegeversicherung geht es vor allem darum, etliche Milliarden Umsatz auf die Finanzdienstleister umzulenken. Bei der Rentenversicherung haben wir es zwar um einen mit 184 Milliarden Beitragseinnahmen im Jahr 2010 mit einem viel gr&ouml;&szlig;eren Batzen zu tun. Die gro&szlig;en Hoffnungen, die die Versicherungswirtschaft auf die Riester-Rente gesetzt hat, wurden jedoch bisher eher entt&auml;uscht. &bdquo;Nur&ldquo; 14,6 Millionen private Altersvorsorgevertr&auml;ge wurden bis Ende M&auml;rz 2011 abgeschlossen, nur gut jeder Dritte F&ouml;rderberechtigte wird erreicht. 15 Prozent der abgeschlossenen Vertr&auml;ge wurden ruhend gestellt und schon bis Ende 2008 wurden 1,4 Millionen <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/2011_06\/2011_259\/05.html\">Riester-Vertr&auml;ge wieder gek&uuml;ndigt<\/a>. <\/p><p>Die Pflegeversicherung erzielte 2010 zwar nur knapp <a href=\"http:\/\/www.gbe-bund.de\/oowa921-install\/servlet\/oowa\/aw92\/dboowasys921.xwdevkit\/xwd_init?gbe.isgbetol\/xs_start_neu\/&amp;p_aid=3&amp;p_aid=70472717&amp;nummer=579&amp;p_sprache=D&amp;p_indsp=-&amp;p_aid=81045687\">22 Milliarden Euro an Einnahmen<\/a>, doch auch da lohnt es sich f&uuml;r die Versicherer einen k&uuml;nftig anwachsenden Teil von der umlagefinanzierten f&uuml;r eine kapitalgedeckte Versicherung abzuzwacken und in ihre Portfolio einzuverleiben. <\/p><p><strong>Die Kritik an der kapitalgedeckten Rente hat sich best&auml;tigt:<\/strong><\/p><p>Doch die negativen Erfahrungen mit der Riester-Rente werden nicht zur Kenntnis genommen.<br>\nDie Angebote sind nicht durchschaubar, die (Abschluss-)<a href=\"http:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.372197.de\/themen_nachrichten\/strukturelle_schwachstellen_bei_der_riester_rente.html\">Kosten in den meisten F&auml;llen viel  zu hoch<\/a>. Die staatlichen Zulagen kommen nicht den Versicherten sondern den Versicherungsunternehmen zugute. Provisionen und Geb&uuml;hren &uuml;bersteigen die staatliche F&ouml;rderung bei weitem.  Die Riester-Vertr&auml;ge werden vor allem von solchen Einkommensbeziehern abgeschlossen und damit die staatliche F&ouml;rderung kassiert, die es am wenigsten n&ouml;tig haben und die nur von einem Sparmodell auf ein anderes umsteigen. <\/p><p>Diejenigen Einkommensgruppen, die wegen der Zerst&ouml;rung der gesetzlichen Rente vor Altersarmut Vorsorge treffen sollten &ndash; also mittlere und untere Einkommen &ndash; <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.347791.de\/10-8-1.pdf\">werden nicht erreicht [PDF &ndash; 345 KB]<\/a>. Und die untersten Einkommen m&uuml;ssen sich geradezu get&auml;uscht f&uuml;hlen, weil sie nur eine Rentenh&ouml;he erreichen, die nicht h&ouml;her oder nur wenig <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/hbs\/hs.xsl\/22388_22394.htm\">h&ouml;her als die staatliche Grundsicherung ist<\/a>. Wer gehofft hatte durch die Riester-Rente einen angemessenen Lebensstandard im Alter zu sichern, wird tief entt&auml;uscht. Nach 27 Jahren riestern bekommt man &ndash; wenn es gut l&auml;uft &ndash; gerade mal <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/westpol\/sendungsbeitraege\/2011\/0130\/riester.jsp\">280 Euro im Monat heraus<\/a>.<\/p><p>Die Finanzkrise hat bewiesen, dass es mit der Sicherheit einer solchen <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/hbs\/hs.xsl\/20756_20767.htm\">Kapitalanlage nicht weit her ist<\/a>. Das umlagefinanzierte Versorgungssystem hat sich hingegen als volkswirtschaftlicher &bdquo;Sto&szlig;d&auml;mpfer&ldquo; ausgewirkt. <\/p><p>&Uuml;ber den Steuervorteil durch das Riestern entgehen dem Staat 12,5 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Gesamtwirtschaftlich w&auml;re es effizienter, die St&auml;rken der gesetzlichen Rente zu erhalten und das <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/hbs\/hs.xsl\/1055_1129.htm\">Umlagesystem durch Transfers zu unterst&uuml;tzen<\/a>. Volkswirtschaftlich wurden durch den &Uuml;bergang in eine verst&auml;rkte Kapitaldeckung eher <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/6299.htm?produkt=HBS-004549&amp;chunk=2\">Wachstumsprobleme erzeugt<\/a>.