{"id":106362,"date":"2023-11-08T14:39:47","date_gmt":"2023-11-08T13:39:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106362"},"modified":"2023-11-09T16:16:00","modified_gmt":"2023-11-09T15:16:00","slug":"patrik-baab-antwortet-dem-mdr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106362","title":{"rendered":"Patrik Baab antwortet dem MDR"},"content":{"rendered":"<p>Um eine Veranstaltung mit dem Journalisten Patrik Baab in Kamenz ist eine Diskussion entbrannt. In diesem Zusammenhang hat Baab einen Offenen Brief an den <em>Mitteldeutschen Rundfunk (MDR)<\/em> verfasst, in dem er vom Sender gestellte Fragen beantwortet. Wir ver&ouml;ffentlichen diesen Brief hier im Wortlaut. Von <strong>Redaktion<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2589\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-106362-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231109_Patrik_Baab_antwortet_dem_MDR_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231109_Patrik_Baab_antwortet_dem_MDR_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231109_Patrik_Baab_antwortet_dem_MDR_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231109_Patrik_Baab_antwortet_dem_MDR_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=106362-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231109_Patrik_Baab_antwortet_dem_MDR_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231109_Patrik_Baab_antwortet_dem_MDR_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In diesem Tweet ist die Ank&uuml;ndigung der Veranstaltung zu lesen, um die es geht:<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">.<a href=\"https:\/\/twitter.com\/VeroWendland?ref_src=twsrc%5Etfw\">@VeroWendland<\/a> schreibt einen Brief an den Oberb&uuml;rgermeister der Stadt Kamenz, weil sie findet, dass ein Veranstaltungstext zu <a href=\"https:\/\/twitter.com\/patrikbaab1?ref_src=twsrc%5Etfw\">@patrikbaab1<\/a> \"russische Geschichtsmythen\" enth&auml;lt. K&ouml;nnte es eventuell sein, dass Sie selbst den Krieg etwas, sagen wir: zu entdifferenziert erfassen? <a href=\"https:\/\/t.co\/iZ12mreE9R\">pic.twitter.com\/iZ12mreE9R<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Marcus Kl&ouml;ckner (@KlocknerMarcus) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/KlocknerMarcus\/status\/1721590435154423987?ref_src=twsrc%5Etfw\">November 6, 2023<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>Hier folgt der Brief von Patrik Baab an den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) vom 4. November 2023:<\/p><p>Herrn<br>\nXxxx Xxxx<br>\nMitteldeutscher Rundfunk<\/p><p>Ihre Anfrage vom 03.11.23 16:00<\/p><p>Sehr geehrter Herr Xxxx,<\/p><p>Zu den Fragen in Ihrer Mail vom 03.11.23 um 16:00 nehme ich gerne Stellung. <\/p><p><em>1. Was sagen zur Kritik von Frau Wendland, das (sic!) sie geschichtsrevisionistische Mythen &uuml;ber den Ukraine-Krieg reproduzieren?<\/em><\/p><p>Alle Darstellungen in meinem Buch <em>&bdquo;Auf beiden Seiten der Front. Meine Reisen in die Ukraine&ldquo; <\/em>befinden sich in Einklang mit dem internationalen Forschungsstand. Sie beruhen auf eingehender Recherche sowohl auf ukrainischer als auch auf Seiten der russisch besetzten Gebiete und folgen der journalistischen Handwerksregel, beide Seiten zu h&ouml;ren. Meine Recherche-Ergebnisse habe ich umfangreich mit Quellen und Fachliteratur belegt. Ich verweise auf den Anmerkungsapparat. Frau Dr. Wendland ist als Expertin f&uuml;r den Konflikt im Donbass und den v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Russischen F&ouml;deration in der Ukraine bislang nicht hervorgetreten. Ihre Einlassungen folgen offenbar der ukrainischen Propaganda. Eigenst&auml;ndige Recherchen im Kriegsgebiet hat sie nicht durchgef&uuml;hrt. Ihre Einsch&auml;tzungen hat sie &ndash; anders als ich &ndash; fernab der Gefahrenzone am Schreibtisch entworfen.<\/p><p><em>2. Vor einigen Tagen sprachen Sie w&auml;hrend einer Buchlesung in Berlin. Etwa bei 1:00:10 zitieren sie die Politikwissenschaftlerin Nina Chruschtschowa und stimmt (sic!) ihrer Einsch&auml;tzung zu. Zitat: &bdquo;Amerikaner haben Putin in eine Falle gelockt. Und der Bl&ouml;dmann ist reingetappt. Und ich glaube, das war so.&rdquo; In Reden hat Wladimir Putin immer wieder die Unabh&auml;ngigkeit und Staatlichkeit der Ukraine bezweifelt (Beispielsweise in seiner Rede vom 23.2.2022: &bdquo;Es ist anzumerken, dass die Ukraine eigentlich nie stabile Traditionen echter Staatlichkeit hatte&ldquo;). Auch in anderen seiner Texte deuteten sich seine imperialistische Pl&auml;ne an. K&ouml;nnen sie mir erkl&auml;ren, warum sie Putin und seine Gefolgsleute nicht als die vordergr&uuml;ndigen Aggressoren im Ukraine-Krieg betrachten?