{"id":104776,"date":"2023-10-06T09:00:33","date_gmt":"2023-10-06T07:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104776"},"modified":"2023-10-09T18:26:02","modified_gmt":"2023-10-09T16:26:02","slug":"genozid-oder-euch-wird-es-nie-gegeben-haben-die-schande-von-berg-karabach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104776","title":{"rendered":"GENOZID oder: \u201eEuch wird es nie gegeben haben!\u201c \u2013 Die Schande von Berg-Karabach"},"content":{"rendered":"<p>Dreitausend Jahre armenische Besiedlungsgeschichte in der s&uuml;dkaukasischen Region Berg-Karabach (armenisch: Arzach) wurden an einem Tag brutalst beendet. Armeniens &bdquo;Schutzmacht&ldquo; Russland wechselte die Fronten, der werteorientierte Westen schaute zu und der Rest der Welt hatte wichtigere Sorgen. &ndash; Die Armenier aber sind von allen verraten und verlassen. Wie vor &uuml;ber hundert Jahren. Von <strong>Leo Ensel<\/strong> mit <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/genozid-oder-euch-wird-es-nie-gegeben-haben-die-schande-von-berg-karabach\/\">freundlicher Genehmigung von Globalbridge<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\nInnerhalb eines Tages war alles erledigt. Weniger als 24 Stunden brauchte der aserbaidschanische Diktator Ilham Alijew, s&auml;mtliche Vereinbarungen des trilateralen Waffenstillstandsabkommens vom 9. November 2020 brechend, um sich im Handstreich unter den Nagel zu rei&szlig;en, was nach dem Sechs-Wochen-Krieg vom Herbst 2020 von der &bdquo;Republik Arzach&ldquo;, sprich: Restkarabach, noch &uuml;briggeblieben war. &bdquo;Anti-Terror&ldquo;-Operation gegen &bdquo;bewaffnete armenische Separatisten&ldquo; lautete das aserbaidschanische Wording, das viele westliche Nachrichtenagenturen prompt &uuml;bernahmen. Die russischen Friedenstruppen, deren Aufgabe es gewesen w&auml;re, die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens zu garantieren, waren, durch Aserbaidschan vorgewarnt, weitestgehend abgetaucht. Statt die armenische Bev&ouml;lkerung zu sch&uuml;tzen, schlugen sie sich de facto auf die Seite Aserbaidschans und helfen nun ihrem neuen petrodollar-schweren Verb&uuml;ndeten, einen demokratisch verfassten &ndash; wenn auch nirgends in der Welt anerkannten &ndash; Staat abzuwickeln.<\/p><p><strong>Aushungern, &uuml;berfallen, f&uuml;r Vogelfrei erkl&auml;ren<\/strong><\/p><p>Im Nachhinein wird die Strategie Bakus erkennbar: Die Bev&ouml;lkerung Karabachs durch eine Blockade auszuhungern, um &ndash; wie vor drei Jahren &ndash; in einem g&uuml;nstigen Augenblick im Windschatten der durch andere aktuelle Krisen und Konflikte abgelenkten Welt&ouml;ffentlichkeit den seit &uuml;ber neun Monaten durch Unterern&auml;hrung, Hunger, Medikamentenmangel und fehlende Energieversorgung extrem geschw&auml;chten Armeniern den finalen Schlag zu versetzen. Die infernalische Rechnung ging auf: Ab dem 1. Januar 2024 wird die &bdquo;Republik Arzach&ldquo; Geschichte sein. Und die gesamte Region Berg-Karabach nach einer 3.000-j&auml;hrigen Besiedlungsgeschichte von Armeniern entleert.<\/p><p>Jetzt, in diesem Moment, w&auml;lzen sich die letzten der 120.000 Armenier (unter ihnen 30.000 Kinder), die nach dem Krieg vom Herbst 2020 noch in Arzach verblieben waren, im Schritt-Tempo durch die einzige Landverbindung, den Latschin-Korridor, in Richtung Armenien. Diese Menschen m&uuml;ssen gar nicht mehr von den Aseris m&uuml;hsam aus ihrem Land vertrieben werden. Sie fliehen &bdquo;freiwillig&ldquo;, denn sie wissen, was ihnen bl&uuml;ht. Das haben der Despot von Baku und seine bewaffneten Schergen bereits vor drei Jahren beim Angriff auf Karabach und vor zw&ouml;lf Monaten bei den Attacken auf zentralarmenisches Gebiet unmissverst&auml;ndlich vorexerziert.