{"id":106327,"date":"2023-11-08T09:00:43","date_gmt":"2023-11-08T08:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106327"},"modified":"2023-11-08T16:18:57","modified_gmt":"2023-11-08T15:18:57","slug":"von-wegen-romantische-idylle-in-salzburg-nachdenklich-stimmende-eindruecke-einer-vergeblichen-reise-raus-aus-dem-gegenwaertigen-wahnsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106327","title":{"rendered":"Von wegen romantische Idylle in Salzburg \u2013 Nachdenklich stimmende Eindr\u00fccke einer vergeblichen Reise raus aus dem gegenw\u00e4rtigen Wahnsinn"},"content":{"rendered":"<p>In Zeiten, in welchen wir B&uuml;rger, geht es nach unserer herrschenden Klasse, wieder (einmal) kriegst&uuml;chtig werden sollen, w&uuml;rde es einem guttun, wenn man einfach mal losf&auml;hrt. Auf solch&lsquo; eine Idee k&ouml;nnte man kommen, mal weg von all den Katastrophen, weg von dem Wahnsinn. Nein, ganz anders war das jetzt bei mir, das Wegfahren war kein Ausweichen. Hellwach und realistisch ging es f&uuml;r ein paar Tage auf eine Tour gen S&uuml;den nach Salzburg und Wien und deren Umgebungen. Die Fahrt war kein Ablenkungsman&ouml;ver, sie war ein Aufsaugen vieler Eindr&uuml;cke, die nachdenklich stimmten. Besonders Zeugnisse in Museen und an historischen St&auml;tten gerieten mir zur hochaktuellen Mahnung, Kriege und Konfrontationen, Unterdr&uuml;ckung und Ungerechtigkeit abzulehnen und dagegen aufzustehen. Dass das existenziell wichtig ist, holte mich wieder ein, als ich schlie&szlig;lich wieder nach Hause zur&uuml;ckkehrte. Hier wehte mir der Wind euphorischer Militaristen entgegen. Umso wichtiger finde ich es, dass die Zahl derer, die nicht mitmachen, wachsen muss. Ein Aufsatz von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8187\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-106327-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231108_Von_wegen_romantische_Idylle_in_Salzburg_Eindruecke_einer_Reise_raus_aus_dem_Wahnsinn_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231108_Von_wegen_romantische_Idylle_in_Salzburg_Eindruecke_einer_Reise_raus_aus_dem_Wahnsinn_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231108_Von_wegen_romantische_Idylle_in_Salzburg_Eindruecke_einer_Reise_raus_aus_dem_Wahnsinn_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231108_Von_wegen_romantische_Idylle_in_Salzburg_Eindruecke_einer_Reise_raus_aus_dem_Wahnsinn_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=106327-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231108_Von_wegen_romantische_Idylle_in_Salzburg_Eindruecke_einer_Reise_raus_aus_dem_Wahnsinn_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231108_Von_wegen_romantische_Idylle_in_Salzburg_Eindruecke_einer_Reise_raus_aus_dem_Wahnsinn_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ein bisschen Idylle, ein bisschen Sch&ouml;nheit und doch&hellip;<\/strong><\/p><p>Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben (Kurt Tucholsky). Die Welt ist so sch&ouml;n. Man fahre nur mal als Mittelgebirgsmensch (ich lebe und wohne auf H&ouml;hen zwischen 345 und 936 Metern) Richtung Alpen und durch all die Pracht an mehrere Tausend Meter hohen Gesteinssch&ouml;nheiten vorbei, ums&auml;umt und geschm&uuml;ckt von W&auml;ldern, Feldern, Wiesen und H&auml;usern, so fein und lieblich geschaffen, als geschah dies genau deswegen, damit die Fotos auf Ansichtskarten oder eben live erlebt genau so herrlich aussehen, wie sie aussehen. Dann ist Salzburg erreicht. Zu Fu&szlig; schreitet man knapp einen Kilometer hinter dem Hauptbahnhof, und schwups, ist Salzburg vor einem liegend: Am Fluss Salzach baut sich eine stilvolle, klug und fein gestaltete Altstadt auf, pr&auml;chtige Kirchengeb&auml;ude, wuchtige Felsw&auml;nde um die Stadt vollenden das Bild, das gerade am Abend geheimnisvoll und faszinierend wirkt, als w&auml;re die Welt eine Theaterkulisse.