{"id":103513,"date":"2023-09-08T09:00:31","date_gmt":"2023-09-08T07:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103513"},"modified":"2023-09-08T14:05:57","modified_gmt":"2023-09-08T12:05:57","slug":"corona-ausschuss-im-brandenburger-landtag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103513","title":{"rendered":"Corona-Ausschuss im Brandenburger Landtag"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt sie doch, die offizielle Aufarbeitung der Coronapolitik &ndash; zumindest im Landtag von Brandenburg in Potsdam. Dort fand am 1. September in der siebten Sitzung des Corona-Ausschusses eine mehrst&uuml;ndige &ouml;ffentliche Zeugenbefragung von Lothar Wieler, dem ehemaligen Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI) statt. Sp&auml;ter &auml;u&szlig;erte sich Brigitte Keller-Stanislawski in ihrer ehemaligen Funktion als Leiterin der Abteilung Sicherheit von biomedizinischen Arzneimitteln und Diagnostika am Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Von <strong>Christine Born<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2531\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-103513-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230908-Corona-Ausschuss-Brandenburger-Landtag-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230908-Corona-Ausschuss-Brandenburger-Landtag-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230908-Corona-Ausschuss-Brandenburger-Landtag-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230908-Corona-Ausschuss-Brandenburger-Landtag-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=103513-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230908-Corona-Ausschuss-Brandenburger-Landtag-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230908-Corona-Ausschuss-Brandenburger-Landtag-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dr. Christine Born, Dipl. Journalistin, freie Journalistin und Autorin, lebt in Baden-W&uuml;rttemberg.<\/em><\/p><p>An der Pforte wurden Besucher und Vertreter der Medien kontrolliert. Es waren etwa 30 Beobachter zur Stelle. Zuerst einmal hie&szlig; es f&uuml;r sie, auf dem Gang zu warten, bevor gegen 10:30 Uhr der Sitzungssaal ge&ouml;ffnet wurde &ndash; ein gro&szlig;er, heller Saal mit bodenlangen Fenstern mit Ausblick auf die Breite Stra&szlig;e, die 21 anwesenden Abgeordneten aller Fraktionen im Hufeisen sitzend, oben der Ausschussleiter Daniel Eichelbaum (CDU). Am unteren Ende die Pl&auml;tze der Zeugen, dahinter die Besucherreihen. <\/p><p>Lothar Wieler hatte einen Stichwortgeber aus dem Bundesgesundheitsministerium, Heiko Rottmann-Gro&szlig;ner, Leiter der Unterabteilung 61 Gesundheitssicherheit, dabei.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Der Mitarbeiter aus dem Gesundheitsministerium sa&szlig; zuerst direkt neben Wieler, musste allerdings sp&auml;ter auf Wunsch einiger Abgeordneter weiter von ihm abr&uuml;cken. Der Zeuge solle w&auml;hrend der Befragung nicht beeinflusst werden. Und Rottmann-Gro&szlig;ner, der seine Aufgabe ernst genommen, gefl&uuml;stert und Stichwortzettel zugeschoben hatte, beschr&auml;nkte sich ab diesem Zeitpunkt im Sitzungssaal aufs Beobachten und Protokollieren. <\/p><p><strong>Verfahrensfragen unter Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit <\/strong><\/p><p>Immer wieder gab es zwischendrin Diskussionen mit dem Ausschussvorsitzenden &uuml;ber Verfahrensfragen. Diese fanden dann unter Ausschluss &bdquo;der &Ouml;ffentlichkeit&ldquo; statt. Woraufhin sich der Pulk der Besucher jedes Mal erheben und den Saal verlassen musste. Vor der T&uuml;r des Sitzungssaales wurde dann &uuml;ber Demokratie und Transparenz diskutiert. Hinter der T&uuml;r ging es gleich zu Anfang