{"id":104739,"date":"2023-10-05T08:35:11","date_gmt":"2023-10-05T06:35:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104739"},"modified":"2023-10-05T14:49:17","modified_gmt":"2023-10-05T12:49:17","slug":"der-kampf-um-frieden-darf-erfahrungen-des-ksze-prozesses-nicht-ignorieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104739","title":{"rendered":"Der Kampf um Frieden darf Erfahrungen des KSZE-Prozesses nicht ignorieren"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Jahr j&auml;hrt sich zum 50. Mal die Er&ouml;ffnung der Konferenz &uuml;ber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki &ndash; eigentlich eine Gelegenheit f&uuml;r Reflexion und Bestandsaufnahme. Es stellt sich die Frage, warum Bundesregierung, Medien, Stiftungen und NGOs nichts dazu zu sagen haben oder nichts zu diesem Jubil&auml;um beitragen wollen. Von <strong>Prof. Dr. Anton Latzo<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9265\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-104739-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231005-Erfahrungen-des-KSZE-Prozesses-Nds.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231005-Erfahrungen-des-KSZE-Prozesses-Nds.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231005-Erfahrungen-des-KSZE-Prozesses-Nds.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231005-Erfahrungen-des-KSZE-Prozesses-Nds.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=104739-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231005-Erfahrungen-des-KSZE-Prozesses-Nds.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231005-Erfahrungen-des-KSZE-Prozesses-Nds.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Ampel-Regierung hat bei ihrem Amtsantritt eine omin&ouml;se &bdquo;Zeitenwende&ldquo; verk&uuml;ndet und k&uuml;rzlich die erste au&szlig;enpolitische Strategie der Bundesrepublik verabschiedet. Aber es herrscht Fehlanzeige, wenn es um die Erfahrungen aus dem KSZE-Prozess geht, der ja schlie&szlig;lich bisher historisch einmalig ist.<\/p><p>Meinungsmacher, NGOs, Denkfabriken, Stiftungen und dergleichen sprechen daf&uuml;r &uuml;ber den Westf&auml;lischen Frieden von 1648, den Wiener Kongress von 1815, vom &bdquo;europ&auml;ischen Konzert&ldquo; usw. Sie sprechen &uuml;ber Ereignisse, bei denen es Metternich und Co. darum ging, Versuche abzuwehren, die feudalen Verh&auml;ltnisse abzul&ouml;sen. Ist vielleicht auch bei den Apologeten kapitalistischer Verh&auml;ltnisse die Erkenntnis gereift, dass sie heute mit einer &auml;hnlichen Situation in Bezug auf den Kapitalismus konfrontiert sind? Oder wollen sie mit &bdquo;Wissenschaft&ldquo; einfach ablenken?<\/p><p>Warum sonst zeigt man gegen&uuml;ber den historisch neuesten Erfahrungen, den Erfahrungen des KSZE-Prozesses so wenig oder gar kein Interesse? Sind die entlarvende Wirkung des Verlaufs und der Ergebnisse des KSZE-Prozesses und deren Analyse so stark, dass die Herrschenden sie f&uuml;rchten m&uuml;ssen? Oder besteht die Gefahr, dass die Menschen &ndash; wenn sie den tats&auml;chlichen Verlauf des KSZE-Prozesses zur Kenntnis nehmen &ndash; auch die Hintergr&uuml;nde der aktuellen Situation in Europa und in der Welt realistischer betrachten, Ursache und Wirkung besser einordnen k&ouml;nnen?<\/p><p>Oder geht es einfach um Verdummung der Menschen? Daf&uuml;r gibt es zahlreiche Beispiele. <\/p><ol>\n<li>Es wurde z.B. immer behauptet, dass die Existenz von entgegengesetzten Milit&auml;rbl&ouml;cken die Ursache f&uuml;r Spannungen und f&uuml;r Kriegsgefahr sei. Nach 1990 hat sich die Warschauer Vertragsorganisation aufgrund von Druck und Verrat zwar aufgel&ouml;st. In Europa ist allein die NATO geblieben. Der Frieden wurde aber nicht sicherer! Im Gegenteil, er war weg.