{"id":106502,"date":"2023-11-12T13:00:58","date_gmt":"2023-11-12T12:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106502"},"modified":"2023-11-13T18:12:26","modified_gmt":"2023-11-13T17:12:26","slug":"viele-offene-fragen-zu-einer-globalen-energieversorgung-auf-der-grundlage-von-wasserstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106502","title":{"rendered":"Viele offene Fragen zu einer globalen Energieversorgung auf der Grundlage von Wasserstoff"},"content":{"rendered":"<p>Wasserstoff wird als Schl&uuml;sselelement f&uuml;r die Energiewende angepriesen. Ein gro&szlig;er Teil soll durch die H2-Produktion in S&uuml;damerika und Afrika erm&ouml;glicht werden.<strong> <\/strong>In Afrika und S&uuml;damerika sind aktuell gro&szlig;e Projekte zur Herstellung von gr&uuml;nem Wasserstoff geplant. Im Kongo soll ein Mega-Staudamm &bdquo;Grand Inga&rdquo;gebaut werden, der erhebliche Umweltprobleme verursacht. In Uruguay plant eine deutsche Firma ein Werk f&uuml;r gr&uuml;nen H2 mit Wasser aus einem unterirdischen S&uuml;&szlig;wassersystem. Von <strong>Beate Taufer<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEin internationales Konsortium chilenischen Ursprungs will ganz in der N&auml;he synthetischen Treibstoff aus gr&uuml;nem Wasserstoff und Biomasse produzieren &ndash; auf der Basis von S&uuml;&szlig;wasser aus dem Rio Uruguay. Auch in Argentinien plant man eine H2-Produktion, in Kolumbien und Chile beginnen Pilotprojekte f&uuml;r Megatonnen an Wasserstoff &ndash; alle mit gro&szlig;em S&uuml;&szlig;wasserverbrauch.<\/p><p>Doch die D&uuml;rreperioden der letzten Jahre haben die Wasserreserven des Kontinents dramatisch reduziert, in Argentinien und Uruguay bestand ein mehrmonatiger Versorgungsnotstand f&uuml;r Gro&szlig;st&auml;dte. Auch die komplexen unterirdischen S&uuml;&szlig;wassersysteme S&uuml;damerikas, &bdquo;Acuiferos&rdquo;&nbsp;genannt, sind klimaabh&auml;ngig und kein automatisch erneuerbarer Rohstoff.<\/p><p>Aufgrund dieser industriellen Aktivit&auml;ten stellen sich Fragen zu den Klimafolgen des verk&uuml;ndeten globalen Energiesystems auf der Grundlage von Wasserstoff, denn er w&uuml;rde zu einem gro&szlig;en Teil durch die H2-Produktion in S&uuml;damerika erm&ouml;glicht. Doch eine gesicherte wissenschaftliche Grundlage hinsichtlich des Klimanutzens und der m&ouml;glichen Risiken einer solchen weltweiten Energie-Umstellung ist offenbar nicht vorhanden. Selbst der Klimarat IPCC der UNO erkennt an, dass sichere Klimavorhersagen nicht m&ouml;glich sind und dass man Berechnungen auf der Grundlage von Modellen erstellt.<\/p><p>Zahlreiche Studien unterscheiden sich sowohl in den Berechnungsmodellen und den gewonnenen Daten als auch in den Interpretationen der Mechanismen, welche die Klimasch&auml;den verursachen.