<\/p><p>In diese sch&ouml;ne, alte Stadt einzutauchen, f&uuml;r den Idylle Suchenden lohnt dies sehr, doch bald stellt sich die in diesen Zeiten zunehmende, traurige, w&uuml;tend machende Nachdenklichkeit ein. Das wahre Leben, der sorgenreiche Alltag ist auch hier pr&auml;sent, f&auml;ngt einen ein, in der Stadt, im Museum, im Auto beim Radioh&ouml;ren, im Hotel, wenn der Fernseher an ist, im Internet, am Zeitungskiosk, in der Fu&szlig;g&auml;ngerzone, die von vielen hoffnungslosen Bettlern okkupiert wird. Am Bahnhof harren gestrandete Menschen aus, sie trinken alles, was dreht, obwohl &uuml;ber ihren K&ouml;pfen Tafeln stehen mit der Aufschrift: &bdquo;Alkohol trinken verboten!&ldquo; Die Idylle der Berge tr&uuml;gt. Die Zeiten sind keine guten.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231031_095928.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231031_095928.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small>(Bettlerin an der Kirche)<\/small><\/p><p><strong>Nie wieder Krieg &ndash; doch hilft all das Mahnen der Denkm&auml;ler?<\/strong><\/p><p>Salzburg. Mozarts Geburtshaus, Wolfgangs Wohnhaus, sein Angesicht sind &uuml;berall zu sehen, s&uuml;&szlig;e Mozartkugeln, Ansichtskarten, B&uuml;cher, Textilien, Porzellan und so weiter. Viel Geld wird mit diesem Genie verdient, das zu seinen Lebzeiten oft existenzielle Sorgen hatte. Seine Musik erfreute, so froh, so friedlich, damals und heute. Den entscheidenden Takt jedoch gaben und geben bis heute andere vor.<\/p><p>Die Festung Hohensalzburg hoch &uuml;ber der Stadt ist uneinnehmbar gewesen. Im Museum der Burg erblickt der Besucher Bilder, Geschichten, Ausstellungsst&uuml;cke &uuml;ber Krieg. Erster Weltkrieg. Kaiser Franz Josef stirbt 1916, sein Neffe Karl folgt ihm, wird berichtet. Der neue, menschliche Monarch m&uuml;ht sich redlich und ehrlich, einen raschen Friedensschluss zu erzielen, so sehr wei&szlig; er um die N&ouml;te der Menschen, seiner Untertanen, um die Not seiner Soldaten. Doch ist zu lesen: &bdquo;(&hellip;) Die oft patriotisch &uuml;berh&ouml;hte Glorifizierung von Herrscher und Heerf&uuml;hrern stand der grausigen Realit&auml;t des Frontalltags gegen&uuml;ber. Funkelnde Orden und Galauniformen kontrastieren Schmutz, Einsamkeit, Schmerzen und Tod&hellip;&ldquo; Rascher Friedensschluss &ndash; von wegen. Eines der zahlreichen &Ouml;lgem&auml;lde zeigt Gevatter Tod als Gerippe mit der Truppenfahne voran, w&auml;hrend die einfachen Soldaten, sich ihrem Schicksal ergebend, ins Trommelfeuer ihrer Gegner st&uuml;rmen. Weitere Bilder portr&auml;tieren gepeinigte M&auml;nner in Uniform, Kanonenfutter, Menschen, deren Chancen, wieder nach Hause zu kommen, gen Null gehen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231031_111923.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231031_111923.