{"id":10585,"date":"2011-09-01T15:27:28","date_gmt":"2011-09-01T13:27:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10585"},"modified":"2014-09-09T15:20:48","modified_gmt":"2014-09-09T13:20:48","slug":"die-eurokrise-in-zahlen-i-wie-musterschuler-zu-problemkindern-wurden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10585","title":{"rendered":"Die Eurokrise in Zahlen (I) &#8211; Wie Mustersch\u00fcler zu Problemkindern wurden"},"content":{"rendered":"<p>Mit steter Regelm&auml;&szlig;igkeit behaupten die deutsche Regierung und viele deutsche Medien, dass die Eurokrise eine direkte Folge des finanzpolitischen Schlendrians einiger Eurostaaten sei. Eine unwahre Aussage wird jedoch nicht wahrer, wenn man sie regelm&auml;&szlig;ig wiederholt. Ein Blick auf die <a href=\"http:\/\/stats.oecd.org\/Index.aspx?DataSetCode=GOV_DEBT\">statistischen Daten<\/a> der OECD reicht aus, um diese Aussage zu widerlegen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall &ndash; am Vorabend der Finanzkrise galten die heutigen Problemkinder noch als finanzpolitische Mustersch&uuml;ler. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>&ldquo;Eigentlich ist es unter &Ouml;konomen weltweit unbestritten, dass eine der Hauptursachen &mdash; wenn nicht sogar die Hauptursache &mdash; der Krise &mdash; nicht nur jetzt, sondern schon 2008 &mdash; die zu hohe Verschuldung der &ouml;ffentlichen Haushalte auf der ganzen Welt&nbsp;ist.&rdquo;<br>\nWolfgang Sch&auml;uble in einem <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/sendungen_a-z\/432744_plusminus\/7996770_in-der-schuldenfalle--wo-europa-wackelt?type=null&amp;bu\">Interview mit der ARD-Sendung Plusminus<\/a><\/p><\/blockquote><p><a href=\"upload\/pdf\/110901_infografik1.pdf\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/110901_infografik1_470.png\" alt=\"NachDenkSeiten Infografik\" title=\"Vom Mustersch&uuml;ler zum Sorgenkind\"><\/a><\/p><p><strong>Spekulanten und &bdquo;M&auml;rkte&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Griechenlandkrise hat gezeigt, dass Staatsschulden sich in ein Damoklesschwert verwandeln k&ouml;nnen, wenn Spekulanten sich gegen ein Land verschw&ouml;ren. Nicht die H&ouml;he der Schulden, sondern die Zinskosten sind es, die ein Land an den Rand der Zahlungsunf&auml;higkeit treiben k&ouml;nnen.  Diese Zinslast setzt sich aus der H&ouml;he der Verschuldung und dem Zinssatz zusammen. W&auml;hrend die H&ouml;he der Schulden von der Politik bestimmt wird, bestimmen die Akteure auf den Finanzm&auml;rkten den Zinssatz.<\/p><p>Finanzm&auml;rkte funktionieren nach dem Prinzip des Herdentriebs. Volkswirtschaftliche Rahmendaten gelten dort bestenfalls als ein Faktor von vielen, der die Herde in eine bestimmte Richtung treibt. Oft gen&uuml;gt bereits ein Ger&uuml;cht oder eine Pressemeldung, die zwischen den Zeilen anders gelesen werden kann, um die Spekulanten zu logisch nicht nachvollziehbaren Aktionen zu treiben. Es ist jedoch auch keinesfalls auszuschlie&szlig;en, dass diese &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; von einigen wenigen Gro&szlig;spekulanten manipuliert werden, die ihr Spiel mit der Politik treiben und diese am Nasenring durchs Kasino f&uuml;hren. <\/p><p>Wenn Wolfgang Sch&auml;uble den Eindruck erweckt, dass die Krise durch volkswirtschaftliche Gr&uuml;nde ausgel&ouml;st wurde, so ist dies bereits &ndash; unabh&auml;ngig vom Wahrheitsgehalt der Aussage &ndash; eine Manipulation, mit der unterstellt wird, dass die Akteure auf den Finanzm&auml;rkten rational agieren. Dem ist nicht so &ndash; die Finanzm&auml;rkte sind ein Tummelplatz f&uuml;r Spekulanten, deren Herdentrieb oft komplett irrational ist. Doch auch der volkswirtschaftliche Kern von Sch&auml;ubles Aussage ist falsch.