{"id":104682,"date":"2023-10-04T10:56:22","date_gmt":"2023-10-04T08:56:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104682"},"modified":"2023-10-04T16:53:36","modified_gmt":"2023-10-04T14:53:36","slug":"eskalieren-um-zu-de-eskalieren-wie-in-russland-ueber-die-vermeidung-eines-3-weltkrieges-diskutiert-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104682","title":{"rendered":"Eskalieren, um zu de-eskalieren? \u2013 Wie in Russland \u00fcber die Vermeidung eines 3. Weltkrieges diskutiert wird"},"content":{"rendered":"<p>Der Krieg Russlands gegen die Ukraine l&auml;uft nun seit nahezu 20 Monaten. Die Weisheiten des preu&szlig;ischen Kriegsphilosophen Carl von Clausewitz (1780 &ndash; 1831) d&uuml;rften sich auch im unmittelbaren Krieg Russlands gegen die Ukraine bewahrheiten &ndash; konkret hier: <em>&bdquo;So stimmt sich im Kriege durch den Einflu&szlig; unz&auml;hliger kleiner Umst&auml;nde, die auf dem Papier nie geh&ouml;rig in Betracht kommen k&ouml;nnen, alles herab, und man bleibt weit hinter dem Ziel.<\/em>&ldquo; Kurzum: Es kam anders als geplant. 20 Monate Krieg und ohne absehbares Ende war sicherlich nicht in der Planung des Kremls. Die Widerstandskraft in der Ukraine war gr&ouml;&szlig;er als erwartet. Wie auch die US-Amerikaner im Irak 2003 und anderswo nirgends mit Blumenstr&auml;u&szlig;en empfangen wurden, so wurden auch die russischen Truppen nicht mit Derartigem empfangen. Des Weiteren wurde das massive westliche Engagement f&uuml;r die Ukraine von den Strategen im Kreml wohl falsch prognostiziert. Sie h&auml;tten es besser wissen m&uuml;ssen, zumal auch im Kreml die Perzeption vorherrschte, dass es sich um einen doppelten Krieg handeln w&uuml;rde: Einen unmittelbaren gegen die Ukraine als dessen westlicher Vorposten und einen mittelbaren gegen den Westen im Kampf um die neue Weltordnung. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4362\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-104682-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231004_Eskalieren_um_zu_de_eskalieren_Wie_in_Russland_ueber_die_Vermeidung_eines_3_Weltkrieges_diskutiert_wird_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231004_Eskalieren_um_zu_de_eskalieren_Wie_in_Russland_ueber_die_Vermeidung_eines_3_Weltkrieges_diskutiert_wird_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231004_Eskalieren_um_zu_de_eskalieren_Wie_in_Russland_ueber_die_Vermeidung_eines_3_Weltkrieges_diskutiert_wird_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231004_Eskalieren_um_zu_de_eskalieren_Wie_in_Russland_ueber_die_Vermeidung_eines_3_Weltkrieges_diskutiert_wird_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=104682-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231004_Eskalieren_um_zu_de_eskalieren_Wie_in_Russland_ueber_die_Vermeidung_eines_3_Weltkrieges_diskutiert_wird_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231004_Eskalieren_um_zu_de_eskalieren_Wie_in_Russland_ueber_die_Vermeidung_eines_3_Weltkrieges_diskutiert_wird_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Fronten sind seit letztem Winter relativ festgefahren. Die gro&szlig;verk&uuml;ndete Fr&uuml;hjahrs-, dann zur Sommeroffensive umdeklarierte Offensive endete als Flop mit vielen 10.000 toten ukrainischen Soldaten. Die westlichen Wunderwaffen &ndash; als &bdquo;Game-Changer&ldquo; gefeiert &ndash; haben ihre Wunderkraft bis dato nicht entfaltet. Der Westen liefert immer modernere Waffensysteme mit immer gr&ouml;&szlig;erer Reichweite. Im Gespr&auml;ch stehen derweil das deutsche Marschflugk&ouml;rpersystem &bdquo;Taurus&ldquo; und die US-amerikanische ballistische Kurzstreckenrakete &bdquo;ATACMS&ldquo;. Mit einer Reichweite, die das russische Staatsgebiet erreichen kann. Hinzukommen soll das Kampfflugzeug F-16, von dem die Russen behaupten, es k&ouml;nne auch als