{"id":105547,"date":"2023-10-21T14:00:27","date_gmt":"2023-10-21T12:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105547"},"modified":"2023-12-04T11:59:05","modified_gmt":"2023-12-04T10:59:05","slug":"das-aufkommen-der-neuen-weltordnung-von-kriegen-begleitet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105547","title":{"rendered":"Das Aufkommen der neuen Weltordnung \u2013 von Kriegen begleitet"},"content":{"rendered":"<p>Die entstehende neue Weltordnung wird weder gerecht noch stabil sein. Die Menschheit steht vor enormen Herausforderungen &ndash; nicht nur geopolitischer Art &ndash;, die einen friedlichen &Uuml;bergang nahezu unvorstellbar machen. Wir m&uuml;ssen uns damit abfinden, dass die Welt so sein wird, wie sie noch nie war. Die ungarische Zeitung <em>Demokrata<\/em> hat mit dem deutschen Politikwissenschaftler und bekannten Russland-Experten <strong>Alexander Rahr<\/strong> &uuml;ber den Wandel der Welt, die neuen Herausforderungen und die Zukunft Europas gesprochen. Das Interview f&uuml;hrte <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, die deutsche &Uuml;bersetzung ist von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Welt ist dabei, die US-amerikanische Hegemonie abzubauen. Wie weit ist dieser Prozess schon?<\/strong><\/p><p>Wir k&ouml;nnen vor allem eindeutig feststellen, dass der Prozess nicht friedlich ist. Dieser &Uuml;bergang ist nicht nur schmerzhaft, er wird von Kriegen begleitet. Mit dem Ukraine-Krieg begann erst in dieser Hinsicht der Umbau der unipolaren Weltordnung. Konflikte um Taiwan scheinen unvermeidlich, aber auch in der ambitionierten T&uuml;rkei, im Kaukasus oder im &ouml;stlichen Mittelmeerraum nehmen die Spannungen zu. Unterdessen werden die &Auml;u&szlig;erungen des US-Pr&auml;sidenten immer schrecklicher und be&auml;ngstigender. Er will n&auml;mlich, dass das liberale westliche Demokratiemodell &uuml;berall aufbl&uuml;ht und beabsichtigt gerade, die Welt von Diktatoren zu s&auml;ubern. Die Europ&auml;ische Union steht in diesem Bestreben voll hinter Washington.<\/p><p><strong>Handelt es sich um einen nat&uuml;rlichen Prozess, der durch die Ver&auml;nderung des Kr&auml;fteverh&auml;ltnisses erzwungen wird, oder haben die USA etwas ordentlich &bdquo;vermasselt&rdquo;?<\/strong><\/p><p>Das ist ein nat&uuml;rlicher Prozess. Die Weltordnung hat sich schon immer durch Gewalt ver&auml;ndert. Dies war der Fall w&auml;hrend des Ersten Weltkriegs zwischen &Ouml;sterreich-Ungarn und Deutschland sowie davor nach dem Sieg &uuml;ber Napoleon und dem anschlie&szlig;enden Wiener Kongress 1815. Diese Umw&auml;lzungen gingen mit dem Zusammenbruch von Imperien einher. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Sieger diejenigen, die die neue Ordnung schrieben. So wird es auch jetzt kommen, da die neue Weltordnung durch Gewalt gestaltet wird. Wir k&ouml;nnen nur hoffen, dass sie im Wesentlichen durch Wirtschaftskriege und nicht durch bewaffnete K&auml;mpfe geformt wird.<\/p><p><strong>Die L&auml;nder des sogenannten Globalen S&uuml;dens sprechen von einer gerechteren Weltordnung. Wie viel gerechter kann diese neue Welt sein?<\/strong><\/p><p>Ich glaube nicht, dass die Welt dadurch fairer wird. Das ist eine ziemlich naive Vorstellung. Ich w&auml;re schon zufrieden, wenn die M&auml;chte zumindest miteinander verhandeln k&ouml;nnten, wie sie es nach dem Zweiten Weltkrieg getan haben. Das Wichtigste ist, dass die Beteiligten miteinander sprechen und sich als gleichberechtigte Partner zusammensetzen k&ouml;nnen, die sich gegenseitig respektieren.<\/p><p><strong>Wie w&uuml;rden Sie die entstehende neue Weltordnung beschreiben? Wird es zwei Pole geben, von denen einer von China und der andere von den Vereinigten Staaten angef&uuml;hrt wird, oder wird diese eine Welt ohne Pole, eine multizentrische sein?