{"id":104968,"date":"2023-10-09T09:15:35","date_gmt":"2023-10-09T07:15:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104968"},"modified":"2023-10-09T13:44:53","modified_gmt":"2023-10-09T11:44:53","slug":"steht-dem-nahen-osten-ein-neuer-krieg-bevor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104968","title":{"rendered":"Steht dem Nahen Osten ein neuer Krieg bevor?"},"content":{"rendered":"<p>Es sei &bdquo;der schlimmste Angriff auf Israel seit dem Krieg 1973&ldquo;, sagte US-Au&szlig;enminister Anthony Blinken im US-Nachrichtensender CNN am vergangenen Wochenende. Blinken reagierte damit auf eine Milit&auml;roperation der pal&auml;stinensischen Qassam-Brigaden gegen Israel am Samstagmorgen. Washington werde &bdquo;Israel mit allem unterst&uuml;tzen, was es braucht, um mit der Lage umzugehen&ldquo;. Als einen Grund hinter dem Angriff sah Blinken den Versuch, die US-Bem&uuml;hungen zu unterbrechen, die Beziehungen Israels mit den arabischen Staaten zu normalisieren. Insbesondere nannte Blinken die Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien, auf deren &bdquo;Normalisierung&ldquo; sich die US-Au&szlig;enpolitik seit Monaten konzentriert. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ordnete die Entsendung des Flugzeugtr&auml;gers Gerald Ford ins &ouml;stliche Mittelmeer an. Die US-Administration werde die israelische Armee mit zus&auml;tzlicher Ausr&uuml;stung, Nachschub und Munition versorgen, hie&szlig; es. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1752\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-104968-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231009-Steht-Nahem-Osten-neuer-Krieg-bevor-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231009-Steht-Nahem-Osten-neuer-Krieg-bevor-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231009-Steht-Nahem-Osten-neuer-Krieg-bevor-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231009-Steht-Nahem-Osten-neuer-Krieg-bevor-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=104968-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231009-Steht-Nahem-Osten-neuer-Krieg-bevor-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231009-Steht-Nahem-Osten-neuer-Krieg-bevor-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die Vorgeschichte<\/strong><\/p><p>Der Oktober-Krieg 1973, den der US-Au&szlig;enminister erw&auml;hnte, war der f&uuml;nfte Krieg, mit dem die arabischen Staaten versuchten, die Landnahme arabischen Bodens durch den 1948 gegr&uuml;ndeten Staat Israel zu stoppen. Der israelischen Staatsgr&uuml;ndung war die Vertreibung der arabischen Bev&ouml;lkerung aus Pal&auml;stina 1948 vorausgegangen, an die in der arabischen Welt als &bdquo;Nakba&ldquo;, als Katastrophe, erinnert wird. 75 Jahre sp&auml;ter, 2023, wurde daran erstmals mit einem internationalen Gedenktag erinnert, den die Vereinten Nationen ausgerufen haben.<\/p><p>Der Oktober-Krieg folgte dem Sechs-Tage-Krieg 1967, mit dem Israel die syrischen Golan-H&ouml;hen, das Westjordanland und Jerusalem besetzte und sp&auml;ter annektierte. Es folgte ein Abnutzungskrieg (1969\/70), den der &auml;gyptische Pr&auml;sident Anwar Sadat versuchte, mit einer arabisch-israelischen Einigung entsprechend der <a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/topic\/United-Nations-Resolution-242\">UN-Resolution 242<\/a> zu beenden. Israel <a href=\"https:\/\/www.un.org\/depts\/german\/sr\/sr_67\/sr242-67.pdf\">sollte<\/a> die 1967 besetzten Gebiete zur&uuml;ckgeben und sich zur&uuml;ckziehen. Im Gegenzug w&uuml;rden die arabischen Staaten das Recht Israels anerkennen, &bdquo;in Frieden innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen zu leben&ldquo;.