<\/p><p>Wer die Ursachen der heutigen Eurokrise herausfinden will, sollte bei seinen Beobachtungen zwei Perioden unterscheiden &ndash; die Zeit vor, und die Zeit nach dem bisherigen H&ouml;hepunkt der Finanzkrise im September 2008. Betrachtet man die finanzpolitischen Rahmendaten nahezu aller OECD-Staaten, so erkennt man zwischen den Jahren 2007 und 2008 eine deutliche Z&auml;sur. Die &bdquo;hohe Verschuldung&ldquo;, die Wolfgang Sch&auml;uble f&uuml;r die Krise verantwortlich macht, entstand (mit Ausnahme von Japan) erst in der Periode nach dem September 2008. Am Vorabend der Krise hatte Europa kein Schuldenproblem &ndash; im Gegenteil, vor allem die Staaten, die heute Probleme mit ihrer Refinanzierung haben, galten noch im September 2008 als wahre Musterknaben.<\/p><p><strong>Irland &ndash; der keltische Tiger endet als Bettvorleger<\/strong><\/p><p>Irland war beispielsweise zu Beginn der 90er ungef&auml;hr in der H&ouml;he seines Bruttoinlandsproduktes verschuldet und war damals zusammen mit Japan das am h&ouml;chsten verschuldete Industrieland. Aus dem Sorgenkind wurde in den folgenden zwei Jahrzehnten der Klassenbeste. Am Vorabend der Krise betrug die irische Staatschuldenquote lediglich 19,8%*. In keinem anderen Eurostaat schlug die Finanzkrise jedoch derart vernichtend  ein wie in Irland. Der Staat hat nicht nur mit den Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu k&auml;mpfen, die in Folge der Krise um mehr als zehn Prozent geschrumpft ist, sondern die irische Regierung hat sich mit der Verstaatlichung der gro&szlig;en Banken an den Rand der Handlungsunf&auml;higkeit man&ouml;vriert. Seit der Krise stieg die Staatsschuldenquote um 40,9 Prozentpunkte &ndash; rechnet man die Garantien f&uuml;r den Bankensektor hinzu, so d&uuml;rfte die Schuldenquote im Jahre 2013 mit 113% ihren H&ouml;chstwert <a href=\"upload\/pdf\/110901_Bank-of-Ireland.pdf\">erreicht haben [PDF &ndash; 85 KB]<\/a>. <\/p><p>Diese 113% w&auml;ren prinzipiell kein all zu gro&szlig;es Problem, wenn Irland seine eigene W&auml;hrung, eine eigene Notenbank h&auml;tte. Ein Land, das in seiner eigenen W&auml;hrung verschuldet ist, kann diese Schulden im Fall einer Krise immer durch neu gesch&ouml;pftes Geld bedienen. Dies f&uuml;hrt jedoch zu einer Abwertung der W&auml;hrung und vielleicht zu Inflation. Was f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung nicht unbedingt schlecht  sein muss, ist jedoch f&uuml;r Spekulanten schlecht &ndash; kein Spekulant hat ein Interesse daran, Papiere zu erwerben, die in einer W&auml;hrung ausgestellt sind, der eine Abwertung droht.<\/p><p>In einer W&auml;hrungsunion hat ein einzelner Staat jedoch nicht diese Ausweichm&ouml;glichkeiten und das wissen nat&uuml;rlich auch die Spekulanten, die die Zinsen f&uuml;r irische Staatsanleihen immer weiter in die H&ouml;he getrieben haben. Bei einem Zinssatz von mehr als 6% ist es nahezu unm&ouml;glich, eine solch hohe Zins- und Schuldenlast zu bedienen, geschweige denn abzubauen. Dazu bed&uuml;rfte es Wachstumsraten, die &uuml;ber dem Zinssatz liegen. Um die hohen Risikopr&auml;mien (z.Zt.: 11,7%) zu