{"id":104408,"date":"2023-09-27T10:00:13","date_gmt":"2023-09-27T08:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104408"},"modified":"2023-10-09T11:17:05","modified_gmt":"2023-10-09T09:17:05","slug":"schuetz-den-scholz-wie-deutschlands-oberste-cum-ex-jaegerin-abserviert-werden-soll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104408","title":{"rendered":"Sch\u00fctz&#8217; den Scholz! Wie Deutschlands oberste Cum-Ex-J\u00e4gerin abserviert werden soll"},"content":{"rendered":"<p>Die K&ouml;lner Oberstaatsanw&auml;ltin Anne Brorhilker ist die profilierteste Ermittlerin bei der juristischen Aufarbeitung des gr&ouml;&szlig;ten Steuerdiebstahls in der deutschen Geschichte. Sie zerrt Topmanager vor den Kadi, klagt Gro&szlig;banken an und hilft dem Staat, Hunderte Millionen Euro ergaunerter Beute zur&uuml;ckzuholen. Nun soll sie entmachtet werden, was anderen den Machterhalt sichert. Vielleicht ist einer davon gerade Bundeskanzler. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9874\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-104408-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230927_Schuetz_den_Scholz_Wie_Deutschlands_oberste_Cum_Ex_Jaegerin_abserviert_werden_soll_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230927_Schuetz_den_Scholz_Wie_Deutschlands_oberste_Cum_Ex_Jaegerin_abserviert_werden_soll_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230927_Schuetz_den_Scholz_Wie_Deutschlands_oberste_Cum_Ex_Jaegerin_abserviert_werden_soll_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230927_Schuetz_den_Scholz_Wie_Deutschlands_oberste_Cum_Ex_Jaegerin_abserviert_werden_soll_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=104408-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230927_Schuetz_den_Scholz_Wie_Deutschlands_oberste_Cum_Ex_Jaegerin_abserviert_werden_soll_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230927_Schuetz_den_Scholz_Wie_Deutschlands_oberste_Cum_Ex_Jaegerin_abserviert_werden_soll_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Anne Brorhilker w&uuml;rde gerne richtig ranklotzen. Auf dem Schreibtisch der K&ouml;lner Oberstaatsanw&auml;ltin t&uuml;rmt sich die Arbeit. Als Leiterin der Hauptabteilung H ermittelt sie gegen rund 1.800 Beschuldigte in &uuml;ber 100 F&auml;llen, von denen gerade einmal ein Bruchteil vor Gericht gelandet ist. F&uuml;nf Prozesse hat die 49-J&auml;hrige im Zusammenhang mit dem bisher wohl gr&ouml;&szlig;ten Finanzskandal in der deutschen Geschichte durchgefochten, weitere Anklagen in ihrer Regie werden bereits oder demn&auml;chst verhandelt. Und alles, was sie anpackt, verspricht Erfolg: F&uuml;nf Mal setzte es gegen die Misset&auml;ter einen Schuldspruch. Und k&ouml;nnte sie, wie sie wollte, ginge es wohl noch viel mehr Misset&auml;tern an den Kragen.