{"id":10469,"date":"2011-08-17T09:38:22","date_gmt":"2011-08-17T07:38:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10469"},"modified":"2014-09-09T15:08:50","modified_gmt":"2014-09-09T13:08:50","slug":"hurra-wir-sparen-uns-kaputt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10469","title":{"rendered":"Hurra, wir sparen uns kaputt"},"content":{"rendered":"<p>Wie &uuml;berall in Europa und den westlichen Industriestaaten bricht das Wachstum auch in Deutschland ein. Nur noch um 0,1 Prozentpunkte ist das BIP im Sommer gegen&uuml;ber dem ersten Quartal 2011 gestiegen. Von wegen &bdquo;Aufschwung XL&ldquo;. Da in ganz Europa und in den westlichen Industrienationen nur noch massiv gespart wird, bricht nahezu &uuml;berall das Wachstum ein. Das bringt logischerweise den deutschen Wachstumsmotor &bdquo;Export&ldquo; ins Stottern. Trotz eines angeblich &bdquo;robusten Arbeitsmarktes&ldquo; bremst eine schwache Binnennachfrage den &bdquo;Aufschwung&ldquo;. Da es in einer Art von Gehirnw&auml;sche gelungen ist, die Banken- und Finanzkrise in eine &bdquo;Staatsschuldenkrise&ldquo; umzudeuten, ist in den Regierungen eine Spar-Pandemie ausgebrochen. W&auml;hrend der letzte Wirtschaftseinbruch im Gefolge der Finanzkrise noch mit staatlichen Konjunkturprogrammen abgemildert werden konnte, werden jetzt, wo angeblich alles der &bdquo;Staatsverschuldung&ldquo; geschuldet ist, mit einer knallharten Austerit&auml;tspolitik die Fehler der ersten Weltwirtschaftskrise wiederholt. Wenn kein Umdenken erfolgt, landen wir erneut in einer europa- oder gar weltweiten wirtschaftlichen Depression &ndash; mit kaum vorhersehbaren schlimmen Folgen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die Dynamik der deutschen Wirtschaft hat sich nach dem schwungvollen Jahresauftakt deutlich abgek&uuml;hlt: Im zweiten Vierteljahr 2011 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) &ndash; preis-, saison- und kalenderbereinigt &ndash; lediglich um 0,1&nbsp;% h&ouml;her als im ersten Vierteljahr. Das Ergebnis f&uuml;r das erste Quartal 2011 wurde leicht nach unten korrigiert auf nun +&nbsp;1,3&nbsp;%.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p> <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2011\/08\/PD11__297__811,templateId=renderPrint.psml\">So lautet die ern&uuml;chternde Nachricht des Statistischen Bundesamtes<\/a>.<\/p><p>Dazu die Grafik: <\/p><p><a href=\"\/upload\/bilder\/110817_bruttoinlandsprodukt.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/110817_bruttoinlandsprodukt_small.jpg\" alt=\"Bruttoinlandsprodukt\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Navigation\/Statistiken\/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen\/VolkswirtschaftlicheGesamtrechungen.psml\">Statistisches Bundesamt Siehe Ergebnisse der gro&szlig;en VGR-Revision<\/a> <\/p><p><strong>Von wegen &bdquo;Aufschwung XL&ldquo;<\/strong><\/p><p>Sie erinnern sich sicher noch daran, als der damalige Wirtschaftsminister Br&uuml;derle st&auml;ndig vom &bdquo;Aufschwung XL&ldquo; schwadronierte. Noch im Juni lobte sich Kanzlerin Merkel f&uuml;r den von ihrer Regierung herbeigef&uuml;hrten &bdquo;Aufschwung&ldquo;. Wenn Regierungen Sch&ouml;nf&auml;rberei betreiben, geh&ouml;rt das vielleicht noch zur &uuml;blichen Regierungspropaganda, aber nicht einmal die SPD und die Gr&uuml;nen blieben auf dem Boden der Realit&auml;t. Die beiden Oppositionsparteien stritten sich mit der Regierung ausschlie&szlig;lich dar&uuml;ber, wer sich denn den &bdquo;Aufschwung&ldquo; ans Revers heften d&uuml;rfe &ndash; also, ob es nun an der Agenda 2010 von Rot-Gr&uuml;n oder am &bdquo;Wirtschaftsbeschleunigungsgesetz&ldquo; von Schwarz-Gelb lag, dass sich die Konjunktur nach dem tiefen Absturz von 2009 wieder ein wenig erholte. <\/p><p>Auch s&auml;mtliche Konjunkturprognosen sagten einen weiteren Aufschwung voraus, ja einige Konjunkturforschungsinstitute korrigierten noch vor kurzem ihre Prognose f&uuml;r das Jahr 2011 sogar nach oben. Die &bdquo;f&uuml;nf Weisen&ldquo; des Sachverst&auml;ndigenrates sahen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/aktuellesjahrsgutachten-2010-11.html\">Chancen f&uuml;r einen stabilen Aufschwung<\/a>&ldquo;. Selbst das ansonsten kritischere Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie (IMK) hob seine fr&uuml;here Prognose f&uuml;r die Zunahme des Bruttoinlandsproduktes f&uuml;r den Jahresdurchschnitt 2011 noch im Juni 2011 um 1,3 Prozentpunkte auf <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/konjunkturprognosen-zeigen-nach-oben-und-ploetzlich-vier-prozent-1.1112843\">sage und schreibe 4 Prozent an<\/a>. &ldquo;Ich bin &uuml;berrascht&rdquo;, sagt nun Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des IMK, &ldquo;und nat&uuml;rlich entt&auml;uscht: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2011-08\/niedriges-wachstum\">Alle Indikatoren haben auf ein h&ouml;heres Wachstum hingedeutet<\/a>.&rdquo; Wieder einmal werden die Prognostiker von der Realit&auml;t eingeholt und m&uuml;ssen vermutlich alle ihre sch&ouml;nen Prognosen nach unten korrigieren. Bankenvertreter haben schon eine solche Korrektur angek&uuml;ndigt. Die &Ouml;konomen sind &bdquo;ern&uuml;chtert&ldquo;, was nur belegt, dass sie vorher trunken waren.<\/p><p>Und nat&uuml;rlich waren auch s&auml;mtliche Medien begeistert &uuml;ber den gro&szlig;artigen Aufschwung. Aber das ist ja nichts Neues, dass in der Medienlandschaft &uuml;berwiegend nur nachgeplappert wird, was Regierung und &bdquo;Experten&ldquo; vorsagen. <\/p><p>Wir haben auf den NachDenkSeiten st&auml;ndig vor Euphorie gewarnt. Nicht etwa weil wir Politik, Wirtschaftsexperten oder den Wirtschaftsjournalisten in ihre k&ouml;stliche Suppe spucken wollten, sondern weil wir nicht erkennen konnten, wodurch der Aufschwung eigentlich getragen sein sollte.<\/p><p><strong>&Uuml;berall wird gespart und die Wirtschaft bricht ein<\/strong><\/p><p>Nun d&uuml;rfte es so kommen, wie man realistischer Weise erwarten musste, der Aufschwung ist im zweiten Vierteljahr in sich zusammengefallen, die Wirtschaft stagniert. <\/p><p>Wie sollte die Wirtschaft auch weiter wachsen? <\/p><p>Im ersten Vierteljahr lebte das Wachstum von 1,3 Prozent im Wesentlichen noch vom Export vor allem in die sogenannten Schwellenl&auml;nder. Schon damals d&uuml;mpelte der Export in die L&auml;nder der Europ&auml;ischen Union in der Flaute. Wie sollte die Nachfrage auch steigen, wenn &uuml;berall in Europa geradezu eine Spar-Pandemie grassiert und damit die Konjunktur in unseren Nachbarl&auml;ndern kaputt gespart wird:<\/p><ul>\n<li>Die konservative Regierung Gro&szlig;britanniens schn&uuml;rte das &bdquo;gr&ouml;&szlig;te Sparpaket&ldquo; seit dem zweiten Weltkrieg. Die Budgets der Ministerien werden bis 2015 um durchschnittlich 25 Prozent und die Sozialausgaben um 11 Milliarden Pfund gek&uuml;rzt, die Mehrwertsteuer um 2,5 Prozentpunkte auf 20 Prozent erh&ouml;ht und  330.000 Stellen im &ouml;ffentlichen Dienst <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,702156,00.html\">sollen gestrichen werden.