{"id":105507,"date":"2023-10-19T11:22:37","date_gmt":"2023-10-19T09:22:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105507"},"modified":"2023-10-20T07:11:33","modified_gmt":"2023-10-20T05:11:33","slug":"paradies-und-resterampe-private-schulen-florieren-oeffentliche-verkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105507","title":{"rendered":"Paradies und Resterampe. Private Schulen florieren, \u00f6ffentliche verkommen."},"content":{"rendered":"<p>Der Trend zur Privatschule ist ungebrochen. Nie gab es mehr freie, kirchliche und kommerzielle Lehranstalten, nie wurden sie von mehr Sch&uuml;lern besucht. Dabei bildet das staatliche Bildungssystem erst den Boden f&uuml;r die Alternativen mit sozial und ethnisch homogenerem Lernumfeld bei besserer technischer und personeller Ausstattung. Gewinner sind ein paar wenige, die Gesellschaft als Ganze verliert. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9574\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-105507-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231019_Paradies_und_Resterampe_Private_Schulen_florieren_oeffentliche_verkommen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231019_Paradies_und_Resterampe_Private_Schulen_florieren_oeffentliche_verkommen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231019_Paradies_und_Resterampe_Private_Schulen_florieren_oeffentliche_verkommen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231019_Paradies_und_Resterampe_Private_Schulen_florieren_oeffentliche_verkommen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=105507-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231019_Paradies_und_Resterampe_Private_Schulen_florieren_oeffentliche_verkommen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231019_Paradies_und_Resterampe_Private_Schulen_florieren_oeffentliche_verkommen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Auf dem <a href=\"https:\/\/birklehof.de\/\">Birklehof<\/a> im S&uuml;dschwarzwald gibt es Schule aus dem Bilderbuch. Inmitten malerischer Idylle lernt Kind hier, &bdquo;menschlich, m&uuml;ndig, mutig&ldquo; zu werden. Leitbild des seit &uuml;ber 90 Jahren bestehenden Internats ist ein Ausspruch des Religionsphilosophen Georg Picht, der die Einrichtung in Hinterzarten nach dem Zweiten Weltkrieg zehn Jahre lang leitete: &bdquo;Gemeinsam mit ihren Sch&uuml;lern begeben sich die Lehrer auf die Suche nach der verlorenen Weisheit, wie man ein Mensch wird.&ldquo; Die Voraussetzungen daf&uuml;r k&ouml;nnten besser nicht sein: Die durchschnittliche Klassengr&ouml;&szlig;e betr&auml;gt 14, um 200 Sch&uuml;ler k&uuml;mmern sich 43 Lehrkr&auml;fte. Auf dem Lehrplan stehen spezielle F&ouml;rderlinien in Musik und Naturwissenschaften, es wird viel Englisch gesprochen im Unterricht, es gibt &bdquo;Erlebnisp&auml;dagogik&ldquo; und &bdquo;Demokratiebildung&ldquo;, alle Arten von Sport k&ouml;nnen praktiziert werden, dazu kommen Dutzende Arbeitsgemeinschaften von Theater &uuml;ber T&ouml;pfern, Schreinern bis Backen. Kurzum: &bdquo;Wir f&ouml;rdern jede und jeden, je nach Bed&uuml;rfnissen, Potenzialen, Talenten und Interessen.