{"id":103829,"date":"2023-09-16T11:45:13","date_gmt":"2023-09-16T09:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103829"},"modified":"2023-09-15T18:56:44","modified_gmt":"2023-09-15T16:56:44","slug":"kann-ein-demokratischer-staat-wie-deutschland-totalitaer-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103829","title":{"rendered":"Kann ein demokratischer Staat wie Deutschland totalit\u00e4r sein?"},"content":{"rendered":"<p>Totalitarismus sei kein Zufall und bilde sich nicht in einem Vakuum. Der Ursprung liege im Ph&auml;nomen der &bdquo;Massenbildung&ldquo;, einer Art kollektiver Hypnose. Das meint der belgische Psychologe Mattias Desmet. Er sieht auch in der Corona-Politik eine Form von hypnotischer Massenbildung. Unser Autor <strong>Udo Brandes<\/strong> hat sein Buch <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/die-psychologie-des-totalitarismus.html?listtype=search&amp;searchparam=Mattias%20desmet%20Die%20Psychologie%20des%20Totalitarismus\">&bdquo;Die Psychologie des Totalitarismus&ldquo;<\/a> f&uuml;r die NachDenkSeiten gelesen und stellt es vor.<br>\n<!--more--><br>\nWas ist der Unterschied zwischen einer Dikatur und einem totalit&auml;rem Staat? Mattias Desmet sieht den Unterschied auf der psychologischen Ebene und beruft sich dabei auf Hannah Arendts monumentales Werk &bdquo;Elemente und Urspr&uuml;nge totaler Herrschaft&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;W&auml;hrend Diktaturen im Wesen auf dem Einfl&ouml;&szlig;en von Angst vor physischer Aggression beruhen &ndash; einer Angst, die so gro&szlig; ist, dass der Diktator (oder das diktatorische Regime) der Bev&ouml;lkerung einseitig einen sozialen Vertrag oktroyieren kann &ndash; basiert der totalit&auml;re Staat auf dem gesellschaftlich-psychologischen Prozess der <strong>Massenbildung<\/strong>.&ldquo; (S. 122)\n<\/p><\/blockquote><p>Aber was hei&szlig;t das, wenn Desmet von &bdquo;Massenbildung&ldquo; spricht? Er versteht darunter einen Zustand, der einer Hypnose &auml;hnelt und der die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung erfasst. Diese macht sich eine Ideologie bzw. eine Erz&auml;hlung zu eigen, weil sie davon einen psychologischen Gewinn hat: Die Abfuhr von Aggression und die Bindung bis dato &bdquo;frei flottierender&ldquo; Angst an ein Objekt. Letzteres hat den Vorteil, dass die Angst psychisch beherrschbar wird, weil sie jetzt mit einem Objekt verbunden ist und man dieses Objekt bek&auml;mpfen kann, um die eigene Angst in Schach zu halten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn (&hellip;) &uuml;ber die Massenmedien eine suggestive Erz&auml;hlung verbreitet wird, die ein Objekt der Angst benennt &ndash; zum Beispiel die Aristokratie unter dem Stalinismus, die Juden unter dem Nationalsozialismus, das Virus und sp&auml;ter die Impfgegner w&auml;hrend der Coronakrise &ndash; und gleich auch eine Strategie mitliefert, wie mit diesem Objekt der Angst umzugehen ist, dann besteht eine reelle Chance, dass sie alle frei flottierende Angst an dieses Objekt koppelt und eine breite gesellschaftliche Basis daf&uuml;r entsteht, die Strategie anzuwenden, um dieses Objekt der Angst zu kontrollieren.&ldquo; (S. 129)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Woher kommt die &bdquo;frei flottierende&ldquo; Angst?