<\/a> Die Verbraucherpreise steigen um 4,5 Prozent und die Wirtschaft d&uuml;mpelt bei <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,759243,00.html\">0,5 Prozent Wachstum<\/a>.<\/li>\n<li>Italien k&uuml;ndigte ein &bdquo;Blut- und Tr&auml;nen&ldquo;-Paket mit Einsparungen von <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/artikel\/C30974\/medienschau-schweiz-erwaegt-euro-bindung-des-franken-30485234.html\">&uuml;ber 45 Milliarden an<\/a> und hatte im ersten Quartal ein <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/berlusconi-schroepft-italiens-reiche\/4495116.html\">Mini-Wachstum von 0,1 Prozent<\/a>.<\/li>\n<li>Sarkozy, der noch im letzten Jahr &uuml;ber das deutsche <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,699865,00.html\">&bdquo;Sparpaket&ldquo; l&auml;sterte,<\/a> tritt nun in Merkels Spuren, und will <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/artikel\/C30974\/medienschau-schweiz-erwaegt-euro-bindung-des-franken-30485234.html\">10 Milliarden einsparen<\/a>. Zusammen mit Merkel will er nun sogar eine <a href=\"http:\/\/nachrichten.rp-online.de\/titelseite\/schuldenbremse-fuer-europa-1.1513825\">&bdquo;Schuldenbremse&ldquo; nach deutschem Vorbild f&uuml;r die gesamte Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion durchsetzen<\/a>. Das Wachstum der zweitgr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaft der Euro-Zone stagniert. Schon wird &uuml;ber den Verlust des &bdquo;AAA&ldquo;-Top-Rating <a href=\"http:\/\/www.markenpost.de\/nullwachstum-in-frankreich-franzoesische-wirschaft-stagniert-16836\/\">f&uuml;r Frankreich spekuliert<\/a>.<\/li>\n<li>Griechenland, Portugal und Spanien, Irland hat die &bdquo;Troika&ldquo; aus IWF, EZB und EU schon l&auml;ngst einen Austerit&auml;tskurs aufgezwungen und &uuml;berall ist teilweise ein dramatisches Minus-Wachstum die Folge.<\/li>\n<\/ul><p>Sparen also, wo man hinschaut. Auch in den USA sollen <a href=\"http:\/\/www.markenpost.de\/ratingagentur-fitch-haelt-an-aaa-rating-fest-mit-positivem-ausblick-17807\/\">2,5 Billionen Doller eingespart werden<\/a>. Die weltgr&ouml;&szlig;te Volkswirtschaft schaffte bis zum Fr&uuml;hjahr gerade mal <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2011-08\/bip-wachstum-stagnation\">ein Plus von 0,3 Prozent<\/a>. Die <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/wirtschaft\/aktuell\/gedaempfte_us-rezessionsangst_1.11794791.html\">Arbeitslosenquote verharrt auf gut 9 Prozent<\/a>. <\/p><p>In den 17 Euro-L&auml;ndern kommt die Konjunktur im zweiten Quartal &bdquo;fast zum Erliegen&ldquo; und legte nach der europ&auml;ischen Statistikbeh&ouml;rde Eurostat nur noch um <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/konjunktur\/:konjunktur-deutsches-mini-wachstum-zieht-euro-zone-nach-unten\/60091892.html\">0,1 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr zu<\/a>. 5 Millionen Jugendliche sind ohne Job, in Spanien sind es inzwischen <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!56963\/\">40 Prozent der jungen Leute arbeitslos<\/a>.<\/p><p><strong>Deutscher Wachstumsmotor &bdquo;Export&ldquo; stottert<\/strong><\/p><p>Die deutsche Exportquote &ndash; also die ins Ausland verschifften Waren und Dienstleistungen in Prozent vom Bruttoinlandsprodukt &ndash; liegt <a href=\"http:\/\/www.wissen.de\/wde\/generator\/wissen\/services\/nachrichten\/ftd\/UB\/60009952.html\">derzeit bei 46 Prozent<\/a>.