{"id":10649,"date":"2011-09-06T14:29:36","date_gmt":"2011-09-06T12:29:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10649"},"modified":"2014-09-10T13:01:33","modified_gmt":"2014-09-10T11:01:33","slug":"markte-anleger-schuldenkrise-schuldensunder-schuldenstaaten-herdentrieb-und-andere-irrefuhrungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10649","title":{"rendered":"\u201eM\u00e4rkte\u201c, \u201eAnleger\u201c, \u201eSchuldenkrise\u201c, \u201eSchuldens\u00fcnder\u201c, \u201eSchuldenstaaten\u201c, \u201eHerdentrieb\u201c  und andere Irref\u00fchrungen"},"content":{"rendered":"<p>Gestern waren die <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt3342.html\">Tagesthemen<\/a> mal wieder finsterstes Mittelalter &ndash; wie viele andere Einlassungen von Wissenschaftlern, Politikern und Medien ein Ausbund an Gegenaufkl&auml;rung. Die in der &Uuml;berschrift genannten Begriffe werden besonders gerne benutzt. Sie f&uuml;hren in die Irre oder sie sind nur die halbe Wahrheit. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der Erfolg des Begriffs &bdquo;Schuldenkrise&ldquo;<\/strong> ist einer der neueren Belege f&uuml;r die M&ouml;glichkeit, die Menschen einschlie&szlig;lich der Medien umfassend zu betr&uuml;gen. Die Krise ist eine Krise der Banken und der gesamten Finanzwirtschaft. Wie wir jetzt den Einlassungen von Herrn Ackermann zu den faulen Forderungen in den Bilanzen vieler Banken entnehmen k&ouml;nnen, hat die Finanzkrise urspr&uuml;nglich wenig mit Staatsverschuldung zu tun. Die Banken und anderen Finanzinstitute haben sich gr&uuml;ndlich verspekuliert. Und dies nicht erst jetzt. <\/p><p>Schon im Jahr 2003 war zum Beispiel offenbar geworden, dass sich einige Banken und Versicherungen in Deutschland ma&szlig;los vergaloppiert und verspekuliert hatten. Sie klopften im Februar 2003 bei Schr&ouml;der und seinen Ministern Clement und Eichel an die T&uuml;r, um die Unterst&uuml;tzung des Bundes f&uuml;r die Gr&uuml;ndung einer oder mehrerer Bad Banks zu erreichen. Die HypoVereinsbank gr&uuml;ndete, nachdem der begehrte Deal mit der Bundesregierung bekannt geworden und nicht zustande gekommen war, die HypoRealEstate und lagerte dort ihren Schrott ab. Andere Banken bedienten sich der Unterst&uuml;tzung des Bundes &uuml;ber die KfW, um ihren Schrott bei der IKB abzuladen. Das war alles lang vor dem Scheitern von Lehman Brothers. <\/p><p>Wie im NDS-Beitrag <a href=\"?p=10585\">&bdquo;Die Eurokrise in Zahlen (I) &ndash; Wie Mustersch&uuml;ler zu Problemkindern wurden&ldquo;<\/a> beschrieben, war die Staatsverschuldung weder hier noch bei den meisten Mittelmeerl&auml;ndern ein erkennbar gro&szlig;es Problem. Dennoch wird mit den Begriffen &bdquo;Schuldenkrise&ldquo; und &bdquo;Schuldens&uuml;nder&ldquo; heute massiv und folgenschwer Meinung gemacht.<\/p><p>In den erw&auml;hnten Tagesthemen gab es gleich eine Serie von einschl&auml;gigen Spr&uuml;chen, die auf der falschen Analyse aufbauen, w&ouml;rtlich:<\/p><ul>\n<li>Die M&auml;rkte zweifeln an der Reformf&auml;higkeit der Schuldenstaaten.<\/li>\n<li>Euro-Schuldens&uuml;nder<\/li>\n<li>Die M&auml;rkte glauben immer weniger, dass Europa seine Schuldenprobleme &uuml;berhaupt l&ouml;sen kann.<\/li>\n<li>Griechenland spart nicht wie versprochen<\/li>\n<li>Das Verhalten Griechenlands ist an der Grenze der Provokation (Br&uuml;derle)<\/li>\n<li>Die Schuldenkrise der Mittelmeerl&auml;nder ist auch eine Ursache f&uuml;r den Dax-Absturz.