<\/em><\/p><p>Dr. Nina Chruschtschowa ist Professorin f&uuml;r Internationale Politik an der New School in New York. Sie ist amerikanische Staatsb&uuml;rgerin und Urenkelin von Nikita Chruschtschow. Als einer der wenigen US-Experten kennt sie Putin pers&ouml;nlich. Hier ihre vollst&auml;ndige Aussage:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Krieg in der Ukraine ist ein perfekter Krieg f&uuml;r die USA, weil ein wei&szlig;es Land gegen ein anderes wei&szlig;es Land k&auml;mpft. Der B&ouml;sewicht k&auml;mpft gegen eine Demokratie. Und diese Demokratie hat mit Wolodimir Selenski einen Hauptdarsteller, der seine Rolle wundersch&ouml;n spielt.&ldquo; &ndash; &bdquo;Sei behaupten also, dass die USA diesen Krieg provoziert haben?&ldquo; &ndash; &bdquo;Absolut. Aber es ist eine freie Welt, und Putin w&auml;hlte seine Rolle als B&ouml;sewicht selbst und griff die Ukraine an. Daf&uuml;r sind nicht die USA verantwortlich, Putin tr&auml;gt zu 100 Prozent die Schuld&hellip; Diese permanente Diskussion war eine Falle, und dieser Idiot tappte hinein.&ldquo; (Chruschtschowa, Nina: Ich hasse es, Putin und meinen Gro&szlig;vater im selben Satz zu nennen.&ldquo; In: <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ich-hasse-es-putin-und-meinen-grossvater-im-selben-satz-zu-nennen-378420314857\">Tagesanzeiger v. 07. Oktober 2022<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die &Uuml;berlegungen, dass es sich gerade nicht, wie die NATO-Propaganda uns weismachen will, um einen &bdquo;unprovozierten&ldquo; Angriffskrieg handelt, sondern dass die USA und die NATO den Krieg in der Ukraine provoziert haben, sind Teil der internationalen fachlichen Diskussion und bilden den Stand politikwissenschaftlicher Forschungen ab. Dies macht aus einem v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg keine Friedensmission. Hier beispielhaft die &Auml;u&szlig;erungen einiger Experten f&uuml;r die Genese des Krieges in der Ukraine:<\/p><p>Prof. Jeffrey Sachs von der Columbia University in New York, Sonderberater des Generalsekret&auml;rs der Vereinten Nationen, Berater des Internationalen W&auml;hrungsfonds, der Weltbank, der OECD, der WTO und des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen sowie Regierungsberater in Bolivien, Polen, Jugoslawien und Russland: <em>&bdquo;Der Krieg in der Ukraine ist der H&ouml;hepunkt des 30 Jahre alten Projekts der US-Neokonservativen. Die Biden-Administration ist voll besetzt mit denselben Neocons, die sich stark gemacht haben f&uuml;r die vom Zaun gebrochenen amerikanischen Kriege in Serbien (1999), Afghanistan (2001), Irak (2003), Syrien (2011) und Libyen (2011) und die alles taten, den russischen &Uuml;berfall auf die Ukraine zu provozieren. Die Bilanz der Neocons ist ein vollst&auml;ndiges Desaster. Dennoch hat sich Biden mit Neocons umgeben. In der Folge lenkt Biden die Ukraine, die Vereinigten Staaten und die Europ&auml;ische Union in ein weiteres Debakel. Wenn Europa noch einen Rest Verstand besitzt, wird es sich lossagen von diesen au&szlig;enpolitischen Katastrophen Amerikas.&ldquo; (Jeffrey D. Sachs: Ukraine is the latest Neocon Disaster. In: <a href=\"https:\/\/www.jeffsachs.org\/newspaper-articles\/m6rb2a5tskpcxzesjk8hhzf96zh7w7\">OtherNews v. am 27. Juni 2022.<\/a>)<\/em><\/p><p>Prof. John J. Mearsheimer, Experte f&uuml;r internationale Politik an der Universit&auml;t Chicago: <em>&bdquo;The United States and its European allies share most of the responsability for this crisis. The taproot of the trouble is NATO enlargement, the central element of a larger strategy to move Ukraine out of Russia&rsquo;s orbit and integrate it into the West. At the same time, the EU&rsquo;s expansion eastward and the West&rsquo;s backing of the pro-democracy movement in Ukraine &ndash; beginning with the Orange Revolution in 2004 &ndash; were critical elements, too. Since the mid-1990s, Russian leaders have adamantly opposed NATO enlargement and in recent years, they have made it clear that they would not stand by while their strategically important neighbor turned into a Western bastion. For Putin, the illegal overthrow of Ukraine&rsquo;s democratically elected and pro-Russian president &ndash; which he rightly labeled a &lsquo;coup&rsquo; &ndash; was the final straw.