{"id":104183,"date":"2023-09-22T09:00:51","date_gmt":"2023-09-22T07:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104183"},"modified":"2023-09-22T16:37:53","modified_gmt":"2023-09-22T14:37:53","slug":"wachstum-pervers-die-neuen-dealmaker-der-deutschen-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104183","title":{"rendered":"Wachstum pervers: Die neuen \u201eDealmaker\u201c der deutschen Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Teure US-Berater organisieren die De-Industrialisierung und Verarmung Deutschlands. Von <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1533\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-104183-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230922-Wachstum-pervers-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230922-Wachstum-pervers-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230922-Wachstum-pervers-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230922-Wachstum-pervers-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=104183-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230922-Wachstum-pervers-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230922-Wachstum-pervers-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Kapital-Postille <em>Handelsblatt<\/em> kann sich gar nicht genug einkriegen: Auf sieben Seiten feiert sie in einer Titelgeschichte &bdquo;die Dealmaker der deutschen Wirtschaft&ldquo; (Wochenend-Ausgabe 15.-17.9.2023). Vorgestellt werden 24 Investmentbanken, Anwaltsfirmen, Unternehmensberatungen, PR-Agenturen, jeweils mit ihren Deutschland-Filialen und bekanntesten Vertretern. Die Wirtschaft schrumpft &ndash; und die Berater verdienen sich dumm und d&auml;mlich: Besteht da vielleicht ein Zusammenhang? Dieser Frage geht das <em>Handelsblatt<\/em> nat&uuml;rlich nicht nach.<\/p><p><strong>Vorherrschaft der US-Berater<\/strong><\/p><p>Schauen wir deshalb mal genauer hin: Von den 24 Beratungsunternehmen sind 22 die deutschen Filialen von Unternehmen aus den USA. Sie sind es, die die deutsche Wirtschaft umkrempeln, vielfach schon seit zwei Jahrzehnten, der allgemeinen und politischen &Ouml;ffentlichkeit weithin unbekannt. Sie wollen, sollen jetzt f&uuml;r die &bdquo;digital-nachhaltige Transformation&ldquo; deutsche Unternehmen noch mehr als bisher schon bei Verk&auml;ufen und beim Einstieg von internationalen Investoren sowie beim Abgreifen von deutschen staatlichen Subventionen beraten und die Vertr&auml;ge aushandeln.<\/p><p>Der deutsche Bundeskanzler und der deutsche Wirtschafts- und Umweltminister und der deutsche Finanzminister wollen &bdquo;die deutsche Wirtschaft&ldquo; umweltgerecht und digitalisiert neu voranbringen. Aber wie sieht diese Wirtschaft mit diesen Beratern dann aus? Und wenn dazu der Bundeshaushalt sowieso ein Kriegshaushalt ist, nach US-Vorgaben? Und wenn der Bundeshaushalt zum Beispiel allein f&uuml;r Intel in Magdeburg mit 10 Milliarden Euro zus&auml;tzlich &uuml;berschuldet wird, w&auml;hrend die Gewinne in die USA flie&szlig;en?<\/p><p>Schauen wir uns einige &bdquo;Erfolge&ldquo; an, die das <em>Handelsblatt<\/em> aus der aktuellen T&auml;tigkeit der Berater feiert.