{"id":10458,"date":"2011-08-16T15:48:39","date_gmt":"2011-08-16T13:48:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10458"},"modified":"2024-09-29T05:10:56","modified_gmt":"2024-09-29T03:10:56","slug":"wer-hat-uns-verraten-sozialdemokraten-und-grune","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10458","title":{"rendered":"Schr\u00f6der, Fischer und Co. &#8211; Verrat der eigenen Werte ohne schlechtes Gewissen"},"content":{"rendered":"<p>Was wir von der Union und der FDP an Verkn&uuml;pfung mit den Lobbyisten der Wirtschaft zu erwarten haben, das wussten wir schon immer, sp&auml;testens nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Helmut Kohl. Millionen, wirklich Millionen, hatten dann ihre Hoffnung auf den Kanzlerwechsel im Jahre 1998 gesetzt. Sie wurden bitter entt&auml;uscht. Wie schon in den Hinweisen erw&auml;hnt, bringt die ARD in der Reihe ARD-exclusiv am 17.8. um 21.45h unter dem Titel: <a href=\"http:\/\/programm.daserste.de\/pages\/programm\/detail.aspx?id=F47431463A56086CED5F7323155388A9\">&bdquo;Rot-Gr&uuml;n macht Kasse &ndash; Schr&ouml;der, Fischer und die Lobbyisten&ldquo;<\/a> einen Film von Sabine Puls, Christoph L&uuml;tgert, Johannes Edelhoff, Kristopher Sell und Britta von der Heide. Dazu vorweg ein Interview mit <strong>Christoph L&uuml;tgert<\/strong>. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Was haben die Recherchen ergeben ?<\/strong><\/p><p>Der Befund hat uns selbst erstaunt. Von Union, vor allem aber von der FDP sind wir es seit Jahren oder Jahrzehnten gewohnt: Da wechseln Spitzenpolitiker bedenkenlos und ohne Schamfrist direkt aus dem Regierungsamt oder dem Mandat auf hoch dotierte Posten in Wirtschaft, Industrie oder Lobbyismus. Die rot-gr&uuml;nen Protagonisten Gerhard Schr&ouml;der, Joschka Fischer und andere haben nicht nur gleichgezogen, sondern diesen Seitenwechsel sogar perfektioniert. Dabei werfen sie vielfach Grunds&auml;tze und &Uuml;berzeugungen &uuml;ber Bord, die sie als Politiker mit dem Brustton der &Uuml;berzeugung vertreten hatten. Die Devise scheint zu gelten: Was schert mich mein Geschw&auml;tz von gestern, wenn der Gesinnungswandel nur gut genug bezahlt wird.<\/p><p><strong>Wie schwer war es, die Hauptprotagonisten vor die Kamera zu bekommen ?<\/strong><\/p><p>Wir haben so gut wie keinen vor die Kamera bekommen, als g&auml;be es da vielleicht so etwas wie Rest-Scham. Gerhard Schr&ouml;der zum Beispiel ist unter anderem &bdquo;indipendent director&ldquo; beim russisch-britischen &Ouml;l-Giganten TNK-BP, der in West-Sibirien &Ouml;l aus einem Gebiet f&ouml;rdert, in dem wir ein furchtbares Umwelt-Desaster ausgemacht haben. Schriftlich behauptete er, er kenne dieses Gebiet &uuml;berhaupt nicht. Darauf wollten wir ihn ansprechen. Wir sp&uuml;rten ihn auf Borkum bei einem &ouml;ffentlichen Termin auf. Da wurde er, wie es &ouml;fter seine Art ist, nur noch ausfallend. Joschka Fischer hat uns abgesagt. Wir wollten ihn fragen, warum er als Gr&uuml;ner ausgerechnet die Auto-Industrie, Siemens und RWE als Berater adelt und ihnen ein umweltfreundliches Image gibt. Marianne Tritz, Gr&uuml;ne der ersten