{"id":10537,"date":"2011-08-24T08:52:53","date_gmt":"2011-08-24T06:52:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10537"},"modified":"2019-07-30T12:55:33","modified_gmt":"2019-07-30T10:55:33","slug":"statt-griechische-inseln-nun-goldbarren-als-pfand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10537","title":{"rendered":"Statt griechische Inseln nun Goldbarren als Pfand"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen&ldquo; forderte die Bild-Zeitung als Gegenleistung f&uuml;r die Rettung vor dem griechischen Staatsbankrott. Sozialministerin von der Leyen ist da handfester, sie will f&uuml;r deutsche Gelder aus dem Rettungsfonds Gold als Sicherheit. Sie gibt damit einen Startschuss f&uuml;r einen Wettlauf der Kreditgeber, sich die Filetst&uuml;cke Griechenlands unter den Nagel zu rei&szlig;en. An allem was Griechenland bisher noch als Ausweis seiner Kreditw&uuml;rdigkeit anbieten konnte, k&ouml;nnte bald der &bdquo;Kuckuck&ldquo; kleben. Es w&auml;re alles weggepf&auml;ndet, die &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; reagierten noch panischer und die Griechen m&uuml;ssten gegen&uuml;ber dem Rest der Gl&auml;ubiger dann endg&uuml;ltig Konkurs anmelden. Und die &bdquo;Gerichtsvollzieher&ldquo; der Gl&auml;ubigerl&auml;nder d&uuml;rften danach gleich in die anderen Mittelmeerl&auml;nder weiterziehen. Von Orlando Pascheit und Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Was die <a href=\"http:\/\/www.baltische-rundschau.eu\/2011\/08\/22\/eurorettung-finnland-will-eine-sonderbehandlung\/\">&bdquo;Wahren Finnen&ldquo; k&ouml;nnen<\/a>, kann Sozialministerin von der Leyen schon l&auml;ngst: Sie wollen Sicherheiten f&uuml;r die staatlichen Griechenland-Hilfen. Anders als die Bild-Zeitung, die als Gegenleistung den <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/wirtschaft\/griechenland-krise\/regierung-athen-sparen-verkauft-inseln-pleite-akropolis-11692338.bild.html\">Verkauf griechischer Inseln oder wenigstens der Akropolis forderte<\/a>, will von der Leyen handfestes Gold als Sicherheit. Gelder aus dem Rettungsfonds sollten k&uuml;nftig nur noch gegen Sicherheiten wie Goldreserven und Industriebeteiligungen <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:euro-nothilfen-cdu-fuer-goldreserven-als-sicherheit\/60094667.html\">vergeben werden<\/a>.<\/p><p>Die &bdquo;Finanzexpertin&ldquo; aus dem Sozialministerium will also als Pfand f&uuml;r Deutschland, was f&uuml;r die &uuml;brigen europ&auml;ischen Kreditgeber bisher noch als Ausweis f&uuml;r die Kreditw&uuml;rdigkeit der Griechen gilt. Wenn nun alle europ&auml;ischen Kreditgeber ihre &bdquo;Gerichtsvollzieher&ldquo; nach Griechenland schicken, um dort alles zu pf&auml;nden was nicht niet- und nagelfest ist, dann &bdquo;gute Nacht&ldquo; nicht nur f&uuml;r Griechenland sondern f&uuml;r ganz Europa. <\/p><p><strong>Die Diskussion um die Rettungspl&auml;ne zur Bek&auml;mpfung der Euro-Krise wird immer irrationaler.<\/strong><\/p><p>Sollte nicht mit dem europ&auml;ischen Rettungsfonds EFSF die Entschlossenheit der L&auml;nder der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion zum Ausdruck gebracht werden, dass die Gemeinschaft der L&auml;nder alles tun werde, um den Euro als Gemeinschaftsw&auml;hrung zu stabilisieren? Wollte man nicht mit einem &bdquo;Gipfel&ldquo; nach dem anderen Signale an die Finanz-&bdquo;M&auml;rkte&ldquo; setzen, damit die Zinsen der ohnehin &uuml;berschuldeten europ&auml;ischen S&uuml;dl&auml;nder nicht weiter zur Decke schie&szlig;en sollten? Wollte man mit dem Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europ&auml;ische Zentralbank nicht den Zinsdruck b&auml;ndigen?