<\/strong><\/p><p>Es besteht eine gewisse Hoffnung, dass sich die f&uuml;hrenden M&auml;chte der Welt auf eine demokratische Umgestaltung des UN-Sicherheitsrats einigen k&ouml;nnen, die die neuen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse widerspiegelt. Darin m&uuml;ssen Indien, Brasilien und eines der afrikanischen L&auml;nder definitiv einen Platz haben. Dies k&ouml;nnte der erste Schritt zu einem relativ friedlichen &Uuml;bergang sein. In diesem Fall k&ouml;nnte die Welt multipolar sein. Wenn das nicht geht, wird sie zwei- oder dreipolig werden. <\/p><p>Ich halte eher Letzteres f&uuml;r wahrscheinlich. Wenn es keinen Konsens gibt, dann werden Amerika und Europa den einen Pol bilden, w&auml;hrend der andere Eurasien mit China, Russland, Indien, Iran und der T&uuml;rkei sein wird, die sich untereinander &uuml;ber die internen Verh&auml;ltnisse dieses Pols einigen werden. In diesem Fall k&ouml;nnen sie ihre eigene UNO gr&uuml;nden, w&auml;hrend Europa und Amerika weiterhin in New York bleiben. Der dritte Pol k&ouml;nnte aus den arabischen, afrikanischen und lateinamerikanischen L&auml;ndern bestehen, die sich von Amerika und China gleicherma&szlig;en fernhalten und sich keinem der beiden Bl&ouml;cke anschlie&szlig;en wollen. Es ist &uuml;brigens noch zu fr&uuml;h, &uuml;ber diese Begriffe zu sprechen, da sich die Konturen der neuen Weltordnung erst abzeichnen. Die Welt ist bereits einigerma&szlig;en multipolar, aber die Institutionen dieser Ordnung sind noch nicht etabliert.<\/p><p><strong>Ist der russisch-ukrainische Krieg derzeit der wichtigste Schauplatz f&uuml;r die Entwicklung der neuen Weltordnung? Welche Rolle spielt er in diesem Prozess?<\/strong><\/p><p>Ja, dieser Krieg ist einer der Mosaiksteine in der Entwicklung der multipolaren Ordnung. Ich glaube jedoch nicht, dass dieser Krieg so entscheidend f&uuml;r die Entwicklung der neuen Weltordnung ist. Daran nehmen weder China und Indien noch die arabische Welt teil &ndash; die Vereinigten Staaten auch nicht direkt. Es ist zwar ein f&uuml;r uns schrecklicher, aber immer noch ein lokaler Krieg. Sein Ausgang k&ouml;nnte jedoch das Schicksal der NATO beeinflussen. Wenn Russland gewinnt, wird die NATO eindeutig geschw&auml;cht werden. Ein Sieg der Ukraine k&ouml;nnte wiederum das Selbstvertrauen des Westens st&auml;rken, um sich dann gegen China zu wenden. In diesem Sinne k&ouml;nnte der Ausgang dieses Krieges auch die k&uuml;nftige Perspektive der Weltordnung beeinflussen.<\/p><p><strong>Wie w&uuml;rden Sie diesen Krieg definieren? Zwischen wem findet er wirklich statt? Haben die Hauptakteure die Ziele realistisch gesetzt? Kann es in diesem Krieg einen echten Gewinner geben?<\/strong><\/p><p>Es handelt sich um einen Krieg mit mehreren Vektoren. Die beiden slawischen V&ouml;lker sind wie Bulldoggen aufeinander losgegangen. Das hat einen historischen Hintergrund, denn die Menschen in der Westukraine und die Russen haben sich schon immer gehasst. Dieser Konflikt ist der H&ouml;hepunkt der letzten 200 Jahre. Aber auch der Westen und Russland gehen sich gegenseitig an die Kehle. Letzteres versucht, seine Autorit&auml;t in Europa als eine Art postmoderne Supermacht zu etablieren. Russland und die NATO stehen ebenfalls einander gegen&uuml;ber. Vergessen wir nicht, dass der Hauptgrund f&uuml;r den Ausbruch des Krieges die aggressive Expansion des nordatlantischen B&uuml;ndnisses ist. Aber um die Frage zu beantworten: Die Ukraine ist der gr&ouml;&szlig;te Verlierer in diesem Krieg. Auch wenn Europa und Russland nicht verlieren, sie werden in den Auseinandersetzungen erheblich geschw&auml;cht. Die beiden gr&ouml;&szlig;ten Nutznie&szlig;er dieses Konflikts sind die Vereinigten Staaten und China.