<\/p><p>Aber Brorhilker kann nicht so, wie sie will, weil man sie nicht l&auml;sst, wie sie will. In ihrem Umfeld sind Kr&auml;fte am Werk, die ihren Aufkl&auml;rungseifer ausbremsen. Dabei ist ihr Einsatz geradezu legend&auml;r und ein Segen f&uuml;r den Rechtsstaat, dazu mit dem Zeug, das schwer ersch&uuml;tterte allgemeine Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden wieder ein St&uuml;ck weit aufzurichten. Brorhilker ist so etwas wie der Racheengel der einfachen Leute, die sich von den Gro&szlig;kopferten ausgepl&uuml;ndert und &uuml;ber den Tisch gezogen f&uuml;hlen. Denn w&auml;hnten sich davor schon viele und immer mehr Menschen im Land von den Reichen und M&auml;chtigen belogen und betrogen, wurde ihr asoziales Treiben mit dem Auffliegen des Cum-Ex-Steuerraubs quasi aktenkundig.<\/p><p><strong>Beispielloser Milliardenraub<\/strong><\/p><p>Fast 20 Jahre bedienten sich Banker, Investoren, Spekulanten und ihre betuchten Kunden schamlos aus der Staatskasse, lie&szlig;en sich riesige Steuersummen erstatten, die sie nie entrichtet hatten. Allein hierzulande wird der Schaden auf mindestens zw&ouml;lf Milliarden Euro gesch&auml;tzt. Nimmt man die artverwandten Deals der Sorte Cum-Cum hinzu, wurden weltweit mithin <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/cum-cum-geschaefte-140-milliarden-euro-durch-steuerbetrug-17596283.html\">mehr als 140 Milliarden Euro<\/a> ergaunert, das meiste davon in Europa. Brorhilkers Beharrlichkeit es zu verdanken, dass die Verbrechen &uuml;berhaupt als solche gebrandmarkt und juristisch verfolgt werden k&ouml;nnen. Erst durch ihr Wirken best&auml;tigte der Bundesgerichtshof (BGH) die Rechtswidrigkeit der Gesch&auml;fte. Dagegen wollten die Ganoven, ihre Anw&auml;lte und Berater ihre H&auml;nde in Unschuld waschen, indem sie dem Staat den Schwarzen Peter zuschoben oder behaupteten, &bdquo;Marktineffizienzen&ldquo; ausgenutzt zu haben.<\/p><p>Seit 2013 hat sich die Juristin der Aufgabe verschrieben, die Diebe zu &uuml;berf&uuml;hren und zur Rechenschaft zu ziehen. Sie h&auml;tte es sich leichter machen und die F&auml;lle per Vergleich klammheimlich begraben k&ouml;nnen. Dann w&auml;ren die Profiteure im Verborgenen geblieben, mit ihnen die schmutzigen Tricks der Finanzindustrie und ihre Netzwerke, die den Reibach erst m&ouml;glich gemacht haben. Aber Brorhilker geht den beschwerlichen Weg und nimmt es mit den ganz Gro&szlig;en der Branche auf: Morgan Stanley, Barclays, Merrill Lynch, Deutsche Bank, dazu die hierzulande politisch bestens vernetzten Landesbanken, etwa die HSH Nordbank oder die WestLB. Das verschaffte ihr viel Respekt und Anerkennung. Sie sei <a href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/anne-brorhilker-lehrt-den-banken-im-cum-ex-skandal-das-fuerchten-31825748.html\">&bdquo;die Frau, die die Finanzwelt das F&uuml;rchten lehrt&ldquo;<\/a>, befand vor einem Jahr das Wirtschaftsmagazin <em>Capital<\/em>. Und der Finanznachrichtendienst <em>Bloomberg<\/em> listete sie in den Top 50 der &bdquo;Menschen und Ideen, die 2021 das globale Gesch&auml;ft bestimmen&ldquo;.