<\/p><p>Israel lehnte den R&uuml;ckzug aus den besetzten Gebieten und damit den &auml;gyptischen Vorschlag ab. Die milit&auml;rischen Auseinandersetzungen hielten an und m&uuml;ndeten in dem &Uuml;berraschungskrieg, den &Auml;gypten und Syrien am israelischen Feiertag Yom Kippur (Vers&ouml;hnungsfest) im Oktober 1973 begannen. Der Befreiungskrieg endete f&uuml;r die arabischen L&auml;nder mit einer Niederlage. Syrien konnte lediglich einen kleinen Teil der besetzten Golanh&ouml;hen zur&uuml;ckerobern.<\/p><p>50 Jahre ist das her und trotz zahlreicher Verhandlungen, Konferenzen und Abkommen hat es nie Frieden zwischen Israel und den Pal&auml;stinensern gegeben, die ihr Heimatland Pal&auml;stina nicht aufgeben. Generationen pal&auml;stinensischer Fl&uuml;chtlinge sind weiter mit Vertreibung, Enteignung, Hauszerst&ouml;rungen und Landnahme durch die israelische Besatzungsmacht konfrontiert. 5,9 Millionen registrierte pal&auml;stinensische Fl&uuml;chtlinge und ihre Nachfahren leben heute im Nahen und Mittleren Osten. Selbst in ihrer Heimat Pal&auml;stina, im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen leben die Menschen dichtgedr&auml;ngt in Lagern von Almosen, die UN-Organisationen und andere Hilfsorganisationen verteilen. Weil Israel den Pal&auml;stinensern bis heute ihr Recht auf einen souver&auml;nen Staat verweigert, sind sie bis heute staatenlos und ohne Rechte.<\/p><p><strong>&bdquo;Genug ist genug&ldquo;<\/strong><\/p><p>Vor diesem Hintergrund k&uuml;ndigte der Oberkommandierende der pal&auml;stinensischen Qassam-Brigaden, Mohammed Deif, in den fr&uuml;hen Morgenstunden am vergangenen Samstag die milit&auml;rische Operation &bdquo;Al-Aksa-Flut&ldquo; gegen Israel an. &bdquo;Genug ist genug&ldquo;, sagte Deif, die milit&auml;rische Operation sei eine Antwort auf die anhaltende Entw&uuml;rdigung der Al-Aksa-Moschee durch die (israelischen) Besatzungstruppen, auf die Entw&uuml;rdigung der muslimischen Gl&auml;ubigen dort und vor allem der Frauen. Mehr als 200 Pal&auml;stinenser seien allein in diesem Jahr von den Besatzungstruppen get&ouml;tet worden, Israel habe sich geweigert, einem Gefangenenaustausch zuzustimmen. Ausdr&uuml;cklich hie&szlig; es, dass die &bdquo;Normalisierung&ldquo; mit Israel keine Option sei.<\/p><p>Es sei der Tag des pal&auml;stinensischen Widerstandes, sagte Deif in seiner morgendlichen Botschaft. &bdquo;Heute ist Euer Tag, um dem Feind klarzumachen, dass seine Zeit vor&uuml;ber ist.&ldquo; Die Pal&auml;stinenser im von Israel besetzten Westjordanland rief er auf, &bdquo;Operationen gegen die Siedlungen&ldquo; zu organisieren, um die Besatzung zu verjagen. Es gehe um den Kampf gegen die israelische Besatzung auch in Jerusalem, dem sollten sich auch die 1948 vertriebenen Pal&auml;stinenser in den Nachbarl&auml;ndern anschlie&szlig;en. Alle &bdquo;Fronten und Fahnen&ldquo; des Widerstandes im Libanon, in Syrien, Irak und Iran sollten sich vereinen. Die Menschen in Algerien, Marokko, in Jordanien und &Auml;gypten sowie im Rest der arabischen Welt sollten die Operation &bdquo;Al-Aksa-Flut&ldquo; unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Die Qassam-Brigaden sind der milit&auml;rische Arm der Hamas, die im Januar 2006 deutlich die pal&auml;stinensischen Parlamentswahlen