&ldquo;<\/p><p>Jede und jeder sind freilich l&auml;ngst nicht alle. Zutritt zum Garten Eden erh&auml;lt nur, wessen Eltern j&auml;hrlich 45.600 Euro zuz&uuml;glich 7.000 Euro Kaution hinbl&auml;ttern &ndash; oder besonders &bdquo;begabte und leistungsbereite&ldquo; Kinder, die per Stipendium beziehungsweise mit Sozialnachl&auml;ssen unterst&uuml;tzt werden. Zum Vergleich: Die Pro-Kopf-Ausgaben pro Sch&uuml;ler an Deutschlands &ouml;ffentlichen Schulen beliefen sich 2021 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) auf <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2023\/03\/PD23_082_217.html\">im Mittel 9.200 Euro<\/a> und damit gerade einmal ein F&uuml;nftel dessen, was auf dem Birklehof Standard ist. Nat&uuml;rlich wird an Normalschulen nicht geschlafen (zumindest nicht bei Nacht) und eine Rundumverkostung braucht es auch nicht. Andererseits steuert das Land Baden-W&uuml;rttemberg laut Wikipedia im Rahmen der Privatschulfinanzierung immerhin noch rund <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Birklehof\">20 Prozent des Gesamtbudgets<\/a> bei, was rechnerisch pro Kind nahezu besagten 9.200 Euro entspricht. Was bedeutet: Den Insassen wird die &uuml;bliche Grundausstattung samt f&uuml;nfmal so teuren Extras zuteil.<\/p><p><strong>Staat &uuml;bernimmt PR-Arbeit<\/strong><\/p><p>Aber die staatliche F&ouml;rderung endet bei Weitem nicht mit den Zuwendungen. Noch viel mehr profitiert die Privatschullobby vom Niedergang des &ouml;ffentlichen Schulsystems, der in der Verantwortung von Bund und vor allem der Bundesl&auml;nder unter dem Vorwand von &bdquo;Sparzw&auml;ngen&ldquo;, &bdquo;Schwarzer Null&ldquo; und &bdquo;Schuldenbremsen&ldquo; seit mindestens zwei Jahrzehnten exerziert wird. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele Eltern allein wegen des seit mehreren Jahren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93863\">grassierenden Lehrermangels<\/a> ihren Nachwuchs an eine Lehranstalt der Sorte Waldorf, Montessori oder <a href=\"https:\/\/www.neue-schule-wolfsburg.de\/unsere-schule\">Volkswagen<\/a> (kein Witz) schicken. Eigentlich k&ouml;nnten die Betreiber ihre Werbeabteilung getrost schlie&szlig;en, das Marketing besorgen die Kultusminister &ndash; kostenlos und mit h&ouml;chstem Ertrag.<\/p><p>Die neueste &bdquo;Erfolgsmeldung&ldquo; setzte in der Vorwoche das Statistische Bundesamt ab. Im Schuljahr 2022\/23 besuchten demnach <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2023\/10\/PD23_N054_21.html\">9,2 Prozent<\/a> der knapp 8,7 Millionen Kinder und Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen eine Privatschule. Vor 20 Jahren hatte der Anteil noch bei sechs Prozent gelegen. Dabei z&auml;hlte die Beh&ouml;rde 3.784 reformp&auml;dagogische, konfessionelle oder kommerzielle Schulen, rund 50 Prozent mehr als Anfang der 2000er-Jahre. Nimmt man die privat betriebenen Berufsschulen hinzu, kommt man auf knapp 6.000 Einrichtungen, ein Aufwuchs von &uuml;ber 80 Prozent in den zur&uuml;ckliegenden drei Jahrzehnten. Allein zwischen 2019 und 2023 sind weit &uuml;ber 100 neue allgemeinbildende Privatschulen aufgetaucht.<\/p><p>Seit 2000 verringerte sich die Zahl der &ouml;ffentlichen Schulen um 24 Prozent von 38.022 auf 28.882, dabei wurden knapp 2.100 Grundschulen dichtgemacht oder zusammengelegt. Den gr&ouml;&szlig;ten Zulauf mit einem Anteil von 12,3 Prozent aller Sch&uuml;ler haben Privatschulen in Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Sachsen (11,5 Prozent) und Bayern (11,2 Prozent). Am Ende der Skala liegt Schleswig-Holstein mit 5,6 Prozent. Die Betroffenen lassen sich das viel kosten. 