&rdquo; (Mearsheimer, John J.: Why the Ukraine Crisis is the West&rsquo;s Fault. In: <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/24483306\">Foreign Affairs Vol. 93, No. 5 (September\/October 2014), pp. 77 &ndash; 85<\/a>)<\/em><\/p><p>Prof. Robert H. Wade (Experte f&uuml;r globale Wirtschaftspolitik an der London School of Economics) sieht eine <em>&bdquo;long-standing US strategy for regime change in Moscow, with Ukraine as the pivot. On one hand, send sufficient military and other equipment to Ukraine to sink Russian military in a quagmire. On the other hand, impose severe, far-reaching sanctions on Russia so as to cause major disruption to the Russian elite and a major contraction of living conditions for the Russian middle-class. The combination should last long enough for Russians to rise up to overthrow Putin and install a Yeltsin-like President more sympathetic to the West. But this weapons-plus-sanctions strategy needed a cause. Putin&rsquo;s invasion was the required casus belli. It in no way excuses Russia&rsquo;s invasion and its despicable tactics to say that the Kremlin fell into a US and Nato trap.&rdquo; (<a href=\"https:\/\/blogs.lse.ac.uk\/europpblog\/2022\/03\/30\/why-the-us-and-nato-have-long-wanted-russia-to-attack-ukraine\/?trk=public_post_comment-text\">blogs.lse.ac.uk<\/a>)<\/em><\/p><p>Jacques Baud, ehemaliger Geheimdienst-Analyst der Schweizer Armee und ehemaliger OSZE-Beobachter im Donbass: <em>&bdquo;Les &Eacute;tats-Unis cherchaient depuis longtemps un moyen de provoquer une attaque de la Russie contre l&rsquo;Ukraine.&rdquo; (Baud, Jacques: Op&eacute;ration Z. Paris: Max Milo 2022, S. 12)<\/em><\/p><p>Die Reihe der Zitate k&ouml;nnte beliebig fortgesetzt werden. <\/p><p>In Ihren Fragen zeigt sich, wie es der Soziologe Pierre Bourdieu ausgedr&uuml;ckt hat, <em>&bdquo;dass Journalisten manchmal gef&auml;hrlich sind: Da sie nicht immer wirklich gebildet sind, wundern sie sich &uuml;ber Dinge, die nicht sehr verwunderlich sind, und &uuml;ber Staunenswertes wundern sie sich nicht&hellip; Die Journalisten tragen eine spezielle &sbquo;Brille&lsquo;, mit der sie bestimmte Dinge sehen, andere nicht, und mit der sie die Dinge, die sie sehen, auf bestimmte Weise sehen. Das Auswahlprinzip ist die Suche nach dem Sensationellen, Spektakul&auml;ren.&ldquo; (Bourdieu, Pierre: &Uuml;ber das Fernsehen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1998, S. 25, 61) <\/em>Deshalb erscheint es mir klug, sich zun&auml;chst in die Geschichte des Konflikts im Donbass und der Ukraine einzuarbeiten.<\/p><p><em>3. Sprechen sie ukrainisch und\/oder russisch? Wie verlief dahingehend ihre Recherchereise f&uuml;r ihr Buch in die Ukraine? Wurden sie von einem &Uuml;bersetzer begleitet? Wenn ja, war dieser unabh&auml;ngig oder geh&ouml;rte er oder sie irgendeiner Organisation an?<\/em><\/p><p>Diese Frage zeigt, dass Sie keine Erfahrung in der Auslandsberichterstattung und in der Vorbereitung von Recherchen in Kriegs- und Krisengebieten haben. Seit 1997 war ich dagegen f&uuml;r den Norddeutschen Rundfunk und die ARD in Gro&szlig;britannien, Skandinavien, Polen, dem Baltikum, dem Kosovo, Afghanistan und unz&auml;hlige Male in der Russischen F&ouml;deration t&auml;tig. F&uuml;r meine B&uuml;cher habe ich zudem in den Vereinigten Staaten, Frankreich und der Schweiz recherchiert.<\/p><p>Insbesondere habe ich mich eingehend mit politischen Missst&auml;nden in Putins Russland auseinandergesetzt. Meine Filme &bdquo;Brauner Terror&ldquo; &uuml;ber militanten russischen Neonazismus, &bdquo;Gef&auml;hrliche Fracht auf der Ostsee&ldquo; &uuml;ber illegalen &Ouml;lhandel der Russischen F&ouml;deration, &bdquo;EU-P&auml;sse aus Russland&ldquo; &uuml;ber den illegalen Erwerb von EU-Identit&auml;ten oder &bdquo;Das Russenkind&ldquo; &uuml;ber die &ndash; bis dato noch geheimen &ndash; wahren Gr&uuml;nde f&uuml;r den Untergang der &bdquo;Kursk&ldquo; in der Barentssee im Jahr 2000 beruhen auf eigenst&auml;ndigen Recherchen vor Ort, die mich zweimal in Konflikt mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB gebracht haben. Auch bei meiner Arbeit im Kosovo in den Jahren 1999, 2000 und 2001 war ich erheblichen pers&ouml;nlichen Risiken ausgesetzt (Beschuss, Minenfelder). Ich hatte also Gelegenheit zum &Uuml;ben.