<\/li>\n<li>Die KSZE-Ergebnisse wurden durch die Pariser Charta (21. November 1990) offiziell annulliert, indem man einfach das, was nicht passte, weglie&szlig; oder verf&auml;lschte. Von der Helsinki-Schlussakte ist so gut wie nichts &uuml;brig geblieben.<\/li>\n<\/ol><p>Folgt man der Diktion der offiziellen und offizi&ouml;sen Erkl&auml;rungen, k&ouml;nnte man annehmen, die KSZE-Konferenz w&auml;re mit der Charta von Paris beendet worden. Es wird formuliert: &bdquo;Wir erkl&auml;ren, dass sich unsere Beziehungen k&uuml;nftig auf Achtung und Zusammenarbeit gr&uuml;nden werden.&ldquo;<\/p><p>Wieso nur &bdquo;k&uuml;nftig&ldquo;? Beruhten denn Helsinki und seine Ergebnisse nicht auf Achtung? Warum wird nichts zum Prinzipienkatalog der KSZE-Akte gesagt? Wo bleibt das in Helsinki Vereinbarte und Praktizierte?<\/p><p>Hat man vielleicht Angst, dass, wenn man die Prinzipien behandelt, damit deutlich wird, dass die &bdquo;Regime-Change&ldquo;-Ma&szlig;nahmen in Osteuropa (ich nenne sie konterrevolution&auml;r) gegen Geist und Buchstaben der Schlussakte der Helsinki-Konferenz durchgesetzt wurden?<\/p><p>Fest steht: Die USA und die NATO-M&auml;chte f&uuml;hlten sich nach der Niederlage des Sozialismus in Europa und nach der Aufl&ouml;sung der Warschauer Vertragsorganisation nicht mehr an die w&auml;hrend des Helsinki-Prozesses erarbeiteten Prinzipien gebunden. Deshalb konnte mit der Aggression gegen Jugoslawien der Krieg nach Europa zur&uuml;ckgebracht werden. Sind das &bdquo;Achtung und Zusammenarbeit&ldquo;, wie eben zitiert?<\/p><p>Die USA &uuml;bernahmen die alleinige F&uuml;hrung. Neue Ordnungskriege in verschiedenen Teilen der Welt wurden Wirklichkeit. Dabei setzten sie die NATO als ein Hauptinstrument ein. Der Konkurrenzkampf zwischen den imperialistischen M&auml;chten spitzte sich zu. Russophobie wurde zur ideologischen Grundlage der Au&szlig;enpolitik der NATO- und EU-M&auml;chte und beherrschte die Aktivit&auml;ten der OSZE.<\/p><p>Die ideologische Auseinandersetzung wurde ausgeweitet. Die &bdquo;Theoretiker&ldquo; der Konvergenz der Gesellschaftssysteme bem&uuml;hten sich, den Menschen einzureden, dass der Kapitalismus seinen Ausbeutungscharakter &uuml;berwunden habe bzw. &uuml;berwinde. Das staatsmonopolistische Herrschaftssystem wurde in eine &bdquo;pluralistische Demokratie&ldquo; umgef&auml;lscht, in der es keine Klassen und keinen Kampf zwischen ihnen mehr g&auml;be, sondern nur noch das Ringen der Interessengruppen um den Anteil am Sozialprodukt. Die Klassen wurden in &bdquo;soziale Gruppen&ldquo; umgedeutet, aus der Klassenstruktur wurde die &bdquo;soziale Gliederung&ldquo;.<\/p><p>So wurde die Welt, in der Frieden und Sicherheit durchgesetzt werden sollten, in eine &bdquo;klassenlose&ldquo; Welt umgedeutet, in der Frieden und Sicherheit vom Hegemonen gew&auml;hrleistet werden. Es wurde ein falsches Bild von der Realit&auml;t gezeichnet. Frieden und Sicherheit seien in dieser Welt durch Wohlstand und durch den Hegemonen nach dem Muster des US-amerikanischen &bdquo;way of life&ldquo; zu gew&auml;hrleisten.<\/p><p>Der Anspruch der KSZE als Regulator der &bdquo;Ost-West&ldquo;-Auseinandersetzung (wie man es jetzt zu nennen pflegt) wurde damit beendet. Die &bdquo;Chaos&ldquo;-Theorie wurde in den USA erfunden und &uuml;ber Stiftungen und derartige Strukturen in der Welt verbreitet und praktiziert.