<\/p><p>Als vorl&auml;ufiges Ergebnis dieser Arbeit sei verdeutlicht: Eine globale Wasserstoff-Energieversorgung erfordert nicht nur &bdquo;im Hinblick auf H2-Emissionen abgassichere, hermetisch dichte Technologien, sondern auch im Bezug auf&nbsp;<a href=\"https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/1067144\/atmospheric-implications-of-increased-hydrogen-use.pdf\">andere Treibhausgase<\/a>&nbsp;wie Kohlenmonoxid CO, Stickoxide NOx und fl&uuml;chtige organische Komponenten VOC&rdquo;. Sie m&uuml;ssen weitgehend reduziert werden, ebenso wie Methan, denn die fl&uuml;chtigen, schwer kontrollierbaren H2-Gase k&ouml;nnen in der Stratosph&auml;re und Atmosph&auml;re die Wirkung der Treibhausgase verst&auml;rken.<\/p><p>Ein Energiesystem mit Wasserstoff erfordert weltweite Ver&auml;nderungen und Anpassungen. Werden sie vernachl&auml;ssigt, k&ouml;nnen sich die Klimawirkungen verschlechtern statt verbessern. Die Warnungen zahlreicher Experten hinsichtlich der Wasserstoff-Emissionen m&uuml;ssen ernst genommen werden.<\/p><p>Gleichzeitig muss es um den Schutz der Lebensinteressen im Bereich der Trinkwasser- und Ern&auml;hrungssicherheit (Landwirtschaft, Bew&auml;sserung) gehen.<\/p><p><strong>Die Zertifizierung der Wasserherkunft und des festgelegten Verbrauchs<\/strong><\/p><p>Vorgeschlagen wird an erster Stelle eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/04_Stellungnahmen\/2020_2024\/2021_06_stellungnahme_wasserstoff_im_klimaschutz.html\">Zertifizierung der Wasserherkunft<\/a>&nbsp;und des Wasserverbrauchs f&uuml;r H2-Produktionsanlagen durch eine unabh&auml;ngige internationale Institution, als Voraussetzung f&uuml;r Genehmigungen. Gleichzeitig m&uuml;sste gereinigtes Salzwasser zum vorrangigen (und dauerhaften) Rohstoff des H2 eingesetzt werden.<\/p><p>Die gegenw&auml;rtig noch bestehenden kritischen Umweltfolgen von Entsalzungsanlagen k&ouml;nnten mithilfe von bereits entwickelten elektrochemischen Verfahren stark reduziert werden.<\/p><p>Daf&uuml;r gibt es in der Forschung S&uuml;damerikas (z.B. in Uruguay) hochentwickelte Technologien und neuartige Konzepte (<a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S1385894722002741\">kombinierte elektrokinetische<\/a>&nbsp;Prozesse).<\/p><p>In anderen Teilen der Welt begannen Wissenschaftler ebenso einen intensiven Forschungswettlauf in Bezug auf diese Technologien. Auch in Projekten in Uruguay muss der Standard &bdquo;beste verf&uuml;gbare Technologie&rdquo; umgesetzt werden. Die Qualit&auml;t des gereinigten Wassers beeinflusst die Qualit&auml;t des Wasserstoffs selbst &ndash; beide m&uuml;ssen gleicherma&szlig;en zertifiziert sein.<\/p><p><strong>Die Zertifizierung und Wartung der verwendeten Technologien<\/strong><\/p><p>Auch eine Zertifizierung der Klimasicherheit von neuen technischen Verfahrensweisen sowie die Anpassungen und Wartungen der bisherigen Energie-Infrastruktur sind insbesondere f&uuml;r die &Uuml;bergangsphase hin zu dem geplanten globalen H2-Energiesystem wichtig. Denn verschiedene Energiequellen werden nebeneinander existieren, deren Technologien oder Materialien modernisiert werden m&uuml;ssen &ndash; und k&ouml;nnen. Wahrscheinlich wird sich jahrzehntelang ein gemischtes Energiemodell durchsetzen. Daf&uuml;r ist der Einsatz aller technischen M&ouml;glichkeiten zur multifaktoriellen Klimaverbesserung notwendig.