<\/p><p>Die Auswahl des Kamerateams, der Begleiter und &Uuml;bersetzer, der Helfer vor Ort folgt fachlichen Kriterien wie absolute Verl&auml;sslichkeit, Sach&ndash; und Ortskenntnis, Belastbarkeit und Nervenst&auml;rke und hat mit der Zugeh&ouml;rigkeit zu Organisationen gleich welcher Art nichts zu tun. Wenn Sie in Sachsen mit einem Kamerateam losfahren, dann fragen Sie auch nicht, welches Parteibuch der Kameramann hat. Wichtig ist, dass er seine Arbeit macht. Im &Uuml;brigen reichen &ndash; anders als meine Kenntnisse des Paschtun oder des Albanischen &ndash; meine Russischkenntnisse aus, um einzusch&auml;tzen, ob der &Uuml;bersetzer seine Arbeit korrekt gemacht hat. <\/p><p>Da Ihre Fragen darauf hindeuten, dass Sie hier eine Art Kontaktschuld konstruieren wollen, um meine Arbeit in ein schlechtes Licht zu r&uuml;cken und mir eine N&auml;he zu Kreml-Propaganda zu unterstellen, m&ouml;chte ich Ihnen Folgendes sagen: Ich nehme von niemandem Weisungen entgegen. Ich f&auml;lle meine Entscheidungen in eigener Verantwortung und bin finanziell v&ouml;llig unabh&auml;ngig. Das unterscheidet mich von Ihnen, der Sie als Mitarbeiter des MDR gegen&uuml;ber Ihren Vorgesetzten weisungsgebunden sind.<\/p><p>Was die Konstruktion von Kontaktschuld betrifft, so ist das Prinzip simpel: Zun&auml;chst wird ein Gegner definiert. Dann wird die Zielperson dem gegnerischen Lager zugeordnet. Es handelt sich also nicht um eine Argumentation in der Sache, sondern ad hominem. Solche Konstrukte, mit denen nicht zur Person oder zur Sache recherchiert wird, sondern politisch verd&auml;chtige Dritte auf die Zielperson abf&auml;rben sollen, stellen klassische Pseudoargumente dar und sind zur journalistischen, wissenschaftlichen oder juristischen Beweisf&uuml;hrung ungeeignet, weil sie nicht auf Tatsachen beruhen <em>(Agora-Initiative: <a href=\"https:\/\/www.agora-initiative.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/das-handbuch-der-oeffentlichen-meinung-agora-initiative.pdf\">Das Handbuch der &ouml;ffentlichen Meinung. Erlangen 2020, S. 12<\/a><\/em>.<\/p><p>Pseudo-Argumente wie die Herstellung von Kontaktschuld zielen darauf ab, alle, die sich dem kollektiven Prozess oder dem herrschenden Meinungsklima nicht beugen, auszugrenzen und aus dem Debattenraum auszuschlie&szlig;en. Ihr Ziel ist gerade nicht der herrschaftsfreie demokratische Diskurs. Vielmehr zielen sie darauf ab, ein Bekenntnis zu einer Partei oder einer Auffassung zu erzwingen und den Vorrang von Bekenntnissen vor Erkenntnissen durchzusetzen. Es handelt sich damit um eine zentrale Diskursfigur der Gegenaufkl&auml;rung. Kontaktschuld-Vorw&uuml;rfe sind direkt anschlussf&auml;hig an die Kollektivhaftung i.S. des nationalsozialistischen Sippenhaft-Paragrafen.<\/p><p><em>4. Wie kam es dazu, dass sie im Stadttheater auftreten sollen? Gab es eine Einladung vonseiten der Stadtverwaltung?<\/em><\/p><p>Oberb&uuml;rgermeister Roland Dantz hat nach eigenen Angaben mein Buch gelesen. Dort ist auch dokumentiert, wie eine von <em>t-online<\/em> ausgel&ouml;ste Denunziations- und Diffamierungskampagne auf der Basis mangelhafter Recherche und vors&auml;tzlicher Falschdarstellungen dazu gef&uuml;hrt hat, dass sachfremde Akademiker zweier Hochschulen aus Angst vor schlechter Presse im vorauseilenden Gehorsam meine Lehrauftr&auml;ge gek&uuml;ndigt haben. Dagegen bin ich juristisch vorgegangen. Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein hat die K&uuml;ndigung der Universit&auml;t Kiel f&uuml;r unrechtm&auml;&szlig;ig erkl&auml;rt und mit Verweis auf Art. 5 GG festgestellt, dass ein Journalist nicht daf&uuml;r gek&uuml;ndigt werden darf, dass er seine Arbeit macht. Die Universit&auml;t Kiel hat auf den Instanzenzug verzichtet, somit ist das Urteil rechtskr&auml;ftig. <\/p><p>Die Stadt Kamenz hat sich mit der Reihe &bdquo;Im Dialog&ldquo; vorgenommen, insbesondere jene einzuladen, die an anderer Stelle diffamiert, ausgegrenzt und beruflich besch&auml;digt werden. Denn Demokratie hei&szlig;t, auch solche Positionen in der Arena der &Ouml;ffentlichkeit zu Wort kommen zu lassen, die einem nicht gefallen. Anders als jene, die mit &ouml;ffentlichen Kampagnen wie Frau Dr. Wendland darauf abzielen, bestimmte Positionen oder Gruppen in den Mittelpunkt zu stellen und eine h&ouml;here Anerkennung dieser Positionen oder Gruppen durchzusetzen, bem&uuml;ht sich die Stadt Kamenz damit in vorbildlicher Weise, die Meinungsvielfalt und damit die demokratische Willensbildung zu st&auml;rken. Dies entspricht im &Uuml;brigen auch dem Programmauftrag des <em>MDR<\/em>.<\/p><p><em>5. Wer war f&uuml;r den Ank&uuml;ndigungstext auf der Homepage des Stadttheaters verantwortlich? Wurde dies von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin der Stadtverwaltung verfasst, oder kam der Text von ihnen selbst? Wurde dieser Text vom Stadttheater vor der Ver&ouml;ffentlichung in irgendeiner Art und Weise abgenommen?