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small>(Gem&auml;lde von Kriegern)<\/small><\/p><p>Nahe der Mozartstadt liegt das bayerische Berchtesgaden. Der Krieg holt den Besucher auch dort ein. Gegen&uuml;ber dem Stadtschloss steht ein Haus mit einem kolonadenartigen Durchgang. Dessen Innenwand dient als Kriegsdenkmal. Auf einem Dutzend Metalltafeln sind die Namen der Toten des Zweiten Weltkrieges zu lesen, B&uuml;rger der Stadt und der Region. Fein alphabetisch sind sie sortiert, Ordnung muss sein, von Angerer bis Eder, von Guggenbichler bis Schwaiger, von Mayer bis Zauner. Sterben f&uuml;r Volk und F&uuml;hrer. Kriegst&uuml;chtig waren die damals. Oder doch nicht? Gezwungen vom F&uuml;hrer und seiner Gefolgschaft. &bdquo;Sie gaben ihr Leben, ihr Opfer ist uns Mahnung&ldquo; &ndash; steht in feiner Schrift an der &auml;u&szlig;eren Hauswand, Zweifel weckend. Ob uns all das vergangene Leid wirklich heutzutage noch mahnt? Ob sie ihr Leben als Mahnung gaben oder doch lieber gelebt h&auml;tten &ndash; in Frieden und ganz ohne kriegsl&uuml;sterne, machtgierige Befehlsgeber?<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231031_144843.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231031_144843.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small>(Kriegerdenkmal in Berchtesgaden)<\/small><\/p><p>Wenige Kilometer von diesem ersch&uuml;tternden Mahnmal entfernt, gleich um die Ecke liegt der Obersalzberg, ehemaliger Wohnsitz eines der gr&ouml;&szlig;ten Verbrecher der Menschengeschichte, jetzt ein mahnendes Dokumentationszentrum. In den Radionachrichten im Auto t&ouml;nen Informationen aus Braunau. Dort steht das Geburtshaus von Hitler. Das ist seit 2014 leer, bis dahin diente es Jahre als Domizil der Lebenshilfe. Nun soll das st&auml;dtische Geb&auml;ude bald ein Ort f&uuml;r Recht und Gesetz und Ordnung sein: eine Polizeistation ist geplant.<\/p><p><strong>Eine Edelfeder meint, wir B&uuml;rger seien medial orientierungslos<\/strong><\/p><p>Das Autoradio t&ouml;nt. Im bayerischen Rundfunk folgt eine Gespr&auml;chssendung. Eine alte, gestandene, hochdekorierte Journalistin, Evelyn Roll, ist zu Gast. Der Moderator Norbert Joa bezeichnet sie, die viele Jahre wichtige Gr&ouml;&szlig;e der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em> war, darum auch poetisch fast als Edelfeder. Solche Federn, also Schreibende, die wichtige Seite-3-Artikel verfassen, wissen schlie&szlig;lich, was Volk lesen will und soll und was wichtig und was richtig ist. So auch diesmal: Die altgediente Journalistin &ndash; nebenbei schrieb Evelyn Roll gleich drei B&uuml;cher &uuml;ber unsere ehemalige Bundeskanzlerin Merkel &ndash; konstatierte, dass wir Menschen, also wir, die Leserschaft, H&ouml;rerschaft und Zuschauerschar, orientierungslos und falsch informiert im medialen Alltag umherirrten. Sie meinte, dass viel dummes Zeug in die K&ouml;pfe (unsere) gedr&uuml;ckt werde. Roll hatte das Erfolgsrezept dagegen parat. Man m&uuml;sse nur die und die und die Zeitung lesen, die und die Sender anschauen und die und die Agenturen nutzen. Sie nennt ausschlie&szlig;lich Mainstreammedien. Ansonsten gibt es eh nur krude Quellen, krude Theorien, hoffnungslos machende Desinformationen, viel dummes Zeug also. Fr&uuml;her sei die Welt noch in Ordnung gewesen &ndash; um acht Uhr abends schaute die ganze Republik <em>Tagesschau<\/em>. Doch heute? Ich frage mich, w&auml;hrend ich wieder gen Salzburg fahre und mich auf ein Vinschgauer Brot freue: Hat sich die anerkannte, verdiente Journalistin nicht etwas vertan? Meinte sie in Wahrheit eher, dass nicht die Menschen orientierungslos seien, sondern stattdessen die von ihr aufgez&auml;hlten Medien, die den Menschen Orientierung und Aufkl&auml;rung verwehren und stattdessen vor Manipulation, auf Linie trimmen und Ausgrenzung dem Mainstream nicht genehmer Meinungen und Informationen nur so strotzen?