<\/strong><\/p><p>Aber woher kommt diese &bdquo;frei flottierende&ldquo; Angst? Und woher kommt die Aggression? Ein wichtiger Faktor daf&uuml;r sind Einsamkeit, soziale Isolation und verfallende soziale Bindungen. Einsamkeit betrifft nach Desmet in den modernen liberalen Industriegesellschaften ungef&auml;hr 30 Prozent der Bev&ouml;lkerung und nimmt stetig zu. Nicht ohne Grund wurde von der ehemaligen britischen Premierministerin Theresa May ein Ministerium f&uuml;r Einsamkeit eingerichtet.<\/p><p>Die Ph&auml;nomene Einsamkeit, Isolation und Verfall der sozialen Bindungen werden nach Desmet in hohem Ma&szlig;e durch die modernen Kommunikationstechnologien und die Nutzung der sozialen Medien gef&ouml;rdert. Dazu eine pers&ouml;nliche Beobachtung: Offenbar beeintr&auml;chtigt die Digitalisierung auch die F&auml;higkeit zum sozialen Austausch. Als ich mal mit Freunden in einem Restaurant speiste, sa&szlig; uns gegen&uuml;ber ein Ehepaar mit zwei Kindern. Keiner der vier sprach ein Wort mit den anderen Familienmitgliedern. Alle glotzten auf ihr Smartphone und waren in irgendwelche vermutlich v&ouml;llig belanglosen Nachrichten und Posts auf <em>Facebook<\/em>, <em>Instagram<\/em> oder <em>TikTok<\/em> vertieft.<\/p><p>Wenn diese &bdquo;normale&ldquo; Einsamkeit schon zu Angstzust&auml;nden f&uuml;hren kann, kann man sich lebhaft vorstellen, wie die Lockdowns und die Homeoffice-Arbeit auf die Psyche der Menschen gewirkt haben. Hinzu kam in der Zeit der Coronakrise dann noch, dass die Regierung ganz bewusst die Angst vor dem Coronavirus sch&uuml;rte (<a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/aus-dem-innenministerium-wie-sag-ichs-den-leuten-internes-papier-empfiehlt-den-deutschen-angst-zu-machen_id_11851227.html\">siehe dazu den Bericht auf <em>focus.de<\/em> hier<\/a>).<\/p><p><strong>Die Folgen des Verfalls sozialer Bindungen<\/strong><\/p><p>Eine weitere Ursache f&uuml;r eine hypnotische Massenbildung h&auml;ngt eng mit den zuerst genannten zusammen: Der Verfall sozialer Bindungen, so Desmet, f&uuml;hrt zu einem Mangel an Sinngebung im Leben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Mensch als soziales Wesen par excellence, lebt f&uuml;r den Anderen. Geht die Bindung zum Anderen verloren, wird das Leben als sinnlos erfahren.&ldquo; (S. 127)\n<\/p><\/blockquote><p>Einsamkeit, Isolation, fehlende soziale Bindungen und das daraus entstehende Gef&uuml;hl der Sinnlosigkeit f&uuml;hrten zu einer &bdquo;frei flottierenden&ldquo; Angst. Darunter versteht Desmet eine Angst, die nicht an etwas Konkretes gebunden ist (es fehlt also ein konkreter Angstausl&ouml;ser wie Gewitter, Spinnen, Schlangen, Krieg, Armut usw.). So entstehen viel ungebundene Frustration und Aggression:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und Reizbarkeit ist logisch und wurde auch empirisch nachgewiesen. Der Mensch, gequ&auml;lt von sozialer Abstumpfung, Mangel an Sinngebung, unbestimmter Angst und Unbehagen, f&uuml;hlt sich in der Regel zunehmend reizbar, frustiert und\/oder aggressiv und sucht nach Objekten, an denen er seine Angst abreagieren kann. (&hellip;). Was Massenbildung beschleunigt, sind nicht so sehr die Frustration und die Aggression, die tats&auml;chlich abreagiert werden, sondern es ist vielmehr das Potenzial an nicht abreagierter Aggression, das in der Bev&ouml;lkerung vorhanden ist, der Aggression, <strong>die noch auf der Suche nach einem Objekt ist<\/strong>.