<\/p><p><strong>Das Imperium schl&auml;gt zur&uuml;ck<\/strong><\/p><p>Aber jetzt schl&auml;gt das Imperium zur&uuml;ck. Ausgerechnet in der Woche, in der ihr bislang gr&ouml;&szlig;ter Fang, der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104093\">Hamburger Bankier Christian Olearius<\/a>, zum ersten Mal auf der Anklagebank Platz nehmen musste, raunte durch die Presse die Nachricht von Brorhilkers &bdquo;Entmachtung&ldquo;. Wie zuerst das <em>Manager Magazin<\/em> (hinter Bezahlschranke) vor acht Tagen berichtete, zeichne sich eine &bdquo;dramatische Schw&auml;chung&ldquo; ihrer Ermittlertruppe ab. Diese umfasst rund 30 Staatsanw&auml;lte, dazu Polizei- und Steuerfahnder, die sich seit Jahren praktisch ausschlie&szlig;lich mit der Aufarbeitung der Causa Cum-Ex aufreiben.<\/p><p>F&uuml;r eine ganze Reihe von ihnen k&ouml;nnte bald Schluss damit sein. Wie es hei&szlig;t, will der Chef der Staatsanwaltschaft K&ouml;ln, Stephan Neuheuser, selbst erst seit wenigen Wochen an der Beh&ouml;rdenspitze, den Laden umstrukturieren. Neben Brorhilker soll demnach ein zweiter Hauptabteilungsleiter installiert werden, der k&uuml;nftig eine H&auml;lfte der Einheit befehligen werde. Bei unterschiedlichen Auffassungen m&uuml;sste demn&auml;chst ihr beider Vorgesetzter entscheiden, also Neuheuser, schrieb am vergangenen Donnerstag das <em>Handelsblatt<\/em> (ebenfalls hinter Bezahlschranke).<\/p><p>Der Vorgang wirkt in vielerlei Hinsicht verst&ouml;rend. Das geht damit los, dass der als Brorhilkers Aufpasser Gehandelte mit Cum-Ex praktisch nichts am Hut hat. Derzeit ist Ulrich Stein-Visarius im Justizministerium von Nordrhein-Westfalen (NRW) in leitender Position mit Jugendstrafrecht befasst. Seine Erfahrungen mit den Finanzkriminellen der globalen Eliteliga d&uuml;rften gegen Null gehen. Pikant w&auml;re auch der kurze Dienstweg im Falle seiner Bestellung. Stein-Visarius und Neuheuser hatten bis vor Kurzem gemeinsam im Justizministerium gearbeitet, Letzterer als <a href=\"https:\/\/www.land.nrw\/pressemitteilung\/dr-stephan-neuheuser-ist-neuer-leitender-oberstaatsanwalt-koeln\">Frontmann des Referats f&uuml;r Personalbedarf im Justizvollzug<\/a>. Und als ehemaliger &bdquo;Personaler&ldquo; ist der 54-J&auml;hrige auch in puncto Neusprech auf der H&ouml;he. Eine Entscheidung in der Sache sei noch nicht gefallen, richtete eine Sprecherin des Justizministeriums auf Anfrage aus. Die &bdquo;Pr&uuml;fung von Ma&szlig;nahmen zur Steigerung der Effizienz von Hauptabteilung H&ldquo; dauere noch an.<\/p><p><strong>Keine Angst vor Ackermann<\/strong><\/p><p>Die personelle Neuordnung mit Effizienzgewinnen zu begr&uuml;nden, ist komisch und dreist zugleich. Bei ihrer Jagd auf die Cum-Ex-Diebe und ihre Beute konnte Brorhilker schon einige Male und spektakul&auml;r triumphieren. Zum Beispiel brachte sie den Kanzleipartner von Hanno Berger zum Reden, der in Deutschland schillerndsten Cum-Ex-Figur. Zehn Jahre nach Bergers Flucht in die Schweiz erwirkte die Oberstaatsanw&auml;ltin seine Auslieferung. Daraufhin wurde dieser 2022 vor den Landgerichten Bonn und Wiesbaden zu jeweils rund acht Jahren Haft verurteilt, wobei die Entscheide noch nichts rechtskr&auml;ftig sind. Brorhilker veranlasste Razzien in ganz Europa, in Steueroasen wie den Britischen Jungfern- oder den Cayman-Inseln, sie lie&szlig; B&uuml;ros in Frankfurt am Main, Z&uuml;rich, Luxemburg, London und New York auf den Kopf stellen und massenhaft Beweismittel beschlagnahmen. Sie hat sich mit mehreren Topmanagern angelegt, darunter den Ex-Chefs der Deutschen Bank Anshu Jain und Josef Ackermann oder deren fr&uuml;herem Investmentbanking-Leiter Garth Ritchie.