um die Frage der Aussagegenehmigung, die die Antwortm&ouml;glichkeiten des beamteten ehemaligen RKI-Chefs einengte &ndash; und damit auch das Fragespektrum der Abgeordneten. Die Aussagegenehmigung war wohl sehr sp&auml;t am Vorabend bei den Abgeordneten per E-Mail eingegangen. Und mehrere Abgeordnete pl&auml;dierten daf&uuml;r, dass sie &ouml;ffentlich verlesen werden sollte, um Gespr&auml;chseinschr&auml;nkungen transparent zu machen. Dieser Forderung wurde nicht stattgegeben, wobei Christine Wernicke (Freie W&auml;hler) die Rechtm&auml;&szlig;igkeit einer solchen Aussagegenehmigung hinterfragte. <\/p><p>Von vornherein durften die Abgeordneten nur Fragen stellen, die einen Bezug zum Bundesland Brandenburg hatten. Die Volksvertreter insbesondere der Fraktionen der CDU, der AfD, der FW und stellenweise auch der SPD waren gut auf die Zeugenvernahme vorbereitet und stellten ihre vielen Fragen in raschem Takt hintereinander. Die Gr&uuml;nen hatten sich offensichtlich dazu entschlossen, nichts zum Aufarbeitungsprozess beizutragen, dem die Mehrheit der Deutschen &ndash; darunter viele Wissenschaftler &ndash; eine hohe Bedeutung beimisst. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Die LINKE hatte das Bed&uuml;rfnis, in ihren Redebeitr&auml;gen harmonisches Einvernehmen mit dem Zeugen zu pr&auml;sentieren. Die &ouml;ffentliche Befragung dauerte etwa sechs Stunden, es gab mittags eine Pause von einer halben Stunde. Lothar Wieler (62) wirkte verst&auml;ndlicherweise manchmal gestresst. <\/p><p>Es wurde deutlich, dass demokratische Aufarbeitung f&uuml;r alle aktiv Beteiligten anstrengend ist. Dieser Prozess verdient daher Respekt, Anerkennung und W&uuml;rdigung. Umso bedauerlicher, dass kaum Leitmedien vertreten waren, die an der Dokumentation dieser politischen Pionierarbeit interessiert waren. <\/p><p><strong>RKI beriet Landesregierungen nicht direkt<\/strong><\/p><p>Auf Anfrage des Ausschussvorsitzenden gab Wieler ein Statement zur Aufgabe des RKI im Rahmen des Corona-Geschehens ab. Man unterst&uuml;tze die unabh&auml;ngig und wissenschaftlich agierende St&auml;ndige Impfkommission (STIKO) mit Analysen und Modellierungen und ver&ouml;ffentliche ihre Empfehlungen. Das RKI berate au&szlig;erdem das Bundesgesundheitsministerium bez&uuml;glich Impf- und Teststrategien gegen&uuml;ber der Bev&ouml;lkerung. Er beschrieb das RKI als eine Kommunikationszentrale, die Informationen sammle und nach au&szlig;en weitergebe, auch international. <\/p><p>Die L&auml;nder meldeten beispielsweise ihre Krankheitsf&auml;lle an das RKI. Die Gesundheitsreferenten der L&auml;nder st&uuml;nden in Kontakt mit dem RKI. Das Land Brandenburg &ndash; so betonte Wieler mehrfach &ndash; h&auml;tte man seines Wissens nach nicht direkt beraten, sondern nur &uuml;ber die Arbeitsgruppe Infektionsschutz (AGI), in der die Gesundheitsreferenten der L&auml;nder zusammenarbeiten, und &uuml;ber die Ver&ouml;ffentlichung von Daten. Auch zwischen Landesgesundheits&auml;mtern und RKI h&auml;tte es keine direkte Kommunikation gegeben, erkl&auml;rte Wieler, nur nach Zustimmung der Landesregierung in Einzelf&auml;llen. Ihm war auch nicht bekannt, dass es eine Empfehlung gegen die Obduktion von COVID-19-Toten gegeben h&auml;tte.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Dann ausweichend: Zur Weitergabe und Ber&uuml;cksichtigung der Krankenkassendaten k&ouml;nne Abteilung 3 des RKI etwas sagen. Zur Erinnerung: Der ehemalige Vorsitzende der Betriebskrankenkasse (BKK) ProVita, Andreas Sch&ouml;fbeck, hatte das PEI auf alarmierende Impfsch&auml;den laut der vorliegenden Krankenkassendaten hingewiesen und war daraufhin entlassen worden. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Man wollte seine Warnsignale nicht h&ouml;ren. <\/p><p><strong>Das RKI gab ausschlie&szlig;lich Empfehlungen<\/strong><\/p><p>Wielers Aussage, das RKI h&auml;tte ausschlie&szlig;lich Empfehlungen gegeben, stie&szlig; auf den entschiedenen Protest der Abgeordneten Saskia Ludwig (CDU). &bdquo;Wenn es doch nur bei Empfehlungen geblieben w&auml;re&ldquo;, meinte sie und verwies auf die Schulschlie&szlig;ungen. Sie sprach die massiven Folgesch&auml;den der Lockdowns bei Kindern und Jugendlichen an, die durch COVID-19 nicht gef&auml;hrdet und auch keine Krankheitstreiber waren. Sie kritisierte die unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igen und drastischen Einschr&auml;nkungen der Grundrechte. Keine erkennbare Reaktion des Zeugen. <\/p><p>Der Abgeordnete und Arzt Hans Christoph Berndt (AfD) hinterfragte diese Aussage des ehemaligen RKI-Chefs ebenfalls. Ob ihm als ehemaligem RKI-Leiter nicht bewusst sei, dass die Empfehlungen des RKI wie Gesetze behandelt w&uuml;rden, betrachte man etwa das Vorgehen der Justiz oder der Polizei. &bdquo;Empfehlungen&ldquo; des RKI w&uuml;rden zur Begr&uuml;ndung von Urteilen vor Gericht herangezogen. Die &bdquo;Empfehlungen&ldquo; des RKI h&auml;tten demnach eindeutig bindenden Charakter. Keine Reaktion des Zeugen. Warum aber kann Wieler nicht zu der Wirksamkeit und den weitreichenden Folgen, die die Arbeit des RKI gesamtgesellschaftlich auf vielen Ebenen hat, stehen? Er m&uuml;sste sich doch eigentlich &uuml;ber die hohe Effektivit&auml;t seines Instituts freuen. <\/p><p><strong>Das RKI war nicht zust&auml;ndig <\/strong><\/p><p>Nicht alle Detailfragen konnte der ehemalige Leiter des RKI beantworten: &bdquo;Daran kann ich mich nicht erinnern.&ldquo; Er durfte sie auch nicht alle beantworten, denn der Ausschussvorsitzende erkl&auml;rte immer wieder Fragen als &bdquo;unzul&auml;ssig&ldquo;. Besonders wenn es um spannende Fragen ging, etwa zur grunds&auml;tzlichen Feststellung der pandemischen Lage, zur Notwendigkeit von Impfstoffen &uuml;berhaupt, zur &Uuml;berlastung der Krankenh&auml;user, der kontinuierlichen Streichung von Intensivbetten in den Coronajahren oder der Erzeugung von Krankheitsdynamiken durch Teststrategien. Kann ein PCR-Test nachweisen, ob jemand infekti&ouml;s ist, lautete eine Frage. &bdquo;Nein&ldquo;, antwortete Wieler, bevor es hie&szlig;, diese Frage sei &bdquo;unzul&auml;ssig&ldquo;. Das RKI sei f&uuml;r die Wirksamkeitspr&uuml;fung der COVID-Impfstoffe nicht zust&auml;ndig, das sei Aufgabe des PEI, das auch die Impfstoffe zulasse. Das RKI beobachte die Impfeffektivit&auml;t in der Bev&ouml;lkerung nachtr&auml;glich, in Post-Marketing-Studien (PMS), dabei werde die Leistungsf&auml;higkeit von Medizinprodukten &bdquo;im Feld&ldquo;, sprich in der Bev&ouml;lkerung, &uuml;berpr&uuml;ft. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Post-Marketing &ndash; eine interessante Bezeichnung und Assoziation, wenn es um Medizin, Gesundheit und Menschenleben geht. <\/p><p>Wenn Politiker mit unsachgem&auml;&szlig;en &Auml;u&szlig;erungen breit Panik sch&uuml;rten oder bis ins hinterste Dorf mit falschen Versprechungen oder auch pers&ouml;nlichen Herabsetzungen Impfbereitschaft erzeugten, dann machte das RKI sie nicht darauf aufmerksam. Denn &ndash; so Wieler &ndash; sie h&auml;tten das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung. Grunds&auml;tzlich sei aber Panikmache keine Sache von Public Health. <\/p><p><strong>Die Effektivit&auml;t der Impfung ist hoch<\/strong><\/p><p>Es stellten sich Schwerpunkte im Laufe der Befragung heraus, denn bestimmte Themen wurden von den Abgeordneten mehrfach angesprochen oder vom Ausschussvorsitzenden mehrfach nicht zugelassen. Anzeichen von Nervosit&auml;t beim Befragten und die Spannungssteigerung in der &bdquo;&Ouml;ffentlichkeit&ldquo; machten auf brenzlige Themen aufmerksam. Solche Brennpunktthemen waren: Impfstoffsicherheit, Impfnebenwirkungen und -tote, Folgesch&auml;den durch Ma&szlig;nahmen, fehlende Impfeffektivit&auml;tsstudien des RKI, Fragen nach der Verantwortung. Lothar Wieler berief sich auf Studien, die das RKI untersucht und bewertet hatte, &bdquo;hohes Kompetenzniveau&ldquo;. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Diese Studien versprechen eine hohe Wirksamkeit der Impfstoffe. Zwar sei der Impfschutz vom RKI immer wieder neu eingesch&auml;tzt worden, aber Menschen, die geimpft seien, reduzierten die Weitergabe des Virus und schieden weniger Viren aus. Wieler argumentierte wiederholt mit den Zahlen der WHO, 14,4 Millionen Menschenleben seien weltweit durch die COVID-19-Injektionen gerettet worden. Das Kosten-Nutzen-Risiko sei nach wie vor gut f&uuml;r die Impfung. Der Schutz einer COVID-19-Impfung sei h&ouml;her als eine durchgemachte Infektion. Eine Erkrankung berge mehr Risiken als die Impfung. <\/p><p>Ethische Fragen st&uuml;nden nicht zur Debatte, weil es sich um einen zugelassenen Impfstoff handele. Der Lockdown sei nicht vom RKI gekommen, h&auml;tte aber das Infektionsgeschehen massiv reduziert. Probleme bei der Impfung von Schwangeren waren f&uuml;r Wieler bedeutungslos, &bdquo;vernachl&auml;ssigbar&ldquo;. An Empfehlungen des RKI zum Impfstoffkauf, der Abgeordnete Lars H&uuml;nich (AfD) fragte danach, k&ouml;nne er sich nicht erinnern. Bei solchen Aussagen Wielers blieben Reaktionen wie verzweifeltes Lachen oder resignierte Reaktionen der &bdquo;&Ouml;ffentlichkeit&ldquo; nicht aus. <\/p><p><strong>F&ouml;rdert die Aufarbeitung: Fachwissen, fokussierte Fragen, Beharrlichkeit und Selbstbewusstsein<\/strong><\/p><p>Lothar Wieler behielt w&auml;hrend der anstrengenden Befragung meist die Contenance und bewies auch Humor. Bei der Befragung durch Saskia Ludwig, die ihn auf seine widerspr&uuml;chlichen Aussagen zu Ungeimpften, die 2-G- und 3-G+-Ma&szlig;nahmen und die Ver&auml;nderung des Genesenen-Status ansprach, verlor er kurz die Beherrschung und warf ihr b&ouml;sartige und tendenzi&ouml;se Unterstellungen vor. Die wehrhafte Christdemokratin lie&szlig; sich jedoch nicht beirren und konterte, dass es doch wohl darum gehe, die Schwachstellen der Coronapolitik herauszuarbeiten, um k&uuml;nftig Fehler zu vermeiden. Wieler stimmte ihr schlie&szlig;lich zu und meinte sp&auml;ter, er trete ebenfalls f&uuml;r eine seri&ouml;se Evaluation der Ma&szlig;nahmen ein. <\/p><p>Die unnachgiebige Klarheit der Abgeordneten zeigte, welche Qualit&auml;ten den Aufarbeitungsprozess f&ouml;rdern: gr&uuml;ndliches Wissen, Schlagfertigkeit, ein gesundes Selbstbewusstsein und Dranbleiben. Ludwig brachte &uuml;brigens auch die anfangs oft t&ouml;dlich verlaufende Beatmungspraxis in den Kliniken ein. Hans Christoph Berndt konnte mit seinem Fachwissen punkten, als er die &bdquo;englischen Daten&ldquo; ansprach. Die Datenlage rund um Corona war in Gro&szlig;britannien &uuml;ber die Jahre hin wesentlich belastbarer als in Deutschland. Und diese Daten sagen aus, dass die COVID-19-Impfung die Chance auf eine Erkrankung eher erh&ouml;ht und auch vor schweren Verl&auml;ufen und Tod nicht sch&uuml;tzt. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Wieler sagte, dass ihm diese Daten nicht bekannt seien. Und das trotz der internationalen Ausrichtung des RKI? <\/p><p>Die Aussagen von Janine Small, Pr&auml;sidentin f&uuml;r internationale Entwicklungsm&auml;rkte bei Pfizer, im Europa-Parlament, dass der Impfstoff nicht auf seine Wirksamkeit hin &uuml;berpr&uuml;ft worden sei, waren Wieler bekannt, aber er &auml;u&szlig;erte sich in der Sitzung im Landtag nicht weiter dazu. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] In einem Interview auf <em>Phoenix<\/em> sagte er im Oktober 2020 hingegen Vergleichbares.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] John Ioannidis&rsquo; erste Coronadaten im Jahr 2020 waren ihm ebenfalls vertraut, aber seine Aussagen h&auml;tten nicht mit den eigenen Daten und denen anderer Wissenschaftler &uuml;bereingestimmt. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p><strong>Alles ist gut &ndash; Paul-Ehrlich-Institut k&uuml;mmert sich um die Arzneimittelsicherheit<\/strong><\/p><p>Die Luft im Raum war mittlerweile verbraucht und stickig, die Sonneneinstrahlung kr&auml;ftiger geworden, der Tag fortgeschritten. Gegen 16:30 Uhr trat die Expertin aus dem PEI, Dr. Brigitte Keller-Stanislawski, in den Ring. Sie hatte keine Begleitung dabei. Ihr war ein Fragenkatalog im Vorfeld zugegangen, auf den sie sich vorbereitet hatte. Dass der Vorsitzende dann anfangs die Reihenfolge der Fragen nicht einhielt, brachte die Fach&auml;rztin f&uuml;r Klinische Pharmakologie etwas aus dem Konzept. Sie stellte ihre T&auml;tigkeit vor. So sei das PEI zust&auml;ndig f&uuml;r die Chargen&uuml;berpr&uuml;fung, die &Uuml;berwachung und Zulassung der Impfstoffe und dem Bundesgesundheitsministerium gegen&uuml;ber berichtspflichtig. <\/p><p><strong>700.000 Personen nutzten die SafeVac-App des PEI &ndash; was geschieht mit den Daten?<\/strong><\/p><p>In ihrer Abteilung habe man die Produktinformationen zu den COVID-19-Impfstoffen erstellt, die Aufkl&auml;rungsbl&auml;tter je nach Wissensstand angepasst, Informationen auf der Homepage ver&ouml;ffentlicht, etwa zum anaphylaktischen Schock durch Impfung. Dazu sei am 23. Dezember 2021 das erste Mal eine Meldung gekommen. Empfehlungen und Rote-Hand-Briefe wurden erstellt. Die Verdachtsf&auml;lle von Nebenwirkungen wurden zusammengefasst, bewertet und berichtet. Zu Impfrisiken und Signalen wurde Stellung genommen, etwa zu Myokarditis, Lungenembolie und Menstruationsbeschwerden. Eine Kooperation mit der Europ&auml;ischen Arzneimittelagentur (EMA) finde statt, sie selbst sei Mitglied im Sicherheitsgremium der EMA gewesen. Die &Auml;rzte m&uuml;ssten die Impfnebenwirkungen dem Gesundheitsamt melden. Ist die Nebenwirkung auf die Grunderkrankung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, gebe es keine Meldepflicht. 700.000 Personen nutzten die Safe-Vac-App des PEI.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Eine Datenmenge, mit der sicher einiges anzufangen w&auml;re, aber es war nichts dar&uuml;ber zu h&ouml;ren, wie diese Angaben vom PEI genutzt werden. Die Krankenkassen wollten &ndash; ihrer Aussage nach &ndash; anfangs nicht mit dem PEI zusammenarbeiten, aber es sei jetzt eine Zusammenarbeit des PEI mit dem RKI und den Krankenkassen in Gang &ndash; nach etwa drei Jahren. Dass die Krankenkassendaten der Betriebskrankenkasse (BKK) l&auml;ngst vorliegen und leider bisher nicht ber&uuml;cksichtigt wurden, ist bekannt. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p><strong>Impfnebenwirkungen in Brandenburg<\/strong><\/p><p>F&uuml;r das Bundesland Brandenburg habe es bisher 5.860 Verdachtsf&auml;lle auf Nebenwirkungen gegeben, darunter 336 Kinder, 1.527 schwerwiegende F&auml;lle und 88 Todesf&auml;lle, also beinahe drei pro Monat, denn Impfbeginn war im Dezember 2020. Um zu pr&uuml;fen, ob es sich um einen Impftod handelt, w&uuml;rden die Kriterien der WHO angewendet. Eine Nebenwirkung sei schwer kausal nachzuweisen, es gehe darum, ob eine Nebenwirkung konsistent sei. Der WHO-Algorithmus, der zur Anwendung komme, zeige den Grad der Gewissheit