&ldquo; ( S. 129)\n<\/p><\/blockquote><p>An dieser Stelle wird auch deutlich, welche psychologischen Folgen es hat, wenn es keine wirklich funktionierende Opposition gibt oder eine demokratische Opposition in der Bev&ouml;lkerung (man denke an die Demonstration im bayrischen Erding gegen das neue Heizungsgesetz) von den Medien und den liberalen Eliten regelm&auml;&szlig;ig als rechtsradikal und verfassungsfeindlich denunziert wird: Die Aggression steigt nat&uuml;rlich. Umgekehrt l&auml;ge ein enormes Befriedungspotenzial f&uuml;r die Gesellschaft darin, wenn es wirklich wieder alternative politische Angebote g&auml;be und nicht die seit Jahren existierende neoliberale Querfront, die von den Gr&uuml;nen und der SPD &uuml;ber FDP und CDU\/CSU bis zur AfD reicht. Und dabei habe ich die neoliberalen Tendenzen in der Linkspartei noch g&uuml;tigerweise nicht miteinbezogen. Man stelle sich vor, man k&ouml;nnte im Bundestag harte Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regierung &uuml;ber <em>echte<\/em> politische Alternativen sehen und h&ouml;ren, wie es zu Zeiten von Brandt, Wehner, Strau&szlig; und Kohl der Fall war. Es h&auml;tte etwas enorm Befreiendes.<\/p><p>&bdquo;<strong>Eine enorme Befriedigung, die sich die Masse so leicht nicht nehmen l&auml;sst&ldquo;<\/strong><\/p><p>Was passiert nun, wenn die &bdquo;frei flottierende&ldquo; Angst sich an ein Objekt binden kann? Es f&uuml;hrt auf mehreren Ebenen zu einem psychologischen Gewinn: Einerseits wird die Angst psychisch beherrschbar, weil sie jetzt mit einem Objekt verbunden ist und man dieses Objekt bek&auml;mpfen oder auch meiden kann. Dies wiederum hat weitere psychologische Vorteile:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zweitens findet die auseinanderfallende Gesellschaft durch den gemeinsamen Kampf gegen &sbquo;den Feind&lsquo; wieder zu minimalem Zusammenhalt, Energie und rudiment&auml;rer Sinngebung. Der Kampf gegen das Objekt der Angst wird dadurch zu einer mit Pathos und Gruppenheroik geladenen Mission (siehe die von der belgischen Regierung initiierte Kampagne &sbquo;1 Team von 11 Millionen&lsquo;, welches gegen das Coronavirus zu Felde zieht). Drittens kann in diesem Kampf alle latent schwelende Frustration und Aggression abreagiert werden &ndash; insbesondere an der Gruppe, die sich der Erz&auml;hlung und der Massenbildung nicht anschlie&szlig;en will &ndash; was eine enorme Befriedigung mit sich bringt, die sich die Masse so leicht nicht nehmen l&auml;sst.&ldquo; (S. 129-130)\n<\/p><\/blockquote><p>Ganz exakt dies konnte man in Deutschland beobachten. Ich kenne F&auml;lle, in denen Ungeimpfte als asoziale Kriminelle beschimpft wurden. In Gespr&auml;chen, die ich beobachtet habe, wurde &uuml;ber das Impfen gesprochen, als handle es sich um einen religi&ouml;sen Akt von Gl&auml;ubigen &ndash; als ginge es um Gottes Segen. Und wie bei einer Religion wollten die Gl&auml;ubigen die Ungl&auml;ubigen am liebsten exkommunizieren (aus der Gemeinschaft ausschlie&szlig;en). So zum Beispiel der Journalist Nikolaus Blome. Er ist Ressortleiter Politik und Gesellschaft bei der Zentralredaktion der RTL-Mediengruppe Deutschland und Kolumnist bei <em>spiegel.de<\/em>. Sie werden ihn vielleicht schon mal im Fernsehen in Talkshows gesehen haben. Er schrieb in einer <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/impfpflicht-was-denn-sonst-a-2846adb0-a468-48a9-8397-ba50fbe08a68\">Kolumne<\/a> auf <em>spiegel.de<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/impfpflicht-was-denn-sonst-a-2846adb0-a468-48a9-8397-ba50fbe08a68\">siehe hier<\/a>) Folgendes:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich hingegen m&ouml;chte an dieser Stelle ausdr&uuml;cklich um gesellschaftliche Nachteile f&uuml;r