{"id":105206,"date":"2023-10-15T15:00:36","date_gmt":"2023-10-15T13:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105206"},"modified":"2023-12-08T19:00:03","modified_gmt":"2023-12-08T18:00:03","slug":"stimmen-aus-lateinamerika-guayana-ist-eine-vorgeschobene-operationsbasis-der-nato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105206","title":{"rendered":"Stimmen aus Lateinamerika: \u201eGuayana ist eine vorgeschobene Operationsbasis der NATO&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Das lateinamerikanische &bdquo;Patria Grande&rdquo;[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105206#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]&nbsp;vergisst immer wieder die drei Guayanas, kleine Territorien, die im Norden des s&uuml;damerikanischen Subkontinents liegen. Ihre Kolonisierung verlief auf unterschiedlichen Wegen, aber zwei von ihnen&nbsp;&ndash; Surinam und die Republik Guyana&nbsp;&ndash; haben nach ihrer Unabh&auml;ngigkeit die Beziehungen zum Kontinent stark gepr&auml;gt und k&ouml;nnen nicht mehr beiseitegelassen werden. &Uuml;brig bleibt das 83.846 Quadratkilometer gro&szlig;e Gebiet, das offiziell ein franz&ouml;sisches &Uuml;bersee-D&eacute;partement ist, in der Praxis aber immer noch eine Kolonie darstellt. Ein Interview mit dem guayanischen Unabh&auml;ngigkeitsk&auml;mpfer Maurice Pinard. Von <strong>David Roca Basadre<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas sogenannte Franz&ouml;sisch-Guayana ist in hohem Ma&szlig;e von Frankreich abh&auml;ngig, das ihm jeglichen Handel oder direkte Beziehungen zu den L&auml;ndern der Region verwehrt und das tief im Amazonasgebiet gelegene s&uuml;damerikanische Gebiet, das es kontrolliert, mit Produkten aus der Metropole und unzureichenden Subventionen f&uuml;r seine fast 300.000 Einwohner versorgt. Nach&nbsp;<a href=\"#:~:text=Selon%20l%27Insee%2C%20un%20quart,Martinique%20et%20%C3%A0%20La%20R%C3%A9union\">Angaben<\/a>&nbsp;des INSEE (Nationales Institut f&uuml;r Statistik und Wirtschaftsstudien) &ndash; einer offiziellen franz&ouml;sischen Einrichtung &ndash; lebt ein Viertel der Menschen, die in Guyana wohnen, in gro&szlig;er Armut mit weniger als 340 Euro pro Monat.<\/p><p>Aber Frankreich h&auml;lt an Guyana, wie auch an anderen Territorien in der Karibik und im Pazifik, aus Gr&uuml;nden fest, die das franz&ouml;sische Heeresministerium selbst ausdr&uuml;cklich&nbsp;<a href=\"https:\/\/archives.defense.gouv.fr\/dgris\/action-internationale\/enjeux-regionaux\/amerique-latine.html\">benennt<\/a>: &bdquo;Guyana stellt nicht nur f&uuml;r Frankreich, sondern auch f&uuml;r Europa eine strategische Frage dar. Die Sicherheit des Seehandels und der freie Zugang zum Panamakanal sind entscheidende Themen f&uuml;r Frankreich, das von Guadeloupe, Martinique und Franz&ouml;sisch-Polynesien aus Kontrollma&szlig;nahmen durchf&uuml;hrt.&rdquo;<\/p><p>Bei den j&uuml;ngsten Wahlen haben die Guyaner ihre Meinung dazu zum Ausdruck gebracht und haben Jean-Victor Castor, einen Vertreter der Bewegung f&uuml;r Dekolonisierung und soziale Emanzipation (Mouvement de d&eacute;colonisation et d&rsquo;&eacute;mancipation sociale, MDES), einer eindeutig f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit eintretenden Partei, und Davy Rimane von der Partei La France insoumise, die in Guyana ein enger Verb&uuml;ndeter der Unabh&auml;ngigkeitsbewegung ist, zu Abgeordneten gew&auml;hlt.<\/p><p>Maurice Pindard ist P&auml;dagoge und einer der Gr&uuml;nder der MDES. Wir hatten eine erste Verabredung, die von einem Stromausfall verhindert wurde, von dem das halbe Land betroffen war. Das war nichts Neues. Als die Verbindung endlich hergestellt war, erz&auml;hlte uns Pindard mit resigniertem Humor: &bdquo;Gestern sagte meine Frau nach dem Stromausfall zu mir: &sbquo;Wir leben in der Dritten Welt, nicht in Frankreich!