<\/p><p>Vor allem: Ihre Verdienste machen sich f&uuml;r Staat und Steuerb&uuml;rger verdient. 2015 spielte ein Insider dem NRW-Finanzministerium eine CD zu, durch deren Auswertung 129 Cum-Ex-Gesch&auml;fte aufgedeckt und 100 Millionen Euro an zu Unrecht erstatteten Steuern zur&uuml;ckgeholt werden konnten. Allein im Zusammenhang mit dem ersten Cum-Ex-Prozess vor dem Landgericht Bonn, der sich unter anderem den Machenschaften bei M.M. Warburg widmete, zog der Fiskus 176 Millionen Euro an Steuerschulden von dem Hamburger Bankhaus ein. Ginge es in dem Stil weiter, k&ouml;nnte die BRD mittelfristig vielleicht den L&ouml;wenanteil dessen zur&uuml;ckbekommen, was die Cum-Ex-Bande erbeutet hat, mitsamt Strafzahlungen sogar mehr.<\/p><p><strong>Verschleppte Aufkl&auml;rung<\/strong><\/p><p>Aber das soll offenbar nicht sein. Schon in der Vergangenheit wurden Vorw&uuml;rfe laut, die K&ouml;lner Staatsanwaltschaft k&auml;me bei der Cum-Ex-Aufarbeitung nur schleppend voran. Ein Grund daf&uuml;r w&auml;re die mangelnde personelle Ausstattung, zugesagte Stellen seien gar nicht, zu langsam oder inad&auml;quat besetzt worden. Mit Kritik hervor tat sich zuletzt insbesondere der ehemalige NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU). In dieser Funktion hatte er Brorhilker Anfang 2021 die Errichtung der Hauptabteilung H genehmigt und daf&uuml;r allerhand Ressourcen mobilisiert, darunter 36 Cum-Ex-Planstellen, von denen aber noch immer sechs verwaist sind. Im M&auml;rz dieses Jahres reichte er eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Leiter der Staatsanwaltschaft ein, der damals noch Joachim Roth hie&szlig;, und dessen Stellvertreter. Biesenbach ist &uuml;berzeugt, dass Brorhilker in ihrem Tatendrang behindert wird. Zitat: &bdquo;Mir geht es darum, dass das gr&ouml;&szlig;te Wirtschaftsverbrechen der Nachkriegszeit m&ouml;glichst z&uuml;gig aufgekl&auml;rt wird. <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/banken-versicherungen\/cum-ex\/cum-ex-streit-zwischen-generalstaatsanwalt-und-ex-nrw-minister-eskaliert\/29253484.html\">Dabei verweigert man mir Ausk&uuml;nfte<\/a>.&ldquo;<\/p><p>Biesenbach sieht hier letztlich seinen Amtsnachfolger Benjamin Limbach von der Gr&uuml;nen-Partei in der Verantwortung. Der stellt sich in der Angelegenheit bisher als verfolgte Unschuld dar. Und was den Umbau der Cum-Ex-Einheit angeht, zeigt er mit dem Finger auf besagten Stephan Neuheuser, den er erst im August zum kommissarischen Leiter der Staatsanwaltschaft ernannt hatte. Nach Limbachs Worten obliege es diesem, &bdquo;in seiner Beh&ouml;rde zu gucken und zu &uuml;berlegen, wie er diese Beh&ouml;rde organisieren und strukturieren will&ldquo;. Und weiter: &bdquo;Wenn er bestimmte Vorschl&auml;ge machen will, dann wird er sie &uuml;ber den Generalstaatsanwalt an das Ministerium berichten. Und dann werden wir das pr&uuml;fen.