<\/p><p><strong>Beraten von Goldman Sachs: Viessmann verkauft an Carrier Global<\/strong><\/p><p>2017 feierte Viessmann sein 100-j&auml;hriges Firmenjubil&auml;um. Bundeskanzlerin Angela Merkel war vor Ort und lobte das erfolgreiche deutsche Vorzeige-Unternehmen. Mit Heiztechnik, mit Klima- und K&uuml;hlger&auml;ten, mit W&auml;rmepumpen war Viessmann gro&szlig; geworden und hatte angefangen, auch in der EU zu expandieren.<\/p><p>Aber mit dem <em>European Green Deal<\/em>, beraten von BlackRock, mit der W&auml;rmepumpen-F&ouml;rderung durch die deutsche Regierung wurde Viessmann f&uuml;r einen viel gr&ouml;&szlig;eren Hersteller von Klimatechnik interessant: f&uuml;r den US-Branchenf&uuml;hrer Carrier Global Company mit Sitz im US-Bundesstaat Florida. Carrier bekommt in den USA aus dem <em>Inflation Reduction Act<\/em> noch ungleich h&ouml;here Subventionen als Viessmann in Deutschland.<\/p><p>So kaufte Carrier mit seinen bisher 55.000 Besch&auml;ftigten die 11.000 Besch&auml;ftigten von Viessmanns Hauptbereich Klimal&ouml;sungen: Er macht 85 Prozent des Umsatzes aus, dazu geh&ouml;ren vor allem die W&auml;rmepumpen. Carrier will mithilfe der Viessmann-Technologie und des von Viessmann schon bisher belieferten Marktes &bdquo;die Klima- und Energie-Transformation der EU vorantreiben&ldquo;. Da freut sich die Viessmann-Gr&uuml;nderfamilie &uuml;ber den Kaufpreis von 12 Mrd., der teilweise in bar und teilweise in Carrier-Aktien ausgezahlt wird. 7 Prozent der Carrier-Aktien geh&ouml;ren nun Viessmann. Und der Viessmann-Chef Maximilian Viessmann darf nun im 10-k&ouml;pfigen Board von Carrier mitmachen.<\/p><p>Und wer waren die Dealmaker? &bdquo;Strippenzieher&ldquo; f&uuml;r Viessmann war Christopher Droege von der Deutschland-Filiale der US-Investmentbank Goldman Sachs. Dazu war eingeschaltet die New Yorker Kanzlei Davis Polk, daneben die US-vernetzte deutsche Kanzlei Hengeler M&uuml;ller. Und Carrier in Florida hatte die US-Investmentbank JPMorgan und die US-Kanzlei Linklaters beauftragt. Da waren auf beiden Seiten die US-Berater unter sich.<\/p><p>Und wer sind die f&uuml;hrenden Aktion&auml;re von Carrier, an die nun auch der gr&ouml;&szlig;ere Teil der mithilfe von Viessmann erwirtschafteten Gewinne flie&szlig;t? Ja, richtig geraten, wie aus dem Bilderbuch: Vanguard, Capital Group, BlackRock, State Street, Geode Capital, T. Rowe Price, Dodge &amp; Cox, Fisher Asset Management, in dieser Reihenfolge.<\/p><p><strong>Beraten von Freshfields: Vonovia kauft Deutsche Wohnen<\/strong><\/p><p>Auf Einladung der Bundesregierung unter Kanzler Schr&ouml;der\/SPD und Vizekanzler Fischer\/Gr&uuml;ne hatten seit der Jahrtausendwende US-&bdquo;Heuschrecken&ldquo; st&auml;dtische Wohnungen zu Schleuderpreisen aufgekauft. Damit begann mit der damals &auml;hnlich zusammengesetzten Bundesregierung wie heute die &bdquo;Zeitenwende&ldquo; f&uuml;r das Wohnen in Deutschland. Nach der Finanzkrise, von der sie selbst gar nicht betroffen waren, kauften dann die Kapital-Aufsteiger BlackRock &amp; Co. die &uuml;berschuldeten &bdquo;Heuschrecken&ldquo;-Best&auml;nde auf und bildeten daraus die noch viel gr&ouml;&szlig;eren privaten Wohnungskonzerne Vonovia, Deutsche Wohnen und LEG (LEG = Landes-Entwicklungs-Gesellschaft, war 2005 von der NRW-Landesregierung an eine US-&bdquo;Heuschrecke&ldquo; verkauft worden).