{"id":106,"date":"2005-05-20T16:33:01","date_gmt":"2005-05-20T15:33:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=106"},"modified":"2016-03-14T16:34:19","modified_gmt":"2016-03-14T15:34:19","slug":"buchkritik-nikolaus-piper-willkommen-in-der-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106","title":{"rendered":"BUCHKRITIK &#8211; Nikolaus Piper: &#8220;Willkommen in der Wirklichkeit&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Mangelnder analytischer Durchblick&ldquo; erschien am 18.5.05 in der Frankfurter Rundschau eine Rezension von Achim Truger.<br>\n<!--more--><br>\nEinige Ausz&uuml;ge: <\/p><p>&bdquo;Die Reformbuchschwemme auf dem deutschen Markt rei&szlig;t nicht ab&hellip;.<br>\nBei diesem Werk handelt es sich um einen ziemlich farblosen Nachz&uuml;gler, in dem auf wenig unterhaltsame Weise die Standardlitanei der Mainstream-Reformdebatte heruntergeleiert wird &hellip;.<br>\nAnsonsten ist das gesamte Buch seltsam unstrukturiert und mit Fehlern durchzogen. Das ist schade, denn gerade f&uuml;r einen Nachz&uuml;gler h&auml;tte es doch m&ouml;glich sein m&uuml;ssen, die bisherige Debatte klarer aufzuarbeiten und zu strukturieren. Es scheint stellenweise so, als habe Piper in die Debatte hineingehorcht und dann einfach mal ein paar Sachen zusammengeschrieben&hellip;<br>\nBesser als in folgendem Zitat kann man den mangelnden analytischen Durchblick und das Phrasenhafte von Pipers Werk nicht ausdr&uuml;cken: &ldquo;Nicht Sparen muss das Leitmotiv sein, sondern Freiheit, Wettbewerb und Wachstum.&rdquo; Die Lekt&uuml;re des Buches ist reine Zeitverschwendung.&ldquo; <\/p><p>Dtv 2004, 180 Seiten, 12 Euro <\/p><p>P.S.:<br>\nWarum nehmen wir in die NachDenkSeiten die Kritik an einem Buch eines Autors auf, der wie Sinn, Henkel, Rogowski, Miegel, Nolte, Steingart und viele andere nur die immer gleichlautenden neoliberalen Litaneien nachbetet? Der Grund ist: Nikolaus Piper ist Leiter der Wirtschaftsredaktion der S&uuml;ddeutschen Zeitung. Man kann sich nahezu t&auml;glich nicht nur durch die Lekt&uuml;re seiner Beitr&auml;ge, sondern auch der meisten anderen Artikeln im Wirtschaftsteil dieser Zeitung davon &uuml;berzeugen, welche wirtschaftspolitische Linie dort nicht nur vertreten, sondern regelrecht propagiert wird. <\/p><p>F&uuml;r viele gilt ja die &bdquo;SZ&ldquo; als eine links-liberale Zeitung; das mag sie im politischen Teil, in ihren rechtspolitischen Positionen oder im Feuilleton auch sein. Viele meinen aber &ndash; vielleicht weil Nik Piper vor langen Jahren einmal beim sozialdemokratischen Vorw&auml;rts war &ndash; , dass auch im Wirtschaftsteil dieser Zeitung &ndash; jedenfalls gemessen an FAZ oder Welt &ndash; eher ein offener, wirtschaftspolitischer Geist herrsche. Das Gegenteil ist leider richtig: Piper geh&ouml;rt mit zu den journalistischen Wortf&uuml;hrern, die den Agenda-Kurs der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung herbeigeschrieben haben, ja noch mehr, die ihn als zu z&ouml;gerlich kritisieren und permanent eine Erh&ouml;hung der Dosis der neoliberalen Rezeptur einfordern. <\/p><p>Wenn irgendwo Kritik an wirtschaftsliberalen Vorschl&auml;gen oder an ihrem Scheitern aufkommt, ist Piper stets vorne mit dabei, solche kritischen Einw&auml;nde abzuwiegeln. Ein ganz allt&auml;gliches Beispiel daf&uuml;r findet sich in der SZ vom 19. Mai 2005, wo sich Piper zu einer Verteidigung des Deutsche Bank Chefs Ackermann aufschwingt. Selbst dem angek&uuml;ndigten Abbau tausender Arbeitspl&auml;tze gewinnt er noch etwas Positives ab: &bdquo;Und kaum jemand hat wahrgenommen, das von dem Arbeitsplatz-Abbau vor allem Fachkr&auml;fte betroffen sind, die auf dem internationalen Markt sofort einen neuen Job finden.