2019 (neuere Daten liegen nicht vor) wurde f&uuml;r knapp 600.000 Kinder in der Lohn- und Einkommenssteuer Schulgeld geltend gemacht. Nach Angaben der Wiesbadener Statistiker legten deren Eltern im Durchschnitt 2.030 Euro j&auml;hrlich f&uuml;r einen Privatschulplatz hin. F&uuml;r 30 Prozent dieser Kinder wurden 2.000 Euro und mehr im Jahr f&auml;llig, bei 60 Prozent waren es unter 1.500 Euro. Das teuerste Pflaster war der Rhein-Kreis Neuss, wo im Mittel 7.690 Euro pro Platz verlangt wurden, gefolgt von D&uuml;sseldorf (7.090 Euro) und dem Hochtaunuskreis (6.840 Euro).<\/p><p><strong>Dauerdepression<\/strong><\/p><p>Das Bundesamt ordnete die Entwicklung so ein: &bdquo;Je h&ouml;her die Bedeutung von Bildung eingesch&auml;tzt wird, desto mehr Wert legen Eltern auf eine individuelle F&ouml;rderung ihrer Kinder.&ldquo; Das ist nur ein Teil der Erkl&auml;rung. In politischen Sonntagsreden erleben Spr&uuml;che von &bdquo;Zukunftschancen&ldquo; und &bdquo;Deutschlands wichtigster Ressource&ldquo; einen ungebrochenen Boom, in der Realpolitik steckt Bildung dagegen in der Dauerdepression. Es geht immer mehr Eltern nicht mehr darum, dem Spr&ouml;ssling eine bessere Ausbildung zu erm&ouml;glichen, sondern ihn von den miserablen Zust&auml;nden an den &ouml;ffentlichen Schulen fernzuhalten. Br&ouml;ckelnde Turnhallen, stinkende Schulklos und Pr&uuml;gelszenen auf dem Schulhof liefern hierf&uuml;r reichlich Argumente.<\/p><p>Eine gro&szlig;e Rolle spielt auch das mit der Demographie begr&uuml;ndete Schulsterben, im Speziellen in Ostdeutschland. Wo reihenweise Lehranstalten von der Bildfl&auml;che verschwinden, sto&szlig;en Alternativen in die L&uuml;cke, die die Schule buchst&auml;blich &bdquo;im Dorf lassen&ldquo; wollen. Den Betreibern ist das gar nicht zum Vorwurf zu machen, und Schulen in freier Tr&auml;gerschaft sind in aller Regel auch nicht auf Gewinnmaximierung aus. Gerade im Bereich Grundbildung ist Deutschland noch weit davon entfernt, ein Eldorado der Bildungsindustrie zu sein, zumal der Profitjagd durch gesetzliche Restriktionen enge Grenzen gesetzt sind. Oft geht die Initiative f&uuml;r eine Neugr&uuml;ndung von den Eltern vor Ort aus, weshalb auch immer mehr sogenannte Stadtteilschulen auf den Plan treten. Das Engagement ist in den allermeisten F&auml;llen gut gemeint, auch wenn etwa die Reformp&auml;dagogik nach Rudolf Steiner nicht jedermanns Sache sein muss.<\/p><p><strong>Legend&auml;re Ungleichheiten<\/strong><\/p><p>Oft reicht schon das Versprechen, es besser als die Staatlichen zu machen. Wobei das nicht zwingend in Erf&uuml;llung gehen muss. Klar ist die Klientel an Privatschulen &bdquo;erlesener&ldquo;, auch wenn das im Grundgesetz verankerte &bdquo;Sonderungsverbot&ldquo; die Entstehung eines Mehrklassenschulsystems eigentlich verhindern soll. Auch den Privaten fehlt es an professionellen P&auml;dagogen, und sozial auff&auml;llige, social-media-gest&ouml;rte, bewegungsfaule Kinder machen um besser betuchte Familien keinen Bogen. Vor f&uuml;nf Jahren hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) durch die Friedrich-Ebert-Stiftung untersuchen lassen, wie die privaten Schulen im Vergleich mit den staatlichen Schulen abschneiden. Ergebnis: Sch&uuml;ler an Privatschulen erzielten &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.bildungsspiegel.de\/news\/weiterbildung-bildungspolitik\/2248-studie-widerlegt-mythos-von-privatschulen-sie-sind-nicht-besser-als-oeffentliche\/\">keine besseren Leistungen<\/a> als solche an &ouml;ffentlichen Schulen&ldquo;. Weshalb es Zeit sei, mit der &bdquo;Legendenbildung&ldquo; &uuml;ber die Privaten Schluss zu machen.