<\/p><p>Damals setzten sie international ge&auml;chtete wei&szlig;e Phosphorbomben gegen die in die W&auml;lder gefl&uuml;chtete Zivilbev&ouml;lkerung der von ihnen beanspruchten Region ein. Gefangengenommene armenische Soldaten und Soldatinnen wurden gefoltert, vor laufender Kamera gedem&uuml;tigt, die Filme ins Netz gestellt. Nicht wenigen hackte man die K&ouml;pfe und andere Gliedma&szlig;en ab, die Angreifer posierten mit ihnen, begingen&nbsp;<a href=\"https:\/\/haypress.de\/strafanzeige-gegen-aserbaidschan-wegen-kriegsverbrechen\/\">Leichensch&auml;ndungen<\/a>&nbsp;und schickten die entsprechenden Fotos und Videoclips via Facebook an die Verwandten ihrer Opfer.<\/p><p>Nun flieht die armenische Bev&ouml;lkerung Arzachs nahezu vollst&auml;ndig aus dem Gebiet, das ihnen Jahrtausende lang Heimat war, denn sie ist zur Enthauptung, zur Sch&auml;ndung, zum Verkauf &ndash; Anzeigen: Angebote, Nachfragen und Preise bez&uuml;glich junger Armenierinnen inclusive Fotos kursieren bereits in aserbaidschanischen sozialen Netzwerken &ndash; kurz: zur Austilgung freigegeben! Und eine schandhafte &sbquo;Internationale der Ignoranz, Indolenz und Bequemlichkeit&lsquo; &ndash; von Moskau &uuml;ber Berlin, Br&uuml;ssel bis New York &ndash; lie&szlig; und l&auml;sst es geschehen. Armeniens &bdquo;Schutzmacht&ldquo; Russland &ndash; die von den Armeniern nun ver&auml;chtlich-bitter genannten &sbquo;wei&szlig;en T&uuml;rken&lsquo; &ndash; verriet seinen Verb&uuml;ndeten, der wertefreudige Westen widmet sich lieber dem gerade, angeblich oder tats&auml;chlich, durch Serbien bedrohten Kosovo, und der Rest der Welt schaut, wie vor &uuml;ber hundert Jahren, weg.<\/p><p><strong>Ein &bdquo;Open Air-Konzentrationslager&ldquo; &ndash; Das aktuelle Drama<\/strong><\/p><p>Es liegt in der Natur der &sbquo;Sache&lsquo;, dass es im Moment noch sehr schwierig ist, belastbare Fakten &uuml;ber die Dramen, die sich in den letzten beiden Wochen in Berg-Karabach abgespielt haben, zu pr&auml;sentieren. Wir sind auf die Augenzeugenberichte der Gefl&uuml;chteten und der sie betreuenden Helfer auf der armenischen Seite angewiesen. Unter diesen Vorzeichen gebe ich hier wieder, was der mir pers&ouml;nlich bekannte Leiter der deutsch-schweizerischen NGO&nbsp;<a href=\"https:\/\/amro-ev.de\/armenien\/\">&bdquo;Diaconia Charitable Fund&ldquo;<\/a>, die sich seit mehr als drei Jahrzehnten um armenische Kinder aus armen Familien k&uuml;mmert, Baru Jambazian, am 29. September in einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.erf.de\/hoeren-sehen\/erf-plus\/audiothek\/aktuelles-vom-tag\/wir-sind-in-einer-situation-wo-nur-gott-uns-helfen-kann\/6719-7447\">Interview<\/a>&nbsp;berichtet hat.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Es ist apokalyptisch &ndash; f&uuml;r die gefl&uuml;chteten Menschen, aber auch f&uuml;r die Armenier grunds&auml;tzlich weltweit! Wir verlieren zur Zeit eine unserer Ursprungsregionen und so wie es jetzt aussieht wird nach 3.000 Jahren zum ersten Mal kein Armenier mehr in Arzach verbleiben. 3.000 Jahre Geschichte von Armeniern in Arzach gehen gerade zuende.<\/em><\/p>\n<p><em>In Arzach selbst ist die Lage katastrophal. Im Moment kann niemand von Armenien aus nach Arzach hinein; nur Krankenwagen kommen durch. Die Leute, die von dort kommen, beschreiben es als ein &sbquo;Open Air-Konzentrationslager&lsquo;. Es ist ein Stau von der Hauptstadt Stepanakert bis zur Grenze &ndash; das sind etwa 65 Kilometer &ndash;, wo die Autos, drei bis vier nebeneinander, in einer langen Reihe stehen. Es braucht zur Zeit zwischen 35 und 72 Stunden, um in einem Stop-and-Go &uuml;berhaupt an die Grenze zu kommen! Dort werden die Menschen von aserischen Grenzposten kurz gescreent. Die M&auml;nner m&uuml;ssen alle unterschreiben, dass sie Mitglieder der armenischen Streitkr&auml;fte waren, auch wenn das nicht der Fall ist, bevor sie die Grenze verlassen d&uuml;rfen. Es gibt eine Liste von etwa 400 Personen, die das Land nicht verlassen sollen und an der Grenze verhaftet werden, falls sie versuchen auszureisen.