{"id":10621,"date":"2011-09-02T16:36:54","date_gmt":"2011-09-02T14:36:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10621"},"modified":"2014-09-10T12:59:34","modified_gmt":"2014-09-10T10:59:34","slug":"albrecht-mullers-wochenruckblick-man-kann-wirklich-aus-mist-marmelade-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10621","title":{"rendered":"Albrecht M\u00fcllers Wochenr\u00fcckblick: Man kann wirklich aus Mist Marmelade machen."},"content":{"rendered":"<p>Wir arbeiten jetzt fast acht Jahre f&uuml;r die NachDenkSeiten. Wenn man das Ergebnis dieser Aufkl&auml;rungsarbeit mit Blick auf die zu Ende gehende Woche betrachtet, dann ist das wieder einmal ern&uuml;chternd. Public Relations und andere Propaganda sind offensichtlich st&auml;rker als die Versuche zur Aufkl&auml;rung. PR bestimmt die Meinung zu Personen &ndash; Fall Ackermann; PR bestimmt vermutlich den Kanzlerkandidaten der SPD &ndash; Fall Steinbr&uuml;ck; PR macht aus Kriegen bewunderte Instrumente der Politik. Die meisten Zumutungen dieser Art wurden uns ausgerechnet am Antikriegstag pr&auml;sentiert. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ackermann l&auml;sst sein Image von einer Heerschar von PR-Profis polieren<\/strong><\/p><p>Am 1. September berichtete der &bdquo;Stern&ldquo; &uuml;ber eine <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/news\/ackermann-debattiert-in-berlin-der-elder-bankman-1722826.html\">so genannte Diskussionsrunde mit Josef Ackermann<\/a> im Foyer der Deutschen Bank Berlin. In diesem Beitrag wird beschrieben, dass es Josef Ackermann gelungen ist, mithilfe einer Heerschar von PR-Profis, angef&uuml;hrt vom ehemaligen Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Stefan Baron, die in Umfragen gemessene Ablehnung seiner Person durch 80 % der Deutschen praktisch umzudrehen. Nur noch 20 % sind es heute.<br>\nWenn es nur um die Person Ackermann ginge, w&auml;re diese durch Propaganda und Manipulation gemachte Meinung zu ertragen. Die massive PR im Umfeld der Deutschen Bank hat jedoch dazu gef&uuml;hrt, dass diese Bank wie auch die von ihr repr&auml;sentierte Finanzpolitik fast makellos im &ouml;ffentlichen Raum stehen. Es ist der Deutschen Bank zum Beispiel gelungen, den Eindruck zu verbreiten, sie sei ohne staatliche Hilfe durch die Finanzkrise gekommen. Richtig ist, dass die Deutsche Bank sowohl von den amerikanischen Steuerzahlern im Fall AIG als auch von den deutschen Steuerzahlern durch die Rettung der HRE wie auch vermutlich durch den Verkauf der Postbank unterst&uuml;tzt wurde und davon massiv profitiert hat.<br>\nDer Artikel des Stern zeigt im &uuml;brigen auch, wie primitiv Spitzenmanager wie Ackermann denken. Allen ernstes schl&auml;gt er vor, Berlin m&uuml;sse schon deshalb den Flughafen ausbauen, damit Spitzenmanager wie Ackermann nach 20 h Flug auf dem Weg nach Berlin nicht in Frankfurt umsteigen m&uuml;ssen. Aus Sicht Ackermanns ein hinreichender Grund f&uuml;r ein solches Gro&szlig;projekt.<\/p><p><strong>Mit Propaganda werden Kanzlerkandidaten gro&szlig;er Parteien gemacht &ndash; konkret der SPD.<\/strong><\/p><p>Wir haben in den NachDenkSeiten schon oft darauf hingewiesen, dass das Problem der SPD nicht nur darin besteht, dass sie bei Wahlen mit Konkurrenten zu tun hat, die vom Gro&szlig;teil der Medienkonzerne unterst&uuml;tzt werden &ndash; im Fall Angela Merkel ist das offensichtlich. Auch die innere Willensbildung der SPD ist &uuml;ber weite Strecken fremdbestimmt. (Siehe <a href=\"?p=3441\">hier<\/a> und <a href=\"?p=84\">hier<\/a> zum Beispiel) Jetzt wird auch der Kanzlerkandidat der SPD von au&szlig;en bestimmt.<br>\nSeit Monaten l&auml;uft die PR Kampagne f&uuml;r Peer Steinbr&uuml;ck. Dieser Kanzlerkandidat ist f&uuml;r die SPD ein Synonym dessen, was in der &Uuml;berschrift &bdquo;Mist&ldquo; genannt wird. Das ist nicht pers&ouml;nlich gemeint. Es soll nur ausdr&uuml;cken, dass dieser Mann erstens f&uuml;r die SPD bisher nur Niederlagen eingefahren hat &ndash; 2009 als thematisch entscheidender Bundesfinanzminister und Partner von Frau Merkel, davor auch schon als nordrhein-westf&auml;lische Ministerpr&auml;sident. Dort ist er schlicht abgew&auml;hlt worden.