Tr&auml;ger taktischer Atomwaffen dienen, weswegen die Unruhe in Russlands Sicherheitskreisen wachse. Russische Sicherheitskreise fordern ein Vorgehen gegen die westlichen Unterst&uuml;tzer der Ukraine &ndash; also den Westen &ndash; sowie gegen die Ukraine selbst, der es immer wieder gelingt, der gr&ouml;&szlig;ten nuklearen Supermacht schm&auml;hliche Schl&auml;ge zu versetzen. Auch in der russischen &Ouml;ffentlichkeit macht sich der Unmut &uuml;ber die ausbleibenden Erfolge breit. <\/p><p><strong>Putin unter Erfolgsdruck<\/strong><\/p><p>Die russische Propaganda hat sich, wie es bei Kriegspropaganda auf allen Seiten typisch ist, mit ihren formulierten Kriegszielen in eine Sackgasse begeben. Die Gesellschaft ist auf Kurs und erwartet nun den Sieg. In der Ukraine und im Westen ist es geradezu spiegelbildlich. Diese Unzufriedenheit sowohl in der Gesellschaft als auch die Furcht vor einem 3. Weltkrieg hat nun Sergej Karaganov, Ehrenvorsitzender des Pr&auml;sidiums des Rates f&uuml;r Ausw&auml;rtige und Verteidigungspolitik, j&uuml;ngst in einem Beitrag mit dem Titel: <a href=\"https:\/\/eng.globalaffairs.ru\/articles\/how-to-prevent-a-third-world-war\/\">&bdquo;How to prevent a Third World War&ldquo;<\/a> (&bdquo;Wie ein dritter Weltkrieg zu vermeiden ist&ldquo;) thematisiert.<\/p><p>Karaganov nimmt beide Ebenen ins Visier &ndash; den Krieg gegen die Ukraine als auch den &uuml;bergeordneten Krieg um die Neuvermessung der Welt, mithin die neue multipolare Weltordnung. In dieser spiele Russland im Nicht-Westen (&bdquo;<em>Global Majority<\/em>&ldquo;) eine zentrale Rolle. Denn der Krieg um die Ukraine sei auch der Krieg um die neue Weltordnung. Im Kampf um die Ukraine sowie um den russischen Gestaltungsanspruch bei der Formierung der neuen multipolaren Weltordnung best&uuml;nde die Gefahr des Abgleitens in den 3. Weltkrieg. Der Westen habe seit &uuml;ber 500 Jahren seine Interessen der Welt aufgedr&uuml;ckt und die Welt beherrscht. Nun jedoch m&uuml;sse der Westen gezwungen werden, die neue multipolare Realit&auml;t anzuerkennen. Aber genau hier liege das Problem: Der Druck auf den Westen berge die immense Gefahr, in den 3. Weltkrieg zu f&uuml;hren, wenn dieser nicht nachgebe.<\/p><p><strong>&bdquo;escalate to de-escalate&ldquo;<\/strong><\/p><p>Um diese Katastrophe abzuwenden, greift Karaganov zur desastr&ouml;sen Strategie der &bdquo;Eskalation zur De-Eskalation&ldquo; (&bdquo;escalate to de-escalate&ldquo;). Diese Strategie besagt vereinfacht, dass in diesem Falle Russland mit dem Nuklearwaffeneinsatz offensiv drohen m&uuml;sse. Wenn dies nicht zum gew&uuml;nschten Erfolg f&uuml;hre, m&uuml;sse ein umfassender, aber auf Europa begrenzter Nuklearschlag erfolgen, um dem Westen klar zu machen, dass Russland es sehr ernst meine und bereit sei, weiterzugehen. (&bdquo;Therefor, if nuclear weapons will have to be used (God forbid), the strike should be of a sufficiently large proportion. [&hellip;] Fear would be restored if it were to be used in Europe, still it plays the key role in the global media agenda.&ldquo;)<\/p><p>Die dahinterstehende Prognose: Der Westen werde dann zur Einsicht gebracht und ziehe sich zur&uuml;ck bzw. w&uuml;rde russische Interessen respektieren. Die bisherigen, formulierten Roten Linien Moskaus seien durch den Westen angesichts russischem Nichthandelns stets &uuml;berschritten worden. Der Westen habe die Eskalationsdominanz an sich gerissen, weil Russland es zugelassen habe. Damit habe Russland sich selbst als Atommacht entwertet. Mit der Anwendung der desastr&ouml;sen &bdquo;escalate to de-escalate&ldquo;-Strategie soll die Eskalationsdominanz wieder an Russland fallen. <\/p><p>Das Problem dieser Strategie angewandt auf Europa ist jedoch zweierlei: Erstens, was ist, wenn die russische Drohung nicht fruchtet? Dann m&uuml;sste der Logik dieser Strategie