{"id":104025,"date":"2023-09-19T10:30:10","date_gmt":"2023-09-19T08:30:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104025"},"modified":"2023-09-25T06:47:19","modified_gmt":"2023-09-25T04:47:19","slug":"waermepumpendesaster-mit-ansage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104025","title":{"rendered":"W\u00e4rmepumpendesaster mit Ansage"},"content":{"rendered":"<p>Wenn sich die Vertreter der deutschen W&auml;rmepumpenhersteller heute mit Robert Habeck zum dritten &bdquo;W&auml;rmepumpengipfel&ldquo; im Wirtschaftsministerium treffen, d&uuml;rfte die Stimmung miserabel sein. Trotz oder besser wegen des katastrophal kommunizierten &bdquo;Heizungsgesetzes&ldquo; lahmt der Absatz von W&auml;rmepumpen. Im ersten Halbjahr wurden rund 70 Prozent weniger W&auml;rmepumpen verkauft als im Vorjahreszeitraum. Gr&uuml;nde daf&uuml;r gibt es viele und die meisten sind hausgemacht. Das Hauptproblem ist und bleibt aber der irreal hohe Strompreis, der eine W&auml;rmepumpe &ouml;konomisch unattraktiv macht. Wenn die Ampel hier nicht bald reagiert, droht der deutschen W&auml;rmepumpenbranche ein Desaster. Die ostasiatische Konkurrenz steht bereits in Lauerstellung und k&ouml;nnte den Markt k&uuml;nftig dominieren. Nach der Pleite der Solar- und der Windenergiebranche droht dem Standort Deutschland damit die dritte strukturpolitische Katastrophe bei den erneuerbaren Energien. Das ist keine gr&uuml;ne, sondern einfach nur dumme Politik. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5117\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-104025-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230919_Waermepumpendesaster_mit_Ansage_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230919_Waermepumpendesaster_mit_Ansage_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230919_Waermepumpendesaster_mit_Ansage_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230919_Waermepumpendesaster_mit_Ansage_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=104025-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230919_Waermepumpendesaster_mit_Ansage_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230919_Waermepumpendesaster_mit_Ansage_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die W&auml;rmepumpe ist zu einem Politikum geworden. Daran ist jedoch nicht die Technik selbst, sondern die Politik schuld. Heute steht die W&auml;rmepumpe in der &ouml;ffentlichen Debatte nicht f&uuml;r eine in vielen (aber nicht in allen) F&auml;llen durchaus sinnvolle neue Heiztechnologie, sondern f&uuml;r die vor allem von den Gr&uuml;nen gelebte Arroganz gegen&uuml;ber Millionen Hausbesitzern. Der Kardinalfehler dabei ist, dass die Politik lieber auf rechtliche und &ouml;konomische Zw&auml;nge setzt, die f&uuml;r einen gro&szlig;en Teil der Menschen mit Kosten verbunden sind, die sie einfach nicht stemmen k&ouml;nnen. Hinzu kommt ein selbstverschuldetes Kommunikationsdesaster. Potenzielle Kunden von W&auml;rmepumpen spekulieren nun auf neue F&ouml;rderungen und vor allem auf sinkende Preise und warten mit der Anschaffung erst einmal ab. Zu recht, denn dass die Preise mittel- bis langfristig deutlich sinken werden, ist <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/wirtschaft\/-waermepumpen-preise-sinken-heizung-umbau-100.html\">kein Geheimnis<\/a>, und da die Neufassung des &bdquo;Heizungsgesetzes&ldquo; die Deadlines nach hinten verschoben hat und nun Gemeinden und St&auml;dte erst einmal ihre W&auml;rmeplanung erstellen und vorlegen sollen, ist es f&uuml;r Hausbesitzer vollkommen rational, erst einmal abzuwarten.