&rsquo; Sie fragen mich, warum so etwas passiert? Manchmal ist ein Leguan in das Kraftwerk eingedrungen, ein anderes Mal eine Schlange&hellip; Es geschieht h&auml;ufig, dass es keinen Strom gibt, wenn es regnet.&rdquo;<\/p><p>Diese Anekdote soll als Einf&uuml;hrung in eine Situation der kolonialen Zur&uuml;cksetzung dienen, die die andere, notwendige Seite der Medaille einer rein geopolitischen Strategie Frankreichs darstellt.<\/p><p><strong>Erst vor Kurzem, am 7. und 8. August, fand in Belem do Para, Brasilien, ein Treffen der Staatschefs der Amazonasl&auml;nder statt, zu dem Pr&auml;sident Lula Herrn Macron als franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten eingeladen hatte. Herr Macron nahm nicht teil, er schickte einen Brief und als Abgesandte die Botschafterin Frankreichs in Brasilien, bezogen auf die Staatschefs eine Person zweiten Ranges, und er informierte nicht einmal die offiziellen franz&ouml;sischen Beh&ouml;rden in Guyana. Warum handelt Macron so?<\/strong><\/p><p>Das &uuml;berrascht uns nicht, weil die Beziehungen zwischen Guyana und den franz&ouml;sischen Beh&ouml;rden von absolut kolonialer Natur sind. Der franz&ouml;sische Staat wendet seine Gesetze in Guyana an, ohne daf&uuml;r auch nur um eine Genehmigung zu bitten. Sie haben die Kolonie in ein &bdquo;franz&ouml;sisches Departement&rdquo; umgewandelt, wir sind vollst&auml;ndig ihren Gesetzen und Entscheidungen unterworfen. Dies sind Beziehungen der Diskriminierung, der Verachtung, der vollendeten Tatsachen, das ist immer so.<\/p><p>Und auf der Ebene internationaler Beziehungen ist dies Frankreichs ausschlie&szlig;liches Vorrecht, und sie rechtfertigen sich nicht einmal, selbst wenn es uns betrifft. Und wenn wir jemals dazu gekommen sind, uns in bestimmte Diskussionen einzumischen, weil unsere Anwesenheit unabdingbar ist, etwa in Angelegenheiten mit angrenzenden L&auml;ndern wie Brasilien oder Surinam, dann wird uns ganz klar gesagt, dass es Frankreich ist, das das Wort hat. Es gab bereits einen Fall, in dem ein Pr&auml;sident des Regionalrats zu einem Treffen nach Surinam fuhr und der franz&ouml;sische Botschafter ihm sagte, er solle hinter ihm bleiben. Und es war der Botschafter, der die ganze Zeit redete. Zwischen den Beh&ouml;rden Guyanas und der franz&ouml;sischen Regierung besteht ein Verh&auml;ltnis der totalen Unterordnung. Das ist ein erster Punkt.<\/p><p>Ein zweiter Punkt von unserer Seite ist, dass wir der Meinung sind, dass Brasilien die diplomatische Frage auf dem Treffen der Amazonasl&auml;nder gut angesprochen hat, da Frankreich als Beobachter und nicht als Amazonasland eingeladen war. Aber wir haben auch die Missachtung der franz&ouml;sischen Regierung festgestellt, die sich nicht dazu herabgelassen hat, an dem Treffen teilzunehmen und nur ihre Botschafterin geschickt hat. Und sie haben die Guyaner &uuml;ber nichts informiert, ganz so, wie sie es gewohnt sind. Es ist die &uuml;bliche koloniale Praxis Frankreichs, zu zeigen, dass sie es sind, die ihre Kolonie regieren, und klar ist, dass wir eine Kolonie sind.<\/p><p><strong>Welches Interesse hat Frankreich daran, in Guyana zu bleiben?<\/strong><\/p><p>Es ist ein rein strategisches geopolitisches Interesse. Sobald Frankreich einen Fu&szlig; in Amerika hat , kann es auf unserem Kontinent agieren. Fr&uuml;her gab es Direktfl&uuml;ge von Cayenne nach Rio de Janeiro, nach Lima, nach Buenos Aires und so weiter. Es gab auch eine Zeit lang, vor dem Internet, eine Antenne, die von Guyana nach ganz Lateinamerika sendete.