{"id":104786,"date":"2023-10-07T11:45:06","date_gmt":"2023-10-07T09:45:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104786"},"modified":"2023-10-06T20:35:18","modified_gmt":"2023-10-06T18:35:18","slug":"rechte-regierungen-in-suedamerika-holen-us-militaereinheiten-in-ihre-laender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104786","title":{"rendered":"Rechte Regierungen in S\u00fcdamerika holen US-Milit\u00e4reinheiten in ihre L\u00e4nder"},"content":{"rendered":"<p>Die USA haben mit den rechtsgerichteten Regierungen von Uruguay, Peru und Ecuador Vereinbarungen &uuml;ber Eins&auml;tze einer Elitetruppe in den drei lateinamerikanischen L&auml;ndern getroffen. Die 2017 f&uuml;r Eins&auml;tze in Afghanistan und im Irak gegr&uuml;ndeten Security Force Assistance Brigades (SFAB) der US-Streitkr&auml;fte sollen f&uuml;r Operationen im Bereich des Drogenhandels zust&auml;ndig sein. Doch das ausschlie&szlig;liche Motiv der Drogenbek&auml;mpfung wird von zahlreichen Beobachtern und der politischen Opposition ebenso hinterfragt wie die verfassungsrechtliche Legitimit&auml;t des Vorgehens. Von <strong>Marta Andujo<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Abkommen haben im Vorfeld keine &ouml;ffentliche Debatte erfahren. Im Falle Ecuadors wurden sie &bdquo;in aller Stille&rdquo; vorbereitet, wie der <em>Washington Examiner<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.washingtonexaminer.com\/policy\/foreign\/us-deal-military-ecuador-drug-cartel-explosion\">schreibt<\/a>. Medien&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/america\/america-latina\/2023\/10\/01\/estados-unidos-y-ecuador-acordaron-el-envio-de-militares-para-combatir-el-narcotrafico\/\">wiesen<\/a>&nbsp;darauf hin, dass das US-Au&szlig;enministerium seit vollendeter Tatsachen mehr als 30 Pressemitteilungen herausgegeben habe, ohne jedoch die Unterzeichnung dieses Abkommens mit Ecuador bekannt zu geben.<\/p><p>Das oppositionelle Mitte-links-B&uuml;ndnis Frente Amplio in Uruguay wurde von dem entsprechenden Abkommen &uuml;berrascht und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.carasycaretas.com.uy\/politica\/fa-reclamara-informacion-llegada-militares-eeuu-n66800\">k&uuml;ndigte an<\/a>, genauere Informationen beim Verteidigungsministerium einholen zu wollen.<\/p><p>Die Nachricht wurde zuvor bezeichnenderweise von einer Mitarbeiterin der US-Botschaft in Uruguays Hauptstadt Montevideo, Kerri Spindler-Ranta, ver&ouml;ffentlicht. &bdquo;Die Ank&uuml;ndigung ist nicht nur unklug und widerspricht der diplomatischen H&ouml;flichkeit&rdquo;,&nbsp;<a href=\"https:\/\/brecha.com.uy\/por-que-vienen-las-fuerzas-especiales-de-estados-unidos-a-uruguay\/\">urteilte<\/a>&nbsp;die uruguayische Wochenzeitung <em>Brecha<\/em>. Solche Ank&uuml;ndigungen sollten vom Gastland gemacht werden. Vor allem aber sei die erkl&auml;rte Zielsetzung der US-Botschaft, &bdquo;an gemeinsamen nationalen Sicherheitszielen zu arbeiten&rdquo;, nicht akzeptabel. &bdquo;Jeder halbwegs informierte Mensch wei&szlig;, dass mit dem Ende der Diktatur und der R&uuml;ckkehr des Milit&auml;rs in die Kasernen auch der Begriff der nationalen Sicherheit aus unserer Gesetzgebung gestrichen wurde&rdquo;, so die harsche Kritik.<\/p><p>&bdquo;Wir sind besorgt. Sehr besorgt. Mehr als besorgt&rdquo;,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.carasycaretas.com.uy\/politica\/fa-reclamara-informacion-llegada-militares-eeuu-n66800\">sagte<\/a>&nbsp;die Senatorin Sandra Lazo, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Senats. Sie wies darauf hin, nichts von dieser Angelegenheit zu wissen und dass die Einreise ausl&auml;ndischer Streitkr&auml;fte der Zustimmung des Parlaments bed&uuml;rfe. &bdquo;Das Parlament sollte ein Mitspracherecht in dieser Angelegenheit haben und nicht aus der Presse davon erfahren&rdquo;, so Lazo.