&ldquo; <\/p><p>Es gibt nahezu keine wirtschafts- oder gar gesellschaftspolitische Wirklichkeit, die von Piper nicht unter sein starres neoliberales Dogmengeb&auml;ude subsumiert werden w&uuml;rde. Wie f&uuml;r einen schlechten Juristen ist f&uuml;r ihn sein wirtschaftspolitisches Credo quasi ein vorgegebenes Gesetz, unter das jeder Lebenssachverhalt nur noch mittels &ouml;konomischer Interpretationskunst eingeordnet werden muss. Das Ergebnis ist immer vorhersagbar und immer gleich: Mehr Markt, weniger Staat bzw. Deregulierung und Sozialabbau. <\/p><p>Bei jemand, der sein &ouml;konomisches Handwerkszeug in der &bdquo;Freiburger Schule&ldquo; gelernt hat, ist das nicht verwunderlich, ja noch nicht einmal vorwerfbar, nachdenklich muss jedoch stimmen, dass jemand als Leiter der Wirtschaftsredaktion unter dem Mantel der Unabh&auml;ngigkeit und Neutralit&auml;t gleichzeitig Mitglied der &bdquo;neoliberalen Internationalen&ldquo; (Dieter Plehwe), n&auml;mlich der Mont P&egrave;lerin Gesellschaft ist (siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mont_Pelerin_Society\" title=\"Externer Link zu http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mont_Pelerin_Society\">Wikipedia<\/a>). <\/p><p>Nikolaus Piper w&uuml;rde jetzt sicherlich sofort mit dem Vorwurf kontern, wir seien &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo;. Wer sich mit der strategischen Einflussnahme der MPS auf Politik und Gesellschaft als &bdquo;Weltanschauungsgemeinschaft&ldquo; einmal n&auml;her befasst, wird feststellen, dass &bdquo;Verschw&ouml;rung&ldquo; vielleicht nur deshalb das falsche Wort ist, weil dieses Netzwerk ganz offen und erkl&auml;rterma&szlig;en und mit viel Geld f&uuml;r die Vormachtstellung marktradikaler Konzepte und f&uuml;r die Zur&uuml;ckdr&auml;ngung sozialstaatlichen Denkens in den K&ouml;pfen der nach Meinung des Gr&uuml;ndervaters Friedrich August von Hayek &bdquo;manipulierbaren Masse&ldquo; k&auml;mpft. <\/p><p>Siehe zur Mont P&egrave;lerin Gesellschaft etwa: Dieter Plehwe, Internationale Vorbilder und transnationale Organisation deutscher Neoliberaler, in: Ulrich M&uuml;ller\/Sven Giegold\/Malte Arhelger (Hrsg.) Gesteuerte Demokratie?, Hamburg 2004. Mit vielen weiteren Nachweisen.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Mangelnder analytischer Durchblick&ldquo; erschien am 18.5.05 in der Frankfurter Rundschau eine Rezension von Achim Truger.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,208],"tags":[312,460],"class_list":["post-106","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-rezensionen","tag-reformpolitik","tag-sz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=106"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32117,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106\/revisions\/32117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=106"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=106"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=106"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}