<br>\nWo sollte eigentlich in dem extrem exportabh&auml;ngigen Deutschland Wachstum herkommen, wenn &uuml;berall in Europa &ndash; in das <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/export148.html\">60 Prozent seiner Exporte gehen<\/a> &ndash; gespart wird und somit Kaufkraft schwindet. Bislang setzten die deutschen Exportfetischisten ihre Hoffnungen auf eine Zunahme der Ausfuhren in die sogenannten &bdquo;BRIC&ldquo;-L&auml;nder (Brasilien, Russland, Indien  und China). Die Exporte dorthin verdoppelten sich zwar zwischen 2005 und 2010, doch sie machen <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/g-7-staaten-verlieren-einfluss-schwellenlaender-ueberfluegeln-den-westen\/4501374.html\">nur ein Zehntel der deutschen Ausfuhren aus<\/a>. <\/p><p>Der R&uuml;ckgang der Ausfuhren in den Euro-Raum, kann durch einen Anstieg des Handels mit den &bdquo;BRIC&ldquo;-L&auml;nder also kaum ausgeglichen werden. Erschwerend hinzu kommt, dass unter der Rezession in den westlichen Industriestaaten auch die &bdquo;Schwellenl&auml;nder&ldquo; leiden werden. Das besonders exportabh&auml;ngige Singapur mag da als Fr&uuml;hindikator gelten, der Stadtstaat meldete letzte Woche einen R&uuml;ckgang seines Bruttoinlandprodukts um 6,5 Prozent f&uuml;r das zweite Quartal. Japan hat seine <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/weltwirtschaft\/0,2828,780440,00.html\">BIP-Prognose von 1,5 auf jetzt nur noch 0,5 zur&uuml;ckgenommen<\/a>. Auch aus Russland oder Brasilien gibt es negative Signale. Selbst in China ging das BIP-Wachstum zwar von einem hohen Wert auf 9,5 zur&uuml;ck. Dasselbe ist in Indien zu beobachten.<\/p><p><strong>Die deutsche Exportabh&auml;ngigkeit r&auml;cht sich<\/strong><\/p><p>Deutschlands Wirtschaftspolitik ist seit Jahren auf die F&ouml;rderung der &bdquo;internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; ausgerichtet. Mittels Lohn-, Sozial und (Unternehmen-)Steuerdumping war Deutschland bis vor kurzer Zeit &bdquo;Exportweltmeister&ldquo; und konnte immense Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse ansammeln.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/110817_leistungsbilanz.jpg\" alt=\"Leistungsbilanz\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/statistik\/statistik_zeitreihen.php?first=1&amp;func=row&amp;tr=ec1801&amp;showGraph=1\">Statistisches Bundesamt<\/a><\/p><p>Hauptmotor der deutschen Wirtschaft war der Au&szlig;enbeitrag und in seinem Gefolge schwankende Bruttoinvestitionen im Inland. <\/p><p> <img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/110817_realer_bip.jpg\" alt=\"Realer BIP\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.dbresearch.de\/PROD\/DBR_INTERNET_DE-PROD\/PROD0000000000275303.pdf\">Deutsche Bank Research [PDF &ndash; 580 KB]<\/a><\/p><p>Der private Konsum stieg jedoch kaum, z.B. von 2002 bis 2006 gerade einmal um 0,2 Prozent.<\/p><p><a href=\"\/upload\/bilder\/110817_konsumausgaben.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/110817_konsumausgaben_small.jpg\" alt=\"Konsumausgaben\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/155148\/umfrage\/private-konsumausgaben-in-deutschland-zeitreihe\/\">Statista<\/a><\/p><p><strong>Der angeblich &bdquo;robuste Arbeitsmarkt&ldquo; kommt am Binnenmarkt nicht an<\/strong><\/p><p>Was wurde nicht noch vor kurzem besch&ouml;nigend daher geredet: Der &bdquo;robuste Arbeitsmarkt&ldquo;, die Lohnerh&ouml;hungen oder g&uuml;nstige Finanzierungsbedingungen w&uuml;rden den