<\/p><p>Es gibt auch ein finanzielles und politisches Interesse: Der Weltraumbahnhof Kourou liegt mitten in der &Auml;quatorialzone, durch die der Treibstoff f&uuml;r seinen Betrieb flie&szlig;t. All dies erm&ouml;glicht es Frankreich, sich sowohl als eine Weltraum- als auch eine Seemacht zu pr&auml;sentieren.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231015-sal-Foto1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Maurice Pinard, P&auml;dagoge und Unabh&auml;ngigkeitsk&auml;mpfer &ndash; Quelle: <a href=\"https:\/\/ctxt.es\/es\/20230901\/Politica\/44069\/david-roca-basadre-maurice-pindard-guayana-francesa-independencia-mdes-colonia-europa-patria-grande-otan-base-de-operaciones-america.htm\">ctxt.es<\/a><\/small><\/p><p><strong>Was bedeutet Guyana geopolitisch f&uuml;r Frankreich? Laut Dr. Marie-Claire Newton wird &bdquo;Franz&ouml;sisch-Guayana als Basis f&uuml;r alle internationalen Operationen zur Destabilisierung legitimer Regierungen genutzt (&hellip;) Die neokoloniale Verwaltungspartnerschaft zwischen Frankreich und den USA (&hellip;) schw&auml;cht die Protestbewegungen in Lateinamerika.&rdquo;&nbsp;<\/strong><\/p><p>Ganz genau. Heute, im Jahr 2023, m&uuml;ssen wir die Dinge umfassender betrachten: Wo Frankreich ist, ist Europa. Kourou ist ein NATO-St&uuml;tzpunkt. Mitten im Amazonasgebiet stellt er eine Bedrohung dar, auch wegen der Gier, die der Amazonasregenwald bei den gro&szlig;en M&auml;chten weckt.<\/p><p>Guyana ist eine vorgeschobene Operationsbasis der NATO. Hinzu kommt, dass in der Region nicht nur Frankreich pr&auml;sent ist, sondern auch die Niederlande, die in ihren Kolonialgebieten unter anderem in Cura&ccedil;ao, Bonaire und Aruba mehrere Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte unterhalten. Alle diese Gebiete stehen im Dienst der Politik der NATO, das hei&szlig;t, der USA, in Lateinamerika. Aber in Guyana gibt es die h&ouml;chste Anzahl an kolonialen Milit&auml;rs pro Kopf der Bev&ouml;lkerung.<\/p><p>Wir sind eine europ&auml;ische Kolonie. Die Gesetze, die uns regieren, sind europ&auml;isch, sie sind f&uuml;r Europa konzipiert, nicht f&uuml;r unsere Realit&auml;t, wie es in den Nachbarl&auml;ndern Brasilien, Kolumbien usw. und in allen L&auml;ndern unseres Kontinents der Fall ist. Wir haben abwegige europ&auml;ische Gesetze, die uns zum Beispiel daran hindern, so zu bauen, wie es unserem Territorium entspricht.<\/p><p><strong>Welche Politik verfolgt Frankreich gegen&uuml;ber dem Amazonasgebiet? Ist es nur ein Gebiet, das ausgepl&uuml;ndert werden soll?<\/strong><\/p><p>Wir haben Partner von MDES, die an den Amazonas-Foren teilnehmen. Wir waren bei mehreren pan-amazonischen Veranstaltungen, in Tarapoto, in Kolumbien, usw. Frankreich kann zwar davon sprechen, dass der Amazonasregenwald gesch&uuml;tzt werden muss, aber das ist nur Gerede. Die Realit&auml;t ist, dass es in Guyana etwa 150 illegale Minen gibt, haupts&auml;chlich von Garimpeiros aus Brasilien, die in einem Nationalpark sch&uuml;rfen, in dem wir nicht einmal spazieren gehen d&uuml;rfen, weil er angeblich ein Schutzgebiet ist. Zehn Tonnen Gold kommen jedes Jahr von dort&hellip; Die Presse hat auch &uuml;ber den Einsatz von Quecksilber berichtet, das diese Orte vergiftet. Die &ouml;kologische Pflege ist kein Anliegen Frankreichs. Es kommen zwar vereinzelt Umweltsch&uuml;tzer, aber nicht im Auftrag des franz&ouml;sischen Staates, der die Verwendung von Quecksilber in den zahlreichen illegalen Sch&uuml;rfstellen zul&auml;sst. Diese Situation des allgemeinen Chaos ist notwendig, um die Abh&auml;ngigkeit aufrechtzuerhalten.<\/p><p><strong>Gibt es weitere Beispiele f&uuml;r aufgezwungene Projekte?