<\/p><p>Weil BlackRock &amp; Co. dann gleichzeitig an allen drei Wohnungskonzernen die f&uuml;hrenden Aktion&auml;re waren, war das schon damals ein einzigartiges Monopol. Dabei blieb es aber bei dieser nun mal auch politisch gef&ouml;rderten Logik nicht. Deshalb kaufte im Jahr 2021 nach mehreren Anl&auml;ufen der gr&ouml;&szlig;te Wohnungskonzern in Deutschland, Vonovia, den zweitgr&ouml;&szlig;ten Wohnungskonzern in Deutschland, Deutsche Wohnen. Das ist jetzt unter dem Namen Vonovia mit 550.000 Wohnungen und Gewerbeimmobilien und Parkpl&auml;tzen nicht nur der weitaus gr&ouml;&szlig;te Wohnungskonzern in Deutschland, den es jemals gab, sondern auch in der EU.<\/p><p>Das deutsche Kartellamt und die von Merkel\/CDU und dann von Scholz\/SPD gef&uuml;hrten Bundesregierungen hatten dagegen nichts einzuwenden. Ergebnis: Mit dieser beispiellosen Marktmacht werden Mieten, Nebenkosten, Preise f&uuml;r Eigentumswohnungen in praktisch allen gr&ouml;&szlig;eren deutschen St&auml;dten in die H&ouml;he getrieben; in den Subunternehmen f&uuml;r Verwaltung und Betrieb wird Personal abgebaut.<\/p><p>Und wer hat Kauf und Verkauf arrangiert, verhandelt? Vonovia holte und bezahlte die US-Kanzlei Freshfields (beliebt zum Beispiel auch bei allen bundesdeutschen Verkehrsministern seit der Autobahnprivatisierung Toll Collect). Deutsche Wohnen holte und bezahlte die US-Kanzlei Sullivan &amp; Cromwell. Die Berater-Mannschaft von Freshfields bestand aus 23 Anw&auml;lten, die Mannschaft von Sullivan &amp; Cromwell aus 10 Anw&auml;lten. Sie bekamen pro Stunde zwischen 600 und 2.000 Euro, und weil viele von ihnen zugleich Miteigent&uuml;mer ihrer Kanzlei sind, sind sie noch am j&auml;hrlichen Gewinn beteiligt, der bei solchen Auftr&auml;gen anf&auml;llt.<\/p><p>Und wer sind die Aktion&auml;re des neuen &bdquo;deutschen&ldquo; Super-Wohnungs-Monopols? Vonovia selbst gibt nur diejenigen an, die &uuml;ber 3 Prozent haben: der norwegische &Ouml;l-Staatskonzern Norges, dann BlackRock und der weltweit aktive Pensionsfonds APG mit Sitz in der Finanzoase Amsterdam sowie die Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank, wobei diese Bank ja auch keine &bdquo;deutsche&ldquo; Bank mehr ist, was die f&uuml;hrenden Aktion&auml;re angeht, da tummeln sich Vanguard, Norges, Goldman Sachs, BlackRock &uuml;ber die Tochterfirma iShares mit deren Finanzprodukt ETF&hellip;<\/p><p><strong>Magdeburg: Baker McKenzie, Linklaters und FGS Global beraten Intel<\/strong><\/p><p>Der US-Chiphersteller Intel aus dem Silicon Valley plant in Magdeburg\/Sachsen-Anhalt zwei neue Chipfabriken, die ab 2027 produzieren sollen. Das ist die gr&ouml;&szlig;te Einzelinvestition eines Unternehmens &uuml;berhaupt im Standort Deutschland. Daf&uuml;r hat Intel mithilfe seiner Berater inoffiziell bereits eine staatliche Subvention von 10 Mrd. Euro zugesagt bekommen. Das stellt allerdings noch nicht die Endforderung dar. Denn mit den heute &uuml;blichen und regierungsamtlich unterst&uuml;tzten Begr&uuml;ndungen fordert Intel wegen steigender Energie- und Baupreise noch mehr. F&uuml;r die ben&ouml;tigten drei Millionen Quadratmeter m&uuml;ssten viele, bisher landwirtschaftlich genutzte B&ouml;den aufgekauft werden.