all jene ersuchen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten. M&ouml;ge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten: Blome forderte dazu auf, Menschen, die ihr Grundrecht auf k&ouml;rperliche Unversehrtheit in Anspruch nahmen, zu diskriminieren und vom gesellschaftlichen Leben auszuschlie&szlig;en. Er ist ein gutes Beispiel f&uuml;r die Psychologie der Massenbildung, die Desmet in seinem Buch beschreibt. An seinem Beispiel kann man noch etwas erkennen: Auch gebildete, kultivierte und intelligente Menschen, und nat&uuml;rlich auch Wissenschaftler, sind anf&auml;llig daf&uuml;r, mit der Masse mitzulaufen &ndash; ein Aspekt, der einem in Bezug auf politische Bildung zu denken geben sollte. Rationale Argumentation und Information haben offenbar ihre Grenzen und bewirken keineswegs immer etwas. Der Fairness halber m&ouml;chte ich noch anmerken: Blome war bei Weitem nicht der einzige Journalist, Intellektuelle, Wissenschaftler oder K&uuml;nstler, der in derartiger Weise gegen Mitb&uuml;rger gehetzt hat.<\/p><p><strong>Das Gemeinschaftserlebnis ist der Motor der Massenbildung<\/strong><\/p><p>Zur&uuml;ck zum psychologischen Gewinn der Massenbildung: Desmet beschreibt diesen wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;So schwenkt ein Individuum von einem h&ouml;chst aversiven (widerst&auml;ndigen; UB) und schmerzlichen psychologischen Zustand der sozialen Isolation um in die maximale Verbundenheit, die in der Masse existiert. Das sorgt f&uuml;r eine Art Rausch, der die eigentliche Motivation ist, dem massenbildenden Narrativ zu folgen.&ldquo; (S. 130)\n<\/p><\/blockquote><p>Dabei, so Desmet, spiele es gar keine Rolle, was genau der Inhalt ist, um den es geht. Entscheidend sei nicht, was gedacht werde, sondern dass man es <em>zusammen<\/em> denkt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Auf diese Weise wird die Masse dazu gebracht, selbst die absurdesten Ideen f&uuml;r wahr zu halten oder doch zumindest so zu handeln, als ob sie wahr w&auml;ren. (&hellip;) Die Masse &sbquo;glaubt&lsquo; an die Erz&auml;hlung, nicht weil sie wahr ist, sondern weil sie ein neues Gef&uuml;hl der Verbundenheit erzeugt.&ldquo; (S. 130-131)\n<\/p><\/blockquote><p>Und wie in der Religion geht es dabei um Rituale, die den Gruppenzusammenhalt st&auml;rken. Rituale seien ein symbolisches Verhalten, das dem Ziel diene, das Individuum der Gruppe zu unterwerfen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Man denke an die rituellen Opfer von Speisen, Tieren und Menschen in primitiven Gesellschaften. Das ist genau der Grund, warum die Absurdit&auml;t der Coronama&szlig;nahmen bei einem bestimmten Teil der Bev&ouml;lkerung auf keinerlei Widerstand stie&szlig;. In gewissem Sinne kann man sogar sagen: Je absurder die Ma&szlig;nahmen und je mehr sie einem abverlangen, desto besser erf&uuml;llen sie die Funktion eines Rituals und desto enthusiastischer werden diese Menschen ihnen folgen (man denke nur an die Tatsache, dass manche eine Maske tragen, wenn sie allein im Auto sitzen) (S. 131). Anmerkung UB: Desmet schreibt dies in der Gegenwartsform, weil er sein Buch w&auml;hrend der Coronazeit schrieb.