<\/p><p>Das war und ist die &bdquo;Friedenspolitik&ldquo; &agrave; la NATO. Sie hat die Ergebnisse des Helsinki-Prozesses abgeschafft. Sie brachte &bdquo;friedliche&ldquo; Bedingungen, aber nicht f&uuml;r die V&ouml;lker und zwischen den Staaten, sondern f&uuml;r die Verwirklichung der Interessen des Kapitals. Sie schuf g&uuml;nstige Bedingungen f&uuml;r seine Expansion sowie zur neokolonialen Ausbeutung der V&ouml;lker. Es durfte keine Macht geben, die die Hegemonie der USA in Europa und weltweit in Frage stellt!<\/p><p>Seit Ende der 1980er-Jahre wurden diese Verh&auml;ltnisse bestimmend f&uuml;r die Beziehungen zwischen den Staaten in Europa und dar&uuml;ber hinaus. Deshalb will man, dass die Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa aus der Geschichte gestrichen bleibt.<\/p><p>Die Eliminierung der Ereignisse und Erfahrungen, die dem Frieden, der Sicherheit und Zusammenarbeit dienten und die Implementierung fortschrittsfeindlicher, russo- bzw. sinophober Positionen nannte und nennt man &bdquo;entideologisierte Politik&ldquo;! In der BRD sagt man auch &bdquo;Sachpolitik&ldquo;!<\/p><p>Auch M. Gorbatschow schrieb in seinem Buch &bdquo;Perestroika&ldquo;: &bdquo;Es ist wichtig, &uuml;ber ideologische Unterschiede erhaben zu sein.&ldquo; Notwendig sei &bdquo;eine neue Art des politischen Denkens&ldquo;, das &bdquo;der Erkenntnis der gegenseitigen Abh&auml;ngigkeit&ldquo; entspringt.<\/p><p>Weil der Widerspruch Kapitalismus-Sozialismus eliminiert wurde, war es leicht, sich zu einer friedlichen Koexistenz zu bekennen, die &bdquo;einer Entideologisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen&ldquo;, einem &bdquo;politischen Herangehen an das Problem der Sicherheit, f&uuml;r Zusammenarbeit&ldquo; folgt.<\/p><p>Die Ergebnisse f&uuml;r die Sowjetunion, ihre Verb&uuml;ndeten und f&uuml;r den Frieden sind bekannt. Das sind Fakten, die auch heute ber&uuml;cksichtigt werden m&uuml;ssen.<\/p><p>Eines stimmt: Es geht um &bdquo;Sachpolitik&ldquo;, um die Sache! Friedenspolitik muss dem Rechnung tragen, national und international! Wir brauchen auch national eine <strong>parteien&uuml;bergreifende<\/strong> Zusammenarbeit, die die Friedenskr&auml;fte zusammenf&uuml;hrt.<\/p><p>Zweitens: Es ist gut und notwendig, wenn die Friedensbewegung auf den Frieden gef&auml;hrdende Ereignisse reagiert. Es ist aber unzureichend, auf einzelne Ereignisse zu reagieren, ohne sie in Zusammenhang mit den entscheidenden historischen Prozessen zu betrachten. Sie muss Prozesse und Probleme grunds&auml;tzlich analysieren und den Massen helfen, die tieferen gesellschaftlichen Zusammenh&auml;nge zu erkennen. Wie w&auml;re es, wenn beim Friedensrat oder woanders ein Gremium gebildet wird, das Diskussionen der Interessierten regelm&auml;&szlig;ig organisiert, um auch &uuml;ber strittige Fragen laufend und gemeinsam zu reflektieren. (&bdquo;Reflex &ndash; Diskussionsclub &uuml;ber Friedensfragen&ldquo;) Das k&ouml;nnte sich positiv sowohl auf die Reaktionsf&auml;higkeit der Bewegung im antiimperialistischen Kampf und auf die Entwicklung des B&uuml;ndnisses der Friedensfreunde sowie auf die Festigkeit des B&uuml;ndnisses auswirken.<\/p><p>Der KSZE-Prozess mit seinen positiven Ergebnissen hat die Richtigkeit des ideologischen Kampfes gezeigt. Die Unvereinbarkeit der beiden Systeme und Ideologien war auch damals immer mit am Verhandlungstisch. Trotzdem war es m&ouml;glich, Ergebnisse zu erzielen, die im Interesse aller beteiligten Staaten und deren V&ouml;lker waren. Dazu geh&ouml;rt, dass zum Beispiel die Nachkriegsperiode zu einem gewissen Abschluss gebracht wurde, die Lage in Mitteleuropa (Oder-Nei&szlig;e-Grenze, DDR, M&uuml;nchener Abkommen, Westberlin-Frage) gekl&auml;rt wurde. Und das geschah in Europa, das immer Hauptfeld der Systemauseinandersetzung war.