<\/p><p>Staatliche Subventionen, ohne die der heute US-gef&uuml;hrte Kapitalismus, entgegen seiner Markt-Irrlehre, gar nicht mehr handlungsf&auml;hig ist, fordert Intel auch von der EU. Deshalb hat die EU nachgemacht, was die USA vorgemacht haben: Mit dem <em>European Chips Act<\/em> sollen f&uuml;r neue Chip-Produktion etwa auch in Polen, Italien und Frankreich insgesamt 43 Mrd. Euro lockergemacht werden, vor allem f&uuml;r US-gef&uuml;hrte Konzerne.<\/p><p>Und wer sind die Intel-Berater? Die US-Kanzlei Baker McKenzie &ndash; aus der zuf&auml;lligerweise auch die gegenw&auml;rtige Chefin der EZB kommt, Christine Lagarde &ndash; hat f&uuml;r das US-Chipprojekt in Br&uuml;ssel eine Mannschaft aus 20 Anw&auml;lten gebildet. Sie beraten die Europ&auml;ische Kommission, die selbst nicht so genau wei&szlig;, was sie machen soll.<\/p><p>F&uuml;r die Beratung der deutschen Regierung in Berlin hat Intel die US-Kanzlei Linklaters mit etwas kleinerer Mannschaft eingesetzt. Sie bearbeitet auch die Landesregierung von Sachsen-Anhalt. Es geht neben Immobilien-, Vergabe-, Baurechtsfragen um staatliche Zusch&uuml;sse: Alle staatlichen Ebenen sollen Subventionen leisten, neben der EU auch die Bundesregierung, die Landesregierung, auch die Stadt Magdeburg und betroffene Kommunen im Umland. F&uuml;r lokale Nebenfragen hat Intel noch die kleine deutsche Kanzlei Wolter Hoppenberg beauftragt.<\/p><p>F&uuml;r die Interessen von Magdeburg hatte die Stadt vor zwei Jahren den Ex-Oberb&uuml;rgermeister Lutz Tr&uuml;mper\/SPD benannt. Er hat aber im August 2023 sein Amt aufgegeben: Gegen den Einfluss von Baker McKenzie und Linklaters kam er nicht an.<\/p><p><strong>Auch Medien-Beratung<\/strong><\/p><p>Damit der mehrj&auml;hrige Entscheidungsprozess gut f&uuml;r Intel l&auml;uft, hat der Konzern auch eine PR-Agentur beauftragt: FGS Global. Diese Agentur entstand aus der urspr&uuml;nglich deutschen PR-Agentur Hering Schuppener in D&uuml;sseldorf. Sie ging aber mit dem Erfolg dann in FGS Global auf, die ihren Hauptsitz in New York und inzwischen acht Filialen in Europa hat. FGS Global erwarb ihre Verdienste &ndash; im doppelten Sinne &ndash; in Deutschland unter anderem beim erfolgreichen medialen Herunterstufen des VW-Diesel-Skandals, der bald kein Skandal mehr war.<\/p><p>Medien-Beratung bedeutet heute auch: Verhinderung von wichtiger Information. So h&auml;tten wir fast die Frage vergessen, die auch von unseren offensichtlich einschl&auml;gig beratenen privaten wie &ouml;ffentlichen Leitmedien und von &bdquo;unserer&ldquo; Bundesregierung und von der sachsen-anhaltischen Landesregierung immer vergessen wird: Wem geh&ouml;rt eigentlich Intel?