{"id":105382,"date":"2023-10-17T11:00:59","date_gmt":"2023-10-17T09:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105382"},"modified":"2023-10-17T16:37:42","modified_gmt":"2023-10-17T14:37:42","slug":"deutschlands-natuerlicher-partner-heisst-russland-nicht-amerika-wann-merkt-es-die-bundesregierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105382","title":{"rendered":"Deutschlands nat\u00fcrlicher Partner hei\u00dft Russland, nicht Amerika. Wann merkt es die Bundesregierung?"},"content":{"rendered":"<p>Die f&uuml;r den Frieden in Europa so erfolgreiche Ost- und Entspannungspolitik wurde aufgegeben und durch eine Politik der Konfrontation ersetzt. Ohne R&uuml;cksicht auf die eigenen Interessen folgte die deutsche Regierung gehorsam der Sanktionspolitik der USA gegen&uuml;ber Russland. Vor allem nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine gab es ein Sanktionspaket nach dem anderen. An vorderster Stelle mit dabei war die deutsche EU-Kommissions-Pr&auml;sidentin Ursula von der Leyen, die sich, wenn es um antirussische Hetze und Servilit&auml;t gegen&uuml;ber den USA geht, von niemandem &uuml;bertreffen l&auml;sst. Jetzt wolle man Russland ruinieren, sagte ihre Schwester im Geiste, die deutsche Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock. Von <strong>Oskar Lafontaine<\/strong> mit freundlicher Genehmigung <a href=\"https:\/\/weltwoche.ch\/daily\/moskau-ist-eine-europaeische-stadt\/\">der Weltwoche<\/a>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4001\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-105382-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231017_Deutschlands_natuerlicher_Partner_heisst_Russland_nicht_Amerika_Wann_merkt_es_die_Bundesregierung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231017_Deutschlands_natuerlicher_Partner_heisst_Russland_nicht_Amerika_Wann_merkt_es_die_Bundesregierung_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231017_Deutschlands_natuerlicher_Partner_heisst_Russland_nicht_Amerika_Wann_merkt_es_die_Bundesregierung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231017_Deutschlands_natuerlicher_Partner_heisst_Russland_nicht_Amerika_Wann_merkt_es_die_Bundesregierung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=105382-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231017_Deutschlands_natuerlicher_Partner_heisst_Russland_nicht_Amerika_Wann_merkt_es_die_Bundesregierung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231017_Deutschlands_natuerlicher_Partner_heisst_Russland_nicht_Amerika_Wann_merkt_es_die_Bundesregierung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Schuss ging nach hinten los. Nicht Russland wurde ruiniert, sondern der deutschen Industrie wurde und wird schwerer Schaden zugef&uuml;gt. Wenn sie aber im internationalen Wettbewerb bestehen will, dann ist sie auf bezahlbare Energie und preiswerte Rohstoffe aus Russland angewiesen. Die letzten Monate haben gezeigt: F&uuml;r die russischen Energielieferungen und Rohstoffe gibt es keinen Ersatz. Die Ampel hat Deutschland der L&auml;cherlichkeit preisgegeben. Jetzt beziehen wir viel teureres russisches Gas in Form von Fl&uuml;ssiggas &uuml;ber Belgien und ebenfalls viel teureres russisches &Ouml;l &uuml;ber Indien, und die deutschen Energiepreise schie&szlig;en durch die Decke.