<\/p><p><strong>Neue Forschungsergebnisse in S&uuml;damerika<\/strong><\/p><p>Gerade auch bei der Verbesserung der Emissionssicherheit von Technologien, die traditionell bei fossilem Brennstoff (Naturgas) verwendet wurden, gibt es gro&szlig;e Fortschritte &ndash; auch in der elektrochemischen Forschung in Lateinamerika.<\/p><p>Im &bdquo;Globalen S&uuml;den&rdquo;&nbsp;entwickelte Technologien, die darauf spezialisiert sind, Treibhausgasemissionen deutlich zu neutralisieren, sollten gleichberechtigt zum Einsatz kommen. Beispielsweise k&ouml;nnten in der chemischen und metallurgischen Industrie CO\/CO2-Abgase durch&nbsp;<a href=\"http:\/\/riquim.fq.edu.uy\/items\/show\/3775\">Metall-Katalysatoren<\/a>&nbsp;absorbiert und elektrochemisch in weniger sch&auml;dliche und wiederverwertbare Verbindungen umgewandelt werden und vieles mehr.<\/p><p>Warum werden diese ungenutzten Verfahren nicht ebenfalls subventioniert und fl&auml;chendeckend eingesetzt, um auf diese Weise den CO2-Gehalt der Atmosph&auml;re zu reduzieren? M&uuml;ssten sie nicht genauso vorrangig behandelt werden wie die Wasserstofftechnologie?<\/p><p><strong>Das Recht des Globalen S&uuml;dens auf die eigene Entwicklung<\/strong><\/p><p>Das Recht der L&auml;nder des Globalen S&uuml;dens auf Beteiligung an industriellen Entwicklungen im eigenen Land steht in dieser Umbauphase erneut im Vordergrund. Die Forschungsergebnisse und das technische Know-how von Experten der betroffenen Schwellenl&auml;nder sind gleichberechtigt in die H2-Energieprojekte zu integrieren &ndash; anstatt sie durch die europ&auml;ischen und US-amerikanischen Verfahren zu marginalisieren. Milliarden an Subventionsgeldern machen sie konkurrenzlos, obwohl die Forschungsergebnisse der Gastl&auml;nder sie zum Teil an Qualit&auml;t &uuml;bertreffen k&ouml;nnen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie sprechen von Milliardeninvestitionen in unserem Land&nbsp;&ndash; und bringen sogar ihre eigenen Windm&uuml;hlen und Solarzellen mit.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Entsprechend m&uuml;ssten Forschung und Ausbildung im Bereich von Klimawissenschaften in den Gastgeber-L&auml;ndern durch die Wasserstoff-Investitionsprojekte finanziell gef&ouml;rdert werden &ndash; anstatt sie zu verdr&auml;ngen. Die Arbeitskr&auml;fte der L&auml;nder des Globalen S&uuml;dens sind vorrangig einzustellen, wenn sie das erforderliche technische Niveau mitbringen. Alles in allem kann und darf sich keine neuerliche Welle der Aneignung fremder strategischer Reserven unter dem Vorwand der Klimarettung durchsetzen.<\/p><p><strong>Ist Wasserstoff ein Gas ohne Klimawirkung, also umweltneutral?<\/strong><\/p><p>Euphorische (oder oberfl&auml;chliche) Narrative &uuml;ber Wasserstoff als Allheilmittel k&ouml;nnen dazu verf&uuml;hren, dass die technischen Voraussetzungen f&uuml;r eine Umweltsicherheit nicht konsequent genug umgesetzt werden. Wir h&ouml;ren oft: &bdquo;Bei der Verbrennung von Wasserstoffgas entstehen keine Treibhausgase.&rdquo;&nbsp;Oder auch: &bdquo;H2 ist ein klimaneutrales Gas.&rdquo;&nbsp;Durch solche tendenzi&ouml;sen Aussagen werden zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen au&szlig;er Acht gelassen, die das Gegenteil best&auml;tigen. Einige davon werden in diesem Text zitiert, um einen Eindruck von der Komplexit&auml;t des Themas zu vermitteln.