{"id":10361,"date":"2011-08-05T09:02:31","date_gmt":"2011-08-05T07:02:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10361"},"modified":"2014-09-09T12:59:34","modified_gmt":"2014-09-09T10:59:34","slug":"goldfinger-die-spekulation-mit-der-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10361","title":{"rendered":"Goldfinger \u2013 die Spekulation mit der Angst"},"content":{"rendered":"<p>Der Goldpreis erklimmt mit jedem Handelstag ein neues Rekordniveau. Wie bei einem  Herdentrieb lassen sich immer mehr eingesch&uuml;chterte B&uuml;rger in Goldinvestments treiben. Gold ist jedoch keinesfalls der sichere Hafen, wie er oft scheint oder vorgegaukelt wird. Der Markt f&uuml;r physisches Gold ist gef&auml;hrlich klein, die Spekulation hat jedoch in den letzten Jahren ein gigantisches Volumen erreicht. Es scheint fast so, als haben einige gro&szlig;e Spieler es darauf abgesehen, mit der Goldblase das ganz gro&szlig;e Gesch&auml;ft zu machen. Anstatt zu warnen, heizen Medien und viele sogenannte &bdquo;Experten&ldquo; die Spekulation zus&auml;tzlich an. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Der Filmb&ouml;sewicht Auric &bdquo;Goldfinger&ldquo; plante im gleichnamigen James-Bond-Film den Goldpreis nach oben zu manipulieren, indem er die Goldreserven von Fort Knox radioaktiv verseuchen wollte. Die Filmfigur Goldfinger war selbst Goldinvestor und wollte durch eine k&uuml;nstliche Verknappung des Goldes zum reichsten Mann der Welt werden. Heute muss man nicht Fort Knox sprengen, um den Goldpreis in ungeahnte H&ouml;hen zu treiben. Jedes Jahr werden rund 2.500 Tonnen Gold gef&ouml;rdert. Rund die H&auml;lfte davon geht in die Schmuckproduktion, rund zehn Prozent wurden im letzten Jahr vom industriellen Sektor und den Zentralbanken aufgekauft. Wie bei jedem anderen Rohstoff auch, bestimmen beim Gold Angebot und Nachfrage den Preis. Sobald die Nachfrage beim aktuellen Preis h&ouml;her als das Angebot ist, steigt der Preis. 1.000 Tonnen Gold entsprechen beim aktuellen Kurs rund 48 Milliarden US$, das  sind allerdings weniger als 5 Promille der gesamten Spareinlagen des privaten Sektors in den OECD-Staaten. Wer die Anleger mit  &Auml;ngsten und Sicherheit vorspiegelnder Werbung in Goldinvestments lockt, kann angesichts eines immensen Anlagevolumens den Goldpreis ohne Probleme nach oben manipulieren.<\/p><p><strong>Der De-Beers-Coup<\/strong><\/p><p>In den 1950er Jahren gelang dem weltgr&ouml;&szlig;ten Diamantenproduzenten De Beers ein &auml;hnlicher Coup. De Beers investierte viel Geld in eine Werbekampagne, die den Konsumenten den Eindruck vermitteln sollte, Diamanten seien nicht nur ganz besondere Steine, sondern auch das Symbol ewiger Liebe. In den Folgejahren stiegen die Preise f&uuml;r Diamanten in den Himmel und De Beers wurde eines der reichsten Unternehmen der Welt. <\/p><p>Gold ist ein marketingstrategischer Gl&uuml;cksfall. K&auml;ufer von Gold sind nicht an einem Symbol f&uuml;r die ewige Liebe interessiert, sondern haben im Regelfall Angst davor, ihr (Geld-)Verm&ouml;gen zu verlieren &ndash; sei es durch W&auml;hrungskrisen oder durch Inflation. Mit gro&szlig;em Erfolg wurden durch die Goldlobby Mythen geschaffen, die sich jedoch bei n&auml;herer Betrachtung in Luft aufl&ouml;sen:<\/p><ol>\n<li><strong>Gold ist wertstabil<\/strong>\n<p>Gold ist handelbarer Rohstoff und Spekulationsobjekt. Da der Markt f&uuml;r Gold sehr klein ist, ist der Goldpreis &uuml;beraus volatil, dass hei&szlig;t, er schwankt sehr stark. Bereits kleinere Angebots- und Nachfrageschwankungen k&ouml;nnen den Preis massiv beeinflussen. T&auml;gliche Kurskorrekturen von mehr als 5% sind dabei keine Seltenheit. Gold ist somit genau so wertstabil wie Aktien gr&ouml;&szlig;erer Unternehmen und wesentlich volatiler als Staatsanleihen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Gold ist inflationssicher<\/strong>\n<p>Anders als vielfach angenommen, gibt es seit mehr als 15 Jahren <a href=\"http:\/\/streetlightblog.blogspot.com\/2011\/07\/should-we-care-about-price-of-gold.html\">keinen