<\/em><\/p>\n<p><em>Dies ist im Prinzip eine indirekte ethnische S&auml;uberung. Die Menschen verlassen Arzach aus verschiedenen Gr&uuml;nden: Zum einen, weil sie vom aserbaidschanischen Milit&auml;r angegriffen werden. Weil ihre D&ouml;rfer und St&auml;dte von der Armee eingenommen sind. Weil sie keinerlei Rechte und keinerlei Sicherheit dort mehr haben. Weil sie ausgehungert sind. Aus Angst vor dem, was in der Zukunft kommt. Weil sie wissen, dass sie als Armenier in Arzach selbst nicht mehr leben k&ouml;nnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Inzwischen h&auml;ufen sich mit der Anzahl der angekommenen Fl&uuml;chtlinge die Berichte &uuml;ber die gerade ver&uuml;bten Greueltaten. Es gibt Berichte von Massakern, von Enthauptungen &ndash; sogar Kinder wurden enthauptet, vor den Augen ihrer Eltern!&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Diesmal r&auml;umen die Aserbaidschaner direkt hinter sich auf. Es werden weder internationale Beobachter noch die dort stationierten russischen Truppen durchgelassen. Es ist zur Zeit also &ndash; bis auf wenige Ausnahmen &ndash; nicht m&ouml;glich, diese Angaben zu belegen. Die Leichen werden in Massengr&auml;bern begraben und sobald internationale Beobachter kommen, ist von diesen Spuren nichts mehr zu sehen. Diese Menschen werden dann sp&auml;ter als &sbquo;Vermisste&lsquo; gef&uuml;hrt.<\/em><\/p>\n<p><em>Unsere Gesellschaft in Armenien, das armenische Volk ist im Schockzustand &uuml;ber das, was gerade passiert. Dass so etwas in unserer heutigen Zeit immer noch m&ouml;glich ist, ohne dass energisch von der Weltgemeinschaft eingegriffen wird!&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Phrasen, H&auml;me, Letzte Hilfe &ndash; Die Reaktionen der Welt<\/strong><\/p><p>Und so sahen die Reaktionen der relevanten Player der Weltgemeinschaft bislang aus:<\/p><p>Am 21. September, also zwei Tage nach dem &Uuml;berfall Aserbaidschans und einen Tag nach der Totalkapitulation der &bdquo;Republik Arzach&ldquo;, als bereits alles zu sp&auml;t war, weil Alijew irreversible Fakten geschaffen hatte,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/un-sicherheitsrat-berg-karabach\/2618050\">forderte<\/a>&nbsp;die junge gr&uuml;ne Au&szlig;enministerin Deutschlands auf der Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York in blumigen Worten einen &bdquo;dauerhaften Frieden&ldquo;, der &bdquo;nur am Verhandlungstisch herbeigef&uuml;hrt werden&ldquo; k&ouml;nne. (Sie verga&szlig; nicht hinzuzuf&uuml;gen,&nbsp;&bdquo;die territoriale Unversehrtheit und Souver&auml;nit&auml;t sowohl Armeniens als auch Aserbaidschans&ldquo; d&uuml;rfe &bdquo;nicht in Frage gestellt werden&ldquo; &ndash; was immer das genau bedeuten mochte.)&nbsp;Pikanterweise hatte bereits am Tag des &Uuml;berfalls ausgerechnet die russische Au&szlig;enamtssprecherin&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/kolumnen\/aus-aller-welt\/aserbaidschan-bergkarabach-krieg\/\">Maria Sacharowa<\/a>&nbsp;ebenfalls &bdquo;f&uuml;r die Beendigung des Blutvergie&szlig;ens und eine Wiederaufnahme diplomatischer Gespr&auml;che&ldquo; pl&auml;diert. Sie sei &bdquo;tief besorgt wegen der scharfen Eskalation der Lage in&nbsp;Berg-Karabach&ldquo;, so&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/berg-karabach-armenien-aserbaidschan-hauptstadt-kaempfe-lage-krieg-92529993.html\">Sacharowa<\/a>&nbsp;in seltener Eintracht mit Baerbock. &Uuml;berfl&uuml;ssig zu betonen, dass beide nebul&ouml;sen Pl&auml;doyers v&ouml;llig wirkungslos verpufften.