privaten Konsum anziehen lassen und die r&uuml;ckl&auml;ufigen Exporte wenigstens ein St&uuml;ck weit ausgleichen. Der Sachverst&auml;ndigenrat prognostizierte in seinem letzten Jahresgutachten einen Anstieg der <a href=\"\/?p=7323\">privaten Konsumausgaben um 1,5 Prozent<\/a> f&uuml;r 2011. Vom &bdquo;Kaufrausch&ldquo; der Deutschen und vom gl&auml;nzenden Konsumklima redeten die <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/konjunktur\/nachrichten\/deutsche-im-kaufrausch-trotz-schuldenkrise\/4331340.html\">Pulsf&uuml;hler der Gesellschaft f&uuml;r Konsumforschung noch vor einem Monat<\/a>. Der Konsumklimaindex stieg und stieg und wurde regelm&auml;&szlig;ig vom wichtigsten realen Indikator f&uuml;r den privaten Verbrauch widerlegt: dem Umsatz im Einzelhandel. Der Einzelhandel &bdquo;ist nicht (etwa) schlecht, er ist eine Katastrophe&ldquo; schrieb Heiner Flassbeck. Wenn man das <a href=\"\/?p=8171#h01\">Jahr 2005 mit 100 ansetzt lag er 2010 real bei 95<\/a>. Er ging also deutlich zur&uuml;ck. <\/p><p>Nun konstatiert auch das Statistische Bundesamt, dass die privaten Konsumausgaben die deutsche Wirtschaft im zweiten Vierteljahr 2011 &bdquo;bremsten&ldquo;. <\/p><p><strong>Wie sollten die Deutschen auch mehr kaufen k&ouml;nnen?<\/strong> <\/p><p>In einer Reihe von Branchen wurden zwar Tarifsteigerungen f&uuml;r das laufende Jahr von rd. 3 Prozent vereinbart. Die steigenden Verbraucherpreise (im Juli 2,4 Prozent) <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_ta_hjb_2011.pdf\">zehrten jedoch diesen Zuwachs weitgehend wieder auf [PDF &ndash; 860 KB]<\/a>. Hinzu kommt noch, dass in Westdeutschland nur noch rund 65 Prozent der Besch&auml;ftigten in Betrieben mit Tarifbindung besch&auml;ftigt sind, im Osten liegt der <a href=\"\/?p=2447\">Anteil sogar nur noch bei rund 54 Prozent<\/a>. Das hei&szlig;t, dass in immer mehr Betrieben nicht nach vereinbarten Tarifen, also meist weniger bezahlt wird.  <\/p><p>Die Bundesregierung argumentiert st&auml;ndig damit, dass die sinkende Arbeitslosenzahlen zu h&ouml;herer Nachfrage der Verbraucher f&uuml;hrten. Doch da der Besch&auml;ftigungs-&bdquo;Boom&ldquo; vor allem bei <a href=\"\/?p=10145\">niedrig bezahlten atypischen Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen ankommt<\/a>, wo oft nicht mehr verdient wird als in der staatlichen Grundsicherung oder wo sogar noch &bdquo;aufgestockt&ldquo; werden muss, um &uuml;ber der Hartz IV-Regeleistung zu liegen, ist es nicht erstaunlich, dass trotz gesch&ouml;nter Arbeitsmarktstatistiken nicht mehr Geld in den Geldbeuteln der Verbraucher ankommt und damit auch kaum mehr Binnennachfrage ausgel&ouml;st wird. <\/p><p>Wie schrieb Heiner Flassbeck so sarkastisch: Jetzt wo der Export weg bricht, weil auch unsere Nachbarn sich nicht weiter verschulden k&ouml;nnen und wo aufgrund fehlender Massenkaufkraft die Konjunktur auch nicht von innen heraus angesto&szlig;en kann, brauchen unsere ideologisch bornierten &Ouml;konomen und die ihnen blind folgenden Politiker &bdquo;<a href=\"\/?p=7106\">nur noch die Wesen vom Mars davon &uuml;berzeugen, dass wir von nun an alles produzieren, was sie brauchen, und schon ist die Sache geritzt<\/a>.&ldquo;<\/p><p><strong>Nichts aus der ersten Weltwirtschaftskrise gelernt<\/strong> <\/p><p>Im bitteren Ernst: Wo weder Nachfrage von au&szlig;en noch von privater Seite von innen die Wirtschaft stabil halten k&ouml;nnen, blieben eigentlich nur staatliche Nachfrageimpulse, die die v&ouml;llig aus dem Gleichgewicht geratenen Volkswirtschaften Europas und der westlichen Welt wieder einigerma&szlig;en stabilisieren k&ouml;nnten. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/weltwirtschaftskrise-in-jahren-nichts-gelernt-1.1130942\">&bdquo;In 80 Jahren nichts gelernt&ldquo; titelte dieser Tage die S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a> und wollte damit sagen, dass derzeit wieder die gleichen Fehler gemacht werden, die zur verheerenden Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 gef&uuml;hrt haben: <\/p><p>Dem Spekulantentum an den B&ouml;rsen wird nicht Einhalt geboten, die Politik l&auml;sst sich von den Finanz&ldquo;m&auml;rkten&ldquo; treiben, um die &bdquo;Staatsschulden&ldquo;-Krise, die im wesentlichen wiederum eine Folge der Finanz- und Bankenkrise ist, zu bek&auml;mpfen. So wird in der gesamten westlichen Welt eine massive Sparpolitik betrieben, die zumindest in eine weltweite Rezession, wenn nicht gar in eine wirtschaftliche Depression f&uuml;hren kann, ja f&uuml;hren muss. <\/p><p>Nach dem Ausbruch der Finanzkrise hat man wenigstens noch erkannt, dass mit Konjunkturprogrammen eine Wirtschaftskrise abgemildert werden kann. Und das mit einigem Erfolg. Doch jetzt, wo es mit einer Art Gehirnw&auml;sche erfolgreich gelungen ist, die Banken- und Finanzkrise in eine &bdquo;Staats-Schuldenkrise&ldquo; umzudeuten, wird nur noch an die Bek&auml;mpfung der Staatsschulden gedacht. Angesichts der immensen Belastungen der &ouml;ffentlichen Haushalte f&uuml;r die Rettungsma&szlig;nahmen f&uuml;r die Banken, ist der Schuldenstand in fast allen Staaten derart angestiegen, dass an finanzpolitischen Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung der drohenden Wirtschaftskatastrophe kein Gedanke mehr ist. <\/p><p>Damit reiht sich die Politik ein in den Lauf der Lemminge und jagt dem Absturz entgegen. Hurra, wir sparen uns kaputt. <\/p><p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> Vielleicht werden nun angesichts solcher d&uuml;steren Aussichten manche Anh&auml;nger des &bdquo;Postwachstums&ldquo; in Begeisterung ausbrechen, dass das Wachstum nun endlich ein Ende habe. Aber  wo &ndash; bittesch&ouml;n &ndash; sind die Vorschl&auml;ge, dass eine Depression nicht gerade wieder diejenigen trifft, denen es ohnehin am schlechtesten geht.<\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie &uuml;berall in Europa und den westlichen Industriestaaten bricht das Wachstum auch in Deutschland ein. Nur noch um 0,1 Prozentpunkte ist das BIP im Sommer gegen&uuml;ber dem ersten Quartal 2011 gestiegen. Von wegen &bdquo;Aufschwung XL&ldquo;. Da in ganz Europa und in den westlichen Industrienationen nur noch massiv gespart wird, bricht nahezu &uuml;berall das Wachstum ein.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10469\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[156,11,30],"tags":[423,290,380,325,476],"class_list":["post-10469","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schulden-sparen","category-strategien-der-meinungsmache","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-austeritaetspolitik","tag-binnennachfrage","tag-export","tag-staatsschulden","tag-weltwirtschaftskrise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10469"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10469\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10472,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10469\/revisions\/10472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}