folgend ein umfassender Nuklearschlag gegen Europa folgen. Und damit ergibt sich die zweite Problematik: Der eigentliche politische Adressat, die westliche F&uuml;hrungsnation USA, bliebe au&szlig;en vor. Europa w&uuml;rde nuklear zerst&ouml;rt &ndash; die USA hingegen nicht. Denn sie liegen weit hinter dem gro&szlig;en Teich. Und ob die USA trotz Artikel 5 des NATO-Vertrages tats&auml;chlich bereit w&auml;ren, nach einem solchen russischen Nuklearschlag auch ihren Kontinent f&uuml;r das dann bereits zerst&ouml;rte Europa zu opfern oder eher dem Vietnam- und Afghanistan-Paradigma folgen w&uuml;rden, d.h., die Europ&auml;er sich selbst &uuml;berlie&szlig;en, dar&uuml;ber spekulieren europ&auml;ische Sicherheitsexperten seit den 1960er Jahren.<\/p><p><strong>Kritische Stimmen und Falken in Deutschland<\/strong><\/p><p>Das Abrutschen in einen unmittelbaren milit&auml;rischen Schlagabtausch zwischen dem Westen und Russland sehen nicht nur russische, sondern auch hiesige Experten wie der ehemalige Generalinspekteur a.D. H. Kujat, der damalige Sicherheitsberater Helmut Kohls, Horst Teltschik, und der Sohn des ehemaligen Vaters der Ostpolitik, Peter Brandt, die dies k&uuml;rzlich in einem Appell in dem Schweizer Medium <em>Zeitgeschehen im Fokus<\/em> mit dem Titel <a href=\"https:\/\/zeitgeschehen-im-fokus.ch\/de\/newspaper-ausgabe\/sonderausgabe-vom-28-august-2023.html\">&bdquo;Den Krieg mit einem Verhandlungsfrieden beenden&ldquo;<\/a> ausf&uuml;hrten. Auch andere, wie der emeritierte Politikwissenschaftler <a href=\"https:\/\/international.or.at\/der-ukrainekrieg-als-zeitenwende-2-0und-die-sicherheitsarchitektur-europas\/\">August Pradetto von der Bundeswehr-Universit&auml;t Hamburg<\/a> und der Politikwissenschaftler Johannes Varwick, warnen vor der Entgrenzung des Krieges angesichts immer weiterer Waffenlieferungen mit immer besseren Leistungsmerkmalen wie Reichweite und Zerst&ouml;rungskraft. Die Kritiker dieses fatalen Eskalationskurses werden medial ausgegrenzt und bisweilen diffamiert. Ein Harald Kujat muss seit geraumer Zeit &uuml;ber das <em>EMMA<\/em>-Magazin und das Schweizer Medium <em>Zeitgeschehen im Fokus<\/em> seine Kritik &auml;u&szlig;ern, da ihm der mainstreammediale Zugang versperrt wird.<\/p><p>Auf der anderen Seite stehen unsere Falken, die sich der mainstreammedialen Unterst&uuml;tzung sicher sein k&ouml;nnen, egal wie absurd ihre Aussagen sein m&ouml;gen. Als besonders hofierte &bdquo;Experten&ldquo; gelten Roderich Kiesewetter sowie wie die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann. So &uuml;bt sich Strack-Zimmermann voller Selbstbewusstsein in K&uuml;chenpsychologie, <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/article239696385\/putin-strack-zimmermann-ukraine-krieg-atomwaffen-angst-fdp-politikerin.html\">&bdquo;<em>Putin ist zu &auml;ngstlich f&uuml;r die Atombombe&ldquo;<\/em><\/a>, und unterstreicht damit nicht nur ihre Ahnungslosigkeit im Verstehen anderer kulturell gepr&auml;gter Mentalit&auml;ten, sondern setzt unser Land massiven Gefahren aus. Denn auch solche Aussagen werden von Moskau durchaus wahrgenommen und bewertet. Ihre psychologischen &bdquo;Kompetenzen&ldquo; unterstellen schlichtweg, egal was die Russen als Rote Linien ausgeben und der Westen diese in Form von Waffenlieferungen &uuml;berschreitet, die Russen werden nicht entsprechend reagieren. Damit befinden sich unsere Hardliner in bester Gesellschaft. So publizierte die <em>Washington Post<\/em> Anfang Juni einen Beitrag unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/national-security\/2023\/06\/01\/ukraine-f-16s-biden-russia-escalation\/\">&bdquo;<em>Biden shows growing appetite to cross Putins&rsquo;s red lines&ldquo;<\/em><\/a> mit Zitaten aus dem Umfeld der US-Regierung, die darauf verweisen, die US-Regierung teste die Roten Linien Russlands immer neu durch &Uuml;bertreten derselben aus. Unter den zitierten Aussagen beispielsweise diese: &bdquo;<em>Russland hat seine Roten Linien so h&auml;ufig selbst entwertet, indem es sagt, bestimmte Ma&szlig;nahmen <\/em>(des Westens, A. Neu)<em> w&uuml;rden als inakzeptabel betrachtet, und handelt dann doch nicht, wenn sie geschehen<\/em>.