<\/p><p>Nach der Totalkapitulation wurde der Ton von russischer Seite deutlich h&auml;mischer: Am weitesten h&auml;ngten sich Margarita Simonjan, Chefin von&nbsp;<em>Russia Today<\/em>, selbst ethnische Armenierin &ndash;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/russland--kreml-propaganda-stuerzt-sich-auf-armenien-33859614.html\">&bdquo;und zwar eine reinrassige&ldquo;<\/a>&nbsp;&ndash;, und ihr Mann Tigran Keossajan, ebenfalls ethnischer Armenier, aus dem Fenster. Die Armenier seien an ihrem Schicksal&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/russland--kreml-propaganda-stuerzt-sich-auf-armenien-33859614.html\">selbst schuld<\/a>, schlie&szlig;lich h&auml;tten sie ja den &bdquo;Verr&auml;ter Paschinjan, diesen Judas&ldquo; selbst gew&auml;hlt, t&ouml;nte es aus Moskau. Statt dessen sollten sie sich tief &bdquo;vor M&uuml;tterchen Russland daf&uuml;r verbeugen, dass das armenische Volk seinerzeit &uuml;berhaupt in seiner Existenz gerettet wurde. Ohne Russland w&auml;re die gesamte Nation l&auml;ngst vernichtet&nbsp;worden.&ldquo;<\/p><p>&Auml;hnlich zynisch m&uuml;ssen allerdings auch viele westliche Reaktionen in armenischen Ohren geklungen haben. So war in deutschen Leitmedien in den letzten Tagen nicht nur von &bdquo;armenischen Separatisten&ldquo;, sondern auffallend oft von der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-journal\/heute-journal-vom-28-september-2023-100.html\">&bdquo;selbsternannten Republik Karabach&ldquo;<\/a>&nbsp;die Rede. Als ob es irgendwo auf diesem Planeten eine &bdquo;fremdernannte Republik&ldquo; g&auml;be! (Gar nicht so viele dieser &bdquo;selbsternannten Republiken&ldquo; verdanken &uuml;brigens ihre Geburtsstunde einem &sbquo;Akt des Ungehorsams&lsquo; &ndash; n&auml;mlich der Abspaltung vom urspr&uuml;nglichen &bdquo;Mutterland&ldquo;. Wie zum Beispiel Deutschlands engster Verb&uuml;ndeter oder Armeniens &auml;rgster Feind, die &bdquo;selbsternannte Republik Aserbaidschan&ldquo;.)<\/p><p>Als letzte Hilfe trudelte dann, als alles definitiv vorbei war &ndash; nicht zuletzt auf <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/armenien-aserbaidschan-baerbock-100.html\">Anregung von Frau Baerbock<\/a> &ndash;, f&uuml;r einen Tag noch eine sogenannte <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/uno-mission-stellt-keine-schaeden-an-ziviler-und-kultureller-infrastruktur-fest-100.html\">UN-Beobachter-Mission<\/a> hinterdrein: Einen Tag lang durften UN-Mitarbeiter aus Baku zusammen mit anderen UN-Mitarbeitern aus mit Aserbaidschan befreundeten L&auml;ndern, insgesamt zehn Personen, ausgew&auml;hlte Pl&auml;tze in der Haupstadt Stepanakert besichtigen. (Zuf&auml;lligerweise hatte der neue Besitzer der Region, Ilham Alijew, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/bergkarabach-berichterstattung-wird-armenien-im-stich-gelassen-dlf-c5a5e3e8-100.html\">der UNO einen Tag zuvor mehrere Millionen Dollar gespendet<\/a>.) Und wie kaum anders zu erwarten, stellten sie in der nun menschengeleerten Region weder Sch&auml;den an der &bdquo;&ouml;ffentlichen zivilen und landwirtschaftlichen Infrastruktur&ldquo; noch an &bdquo;kulturellen und religi&ouml;sen Einrichtungen&ldquo; fest. Besonders bemerkenswert: &bdquo;Zudem habe man keine Hinweise auf Gewalt gegen Zivilisten erhalten.&ldquo; Wahrscheinlich waren die 120.000 Armenier in Arzach mit einem Male gleichzeitig vom kollektiven Urlaubsfieber gepackt worden&hellip; Durchaus denkbar, dass die Armenier die Buchstaben UN k&uuml;nftig genauso lesen werden wie heute die Bosniaken in Bosnien-Herzegowina: <em>United Nothing!<\/em><\/p><p>&bdquo;<strong>Euch hat es nie gegeben!&ldquo; &ndash; Der kulturelle Genozid<\/strong><\/p><p>Auch wenn die zahlreichen uralten armenischen Kulturg&uuml;ter im Moment wohl tats&auml;chlich noch unversehrt sind &ndash; so rasant kann man nicht alle Kl&ouml;ster, Kirchen, Kreuzsteine und Friedh&ouml;fe in Arzach demolieren &ndash;, besagt das rein gar nichts.