<\/p><p><strong>Die Wechselwirkung von Wasserstoff mit Methan in der Atmosph&auml;re<\/strong><\/p><p>Eine Studie in der Fachzeitschrift Communications earth&amp;environment berichtet: &bdquo;Wasserstoff ist ein&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s43247-022-00626-z\">indirektes Klimagas<\/a>, das St&ouml;rungen von Methan, Ozon und stratosph&auml;rischem&nbsp;Wasserdampf und so drei starken Treibhausgasen&nbsp;hervorruft.&rdquo;&nbsp;Die Ozonschicht wird ungleichm&auml;&szlig;ig verteilt, der Wasserdampf verst&auml;rkt, Methan und Kohlenstoffe werden nicht abgebaut.<\/p><p>In einer ausf&uuml;hrlichen Untersuchung im Auftrag der britischen Regierung (2022) mit dem Titel &bdquo;Atmosph&auml;rische Auswirkungen von erh&ouml;htem Wasserstoffverbrauch&rdquo; findet man Erkl&auml;rungen f&uuml;r die Sch&auml;dlichkeit der Wasserstoffemissionen. Demnach verl&auml;ngere Wasserstoff indirekt die Lebensdauer von Methangas in der Troposph&auml;re, das als extrem starkes Treibhausgas gilt. Denn chemische Substanzen (Hydroxylradikale-OH) m&uuml;ssten sich dort oben mit dem Methan in einem nat&uuml;rlichen Reinigungsprozess verbinden, um es &bdquo;unsch&auml;dlich&rdquo; zu machen. Doch sie reagieren stattdessen im Falle von wachsenden Mengen an Wasserstoffgasen mit den H2-Emissionen und verbrauchen sich selbst dabei. Das Methan verbleibt dadurch l&auml;nger &bdquo;ungest&ouml;rt&rdquo; in der Erdumh&uuml;llung, die Methankonzentration steigt linear mit der Wasserstoffkonzentration an.<\/p><p>Ein Bericht von <em>National Geographic<\/em> (M&auml;rz 2023) best&auml;tigt: &bdquo;Wenn mehr als neun Prozent des erzeugten gr&uuml;nen Wasserstoffs in die Atmosph&auml;re gelangen, w&uuml;rde die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nationalgeographic.com.es\/dia-del-medio-ambiente\/hidrogeno-podria-ser-mala-alternativa-corto-plazo-para-combustibles-fosiles_19679\">Methankonzentration<\/a>&nbsp;in der Atmosph&auml;re in den kommenden Jahrzehnten zunehmen und einige der Klimavorteile durch den Verzicht auf fossile Brennstoffe zunichte machen.&rdquo;<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nationalgeographic.com.es\/dia-del-medio-ambiente\/hidrogeno-podria-ser-mala-alternativa-corto-plazo-para-combustibles-fosiles_19679\">Laut einer Studie der Stanford University in&nbsp;<\/a>&bdquo;Environmental Research Letters&rdquo; hat Methan &uuml;ber einen Zeitraum von 100 Jahren eine 28-mal st&auml;rkere Treibhauswirkung als Kohlendioxid (CO2), &uuml;ber 20 Jahre gerechnet ist die Wirkung sogar&nbsp;<a href=\"https:\/\/news.stanford.edu\/2020\/07\/14\/methane-emissions-climb\/\">86-mal&nbsp;<\/a>st&auml;rker. Auch der Klimarat der UNO best&auml;tigt, dass Methan 84-mal so sch&auml;dlich wie CO2 sei. Auch diese Ergebnisse entsprechen einem theoretischen Modell, um nachzuweisen, dass die Eigenschaften von Methan weit klimasch&auml;dlicher sind als die von CO\/CO2, unabh&auml;ngig von den in der Atmosph&auml;re vorhandenen jeweiligen Mengen.