- Steinbr&uuml;ck ist zweitens wesentlich daf&uuml;r verantwortlich, dass die Finanzm&auml;rkte in Deutschland dereguliert worden sind. Er hat Hedgefonds und andere Spekulanten hierher eingeladen. &ndash; Steinbr&uuml;ck ist drittens zusammen mit Frau Merkel wesentlich daf&uuml;r verantwortlich, dass auch nicht systemrelevante Banken mit Milliarden der Steuerzahler gerettet worden sind, speziell die HRE und die IKB. &ndash; Und Steinbr&uuml;ck hat viertens als Makro&ouml;konom v&ouml;llig versagt. Er hat noch kurz vor dem notwendigen und schon zu sp&auml;t kommenden Beschluss, Konjunkturpakete aufzulegen, gegen eine solche antizyklische Politik polemisiert.<br>\nDass die Gegner der SPD einen solchen Versager gerne zum Kanzlerkandidaten ihrer Konkurrentin, der SPD, machen wollen, ist verst&auml;ndlich. Dass die SPD F&uuml;hrung dies nicht merkt, k&ouml;nnte erstaunen. Aber diese Leute denken so wie Steinbr&uuml;ck. Oder sie haben keine Ahnung von Wahlk&auml;mpfen. Oder sie wollen gar nicht gewinnen, weil es ihnen wie 2005 beim &uuml;berraschenden Aufruf zu Neuwahlen mehr auf die Durchsetzung der neoliberalen Politik als auf den Wahlsieg einer linken Alternative zu Schwarz-Gelb ankommt. Oder sie orientieren sich schlicht an der gemachten Stimmung.<br>\nEin Beispiel f&uuml;r diese Stimmungsmache ist der Beitrag vom 1. September vom als PR Journalist bekannten Veit Medick: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-783752,00.html\">&bdquo;SPD-Linke redet Steinbr&uuml;cks K-Hype klein&ldquo;<\/a>.<br>\nMedick hat sich schon mehrmals als Spezialist f&uuml;r die gesteuerte Willensbildung der SPD bew&auml;hrt. Er war schon bei der Abwehr einer Linkskoalition unter F&uuml;hrung von Andrea Ypsilanti aktiv.<br>\n&Uuml;brigens: &uuml;ber Steinbr&uuml;ck finden Sie unendlich viel Material in den NachDenkSeiten, in den Kritischen Jahrb&uuml;chern und in meinem Buch &bdquo;Meinungsmache&ldquo;. (Ein Beispiel <a href=\"?p=6777\">siehe hier<\/a>) Nutzen Sie die Suchfunktion, wenn Sie mehr interessiert.<br>\nBisher, das muss man neidlos anerkennen, war die vermutlich von gro&szlig;en Interessen aus Finanzwirtschaft und CDU nahen Verb&auml;nden gesteuerte PR f&uuml;r Steinbr&uuml;ck um vieles erfolgreicher als unsere Aufkl&auml;rungsversuche. Ich begegne st&auml;ndig Menschen, auch Freunden und so genannten Parteifreunden, die einr&auml;umen, die SPD k&ouml;nne man insgesamt vergessen, aber Steinbr&uuml;ck, der sei doch gut.<br>\nWas zu beweisen war: man kann heute aus Sch&hellip;. Marmelade machen, wenn man &uuml;ber die notwendige publizistische und finanzielle Unterst&uuml;tzung verf&uuml;gt.<\/p><p><strong>PR macht aus Kriegen bewunderte Instrumente der Politik<\/strong><\/p><p>Nie wieder Krieg! Gewaltverzicht als entscheidendes Mittel zur L&ouml;sung von Konflikten! Bundeswehr und NATO dienen der Verteidigung! &ndash; Diese Einsichten sind wie weggeblasen. Sie sind auch durch massiven Einsatz von Mitteln der Propaganda getilgt. Wir haben dazu die eindrucksvolle PR-Arbeit des fr&uuml;heren Verteidigungsministers Scharping, des Nato- Sprechers Shea und das &bdquo;Nie wieder Holocaust&ldquo; der Gr&uuml;nen und ihres Vormanns Fischer im Ohr. In der vergangenen Woche feierten die Kriegsbewunderer mal wieder ihren Sieg &uuml;ber die &ouml;ffentliche Meinung in Deutschland:<br>\nAm 31. August 2011 erschien unter der Dachzeile &bdquo;Libyen-Einsatz und V&ouml;lkerrecht&ldquo; eine so genannte Analyse von Thomas Darnst&auml;dt bei Spiegel online mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,druck-783548,00.html\">&bdquo;Gl&uuml;ckwunsch, Nato! Aber bitte leise jubeln&ldquo;<\/a>.