<\/p><p>Von einer solchen Entschlossenheit kann kaum noch die Rede sein. Die Regierungen geraten zunehmend unter Druck national, ja sogar chauvinistisch gesinnter Parlamentarier. Ob das Rettungspaket von den Parlamenten rechtzeitig Zustimmung erf&auml;hrt, wird zunehmen unsicher. <\/p><p>Die Finnen sind aus der Solidargemeinschaft schon ausgeschert und haben sich unter der Hand mit den Griechen bilateral auf Garantien verst&auml;ndigt. Die absurde L&ouml;sung ist, dass Griechenland Geld aus dem EFSF erst ausborgen und dieses Geld dann an Finnland &uuml;berweisen soll, damit die Finnen damit wieder griechische Staatsanleihen kaufen. <\/p><p>Prompt werden nun auch in anderen Staaten, in &Ouml;sterreich, in der Slowakei und in den Niederlanden aus dem politisch rechts stehenden Lager gleichfalls Forderungen nach Garantien laut. <\/p><p>Die Geier kreisen schon wieder. Die Ratingagentur  Moody`s heizt die Ger&uuml;chtek&uuml;che an, indem sie dar&uuml;ber spekuliert, dass bilaterale Garantien und die Verz&ouml;gerungen bei der Verabschiedung des Rettungspakets sich negativ auf die Kreditw&uuml;rdigkeit Griechenlands auswirken werden.<\/p><p>Da k&ouml;nnen Merkel und Sarkozy lang und breit &uuml;ber eine europ&auml;ische Wirtschaftsregierung bzw. eine koordinierte Wirtschaftspolitik daher reden, beim Geld h&ouml;rt die Gemeinsamkeit auf. <\/p><p>Wir &uuml;bersehen allerdings angesichts des innerdeutschen Streites, dass die Ablehnung der Hilfe f&uuml;r Griechenland in anderen L&auml;ndern noch weitaus st&auml;rker ausgepr&auml;gt ist. Die von Moody&rsquo;s konstatierte Zerrissenheit des Euroraums ist in diesem Fall keine Erfindung der Ratingagentur. <\/p><p>Die Slowakei hat sich bereits im vorigen Jahr nicht an der Griechenlandhilfe beteiligt. Die Slowakei habe sich ohne fremde Hilfe selbst saniert, wovon&nbsp; vor allem die &auml;rmeren Slowaken hart getroffen wurden. Warum sollten die armen Slowaken den reicheren Griechen helfen, war die vorherrschende Meinung. Die Slowenen bef&uuml;rchten, selbst zum n&auml;chsten Krisenstaat in der Euro-Zone zu werden. Und in den Niederlanden ist laut Umfragen eine Mehrheit gegen eine weitere Griechenlandhilfe und Geert Wilders treibt die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpr&auml;sident Mark Rutte in dieser Frage vor sich her.<\/p><p>Leider ist das Problem aber viel grunds&auml;tzlicher: Die heutige W&auml;hrungsunion ist eine Sonntagsveranstaltung. Stress vertr&auml;gt sie nicht, da dieser sich ganz unterschiedlich auf sehr unterschiedliche Volkswirtschaften &uuml;bertr&auml;gt. F&uuml;r einen optimalen W&auml;hrungsraum ist das Entwicklungsgef&auml;lle z.B. im Verh&auml;ltnis zum W&auml;hrungsraum USA viel zu gro&szlig;. Und wir sind dabei immer mehr noch &auml;rmere L&auml;nder an der Eurozone teilhaben zu lassen &ndash; Lettland z.B. plant dies f&uuml;r 2013. Dies ist m&ouml;glich, ja sogar vorgeschrieben, wenn einige nominale Kriterien erf&uuml;llt sind, die mit der realen