<\/em><\/p><p>Diese Frage richten Sie bitte an die Stadt Kamenz. Die Vorlage f&uuml;r den Ank&uuml;ndigungstext stammt von mir. Anders, als es Frau Dr. Wendland darstellt, befindet er sich in allen Punkten im Einklang mit dem internationalen Forschungsstand. Mit den Quellen und der einschl&auml;gigen Fachliteratur habe ich mich eingehend befasst. Davon unber&uuml;hrt ist das Recht von Frau Dr. Wendland auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung.<\/p><p>Zu den drei Punkten ihrer Kritik:<\/p><p>Putsch auf dem Maidan:<br>\nWas den Putsch auf dem Maidan im Winter 2013\/14 betrifft, so stehen die im Buch erw&auml;hnten Zeugenaussagen im Einklang mit der Fachliteratur. Dabei ist durchaus gekl&auml;rt, dass die Sch&uuml;sse aus den Geb&auml;uden des Rechten Sektors kamen. Bitte lesen Sie dazu die Seiten 149-166 und folgen Sie den Fu&szlig;noten, die der Verlag ins Internet gestellt hat.<\/p><p>B&uuml;rgerkrieg in der Ostukraine:<br>\nDer B&uuml;rgerkrieg im Donbass ab M&auml;rz 2014 geht nicht auf eine russische Intervention, sondern auf die Maidan-Morde und die t&auml;tlichen &Uuml;bergriffe ukrainischer Faschisten und Ultranationalisten zur&uuml;ck. In der Folge hatten sich v.a. im Donbass Selbstverteidigungskomitees und Milizen gebildet, zu denen Einheiten der ukrainischen Armee &uuml;berliefen. Die ersten 52 russischen K&auml;mpfer unter F&uuml;hrung des russischen Monarchisten und Ex-FSB-Offiziers Igor Girkin erreichten Slaviansk in der Nacht vom 11. auf den 12. April 2014. Ungekl&auml;rt ist, ob er vom Kreml geschickt wurde oder auf eigene Faust handelte. Da sich Girkin in der Folge h&auml;ufig als Kritiker des Kremls positionierte und heute im Gef&auml;ngnis sitzt, ist davon auszugehen, dass er in eigener Verantwortung t&auml;tig wurde. Anders verh&auml;lt es sich mit den Wagner-S&ouml;ldnern: Mitte April wurden sie unter F&uuml;hrung von Oberst Dmitri Utkin in den Donbass verlegt. Wagner wurde am 1. Mai 2014 in Donezk gegr&uuml;ndet. Da es sich bei der Gr&uuml;ndung des Wagner-Vorl&auml;ufers &bdquo;Slawisches Korps&rdquo; um eine Initiative des russischen Verteidigungsministeriums handelte, gehe ich davon aus, dass sie entsendet wurden &ndash; als Reaktion auf die Verlegung von S&ouml;ldnern der US-Firma Academi zur Unterst&uuml;tzung der ukrainischen Kr&auml;fte im Donbass bereits Mitte M&auml;rz 2014. Folgen Sie der Darstellung in meinem Buch, insbesondere auf den Seiten 167-185, und den entsprechenden Fu&szlig;noten.<\/p><p>Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der NATO:<br>\nDie &Uuml;berlegung, dass es sich beim Ukraine-Krieg um einen Stellvertreterkrieg zwischen NATO und Russland handelt, entspricht ebenfalls dem internationalen Forschungsstand und kann durch Zitate aus der Politik gut belegt werden. Hier wieder eine Auswahl:<\/p><p>US-Verteidigungsminister Lloyd Austin am 26. April 2022: <em>&bdquo;Wir wollen Russland in dem Ausma&szlig; geschw&auml;cht sehen, dass es die Art von Dingen, die es mit dem Einmarsch in die Ukraine getan hat, nicht mehr machen kann.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/us-verteidigungsminister---wollen-russland-geschwaecht-sehen--31806894.html\">stern.de<\/a>)<\/em><\/p><p>Bundesau&szlig;enministerin Annalena Baerbock: <em>&bdquo;Wir f&uuml;hren einen Krieg gegen Russland.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/ausland\/politik-ausland\/jetzt-erklaert-baerbock-ihren-hammer-satz-wir-kaempfen-krieg-gegen-russland-82689320.bild.html\">bild.de<\/a>)<\/em><\/p><p>NATO-Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg: <em>&bdquo;Es ist wichtig, dass die Ukraine gewinnt. Denn wenn Putin gewinnt, w&auml;re das nicht nur eine gro&szlig;e Niederlage f&uuml;r die Ukraine, sondern auch eine Niederlage f&uuml;r uns alle.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/stoltenberg-sieg-putins-waere-eine-niederlage-fuer-die-nato\/\">just-now.news<\/a>) <\/em><\/p><p>EU-Kommissionspr&auml;sidentin Ursula von der Leyen: <em>&bdquo;Die Ukrainer k&auml;mpfen also um ihr &Uuml;berleben, aber sie k&auml;mpfen auch f&uuml;r globale Werte. Es ist nicht nur ein Krieg, den Russland gegen die Ukraine entfesselt hat. Es ist ein Krieg gegen unsere Werte; es ist ein Krieg gegen die auf Regeln basierende internationale Ordnung.