Zusammenhang<\/a> mehr zwischen dem Goldpreis und der Inflation. Die j&uuml;ngere Periode des starken Anstiegs des Goldpreises f&auml;llt genau in die Zeit, in der in allen Industriestaaten die Inflation vergleichsweise gering ist. Da Gold ein Spekulationsobjekt mit teilweise extremen Kursschwankungen ist, w&auml;re es auch vermessen zu glauben, dass Gold vor einer m&ouml;glichen Inflation in der Zukunft sch&uuml;tzt. Wer beispielsweise 1981 einen Goldbarren gekauft und ihn zehn Jahre sp&auml;ter verkauft hat, musste einen nominellen Verlust von 50% und sogar einen inflationsbereinigten Realverlust von 75% hinnehmen. Dies ist freilich ein Extrembeispiel, dass jedoch sehr gut zeigt, dass Gold vor allem dann kein Inflationsschutz ist, wenn man es zu relativ hohen Kursen kauft.<\/p><\/li>\n<li><strong>Gold hat einen inneren Wert<\/strong>\n<p>Die industrielle Nachfrage nach Gold ist verschwindend gering. Wenn man bedenkt, dass Gold auch in gro&szlig;en Ma&szlig;stab recycelt wird, liegt sie streng genommen bei Null. Dennoch kommen jedes Jahr 2.500 Tonnen neu gef&ouml;rdertes Gold auf den Markt. Die einzigen Verwendungszwecke f&uuml;r dieses Gold sind die Schmuckproduktion und die Wertanlage. Da Gold &ndash; anders als die meisten anderen Rohstoffe &ndash; kaum verbraucht wird und kaum einen  realen (produktiven) Nutzwert hat, ist es lediglich der Glaube daran, dass die Menschheit auch in Zukunft einem gl&auml;nzenden Metallklumpen einen realen Wert beimisst. Der innere Wert von Gold ist somit eine selbsterf&uuml;llende Prophezeiung, er ist weniger &ouml;konomisch als mehr vielmehr psychologisch begr&uuml;ndet.<\/p><\/li>\n<li><strong>Gold ist krisensicher<\/strong>\n<p>Wer sein Verm&ouml;gen wirklich gegen die &bdquo;Hyperinflation&ldquo; von derzeit 2,4%(!) oder vor einem  bef&uuml;rchteten Kollaps des Kapitalismus sch&uuml;tzen will, sollte sich wohl eher ein Sturmgewehr kaufen. Wer den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems erwartet, sollte eher eine Kuh, ein paar Schweine und ein St&uuml;ck Ackerland erwerben. Als Krisennotgroschen hat Gold den gro&szlig;en Nachteil, dass es nur sehr schwer teilbar ist und eine Kr&uuml;ger-Rand-M&uuml;nze nun einmal so viel wert ist, dass sie zum postapokalyptischen Einkauf ohne Wechselgold kaum geeignet scheint.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/110805_goldpreisentwicklung.jpg\" alt=\"Goldpreisentwicklung\">\n<\/p><\/li>\n<li><strong>Der Goldpreis wird noch lange Zeit steigen<\/strong>\n<p>Da es keine &ouml;konomisch sinnvolle Erkl&auml;rung f&uuml;r die Goldpreisentwicklung der letzten Jahre gibt, ist auch nicht m&ouml;glich, die zuk&uuml;nftige Entwicklung des Preises an &ouml;konomischen Entwicklungen festzumachen. Der einzige Faktor, der den Goldpreis bestimmt, ist die Angst und die Spekulation. Wer heute Gold kauft, wettet also streng genommen darauf, dass die Menschen in Zukunft noch viel mehr Angst vor volkswirtschaftlichen Turbulenzen haben werden. Haben sie nur genauso viel Angst wie heute, platzt bereits die Blase, da dem neu gef&ouml;rderten Gold pl&ouml;tzlich keine K&auml;ufer mehr gegen&uuml;berstehen &ndash; oder noch schlimmer, dass die professionellen Spekulanten ihre Gewinne mitnehmen. Wer in der Vergangenheit und in der Gegenwart in Gold investiert hat, hat meist bereits vorhandene Ersparnisse umgeschichtet und das Gold nicht aus den monatlichen Eink&uuml;nften gekauft.