<\/p><p><strong>Putins Angebot<\/strong><\/p><p>Keine andere europ&auml;ische Regierung hat so t&ouml;richt gehandelt, und daher ist das Urteil, wir h&auml;tten die d&uuml;mmste Regierung in Europa, durchaus berechtigt. In erster Linie daf&uuml;r haben die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler in Hessen und Bayern der Ampel die Quittung gegeben. Erstaunlicherweise hat Putin vor ein paar Tagen die Wiederaufnahme der russischen Gaslieferungen &uuml;ber Nord Stream erneut angeboten. Jede verantwortungsvolle deutsche Regierung w&uuml;rde darauf eingehen, weil nur so die Chance besteht, die Wettbewerbsf&auml;higkeit der deutschen Industrie wiederherzustellen und die zunehmende Abwanderung deutscher Betriebe zu stoppen.<\/p><p>Aber die H&ouml;rigkeit der US-Marionetten in der deutschen Politik ist mittlerweile so gro&szlig;, dass trotz der Alarmrufe der Wirtschaftsverb&auml;nde und der Gewerkschaften keine Bereitschaft vorhanden ist, den Abw&auml;rtstrend der deutschen Industrie zu stoppen. Auch, weil die gr&ouml;&szlig;te Oppositionspartei, die CDU\/CSU, von dem Blackrock-Lobbyisten Friedrich Merz gef&uuml;hrt wird, der noch mehr Waffenlieferungen und noch mehr Sanktionen fordert.<\/p><p>Als die deutsche Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock vor einiger Zeit gefragt wurde, ob die Ukraine jemals sicher sein k&ouml;nne, solange Putin an der Macht bleibe, antwortete sie: &laquo;Wenn er seine Politik nicht um 360 Grad &auml;ndert, nein.&raquo; Sie meinte nat&uuml;rlich um 180 Grad und hat sicher noch nicht begriffen, warum diese Forderung auf sie selbst und die Ampel zur&uuml;ckf&auml;llt. Nur wenn Deutschland seine Au&szlig;enpolitik grunds&auml;tzlich &auml;ndert und wieder lernt, dass es Frieden in Europa nur geben kann, wenn auch die Sicherheitsinteressen Russlands ber&uuml;cksichtigt werden, wenn also wieder klar wird, dass Sicherheit nicht gegeneinander, sondern nur gemeinsam erreicht werden kann, dann hat auch die ukrainische Bev&ouml;lkerung eine Chance, in Zukunft dauerhaft in Frieden leben zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Weil man &uuml;ber Jahre die Sicherheitsinteressen Russlands nicht ber&uuml;cksichtigt und die Bitten Gorbatschows, Jelzins und Putins nach einer gemeinsamen europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur unter Einbeziehung Russlands auf Druck der USA br&uuml;sk zur&uuml;ckgewiesen hat, haben wir jetzt den Krieg in der Ukraine. Dieser Krieg begann daher nicht, man kann es nicht oft genug sagen, mit dem Einmarsch der russischen Armee am 24. Februar 2022, sondern  viel fr&uuml;her. Sp&auml;testens mit dem von Joe Biden und Victoria Nuland organisierten und finanzierten Putsch 2014 in Kiew, der ukrainische Nationalisten und Faschisten an die Macht brachte und zur &laquo;Anti-Terror-Operation&raquo; gegen die russischsprachigen Ostukrainer mit 14 000 Todesopfern f&uuml;hrte.<\/p><p><strong>Lebensl&uuml;ge der Nachkriegszeit<\/strong><\/p><p>Der amerikanische Geostratege George Friedman hatte in seiner ber&uuml;hmten Chicagoer Rede 2015 richtigerweise darauf hingewiesen, dass es auf Deutschland ankomme, wenn die USA den Versuch unternehmen w&uuml;rden, auch in der Ukraine US-Truppen und -Raketen zu stationieren. Der Widerstand Angela Merkels, den sie im Nachhinein zum &laquo;Zeitgewinnen f&uuml;r die Aufr&uuml;stung der Ukraine&raquo; umdeutete, war zu schwach. Die USA ignorierten die Bedenken der Europ&auml;er &ndash; &laquo;Fuck the EU&raquo; (Nuland) &ndash;, r&uuml;steten die Ukraine auf und integrierten die ukrainische Armee Zug um Zug in die Nato-Strukturen. &laquo;Von einem Kalten Krieg geht die Nato zu den Vorbereitungen f&uuml;r einen hei&szlig;en Krieg &uuml;ber&raquo;, kommentierte bereits am 9. Juli 2016 Michail Gorbatschow die Aufr&uuml;stung der ehemaligen Staaten des Warschauer Paktes und die Stationierung von Truppen und Raketen der USA in der N&auml;he der russischen Grenzen. Den von der Nato, sprich: den USA, vorbereiteten und von Gorbatschow vorausgesagten hei&szlig;en Krieg haben wir jetzt.