umgehen, musste Irland daher als zweites europ&auml;isches Land die Hilfe des europ&auml;ischen Stabilit&auml;tsmechanismus <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/economy_finance\/eu_borrower\/ireland\/index_en.htm\">in Anspruch nehmen<\/a>, die jedoch keine langfristige Rettung darstellt, da der effektive Zinssatz mit 5,9% immer noch vergleichsweise hoch ist. Zum Vergleich: Deutschland zahlt f&uuml;r seine Schulden mit rund 2,7% weniger als die H&auml;lfte. Die irische Krise ist also keine Ursache, sondern ein Produkt der Finanz- und Wirtschaftskrise. <\/p><p><strong>Spanien &ndash; von den &bdquo;M&auml;rkten &bdquo;angez&auml;hlt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auch die spanische Krise ist ein Produkt der Finanz- und Wirtschaftskrise. Spanien konnte seine Staatsschuldenquote seit der Einf&uuml;hrung des Euros von fast 50% auf 30% im Jahre 2007 reduzieren. Am Vorabend der Krise konnte Spanien in nahezu allen finanzpolitischen Kennzahlen bessere Werte vorweisen, als Deutschland, Frankreich oder Gro&szlig;britannien &ndash; das Wirtschaftswachstum und der Haushalts&uuml;berschuss waren h&ouml;her, die Staatsverschuldung niedriger. Die Finanz- und Wirtschaftskrise traf Spanien jedoch hart. Auch wenn die Wirtschaft in den zwei Folgejahren mit vier Prozent weniger schrumpfte als in Deutschland, so lief mit der steigenden Arbeitslosigkeit und durch die Kosten der Bankenrettungen der Staatshaushalt aus dem Ruder. In den Jahren 2008 bis 2010 stieg die Staatsschuldenquote um 21,7 Prozentpunkte auf 51,7%. <\/p><p>Doch weder die Staatsverschuldung noch andere Indikatoren geben eine rationale (&ouml;konomisch fundierte) Erkl&auml;rung daf&uuml;r, warum ausgerechnet Spanien kein gro&szlig;es Vertrauen an den Finanzm&auml;rkten genie&szlig;t. Das Land am Ebro steht in allen Disziplinen besser da als Gro&szlig;britannien und muss dennoch &ndash; anders als Gro&szlig;britannien &ndash; f&uuml;r seine Staatsanleihen einen signifikant h&ouml;heren Risikoaufschlag bedienen. <\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/110901_zinsrate.png\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/110901_zinsrate_470.png\" alt=\"Zinsraten ausgew&auml;hlter OECD-Staaten\" title=\"Zinsraten ausgew&auml;hlter OECD-Staaten\"><\/a><\/p><p>Die Gr&uuml;nde f&uuml;r dieses Paradoxon hat Paul De Grauwe von der Universit&auml;t Leuven in einem klugen Aufsatz <a href=\"http:\/\/www.econ.kuleuven.be\/ew\/academic\/intecon\/Degrauwe\/PDG-papers\/Discussion_papers\/Governance-fragile-eurozone_s.pdf\">herausgearbeitet [PDF &ndash; 800 KB]<\/a>. Anders als Gro&szlig;britannien kann Spanien (wie Irland) auf seine Verschuldung nicht durch eine souver&auml;ne Finanz- und Notenbankpolitik reagieren. Staaten, die in ihrer eigenen W&auml;hrung verschuldet sind und die Zugriff auf eine eigene Notenbank haben, k&ouml;nnen nicht Bankrott gehen. Dies trifft jedoch auf die angeschlagenen Eurol&auml;nder nicht zu, die auf Gedeih und Verderb Br&uuml;ssel und der EZB ausgeliefert sind. Wenn die europ&auml;ischen Regierungschefs sich weigern, einen verl&auml;sslichen &bdquo;Rettungsmechanismus&ldquo; zu verabschieden, der eine kollektive Haftung f&uuml;r die Schulden eines Mitgliedsstaates &uuml;bernimmt, besteht immer die M&ouml;glichkeit eines realen Zahlungsausfalls, wenn ein einzelnes Land Opfer der  Spekulation wird. Das Krisenmanagement der Eurozone hat sich diese Option stets