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Schneeballsystem<\/strong><\/p><p>Das alles erinnert an ein Schneeballsystem. Jeden Monat ben&ouml;tigen die Preistreiber neue K&auml;uferschichten. Da die Preistreiber wissen, dass Angst ein treibender Faktor ist, wird genau diese Angst gesch&uuml;rt. Wer hinter die Kulissen der Internetseiten schaut, die in teilweise unverantwortlicher Manier Angst vor dem Zusammenbruch des W&auml;hrungs- und Wirtschaftssystems verbreiten, erkennt dort oft g&auml;nzlich eigenn&uuml;tzige Interessen &ndash; mittlerweile scheint Gold das am meisten im Netz beworbene Produkt zu sein. Auch vermeintlich seri&ouml;se Zeitungen und Zeitschriften treiben ihre Leser mittlerweile ganz offen in Goldinvestments &ndash; hier w&auml;ren vor allem die WELT und der FOCUS samt seines skandaltr&auml;chtigen Ablegers FOCUS Money zu nennen. Wie sagte doch der alte B&ouml;rsen-Grandseigneur Andr&eacute; Kostolany? Wenn Dir die Schuhputzer Aktientipps geben, ist es h&ouml;chste Zeit aus dem Markt auszusteigen. Welche Interessen die Analysten und Autoren, die in diesen Bl&auml;ttern kostenlos Werbung f&uuml;r Gold machen d&uuml;rfen, vertreten, ist oft nur schwer zu erkennen. Die Interessen des Lesers sind es jedoch offensichtlich nicht. <\/p><p>Die aktuelle Goldpreisentwicklung zeigt &uuml;berdeutlich Zeichen einer typischen Blase. Irgendwann wird diese Blase platzen &ndash; die interessantere Frage ist, wann und bei welchem Kurs. Noch funktioniert das Schneeballsystem pr&auml;chtig, irgendwann ist jedoch der Zeitpunkt erreicht, an dem die Preistreiber keine neuen Opfer mehr finden k&ouml;nnen. Da der Gro&szlig;teil des handelbaren Goldes in den H&auml;nden von privaten Kleinanlegern liegt, stehen die Opfer bereits fest. Es ist das h&auml;ufig zu beobachtende Schicksal von Kleinanlegern von institutionellen Anlegern &uuml;ber den Tisch gezogen zu werden. Es ist wie beim Poker &ndash; zuerst f&uuml;ttern die Profis die Anf&auml;nger mit kleinen Gewinnen an, nur um sie dann so lange im Spiel zu halten, bis man sie bis aufs letzte Hemd abgezockt hat. An Spekulationsm&auml;rkten sind es daher auch meist die Kleinanleger, die bei &uuml;berh&ouml;hten Kursen kaufen und dann nach dem Kurssturz zu Niedrigstkursen verkaufen. Der Profi kauft, bevor der Preis in die H&ouml;he geht, verkauft kurz vor dem Platzen der Blase und kauft dann zu Niedrigstkursen zur&uuml;ck. Da der Goldmarkt g&auml;nzlich intransparent ist, kann man leider nicht sagen, ob die Profis bereits verkaufen. <\/p><p>In einem relativ kleinen Markt wie diesem k&ouml;nnte einige wenige Gro&szlig;investoren mit einer Verkaufsorder bereits die Blase zum Platzen bringen. Der volkswirtschaftliche Schaden wird sich in diesem Falle jedoch in Grenzen halten. Nimmt man alle Goldbarren zusammen, die weltweit als Wertanlage gehortet werden, ergibt sich ein Gegenwert von rund 1.316 Milliarden US$. Bei einer Kurkorrektur auf vertretbare 400 US$ pro Unze entst&uuml;nde somit ein Spekulationsverlust von rund 1.000 Milliarden US$. Nat&uuml;rlich gilt auch hier die B&ouml;rsenweisheit, nach der das Geld nicht weg ist, sondern nur jemand anderem geh&ouml;rt &ndash; den Profis, die momentan den Preis treiben. Goldfinger w&auml;re sicherlich neidisch auf diesen Billionencoup. Fragt sich nur, wer nach dem Platzen der Goldblase die Anzeigen auf den &bdquo;Panik-Seiten&ldquo; im Internet bezahlt?<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/7745d52a383f4a8b95415a6ba7ae3f76\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Goldpreis erklimmt mit jedem Handelstag ein neues Rekordniveau. Wie bei einem Herdentrieb lassen sich immer mehr eingesch&uuml;chterte B&uuml;rger in Goldinvestments treiben. Gold ist jedoch keinesfalls der sichere Hafen, wie er oft scheint oder vorgegaukelt wird. Der Markt f&uuml;r physisches Gold ist gef&auml;hrlich klein, die Spekulation hat jedoch in den letzten Jahren ein gigantisches Volumen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10361\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,13,85],"tags":[840,1032,365,328],"class_list":["post-10361","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-pr","tag-focus","tag-gold","tag-inflation","tag-welt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10361","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10361"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10361\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10365,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10361\/revisions\/10365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}