<\/p><p>Langweilig, oder? Warum soll es denn wichtig sein, wer &uuml;ber die Produktion entscheidet und wem sowohl die Subventionen wie die Gewinne zuflie&szlig;en? Das ist doch im Kapitalismus sowas von unwichtig, oder? F&uuml;r US-Kapitalisten besonders, oder? F&uuml;r die &ouml;konomische Alphabetisierung also mal ein paar einfache Anfangs-Infos: die f&uuml;hrenden Eigent&uuml;mer von Intel sind, in dieser Reihenfolge: Vanguard, BlackRock, State Street, Geode, Capital Group, Norges &ndash; die kennen Sie ja auch schon bei Viessmann, bei Vonovia&hellip;<\/p><p><strong>Auch Abgeordnete, hohe Beamte wollen mitmachen<\/strong><\/p><p>Das <em>Handelsblatt<\/em> z&auml;hlt noch viele Unternehmen auf, die sich f&uuml;r ihre digital-nachhaltige Transformation von den gelobten Beratern in den letzten Jahren beraten lie&szlig;en: Thyssen-Krupp beim Verkauf der Aufzugssparte, Covestro beim Einstieg des Abu-Dhabi-&Ouml;lkonzerns Adnoc, Lufthansa beim Ein- und Ausstieg von Aktion&auml;ren und bei der staatlichen Rettung, Uniper ebenfalls bei der staatlichen Rettung, RWE und Eon beim Einstieg in die &bdquo;Nachhaltigkeit&ldquo;, und dann noch zum Beispiel REWE, KiK, Henkel, Siemens, Hellofresh, Zalando, Axel Springer, Scout24, BMW, Henkel, Douglas, Aldi undsoweiter&hellip; Auch die Bundesregierung engagiert diese Berater bei den politischen Narrativen Nachhaltigkeit und Digitalisierung, spricht aber nicht dar&uuml;ber.<\/p><p>In der Regel werden mehrere dieser Berater gleichzeitig engagiert, f&uuml;r PR, Finanzierung, Subventionen, Arbeitsrechte, Teilverkauf, Auslagerungen. F&uuml;r die Beratung des nicht b&ouml;rsennotierten Mittelstands &ndash; in besseren Zeiten gefeiert als &bdquo;R&uuml;ckgrat der deutschen Wirtschaft&ldquo; &ndash; nennt das <em>Handelsblatt<\/em> die sowieso schon seit der Jahrtausendwende aktiven &bdquo;Heuschrecken&ldquo;-Investoren Blackstone, KKR, CVC, Bain, Permira: Die haben jetzt noch mehr zu tun, und ebenso die &ouml;ffentlich so gut wie unbekannten Privatbanken Lazard und Rothschild.<\/p><p>Die Berater schwimmen in Auftr&auml;gen. Sie stellen ein und k&ouml;nnen aus einem &uuml;berquellenden Reservoir an Bewerbungen ausw&auml;hlen. F&uuml;r die exklusiven Treffen, f&uuml;r die jeweils ein ganzes Luxushotel gebucht wird, hat es in der letzten Zeit &bdquo;so viele Bewerbungen wie noch nie gegeben&ldquo;, berichtet das <em>Handelsblatt<\/em>. Zur Mehrzahl der Teilnehmer, so hei&szlig;t es weiter, geh&ouml;ren nat&uuml;rlich Manager, &bdquo;aber auch Abgeordnete, Wissenschaftler und hohe Beamte, etwa von Bundesbeh&ouml;rden.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Vorzeigefrau&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das <em>Handelsblatt<\/em> feiert bei den Beratern auch eine neue, junge Berater-Generation, die sei vielfach weiblich, unkonventionell. Sie kl&uuml;ngeln nicht mehr wie bisher bei Treffen in den Fu&szlig;ball-Promi-Logen und auf Golfpl&auml;tzen, sondern pflegen ihre Pr&auml;senz &uuml;ber LinkedIn: &bdquo;Die alten wei&szlig;en M&auml;nner sind nicht mehr unter sich&ldquo;.<\/p><p>Bei McKinsey Deutschland ist Solveigh Hieronimus &bdquo;die Vorzeigefrau&ldquo;, so schw&auml;rmt das <em>Handelsblatt<\/em>. &bdquo;Sie besch&auml;ftigte sich schon fr&uuml;h mit den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.&ldquo; Bei McKinsey wurde sie in diesen Bereichen deshalb durch die Senior-Partnerin Katrin Suder gef&ouml;rdert, die als Staatssekret&auml;rin unter der Verteidigungsministerin von der Leyen die R&uuml;stungsauftr&auml;ge der Bundeswehr neu organisieren sollte. Die Bundeswehr soll ja auch ihre Eins&auml;tze nachhaltiger als bisher gestalten, digitalisiert wird sie sowieso.