<\/strong><\/p><p>Ein Beispiel f&uuml;r Ignoranz oder, was das Gleiche ist, mangelndes Verst&auml;ndnis der guyanischen Realit&auml;t, ist das&nbsp;<a href=\"https:\/\/la1ere.francetvinfo.fr\/guyane\/dossier-prosperite-ceog-comment-en-est-on-arrive-la-1380902.html\">Hybridkraftwerk<\/a>&nbsp;in Prosp&eacute;rit&eacute;, das aus einem riesigen Park mit Photovoltaik-Paneelen und einem riesigen Wasserstoffspeicher bestehen soll, was angesichts der vielen Menschen, die davon profitieren w&uuml;rden, eine gro&szlig;artige Idee sein k&ouml;nnte. Doch nun wurde beschlossen, die Anlage auf dem Land der indigenen Kali&rsquo;na zu bauen, die nicht befragt wurden und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rfi.fr\/fr\/france\/20221210-guyane-le-peuple-kali-na-lutte-contre-l-installation-d-une-centrale-%C3%A9lectrique-%C3%A0-c%C3%B4t%C3%A9-d-un-village\">fordern<\/a>, dass ihr Land nicht angetastet wird. Dies hat zu gro&szlig;en Spannungen gef&uuml;hrt.<\/p><p>Andererseits hat Frankreich die F&ouml;rderung von Erd&ouml;l und Erdgas auf seinem gesamten Staatsgebiet ab 2040&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.paisminero.com\/petroleo\/hidrocarburos\/22911-han-renunciado-las-grandes-petroleras-a-la-guayana-francesa\">verboten<\/a>. Man kann der Erd&ouml;lf&ouml;rderung zustimmen oder sie ablehnen, aber es bleibt eine aufgezwungene Sache.<\/p><p><strong>Wie sind die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen Guyanas mit Frankreich und anderen L&auml;ndern?<\/strong><\/p><p>Die Politik Frankreichs gegen&uuml;ber Guyana ist eine typische Kolonialpolitik: Unser Land soll sich nicht entwickeln. Die Produkte des Landes verlassen das Land nicht, die Abh&auml;ngigkeit von Frankreich besteht in allem. Frankreich k&uuml;mmert sich weder um die Produktion noch um den Schutz der Ressourcen unseres Territoriums. Vorhin haben wir &uuml;ber legales und illegales Gold gesprochen, das die Umwelt zerst&ouml;rt. Aber es gibt auch eine enorme Pl&uuml;nderung der Fischbest&auml;nde. Frankreich sch&uuml;tzt nicht das Amazonasgebiet, aber auch nicht das Meer, und es kommen viele Piratenschiffe herein, um zu fischen, ohne dass jemand sie daran hindert.<\/p><p><strong>Welches Verh&auml;ltnis haben Sie, die Bef&uuml;rworter der Unabh&auml;ngigkeit, zur indigenen Bev&ouml;lkerung?<\/strong><\/p><p>Wir sind uns dar&uuml;ber im Klaren, dass es nur ein einziges guyanisches Volk gibt, das vielf&auml;ltig ist und nat&uuml;rlich die urspr&uuml;ngliche indigene Bev&ouml;lkerung umfasst. Es gibt keine Unterscheidung, wir sind alle Guyaner. Au&szlig;erdem haben wir eine entschiedene Position: Wir erkennen eindeutig die Rechte der indigenen V&ouml;lker an, wie sie in internationalen &Uuml;bereinkommen wie der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation &uuml;ber indigene V&ouml;lker&nbsp;&ndash; die Frankreich sich zu unterzeichnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.senat.fr\/questions\/base\/2019\/qSEQ190510266.html\">geweigert<\/a>&nbsp;hat&nbsp;&ndash; sowie in der Erkl&auml;rung der Vereinten Nationen &uuml;ber die Rechte der indigenen V&ouml;lker festgelegt sind.<\/p><p>Was die Beziehungen zwischen den Bev&ouml;lkerungsgruppen in Guyana konkret betrifft, so muss man sagen, dass die Franzosen seit ihrer Ankunft in Guyana ein System der Sklaverei durchgesetzt haben, das Schwarze und Indigene einschloss. Dies bewirkte eine gro&szlig;e Solidarit&auml;t zwischen der Afro- und der indigenen Bev&ouml;lkerung, auch eine Vermischung zwischen den beiden Gemeinschaften, sodass es eine indigene Bev&ouml;lkerung gibt, die Kreolisch spricht, die Sprache, die mit der Kolonisierung aus dem Volk hervorgegangen ist.