<\/p><p><strong>Wir wissen, dass es immer leichter ist, einen Krieg zu beginnen als ihn zu beenden. Kann dieser Krieg Ihrer Meinung nach in absehbarer Zeit beendet werden, oder k&ouml;nnte er, wie ein deutscher General voraussagte, bis 2032 dauern?<\/strong><\/p><p>Auch die Erkl&auml;rung von Sergej Schojgu hat mich nicht beruhigt, denn der russische Verteidigungsminister sagte, der Krieg k&ouml;nne bis 2025 dauern. Meiner Meinung nach wird es in diesem Abnutzungskrieg Unmengen von Toten geben. Der Krieg wird enden, aber nicht nach den Vorstellungen des Westens.<\/p><p>Der Westen muss sich damit abfinden, dass die Ukraine einen Teil ihres Territoriums verliert &ndash; zumindest die Krim und den Donbass. Kurzum, es wird in diesem Krieg keine wirklichen Gewinner oder Verlierer geben. Doch Amerika wird sagen, dass der Westen gewonnen habe, weil er seinen Rivalen, Russland, geschw&auml;cht habe. China hingegen wird ebenfalls von einem Sieg sprechen und betonen, dass dieser Krieg den Westen geschw&auml;cht habe. In wirtschaftlicher Hinsicht werden sowohl die Vereinigten Staaten als auch China an diesem Krieg gewinnen.<\/p><p><strong>Welche anderen Regionen spielen potenziell eine herausragende Rolle bei der geopolitischen Auseinandersetzung zwischen dem &bdquo;Globalen S&uuml;den&rdquo; und dem Westen um zuk&uuml;nftige Positionen?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde es eher unter dem Gesichtspunkt betrachten, dass das, wor&uuml;ber wir in den letzten 20 Jahren gesprochen haben, nun eintritt. Asien ist dabei, Europa zu &uuml;berholen. In wirtschaftlicher Hinsicht sind die ehemaligen &bdquo;asiatischen Tiger&rdquo; heute ernst zu nehmende M&auml;chte und haben Europa &uuml;berholt. Die deutsche oder franz&ouml;sische Wirtschaft kann mit Vietnam oder Singapur mithalten, aber nicht mit China &ndash; von den Spaniern, Italienern und Griechen gar nicht zu sprechen. Europa schw&auml;chelt. Wir m&uuml;ssen erkennen, dass neben Amerika auch China und Indien zu Gro&szlig;m&auml;chten geworden sind. Das ist nicht mehr die Zukunftsmusik, sondern die Gegenwart.<\/p><p>W&auml;hrenddessen werden die europ&auml;ischen Staaten immer schw&auml;cher &ndash; nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch in demografischer Hinsicht. Amerika wendet sich von Europa ab, das sich einen neuen kalten Krieg nicht leisten kann. Die Sozialleistungen m&uuml;ssen gek&uuml;rzt werden, und die Menschen werden protestieren. Das bedeutet nat&uuml;rlich noch nicht die &bdquo;D&auml;mmerung&rdquo; Europas, aber es ist die traurige Realit&auml;t. Auch Russland wird nicht st&auml;rker, wie ich bereits sagte: Der langwierige Krieg ist kostspielig, darauf war es nicht vorbereitet, und seine Reserven schwinden, wenn auch langsam.<\/p><p><strong>Wie wir sehen, sind die &Uuml;bergangsjahre hektisch. Wie stabil wird die neue Weltordnung sein?<\/strong><\/p><p>Ich glaube nicht, dass sie stabil sein wird. Es wird viele Jahre dauern, bis sie sich entwickelt. Au&szlig;erdem steht die Menschheit vor enormen Herausforderungen, an die wir oft gar nicht denken. Da ist der Klimawandel. In Afrika, in den arabischen L&auml;ndern kann man nicht leben wie bisher.<\/p><p>Das hei&szlig;t, es wird eine Welle von Migranten geben, vor allem nach Europa. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Situation in den n&auml;chsten zwei Jahrzehnten ohne Krieg gel&ouml;st werden kann. Hinzu kommt die Tatsache, dass so viele Menschen die Erde &uuml;berlasten. Daraus folgt, dass die Armut in bestimmten Regionen immer unertr&auml;glicher werden wird. Diese Spannungen f&uuml;hren zu ethnischen Konflikten. In einigen Regionen kommt es bereits zu kleineren bewaffneten Konflikten um die Wasserressourcen. Aber nehmen wir die immer spektakul&auml;rere Alterung Europas. Es ist nicht klar, wie es die bevorstehenden Herausforderungen bew&auml;ltigen wird &ndash; die Migration, demografische Krise, Energieknappheit. Und dann sind da noch der Aufstieg der k&uuml;nstlichen Intelligenz, die beschleunigte Aufr&uuml;stung, die sich bereits auf den Weltraum auswirkt. Mitten in diesen Herausforderungen nimmt die neue Weltordnung Gestalt an. In den n&auml;chsten 20 Jahren wird die Menschheit erkennen, dass die wichtigsten Fragen nicht Ideologien, Demokratie oder Moral sind, sondern die Frage, wie man auf dieser Erde zusammenleben kann.