<br>\nIm Artikel selbst kommt der Autor auf v&ouml;lkerrechtliche Bedenken zu sprechen. Aber das hat eher den Charakter von Zierrat f&uuml;r eine eindeutige Botschaft. Kriege sind ein Mittel der Politik.<br>\nVon &auml;hnlicher Wirkung d&uuml;rfte die &Uuml;berschrift des Nachfolgerartikels vom 1. September bei Spiegel online sein: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,druck-783908,00.html%20\">&bdquo;Libyen-Konferenz in Paris &ndash; Westen zelebriert Sieg &uuml;ber Gaddafi&ldquo;<\/a>.<\/p><p><strong>Nachtr&auml;gliche Anmerkung am 3. September:<\/strong><\/p><p>Der Libyenkrieg wird wie fr&uuml;her der Falkland Krieg von Margret Thatcher und der Irak Krieg von George W. Bush genutzt, um innen- und wahlpolitisch Punkte zu machen. Da werden H&auml;user und St&auml;dte zerst&ouml;rt und Menschen umgebracht mit dem vorgegebenen Ziel, Freiheitsbewegungen und die Demokratie zu st&uuml;tzen. Tats&auml;chlich hat der Libyenkrieg sowohl f&uuml;r den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Sarkozy als auch f&uuml;r den britischen Premierminister Cameron zu aller erst die Funktion, von inneren Schwierigkeiten abzulenken. Die handelnden Personen sind erkennbar Zyniker und sie unterscheiden sich nur unwesentlich von schlimmen Vorbildern, die in der Geschichte immer wieder au&szlig;erhalb ihrer L&auml;nder milit&auml;risch t&auml;tig wurden, um zuhause gefeiert zu werden.<\/p><p><strong>PR und &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo;<\/strong><\/p><p>Propaganda hat im Zusammenspiel mit den &bdquo;M&auml;rkten&ldquo; aus Mustersch&uuml;lern Problemkinder gemacht. Siehe dazu den <a href=\"?p=10585\">Beitrag von Jens Berger<\/a>. Dass die Bundeskanzlerin &ndash; <a href=\"?p=10611\">siehe hier<\/a>, ohne Scham und ohne in der Luft zerrissen zu werden, sagen kann, &bdquo;die parlamentarische Mitbestimmung (solle) so gestaltet (werden), dass sie trotzdem auch marktkonform ist&ldquo;, folgt aus der Dauerberieselung zum Thema &bdquo;Die M&auml;rkte&ldquo;. Was Investmentbanker so alles tun, was Spekulanten tun, was Hedgefonds anrichten &ndash; verschwindet hinter dem Paravent &bdquo;Die M&auml;rkte&ldquo;. Jeden Abend bei den B&ouml;rsennachrichten und tags&uuml;ber immer wieder werden wir auf diese Linie getrimmt. Die M&auml;rkte werden als etwas Objektives dargestellt. Die PR ist ziemlich erfolgreich.<\/p><p><strong>Es bleibt zum Schluss das Bekenntnis, auch nach einer solchen Woche und auch nach der immer wieder kommenden Erfahrung, wie m&auml;chtig PR ist und wie schwach die Versuche der Aufkl&auml;rung sind, dass uns nichts anderes &uuml;brig bleibt, als weiter zu machen. Wir danken unseren Leserinnen\/n, die diesen Versuch immer wieder mit ermunternden Mails und praktischer  Unterst&uuml;tzung und F&ouml;rderung w&uuml;rdigen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir arbeiten jetzt fast acht Jahre f&uuml;r die NachDenkSeiten. Wenn man das Ergebnis dieser Aufkl&auml;rungsarbeit mit Blick auf die zu Ende gehende Woche betrachtet, dann ist das wieder einmal ern&uuml;chternd. Public Relations und andere Propaganda sind offensichtlich st&auml;rker als die Versuche zur Aufkl&auml;rung. PR bestimmt die Meinung zu Personen &ndash; Fall Ackermann; PR bestimmt vermutlich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10621\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[171,85,11],"tags":[227,283,1052,315,253],"class_list":["post-10621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-militaereinsaetzekriege","category-pr","category-strategien-der-meinungsmache","tag-ackermann-josef","tag-finanzmaerkte","tag-libyen","tag-merkel-angela","tag-steinbrueck-peer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10621"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23214,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10621\/revisions\/23214"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}