<\/p><p>Orientierungslos macht mich abends im Hotel die Lekt&uuml;re der Nachrichten, sich windende Moderatoren im deutschsprachigen TV. <em>Al Jazeera<\/em> auf Englisch und mit ersch&uuml;tternden Bildern wirkt glaubhafter und ersch&uuml;tternder. Was ist los auf dieser Welt? Beim Studieren der Schlagzeilen im Internet kurz vor der Nachtruhe schl&auml;gt einem Jubel entgegen: Rheinmetall-Aktien gehen fortgesetzt durch die Decke.<\/p><p><strong>Mission Vorw&auml;rts &ndash; das &ouml;sterreichische Heer wirbt, Wahlplakate f&uuml;r bezahlbares Wohnen<\/strong><\/p><p>Die Tour geht weiter gen Wien, fortgesetzt mit einem Rundgang in Linz, in dessen Zentrum sich ein Friedensplatz befindet. Der Platz ist schmucklos, in einer Seitengasse. Ein Kunstwerk, das auf den ersten Blick wie eine Umrandung f&uuml;r eine Tiefgarage wirkt, mahnt, indem es all die wichtigen Worte der Allgemeinen Erkl&auml;rung der Menschenrechte zeigt, die die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens f&uuml;r alle Mitglieder der menschlichen Familie bilden. Mahnende Worte. Worte, an die sich keiner h&auml;lt, der Macht und Einfluss hat, murmele ich vor mich hin.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231101_121719.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231101_121719.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small>(Linz Friedensplatz)<\/small><\/p><p>Zwei Stunden sp&auml;ter ist die &ouml;sterreichische Hauptstadt erreicht. Ach ja, sch&ouml;n bist Du, Wien. Plakate werben f&uuml;r bezahlbares Wohnen. Die Mieten m&uuml;ssten &bdquo;leistbar&ldquo; sein, wird sch&ouml;n &ouml;sterreichisch formuliert. Wohnen ist also auch in good old Austria &bdquo;e teirer Spa&szlig;&ldquo;. An einem Zeitungskiosk, ein sogenannter Trafik beim Naschmarkt, reihen sich Gazetten an Gazetten. Eine Wochenzeitung titelt: &bdquo;Darf Israel das?&ldquo;<\/p><p>Im Wiener Museumsquartier findet sich allerlei Kunst, Kokoschka und Klimt und eine Malerin namens Gabriele M&uuml;nter, die neben ihrem Mann, einem gewissen Wassily Kandinsky, lange im Schatten blieb und dabei doch so wundervolle und zudem zahlreiche Werke des Expressionismus schuf. M&uuml;nters Bilder sind enorm anziehend, je weniger sie ins Detail geht, desto mehr wird der Betrachter eingesogen von der Sch&ouml;nheit ihrer Kunst. Und schon wieder wird es politisch. Die K&uuml;nstlerin rettete in den Jahren der faschistischen Barbarei viele Werke ihrer K&uuml;nstlerkollegen vor dem Zugriff der Nazis.<\/p><p>Unweit des Museumsquartiers liegt eine der zahlreichen Fu&szlig;g&auml;ngerzonen. In dieser ist ein fesch aufgemachter Laden nicht zu &uuml;bersehen: Mission Vorw&auml;rts &ndash; das &ouml;sterreichische Heer wirbt. F&uuml;r neues Personal, f&uuml;r sich, f&uuml;r das Milit&auml;r sowieso. Nur gut, dass &Ouml;sterreich neutral ist. Das Bundesheer hat sogar eine eigene Zeitschrift namens <em>Habt acht!