<\/p><p>F&uuml;r die deutschen W&auml;rmepumpenhersteller ist dieses Abwarten jedoch fatal. Ihre Ger&auml;te sind n&auml;mlich meist teurer als die der ostasiatischen Konkurrenz. Die kann von Skaleneffekten profitieren, die sich vor allem aus der technischen N&auml;he von W&auml;rmepumpen und Klimaanlagen ergibt &ndash; bei denen sind die Hersteller aus S&uuml;dkorea und Japan Weltmarktf&uuml;hrer und chinesische Hersteller steigern Jahr f&uuml;r Jahr ihre Marktanteile. Zurzeit haben die deutschen Hersteller jedoch trotz der meist h&ouml;heren Preise auf dem eigenen Markt noch einen &bdquo;Heimvorteil&ldquo;, da diese Hersteller auch klassische &Ouml;l- und Gasheizungen anbieten und daher bestens mit den Sanit&auml;rbetrieben vor Ort vernetzt sind, die letztlich bei der Wahl des Ger&auml;tetyps mitentscheidend sind &ndash; so wird sich der Sanit&auml;rbetrieb vor Ort weigern, ein preiswertes chinesisches Produkt einzubauen, f&uuml;r das seine Monteure nicht geschult sind und f&uuml;r das er im Fall eines Defekts weder &uuml;ber Expertise noch &uuml;ber eine zuverl&auml;ssige Ersatzteillogistik verf&uuml;gt.<\/p><p>Doch dieser Heimvorteil ist ein Vorteil auf Zeit und es gibt zwei denkbare Szenarien: Wenn es f&uuml;r die deutschen Hersteller gut l&auml;uft, boomt in den n&auml;chsten Jahren der Absatz, sie k&ouml;nnen ihre Dominanz in einem schnell wachsenden Markt verteidigen und selbst Skaleneffekte nutzen, um konkurrenzf&auml;hige Preise anzubieten. Oder es l&auml;uft schlecht, die bereits vorgenommenen Investitionen lassen sich nicht &uuml;ber steigende St&uuml;ckzahlen wieder reinholen und die Konkurrenz aus Ostasien erobert so mittel- bis langfristig den Markt. Zurzeit deuten die Zahlen darauf hin, dass es auf ein Worst-Case-Szenario f&uuml;r die deutschen Hersteller hinausl&auml;uft. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230919-Waermepumpendesaster-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230919-Waermepumpendesaster-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Quelle: WELT<\/small><\/p><p>Angepeilt war der Absatz von bis zu einer Million Pumpen pro Jahr, wobei 500.000 verkaufte Exemplare f&uuml;r dieses Jahr die politische Zielmarke sind. Die <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/immobilien\/plus247541746\/Energiewende-Die-seltsamen-Billigstrom-Wuensche-der-Waermepumpen-Lobby.html?source=puerto-reco-2_ABC-V32.5.D_ctrl_validation\">aktuellen Zahlen<\/a> sehen jedoch so aus, dass es in diesem Jahr nur 350.000 werden. Gleichzeitig steigt der Anteil von Gasheizungen um fast 30 Prozentpunkte und mit fast 60 Prozent liegt der Anteil von Gasheizungen sogar bei den Neuinstallationen wieder vor der W&auml;rmepumpe. Zum Teil d&uuml;rfte dies schlichtweg daran liegen, dass im konkreten Fall die W&auml;rmepumpe &ouml;konomisch keine echte Alternative ist. Meist nehmen sich Gasheizung und W&auml;rmepumpe &ndash; wenn man die &uuml;ppigen Subventionen mit einrechnet &ndash; &ouml;konomisch nicht allzu viel und letztlich ist die Gasheizung &bdquo;nur&ldquo; deshalb die rationalere L&ouml;sung, weil die Unterhaltskosten beider Heizungstechnologien sich nicht viel nehmen. Genau an diesem Punkt k&ouml;nnte und m&uuml;sste eine kluge Wirtschaftspolitik auch ansetzen; und zwar nicht durch eine wahrscheinlich schon bald kommende Verteuerung des Gaspreises, sondern durch eine deutliche Verbilligung des Strompreises.