<\/li>\n<\/ul><p>Mit dem <strong>Gebrauch der Begriffe &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; und &bdquo;Anleger&ldquo;<\/strong> wird der Eindruck erweckt, dort seien vern&uuml;nftig handelnde einzelne Menschen t&auml;tig und die Hauptakteure seien solche, die Geld anlegen, investieren, als etwas n&uuml;tzliches und Werte schaffendes tun. Das ist nicht einmal eine Halbwahrheit. Damit wird verdeckt, dass das Geschehen auf den Finanzm&auml;rkten und auch auf den Rohstoffm&auml;rkten weit gehend von Spekulation und Spekulanten gepr&auml;gt ist &ndash; auch von dem Gebrauch neuer Finanzprodukte, von Wetten und abenteuerlichen Verbriefungen.<\/p><p>Das m&uuml;ssten wir eigentlich wissen: angefangen bei den &Uuml;bernahmeschlachten um Mannesmann und die Deutsche B&ouml;rse oder VW\/Porsche, &uuml;ber die Spekulationen und Machenschaften um die HypoAlpeAdria bis hin zu den gezielten Spekulationen um die einzelnen Euro-L&auml;nder &ndash; immer waren einzelne Akteure, Spekulanten, t&auml;tig, die das Marktgeschehen, also die Entwicklung der Kurse, der Zinsen und der W&auml;hrungen wesentlich beeinflussten. <\/p><p>Ein neues sehr gutes Beispiel kommt gerade auf den Tisch: <a href=\"http:\/\/www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de\/2011\/09\/24129\/\">&bdquo;Goldman Sachs empfiehlt Wetten gegen Europa&ldquo;<\/a> titeln die Mittelstandsnachrichten mit Berufung auf das <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/SB10001424053111903895904576542703587784540.html\">Wall Street Journal<\/a> vom 1. September 2011 . (Einstieg siehe Anlage)<\/p><p>Die Menschen, die Aktien, Devisen oder Rohstoffe bzw. entsprechende Fonds kaufen, haben, wenn sie sich gleichgerichtet verhalten, sicher einen gewissen Einfluss auf die Preis- und Kursentwicklung. Insofern kann man von <strong>Herden und Herdentrieb<\/strong> sprechen. Aber dies ist wirklich auch nur die halbe Wahrheit. Denn f&uuml;r das Herdenverhalten mit und oft ma&szlig;geblich entscheidend sind die Strategien und Empfehlungen einzelner Gro&szlig;spekulanten einschlie&szlig;lich der einschl&auml;gigen Investmentbanken wie Goldman Sachs.<\/p><p><strong>Noch eine Anmerkung zu die Folgen des Gebrauchs der oben erw&auml;hnten Begriffe zum Umgang mit Griechenland und zu den Tagesthemen:<\/strong><br>\nOffenbar f&uuml;hrt der Gebrauch der Worte &bdquo;Schuldens&uuml;nder&ldquo;,  &bdquo;Schuldenstaat&ldquo; etc. dazu, dass unsere Kommentatoren in Politik, Wissenschaft und Medien auf das Mitdenken verzichten: <\/p><ul>\n<li>Der Kommentator des Bayerischen Rundfunks Gottlieb erweckt den Eindruck, als w&uuml;rden die Griechen gem&uuml;tlich unter dem Euro-Rettungsschirm liegen. Er hat keine Ahnung vom Geschehen in Griechenland und schon gar nicht von der sozialen und finanziellen Lage der Mehrheit der Menschen.<\/li>\n<li>In den Tagesthemen wird eine Diskussion in einem griechischen Privatsender dokumentiert und dabei auch zu vermitteln versucht, dass die griechische Regierung ihrer Verpflichtung zur Privatisierung von Staatsverm&ouml;gen nicht z&uuml;gig genug nachkommt. Die dort interviewte Abgeordnete der Regierungspartei versucht zu erl&auml;utern, dass die Privatisierung auch deshalb stockt, weil die Preise so schlecht sind. &ndash; F&uuml;r dieses Argument m&uuml;sste jeder vern&uuml;nftige Mensch ein offenes Ohr haben. Denn es ist einem Volk wirklich nicht zuzumuten, seine Verm&ouml;genswerte weit unter Preis not-zu verkaufen. Wer das nicht nachvollziehen kann, versteht dieses nicht oder er vertritt die Interessen jener, die mit der ablaufenden Schockstrategie wieder einmal ein Schn&auml;ppchen machen wollen. Wie schon bei der Pl&uuml;nderung der Verm&ouml;genswerte in der DDR und in anderen L&auml;ndern Osteuropas und heute in Afrika. Rund um.