<\/p><p>Die Lage &auml;nderte sich erst, als Gorbatschow die F&uuml;hrung der UdSSR &uuml;bernommen hatte und die genannten Positionen durchgesetzt wurden. Jetzt ging die Sowjetunion auf Forderungen der NATO-M&auml;chte ein, die sie bislang zur&uuml;ckgewiesen hatte. Sie zwang ihre Verb&uuml;ndeten, sich diesem Kurs anzuschlie&szlig;en.<\/p><p>Das Zustandekommen und der Verlauf der KSZE erbrachten den Beweis, dass es bei gutem Willen aller Beteiligten m&ouml;glich ist, einen tragbaren Kompromiss zu schlie&szlig;en, der Vorteile f&uuml;r alle Seiten brachte. Vor allem war es so m&ouml;glich, Bedingungen zu schaffen, die Sicherheit boten und Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil erm&ouml;glichten.<\/p><p>Die Ber&uuml;cksichtigung dieser Erfahrungen ist auch in Zusammenhang mit dem weiteren Ringen um eine neue Weltordnung von nicht geringer Bedeutung. Der Erfahrungsschatz des KSZE-Prozesses ist jedoch f&uuml;r die konzeptionelle und praktische Arbeit an einer neuen Weltordnung unersetzlich.<\/p><p>Dies betrifft vor allem die Fragen a) der Sicherheit der Staaten und V&ouml;lker, b) die Wirksamkeit des V&ouml;lkerrechts, c) die Erstellung eines verbindlichen Prinzipienkatalogs und d) St&auml;rkung der UNO.<\/p><p>Die KSZE hat wichtige Grundlagen in allen diesen Fragen geschaffen. Es gilt, daran anzukn&uuml;pfen, sie zu erweitern und zu pr&auml;zisieren und vor allem deren Durchsetzung und Einhaltung zu gew&auml;hrleisten.<\/p><p>Dabei geht es um ein<strong> System <\/strong>eindeutiger Verpflichtungen und konkreter Ma&szlig;nahmen durch alle Staaten, die in den zwischenstaatlichen Beziehungen zur Ausschaltung der Anwendung und Androhung von Gewalt gew&auml;hrleisten.<\/p><p>Das umfasst ein Sicherheitssystem, Verpflichtungen der Teilnehmerstaaten, Ma&szlig;nahmen, die Verzicht auf Anwendung und Androhung von Gewalt absichern, sowie Garantien, dass die betroffenen Staaten gegen jede Art von Aggression gesch&uuml;tzt sind.<\/p><p>Unter den gegenw&auml;rtigen Bedingungen ist es schwer, einen solchen Zustand vorauszusehen. Aber die KSZE hat zumindest den Anfang in diese Richtung beschritten und erste praktische Erfahrungen gesammelt, die nicht der Vergessenheit &uuml;berlassen werden d&uuml;rfen.<\/p><p>Der Verlauf des KSZE-Prozesses hat auch gezeigt, dass rechtliche Regelungen allein f&uuml;r die Gew&auml;hrleistung der Sicherheit der Staaten nicht ausreichend sind. Es bedarf konkreter Ma&szlig;nahmen, die die Achtung der &uuml;bernommenen Verpflichtungen gew&auml;hrleisten.<\/p><p>Wie die Prinzipien m&uuml;ssen auch die Ma&szlig;nahmen universellen Charakter haben und das gesamte Feld der zwischenstaatlichen Beziehungen &ndash; die politischen, rechtlichen, milit&auml;rischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen &ndash; umfassen.<\/p><p>Neben zahlreichen anderen Aspekten m&ouml;chte ich die Bedeutung der Erfahrungen unterstreichen, die von der KSZE bei der Erarbeitung der Normen und Verfahren f&uuml;r die multilaterale Verhandlungsf&uuml;hrung und Beschlussfassung gesammelt wurden.<\/p><p>Dazu geh&ouml;rt das Recht jedes Staates, an allen Verhandlungen und Beschlussfassungen gleichberechtigt teilzunehmen. Das schlie&szlig;t ein, dass die Verhandlungen und Aktionen au&szlig;erhalb der Milit&auml;rb&uuml;ndnisse stattfinden. Die Teilnahme der Staaten an den Arbeiten auf der Grundlage der souver&auml;nen Gleichheit hat die Anwendung des Konsensus zur Folge.<\/p><p>Der Anfang bei der Gestaltung des BRICS zeigt, ebenso wie der KSZE-Prozess, dass auch diese globale Struktur nicht durch einen einmaligen Akt geschaffen werden kann, sondern als Prozess gesehen werden muss. Er ist nicht das Ergebnis einer subjektiven Eingebung, sondern ergibt sich aus der Wirkung, aus dem Druck von Notwendigkeiten!