<\/p><p>Zum gro&szlig;en internationalen Netzwerk der gef&ouml;rderten McKinsey-Vorzeigefrau geh&ouml;rt ihre Position als Young Global Leader beim <em>World Economic Forum<\/em> in Davos, wo Ende der 1990er Jahre schon eine gewisse Angela Merkel herangezogen worden war, zum Beispiel.<\/p><p><strong>&bdquo;Stramm kommunistisches Elternhaus&ldquo;: Geh&ouml;rt auch zum Berater-Reservoir<\/strong><\/p><p>Zu den vier im <em>Handelsblatt<\/em> vorgestellten F&uuml;hrungsfrauen geh&ouml;ren neben McKinseys Vorzeigefrau Solveigh Hieronimus auch Kristina Klaa&szlig;en-Kaiser von Linklaters, Anahita Thoms von Baker McKenzie, Franziska Kayser von KKR und Christina Raab, die Deutschland-Chefin der US-Unternehmensberatung Accenture, die inzwischen McKinsey weit &uuml;berfl&uuml;gelt hat und nebenbei die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit und die Jobcenter ber&auml;t.<\/p><p>Aber auch Andrea Panzer-Heemeier geh&ouml;rt dazu. Sie arbeitet in der Wirtschaftskanzlei Arqis. Sie ist die einzige deutsche Beratungsfirma im <em>Handelsblatt<\/em>-Bericht und mit nur 80 Anw&auml;lten ein Zwerg im Vergleich zu den US-Beratungsfirmen. Aber Arqis agiert laut Selbstdarstellung &bdquo;auf h&ouml;chstem Niveau&ldquo;, international, mit Standorten in D&uuml;sseldorf, M&uuml;nchen und Tokio. Das Einstiegsgehalt im ersten Jahr betr&auml;gt 120.000 Euro. &bdquo;Referendar:innen erhalten 750 Euro pro Wochenarbeitstag&ldquo;, so hei&szlig;t es auf der website der Kanzlei.<\/p><p>Da kann man auch ex-linkes Personal gut gebrauchen, f&uuml;r besondere Aufgaben, die auch noch wichtig sind: &bdquo;Panzer-Heemeier war Mitglied der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend, Sommerurlaube mit den Eltern in der DDR. Andrea Panzer stammt aus einem stramm kommunistischen Elternhaus in Hagen. Dann f&uuml;hrte ihr Weg sie in die erste Riege der Arbeitsrechtlerinnen &ndash; als Beraterin deutscher Konzerngr&ouml;&szlig;en,&ldquo; so das <em>Handelsblatt<\/em>.<\/p><p>Einer der Erfolge der Ex-Kommunistin: &bdquo;2016 erk&auml;mpfte sie, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die zuvor vom Kartellamt untersagte Fusion von Tengelmann und Edeka aufgrund weitgehender Arbeitsplatzgarantien doch noch genehmigte.&ldquo; Und dann ging es weiter aufw&auml;rts: &bdquo;Der Tengelmann-Erfolg war 2017 auch ihre Eintrittskarte f&uuml;r die Beratung des VW-Betriebsrats. Und als dessen Generalsekret&auml;r Gunnar Kilian 2018 in den Konzernvorstand aufr&uuml;ckte, wollte er dort auf den Rat von Panzer-Heemeier nicht mehr verzichten.&ldquo; Alles klar?[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Genaueres zur &bdquo;zivilen Privatarmee&ldquo; der US-Investoren, die mit Schr&ouml;der\/Fischers &bdquo;Agenda 2010&ldquo; sich in Deutschland festsetzten in: Werner R&uuml;gemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts, 3. Auflage K&ouml;ln 2021, Seite 224ff.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teure US-Berater organisieren die De-Industrialisierung und Verarmung Deutschlands. 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