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/newsroom\/representations\/items\/759143\/\">ec.europa.eu<\/a>) <\/em><\/p><p>Hier einige Stellungnahmen aus der internationalen Politikwissenschaft, in denen ebenfalls von einem Stellvertreterkrieg ausgegangen wird:<\/p><p>David Ignatius, White House correspondent der Washington Post: <em>&bdquo;The first instruction that Secretary of State Antony Blinken got from President Biden was to &lsquo;reset&rsquo; America&rsquo;s alliances and partnerships abroad so that the United States could deal with the challenges ahead. That strategy would prove decisive in combating Russia&rsquo;s aggression against Ukraine.&rdquo; (Ignatius, David: Secret Planning kept White House a step ahead of Russia. In: Washington Post v. 27. Mai 2022, <a href=\"https:\/\/politicalwire.com\/2022\/05\/27\/secret-planning-kept-white-house-a-step-ahead-of-russia\/\">politicalwire.com<\/a> )<\/em><br>\nProf. Dr. Richard Sakwa, Experte f&uuml;r russische und europ&auml;ische Politik an der Universit&auml;t Kent:<strong> <\/strong><em>&bdquo;During the Cold War the main protagonists, the USA and the USSR, avoided direct confrontation and instead fought a number of proxy wars in Africa, Afghanistan and elsewhere. In the new era of the cold peace the Ukraine crisis became one of these proxy wars.&rdquo; (Sakwa, Richard: Frontline Ukraine. Crisis in the Borderlands, London u. New York: I.B.Tauris 2016, S. 180 )<\/em><br>\nProf. Dr. Alfred de Zayas, V&ouml;lkerrechtler an der Geneva School of Diplomacy and International Relations und ehem. UN-Mandatstr&auml;ger:<em> &bdquo;Die USA werden den Proxy-War &sbquo;bis zum letzten Ukrainer f&uuml;hren&lsquo;&hellip; USA, EU und Nato wollten nur eins: &sbquo;Regime Change&lsquo; in Russland. &sbquo;Putin muss weg&lsquo;, so hie&szlig; es im Wei&szlig;en Haus. Die Nachkriegsordnung wurde bereits durch die Nato in Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Syrien und Libyen zerst&ouml;rt. Gewiss, aus dem Ukraine-Krieg wird eine neue Weltordnung entstehen&hellip; Die neue Weltordnung wird nicht mehr vom Westen bestimmt. Auch die Chinesen, Inder und Russen werden mitspielen.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/krass-konkret\/die-usa-werden-den-proxy-war-bis-zum-letzten-ukrainer-fuehren\/\">overton-magazin.de<\/a> )<\/em><\/p><p>Jacques Baud, Ex-Milit&auml;ranalyst des Schweizer Geheimdienstes und OSZE-Beobachter im Donbass: <em>&bdquo;Depuis longtemps, les Am&eacute;ricains avaient le projet d&rsquo;isoler la Russie et de la mettre au ban de la communaut&eacute; internationale&hellip; &Agrave; cette fin, i&rsquo;id&eacute;e &eacute;tait de pousser la Russie &agrave; s&rsquo;engager dans un conflit avec l&rsquo;Ukraine, afin d&rsquo;y adosser uns rh&eacute;torique suffisamment puissante pour inciter la communaut&eacute; internationale &agrave; imposer des sanctions. Certes, l&rsquo;Ukraine souffrirait de cette situation mais, en &eacute;change de la d&eacute;faite russe, on lui offrirait son entr&eacute;e dans l&rsquo;OTAN.&ldquo; Baud, Jacques: Op&eacute;ration Z. Paris 2022, S. 335)<\/em><\/p><p>Der franz&ouml;sische Historiker Emmanuel Todd vom Institut national d&rsquo;&eacute;tudes d&eacute;mographiques INED in Paris: <em>&bdquo;C&rsquo;est la r&eacute;alit&eacute;, la Troisi&egrave;me Guerre mondiale a commenc&eacute;&hellip; il est &eacute;vident que le conflit, en passant d&rsquo;une guerre territoriale limit&eacute;e &agrave; un affrontement &eacute;conomique global, entre l&rsquo;ensemble de l&rsquo;Occident d&rsquo;une part et la Russie adoss&eacute;e &agrave; la Chine d&rsquo;autre part, est devenu une guerre mondiale&hellip; Nous fournissont des armes quand meme. Nous tuons des Russes, meme si nous ne nous exposons pas nous-memes. Mail il reste vrai que nous, Europ&eacute;ens, sommes surtout engages &eacute;conomiquement. Nous sentons d&rsquo;ailleurs venir notre veritable entr&eacute;e en guerre par l&rsquo;inflation et les p&eacute;nuries.&rdquo; (Todd, Emmanuel: &ldquo;La Troisi&egrave;me Guerre mondiale a commenc&eacute;. In: Le Figaro v. 12.01.2023, <a href=\"https:\/\/www.lefigaro.fr\/vox\/monde\/emmanuel-todd-la-troisieme-guerre-mondiale-a-commence-20230112\">lefigaro.fr<\/a>)<\/em><\/p><p><em>6. Frau Wendland schl&auml;gt am Ende ihres offenen Briefs vor, dass es (sic!) im Stadttheater eine Veranstaltung mit ukrainischen Menschen organisiert werden sollte, die eine andere Perspektive einnimmt. Was sagen Sie zu dem Vorschlag? W&uuml;rden Sie eine solche Veranstaltung unterst&uuml;tzen?