<\/p><p><strong>Derzeit ist der Stand, dass der Westen noch schw&auml;chelt, aber der &bdquo;Globale S&uuml;den&rdquo; ihn noch nicht &uuml;berholt hat. Inzwischen hat sich Amerika bei dem Ausbruch des russisch-ukrainischen Krieges angestrengt, den westlichen Block hinter sich zu versammeln. Ist diese Einheit nachhaltig?<\/strong><\/p><p>Aus meiner Sicht wird sich Amerika von Europa abwenden und auf China und die anderen dringenden Herausforderungen konzentrieren. Europa ist f&uuml;r sie nicht mehr von Interesse. Aber die Vereinigten Staaten werden Europa nicht einfach allein lassen. Sie zwingen es, der NATO f&uuml;r die Sicherheit zu zahlen, sie ernennen ihre &bdquo;Vizek&ouml;nige&rdquo;. Wie erfolgreich dies sein wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass diese Haltung den euro-atlantischen Zusammenhalt aufbrechen wird.<\/p><p><strong>Leider k&ouml;nnen wir bereits jetzt feststellen, dass Europa einer der gr&ouml;&szlig;ten Verlierer der Transformation, des russisch-ukrainischen Krieges ist. Was sind Ihrer Meinung nach die Gr&uuml;nde daf&uuml;r? Welchen Platz kann Europa in der neuen Weltordnung einnehmen?<\/strong><\/p><p>Europa hat aufgeh&ouml;rt, Europa zu sein. Das ist das gr&ouml;&szlig;te Problem. Europa ist jetzt vor allem in Sicherheitsfragen den US-Amerikanern untergeordnet. Europa sollte sich etwas Eigenes einfallen lassen, etwas Europ&auml;isches, und nicht f&uuml;r die Interessen Amerikas k&auml;mpfen. Europa hat keine eigenen geopolitischen Visionen, globalen Interessen. Mehr noch: Es hat in der Tat nicht einmal mehr eine eigene Identit&auml;t &ndash; oder noch nicht. Das ist nat&uuml;rlich schwierig zu entwickeln, denn den Deutschen geht es beispielsweise um Werte, den Osteurop&auml;ern eher um nationale Interessen. Aber das gr&ouml;&szlig;te Problem ist, dass Europa nicht souver&auml;n ist. Wir m&uuml;ssten viele Dinge neu &uuml;berdenken und von Grund auf aufbauen. Wir brauchen neue Institutionen, denn diese &uuml;berb&uuml;rokratisierte Europ&auml;ische Union funktioniert nicht mehr. Die Mehrheit der Europ&auml;er ist mit der Europ&auml;ischen Union unzufrieden, und das k&ouml;nnte bei den n&auml;chsten Europawahlen ein Erdbeben ausl&ouml;sen. Das sind Herausforderungen, denen sich die k&uuml;nftige Politikergeneration stellen muss, denn die derzeitige Elite ist dazu nicht in der Lage. Diese tr&auml;ge, unvorbereitete Politikergeneration ist so weltfremd, dass sie nicht einmal das Ausma&szlig; der Herausforderungen erkennt.<\/p><p><strong>Viele Menschen denken, dass sich die neue Weltordnung bis etwa 2030 herausbilden k&ouml;nnte. Aber was wird bis dann mit der Europ&auml;ischen Union, die sich ebenfalls in einer Krise befindet, geschehen? Wird es sie in, sagen wir, zehn Jahren noch geben? Die Aufnahme der Ukraine k&ouml;nnte sie f&uuml;r immer zerrei&szlig;en. Wie wird dieses Europa aussehen?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r mich steht fest, dass sich die Europ&auml;ische Union nicht erweitern wird. Die Europ&auml;ische Union wird immer mehr zu einem Gebilde mit mehreren Geschwindigkeiten. Sie wird wie eine Matrjoschka sein, sie wird drei oder vier Kreise, Ebenen haben: im inneren Kreis um Deutschland herum diejenigen, die sich voll integrieren wollen, das sogenannte Kerneuropa, und im &auml;u&szlig;eren Kreis diejenigen, die sich zur&uuml;ckhalten, wie Schweden, Norwegen, vielleicht die Schweiz, und Ungarn irgendwo dazwischen.