gewonnen hatte. Die Stimmabgabe war von internationalen Wahlbeobachtern &ndash; darunter auch der ehemalige US-Pr&auml;sident Jimmy Carter &ndash; begleitet worden. Mit den Wahlen sollte ein neues Kapitel aufgeschlagen werden, was nicht gelang. Israel und die USA lehnten eine Zusammenarbeit mit der Hamas ab, die in fr&uuml;heren Jahren f&uuml;r zahlreiche Selbstmordattentate in Israel verantwortlich gezeichnet hatte. Hamas wurde von den USA und der EU als Terrororganisation isoliert, Zusammenarbeit mit einer &bdquo;Terrorregierung&ldquo; wurde ausgeschlossen. Es folgten Sanktionen gegen die Hamas und den Gazastreifen, der bereits vor den Wahlen 2005\/2006 von Israel abgeriegelt worden war. Seit 2007 gibt es eine komplette Belagerung des Gazastreifens durch Israel zu Wasser, zu Land und aus der Luft.<\/p><p><strong>Gegen Siedlungen, Siedler und israelische Besatzungsarmee<\/strong><\/p><p>Seit den fr&uuml;hen Morgenstunden waren am Samstag tausende Raketen aus dem Gazastreifen auf die israelischen St&auml;dte Aschkalon, Aschdod und Tel Aviv abgefeuert worden, die n&ouml;rdlich des Gazastreifens liegen. Unter dem Feuerschirm waren Hunderte pal&auml;stinensische K&auml;mpfer mit Fahrzeugen, Motorr&auml;dern, zu Fu&szlig;, mit Gleitschirmen und mit Schnellbooten in die von Israel besetzten Gebiete eingedrungen. Die K&auml;mpfer zerst&ouml;rten den Trennzaun, drangen in israelische Siedlungen entlang des Gazastreifens ein, lieferten sich Feuergefechte mit israelischen Soldaten und bewaffneten Siedlergruppen, von denen viele von dem Angriff offenbar im Schlaf &uuml;berrascht wurden. <\/p><p>Videoaufnahmen zeigten Siedler, die &uuml;ber Felder flohen, andere Videos zeigten Fahrzeuge, deren Insassen &ndash; vermutlich fliehende Siedler &ndash; tot auf den Sitzen oder hinter den Lenkr&auml;dern lagen. Manche hatten offenbar versucht zu entkommen und lagen erschossen am Stra&szlig;enrand. Israelische Soldaten wurden gefangen genommen und mit Motorr&auml;dern abtransportiert. Zahlreiche der israelischen Milit&auml;rs trugen nicht mehr als ihre Unterw&auml;sche, als sie von den schwer bewaffneten K&auml;mpfern abgef&uuml;hrt wurden. Immer wieder mussten die Gefangenen vor w&uuml;tenden und aufgebrachten Menschenmengen abgeschirmt werden, die unter anderen Umst&auml;nden die Israelis und Siedler vermutlich gelyncht h&auml;tten. Die K&auml;mpfer brachten mehr als 100 israelische Milit&auml;rs und Siedler als Gefangene in den Gazastreifen zur&uuml;ck, w&auml;hrend ihre Mitk&auml;mpfer die eingenommenen Siedlungen sicherten. Auch am Sonntag gingen die milit&auml;rischen Operationen in den Siedlungen im Osten des Gazastreifens und n&ouml;rdlich davon weiter. <\/p><p>Im besetzten Westjordanland wurde am Sonntag ein Generalstreik verk&uuml;ndet, mit dem gegen die israelische Bombardierung des Gazastreifens protestiert wird. In pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlingslagern im Libanon demonstrierten am Samstag zahlreiche Menschen ihre Solidarit&auml;t mit der Hamas und den K&auml;mpfern des Gazastreifens. Am Sonntag gab es zwei Kundgebungen zur Unterst&uuml;tzung der Pal&auml;stinenser. Im S&uuml;den der Stadt demonstrierte die Hisbollah ihre Solidarit&auml;t, im Zentrum von Beirut hatte die Kommunistische Partei Libanons zu einer Kundgebung aufgerufen.