<\/em><\/p><p>Den erw&auml;hnten Offenen Brief hat mir Frau Dr. Wendland nicht zur Kenntnis gegeben. Mir liegt ein Schreiben von Frau Dr. Wendland an den Oberb&uuml;rgermeister der Stadt Kamenz, Roland Dantz, vor. Vor diesem Hintergrund frage ich mich, warum sich Frau Dr. Wendland nicht direkt an mich wendet, wenn sie ein fachliches Anliegen hat. Hier darf man vermuten, dass sie vorgeschickt wurde, um eine Kampagne gegen die geplante Veranstaltung zu entfachen, bei der die Presse als williges Werkzeug eingespannt wird.<\/p><p>Mit Einlassungen wie &bdquo;Geschichtsklitterung&rdquo; und &bdquo;Falschaussagen&rdquo; verl&auml;sst Frau Dr. Wendland das Terrain akademischen Streits und begibt sich auf das Feld der Diffamierung. Dies zeigt, dass es ihr offenbar nicht um eine fachliche Debatte, sondern um Ausgrenzung geht. Damit handelt sie genauso antidemokratisch wie jene, die meinen Lehrauftrag gek&uuml;ndigt haben. <\/p><p>Der &uuml;berhebliche Ton, den Frau Dr. Wendland in ihrem Schreiben w&auml;hlt, verweist darauf, dass sie Andersdenkende nicht als gleichwertige Gespr&auml;chspartner betrachtet, sondern sich &uuml;ber sie erheben will. Damit versucht sie, ein &Uuml;ber- und Unterordnungsverh&auml;ltnis herzustellen, welches eine Diskussion auf Augenh&ouml;he und in gegenseitigem Respekt von vornherein ausschlie&szlig;t.<\/p><p>Frau Dr. Wendland ist bislang als Rechercheurin im ukrainischen Kriegsgebiet noch nicht weiter aufgefallen. Damit gewinnt sie ihre Erkenntnisse im Wesentlichen am Schreibtisch oder in Studierstuben. Innerhalb dieses zivilisatorischen Schonraums l&auml;sst sich eine Realit&auml;tsprobe aber nicht machen. Denn dazu muss man sich &ndash; wie ich es getan habe &ndash; der Realit&auml;t im Kriegsgebiet aussetzen und eben genau dort recherchieren, wo sich die Realit&auml;t in aller Grausamkeit zeigt. Die Schreibtisch-Perspektive bietet lediglich ein verk&uuml;rztes, wenn nicht gar verf&auml;lschtes Bild der Wirklichkeit.<\/p><p>Ich unterst&uuml;tze alle Bem&uuml;hungen, die im Sinne des Art 5 GG und der dort geregelten Meinungs- und Informationsfreiheit zur Meinungsbildung der Menschen in Deutschland beitragen. Insbesondere unterst&uuml;tze ich die Bem&uuml;hungen von Oberb&uuml;rgermeister Roland Dantz, jene zu Wort kommen zu lassen, die inzwischen auch von Mitarbeitern des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks diffamiert, ausgegrenzt und beruflich besch&auml;digt werden. Zur Ausgestaltung der Meinungs- und Informationsfreiheit leiste ich pers&ouml;nlich meinen Teil, indem ich nach bestem Wissen und Gewissen recherchiere, dem Grundsatz <em>&bdquo;et audiatur altera pars&ldquo;<\/em> folge und beide Seiten h&ouml;re, wo immer m&ouml;glich den Schreibtisch verlasse und vor Ort die Realit&auml;tsprobe mache sowie meine Recherche-Ergebnisse mit dem Forschungsstand und ausgewiesenen Experten abgleiche. Meine Arbeitsmethoden habe ich in einem Lehrbuch ausgef&uuml;hrt <em>(Baab, Patrik: Recherchieren. Ein Werkzeugkasten zur Kritik der herrschenden Meinung. Frankfurt a.M.: Westend 2022).<\/em><\/p><p>Nun sind Fragen der Kernenergie nicht mein Recherchefeld. Deshalb verzichte ich gerne auf einschl&auml;gige Einlassungen. Allerdings f&auml;llt mir unangenehm auf, wie Frau Dr. Wendland als Bef&uuml;rworterin der Kernenergie mit Andersdenkenden umgeht. Dabei w&auml;hlt sie offenbar gerne Nazi-Analogien. Sie schreibt: <em>&bdquo;Die Hoffnung auf die Reichswindkraft-durch-Freude-Programme, auf Solarsiedler (&hellip;) als Tr&auml;ger einer neuen deutschen Autarkie haben sich eine nach der anderen erledigt.&ldquo; <\/em>Die <em>&bdquo;deutschen Kriegs&hellip; tschuldigung Klimaziele&ldquo; <\/em>seien hinf&auml;llig. Ein Staatssekret&auml;r s&auml;&szlig;e, so Wendland, mit der <em>&bdquo;Zyankalikapsel in der Backentasche&ldquo;<\/em> im <em>&bdquo;Keller des Bundeswirtschaftsministeriums&ldquo;<\/em> und wird <em>&bdquo;vom Reichswindtag&ldquo;<\/em> tr&auml;umend mit Adolf Hitler verglichen. Der <em>&bdquo;Endsieg &uuml;ber diese ganze j&uuml;dische Physik&ldquo;<\/em> st&uuml;nde bevor. <em>(Joeres, Annika: Die Seitenwechslerin. In: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2022-03\/anna-veronika-wendland-atomkraft-akw-laufzeiten-atomausstieg\/komplettansicht\">Zeit Online v. 31. M&auml;rz 2022<\/a><\/em>) Wenn dies ein &bdquo;Satiretext&ldquo; gewesen sein sollte, fehlt mir dazu der n&ouml;tige Humor.