<\/p><p>Ist der Umfang der jeweiligen Klimagase im Rahmen des Gesamtvolumens der oberen Erdumh&uuml;llungen also nicht zumindest der zweite, entscheidende Faktor, der eine Wirkung als Treibhausgas definiert? Gibt es dar&uuml;ber einen Konsens?<\/p><p>Wenn Methan eine so weit st&auml;rkere Erw&auml;rmungswirkung als CO\/CO2 vorweist, steht das dann nicht im Widerspruch zu dem bisher vom UN-Klimarat IPCC proklamierten, wissenschaftlichen Eckpfeiler &uuml;ber die zentrale Klimarolle von CO\/CO2? Auch hier&uuml;ber gibt es unterschiedliche Meinungen.<\/p><p><strong>Die Wechselwirkung von Wasserstoffabgasen mit Kohlenstoffen (CO\/CO2) in der Atmosph&auml;re<\/strong><\/p><p>CO ist ein Treibhausgas, das 300-mal sch&auml;dlicher ist als CO2. Im Fall von unkontrollierten Entweichungen kann es t&ouml;dlich wirken. Es stammt z. B. aus Industrie- und Verkehrsabgasen oder entsteht bei Waldbr&auml;nden, die in den letzten Jahren CO-Emissionen in Rekordh&ouml;he verursachten (eine Tatsache, die kaum erw&auml;hnt wird).<\/p><p>Die chemische Reaktion mit OH-Radikalen in der Atmosph&auml;re verwandelt CO auf nat&uuml;rlichem Weg in CO2. Bei steigenden Wasserstoffemissionen in einem globalen H2-Energiesystem w&uuml;rde dieser Prozess jedoch gebremst &ndash; &auml;hnlich wie bei Methan. Das Kohlenmonoxid w&uuml;rde mit seinem starken Treibhauseffekt in der Atmosph&auml;re verbleiben, wo die Akkumulation &bdquo;frischer&rdquo; CO-Gase die Klimawirkung dominiere.<\/p><p><strong>Die Bedeutung von Senken, die mehr als 80 Prozent des globalen CO\/CO2 eliminieren<\/strong><\/p><p>Das Kohlendioxid kann in der Atmosph&auml;re nicht durch die OH-Radikale zersetzt werden. Es verschwindet von dort nur noch mittels der Absorbtionsprozesse der Ozeane und durch die Pflanzenwelt und Bakterien der Erdoberfl&auml;che (Senken).<\/p><p>Deshalb reicht die Umstellung auf eine H2-Wirtschaft nicht aus, solange riesige Waldfl&auml;chen verbrannt, die Ozeane verseucht oder Bakterien auf produktiven B&ouml;den durch Agrochemikalien abget&ouml;tet werden. Wenn weiterhin Senken zerst&ouml;rt werden, wird die nat&uuml;rliche Aufnahme der globalen CO2-Massen abnehmen. Das kann die gew&uuml;nschten Auswirkungen einer H2-Energiewirtschaft zunichte machen. Folglich gibt es einen starken wissenschaftlichen Trend zur Erforschung von Verfahren zur Erneuerung und Verbesserung der weltweiten CO\/CO2-Senken und Techniken zur&nbsp;<a href=\"https:\/\/static1.squarespace.com\/static\/633458017a1ae214f3772c76\/t\/63c8876b8b92bf2549e83ed5\/1674086272412\/SoCDR-1st-edition.pdf\">Entfernung von CO2 aus der Luft<\/a>.<\/p><p><strong>Vergleich der Sch&auml;dlichkeit von H2-Emissionen mit der von CO2-Emissionen<\/strong><\/p><p>Offenbar besteht eine der ungel&ouml;sten Fragen der Wissenschaft im Vergleich des Erw&auml;rmungspotenzials (GWP) von Wasserstoff-Abgasen und Kohlenstoff-Abgasen. Eine sichere Datengrundlage w&auml;re notwendig, um die Erfolge oder Misserfolge der Energiewende &uuml;berhaupt messen zu k&ouml;nnen. Dabei spielen Berechnungsmodelle eine wichtige Rolle.