<\/p><p>Man muss sagen, dass die Franzosen vermittels ihrer Ethnologen und Anthropologen die Spaltung der Bev&ouml;lkerung einf&uuml;hren, indem sie ethnische Aspekte betonen und die M&ouml;glichkeit Guyanas zur Souver&auml;nit&auml;t als ein einziges Volk ausschlie&szlig;en. Es besteht ein Interesse daran, uns zu spalten.<\/p><p><strong>Obwohl gesagt wird, dass Guyana Frankreich ist, sehen wir, dass der Lebensstandard dem eines jeden Entwicklungslandes oder eines Landes entspricht, dass als Dritte Welt bezeichnet wurde.<\/strong><\/p><p>Von den eigenen Zahlen des franz&ouml;sischen Staates ausgehend, lebt die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung Guyanas unterhalb der Armutsgrenze. Was gibt es da noch mehr zu sagen! Es existiert ein Trugbild in Bezug auf soziale Dienstleistungen, das die Realit&auml;t in den Bereichen Gesundheit oder Bildung f&uuml;r die &auml;rmste Bev&ouml;lkerung mit kleinen Subventionen verschleiert. Au&szlig;erdem ist der europ&auml;ische Einfluss im t&auml;glichen Leben sehr stark zu sp&uuml;ren, vor allem durch die Konsumgewohnheiten, was die Menschen am meisten betrifft. Es gibt auch Probleme wegen Drogenkonsums, da die Kontrollen sehr schwach sind und Guyana zu einer Transitzone f&uuml;r Kokain nach Europa geworden ist.<\/p><p><strong>2017 gab es in Guyana eine massive Mobilisierung, bei der besonders soziale Dienstleistungen gefordert wurden. Der franz&ouml;sische Staat versprach, drei Milliarden zu investieren, lieferte aber nur ein Drittel davon.<\/strong><\/p><p>So sind die kolonialen Beziehungen. Selbst wenn eine Vereinbarung im Rahmen einer sehr gro&szlig;en Mobilisierung und eines Streiks, der einen Monat lang dauerte (amerika21&nbsp;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2017\/04\/173876\/franzoesisch-guyana-proteste\">berichtete<\/a>), unterzeichnet wurde. Es handelte sich um einen Verpflichtung, die Macron zu respektieren versprach und von der er sagte, er w&uuml;rde sogar &uuml;ber das Vereinbarte hinausgehen. Dann erf&uuml;llten sie einen Teil, weigerten sich aber, den Rest des Abkommens einzuhalten. Es waren grundlegende Dinge, die gefordert wurden: die Krankenh&auml;user verbessern, Geld f&uuml;r die Schulen. Doch als Macron nach seiner Wiederwahl nach Guyana kam und die Bev&ouml;lkerung die Einhaltung seiner Zusagen verlangte,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/spa\/afp\/disturbios-durante-visita-de-macron-a-la-guayana-francesa\/43631380\">sagte<\/a>&nbsp;er einen Satz, der bei niemandem gut ankam: &bdquo;Glaubt nicht an die Versprechen des Weihnachtsmanns.&rdquo;<\/p><p><strong>Wie beurteilen Sie die Beziehungen zwischen Ihrem Land und den &uuml;brigen L&auml;ndern S&uuml;damerikas?<\/strong><\/p><p>Was ich sagen kann, ist, dass wir uns in Guyana in einem wichtigen Moment unseres Kampfes befinden. Ein wichtiges Detail, das man ber&uuml;cksichtigen muss, ist, dass unser Land zwei Abgeordnete in der franz&ouml;sischen Nationalversammlung hat, einer davon ist unser Genosse von der MDES, Jean-Victor Castor, was uns einen besseren Zugang zu internationalen Gremien erm&ouml;glicht. Unser Genosse wurde im kubanischen Parlament empfangen, er reiste nach Brasilien, wo er von anderen Parlamentariern begr&uuml;&szlig;t wurde. So &ouml;ffnen sich T&uuml;ren. Der zweite guayanische Abgeordnete in der franz&ouml;sischen Nationalversammlung ist ein Verb&uuml;ndeter von La France Insoumise, Davy Rimane, ein gro&szlig;er K&auml;mpfer. Er war derjenige, der nach jenem Streik im Jahr 2017 die Vereinbarungen von Guyana zusammen mit dem Pr&auml;fekten unterzeichnete. Beide Abgeordneten arbeiten gemeinsam und koordiniert f&uuml;r die Interessen Guyanas. Wir sind aktiv auf der Suche nach den besten Kontakten mit den Nachbarl&auml;ndern, sowohl mit den politischen Parteien als auch mit den Parlamenten. So reisten unsere Abgeordneten zum Beispiel auch in die Republik Guyana, unser Nachbarland, und wurden dort vom Premierminister und vom Pr&auml;sidenten selbst empfangen.