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der psychogene Tod &ndash; die Wirkung psychischer Faktoren auf den K&ouml;rper<\/strong><\/p><p>Interessant in diesem Zusammenhang: Desmet zeigt anhand konkreter Beispiele, dass Menschen allein an geistigen Vorstellungen sterben k&ouml;nnen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In der Anthropologie ist es eine bekannte Tatsache, dass in sogenannten primitiven Gesellschaften Menschen sterben k&ouml;nnen, nachdem ein Schamane einen Fluch &uuml;ber sie verh&auml;ngt hat. (&hellip;) Derartige Todesf&auml;lle wurden vielfach beobachtet und sind in der Literatur als &sbquo;psychogener Tod&lsquo; bekannt. Henri Ellenberger f&uuml;hrt pr&auml;zisierend an, dass es wichtig sei, dass <strong>die ganze Gemeinschaft<\/strong>, zu der Schamane und Opfer geh&ouml;ren, an die Autorit&auml;t des Schamanen glaubt. (&hellip;) Vielleicht gilt das ja f&uuml;r einen irrationalen Primitiven, der dem magischen Denken noch nicht entwachsen ist, aber doch nicht f&uuml;r einen rationalen westlichen Menschen im 21. Jahrhundert? Nichts ist weniger wahr. Es gibt zahlreiche Beobachtungen, die zeigen, dass der westliche Mensch in seinem k&ouml;rperlichen Funktionieren solchen Ph&auml;nomenen ebenso unterworfen ist.&ldquo; (S. 218-219)\n<\/p><\/blockquote><p>Desmet f&uuml;hrt dann als Beispiele den Placebo- und Nonplaceboeffekt an. Er berichtet von einer An&auml;sthesistin, die an der Universit&auml;tsklinik L&uuml;ttich Patienten auch f&uuml;r gro&szlig;e Operationen wirkungsvoll mittels Hypnose bet&auml;ubt. Oder dass &Auml;rzte im Zweiten Weltkrieg, als ihnen das Morphium ausging, auf die Idee kamen, Soldaten vor der Amputation wenigstens ein bisschen mit einer gespritzten Kochsalzl&ouml;sung zu beruhigen &ndash; und dann erstaunt feststellten, dass die meisten Soldaten genauso gut bet&auml;ubt waren wie mit Morphium. Wenn man das liest, kommt einen der Gedanke, dass wir ja auch &bdquo;Schamanen&ldquo; haben. Nur dass unsere Schamanen &bdquo;&Auml;rzte&ldquo;, &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; oder &bdquo;Experten&ldquo; hei&szlig;en. Und tats&auml;chlich schreibt Desmet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Mechanismus beim psychogenen Tod, bei der hypnotischen Sedierung und bei Placebos ist, n&auml;her betrachtet, immer derselbe: Eine Autorit&auml;tsfigur erweckt eine starke mentale Vorstellung beim adressierten Individuum. Diese Vorstellung kann positiv (z. B. Heilung) oder negativ (sterben, krank werden&hellip;) sein, aber sie muss lebendig und klar im Erleben pr&auml;sent sein und sie muss die Aufmerksamkeit von allen anderen Vorstellungen abziehen. Daraufhin &sbquo;schmilzt&lsquo; der K&ouml;rper gleichsam in diese Vorstellung hinein; er nimmt die Form oder den Zustand dieser Vorstellung an, das hei&szlig;t, er wird gesund, er stirbt, er wird krank usw.&ldquo; (S. 221)\n<\/p><\/blockquote><p>Insofern ist die Vermutung nicht abwegig, dass die von der Bundesregierung bewusst gef&ouml;rderte Angst in Bezug auf das Coronavirus bei vielen Menschen das Immunsystem geschw&auml;cht und die Ausbreitung des Virus gef&ouml;rdert hat.<\/p><p><strong>Res&uuml;mee<\/strong><\/p><p>Es g&auml;be noch sehr viel Interessantes aus Desmets Buch zu erz&auml;hlen, aber das w&uuml;rde den Rahmen einer Rezension sprengen. Ich kann hier nur auf einen Ausschnitt des Buches eingehen. Deshalb meine Empfehlung: Lesen Sie das Buch. Es lohnt sich! Sie werden vieles pl&ouml;tzlich verstehen und mit anderen Augen sehen.