<\/p><p>Seit dem Regierungsantritt der Ampel unter Beteiligung der USA-h&ouml;rigen Gru&#776;nen 2021 gibt es keine deutsche Au&szlig;enpolitik mehr, wenn man unter deutscher Au&szlig;enpolitik die Vertretung der Interessen der deutschen Bev&ouml;lkerung versteht. Die Regierung Scholz schadet in gro&szlig;em Umfang Deutschland und bedient die Interessen des milit&auml;risch-industriellen Komplexes der USA, vor dem bereits US-Pr&auml;sident Eisenhower Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts gewarnt hatte.<\/p><p>Am 16. Mai 2023 hatten hochrangige US-Sicherheitsexperten in der <em>New York Times<\/em> begr&uuml;ndet, warum die Nato-Osterweiterung entgegen aller Einw&auml;nde renommierter amerikanischer Politiker durchgezogen wurde und warum die Warnung des ehemaligen US-Pr&auml;sidenten Eisenhower vor dem milit&auml;risch-industriellen Komplex der USA erneut best&auml;tigt wurde: &laquo;Der Profit aus Waffenverk&auml;ufen war ein wichtiger Faktor. Angesichts des Widerstandes gegen die Nato-Erweiterung gru&#776;ndete eine Gruppe von Neokonservativen und Topmanagern von Waffenherstellern in den USA das amerikanische Komitee zur Erweiterung der Nato. Zwischen 1996 und 1998 haben die gr&ouml;ssten Waffenhersteller 51 Millionen Dollar (das entspricht heute 94 Millionen Dollar) fu&#776;r Lobbyarbeit und weitere Millionen fu&#776;r Wahlkampfspenden ausgegeben. Aufgrund dieser Gro&szlig;z&uuml;gigkeit wurde die Nato-Osterweiterung eine schnell beschlossene Sache.&raquo; Und die US-Ru&#776;stungsindustrie, die die Mehrheiten im amerikanischen Senat und Kongress steuert, verdiente und verdient Milliarden bei der Aufru&#776;stung der Nato-Mitglieder und durch die st&auml;ndigen Waffenlieferungen an die Ukraine.<\/p><p>Wenn wir Frieden in Europa wollen, dann muss sich die deutsche Aussenpolitik grundlegend wandeln und die Lebenslu&#776;gen der deutschen Nachkriegszeit durch eine nu&#776;chterne Analyse der geostrategischen Lage und der Interessen Deutschlands ersetzen. Die USA sind nicht allein deshalb in der Normandie gelandet, weil sie Deutschland vom Hitler-Faschismus befreien wollten, sondern auch, weil sie der Sowjetunion Deutschland nicht u&#776;berlassen wollten. Und sie haben ihre Milit&auml;rbasen in Deutschland nicht, weil sie uns beschu&#776;tzen wollen, sondern, weil sie diese milit&auml;rischen Einrichtungen fu&#776;r ihren Anspruch, die Welt zu beherrschen, fu&#776;r ihre Rohstoffkriege und ihren Drohnenkrieg brauchen.<\/p><p>Die &Uuml;berlegung ist doch sehr einfach: Die USA sind uns alles andere als freundlich gesonnen. Sie sehen in uns einen Vasallen und Wettbewerber, den man wirtschaftlich schw&auml;chen muss, und versuchen daher alles, um zu verhindern, dass die deutsche Industrie billige Energie und Rohstoffe aus Russland bezieht. Russland bemu&#776;ht sich, wie zuvor die Sowjetunion, im eigenen Interesse um gute wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland und Europa. Es braucht K&auml;ufer fu&#776;r seine Energie- und Rohstoffvorr&auml;te, und es braucht zum Aufbau einer eigenen Industrie den Zugang zu europ&auml;ischer Technik.