&ldquo; <\/p><p><strong>Roten Linien &ndash; nicht ganz so rot?<\/strong><\/p><p>Und tats&auml;chlich hat Russland seinen Drohungen hinsichtlich des &Uuml;berschreitens Roter Linien bislang keine Taten folgen lassen. Ein besonderer Hardliner im folgenlosen Rausposaunen russischer Entschlossenheit ist Dmitri Medwedew, fr&uuml;herer russischer Pr&auml;sident und jetziger stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrates der Russischen F&ouml;deration sowie Putin-Vertrauter. Mehrfach hat er sich zum Einsatz nuklearer Waffensysteme gegen den Westen und die Ukraine ge&auml;u&szlig;ert. Doch seinen dezidierten Verlautbarungen sind bislang keine Taten gefolgt &ndash; zum Gl&uuml;ck. Noch scheint der russische Pr&auml;sident, der Letztentscheider, tats&auml;chlich vor Vergeltungsschl&auml;gen gegen die westlichen Unterst&uuml;tzer der Ukraine zur&uuml;ckzuschrecken. <\/p><p>Die Gr&uuml;nde f&uuml;r das Zaudern k&ouml;nnen vielf&auml;ltig sein: Angefangen von der Furcht, die Kontrolle &uuml;ber die m&ouml;gliche Eigendynamik des Krieges zu verlieren bis hin zu einem ausgewachsenen Nuklearkrieg &ndash; auch unter Einsatz strategischer Nuklearwaffen, die die USA und umgekehrt der nukleare Zweitschlag der USA die Russische F&ouml;deration ausl&ouml;schen w&uuml;rden. Aber wie lange kann Wladimir Putin dem Druck seines Sicherheitsapparates und auch Teilen der &ouml;ffentlichen Meinung widerstehen, ohne sein Gesicht oder gar seinen Posten als Staatspr&auml;sident zu verlieren? Auch hier wieder wirkt die selbstgestellte Propagandafalle. Diese Frage ist nicht nur offen, sondern diese Problematik wird in der westlichen Debatte nicht einmal zur Diskussion gestellt. Man geht davon aus, dass die Russen nur bluffen. Kurzum: Keine Panik &ndash; der Westen hat alles unter Kontrolle und die Russen bluffen nur.<\/p><p><strong>Wann ist die Rote Linie wirklich rot?<\/strong><\/p><p>Die westlichen Waffenlieferungen gehen w&auml;hrenddessen unverdrossen weiter. Nun steht, wie bereits oben erw&auml;hnt, die Entsendung von F-16-Kampfflugzeugen an. Und Deutschland: Deutschlands zunehmendes Hineinschlittern in den Krieg begann mit der Lieferung von Schutzhelmen zu Anfang des Krieges &uuml;ber die Haubitze 2000, den Sch&uuml;tzenpanzern Marder und den Kampfpanzern Leopard 1 und 2. Jetzt wird auf eine Entscheidung &uuml;ber die Lieferung des luftgest&uuml;tzten Marschflugk&ouml;rpers &bdquo;Taurus&ldquo; mit einer Reichweite von rund 500 Kilometern gedr&auml;ngt. Hardliner wie Strack-Zimmermann und Kiesewetter vertrauen der Ukraine, dass diese mit deutschen Taurus-Marschflugk&ouml;rpern keine milit&auml;rischen Schl&auml;ge gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet aus&uuml;ben w&uuml;rde. <\/p><p>Tats&auml;chlich ist es v&ouml;lkerrechtlich konform, wenn die Ukraine als angegriffenes Land entsprechend milit&auml;risch zur&uuml;ckschl&uuml;ge und -schl&auml;gt. Auch mit Waffensystemen, die von Drittl&auml;ndern geliefert werden. Aber ob es sicherheitspolitisch klug ist, daran kann man mehr als zweifeln. Die Russische F&ouml;deration ist die gr&ouml;&szlig;te Nuklearmacht der Welt. Die Gefahr, dass sie tats&auml;chlich auf die nukleare Komponente gegen die Ukraine oder sogar gegen den Westen setzt, w&auml;chst mit jeder Lieferung. Die rechtliche Grauzone von einer reinen Unterst&uuml;tzung der Ukraine durch den Westen und auch durch Deutschland bis hin zur tats&auml;chlichen Kriegsbeteiligung ist das, was sie ist: Grau! Und die Entscheidung, ab wann Russland