<\/p><p>Frau Dr. Wendland hat die Energie-&Ouml;konomin Dr. Claudia Kemfert vom DIW in Berlin &ndash; nach deren Angaben &ndash; mit Hitlers Propaganda-Regisseurin verglichen und bezeichnete sie als <em>&bdquo;Leni Riefenstahl der Energiewende&ldquo;. <\/em>Weil der Artikel den Grunds&auml;tzen wissenschaftlicher Redlichkeit zutiefst widersprochen habe, wollte Dr. Kemfert Wendlands Arbeitgeber in Kenntnis setzen. Doch dann sei der Beitrag auf ruhrkultour.de im Netz nicht mehr auffindbar gewesen. Allerdings findet sich noch ein Tweet, in dem Ruhrkultour auf den Artikel und genau diesen Vergleich verweist. <\/p><p>Der Rundfunk-Staatsvertrag &uuml;ber den <em>MDR<\/em> will, so die Pr&auml;ambel, <em>&bdquo;den freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat und seine Institutionen st&auml;rken, in den drei mitteldeutschen L&auml;ndern die kulturelle Vielfalt und Identit&auml;t f&ouml;rdern sowie zum demokratischen Dialog, zur Sicherung der Meinungsvielfalt und Erhalt der Lebensgrundlagen und des Friedens beitragen&ldquo;<\/em> Dort hei&szlig;t es in &sect; 8, Absatz 3: &bdquo;<em>Alle Informationsangebote (Nachrichten und Berichte) sind gewissenhaft zu recherchieren und wahrheitsgetreu und sachlich zu halten. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umst&auml;nden gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu pr&uuml;fen. Die Redakteurinnen oder die Redakteure sind bei der Auswahl und Verbreitung der Nachrichten zur Objektivit&auml;t und &Uuml;berparteilichkeit verpflichtet. Kommentare sind deutlich von Nachrichten zu trennen und unter Nennung der Verfasserin oder des Verfassers als pers&ouml;nliche Stellungnahme zu kennzeichnen. Sie haben dem Gebot journalistischer Fairness zu entsprechen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Ich bin sehr gespannt, wie Sie diesem Programmauftrag, den ich in vollem Umfang unterst&uuml;tze, gerecht werden wollen und was von meinen Ausf&uuml;hrungen in Ihrer Berichterstattung &uuml;brigbleibt.<\/p><p>Es liegt nun an Ihnen, zu entscheiden, ob Sie sich zum willigen Werkzeug von Propaganda machen oder im Wege der Recherche zu eigenst&auml;ndigen Ergebnissen gelangen wollen. F&uuml;r den Fall, dass Sie ihre gewiss reichhaltige Erfahrung durch einen Besuch im Kriegsgebiet erweitern m&ouml;chten, werde ich Sie jedenfalls nicht hindern.<\/p><p>Dieses Schreiben erreicht Sie noch einmal per Einschreiben, denn ich behalte mir vor, unseren Gedankenaustausch in meine publizistische T&auml;tigkeit einzubeziehen und dort zu dokumentieren.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><p>Patrik Baab<\/p><p><small>Titelbild: wellphoto\/shutterstock und Westend Verlag<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105343\">&bdquo;Auf beiden Seiten der Front &ndash; Meine Reisen in die Ukraine&ldquo; &ndash; Vortrag von Patrik Baab beim Hamburger NachDenkSeiten-Gespr&auml;chskreis<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105114\">Patrik Baab: &bdquo;Der Journalismus taugt nicht mehr als Informationsquelle&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101332\">Urteil jetzt rechtskr&auml;ftig: K&uuml;ndigung des Journalisten Patrik Baab durch die Uni Kiel wegen Recherche in der Ostukraine war &bdquo;rechtswidrig&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96817\">Erfolg f&uuml;r die Meinungsfreiheit: Journalist Patrik Baab gewinnt vor Gericht<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um eine Veranstaltung mit dem Journalisten Patrik Baab in Kamenz ist eine Diskussion entbrannt. In diesem Zusammenhang hat Baab einen Offenen Brief an den <em>Mitteldeutschen Rundfunk (MDR)<\/em> verfasst, in dem er vom Sender gestellte Fragen beantwortet. Wir ver&ouml;ffentlichen diesen Brief hier im Wortlaut. Von <strong>Redaktion<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":80225,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,123,183,171,11],"tags":[2505,3041,3058,1471,493,1865,2582,915,259,260],"class_list":["post-106362","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-baab-patrik","tag-cancel-culture","tag-diffamierung","tag-investigativer-journalismus","tag-mdr","tag-meinungsfreiheit","tag-offener-brief","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/shutterstock_1922231618-Kopie.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=106362"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106446,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106362\/revisions\/106446"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/80225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=106362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=106362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=106362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}