&ldquo;<\/p><p><strong>Justizminister in Erkl&auml;rungsn&ouml;ten<\/strong><\/p><p>Nach Recherchen des <em>Westdeutschen Rundfunks (WDR)<\/em> erscheint diese Version kaum haltbar. Wie aus einem Bericht der Generalstaatsanwaltschaft hervorgeht, hatte das Justizministerium bei der Ausarbeitung der Pl&auml;ne die Finger im Spiel. Entsprechende Gespr&auml;che seien zun&auml;chst direkt zwischen Ministerium und Staatsanwaltschaft K&ouml;ln gef&uuml;hrt worden, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr-wdr\/cum-ex-statsanwaltschaft-100.html\">&uuml;ber die Beh&ouml;rde des Generalstaatsanwalts hinweg<\/a>. Der hei&szlig;t Thomas Harden, und im Kontext der Dienstaufsichtsbeschwerde durch Biesenbach hatte er diesem noch im Juli unterstellt, &bdquo;b&ouml;sartige Ger&uuml;chte&ldquo; zu verbreiten.<\/p><p>Nun denkt er offenbar anders. Der dem <em>WDR<\/em> vorliegende Bericht seines Hauses, der Anfang September an den Justizminister ging, macht deutlich, dass Harden die Aufspaltung der Abteilung H selbst nicht geheuer ist. In dem Papier hei&szlig;t es, der Umbau erfolge offenkundig gegen den Willen Brorhilkers und erscheine zudem nicht zielf&uuml;hrend. Schlie&szlig;lich w&uuml;rde sich bei zwei Chefs die Frage stellen, wer die Gesamtleitung innehabe. Dagegen ergebe die jetzige Struktur mit der Hauptzust&auml;ndigkeit Brorhilkers wegen der Komplexit&auml;t und Verwobenheit der F&auml;lle inhaltlich Sinn. Und dann mahnt Harden noch, durch eine Aufspaltung k&ouml;nne der Eindruck entstehen, dass die Cum-Ex-Ermittlungen behindert w&uuml;rden.<\/p><p>Das <em>Manager Magazin<\/em> gab &bdquo;Insider&ldquo; wieder, die dieselben Sorgen umtreiben. Demnach drohten bei zwei Leitern und einer nicht einheitlichen Linie Verfahren eingestellt zu werden und Beschuldigte davonzukommen. Weil zwischen den F&auml;llen &bdquo;zahlreiche &Uuml;berschneidungen&ldquo; best&uuml;nden, lie&szlig;en sich die Verfahrenskomplexe &bdquo;nicht sinnvoll&ldquo; aufteilen, eher schaffe ein zweiter Chef neue Probleme, als bestehende zu l&ouml;sen. Zitat: &bdquo;Es d&uuml;rfte darauf hinauslaufen, dass mehr Sand ins Getriebe kommt, das Ansehen der bisherigen Hauptabteilungsleiterin Brorhilker leidet und die Umorganisation am Ende mehr Nachteile als Vorteile produziert, etwa in Form von Reibungsverlusten.&ldquo; Intern mache bei all dem der Vorwurf der &bdquo;Sabotage&ldquo; die Runde, schrieb die Wirtschaftszeitung.<\/p><p><strong>Erinnerungsl&uuml;cken<\/strong><\/p><p>Bei der Suche nach den Gr&uuml;nden und Ursachen der Vorg&auml;nge k&ouml;nnte ein Blick nach Bonn helfen und von dort in den Norden der Republik. In der fr&uuml;heren Bundeshauptstadt muss sich seit Anfang der Vorwoche der fr&uuml;here Chef der Hamburger Warburg-Bank, Christian Olearius, wegen des Vorwurfs der besonders schweren Steuerhinterziehung in 14 F&auml;llen verantworten. Dessen N&auml;he zum fr&uuml;heren Hamburger Regierungschef Olaf Scholz (SPD) &ndash; wohldokumentiert &ndash; ist dem amtierenden Bundeskanzler bekanntlich nicht mehr &bdquo;erinnerlich&ldquo;. Die Hamburger Finanzbeh&ouml;rde hatte 2016 auf eine Steuernachforderung in H&ouml;he von 47 Millionen Euro gegen das Geldhaus verzichtet, und die Rolle, die Scholz dabei spielte, k&ouml;nnte im Falle der Kl&auml;rung ein politisches Erdbeben ausl&ouml;sen. Obwohl gegen ihn selbst nicht ermittelt wird und er bisher auch nicht als Zeuge geladen ist, taucht sein Name mehrfach in der Anklageschrift gegen Olearius auf.