<\/p><p><strong>Kriegserkl&auml;rung an Deutschland<\/strong><\/p><p>&laquo;Staaten haben keine Freunde, sondern Interessen&raquo;, sagte einst Charles de Gaulle. Deutschland und die USA haben in vieler Hinsicht gegens&auml;tzliche Interessen, w&auml;hrend Deutschland und Russland viele gemeinsame Interessen haben. In der seit Jahrzehnten durch Propaganda und Lu&#776;gen vergifteten deutschen &Ouml;ffentlichkeit ist es schwer, zu vermitteln, dass Russland unser natu&#776;rlicher Partner ist, weil wir das gemeinsame Interesse haben, wirtschaftlich zusammenzuarbeiten, w&auml;hrend die USA aus geostrategischen Gru&#776;nden verhindern wollen, dass wir wirtschaftlich immer st&auml;rker werden. Nicht zuletzt die von Joe Biden angeku&#776;ndigte und in Auftrag gegebene Sprengung der Gasleitung Nord Stream, die einer Kriegserkl&auml;rung an Deutschland und Europa gleichkam, ist der Beweis dafu&#776;r.<\/p><p>Obwohl die USA nur 4 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung umfassen, erliegen Politiker und Konzernfu&#776;hrer in Washington dem Gr&ouml;&szlig;enwahn, die USA mu&#776;ssten die Welt beherrschen.  Daher ist die Politik der USA strukturell aggressiv. Ein Blick auf die Landkarte genu&#776;gt, um festzustellen, dass die Vereinigten Staaten ihre zu Feinden erkl&auml;rten Rivalen, Russland und China, systematisch einkreisen. Sie haben den mit Abstand gr&ouml;ssten Kriegsetat aller L&auml;nder und unterhalten 900 Milit&auml;rstationen auf allen Kontinenten. Der Congressional Research Service, eine mit den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages vergleichbare Einrichtung des amerikanischen Kongresses, hat 2022 festgestellt, dass die USA von 1991 bis 2022 mindestens 251 milit&auml;rische Interventionen durchgefu&#776;hrt haben.<\/p><p>Der ehemalige US-Pr&auml;sident Jimmy Carter bezeichnete die Vereinigten Staaten zu Recht als die kriegerischste Nation in der Geschichte der Welt. Der renommierte amerikanische Intellektuelle Noam Chomsky nennt die USA den fu&#776;hrenden terroristischen Staat, der in vielen L&auml;ndern fu&#776;r Instabilit&auml;t verantwortlich sei. Wenn heute in Deutschland u&#776;ber die Begrenzung der Migration geredet wird, dann muss der Elefant im Raum genannt werden. Die Kriege der USA in Afghanistan, im Irak, in Syrien und in Libyen sind die Hauptursache der immer st&auml;rker werdenden Migrationswellen nach Europa.<\/p><p>Deshalb brauchen wir eine europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur unter Einbeziehung Russlands und, wenn sie ihre Weltbeherrschungstr&auml;ume aufgeben, auch der USA. Ein Staat, der die Weltherrschaft beansprucht und fu&#776;r Hunderte milit&auml;rischer Interventionen verantwortlich ist, kann kein Verteidigungsbu&#776;ndnis anfu&#776;hren. Wie de Gaulle und Adenauer, Giscard d&rsquo;Estaing und Schmidt, Mitterrand und Kohl, Chirac und Schr&ouml;der m&uuml;ssten der franz&ouml;sische Pr&auml;sident und der deutsche Bundeskanzler einander verstehen und zusammenarbeiten, um den Aufbau einer europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur in Angriff zu nehmen. Zwar nannte Charles de Gaulle die USA einst &laquo;une fille de l&rsquo;Europe&raquo;, eine Tochter Europas, aber es ist an der Zeit, dass die Europ&auml;er erkennen, dass nicht von Russland oder China, sondern von den Vereinigten Staaten die gr&ouml;&szlig;te Gefahr fu&#776;r den Weltfrieden ausgeht. Nicht Washington, sondern Moskau ist eine europ&auml;ische Stadt.<\/p><p><small>Titelbild: NicoElNino\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die f&uuml;r den Frieden in Europa so erfolgreiche Ost- und Entspannungspolitik wurde aufgegeben und durch eine Politik der Konfrontation ersetzt. Ohne R&uuml;cksicht auf die eigenen Interessen folgte die deutsche Regierung gehorsam der Sanktionspolitik der USA gegen&uuml;ber Russland. 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