{"id":10492,"date":"2011-08-19T08:59:50","date_gmt":"2011-08-19T06:59:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10492"},"modified":"2014-09-09T15:11:13","modified_gmt":"2014-09-09T13:11:13","slug":"es-ist-die-rezession-dummkopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10492","title":{"rendered":"Es ist die Rezession, Dummkopf"},"content":{"rendered":"<p>Nach all dem Unsinn, der &uuml;ber das Auf und Ab des Aktienmarktes an der B&ouml;rse erz&auml;hlt wurde, allm&auml;hlich geht offenbar manchen ein Licht auf: Nicht irgendwelches Gerede etwa &uuml;ber Arbeitslosenzahlen in den USA, &uuml;ber eine in den Sternen stehende Einf&uuml;hrung einer Transaktionssteuer, &uuml;ber irgendwelche Gipfeltreffen oder Erkl&auml;rungen von Zentralbankchefs, nicht einmal &ndash; so die am meisten gebrauchte Floskel &ndash; die Krise der &bdquo;Staatsverschuldung&ldquo; treibt den aktuellen Herdentrieb der B&ouml;rsenmakler an. Es ist schlicht die Angst vor einer weltweiten Rezession. Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>So schreibt die S&uuml;ddeutsche Zeitung gestern Abend: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Flucht von der B&ouml;rse, Furcht vor einer weltweiten Rezession: Anleger sind am Donnerstag in Scharen aus den internationalen Aktienm&auml;rkten geflohen. Der Deutsche Aktienindex (DAX) gab zwischenzeitlich um fast sieben Prozent nach und schloss mit minus 5,82 Prozent, bei 5602,80 Punkten. Ein schwarzer Tag: Das war der gr&ouml;&szlig;te Tagesverlust seit November 2008. Auch an der Wall Street ging es steil bergab: Der US-Standardwerteindex Dow Jones verlor zwischenzeitlich 4,6 Prozent und <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/geld\/boersen-brechen-weltweit-ein-dax-schliesst-mit-groesstem-verlust-seit-drei-jahren-1.1132621\">schloss mit einem Minus von 3,7&nbsp;Prozent.&ldquo;<\/a><\/em><\/p><\/blockquote><p>Die gewiss b&ouml;rsengl&auml;ubigen Autoren dieses Beitrags, Nikolaus Piper und Markus Zydra, f&uuml;gten hinzu: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Es deutet nun alles auf den Ernst der &ouml;konomischen Lage, wenn B&ouml;rsenkurse ohne wirklich triftigen Grund so abst&uuml;rzen. Das abflauende Wirtschaftswachstum, flankiert vom Schulden-Desaster in der Euro-Zone und den USA, sind der Grund, die Verkaufstaste zu dr&uuml;cken.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Wohl wahr: es ist das &bdquo;abflauende Wirtschaftswachstum&ldquo; (und das &bdquo;Schuldendestaster&ldquo; ist nur dessen Gefolge), das die B&auml;ren an der B&ouml;rse antreibt. <\/p><p>Wir haben auf den NachDenkSeiten gestern in zwei Beitr&auml;gen zu begr&uuml;nden versucht, warum die Spar-Pandemie in s&auml;mtlichen westlichen Industrienationen, nur zu einer wirtschaftlichen Depression f&uuml;hren kann (Vgl. <a href=\"\/?p=10469\">Hurra, wir sparen uns kaputt<\/a>). Und wir haben dargestellt warum die neoliberale &bdquo;<a href=\"\/?p=10473\">Schock-Therapie<\/a>&ldquo; mit einer &bdquo;harmonisierten&ldquo; Senkung der L&ouml;hne, mit &bdquo;Hartz IV f&uuml;r ganz Europa&ldquo; oder mit einer kollektiven Anhebung des Rentenalters, ja sogar mit einer zum obersten Ziel erhobenen &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; f&uuml;r alle L&auml;nder der W&auml;hrungsunion eher prozyklisch in eine Wirtschaftsflaute f&uuml;hren muss. <\/p><p>Gerade diese herrschende Ideologie hat nun in ein Trilemma gef&uuml;hrt: <\/p><ul>\n<li>Niedrige L&ouml;hne, niedrige Sozialleistungen, Einsparpolitik im &ouml;ffentlichen Dienst oder die K&uuml;rzung der &ouml;ffentlichen Investitionen f&uuml;hren zum Einbruch der Binnennachfrage.<\/li>\n<li>Da die Binnennachfrage in allen Staaten stagniert oder sinkt, kommt der einzig verbliebene Wachstumsmotor, n&auml;mlich die Exporte ins Stocken.<\/li>\n<li>Da Steuererh&ouml;hungen &ndash; selbst f&uuml;r die Vorkrisen- und die Krisengewinner &ndash; ideologisch und dogmatisch ausgeschlossen werden, um die Schulden zu verringern, haben die einzig verbliebenen Akteure, die die Konjunktur wieder ansto&szlig;en k&ouml;nnten, n&auml;mlich die Staaten selbst  inzwischen so hohe Schuldenberge &ndash; und zwar aufgrund der Bankenrettung in der Finanzkrise -, dass sie von den Finanzmarktakteuren f&uuml;r konjunkturst&uuml;tzende Investitionen nicht mehr ausreichend kreditw&uuml;rdig gehalten werden.