einer Nebenwirkung an. <\/p><p>Lange w&auml;hrte die Befragung der Abteilungsleiterin, die just an ihrem ersten Tag im Ruhestand vor dem Untersuchungsausschuss auftrat, nicht. Nach einer weiteren internen Diskussion der Abgeordneten, in der die &bdquo;&Ouml;ffentlichkeit&ldquo; sich vor die T&uuml;r bequemen musste, schloss man die Befragung ab. Gegen 17:30 Uhr verlie&szlig;en die Teilnehmer der Sitzung langsam das Landtagsgeb&auml;ude, das ehemalige Stadtschloss am Alten Markt in Potsdam. Am 13. Oktober findet die n&auml;chste &ouml;ffentliche Sitzung statt und die Befragung von Brigitte Keller-Stanislawski wird fortgesetzt. Allen an der Corona-Aufarbeitung Interessierten sei eine Teilnahme im Rahmen der &bdquo;&Ouml;ffentlichkeit&ldquo; empfohlen. Schlie&szlig;lich ist der Brandenburger Landtag der einzige Landtag bundesweit, in dem eine Aufarbeitung der Corona-Politik wenigstens versucht wird.<\/p><p>Titelbild: DesignRage \/ Shutterstock<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/wie-der-lockdown-nach-deutschland-kam\">multipolar-magazin.de\/artikel\/wie-der-lockdown-nach-deutschland-kam<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Wissenschaftler-fordern-Aufarbeitung-der-Corona-Massnahmen-article24062707.html\">n-tv.de\/panorama\/Wissenschaftler-fordern-Aufarbeitung-der-Corona-Massnahmen-article24062707.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/rechtsmedizin-und-covid-19-streit-um-vorgaben-fuer-100.html\">deutschlandfunk.de\/rechtsmedizin-und-covid-19-streit-um-vorgaben-fuer-100.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/tkp.at\/2022\/02\/24\/bkk-vorstand-warnt-deutsche-behoerde-vor-massiver-untererfassung-von-impf-schaeden\/\">tkp.at\/2022\/02\/24\/bkk-vorstand-warnt-deutsche-behoerde-vor-massiver-untererfassung-von-impf-schaeden\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/deutsch.medscape.com\/artikelansicht\/4906568\">deutsch.medscape.com\/artikelansicht\/4906568<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/tkp.at\/2022\/07\/01\/wie-analysiert-das-rki-studien-zur-impfeffektivitaet\/\">tkp.at\/2022\/07\/01\/wie-analysiert-das-rki-studien-zur-impfeffektivitaet\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/tkp.at\/2022\/03\/14\/daten-aus-england-covid-impfung-schuetzt-nicht-einmal-gegen-schwere-verlaeufe\/\">tkp.at\/2022\/03\/14\/daten-aus-england-covid-impfung-schuetzt-nicht-einmal-gegen-schwere-verlaeufe\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mnxlxzxoZx0\">youtube.com\/watch?v=mnxlxzxoZx0<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YIhvkWgnDFc\">youtube.com\/watch?v=YIhvkWgnDFc<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/tkp.at\/2021\/03\/29\/neue-ioannidis-studie-infektionssterblichkeit-weltweit-etwa-015-prozent\/\">tkp.at\/2021\/03\/29\/neue-ioannidis-studie-infektionssterblichkeit-weltweit-etwa-015-prozent\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.pei.de\/DE\/newsroom\/hp-meldungen\/2020\/201222-safevac-app-smartphone-befragung-vertraeglichkeit-covid-19-impfstoffe.html\">pei.de\/DE\/newsroom\/hp-meldungen\/2020\/201222-safevac-app-smartphone-befragung-vertraeglichkeit-covid-19-impfstoffe.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/tkp.at\/2022\/02\/27\/bkk-provita-bestaetigt-richtigkeit-der-auswertung-der-nebenwirkungen-und-verwahrt-sich-gegen-unsachliche-kritik\/\">tkp.at\/2022\/02\/27\/bkk-provita-bestaetigt-richtigkeit-der-auswertung-der-nebenwirkungen-und-verwahrt-sich-gegen-unsachliche-kritik\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt sie doch, die offizielle Aufarbeitung der Coronapolitik &ndash; zumindest im Landtag von Brandenburg in Potsdam. 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