<br>\nDie Arbeitnehmer m&uuml;ssen zusammen mit dem Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung (19,9 Prozent parit&auml;tisch finanziert) plus der 4 Prozent f&uuml;r die private Vorsorge, mehr bezahlen, als wenn die Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Rente moderat angehoben worden w&auml;ren. Die Deckelung der Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Rente kommt letztlich nur der Arbeitgeberseite zugute, die zus&auml;tzliche Versorgung bezahlen die Arbeitnehmer allein. <\/p><p><strong>Hier nur noch einmal ein paar Kernargumente gegen eine kapitalgedeckte Alters- und Pflegevorsorge:<\/strong><\/p><p>Die Umstellung des Finanzierungsverfahrens auf das Kapitaldeckungsverfahren &auml;ndert nichts daran, dass die Jungen f&uuml;r die Alten aufkommen m&uuml;ssen (<a href=\"\/?p=2798\">Mackenroth-Theorem<\/a>). Die Umstellung &auml;ndert auch nichts an der Relation von jung und alt. Gesamtwirtschaftlich gesehen gibt es kein Sparen. Wann immer einer mehr sparen will, braucht er einen, der sich h&ouml;her verschulden will. Und derjenige, der sich verschuldet, kann seine Schulden (plus Zinsen) nur zur&uuml;ckzahlen, wenn er mit den damit get&auml;tigten Investitionen Ertr&auml;ge in der realen Wirtschaft erzielt. Der Kapitalr&uuml;ckfluss muss zu jedem Zeitpunkt (als vorenthaltener Lohn) von den (j&uuml;ngeren) Arbeitenden f&uuml;r die Rentner erwirtschaftet werden. <\/p><p>Die Hoffnung, dass diese Ertr&auml;ge, von denen man dann im Alter zehren k&ouml;nnte, im Ausland erwirtschaftet werden, ist (wie man an der derzeitigen Schuldenkrise sieht) ein riskanter Wechsel auf eine ungewisse Zukunft. Ob k&uuml;nftig Ausl&auml;nder f&uuml;r die Altersversorgung der Deutschen arbeiten wollen, ist eine vage Hoffnung. Auf Dauer d&uuml;rfte das Ausland unsere Alten nicht durchf&uuml;ttern. <\/p><p>Die entscheidende Frage wird in alle Ewigkeit (so lange es menschliche Gesellschaften gibt) immer sein, ob wir in Zukunft &bdquo;reich&ldquo; genug sind, dass k&uuml;nftig Unternehmen und Arbeitnehmer Ertr&auml;ge erwirtschaften k&ouml;nnen (oder aber eben Rentenbeitr&auml;ge verkraften k&ouml;nnen), die Alten (nicht mehr Erwerbst&auml;tigen) eine angemessene Versorgung erm&ouml;glichen. <\/p><p>Wenn Sie die Argumente gegen eine Kapitaldeckung der Altersvorsorge im Detail nochmals nachlesen wollen, dann schauen Sie einfach in die Beitr&auml;ge in unserer Rubrik Sachfragen zum Thema <a href=\"\/?category_name=rente-privatvorsorge-etc\">Rente, Privatvorsorge<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Junge Abgeordnete von CDU und CSU&ldquo; nutzen das nachrichtenarme Sommerloch und machen einen erneuten Anlauf zur Einf&uuml;hrung eines &bdquo;Pflege-Riesters&ldquo;. In einem &bdquo;Manifest&ldquo;, initiiert vom gesundheitspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, und dem parlamentarischen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der CSU-Landesgruppe und Chef der bayerischen Jungen Union, Stefan M&uuml;ller, das inzwischen von 22 Abgeordneten unterzeichnet wurde, wird gefordert, mit der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10349\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[128,129,148,39],"tags":[293,1175,273,363,345],"class_list":["post-10349","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-insm","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-pflegeversicherung","category-rente","tag-finanzwirtschaft","tag-pflege-bahr","tag-privatvorsorge","tag-raffelhueschen-bernd","tag-ruerup-bert"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10349"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10349\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10352,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10349\/revisions\/10352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}