<\/p><p><strong>&Uuml;berrascht<\/strong><\/p><p>Der Angriff war f&uuml;r Israel eine &Uuml;berraschung. Die Menschen feierten das Ende des Sukkot, des Laubh&uuml;ttenfestes, und weder das Milit&auml;r noch der Geheimdienst noch die Regierung oder die Bev&ouml;lkerung hatten offenbar mit einer solchen Entwicklung gerechnet. Man habe sich an die Lage im Gazastreifen gew&ouml;hnt, sagte ein Siedler einem israelischen Sender. Als man die Armee und Polizei von dem Vormarsch der pal&auml;stinensischen K&auml;mpfer informierte, habe man lange keine Antwort erhalten. Ein israelischer Journalist, der von den Angriffen berichtete, &auml;u&szlig;erte die Vermutung, man habe die Lage in Regierungs- und Armeekreisen zun&auml;chst gar nicht ernst genommen.<\/p><p>W&auml;hrend die Bewohner in den israelischen St&auml;dten die Sch&auml;den durch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen begutachteten, die Feuerwehr Br&auml;nde l&ouml;schte und die Menschen die Bunker aufsuchten, transportierte die Armee Kampfjets von einer Luftwaffenbasis ab, der die pal&auml;stinensischen K&auml;mpfer sich n&auml;herten. Eine erste Stellungnahme von Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanyahu folgte am Mittag, nach einer ersten Besprechung mit dem Verteidigungsminister. Der musste einr&auml;umen, dass die Luftabwehr Iron Dome &ndash; ein Exportschlager der israelischen R&uuml;stungsindustrie &ndash; von den Massen an Raketen aus dem Gaza-Streifen deutlich &uuml;berfordert war. Am Abend befanden sich nach israelischen Armeeangaben noch &bdquo;hunderte&ldquo; K&auml;mpfer an mindestens 22 Orten in Israel, Armeesprecher Richard Hecht sprach von einer &bdquo;robusten Bodenoffensive&ldquo;. <\/p><p>In einer Erkl&auml;rung am Samstagabend vor Journalisten erkl&auml;rte Ministerpr&auml;sident Netanyahu, die Hamas habe einen &bdquo;grausamen und b&ouml;sartigen Krieg begonnen. Wir werden diesen Krieg gewinnen, aber der Preis wird hoch sein.&ldquo; Was am Samstag geschehen sei, werde nicht wieder vorkommen in Israel, so Netanyahu weiter. &bdquo;Ich werde daf&uuml;r sorgen, dass es nicht wieder geschieht.&ldquo; Die gesamte Regierung stehe hinter der Entscheidung, dass die israelische Armee umgehend alle Macht einsetzen werde, um die M&ouml;glichkeiten der Hamas zu zerschlagen. &bdquo;Wir werden sie totschlagen&ldquo;, so Netanyahu. &bdquo;Wir werden Rache f&uuml;r diesen schwarzen Tag nehmen.&ldquo;<\/p><p>Zu dem Zeitpunkt hatte die israelische Luftwaffe bereits ihre Angriffe auf den Gazastreifen gestartet. Das pal&auml;stinensische Gesundheitsministerium in Gaza-Stadt meldete am Sonntag mehr als 400 Tote und 2.300 Verletzte, die in den Krankenh&auml;usern eingeliefert worden seien. Die israelische Luftwaffe zerst&ouml;rte Hochh&auml;user im Zentrum von Gaza-Stadt. In Rafah, einem Ort im S&uuml;den des Gazastreifens nahe der Grenze zu &Auml;gypten, wurden bei einem Angriff auf das dicht bev&ouml;lkerte Fl&uuml;chtlingslager Shaboura 19 Mitglieder einer Familie get&ouml;tet, darunter auch Kleinkinder.<\/p><p>Israel konnte auch am Sonntag keine genauen Angaben &uuml;ber Tote, Verletzte und Vermisste machen. Der israelische Sender N12 sprach am Samstagabend von mindestens 200 get&ouml;teten und 1.100 verletzten Israelis. Am Sonntag wurden die Zahlen auf 700 Tote und mehr als 2.000 Verletzte korrigiert. Unklar ist weiterhin, wie viele israelische Milit&auml;rs und Siedler in pal&auml;stinensische Gefangenschaft kamen.