<\/p><p>&bdquo;Die Umrechnung der vollen atmosph&auml;rischen Strahlungswirkung von Wasserstoff in Ma&szlig;einheiten, und der Vergleich mit der Strahlungswirkung von Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan zeigt, dass die&nbsp;<a href=\"https:\/\/acp.copernicus.org\/preprints\/acp-2022-91\/acp-2022-91-manuscript-version3.pdf\">indirekte (atmosph&auml;rische) Erw&auml;rmungskraft<\/a>&nbsp;von Wasserstoff pro Ma&szlig;einheit etwa 200-mal so hoch ist wie die von Kohlenstoffdioxid, und gr&ouml;&szlig;er als die von Methan&rdquo;&nbsp;(Forster et al., 2021).<\/p><p>Andrea L&uuml;bcke von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) sagt: &bdquo;&Uuml;ber einen Zeitraum von 20 Jahren ist die indirekte Klimawirkung von Wasserstoff&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/energiekrise-so-klimaschaedlich-ist-wasserstoff-wirklich\/28873794.html\">33-mal gr&ouml;&szlig;er<\/a> als die Klimawirkung von Kohlendioxid.&rdquo;<\/p><p>Zahlreiche wissenschaftliche Teams legen solche alarmierenden Zahlen vor. Wie k&ouml;nnen wir sie interpretieren, ohne eine extreme Zunahme der Erderw&auml;rmung bei vermehrten H2-Abgasen zu bef&uuml;rchten? Doch unterschiedliche Modelle f&uuml;hren zu unterschiedlichen Ergebnissen. Gibt es eine standardisierte Berechnungsformel?<\/p><p><strong>Das Ausma&szlig; von CO2 und Wasserdampf in der Gesamtmenge der Treibhausgase<\/strong><\/p><p>In vielen Berechnungsmodellen wird CO2 als Referenz verwendet, um die Auswirkungen anderer Gase zu messen. Es gilt als das wichtigste Treibhausgas, da es mit mehr als 70 Prozent an W&auml;rmeaufnahme wie eine Barriere gegen die W&auml;rmeentweichung ins Weltall wirke. Manche Wissenschaftler:innen ordnen jedoch dem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ds.mpg.de\/139645\/08\">Wasserdampf und den Wolken<\/a>&nbsp;zu ungef&auml;hr 70 Prozent den Treibhauseffekt zu, w&auml;hrend CO2 einen Anteil von ungef&auml;hr 20 bis 30 Prozent habe. Jedes Gas hat unterschiedliche Absorptionseigenschaften. Welches Modell kommt der Realit&auml;t am n&auml;chsten?<\/p><p>Einige Experten konzentrieren sich vorrangig auf die chemischen und geologischen Prozesse der Erde. Sie f&uuml;hrten aufgrund h&auml;ufigerer Erdbeben und Vulkanausbr&uuml;che zu einem wachsenden Aussto&szlig; von nat&uuml;rlichem Wasserstoff in die Atmosph&auml;re. Ursache seien die wechselnden Gravitationskr&auml;fte von Mond und Sonne, die verst&auml;rkt Spannungen der Erdkruste ausl&ouml;sten. Insbesondere der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41558-022-01568-2\">Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga<\/a>&nbsp;&ndash; Hunga Ha&lsquo;apai im Januar 2022 im S&uuml;dpazifik ist ein Beispiel daf&uuml;r, bei dem Megatonnen von Wasserdampf in die Stratosph&auml;re geschleudert wurden. Man berechnete, dass diese Katastrophe zu einem Anstieg der Erdtemperatur in den n&auml;chsten&nbsp;<a href=\"https:\/\/eos.org\/articles\/tonga-eruption-may-temporarily-push-earth-closer-to-1-5c-of-warming\">f&uuml;nf Jahren beitr&auml;gt<\/a>.