offengehalten &ndash; vor allem Angela Merkel und Wolfgang Sch&auml;uble schafften und schaffen es nicht, an einem Mikrophon vorbeizugehen, ohne den unkritischen Medien zu vermelden, dass die Option einer Umschuldung zwar nicht angestrebt, aber keinesfalls auszuschlie&szlig;en ist. Daher ist es auch gar kein Wunder, wenn die Spekulanten einen Risikoaufschlag verlangen und ihn auch bekommen. <\/p><p>Die Angst vor einem Staats-Bankrott wird auf diese Art und Weise zu einer selbsterf&uuml;llenden Prophezeiung. Aus Angst vor  einer Zahlungsunf&auml;higkeit verlangen die Spekulanten immer h&ouml;here Zinsen und als Folge der h&ouml;heren Zinsen geraten die Staaten in eine Abw&auml;rtsspirale aus von der Europ&auml;ischen Kommission, der EZB und dem IWF diktierten Sparprogrammen, die die fiskalische Lage abermals verschlechtern und die Zinsen weiter in die H&ouml;he treiben. Nur die beherzten Interventionen der EZB konnten bislang verhindern, dass die Zinsen f&uuml;r spanische Anleihen ein Niveau erreichen, zu dem das Land sich nicht mehr selbstst&auml;ndig refinanzieren kann. Schon heute muss Spanien, dessen Staatsschuldenquote nur unwesentlich &uuml;ber der deutschen liegt, gemessen am Bruttoinlandsprodukt mehr als doppelt so viel Geld f&uuml;r den Zinsdienst aufbringen. Nicht nur das &ndash; Spanien muss auch noch relativ mehr Geld f&uuml;r den Zinsdienst aufbringen, als das fast viermal so hoch verschuldete Japan. <\/p><p><strong>Italien &ndash; die drittgr&ouml;&szlig;te Volkswirtschaft der Eurozone wankt<\/strong><\/p><p>Im Unterschied zu Irland und Spanien war Italien bereits vor dem Beginn der Finanzkrise relativ hoch verschuldet. Der finanzpolitische Schlendrian, den deutsche Medien den S&uuml;dl&auml;ndern gerne unterstellen, ist jedoch eine Legende. Italien meldete zwar seit Einf&uuml;hrung des Euros jedes Jahr ein Haushaltsdefizit &ndash; da die Wirtschaft des Landes jedoch schneller als die Schulden wuchs, baute Italien seine Staatsschuldenquote de facto zwischen 1995 und 2007 um 17,9 Prozentpunkte ab. Mit Ausnahme des Jahres 2005 gab es kein Jahr, in dem die italienische Staatsschuldenquote nicht abgenommen h&auml;tte. <\/p><p>Dank der relativ g&uuml;nstigen Zinsrate, die meist nur 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte &uuml;ber der deutscher Staatsanleihen lag, deshalb stellte dies nie ein &uuml;bergro&szlig;es Problem dar &ndash; Italien hatte sich bis zur Finanzkrise an seine relativ hohen, aber immer auch refinanzierbaren, Zinslasten gew&ouml;hnt. Erst die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise haben Italien ins Wanken gebracht.<\/p><p>W&auml;hrend die Zinsen f&uuml;r Staatsanleihen Deutschlands, Frankreichs, Gro&szlig;britanniens, Japans und der USA in Folge der Krise stark nachgaben, musste Italien seit der Krise mit  deutlich h&ouml;heren Zinsen k&auml;mpfen. Dennoch gibt es eigentlich keinen Grund, Italien in die Gruppe der potentiellen &bdquo;Bankrottkandidaten&ldquo; einzureihen. Mit einem Anwachsen der Staatsschuldenquote um 2,2% nahm Italien im letzten Jahr einen der Bestwerte innerhalb der Gruppe der OECD-Staaten ein. Die gef&auml;hrliche &bdquo;Risikopr&auml;mie&ldquo; ist vielmehr eine Folge des Herdentriebs. Die Spekulanten haben erkannt, dass die Eurozone angreifbar ist und ihre Spekulationsgewinne letztlich von der EU abgesichert werden. Dies war der Startschuss, reihum L&auml;nder zum Anschuss freizugeben.