Stunde, in der B&uuml;rgerinitiative L&uuml;chow-Dannenberg gegen die Atomindustrie aktiv, ist heute Chef-Lobbyistin der Zigaretten-Industrie. Sie hatte mir versprochen, mit mir zu reden. Sie hat dieses Versprechen gebrochen. Matthias Berninger, &ndash; als gr&uuml;ner Staatssekret&auml;r im damals gr&uuml;nen Verbraucherschutzministerium hatte er sich f&uuml;r gesunde Ern&auml;hrung und gegen die Verfettung unserer Kinder stark gemacht. Heute hat er einen hoch dotierten Job ausgerechnet bei einem amerikanischen Konzern, der die s&uuml;&szlig;en Dickmacher Mars, Milky Way, M&amp;M und anderes produziert. Die F&uuml;lle seiner Ausreden, warum er nicht mit uns sprechen wollte, war atemberaubend oder gar lachhaft. Der einzige, der sich stellte, war Otto Schily. Der Vater des biometrischen Passes, der sich nach seiner Zeit als Innenminister ausgerechnet bei einem Unternehmen f&uuml;r biometrische P&auml;sse engagierte, zeigte keinerlei Verst&auml;ndnis f&uuml;r Zweifel oder gar Kritik. &bdquo;Ich bin mit mir v&ouml;llig im Reinen.&ldquo;<\/p><p><strong>Wie bewerten Sie das Verhalten der Seitenwechsler ?<\/strong><\/p><p>Der renommierte G&ouml;ttinger Parteienforscher Prof. Franz Walter hat es in seinem Interview f&uuml;r unsere Reportage auf den Punkt gebracht:  &ldquo;Das ist f&uuml;r viele einfache Menschen eine bittere Entt&auml;uschung. Man f&uuml;hlt sich alleingelassen, verraten und das Vertrauen missbraucht.&rdquo; Walter warf die Frage auf, ob man sich einen derart rabiaten Merkantilismus vorstellen k&ouml;nne bei sozialdemokratischen Vorbildern wie Kurt Schumacher, Herbert Wehner oder Willy Brandt. Und auch die Gr&uuml;nen seien doch mal mit ganz anderen Anspr&uuml;chen angetreten.<\/p><p><strong>Wie fragw&uuml;rdig ist das Verhalten aus der juristischen Perspektive ?<\/strong><\/p><p>Juristisch ist da nichts zu beanstanden. Dazu sind alle viel zu clever, als dass sie das nicht vorher abgekl&auml;rt h&auml;tten. F&uuml;r Anstand und Moral gibt keine Paragraphen.<\/p><p><strong>Gibt es vielleicht den einen oder anderen, der ein schlechtes Gewissen hat ?<\/strong><\/p><p>Keiner von denen, &uuml;ber die wir berichten, hat auch nur die Spur eines schlechten Gewissens gezeigt. Im Gegenteil: Viele, die sich nicht in eine Konfrontation vor der Kamera trauten, haben uns schriftliche Erkl&auml;rungen geschickt. Und was auff&auml;llt: Gleich mehrere schwurbelten was davon, wie wertvoll ihr Seitenwechsel f&uuml;r die Gesellschaft sei. Sie stilisierten sich allen Ernstes als &bdquo;Br&uuml;ckenbauer&ldquo;. <\/p><p><strong>Nachbemerkung AM:<\/strong> Bitte in Ihrem Umfeld auf den Film hinweisen. Einfach weiter mailen. Danke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wir von der Union und der FDP an Verkn&uuml;pfung mit den Lobbyisten der Wirtschaft zu erwarten haben, das wussten wir schon immer, sp&auml;testens nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Helmut Kohl. Millionen, wirklich Millionen, hatten dann ihre Hoffnung auf den Kanzlerwechsel im Jahre 1998 gesetzt. Sie wurden bitter entt&auml;uscht. 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