<\/p><p>Israel sperrte s&auml;mtliche Grenz&uuml;berg&auml;nge zu den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten im Westjordanland. Stra&szlig;en zu pal&auml;stinensischen Ortschaften wurden vom Milit&auml;r blockiert. Zwischen der jordanischen Grenze &uuml;ber das gesamte besetzte Westjordanland bis Jerusalem wurde die h&ouml;chste Alarmstufe verh&auml;ngt. Die Grenz&uuml;berg&auml;nge zum Gazastreifen wurden gesperrt, Israel stoppte die Stromversorgung der Gebiete sowie die Einfuhr von &Ouml;l und Waren. In Jerusalem wurde der Zugang zur Al-Aksa-Moschee von den Besatzungsbeh&ouml;rden gesperrt, Gl&auml;ubige wurden am Zugang gehindert. Die Regierung verh&auml;ngte den Kriegszustand, die Armee mobilisierte die Reservisten. Die Opposition bot Netanyahu eine gemeinsame Notstandsregierung an, um mit einer eisernen Faust die Hamas zu zerschlagen. <\/p><p><strong>UN-Sicherheitsrat hinter verschlossenen T&uuml;ren<\/strong><\/p><p>Am Sonntag tagte in New York der UN-Sicherheitsrat hinter verschlossenen T&uuml;ren. Israel machte deutlich, dass die Hamas die Verantwortung trage und die Konsequenzen tragen m&uuml;sse. Israel m&uuml;sse seine B&uuml;rger und sein Land vor den &bdquo;Terrorangriffen aus dem Gazastreifen&ldquo; sch&uuml;tzen.<\/p><p>Russland und China forderten Verhandlungen zwischen beiden Seiten. Das russische Au&szlig;enministerium erkl&auml;rte, nur die Gr&uuml;ndung eines Staates Pal&auml;stina k&ouml;nne die seit 75 Jahren anhaltenden Spannungen beenden. Das chinesische Au&szlig;enministerium zeigte sich &bdquo;tief besorgt&ldquo; &uuml;ber die Spannungen und Gewalt zwischen Israel und den Pal&auml;stinensern. &bdquo;Der fundamentale Weg aus dem Konflikt ist die Umsetzung der Zwei-Staaten-L&ouml;sung und die Gr&uuml;ndung eines unabh&auml;ngigen Staates Pal&auml;stina&ldquo;, hie&szlig; es in einer Erkl&auml;rung. <\/p><p>US-Pr&auml;sident Joe Biden erkl&auml;rte wie auch die EU-Kommissionsf&uuml;hrung eine &bdquo;unersch&uuml;tterliche Solidarit&auml;t&ldquo; mit Israel. Die deutsche Au&szlig;enministerin Baerbock betonte das &bdquo;Selbstverteidigungsrecht&ldquo; Israels. Die Bundesregierung lie&szlig; das Brandenburger Tor in Berlin in den Farben der israelischen Fahne erleuchten und verbot im Voraus m&ouml;gliche Sympathiekundgebungen f&uuml;r die Sache der Pal&auml;stinenser als &bdquo;antisemitisch&ldquo;. Im Au&szlig;en- und Entwicklungshilfeministerium wird dar&uuml;ber beraten, ob die Hilfszahlungen an pal&auml;stinensische zivilgesellschaftliche und Hilfsorganisationen eingestellt werden sollen.<\/p><p><strong>Wird es einen neuen Krieg geben?<\/strong><\/p><p>Au&szlig;er massiven milit&auml;rischen Reaktionen und anhaltender Repression hat Israel den Pal&auml;stinensern nichts anzubieten. Das Gleiche gilt f&uuml;r die Europ&auml;ische Union, die zwar Hilfsgelder f&uuml;r Projekte der zivilen Infrastruktur im Gazastreifen und in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten zahlt, die allerdings immer wieder von Israel zerbombt werden. <\/p><p>Man wird abwarten m&uuml;ssen, ob die Hisbollah im Libanon oder Kr&auml;fte in Syrien oder Jordanien sich der Operation anschlie&szlig;en werden. Sollten die arabischen Staaten die Pal&auml;stinenser zuk&uuml;nftig mit mehr als mit sch&ouml;nen Worten &ndash; beispielsweise durch wirtschaftlichen Boykott Israels &ndash; unterst&uuml;tzen, k&ouml;nnte Israel massiv in die Enge getrieben werden. Die Regierung Netanyahu ist innerlich zerstritten und in einer schwachen Position, auch weil die USA sehr kritisch gegen&uuml;ber der neuen, rechtsradikalen Regierung ist. Die M&auml;rkte reagierten in Israel am Sonntag mit deutlichen Kursabf&auml;llen. Unternehmen schlossen, internationale Fluggesellschaften stellten ihre Fl&uuml;ge in das Land ein. Erst am Montagmorgen war bekannt geworden, dass auch der internationale Flughafen Ben Gurion von den Raketen aus dem Gazastreifen getroffen worden war.