Wirtschaftskraft der L&auml;nder kaum etwas zu tun haben. <\/p><p>Da war man zu Beginn der Diskussion um die W&auml;hrungsunion in den 90ern schon einmal weiter und war etwa gegen&uuml;ber der s&uuml;dlichen Peripherie sehr viel skeptischer. Da wurde z.B. dar&uuml;ber diskutiert, dass ein einheitlicher Zinssatz gleicherma&szlig;en f&uuml;r hoch entwickelte Industriestaaten und weniger entwickelte Volkswirtschaften kontraproduktiv w&auml;re. L&auml;nder mit einem gr&ouml;&szlig;eren Aufholbedarf h&auml;tten einen gr&ouml;&szlig;eren Investitionsbedarf, d.h. sie ben&ouml;tigten niedrige Zinsen und die M&ouml;glichkeit sich st&auml;rker zu verschulden. Dass dann Spanien, als die Realzinsen mit dem Eurobeitritt deutlich niedriger als vorher lagen, vor allem in &uuml;bersch&uuml;ssige Immobilien investierte, steht auf einem anderen Blatt.<\/p><p>Dass wir heute aufgrund der &ouml;konomischen und politischen Unsicherheiten &nbsp;an der jetzigen W&auml;hrungsunion festhalten m&uuml;ssen, kann man mit guten Gr&uuml;nden vertreten, aber wir sollten die Finger von der osteurop&auml;ischen Peripherie lassen &ndash; auch zum (derzeitigen) Nutzen dieser L&auml;nder. Das wachsende Au&szlig;enhandelsdefizit des neuesten Mitglieds, Estland, ist bereits vorprogrammiert. Der Export beruht gr&ouml;&szlig;tenteils auf arbeits- und rohstoffintensive Waren &ndash; mit zunehmender Tendenz. Modernisierung einer Volkswirtschaft sieht anders aus. Verglichen mit der Entwicklung in den bisherigen 16 Eurol&auml;ndern weist Estland die h&ouml;chste Lohnst&uuml;ckkostenentwicklung in der Eurozone auf. Die vielger&uuml;hmte Stabilit&auml;tskultur mit einem Haushaltsdefizit von 1,7 Prozent im vergangenen Jahr kommt nur deshalb zustande, weil &uuml;ber die europ&auml;ischen Strukturfonds viel Geld in das Land flie&szlig;t. Fielen diese Transfers aus, l&auml;ge das Haushaltsdefizit bei sage und schreibe 9 Prozent. Im Juli 2011 betrug die Inflation 5,3 Prozent. &ndash; Es ist kein Wunder, dass in dieser W&auml;hrungsunion keine einheitliche Krisenstrategie verfolgt wird, die wirtschaftlichen Ausgangslagen sind viel zu unterschiedlich. <\/p><p>Die Eurozone leidet an einer riesigen Diskrepanz bei der Wettbewerbsf&auml;higkeit zwischen ihren Mitgliedsl&auml;ndern an den R&auml;ndern. Das ist der Kern der Verschuldung gerade auch der alteingesessenen Mittelmeerl&auml;nder. Diese Verschuldung ist nur partiell durch unsolides Haushalten der jetzt &uuml;berschuldeten Regierungen entstanden (Spanien hat z.B. sparsamer gewirtschaftet als Deutschland) sondern vor allem durch die Unterschiede in der Lohnentwicklung im Verh&auml;ltnis zur nationalen Produktivit&auml;t. <\/p><p>Durch das jahrzentelange Lohn- und Sozialdumping und durch den Unternehmensteuersenkungswahn ist es in Deutschland zu riesigen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen und zu entsprechenden Defiziten innerhalb einer einheitlichen W&auml;hrungszone gekommen. Der Anstieg der Lohnst&uuml;ckkosten lag weit unter denjenigen der S&uuml;deurop&auml;er oder auch Frankreichs. Erschwerend hinzukommt, dass vor allem durch die dadurch erzwungene innerdeutsche Stagnation der Binnennachfrage die Inflationsraten hierzulande deutlich niedriger lagen als in <a href=\"\/upload\/pdf\/110207_HF+FS_Euroland_in_der_Krise.pdf\">allen anderen Euro-L&auml;ndern [PDF &ndash; 77.5 KB]<\/a>. Dementsprechend zogen um uns herum die Preise st&auml;rker an und in der Folge wiederum meist die L&ouml;hne. <\/p><p>Wer den Euro oder genauer die Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion retten will, m&uuml;sste dieses Krebsgeschw&uuml;r der Leistungsungleichgewichte f&uuml;r eine einheitliche W&auml;hrung behandeln und nicht eindimensional Sparprogramme f&uuml;r alle verschreiben, die die ohnehin stagnierenden Volkswirtschaften nur noch mehr in eine Depression treiben. Nach Angaben griechischer Gewerkschaften schrumpft z.B. die griechische Wirtschaft um bis zu 5,3 Prozent und damit deutlich mehr als erwartet und schon kursieren Meldungen, wonach das griechische <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1313024839519\/Ungewisses-Griechen-Paket-Streit-um-Garantien-laesst-Hellas-Hilfe-wanken\">Staatsdefizit 2011 noch st&auml;rker ansteigen d&uuml;rfte als gedacht<\/a>.<\/p><p>Statt sich Gedanken &uuml;ber die L&ouml;sung der fundamentalen Probleme der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion zu machen, denken offenbar immer mehr national und rechtspopulistisch gesinnte Politiker und &ndash; davon getrieben &ndash; immer mehr L&auml;nder nur noch an sich selbst. Die Solidargemeinschaft innerhalb der Europ&auml;ischen Union wird aufgek&uuml;ndigt. Es beginnt ein Wettlauf der Gl&auml;ubigerl&auml;nder, sich die besten Filetst&uuml;cke des Schuldnerstaates Griechenlands unter den Nagel zu rei&szlig;en. An allem was Griechenland noch als Ausweis seiner Kreditw&uuml;rdigkeit anbieten konnte, k&ouml;nnte bald der &bdquo;Kuckuck&ldquo; kleben. Griechenland w&auml;re ausgepl&uuml;ndert, man h&auml;tte diesem Land die noch vorhandenen Sicherheiten unter dem Hintern weggepf&auml;ndet. Die &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; reagierten noch panischer und die Griechen m&uuml;ssten gegen&uuml;ber dem Rest der Gl&auml;ubiger dann endg&uuml;ltig Konkurs anmelden. Sie h&auml;tten nichts mehr an Bonit&auml;t zu bieten.<\/p><p>Und von Griechenland w&uuml;rden die &bdquo;Gerichtsvollzieher&ldquo; der Gl&auml;ubigerstaaten gleich nach Portugal, Spanien, Belgien oder Italien weiter geschickt, um auch dort als Pfand zu sichern, was noch zu sichern ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen&ldquo; forderte die Bild-Zeitung als Gegenleistung f&uuml;r die Rettung vor dem griechischen Staatsbankrott. Sozialministerin von der Leyen ist da handfester, sie will f&uuml;r deutsche Gelder aus dem Rettungsfonds Gold als Sicherheit. Sie gibt damit einen Startschuss f&uuml;r einen Wettlauf der Kreditgeber, sich die Filetst&uuml;cke Griechenlands unter den Nagel zu rei&szlig;en.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10537\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,139,22],"tags":[459,339,1555,473,626],"class_list":["post-10537","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-euro-und-eurokrise","category-europaische-union","tag-bild","tag-chauvinismus","tag-griechenland","tag-ratingagenturen","tag-von-der-leyen-ursula"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10537"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53836,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10537\/revisions\/53836"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}