<\/p><p><strong>Haben Sie auch mit dem kolumbianischen Pr&auml;sidenten Gustavo Petro gesprochen? Oder mit anderen Pr&auml;sidenten des Kontinents?<\/strong><\/p><p>Mit Pr&auml;sident Petro hatten wir noch keinen direkten Kontakt, auch nicht mit der chilenischen Regierung, aber sehr wohl mit Mitgliedern des Kabinetts von Pr&auml;sident Lula in Brasilien.<\/p><p>Wir sind aktiv, um diese Beziehungen zu er&ouml;ffnen oder fortzusetzen. Es gibt drei Personen aus dem internationalen Bereich der MDES, die zu diesen Treffen in L&auml;nder der Karibik und Lateinamerikas reisen und die Aufgabe haben, die koloniale Situation Guyanas und die Gefahr zu erkl&auml;ren, die diese f&uuml;r die Integrit&auml;t aller darstellt. Denn wenn wir von Patria Grande sprechen, gibt es einen Teil &ndash; n&auml;mlich unser Land &ndash; der dabei f&uuml;r gew&ouml;hnlich nicht in Betracht gezogen wird. Wir mobilisieren uns f&uuml;r alle gro&szlig;en Anliegen unseres Kontinents und leisten unseren Beitrag, und wir hoffen, dass auch die Unabh&auml;ngigkeit unseres Guyana als eines der gro&szlig;en Anliegen einbezogen wird.<\/p><p><strong>Wie gestalten sich die Beziehungen der MDES zu den Beh&ouml;rden der Hauptstadt Guyanas? Gibt es Repression?<\/strong><\/p><p>Wir haben keine Beziehung zum Pr&auml;fekten oder zu den Kolonialbeh&ouml;rden. Aber wir sind eine rechtm&auml;&szlig;ig konstituierte Vereinigung. Jedes Mal, wenn es eine Mobilisierung gibt, suchen die Beh&ouml;rden nach den Verantwortlichen, und sie entscheiden immer, dass wir, die Unabh&auml;ngigkeitsbef&uuml;rworter, daf&uuml;r verantwortlich sind, und es gibt Repression. Wir haben Genossen, die im Gef&auml;ngnis sitzen oder nach Martinique oder in andere Regionen deportiert wurden. Unsere Genossen, die zu Abgeordneten gew&auml;hlt wurden, haben solche Situationen ebenfalls durchgemacht.<\/p><p>Ich muss hinzuf&uuml;gen, dass wir in diesem Kampf f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit solidarisch mit den anderen noch kolonisierten V&ouml;lkern sind, wie in den karibischen Inseln, sei es Martinique oder Dominica, oder die V&ouml;lker Polynesiens, mit denen wir in Kontakt stehen.<\/p><p><strong>M&ouml;chten Sie abschlie&szlig;end noch etwas hinzuf&uuml;gen?<\/strong><\/p><p>Ich nutze diese Gelegenheit, um mich an die Br&uuml;der und Schwestern der s&uuml;damerikanischen V&ouml;lker zu wenden und an die Solidarit&auml;t unserer spanischen fortschrittlichen Br&uuml;der und Schwestern zu appellieren: Wir m&uuml;ssen uns bewusst sein, dass die Unabh&auml;ngigkeit unseres Landes f&uuml;r alle sehr wichtig ist, da es sich &ndash; wie wir bereits gesagt haben &ndash; um eine vorgeschobene Enklave der NATO auf dem s&uuml;damerikanischen Subkontinent handelt. Wir bringen unseren Willen zum Ausdruck, mit den Regierungen des Subkontinents und den fortschrittlichen Bewegungen der Welt einen Dialog &uuml;ber die Situation unseres Landes zu f&uuml;hren, das in einer Situation der Abh&auml;ngigkeit festgehalten wird, ohne die M&ouml;glichkeit, sich zu entwickeln, um seine Unabh&auml;ngigkeit zu erschweren, damit es weiterhin eine Kolonie bleiben kann. Und dass sie uns in unseren Bem&uuml;hungen begleiten m&ouml;gen, unser Land in die Liste des Sonderausschusses f&uuml;r Entkolonialisierung der Vereinten Nationen aufzunehmen.