<\/p><p>Das Buch ist aber auch eine deutliche Warnung, und damit komme ich auf meine Frage in der &Uuml;berschrift zur&uuml;ck: Kann ein demokratisches Land wie Deutschland totalit&auml;r sein? Und erg&auml;nzend: War die Coronapolitik eine totalit&auml;re Politik? Man muss leider beide Fragen mit &bdquo;Ja&ldquo; beantworten. In der Coronakrise haben wir eindeutig eine Phase gef&auml;hrlich totalit&auml;rer Politik erlebt, wie sie es in einem demokratischen Staat eigentlich nicht h&auml;tte geben d&uuml;rfen. Leider gilt noch immer der Brecht&rsquo;sche Satz: Der Scho&szlig; ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch. Und dabei sollte man eines zur Kenntnis nehmen: Die begeistertsten Anh&auml;nger einer totalit&auml;ren Corona-Politik fanden sich nicht bei den &uuml;blichen Verd&auml;chtigen auf der rechten Seite des politischen Spektrums, sondern ausgerechnet bei den &bdquo;linksliberalen&ldquo; Eliten. Diese sind offenbar sehr anf&auml;llig f&uuml;r eine autorit&auml;r-repressive Politik und das Ph&auml;nomen der Massenbildung.<\/p><p><em>Mattias Desmet: Die Psychologie des Totalitarismus, Europaverlag 2023, 270 Seiten, 24,00 Euro<\/em><\/p><p><em><strong>Udo Brandes<\/strong> ist Diplom-Politologe, Journalist und Buchautor. Im Juli erschien sein Buch &bdquo;Wenn die Jagd nach Erfolg das Leben zur H&ouml;lle macht&ldquo;, das <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Wenn-Erfolg-Leben-H%C3%B6lle-macht\/dp\/B0C9SGWTT4\/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=30IMSDO6ZCB7P&amp;keywords=udo+brandes+erfolg&amp;qid=1691240048&amp;s=books&amp;sprefix=udo+brandes+erfolg%2Cstripbooks%2C155&amp;sr=1-1\">&uuml;ber Amazon bestellt werden kann.<\/a> Das erste Kapitel k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100521\">hier auf den NachDenkSeiten lesen<\/a>. Zur Zeit arbeitet er an einem Buch &uuml;ber das Thema &bdquo;Macht&ldquo;.<\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/f9f9bfcdd16d49878da904d833e8bbbb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Totalitarismus sei kein Zufall und bilde sich nicht in einem Vakuum. Der Ursprung liege im Ph&auml;nomen der &bdquo;Massenbildung&ldquo;, einer Art kollektiver Hypnose. Das meint der belgische Psychologe Mattias Desmet. Er sieht auch in der Corona-Politik eine Form von hypnotischer Massenbildung. Unser Autor <strong>Udo Brandes<\/strong> hat sein Buch <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/die-psychologie-des-totalitarismus.html?listtype=search&amp;searchparam=Mattias%20desmet%20Die%20Psychologie%20des%20Totalitarismus\">&bdquo;Die Psychologie des Totalitarismus&ldquo;<\/a> f&uuml;r die NachDenkSeiten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103829\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":103831,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,201,208,11],"tags":[3058,2778,3260,922],"class_list":["post-103829","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-ideologiekritik","category-rezensionen","category-strategien-der-meinungsmache","tag-diffamierung","tag-einsamkeit","tag-feindbild","tag-totalitarismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/230916_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/103829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=103829"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/103829\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103917,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/103829\/revisions\/103917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/103831"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=103829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=103829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=103829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}