<\/p><p>In Peru existiert seit zehn Monaten keine gew&auml;hlte Regierung. Die aktuelle Amtsinhaberin Dina Boluarte kam durch den Sturz und die Inhaftierung des letzten gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten, des linken Politikers Pedro Castillo, an die Macht.<\/p><p>Die Vereinbarung &uuml;ber eine weitere Stationierung von US-Milit&auml;r in Peru ist mutma&szlig;lich am Rande von Boluartes Aufenthalt in New York im Rahmen der 78. UN-Generalversammlung und beim Besuch von Laura Richardson, der leitenden Generalin des US Southern Command, in Lima&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/peru\/2023\/09\/13\/jefa-del-comando-sur-de-eeuu-llega-a-lima-para-reunirse-con-militares-y-gobierno-de-dina-boluarte\/\">besprochen<\/a>&nbsp;worden, als diese mit der Regierung von Boluarte und der Armee zusammentraf. Zudem war in den vorausgegangenen Wochen eine peruanische Verteidigungsdelegation unter Leitung von Minister Jorge Ch&aacute;vez nach Washington gereist.<\/p><p>Nach&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/peru\/2023\/09\/13\/jefa-del-comando-sur-de-eeuu-llega-a-lima-para-reunirse-con-militares-y-gobierno-de-dina-boluarte\/\">Angaben<\/a>&nbsp;der US-Botschaft in Peru sprach Richardson &bdquo;Fragen der Sicherheitskooperation von beiderseitigem Interesse an, darunter die Zusammenarbeit gegen kriminelle Organisationen und die Entwicklung institutioneller F&auml;higkeiten&rdquo;. Auf dem Programm standen auch Gespr&auml;che &bdquo;&uuml;ber die Integration von Frauen in Friedens-, Verteidigungs- und Sicherheitsmissionen&rdquo;. Richardsons Reise nach Lima erfolgte einen Tag nach der Ankunft von Christopher J. Dodd, dem Lateinamerika-Berater von US-Pr&auml;sident Joe Biden, der mit Boluarte sowie mit &bdquo;wichtigen F&uuml;hrungskr&auml;ften&rdquo; der Legislative und der Wirtschaft zusammentraf.<\/p><p>Wilfredo Robles, Anwalt des gest&uuml;rzten Pr&auml;sidenten Castillo,&nbsp;<a href=\"https:\/\/sputniknews.lat\/20230906\/peru-cooperacion-militar-con-eeuu-perpetua-el-regimen-de-boluarte-1143423586.html\">kritisierte<\/a>&nbsp;das Abkommen heftig. Es handele sich um eine &bdquo;milit&auml;rische Besetzung des peruanischen Territoriums durch US-Truppen&rdquo;. Bereits im Juni seien &bdquo;1.500 Soldaten der US-Armee eingetroffen, nachdem der Kongress auf Antrag der De-facto-Regierung von Boluarte eine entsprechende Genehmigung erteilt hatte&rdquo;, so Robles. Die Regierung Boluarte sei &bdquo;eine Marionette der geopolitischen und geo&ouml;konomischen Interessen der USA&rdquo;, urteilte der peruanische Jurist.<\/p><p>Die rechte Mehrheit im peruanischen Parlament hatte im Mai inmitten einer Welle landesweiter Proteste gegen die Regierung Boluarte die Ankunft von US-Soldaten&nbsp;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/05\/264155\/peru-genehmigt-einsatz-us-truppen\">genehmigt<\/a>. Laut der Gesetzesresolution 4766 d&uuml;rfen US-Soldaten mit Waffen ins Land kommen, um &bdquo;Kooperations- und Ausbildungsma&szlig;nahmen mit den Streitkr&auml;ften und der Polizei Perus durchzuf&uuml;hren&rdquo;. Der sozialistische Politiker und fr&uuml;here Au&szlig;enminister von P&auml;sident Castillo, H&eacute;ctor B&eacute;jar,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.prensa-latina.cu\/2023\/05\/24\/rechazan-inminente-arribo-de-tropas-estadounidenses-a-peru\">erkl&auml;rte<\/a> dazu: &bdquo;Es ist offensichtlich, dass die Anwesenheit dieser Soldaten der Abschreckung dient und Teil einer Politik ist, die darauf abzielt, die peruanische Bev&ouml;lkerung zu terrorisieren.