<\/p><p>Zugleich besch&auml;ftigt sich in Hamburg ein Untersuchungsausschuss der B&uuml;rgerschaft mit dem Fall, wobei die Abgeordneten auch hier mit allerlei Widerst&auml;nden zu k&auml;mpfen haben. Das betrifft vor allem die mangelnde Kooperationsbereitschaft der K&ouml;lner Staatsanwaltschaft. Diese hat ein Jahr lang Akten aus Ermittlungsverfahren zur&uuml;ckgehalten, die der Ausschuss wiederholt angefordert hatte. Zu den Dokumenten geh&ouml;ren vermutlich brisante E-Mails enger Mitarbeiter von Scholz, etwa des heutigen Kanzleramtschefs Wolfgang Schmidt oder seiner einstigen B&uuml;roleiterin, die bei einer Razzia sichergestellt wurden.<\/p><p><strong>Lahmer Lieferservice<\/strong><\/p><p>Erst nach einer vermeintlichen Intervention des NRW-Justizministers wurde den Parlamentariern die Zuleitung der erbetenen Unterlagen zugesichert. Limbach pr&auml;sentierte mit der Staatsanwaltschaft K&ouml;ln auch gleich einen passenden S&uuml;ndenbock. Es gebe dort Herausforderungen, die zuvor nicht in dieser Dimension f&uuml;r ihn erkennbar gewesen seien, erkl&auml;rte er Mitte August im Rechtsausschuss des D&uuml;sseldorfer Landtags. Dabei sei ein besonderes Schlaglicht auf die Organisation der Gesch&auml;fte in Brorhilkers Abteilung gefallen, so Limbach. Schon zwei Wochen davor hatte der bis dahin amtierende Chef der Staatsanwaltschaft, Joachim Roth, nach einem Disput mit Limbach seinen Hut genommen. Wie laut <em>Handelsblatt<\/em> aus Justizkreisen zu h&ouml;ren war, habe ihn das &bdquo;Cum-Ex-Chaos&ldquo; dazu veranlasst. Prompt wurde er durch besagten Neuheuser ersetzt, der nun im Namen des Ministers angeblich den Laden auf Vordermann bringt und dabei vielleicht gleich einmal Brorhilkers Kompetenzen halbiert.<\/p><p>Ein Schelm, wer B&ouml;ses denkt. Limbach jedenfalls ist auch zwei Monate nach seiner Ank&uuml;ndigung noch nicht mit dem Material herausger&uuml;ckt, das wom&ouml;glich auch Olaf Scholz kompromittiert. Wie am Dienstag der Hamburger CDU-Abgeordnete Richard Seelmaecker den NachDenkSeiten sagte, habe sein B&uuml;ro bisher lediglich eine Zusage erreicht, dass die Auslieferung bevorstehe. Zur Rolle des NRW-Justizministers meinte er: &bdquo;Herrn Limbach werden Ambitionen in Zielrichtung Bundespolitik nachgesagt.&ldquo; Am heutigen Mittwoch will der Minister den Rechtsausschuss des D&uuml;sseldorfer Landtags &uuml;ber den Umbau der K&ouml;lner Staatsanwaltschaft unterrichten. Man darf gespannt sein.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104568\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Heide Pinkall \/ shutterstock.com<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/6b11a083dee442008767f7c8d0dcc6fd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K&ouml;lner Oberstaatsanw&auml;ltin Anne Brorhilker ist die profilierteste Ermittlerin bei der juristischen Aufarbeitung des gr&ouml;&szlig;ten Steuerdiebstahls in der deutschen Geschichte. 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