<\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/110901_staatsschulden.png\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/110901_staatsschulden_470.png\" alt=\"Staatsschulden ausgew&auml;hlter OECD-Staaten\" title=\"Staatsschulden ausgew&auml;hlter OECD-Staaten\"><\/a><\/p><p>Durch seine relativ hohe Verschuldung ist Italien jedoch besonders gef&auml;hrdet, bei nachlassendem Wachstum und gleichzeitig steigenden Zinsraten in Schieflage zu geraten. Diese Gefahr wird von den Spekulanten nat&uuml;rlich wahrgenommen, was &ndash; auch hier handelt es sich um eine selbsterf&uuml;llende Prophezeiung &ndash; die die Zinsraten erst Recht unter Druck gesetzt hat. Da auch Italien dank der W&auml;hrungsunion keine souver&auml;ne Finanz- und W&auml;hrungspolitik betreiben kann, ist das Land genauso wie Spanien auf die Interventionen der EZB angewiesen. Der Befreiungsschlag f&uuml;r beide L&auml;nder w&auml;re die Einf&uuml;hrung von Eurobonds, die die Zinsrate f&uuml;r neue Schulden, mit denen die auslaufenden Staatsanleihen abgel&ouml;st werden, signifikant dr&uuml;cken w&uuml;rden. Dennoch ist auch im Falle Italiens in der zur&uuml;ckliegenden Zeit kein finanzpolitischer Schlendrian auszumachen, der f&uuml;r die aktuelle Krise verantwortlich gemacht werden k&ouml;nnte. Die drittgr&ouml;&szlig;te Volkswirtschaft der Eurozone ist vielmehr ein Opfer der Turbulenzen an den &bdquo;M&auml;rkten&ldquo;, die zu einem Auseinanderdriften der Zinsraten f&uuml;hrten. <\/p><p><strong>Griechenland und Portugal &ndash; keine Zukunft ohne Eurobonds<\/strong><\/p><p>Wenn man Sch&auml;ubles die Klage &uuml;ber die &bdquo;hohen Staatshaushalten&ldquo; h&ouml;rt, mag man in erster Linie an die kleinen Europeripheriestaaten Griechenland und Portugal denken, die ohne die Interventionen der Eurozone bereits ihre Zahlungsunf&auml;higkeit h&auml;tten erkl&auml;ren m&uuml;ssen. Portugal geh&ouml;rt zu den wenigen Eurol&auml;ndern, die ihre Staatsschuldenquote in den Jahren vor der Finanzkrise nicht senken konnten. Das Land z&auml;hlte am Vorabend der Finanzkrise mit seiner Staatsschuldenquote von 66,6% jedoch auch nicht unbedingt zu den L&auml;ndern, denen man im Vergleich zu anderen Staaten ein echtes Schuldenproblem attestieren konnte. Dies trifft auf Griechenland (105,7%) schon eher zu. Aber auch Griechenland baute jedoch seine Staatsschuldenquote seit Einf&uuml;hrung des Euros kontinuierlich ab, was vor allem dem hohen Wirtschaftswachstum des Landes zu verdanken war.<\/p><p>Beide L&auml;nder w&auml;ren als finanzpolitisch souver&auml;ne Staaten wohl auch &uuml;ber die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise hinweggekommen &ndash; Staaten wie Israel oder Ungarn weisen ganz &auml;hnliche Schuldenquoten wie Portugal auf, ohne in Turbulenzen geraten zu sein. Dies h&auml;tte jedoch f&uuml;r Griechenland und Portugal eine h&ouml;here Inflation und eine Abwertung der Landesw&auml;hrung bedeutet. Dieser Weg ist jedoch durch die W&auml;hrungsunion versperrt, was durch die Spekulation an den &bdquo;Finanzm&auml;rkten&ldquo; quittiert wurde. Zu den &ndash; angesichts der realen Gefahr einer Umschuldung keinesfalls unrealistisch hohen &ndash; Zinsraten, die von den Spekulanten f&uuml;r griechische und portugiesische Anleihen gefordert werden, kann sich kein Staat der Welt &uuml;ber l&auml;ngere Zeit refinanzieren. Das hei&szlig;t jedoch nicht, dass die beiden Staaten zwingend in den Staatsbankrott