<\/p><p><em>Das Interview erschien zuerst in der spanischen Zeitung CTXT \/ Revista Contexto, contexto pol&iacute;tico, econ&oacute;mico y cultural &ndash; &Uuml;bersetzung: <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/266301\/guayana-operationsbasis-nato\">Klaus E. Lehmann, Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ hyotographics<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103191\">Vom Hinterhof zum Vorgarten &ndash; 200 Jahre Monroe-Doktrin<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97248\">US-Milit&auml;rbasen in Lateinamerika: Washingtons Hauptinteresse liegt in den Bodensch&auml;tzen und S&uuml;&szlig;wasserressourcen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95717\">Stimmen aus Lateinamerika: Das Wiederaufleben der blockfreien &bdquo;Dritten Welt&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104809\">Europ&auml;ische Interventionen in Lateinamerika im Schatten des US-B&uuml;rgerkriegs<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/45f20def374449ba991cf590e0bc84b7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Patria Grande ist ein Integrationskonzept, das zun&auml;chst S&uuml;damerika umfasste, sp&auml;ter Lateinamerika und die Karibik. Seinen Ursprung hat es im Befreiungskrieg gegen die spanischen Kolonialisten und deren Vorhaben, den Subkontinent in kleine Einzelstaaten zu zerteilen. Es wurde im 19. Jahrhundert von Sim&oacute;n Bol&iacute;var und Jos&eacute; de San Mart&iacute;n und sp&auml;ter unter anderem von Kubas Revolutionsf&uuml;hrer Fidel Castro und Venezuelas Pr&auml;sident Hugo Ch&aacute;vez vertreten. Die Integration Lateinamerikas ist heute Teil der Programmatik der fortschrittlichen und linken Bewegung der Region<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das lateinamerikanische &bdquo;Patria Grande&rdquo;[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105206#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]&nbsp;vergisst immer wieder die drei Guayanas, kleine Territorien, die im Norden des s&uuml;damerikanischen Subkontinents liegen. Ihre Kolonisierung verlief auf unterschiedlichen Wegen, aber zwei von ihnen&nbsp;&ndash; Surinam und die Republik Guyana&nbsp;&ndash; haben nach ihrer Unabh&auml;ngigkeit die Beziehungen zum Kontinent stark gepr&auml;gt und k&ouml;nnen nicht mehr beiseitegelassen werden. &Uuml;brig bleibt das 83.846<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105206\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":105208,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,20],"tags":[881,2760,1043,3440,2196,1792,2145,2991,639],"class_list":["post-105206","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews","category-landerberichte","tag-armut","tag-bodenschaetze","tag-frankreich","tag-guyana","tag-indigene-voelker","tag-kolonialismus","tag-lateinamerika","tag-unabhaengigkeitsbewegungen","tag-uno"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/shutterstock_1326835433.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/105206","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=105206"}],"version-history":[{"count":29,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/105206\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":108003,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/105206\/revisions\/108003"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/105208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=105206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=105206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=105206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}