<\/p><p>Ein neuer Krieg in der Region wird unvorhersehbare Folgen haben. Er wird nicht auf Israel und die besetzten pal&auml;stinensischen Gebiete beschr&auml;nkt bleiben, sondern Libanon, Syrien, Jordanien und weitere Teile der Region einbeziehen. Die schrecklichen Folgen f&uuml;r Leben und Gesundheit der Zivilbev&ouml;lkerung, die in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten und den arabischen Nachbarstaaten schon lange am Limit lebt, sind bereits bei der aktuellen Bombardierung des Gaza-Streifens zu sehen. Ob mit oder ohne Krieg deuten sich massive Machtverschiebungen in der Region an, die Israel &ndash; und seine Verb&uuml;ndeten im Westen &ndash; schw&auml;chen und die Kr&auml;fte der Region st&auml;rken werden. <\/p><p>&bdquo;F&uuml;r uns war es wie der Ausbruch aus einem Gef&auml;ngnis&ldquo;, sagte eine in Gaza lebende Pal&auml;stinenserin, die eine Angeh&ouml;rige telefonisch vom Tod eines Cousins informierte, der sich den K&auml;mpfen angeschlossen hatte. Trotz Angst vor der israelischen Rache und den Bombardierungen und trotz Sorge um die eigene Familie haben die Menschen ihre Hoffnung auf die Befreiung aus ihrer unertr&auml;glichen Lebenssituation nicht aufgegeben. Die israelische Politik von Einsch&uuml;chterung, Belagerung, Entrechtung und Entw&uuml;rdigung der Pal&auml;stinenser, die Verw&uuml;stung und Bombardierung werden auch Israel keinen Frieden bringen. Die v&ouml;lkerrechtswidrige Besatzung der pal&auml;stinensischen Gebiete muss beendet und ein souver&auml;ner Staat Pal&auml;stina anerkannt werden. Dazu gibt es keine Alternative.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot ZDF heute<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sei &bdquo;der schlimmste Angriff auf Israel seit dem Krieg 1973&ldquo;, sagte US-Au&szlig;enminister Anthony Blinken im US-Nachrichtensender CNN am vergangenen Wochenende. Blinken reagierte damit auf eine Milit&auml;roperation der pal&auml;stinensischen Qassam-Brigaden gegen Israel am Samstagmorgen. Washington werde &bdquo;Israel mit allem unterst&uuml;tzen, was es braucht, um mit der Lage umzugehen&ldquo;. Als einen Grund hinter dem Angriff sah<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104968\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":104969,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[1055,302,822,1557,303,639,2360,2920],"class_list":["post-104968","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-fluechtlinge","tag-gaza","tag-hamas","tag-israel","tag-palaestina","tag-uno","tag-zivile-opfer","tag-zweistaatenloesung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/231009_nds_Israel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=104968"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104968\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105002,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104968\/revisions\/105002"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/104969"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=104968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=104968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=104968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}