gehen m&uuml;ssen. <\/p><p><a href=\"upload\/bilder\/110901_zinsdienst.png\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/110901_zinsdienst_470.png\" alt=\"Zinsdienst ausgew&auml;hlter OECD-Staaten\" title=\"Zinsdienst ausgew&auml;hlter OECD-Staaten\"><\/a><\/p><p>Ein Ausstieg aus dem Euro ist jedoch keine w&uuml;nschenswerte Option, da die Altschulden in Euro erhalten bleiben und ihr relativer Wert durch die zu erwartenden Abwertungen nur noch weiter steigen w&uuml;rde. Eine echte Option stellt jedoch die Einf&uuml;hrung von Eurobonds dar. Vor allem Portugal w&uuml;rde davon profitieren, da das Land selbst unter dem Schirm der &bdquo;Rettungsprogramme&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.efsf.europa.eu\/about\/operations\/index.htm\">weitaus h&ouml;here Zinsen zahlen muss<\/a>, als bei dem zu erwartenden Zinskurs der Eurobonds. Ein echter Befreiungsschlag f&uuml;r die angeschlagenen Eurol&auml;nder w&auml;re jedoch erst eine weitere Senkung des Zinsniveaus, durch die diese Staaten in die Lage versetzt w&auml;ren, nicht nur die Zinsen zu bedienen, sondern auch die Gesamtverschuldung abzubauen. Eine M&ouml;glichkeit dies zu erreichen, w&auml;re z.B. auch eine <a href=\"?p=9857\">direkte Staatsfinanzierung &uuml;ber die EZB<\/a>.<\/p><p>In keinem Staat der Eurozone sind vor der Krise die &bdquo;&ouml;ffentlichen Haushalte ausgeufert&ldquo;, wie es Finanzminister Sch&auml;uble wider besseren Wissens behauptet. Mit Behauptungen wie diesen, z&uuml;ndelt Sch&auml;uble jedoch am Fundament der W&auml;hrungsunion. Anstatt den Herdentrieb Einhalt zu gebieten, indem man Spekulanten in die Schranken weist, heizt die deutsche Regierung Spekulationen gegen Eurol&auml;nder durch ihre ideologische Borniertheit immer wieder an. Von den Medien, die die neoliberale Ideologie bereits bis zum Grad der Realit&auml;tsverdr&auml;ngung verinnerlicht haben, wird dieses Z&uuml;ndeln nur all zu gerne weiterverbreitet und verst&auml;rkt &ndash; so lange, bis das Z&uuml;ndeln zu einem Fl&auml;chenbrand f&uuml;hrt.<\/p><p>Die Eurokrise ist vielmehr das direkte Ergebnis der Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise und den Konstruktionsfehlern der W&auml;hrungsunion &ndash; dem Fehlen einer koordinierten Wirtschafts-, Finanz- und W&auml;hrungspolitik. Wenn deutsche Politiker diese Fakten leugnen, so mag dies damit zusammenh&auml;ngen, dass Deutschland wegen der niedrigen Zinsen als relativer Gewinner der Krise gelten kann.<\/p><p><em>* Sofern nicht anders vermerkt, beziehen sich alle Zahlen auf den statistischen Dienst der OECD. Mit Staatsschulden sind immer die Schulden der Zentralregierung gemeint und die Zinsraten beziehen sich auf langfristige (i.d.R. 10j&auml;hrige) Staatsanleihen.<\/em><\/p><p>Mehr dazu am Montag im zweiten Teil<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/f43235bf7a4242b1ad0b124d01ae2344\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit steter Regelm&auml;&szlig;igkeit behaupten die deutsche Regierung und viele deutsche Medien, dass die Eurokrise eine direkte Folge des finanzpolitischen Schlendrians einiger Eurostaaten sei. Eine unwahre Aussage wird jedoch nicht wahrer, wenn man sie regelm&auml;&szlig;ig wiederholt. Ein Blick auf die <a href=\"http:\/\/stats.oecd.org\/Index.aspx?DataSetCode=GOV_DEBT\">statistischen Daten<\/a> der OECD reicht aus, um diese Aussage zu widerlegen. 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