&nbsp;Denn die Aseris haben nun Zeit. Sehr viel Zeit.<\/p><p>Und Alijews Ehefrau ist nicht nur Vizepr&auml;sidentin Aserbaidschans, sondern auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mehriban_%C6%8Fliyeva\">UNESCO-<em>Botschafterin des guten Willens<\/em><\/a><em>.<\/em>&nbsp;(Ehrenmitglied der Union der Architekten von Aserbaidschan ist sie sowieso.)<\/p><p>Wer wenigstens indirekt noch etwas &uuml;ber die jetzt brutalst zu Ende gegangene jahrhunderte-, nein: jahrtausendealte armenische Besiedlungsgeschichte Arzachs erfahren will, der sollte sich zumindest Bilder von Kl&ouml;stern wie&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kloster_Dadiwank\">Dadivank<\/a> (die Wurzeln gehen bis ins vierte Jahrhundert n.Chr. zur&uuml;ck),&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kloster_Amaras\">Amaras<\/a>&nbsp;(die Wurzeln reichen ebenfalls so weit zur&uuml;ck) und&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gandsassar\">Gandsassar<\/a>&nbsp;(gegr&uuml;ndet 1216) noch einmal ansehen. Die Wahrscheinlichkeit ist gro&szlig;, dass es sie bald nicht mehr geben wird! In den ebenfalls uralten armenischen Siedlungsgebieten Nachitschewan und Ostanatolien haben die Aseris und ihre t&uuml;rkischen Br&uuml;der bereits ganze Arbeit geleistet.<\/p><p>Dem erzwungenen Massenexodus &ndash; einem &bdquo;Crime against Humanity&ldquo; &ndash; wird der kulturelle Genozid folgen. Denn die genozidale Logik gibt sich niemals mit der Ausrottung aller Menschen der verhassten Ethnie zufrieden. Erst wenn s&auml;mtliche Spuren getilgt sind, gibt sie endlich Ruhe.&nbsp;Und die Aseris tun alles, damit die stumme Maxime ihres jetzigen Handelns &ndash; &bdquo;Euch wird es nie gegeben haben&ldquo; &ndash; m&ouml;glichst bald in den h&ouml;hnischen finalen Satz einm&uuml;nden wird:<\/p><p>&bdquo;Euch&nbsp;<em>hat<\/em>&nbsp;es nie gegeben!&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: Eine unendliche Kolonne von Fl&uuml;chtlingen, die Berg-Karabach wohl f&uuml;r immer verlassen m&uuml;ssen (Screenshot ZDF)<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dreitausend Jahre armenische Besiedlungsgeschichte in der s&uuml;dkaukasischen Region Berg-Karabach (armenisch: Arzach) wurden an einem Tag brutalst beendet. Armeniens &bdquo;Schutzmacht&ldquo; Russland wechselte die Fronten, der werteorientierte Westen schaute zu und der Rest der Welt hatte wichtigere Sorgen. &ndash; Die Armenier aber sind von allen verraten und verlassen. Wie vor &uuml;ber hundert Jahren. Von <strong>Leo Ensel<\/strong> mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104776\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":104777,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,171,161],"tags":[1947,2964,2963,1917,304,259,2376,2360],"class_list":["post-104776","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-militaereinsaetzekriege","category-wertedebatte","tag-armenien","tag-aserbaidschan","tag-bergkarabach","tag-genozid","tag-kriegsverbrechen","tag-russland","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Karabach_Fluechtlingskolonne.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104776","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=104776"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104776\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105009,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104776\/revisions\/105009"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/104777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=104776"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=104776"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=104776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}