<\/p><p>Auch die H2-Entweichungen verwandeln sich durch die Reaktion mit den OH-Radikalen in der Atmosph&auml;re in Wasserdampf. Auf der Erdoberfl&auml;che kann mit manchen H2-Technologien ebenfalls Wasserdampf entstehen. So zum Beispiel bei der Vervielfachung von Festoxid-Brennstoffzellen zur Energieerzeugung im gro&szlig;em Ma&szlig;stab bei einer dynamischen, weltweiten H2-Nutzung. Der Einfluss auf das Klimageschehen h&auml;ngt vom Umfang dieser Emissionen ab. Laut einer Studie &uuml;ber die Klimawirkung der von Menschen verursachten&nbsp;<a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/aae018\">Dampfentweichungen<\/a>&nbsp;verbleiben sie allerdings weit unterhalb des nat&uuml;rlich produzierten Volumens, wie z. B. durch die Verdampfungsprozesse der Ozeane. Wobei die k&uuml;nftige H2-Dynamik einen noch unbekannten&nbsp;Faktor darstellt.<\/p><p><strong>Verschiedene wissenschaftliche Modelle und unterschiedliche Ergebnisse<\/strong><\/p><p>Offenbar hat man sich in der Wissenschaft noch nicht darauf geeinigt, welchen Prozentanteil die einzelnen Treibhausgase in der gesamten Atmosph&auml;re einnehmen, unabh&auml;ngig davon, ob sie nat&uuml;rlichen oder k&uuml;nstlichen Ursprungs sind, also vom Menschen verursacht. Das betrifft besonders die Konzentrationsmengen von CO\/CO2, deretwegen die Energiewirtschaft der Erde tiefgreifend ver&auml;ndert werden soll.<\/p><p>Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-022-35419-7\">Klimaeffekte von H2 sind indirekt<\/a>&nbsp;und daher mit gr&ouml;&szlig;erer Unsicherheit behaftet. In der Schlussbemerkung einer Studie warnen die Autoren: &bdquo;Wir sch&auml;tzen, dass die Unsicherheiten bei den Messungen etwa 40 Prozent f&uuml;r GWP100, 60 Prozent f&uuml;r GTP100 und 70 Prozent f&uuml;r GTP100 betragen. Diese typischen Unsicherheiten in den Berechnungsmodellen &uuml;bertragen sich direkt auf eine ebenso unsichere Kohlenstoffberechnung. Aus diesem Grund sind Atmosph&auml;renmodelle mit eingegrenzten Standardkriterien und ein zuverl&auml;ssiges Beobachtungsnetzwerk erforderlich, um sichere Sch&auml;tzungen des Klimanutzens von Wasserstoff zu erhalten.&rdquo;<\/p><p>Welches der verschiedenen Modelle dient als Grundlage f&uuml;r weitreichende umweltpolitische Entscheidungen in der Energiefrage?<\/p><p><em>Der Beitrag soll als Arbeits- und Diskussionsdokument dienen und richtet sich deshalb auch an Experten, die sich mit dem Thema besch&auml;ftigen. An sie geht die Bitte um Mithilfe bei der Kl&auml;rung der offenen Fragen.<\/em><\/p><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/266669\/energieversorgung-wasserstoff\">Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ GN.Studio<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98030\">Stimmen aus Lateinamerika: Gr&uuml;ner Wasserstoff, die neue falsche L&ouml;sung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102904\">Lateinamerika und die Galeeren des gr&uuml;nen Kapitalismus<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100512\">Chile: Die neokoloniale Seite der Energiewende<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/58ce212df9c4438480c2ef676b495f13\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wasserstoff wird als Schl&uuml;sselelement f&uuml;r die Energiewende angepriesen. 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