{"id":1054,"date":"2006-02-21T15:17:52","date_gmt":"2006-02-21T13:17:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1054"},"modified":"2016-02-17T11:31:43","modified_gmt":"2016-02-17T10:31:43","slug":"imageberater-fur-steinbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1054","title":{"rendered":"Imageberater f\u00fcr Steinbr\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r 160.000 Euro pro Jahr sucht der Finanzminister laut SPIEGEL einen externen Imageberater. Er soll daf&uuml;r sorgen, dass Steinbr&uuml;ck &bdquo;mit den richtigen Themen und der richtigen Sprache am Markt ist.&ldquo; Dem Finanzminister geht es offenbar nicht mehr darum, ob sein Sparkurs richtig oder falsch ist, es geht nur noch darum diesen Kurs zu &bdquo;verkaufen&ldquo;.<br>\n<!--more--><br>\nWir wollen hier nicht danach fragen, wozu besch&auml;ftigt eigentlich Steinbr&uuml;ck einen Sprecher und wof&uuml;r h&auml;lt er sich eine Pressestelle?<br>\nWir wollen Steinbr&uuml;ck auch nicht wie die BILD-Zeitung wegen eines gest&ouml;rten Verh&auml;ltnisses zum Geld des Steuerzahlers kritisieren. Auch mangelndes Selbstvertrauen wollen wir ihm nicht unterstellen; im Gegenteil: Man muss schon ein ziemlich gut entwickeltes Selbstbewusstsein haben, wenn man sich angesichts der von ihm selbst angek&uuml;ndigten Sparpl&auml;ne vor allem im Sozialhaushalt den Luxus eines teuren pers&ouml;nlichen Medienberaters g&ouml;nnt.<\/p><p>Diese Fragen sind zwar auch berechtigt, aber das sind letztlich Stilfragen.<\/p><p>Viel entscheidender ist, dass Steinbr&uuml;ck offenbar seine Politik einem demokratischen Diskurs entziehen will und es ihm vor allem darum geht, die mediale Zustimmung f&uuml;r seine vorgefasste Finanzpolitik zu organisieren. Der Wiener Schriftsteller, Robert Menasse, formulierte das in der <a href=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/text\/2006\/08\/Merkel\" title=\"Externer Link zu http:\/\/zeus.zeit.de\/text\/2006\/08\/Merkel\">ZEIT<\/a> j&uuml;ngst so: Es geht der gro&szlig;en Koalition nur noch darum, wie gut es ihr gelingt, &bdquo;eine Politik, die f&uuml;r die meisten schmerzhaft sein m&uuml;sse, auf den Weg zu bringen und dennoch die Zustimmung der Mehrheit daf&uuml;r (zu) organisieren&ldquo;. Es geht also nicht mehr darum &bdquo;Wo kommen wir mit dieser Politik hin?&ldquo; sondern nur noch &bdquo;Wie bekommen wir diese Politik hin?&ldquo;, ohne dass uns die Bev&ouml;lkerung zum Teufel jagt.<\/p><p>Die politischen Wissenschaften im angels&auml;chsischen Sprachraum unterscheiden den aufgabenorientierten Inhalt von Politik und nennen das &bdquo;policy&ldquo;. Dagegen stellen sie den prozessualen Verlauf von Politik und das bezeichnen sie als &bdquo;politics&ldquo;. Nach dieser Unterscheidung geht es Steinbr&uuml;ck nicht mehr um &bdquo;policy&ldquo; sondern nur noch um &bdquo;politics&ldquo;. Er versucht die Inhalte seiner Politik der demokratischen Debatte und der Entscheidung des Wahlvolkes zu entziehen und baut darauf &bdquo;mit den richtigen Themen und der richtigen Sprache&ldquo; die &ouml;ffentliche Meinung auf seinen f&uuml;r gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung schmerzhaften Sparkurs einzustimmen.<\/p><p>Paul Krugman, Professor f&uuml;r Wirtschaftswissenschaften an der Princeton University, den viele als Anw&auml;rter auf den Nobelpreis sehen, schrieb am 13.2.06 in der SZ-Beilage der New York Times &uuml;ber die Bush-Regierung in den USA: &bdquo;This administration is all politics and no policy.&ldquo;<\/p><p>Das gilt seit der Schr&ouml;der-Regierung auch f&uuml;r Deutschland. Schon Schr&ouml;der hat mit allen politischen Taschenspielertricks bis hin zu seinem Neuwahl-Coup eine Debatte in der &Ouml;ffentlichkeit und in seiner Partei &uuml;ber das Scheitern seines neoliberalen Konzeptes zu verhindern gewusst. Steinbr&uuml;ck will als gelehriger &bdquo;Kurshalter&ldquo; (so sein Wahlkampfslogan in NRW) des Alt-Kanzlers offenbar diese Strategie der Verweigerung einer kritischen Aufarbeitung eines sich mehr und mehr als falsch und sch&auml;dlich erweisenden Kurses fortsetzen. Deshalb braucht er einen Spin-doctor und Imageberater.<\/p><p>Tr&ouml;stlich kann einen dabei stimmen, dass auch sein Vorg&auml;nger schon einen Strippenzieher namens Klaus-Peter Schmidt-Deguelle hatte. Dieser Medienberater konnte Hans Eichel f&uuml;r teures Geld zwar insgesamt zwanzig Mal zu Sabine Christiansen bringen, er konnte wirklich alle Tricks einsetzen um dem &bdquo;Spar-Hans&ldquo; das Image des Kassenwartes der Nation zur verpassen. Hans Eichel ist grandios gescheitert. Seine prozyklische Sparpolitik hat uns immer nur neue Schulden gebracht.<\/p><p>Steinbr&uuml;ck, der auf dem besten Wege ist die Fehler seines Vorg&auml;ngers fortzusetzen, sollte daraus lernen, dass das beste Image nicht von Dauer ist und noch so perfekte &bdquo;politics&ldquo; nicht helfen, wenn er eine falsche &bdquo;policy&ldquo; macht. <\/p><p>Auch bei Steinbr&uuml;ck wird erfahren m&uuml;ssen, dass man in einer Phase &ouml;konomischer Stagnation, durch staatliches Sparen immer nur neue Schulden auft&uuml;rmen wird und jedenfalls kein Wirtschaftswachstum ansto&szlig;en kann, das zus&auml;tzliche Steuereinnahmen und damit eine Entlastung des Staatshaushalts bringen w&uuml;rde.<\/p><p>Aber bis er dann wie sein Vorg&auml;nger wie ein r&auml;udiger Hund vor die T&uuml;r gejagt und er zusammen mit Franz M&uuml;ntefering die SPD vollends ruiniert haben wird, wird es neue Amtstr&auml;ger geben. Wie schrieb doch Robert Menasse so seherisch: <\/p><blockquote><p>Wenn Wirtschaftsinteressen regieren, ist unerheblich, wer welches politische Amt bekleidet. Dann gilt nur noch die Frage, welchen politischen Repr&auml;sentanten es besser gelingt, die materiellen Anspr&uuml;che der Wirtschaft in ideelle politische Anspr&uuml;che zu &uuml;bersetzen und politische Zustimmung zur realen Verabschiedung der Politik zu organisieren.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r 160.000 Euro pro Jahr sucht der Finanzminister laut SPIEGEL einen externen Imageberater. 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