<\/p><p>Dieses Urteil erscheint jedoch allzu pauschal, denn die Forscher hatten sehr wohl Unterschiede, wenngleich kleine, in den Bereichen Zuh&ouml;ren (Deutsch) und H&ouml;rverstehen (Englisch) zugunsten der Privaten ermittelt, w&auml;hrend in puncto Leseverstehen (Englisch) am Gymnasium die Staatlichen besser abschnitten. Entscheidender ist jedoch, dass per Studiendesign Einflussfaktoren wie soziale Herkunft und Migrationshintergrund der Sch&uuml;ler ausgeblendet wurden, indem man quasi &bdquo;statistische Zwillinge&ldquo; gegen&uuml;berstellte. Das Problem: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/329095.%C3%BCbersch%C3%A4tzte-alternativen.html?sstr=privatschulen\">Laborbedingungen existieren im wirklichen Leben nicht<\/a>, und bezieht man besagte Parameter mit ein, sind die Privatschulen mit ihrer sozial und ethnisch homogeneren Sch&uuml;lerschaft doch deutlicher im Vorteil. Und dass sich die Schere weiter &ouml;ffnet, erscheint angesichts von immer mehr verwahrlosten, lernunf&auml;higen Kids, Gewalt, Mobbing, Hilfs- und Burnoutp&auml;dagogen vorgezeichnet. Dem ist nicht mit Sch&ouml;nf&auml;rberei des &ouml;ffentlichen Schulwesens, sondern nur mit einer besseren Sozial- und Integrationspolitik beizukommen &ndash; vor allem mit der Einstellung zus&auml;tzlicher Lehrkr&auml;fte und Sozialarbeiter in gro&szlig;em Stil.<\/p><p><strong>Papiertiger Sonderungsverbot<\/strong><\/p><p>Aber daf&uuml;r fehlt ja angeblich das Geld, w&auml;hrend die Ampelregierung f&uuml;r die Aufr&uuml;stung der Bundeswehr, f&uuml;r teure Industrieansiedlungen oder den Import von schmutzigem US-Fracking-Gas Hunderte Milliarden Euro locker macht. Und in die privaten Schulen wird selbstredend auch allerhand investiert. Dass die sich vornehmlich aus Elternbeitr&auml;gen finanzieren, ist ein verbreitetes Vorurteil. Was f&uuml;r Eliteinternate wie den Birklehof gilt, ist n&auml;mlich die gro&szlig;e Ausnahme. Die Regel besagt hingegen, dass die Einrichtungen bis zu einem hohen Grad staatlich alimentiert werden. Eine vor vier Jahren ver&ouml;ffentlichte Analyse des Wissenschaftszentrums Berlin f&uuml;r Sozialforschung (WZB) hat daf&uuml;r Daten aus den Jahren 2009 bis 2013 ausgewertet. Danach erreichten damals zehn Bundesl&auml;nder allein &uuml;ber die Zusch&uuml;sse einen Kostendeckungsgrad von <a href=\"https:\/\/bibliothek.wzb.eu\/pdf\/2019\/p19-006.pdf\">mindestens 85 Prozent<\/a>. Nimmt man den Eigenanteil und die Erl&ouml;se aus Schulgeldern hinzu, dann konnten die Privatschulen in Bayern, Baden-W&uuml;rttemberg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Schleswig-Holstein, Hessen und Hamburg im Schnitt mindestens zehn Prozent mehr Geld ausgeben als ihre staatlichen Pendants. Sachsens Grundschulen kamen gar auf 130 Prozent, die Gymnasien und Oberschulen etwa 120 Prozent.