{"id":1059,"date":"2006-02-27T15:31:49","date_gmt":"2006-02-27T13:31:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1059"},"modified":"2016-02-17T11:19:57","modified_gmt":"2016-02-17T10:19:57","slug":"disput-zu-flassbecks-beitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1059","title":{"rendered":"Disput zu Flassbecks Beitrag"},"content":{"rendered":"<p>Unser Nutzer Adrian widerspricht der Einsch&auml;tzung Flassbecks und anderer deutscher &Ouml;konomen: &bdquo;Haushaltseinkommen in den USA f&auml;llt seit 5 Jahren&ldquo;. Und Heiner Flassbeck antwortet.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>F.-J. Adrian:<\/strong><br>\nHaushaltseinkommen in den USA f&auml;llt seit 5 Jahren Bei der Diskussion um Lohnerh&ouml;hungen wird von einigen Nicht-Mainstream-&Ouml;konomen immer wieder Amerika als Beispiel f&uuml;r hohe Reallohnsteigerungen in den letzten Jahren genannt. So schreibt z. B. Heiner Flassbeck in seinem Artikel f&uuml;r die Badische Zeitung vom 14.2.2006 unter dem Titel &ldquo;5% Lohnforderung: Pro&rdquo; <\/p><p>&ldquo;In den USA wurden die Reall&ouml;hne (von 2000-2006, F.-J.A) um 10 % angehoben bei einer Produktivit&auml;tszunahme von gut 13 %.&rdquo; <\/p><p>Der amerikanische &Ouml;konom Paul Krugman w&uuml;rde diesem optimistischen Bild energisch widersprechen. Denn tats&auml;chlich f&auml;llt seit 5 Jahren in den USA das durchschnittliche reale Haushaltseinkommen. In seiner regelm&auml;&szlig;igen Kolumne f&uuml;r die New-York-Times schreibt er zu diesem Punkt am 5.12.2005 unter der &Uuml;berschrift &ldquo;The Joyless Economy&rdquo;: <\/p><p>&ldquo;Im August ver&ouml;ffentlichte das Statistikamt die Zahlen f&uuml;r das Familieneinkommen im Jahr 2004. Der Bericht zeigte eine bemerkenswerte Trennung zwischen dem wirtschaftlichen Wachstum und dem wirtschaftlichen Schicksal der meisten amerikanischen Familien. <\/p><p>Es h&auml;tte ein gutes Jahr f&uuml;r amerikanische Familien sein m&uuml;ssen: die Wirtschaft wuchs um 4,2%, die beste Leistung seit 1999. Trotzdem verloren die meisten Familien aber an wirtschaftlichem Boden. Das reale mediane Haushaltseinkommen &ndash; das inflationsbereinigte Einkommen der Haushalte in der Mitte der Einkommensverteilung &ndash; fiel im f&uuml;nften Jahr hintereinander. Und ein Hauptgrund f&uuml;r wirtschaftliche Unsicherheit wuchs, denn die Anzahl der Amerikaner ohne Krankenversicherung stieg weiter an.<\/p><p>Hintergrund dieser Trennung zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Familieneinkommen ist der extrem einseitige Charakter der wirtschaftlichen Erholung, die offiziell Ende 2001 begann. Das Wachstum der Firmengewinne war spektakul&auml;r. Selbst inflationsbereinigt sind die Gewinne mehr als 50 % angestiegen seit dem letzten Quartal des Jahres 2001. Trotzdem stieg das reale Lohn- und Gehaltseinkommen nur weniger als 7 %. <\/p><p>Es gibt einige wohlhabende Amerikaner, die einen gro&szlig;en Teil ihres Einkommens mit Dividenden und Kapitalertr&auml;gen von Aktien erzielen und die deswegen mehr oder weniger direkt von steigenden Gewinnen profitieren. Aber diese Leute sind eine kleine Minderheit. F&uuml;r alle anderen ist das schleppende Wachstum der L&ouml;hne das eigentliche Thema. Und viel von dem tats&auml;chlichen Lohn- und Gehaltswachstum geschah am hohen Ende in Form von steigenden Zahlungen an Vorsitzende und anderen Spitzenangestellten. Der durchschnittliche inflationsbereinigte Stundenlohn von nicht-leitenden Angestellten ist heute niedriger als zum Zeitpunkt, als die wirtschaftliche Erholung begann.&rdquo; <\/p><p>(&Uuml;bersetzung von F.-J. Adrian) <\/p><p><strong>Dazu Heiner Flassbeck:<\/strong><br>\nIn der Tat schauen wir nur die Durchschnittseinkommen (die durchschnittlichen Arbeitskosten genauer) an und nicht die Verteilung darunter, weil wir die amerikanische Konsumentwicklung erkl&auml;ren wollen, die auch dort &uuml;berwiegend am Durchschnittseinkommen h&auml;ngt. <\/p><p>Es ist aber wohl so, dass es in den letzten Jahren auch dort eine massive Umverteilung hin zu h&ouml;heren Einkommen gegeben hat. <\/p><p>Hinzu kommt aber, und das ist m. E. quantitativ von noch gr&ouml;sserer Bedeutung, dass man in den USA traditionell &ndash; verst&auml;rkt aber in den letzten Jahren &ndash; eine grosse Diskrepanz zwischen reiner Lohnentwicklung und Lohnnebenkostenentwicklung hat. Schon in den 80er Jahren sind die letzteren viel st&auml;rker gestiegen als die reinen ausbezahlten Lohnkosten. So sind beispielsweise 2004 und 2005 zusammen die Kosten der Arbeitgeber f&uuml;r Gesundheit in der Gr&ouml;ssenordnung von f&uuml;nf Prozent pro Jahr gestiegen (2004 mehr, 2005 weniger, in Deutschland w&auml;re das aber als Weltuntergang betrachtet worden). Betrachtet man folglich die bei den Median-Haushalten angekommenen Einkommen, hat man schon seit langem den Eindruck, dass in den USA der Lebensstandard der Masse nicht mehr steigt. <\/p><p>W&auml;re das aber so, w&auml;re das Wachstums des privaten Verbrauchs nicht zu erkl&auml;ren. Der R&uuml;ckgang der Sparquote kann die gewaltige Zunahme jedenfalls nicht alleine erkl&auml;ren. Mehr noch, ich vermute, dass bei einer durchschnittlichen Sparquote der privaten Haushalte von Null inzwischen sehr viel mehr Haushalte als offiziell ausgewiesen vollkommen Pleite sein m&uuml;ssten, wenn nicht die Einkommensentwicklung einen grossen Teil des Privaten Verbrauchsanstiegs erkl&auml;rte. Man bedenke nur, wie oben erw&auml;hnt, den Anstieg der Ausgaben f&uuml;r Gesundheit. So weit ich sehe, z&auml;hlen die zum privaten Verbrauch, sind aber zum gr&ouml;ssten Teil &uuml;ber Arbeitgeberbeitr&auml;ge finanziert und tauchen als Einnahmen der Haushalte bei den meisten Einkommensdefinitionen nie auf.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Nutzer Adrian widerspricht der Einsch&auml;tzung Flassbecks und anderer deutscher &Ouml;konomen: &bdquo;Haushaltseinkommen in den USA f&auml;llt seit 5 Jahren&ldquo;. 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