<\/p><p><strong>Und was wird dann mit der Ukraine geschehen?<\/strong><\/p><p>Ich glaube, dass die EU eine neue Form der Mitgliedschaft f&uuml;r die Ukraine finden wird. Es wird keine Assoziierung sein, sondern ein Protektorat. Das wird im Gro&szlig;en und Ganzen die Rechte einer Mitgliedschaft bedeuten &ndash; aber keine Vollmitgliedschaft. Damit w&uuml;rde die EU die Ukraine f&uuml;r ihre Verluste im Krieg mit Russland kompensieren. All dies beruht auf der Vorstellung, dass Br&uuml;ssel die Ukraine als wichtigen Br&uuml;ckenkopf gegen Russland betrachtet. Kiew versucht nat&uuml;rlich, diese Position auszunutzen, aber es wird eine Form sein, wie wir sie bisher noch nicht gesehen haben.<\/p><p><strong>Und was ist mit der NATO?<\/strong><\/p><p>Der verbleibende Teil der Ukraine wird Mitglied der NATO sein, als eine Art Entsch&auml;digung f&uuml;r die verlorenen Territorien.<\/p><p><strong>Dies wird die europ&auml;ische Sicherheit kaum st&auml;rken&hellip;<\/strong><\/p><p>Vielleicht, aber es ist auch wahr, dass wir Europa anders betrachten m&uuml;ssen als bisher.<\/p><p><strong>Russland wird dies nicht akzeptieren&hellip;<\/strong><\/p><p>Russland muss sich vor allem entscheiden, ob es ein europ&auml;isches oder ein asiatisches Land sein will. Wenn es sich f&uuml;r Ersteres entscheidet, wird es versuchen, einen Weg zur Auss&ouml;hnung mit Europa zu finden. Doch m&ouml;glicherweise will Europa davon nichts h&ouml;ren. Vielleicht wird Russland stur sein. Dann wird Russland ein asiatisches Land werden, was in der Geschichte noch nie vorgekommen ist, und ein neuer Eiserner Vorhang an der europ&auml;ischen Grenze wird heruntergelassen. Sie sehen, dies sind historische Zeiten. Wir m&uuml;ssen uns mit der Vorstellung anfreunden, dass die Welt so sein wird, wie sie noch nie war.<\/p><p><em>Angaben zum Interviewer:<\/em><\/p><p><em>G&aacute;bor Stier wurde 1961 geboren und ist ein ungarischer au&szlig;enpolitischer Journalist, Analyst und Publizist. Er ist Fachjournalist f&uuml;r Au&szlig;enpolitik bei der ungarischen Wochenzeitschrift Demokrata sowie Gr&uuml;ndungschefredakteur von #moszkvater, einem Internet-Portal &uuml;ber die slawischen V&ouml;lker, insbesondere die L&auml;nder der ehemaligen Sowjetunion.<\/em><\/p><p><em>Davor war er 28 Jahre lang bis zu ihrer Aufl&ouml;sung bei der konservativen Tageszeitung Magyar Nemzet t&auml;tig, von 2000 bis 2017 als Leiter des au&szlig;enpolitischen Ressorts. Er war der letzte Moskau-Korrespondent der Zeitung. Sein Interesse gilt dem postsowjetischen Raum und dessen aktuellen geopolitischen Entwicklungen. Stier schreibt regelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r au&szlig;enpolitische Fachzeitschriften, und seine Beitr&auml;ge und Interviews erscheinen regelm&auml;&szlig;ig in der mittel- und osteurop&auml;ischen Presse. Er ist Autor des Buches &bdquo;Das Putin-R&auml;tsel&ldquo; (2000) und seit 2009 st&auml;ndiges Mitglied des Waldai-Klubs.<\/em><\/p><p><em>Dieser Artikel erschien im ungarischen Original <a href=\"https:\/\/demokrata.hu\/vilag\/tortenelmi-idoket-elunk-738633\/\">am 11. Oktober 2023 in der Wochenzeitung Demokrata<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ red-feniks<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96339\">Nord Stream als Kriegsgrund<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104151\">&bdquo;Brutaler Angriff Russlands&ldquo; &ndash; Baerbocks Aussagen zu Kostjantyniwka bringen Ausw&auml;rtiges Amt in Erkl&auml;rungsnot<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98347\">Ungarn aus den Augen eines deutschen Zuwanderers<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105382\">Deutschlands nat&uuml;rlicher Partner hei&szlig;t Russland, nicht Amerika. 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