<\/p><p>Was die Sache so absurd macht: Gerechtfertigt werden die Hilfen mit besagtem Verbot der &bdquo;Sonderung der Sch&uuml;ler nach den Besitzverh&auml;ltnissen der Eltern&ldquo;. Daf&uuml;r muss nach h&ouml;chster Rechtsprechung ausgerechnet der Staat sorgen, indem er die Privatschulen in einer Weise unterst&uuml;tzt, damit diese keine zu hohen Schulgelder verlangen m&uuml;ssen. Fakt ist aber, dass die Privaten trotz Stipendienvergabe, Einkommensstaffelung bei den Beitr&auml;gen oder H&auml;rtefallregelungen eine g&auml;nzlich anders zusammengesetzte Sch&uuml;lerschaft aufweisen als die &ouml;ffentlichen Schulen, womit sie systematisch gegen das Sonderungsverbot versto&szlig;en. Das muss nicht einmal an hohen Geb&uuml;hren liegen, eine entscheidende Rolle spielt der Habitus und damit der Bildungsgrad der Eltern selbst, die um die &ouml;ffentliche Schulmisere wissen und wissen, wie man sich ihr entzieht. Dagegen landen etwa Kinder aus Hartz-IV-Verh&auml;ltnissen v&ouml;llig selbstverst&auml;ndlich auf einer Staatsschule.<\/p><p><strong>So l&auml;uft Privatisierung<\/strong><\/p><p>Das veranlasste selbst das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) schon 2018 zur Feststellung, &bdquo;die <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.610661.de\/fast_jedes_zehnte_kind_in_deutschland_geht_auf_eine_privatsc_______nutzung_haengt_immer_staerker_von_bildung_der_eltern_ab.html\">soziale Segregation<\/a> zwischen privaten und &ouml;ffentlichen Schulen hat in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen&ldquo;. Kinder aus einkommensst&auml;rkeren und &bdquo;bildungsnahen&ldquo; Familien w&uuml;rden immer h&auml;ufiger privat beschult, w&auml;hrend sich &bdquo;Bildungsferne&ldquo; in den Einrichtungen immer rarer machten. Man muss davon ausgehen, dass sich der Trend vor dem Hintergrund der versch&auml;rften gesellschaftlichen Ungleichheiten sowie des forcierten Substanzverlusts des staatlichen Schulwesens noch verst&auml;rkt hat. Blo&szlig; was folgert das DIW daraus: &bdquo;Wenn es auch k&uuml;nftig neben &ouml;ffentlichen Schulen private Schulen geben soll, m&uuml;ssen jedoch die &ouml;ffentliche F&ouml;rderung und andere Regelungen einen fairen Wettbewerb zwischen beiden Schultypen erm&ouml;glichen.&ldquo; Soll hei&szlig;en: Private Tr&auml;ger geh&ouml;ren noch st&auml;rker gep&auml;ppelt als bisher, womit die &Ouml;ffentlichen endg&uuml;ltig zur &bdquo;Resterampe&ldquo; der gesellschaftlich Abgeh&auml;ngten geraten.<\/p><p>In der Logik von Wirtschaftsliberalen ist das nur konsequent, und nat&uuml;rlich ist die Entwertung von Schule und Bildung kein Zufallsprodukt, sondern politisch gewollt. Wenn Geld &uuml;ber alles geht, muss sich auch alles zu Geld machen lassen, Dummheit inklusive. Wie die Privatschulen boomt in Deutschland die Nachhilfeindustrie, die sich fest in der Hand von Finanzinvestoren befindet.<\/p><p>Wo die Reise hingehen k&ouml;nnte, offenbart ein Blick zu den Hochschulen. Viel mehr als im Schulbereich dominieren auf diesem Feld schon heute rein kommerzielle Anbieter. Binnen 20 Jahren hat sich ihre Zahl von 49 auf 114 mehr als verdoppelt. Damit befindet sich heute bundesweit jede vierte Hochschule in privater Hand, die aktuell von etwa zw&ouml;lf Prozent der Studierenden bev&ouml;lkert werden. Anfang der Nullerjahre waren es noch 1,6 Prozent. Und die Staatsunis? Die sind chronisch unterfinanziert. Privatisierung wie im Paradies!<\/p><p><small>Titelbild: Allik\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/6d9317052bb4489bb303a5af11ca3f30\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Trend zur Privatschule ist ungebrochen. 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