<\/li>\n<li>Auch die schon erw&auml;hnte Anmerkung Br&uuml;derles, die mangelnde Sparbereitschaft der Griechen sei eine Provokation, zeigt nur, wie eingelullt und vernebelt bei uns ma&szlig;gebliche Personen sind, wenn es um gravierende Entscheidungen f&uuml;r die Zukunft eines gemeinsamen Wirtschafts- und W&auml;hrungsraum. Beim Fraktionsvorsitzenden der FDP ist noch nicht einmal angekommen, dass wie von den NachDenkSeiten und einigen anderen Beobachtern immer wieder vorhergesagt, die den Griechen aufgedr&uuml;ckten Sparbeschl&uuml;sse gar nicht zum Sparerfolg f&uuml;hren werden, weil damit die Konjunktur kaputt gespart wird. Das alles wusste man. Das alles kann man begreifen, wenn das Gehirn nicht von Schlagworten wie den eingangs erw&auml;hnten vernebelt ist.<\/li>\n<\/ul><p>Es fiel &uuml;brigens in dieser Tagesthemensendung auf, dass der Unverstand in der Redaktion der Tagesthemen in Hamburg und beim dortigen Moderator Tom Buhrow um einiges ausgepr&auml;gter zu sein scheint als beim B&ouml;rsenbeobachter Michael Best vom Hessischen Rundfunk. <\/p><p><strong>Anlage:<\/strong><\/p><p>SEPTEMBER 1, 2011 Uhr<br>\n<strong>Goldman Takes a Dark View<\/strong><br>\n<strong>A Private Note to Hedge-Fund Clients Gives a Strategist&rsquo;s View; Ways to Gain From Global Pain<\/strong><br>\nBY SUSAN PULLIAM AND LIZ RAPPAPORT<br>\nA top Goldman Sachs Group Inc. strategist has provided the firm&rsquo;s hedge-fund clients with a particularly gloomy economic outlook and suggestions for how these traders can take advantage of the financial crisis in Europe.<br>\nIn a 54-page report sent to hundreds of Goldman&rsquo;s institutional clients dated Aug. 16, Alan Brazil&mdash;a Goldman strategist who sits on the firm&rsquo;s trading desk&mdash;argued that as much as $1 trillion in capital may be needed to shore up European banks; that small businesses in the U.S., a past driver of job production, are still languishing; and that China&rsquo;s growth may not be sustainable.<br>\nAmong Mr. &hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/SB10001424053111903895904576542703587784540.html\">Wall Street Journal<\/a><\/p><p><strong>Schwache US-Volkswirtschaft &ndash; Eisiger Herbst<\/strong><br>\nDie USA strahlen derzeit wenig Zuversicht im Kampf gegen die Schuldenkrise aus. Zu dieser kommt noch eine schwache Konjunktur, weil die Menschen wenig einkaufen. Die Arbeitslosenquote verharrt, anders als von vielen Experten erwartet, bei hohen 9,1 Prozent, hie&szlig; es am Freitag. Zudem korrigierte das Land offiziell die Erwartungen f&uuml;r das Jahr 2011 &ndash; und senkte die Wachstumsprognose drastisch um fast einen Punkt auf nur noch 1,7 Prozent. In Folge sausten die Aktienkurse nach unten. F&uuml;r die Weltwirtschaft ist die amerikanische Leistungsschw&auml;che ein herber Ausfall. Noch immer handelt es sich um die gr&ouml;&szlig;te Volkswirtschaft der Welt. Je schneller sie sich berappelt, umso besser f&uuml;r andere L&auml;nder. Woher soll Hoffnung kommen?<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/schwache-us-volkswirtschaft-eisiger-herbst-1.1138934\">S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern waren die <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt3342.html\">Tagesthemen<\/a> mal wieder finsterstes Mittelalter &ndash; wie viele andere Einlassungen von Wissenschaftlern, Politikern und Medien ein Ausbund an Gegenaufkl&auml;rung. Die in der &Uuml;berschrift genannten Begriffe werden besonders gerne benutzt. Sie f&uuml;hren in die Irre oder sie sind nur die halbe Wahrheit. 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