<\/em> Der wehrt&uuml;chtige B&uuml;rger erf&auml;hrt darin einiges, so auch, dass es einen Aufbauplan des Bundesheeres bis 2032 gibt. Der sieht Investitionen von &uuml;ber 16 Milliarden Euro vor, darin eingepreist sind der Kauf von bis zu 1.375 neuen Lkw sowie der Kauf neuer Kampfstiefel, ist zu lesen. Ich denke an die Soldaten auf dem Gem&auml;lde im Salzburger Museum&hellip;<\/p><p>Siegmund Freuds Haus. Mir blieb h&auml;ngen: Der ber&uuml;hmte Wiener, heute verehrt und gesch&auml;tzt, musste 1938 seine Heimat verlassen und nach London emigrieren, seinen vier Schwestern gelang die Flucht vor den Nazis nicht&hellip;<\/p><p>In Wien werden gerade die Weihnachtsm&auml;rkte wieder aufgebaut, diese sind &uuml;ppig ausgestattet. Schon ist zu erahnen, wie sch&ouml;n allein der Markt gegen&uuml;ber dem ber&uuml;hmten Burgtheater aussehen und im Licht zigtausender L&auml;mpchen und kleiner illuminierter Kunstwerke erstrahlen wird. Im Burgtheater steht eine Premiere ins Haus: &bdquo;Geschichten aus dem Wiener Wald&ldquo;. Angek&uuml;ndigt wird das schonungslose Portr&auml;t einer Gesellschaft, in der die Menschen vergeblich gegen ihren sozialen Abstieg k&auml;mpfen, in der ihre Sicherheiten schwinden, die Lebensverh&auml;ltnisse prek&auml;r und prek&auml;rer werden. Die Geschichten aus dem Wiener Wald passieren in einer &bdquo;Zwischenkriegszeit&ldquo; unentrinnbar hinein in den aufkommenden Faschismus. Zeitlos soll das St&uuml;ck sein und voller Parallelen zur Gegenwart. Nachdenklich schaue ich auf ein Plakat am Theatereingang: &bdquo;&Uuml;bertreibung ist Kunst, Vertreibung Realit&auml;t.&ldquo; Ich bin dankbar f&uuml;r etwas Protest in einer sonst eher protestlos wirkenden Metropole, in der die Touristen vor allem aus Asien in der Mehrzahl sind &ndash; ach ja, die lieben eben sehr den Mozart und die Sissy. Logisch, dass das Wiener Schloss Sch&ouml;nbrunn geradezu von japanischen und chinesischen Besuchern geflutet wird.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231102_144251.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231102_144251.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small>(Plakat Burgtheater)<\/small><\/p><p><strong>Wieder daheim &ndash; Euphorischer Offizier, Friedensforderungen, Proteste arabischst&auml;mmiger Mitb&uuml;rger<\/strong><\/p><p>Die Heimfahrt geschieht ganz ohne Grenzkontrollen gen Deutschland, die auf der Fahrt nach &Ouml;sterreich massiv zu beobachten waren. Illegale Einreisen verhindern eben. Flutlicht am Grenzpunkt Null, Maschinenpistolen im Anschlag, kritische Blicke in die angehaltenen Fahrzeuge. Friedenszeiten f&uuml;hlen sich anders an, und tats&auml;chlich werden unentspannte Situationen zum Alltag.<\/p><p>Wieder daheim findet sich in der lokalen Heimatzeitung ein Interview mit einem Milit&auml;r aus unserem Verteidigungsministerium, der von Euphorie in der Ukraine spricht. Generalmajor Christian Freuding freut sich f&uuml;r uns und die Ukraine versus Russland: Wir halten l&auml;nger durch, Freiheit siegt, verk&uuml;ndet er. Und unser Heimatblatt findet das titelzeilenw&uuml;rdig. Auf das Zeitfenster seiner Durchhalteparole angesprochen, legt sich der General, Pardon, Generalmajor fest, dass das eine Aufgabe eines Jahrzehnts und dar&uuml;ber hinaus sei. Mir kommen die Gener&auml;le mit ihren Galauniformen und Orden wieder in den Sinn, die ich in Salzburg im Museum bewundern durfte. Doch schlage ich die Zeitung wieder zu und denke an Frau Edelfeder Evelyn Roll und an ihre Kollegen der Qualit&auml;tspresse. Die sind sicher froh, weitere Jahre viele euphorische Durchhalteartikel voller richtiger, wichtiger und guter Informationen zu unserer richtigen Orientierung zu verfassen.