<\/p><p>Es darf aber auch nicht &uuml;bersehen werden, dass die USA ihr ganzes Potenzial und ihre Politik darauf ausrichten, das Ende der selbst konzipierten Hegemonie nach dem Motto zu vereiteln versuchen, dass alles so ver&auml;ndert werden muss, damit sich nichts &auml;ndert! (Biden)<\/p><p>Das bezieht sich auf die Eingrenzung Chinas und Russlands, die Begrenzung der Entwicklung der eigenen B&uuml;ndnispartner, um in der Konkurrenz &ndash; nicht in der Zusammenarbeit &ndash; Sieger zu bleiben.<\/p><p>Dies findet unter Bedingungen statt, unter denen die neuen M&auml;chte in Asien, Afrika und Lateinamerika nicht mehr bedingungslos allen Vorgaben des Hegemonen folgen. Die Aussage, dass Politik die Kunst des M&ouml;glichen ist, gewinnt unter solchen Bedingungen neue Valenzen. Man kann aber auch feststellen: Die Bedingungen f&uuml;r die Politik des Friedens, der Sicherheit und gleichberechtigten Zusammenarbeit ver&auml;ndern sich. Der Kampf wird aber nicht einfacher.<\/p><p>Lassen sie mich abschlie&szlig;end feststellen: Friedensbewegungen und die BRICS-Staaten m&uuml;ssen gleicherma&szlig;en die Lektion des KSZE-Prozesses lernen. Der KSZE-Prozess kann durch die BRICS revitalisiert werden!<\/p><p>Die Friedensbewegung wird nur so erfolgreich sein, wie sie auch diese Erfahrungen achtet.<\/p><p><em>Der Artikel beruht auf einem Beitrag f&uuml;r die Internationale Konferenz des Deutschen Friedensrats e.V., gehalten am 28. September 2023.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Helmut Schmidt, Erich Honecker, Gerald Ford und Bruno Kreisky unterzeichnen das KSZE-Abschlussdokument. Leonid Breschnew als Unterzeichner f&uuml;r die UdSSR ist nicht im Bild. &ndash; Quelle: Bundesarchiv Bild 183-P0801-026, Helsinki, KSZE-Konferenz, Schlussakte.jpg<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88064\">Krieg in der Ukraine &ndash; Wo bleibt eigentlich die OSZE?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104169\">Wieso ruft Bundesregierung bei Bergkarabach zu Friedensverhandlungen auf &ndash; nicht aber im Ukraine-Krieg?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104151\">&bdquo;Brutaler Angriff Russlands&ldquo; &ndash; Baerbocks Aussagen zu Kostjantyniwka bringen Ausw&auml;rtiges Amt in Erkl&auml;rungsnot<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/86b251be62904077998640919c37521f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Jahr j&auml;hrt sich zum 50. 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Von <strong>Prof. Dr. Anton<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104739\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":104741,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,170,161],"tags":[1980,3180,1120,1426,1268,2252,941,466,2147,2700],"class_list":["post-104739","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-wertedebatte","tag-brics","tag-charta-von-paris","tag-friedensbewegung","tag-hegemonie","tag-kalter-krieg","tag-klassenkampf","tag-ksze","tag-nato","tag-sowjetunion","tag-systemkonkurrenz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Bundesarchiv_Bild_183-P0801-026_Helsinki_KSZE-Konferenz_Schlussakte.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=104739"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104739\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104770,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104739\/revisions\/104770"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/104741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=104739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=104739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=104739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}