<\/p><p><em>Zu den Hintergr&uuml;nden zum Strompreis lesen Sie bitte den Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89917\">&bdquo;Strompreisdeckel &ndash; W&uuml;rden die Menschen das Strompreissystem verstehen, h&auml;tten wir eine Revolution noch vor morgen fr&uuml;h&ldquo;<\/a>  <\/em><\/p><p>Die Rahmendaten f&uuml;r die k&uuml;nftigen Strompreise hatte ich bereits im Juli <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101243\">in einem Artikel<\/a> &uuml;berschlagen. Eine W&auml;rmepumpe mit gutem Wirkungsgrad verbraucht f&uuml;r 10 kW Heizleistung rund 7.100 KWh Strom. Wenn der Strompreis &ndash; wie abzusehen ist &ndash; in den n&auml;chsten Jahren auf 60 Cent pro KWh steigt, entspricht dies 4.260 Euro pro Jahr bzw. 355 Euro pro Monat. W&uuml;rde man den Strom f&uuml;r W&auml;rmepumpen aus dem Merit-Order-Prinzip herausnehmen, w&auml;ren 26 bis 29 Cent pro KWh m&ouml;glich. W&uuml;rde man dann auch noch keine CO2-Zertifikate f&uuml;r diesen Strom erheben, w&auml;ren sogar 22 Cent pro kWh durchaus realistisch. Die monatliche Stromgeb&uuml;hr f&uuml;r die W&auml;rmepumpen-Heizung aus der oben genannten &Uuml;berschlagsrechnung w&uuml;rde dann auf 130 Euro pro Monat sinken. W&uuml;rde man diesen Strom auch noch von Steuern, Abgaben und Umlagen befreien, k&auml;me man auf rund die H&auml;lfte, also rund 65 Euro pro Monat. Was w&auml;ren die Folgen? Die Menschen m&uuml;ssten bei solchen Preisen nicht mehr gezwungen werden, sich eine W&auml;rmepumpe einzubauen, sondern w&uuml;rden den Sanit&auml;rbetrieben wohl freiwillig die T&uuml;r einrennen. Zu sch&ouml;n, um wahr zu sein? <\/p><p>Technisch w&auml;re dies kein Problem. Man k&ouml;nnte W&auml;rmepumpen ohne Probleme mit einem eigenen Stromz&auml;hler &uuml;ber einen Sondertarif versorgen. Ein weiterer Vorteil w&auml;re, dass diese Subventionierung nicht zu Lasten anderer Verbraucher ginge, die &bdquo;noch&ldquo; mit Gas, &Ouml;l oder anderen Energietr&auml;gern heizen, und damit sozialvertr&auml;glich und &bdquo;unideologisch&ldquo; w&auml;re. Die Einzigen, die diesen Vorschlag vehement ablehnen w&uuml;rden, sind die Profiteure des jetzigen Systems &ndash; die Energiekonzerne, die Energieh&auml;ndler und der Bundesfinanzminister, der sich mit den Steuern und Abgaben zurzeit sprichw&ouml;rtlich dumm und d&auml;mlich verdient. <\/p><p>Energie- und Heizwende w&auml;ren also durchaus m&ouml;glich, ohne dass die Verbraucher gro&szlig;artig zus&auml;tzlich belastet w&uuml;rden. Doch dazu wird es leider nicht kommen. Die Gr&uuml;nen verfolgen die Ideologie, nicht &uuml;ber niedrige, sondern &uuml;ber hohe Preise das Verhalten zu steuern. Nicht Belohnung f&uuml;r erw&uuml;nschtes, sondern Bestrafung f&uuml;r unerw&uuml;nschtes Verhalten ist hier die Devise. F&uuml;r die FDP wiederum ist der &ndash; bei n&auml;herer Betrachtung alles andere als &ndash; freie Markt eine heilige Kuh. Die Bepreisung eines kompletten Energietr&auml;gers von den Marktmechanismen zu entkoppeln, w&auml;re f&uuml;r sie ein Sakrileg. Die SPD wiederum ist traditionell bestens vernetzt mit den Energiekonzernen und auf unterer Ebene mit den Stadtwerken. Beide profitieren von hohen Preisen. Um es zuzuspitzen: Die Interessen der B&uuml;rger laufen hier den Interessen der Ampel diametral entgegen. Und so sind steigende Preise und ein Exodus eines eigentlich zukunftsf&auml;higen Technologiesektors f&uuml;r den Standort wohl vorprogrammiert. Daran wird auch der x-te &bdquo;W&auml;rmepumpengipfel&ldquo; nichts &auml;ndern. <\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104239\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: JPC-PROD\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/d8df0ab01bb8455f93c3f169459b6570\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich die Vertreter der deutschen W&auml;rmepumpenhersteller heute mit Robert Habeck zum dritten &bdquo;W&auml;rmepumpengipfel&ldquo; im Wirtschaftsministerium treffen, d&uuml;rfte die Stimmung miserabel sein. Trotz oder besser wegen des katastrophal kommunizierten &bdquo;Heizungsgesetzes&ldquo; lahmt der Absatz von W&auml;rmepumpen. Im ersten Halbjahr wurden rund 70 Prozent weniger W&auml;rmepumpen verkauft als im Vorjahreszeitraum. 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