<\/p><p>Ich schlage lieber eine Seite in sozialen Medien auf. Ein K&uuml;nstler, der Musiker Tino Eisbrenner, zitiert eine Politikerin: &bdquo;Immer, wenn die Welt genau in der Mitte geteilt wird und daf&uuml;r Gefolgschaft verlangt, machen sich Menschen auf, um den Riss zu heilen, um mit ihren Worten und Werken noch eine Mittelstrecke, eine letzte Br&uuml;cke zu bauen &uuml;ber den tiefer werdenden Graben, den dessen W&auml;chter f&uuml;r un&uuml;berwindlich erkl&auml;ren. Es scheint ein Gesetz der Geschichte zu sein: Wer die Welt so spaltet, verliert die besten und sensibelsten Menschen auf beiden Seiten. Sie verderben an dem unhaltbaren Zustand einer Welt, die keinen Frieden findet.&ldquo; (Antje Vollmer)<\/p><p>In meiner Heimatstadt Plauen protestieren Mitb&uuml;rger aus meiner Nachbarschaft, Bekanntschaft, Freunde. Regelm&auml;&szlig;ig. Tapfer. Friedenst&uuml;chtig. Samstags halten sie Mahnwache vor dem vogtl&auml;ndischen Landratsamt ab. Am Geb&auml;ude h&auml;ngen Transparente vom Balkon, die die Friedenstaube von Picasso zeigen. Keine Flaggen. Die Mahnwachenteilnehmer fordern Frieden. Sie wollen nicht am unhaltbaren Zustand der Welt verderben. Und auch die arabischst&auml;mmige Migrationscommunity meiner Heimatstadt protestiert und schreit ihre Forderung nach Frieden im Nahen Osten heraus. Ich atme auf, es ist nicht zu sp&auml;t.<\/p><p>Quelle zu BR 2: <a href=\"https:\/\/www.br.de\/mediathek\/podcast\/eins-zu-eins-der-talk\/evelyn-roll-journalistin-und-publizistin\/2069711\">br.de<\/a><\/p><p><em>Weiterer &Ouml;sterreich-Artikel: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91130\">Dauermodus Impfkampagne in unserem Nachbarland<\/a><\/em><\/p><p><small>Titelbild &amp; Beitragsbilder: Frank Blenz<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten, in welchen wir B&uuml;rger, geht es nach unserer herrschenden Klasse, wieder (einmal) kriegst&uuml;chtig werden sollen, w&uuml;rde es einem guttun, wenn man einfach mal losf&auml;hrt. Auf solch&lsquo; eine Idee k&ouml;nnte man kommen, mal weg von all den Katastrophen, weg von dem Wahnsinn. Nein, ganz anders war das jetzt bei mir, das Wegfahren war kein<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106327\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":106328,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,183],"tags":[771,282,3293,2669],"class_list":["post-106327","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-medienkritik","tag-oesterreich","tag-buergerproteste","tag-bellizismus","tag-leitmedien"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/231106-Blenz-Salzburg-IMG_20231031_111923.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=106327"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106381,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106327\/revisions\/106381"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/106328"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=106327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=106327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=106327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}