<\/li>\n<\/ul><p>Angesichts einer Rezession (oder gar Depression) erscheint jede der drei Optionen als inakzeptabel oder ohne Aussicht auf Erfolg:<\/p><ul>\n<li>Angesichts einer Rezession erscheinen h&ouml;here L&ouml;hne f&uuml;r die Unternehmen sch&auml;dlich, sinken doch die Absatz- und damit die Gewinnchancen. Und eine Stabilisierung der Sozialleistungen erh&ouml;ht die Staatsausgaben.<\/li>\n<li>Exporterfolge k&ouml;nnten bestenfalls durch weitere Kostenentlastungen der Unternehmen, &ndash; also Lohn- und Steuersenkungen &ndash; erzielt werden. Was zwar die Ums&auml;tze stabilisieren, aber die &bdquo;Staatsverschuldung&ldquo; nicht mindern, sondern sogar erh&ouml;hen w&uuml;rde.<\/li>\n<li>Steuererh&ouml;hungen f&uuml;r Unternehmen in einer Rezession durchzusetzen, um den Staat in die Lage zu versetzen, Konjunkturprogramme anzusto&szlig;en, erscheint als widersinniges Unterfangen. Im Gegenteil die deutsche Regierung setzt sogar noch auf eine Steuersenkung der Besserverdienenden.<\/li>\n<\/ul><p>Und da man an die in den letzten Jahren explodierten Verm&ouml;gen der Verm&ouml;gensbesitzer nicht herangehen oder die Gewinner der Bankenkrise nicht heranziehen will, ist die Politik mit ihrem Latein am Ende. Sie kennt nur noch Sparen und man&ouml;veriert sich nicht nur ins wirtschaftspolitische Schachmatt. Auch die Verlierer begehren auf und schaffen soziale Konflikte.<\/p><p>Dieses Katastrophenszenario ist der realen Grund f&uuml;r die &bdquo;Nervosit&auml;t&ldquo; der B&ouml;rsianer.<br>\nSie haben zun&auml;chst mit Hinweis auf die &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; die Politik in dieses Trilemma getrieben und sind nun selbst darin gefangen.<\/p><p>Einen Ausweg aus diesem Gef&auml;ngnis g&auml;be es nur, wenn diejenigen, die auf ihren dicken Geldtaschen sitzen und nicht einmal mehr wissen, wohin mit ihrem Geld, zur Kasse gebeten w&uuml;rden. Das hei&szlig;t, dass <\/p><ul>\n<li>ordentliche L&ouml;hne bezahlt und die Sozialleistungen stabilisiert w&uuml;rden, damit die Massenkaufkraft steigt und die Binnennachfrage gest&auml;rkt w&uuml;rde, was die Verluste beim Export abfangen k&ouml;nnte,<\/li>\n<li>mit erh&ouml;hten Steuern f&uuml;r diejenigen, denen es leicht fiele ein St&uuml;ck von ihrem zusammengerafften Verm&ouml;gen abzugeben, die &ouml;ffentlichen H&auml;nde wieder in die Lage  versetzt werden m&uuml;ssten, in die heruntergekommene Infrastruktur bis hin zur Bildung zu investieren.<\/li>\n<\/ul><p>Damit k&ouml;nnen die &Auml;ngste vor der &bdquo;Staatsverschuldung&ldquo; gleichzeitig von zwei Seiten abgebaut werden: <\/p><p>Einmal &uuml;ber eine Verbesserung der Einnahmeseite des Staates und damit &uuml;ber dessen Kreditw&uuml;rdigkeit f&uuml;r Investitionen aus der wirtschaftlichen Rezession. Was zum anderen wiederum zu mehr Steuereinnahmen f&uuml;hren w&uuml;rde.<\/p><p>Dieser Ausweg k&ouml;nnte selbst die Analysten und Zocker an den B&ouml;rsen endlich wieder beruhigen, denn sie k&ouml;nnten dann vielleicht, statt auf den Misserfolg der derzeitigen Strategie wieder auf Erfolg wetten. Aber daf&uuml;r m&uuml;sste wenigstens ein St&uuml;ck weit &ouml;konomische Vernunft auf dem &bdquo;B&ouml;rsenparkett&ldquo; einkehren. Die Gier m&uuml;sste zur&uuml;cktreten, die Angst der &ouml;konomischen Rationalit&auml;t Platz machen.  Und vor allem m&uuml;sste die Politik klar machen, dass sie das &ouml;konomische Geschehen durchschaut hat, statt sich von der Gier oder der Angst auf den Aktien- und Finanz-&bdquo;M&auml;rkten&ldquo; in den Bankrott des staatlichen, wie des privaten Sektors treiben zu lassen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach all dem Unsinn, der &uuml;ber das Auf und Ab des Aktienmarktes an der B&ouml;rse erz&auml;hlt wurde, allm&auml;hlich geht offenbar manchen ein Licht auf: Nicht irgendwelches Gerede etwa &uuml;ber Arbeitslosenzahlen in den USA, &uuml;ber eine in den Sternen stehende Einf&uuml;hrung einer Transaktionssteuer, &uuml;ber irgendwelche Gipfeltreffen oder Erkl&auml;rungen von Zentralbankchefs, nicht einmal &ndash; so die am<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10492\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,13,50],"tags":[290,785,1177,392,325],"class_list":["post-10492","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-finanzkrise","tag-binnennachfrage","tag-finanztransaktionssteuer","tag-rezession","tag-schuldenbremse","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10492"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10492\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23201,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10492\/revisions\/23201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}