den Westen oder einzelne westliche Staaten als Kriegspartei bewertet, liegt nicht bei Kiesewetter, Strack-Zimmermann und nicht einmal bei der Bundesregierung oder der US-Regierung &ndash; sie liegt in Moskau und nur dort. <\/p><p><strong>Beim Pokern verzockt<\/strong><\/p><p>Ein weiteres Verzocken w&auml;re wom&ouml;glich t&ouml;dlich f&uuml;r Europa. Wer hat denn in der politischen Klasse des Westens und der Medien den jahrelangen Kritiken und Drohungen der russischen Seite, auch die Sicherheitsinteressen Russlands zu respektieren, ernst genommen? Auch die letzte Aufforderung Russlands &ndash; in einem Vertragsentwurf gegossen -, die NATO-Erweiterung zu stoppen und die r&auml;umliche Ausdehnung der milit&auml;rischen Infrastruktur und der Truppen der NATO auf das Jahr 1997 zur&uuml;ckzufahren[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], wurde abgelehnt. Russland habe kein Vetorecht bei den Erweiterungsfragen der NATO, war stets der Tenor. Zuletzt eben in dem Antwortschreiben der NATO im Januar 2022 auf die Forderungen Russlands an die NATO und die USA. <\/p><p>Und dann kam, f&uuml;r viele &uuml;berraschend, der 24. Februar 2022. Der Westen hat sich beim Pokern mit Russland um die Ukraine verzockt. Zugegeben, auch f&uuml;r mich war der Angriff &uuml;berraschend &ndash; nicht so sehr, weil ich die dunklen Wolken am Himmel nicht sah, sondern weil ich es nicht wahrhaben wollte. Hier <a href=\"http:\/\/www.russlandkontrovers.com\/weltpolitik-am-scheidepunkt\">ein Auszug<\/a> aus meinem Artikel in <em>Russland kontrovers<\/em> vom 22. Dezember 2021, also zwei Monate vor dem russischen Angriff:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;(&hellip;) Sollte (..) die westliche Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik nicht (&hellip;) zu seri&ouml;sen Verhandlungen im Sinn und Geiste gemeinsamer und ungeteilter Sicherheit &uuml;bergehen, gibt es hinreichend Gr&uuml;nde f&uuml;r eine sehr pessimistische Entwicklung. Europa tr&auml;te sehr d&uuml;steren Zeiten entgegen &ndash; und das nicht erst in zehn Jahren.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn selbst zutiefst &uuml;berzeugte Transatlantiker mit hoher au&szlig;en- und sicherheitspolitischer Expertise einen Aufruf &bdquo;Raus aus der Eskalationsspirale! F&uuml;r einen Neuanfang im Verh&auml;ltnis zu Russland&ldquo;<\/em><em> am 5. Dezember 2021 ver&ouml;ffentlichen, zeigt das, wie weit die Eskalation vorangeschritten und Gefahr einer milit&auml;rischen Auseinandersetzung real geworden ist.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Woher nehmen also &bdquo;unsere Hardliner&ldquo; den Optimismus, dass die russische F&uuml;hrung nicht zum &auml;u&szlig;ersten Mittel greifen wird? Es ist reine Spekulation, die jedoch gef&auml;hrlich f&uuml;r Europa werden kann. Ob und wie lange Putin blufft, wei&szlig; nur er.<\/p><p><small>Titelbild: Bordovski Yauheni\/shutterstock.com<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/35e51b2124ad49cf942dd077b257f6b1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] &bdquo;Article 4 The Russian Federation and all the Parties that were member States of the North Atlantic Treaty Organization as of 27 May 1997, respectively, shall not deploy military forces and weaponry on the territory of any of the other States in Europe in addition to the forces stationed on that territory as of 27 May 1997. With the consent of all the Parties such deployments can take place in exceptional cases to eliminate a threat to security of one or more Parties.&ldquo;<br>\nQuelle <a href=\"https:\/\/mid.ru\/ru\/foreign_policy\/rso\/nato\/1790803\/?lang=en&amp;clear_cache=Y\">mid.ru<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Krieg Russlands gegen die Ukraine l&auml;uft nun seit nahezu 20 Monaten. 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