{"id":1050,"date":"2006-02-19T15:11:48","date_gmt":"2006-02-19T13:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1050"},"modified":"2020-02-26T12:28:17","modified_gmt":"2020-02-26T11:28:17","slug":"daniela-dahn-im-freitag-zum-zustand-der-pressefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1050","title":{"rendered":"Daniela Dahn im Freitag zum Zustand der Pressefreiheit"},"content":{"rendered":"<p>Die gro&szlig;m&auml;ulige Verteidigung der Pressefreiheit gegen&uuml;ber den islamischen Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen habe etwas Bizarres. Nicht das Tabu des islamischen Bilderverbots sei das eigentliche Problem f&uuml;r die b&uuml;rgerliche Errungenschaft der Pressefreiheit, sondern die Selbstgleichschaltung der Presse, der eine Selbstgleichschaltung der Leser folge.<br>\n<!--more--><br>\nEine Mitgliederbefragung der IG Medien unter Zeitungsjournalisten habe indes schon vor zehn Jahren ergeben, dass sich drei Viertel der Redakteure Eingriffen von Verlegern ausgesetzt s&auml;hen, weit &uuml;ber die H&auml;lfte au&szlig;erdem aggressiver Einflussnahmen durch Inserenten, Verb&auml;nde und Politiker. Die meisten Journalisten seien angesichts exzessiver Sparpl&auml;ne nicht gerade in offensiven Positionen. Recherchen seien gewisserma&szlig;en verlorene Rendite. Und br&auml;chten wom&ouml;glich noch Scherereien.<br>\nImmer mehr Lobby-Gruppen kauften sich Zeitungsplatz f&uuml;r seitenf&uuml;llende Textanzeigen, um da weiterzumachen, wo die Bereitschaft der Journalisten aufh&ouml;re.<\/p><p>Der Meinungs-Mainstream sei die Summe der &ouml;ffentlichen &Auml;u&szlig;erungen, die aufm&uuml;pfig genug seien, um den Anschein von Meinungsfreiheit zu erwecken, und brav genug, um erforderliche Ver&auml;nderungen verl&auml;sslich zu verhindern.<br>\nDie deutsche Presse betreibe ihre Selbstgleichschaltung, indem politische Meinungsfreude nur dann akzeptiert w&uuml;rde, wenn sie dem Mainstream entspreche. (Franziska Augstein)<\/p><p>Keines der etablierten Medien stelle ernsthaft und anhaltend Fragen nach den Voraussetzungen von kapitaler Macht. Das Jagdfieber der meisten Journalisten &ndash; so sie es &uuml;berhaupt noch haben &ndash; gelte Enth&uuml;llungsgeschichten, in denen die Verworfenheit von Personen, nicht die von gesellschaftlichen Kausalit&auml;ten blo&szlig;gelegt werde.<\/p><p>Der Selbstgleichschaltung der Presse folge die Selbstgleichschaltung des Lesers. Und umgekehrt. Wolle man nicht selbst als Au&szlig;enseiter enden, empfehle es sich, Querdenkereien von Au&szlig;enseitern zu meiden. <\/p><p>Derzeit werde das angebliche Zur&uuml;ckweichen der freien Presse vor dem Islam lautstark beklagt, w&auml;hrend ihr viel folgenschwereres Zur&uuml;ckweichen vor dem Kapital seit Jahren klaglos hingenommen werde. Das verrate eine Betriebsblindheit, die schon an Fahrl&auml;ssigkeit grenze. Wenn der Westen ernsthaft glaube, die Pressefreiheit in Europa hinge davon ab, ob man dem Tabu des islamischen Bilderverbots widerstehen k&ouml;nne, so habe er noch ein gutes St&uuml;ck Aufkl&auml;rung vor sich.<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/2006\/07\/06070101.php\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.freitag.de\/2006\/07\/06070101.php\">Freitag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gro&szlig;m&auml;ulige Verteidigung der Pressefreiheit gegen&uuml;ber den islamischen Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen habe etwas Bizarres. 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