&rdquo;<\/p><p>Ecuador steht kurz vor den Stichwahlen zur Pr&auml;sidentschaft, nach der der scheidende Pr&auml;sident Guillermo Lasso keine f&uuml;hrende politische Rolle mehr im Land haben wird. Trotzdem hinterl&auml;sst er der kommenden Regierung die Vereinbarung &uuml;ber die Pr&auml;senz von US-Milit&auml;r.<\/p><p>Dan Crenshaw, Mitglied des US-Repr&auml;sentantenhauses,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.telesurtv.net\/news\/ecuador-firma-acuerdo-envio-militares-eeuu-narcotrafico-20231001-0024.html\">best&auml;tigte<\/a>, dass das Abkommen w&auml;hrend des j&uuml;ngsten Besuchs Lassos in den USA unterzeichnet wurde. Crenshaw hat den Vorsitz der Task Force des Kongresses zur Bek&auml;mpfung der mexikanischen Drogenkartelle inne. Es soll ein Abkommen &uuml;ber den Status der Armee und ein Abkommen &uuml;ber die Seestreitkr&auml;fte geben, die eine US-Milit&auml;rpr&auml;senz sowohl an Land als auch vor der ecuadorianischen K&uuml;ste erlauben.<\/p><p>Ein Kommentar auf Crenshaws Social X-Kanal, der die Vereinbarung begr&uuml;&szlig;t,&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/RepDanCrenshaw\/status\/1707399496592670817\">ordnet<\/a>&nbsp;den Vorgang so ein: &bdquo;Zwei Jahrzehnte nach der Schlie&szlig;ung der US-Milit&auml;rbasis in Manta durch ein nationales Plebiszit und am Vorabend der Pr&auml;sidentschaftswahlen &uuml;bergibt Lasso hinter dem R&uuml;cken seines Volkes die Souver&auml;nit&auml;t und die Ressourcen Ecuadors an die USA.&rdquo; 2009 mussten die USA ihren Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt an der ecuadorianischen K&uuml;ste aufgeben. Eine Verfassungs&auml;nderung w&auml;hrend der Pr&auml;sidentschaft von Rafael Correa verbot fortan die dauerhafte Stationierung ausl&auml;ndischer Truppen im Land.<\/p><p>Die Entscheidungen der Regierungen von Uruguay, Ecuador und Peru sind ohne die Suche nach einem Konsens in den zust&auml;ndigen Institutionen wie auch ohne &ouml;ffentliche Debatte gefallen. Das US-Konzept des &bdquo;Kriegs gegen die Drogen&rdquo; wird in Lateinamerika weitl&auml;ufig als <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/09\/265991\/lateinamerika-drogenkonferenz-kolumbien\">gescheitert<\/a> angesehen. <\/p><p><em>Dieser Artikel erschien <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/10\/266160\/rechte-lateinamerika-us-militaer\">zuerst auf Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Screenshot von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RmcwY2xzrp0\">&ldquo;Operation Combined Victory: Validating Advisors to Win Tomorrow&rdquo; &ndash; SFAB &ndash; Security Force Assistance Brigades<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97248\">US-Milit&auml;rbasen in Lateinamerika: Washingtons Hauptinteresse liegt in den Bodensch&auml;tzen und S&uuml;&szlig;wasserressourcen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96941\">Stimmen aus Lateinamerika: Die &bdquo;Geapolitik&rdquo; des guten Lebens als Gegenmodell zur westlichen &bdquo;Geopolitik&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/ab5c04f4be2f4890aecb9f688a558ceb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die USA haben mit den rechtsgerichteten Regierungen von Uruguay, Peru und Ecuador Vereinbarungen &uuml;ber Eins&auml;tze einer Elitetruppe in den drei lateinamerikanischen L&auml;ndern getroffen. 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