{"id":10660,"date":"2011-09-07T16:18:02","date_gmt":"2011-09-07T14:18:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10660"},"modified":"2014-09-10T13:02:17","modified_gmt":"2014-09-10T11:02:17","slug":"stellungnahme-zum-artikel-kritik-an-der-zinskritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10660","title":{"rendered":"Stellungnahme zum Artikel \u201eKritik an der Zinskritik\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie kaum anders zu erwarten, hat der Artikel <a href=\"?p=10530\">&bdquo;Kritik an der Zinskritik&ldquo;<\/a> bei einigen unserer Leser hohe Wellen geschlagen. Auf viele Mails bin ich direkt eingegangen, leider fehlt mir jedoch die Zeit, jede Mail einzeln zu beantworten. Daher habe ich mich entschlossen, noch einmal auf die am h&auml;ufigsten genannten Punkte einzugehen. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Charakter des Zinses<\/strong><\/p><p>Aus vielen Mails geht hervor, dass der Zins immer noch oft als etwas &bdquo;mystisches&ldquo; gesehen wird, das sich der konkreten Betrachtung entzieht. Dem ist nicht so. Pragmatisch gesehen ist der Zins nichts anderes als eine Geb&uuml;hr, deren H&ouml;he sich an bestimmten Faktoren ausrichtet. In diesem Punkt unterscheidet er sich kaum von der Miete (auch Mietzins genannt) oder der Leihgeb&uuml;hr f&uuml;r ein Auto. Auch bei der Miete zahlt man demjenigen, der einem etwas f&uuml;r einen bestimmten Zeitraum &uuml;berl&auml;sst, eine zuvor ausgehandelte Geb&uuml;hr. Niemand k&auml;me auf die Idee, Vermietern zu unterstellen, sie w&uuml;rden die Mieteinnahmen nicht dem Wirtschaftskreislauf hinzuf&uuml;gen. Es k&auml;me auch niemand auf die Idee, dass die Miete nicht aus dem eigenen Geld gezahlt werden kann, sondern zwingend zur Verschuldung f&uuml;hrt. Warum sollte das beim Kredit anders aussehen als bei der Miete? Immer wieder taucht in den Lesermails die Vorstellung auf, dass der Zinsabtrag entweder durch neue Kredite finanziert werden m&uuml;sse oder aber vom Kreditgeber dem Wirtschaftskreislauf entzogen w&uuml;rde. Beides ist jedoch bei n&auml;herer Betrachtung nicht haltbar. (Siehe weiter unten.)<\/p><p><strong>Zinseszins<\/strong><\/p><p>In vielen Mails wurde mir der Vorwurf gemacht, ich sei in meinem Artikel nicht hinreichend auf das &bdquo;Problem des Zinseszinses&ldquo; eingegangen. Dieses &bdquo;Problem&ldquo; ist jedoch nur dann ein &bdquo;Problem&ldquo;, wenn man sich die Argumentationsmuster der Zinseszinskritiker zu eigen macht. Auf Seite des Kreditgebers lie&szlig;e sich nur dann eine relevanter Zinseszinseffekt erzielen, wenn man bestimmte Faktoren wie das Ausfallrisiko, die Inflation und die Steuern komplett ausblendet und ferner unterstelle, dass der Kreditgeber, bzw. der Sparer, nie Kapital aus seinem Kreditvolumen abzieht. Das w&auml;re dann ein Pendant zum &bdquo;Josephspfennig&ldquo;, auf den ich schon in meinem Artikel ausf&uuml;hrlich eingegangen bin. Die Zins- bzw. Zinseszinskritiker blenden hierbei elegant den Faktor &bdquo;Risiko&ldquo; aus. Ist ein Kreditgeber risikoscheu, liegt sein Zinsgewinn ohnehin nur knapp &uuml;ber der Inflation, weshalb sich auch kein nennenswerter Zinseszinseffekt einstellen kann. Ist er risikofreudig, liegen seine Zinsgewinne im Erfolgsfall zwar weit &uuml;ber der Inflation &ndash; die Ausfallwahrscheinlichkeit ist jedoch ebenfalls erheblich gr&ouml;&szlig;er, weshalb es hier unredlich w&auml;re, dieses Risiko ganz einfach bei Seite zu wischen.<\/p><p>Noch geringer ist der Zusammenhang mit dem Zinseszins auf Seite des Kreditnehmers. Nur wenn man in die argumentative Trickkiste greift und unterstellt, dass Kredite a) nicht zur&uuml;ckgezahlt werden und b) die Zinskosten &uuml;ber neue Kredite bedient werden, die c) ebenfalls nicht zur&uuml;ckgezahlt werden, kommt &uuml;berhaupt erst in die Gelegenheit, aus Seite des Kreditnehmers so etwas wie einen Zinseszins auszumachen. F&uuml;r eine unterstellte &bdquo;Gesetzm&auml;&szlig;igkeit&ldquo; sind dies jedoch zu viele und vor allem zu realit&auml;tsferne Annahmen.<\/p><p><strong>Horten<\/strong><\/p><p>In vielen Antworten und Kommentaren zum meinem Artikel kam immer wieder das Argument vor, Geld, das nicht ausgegeben, sondern gespart w&uuml;rde, w&uuml;rde &bdquo;gehortet&ldquo; und damit der Volkswirtschaft entzogen. Dieses Argument l&auml;sst sich bereits bei der Betrachtung der regul&auml;ren Kreditvergabe widerlegen. Es ist zwar richtig, dass Banken ihre Kredite nicht ausschlie&szlig;lich aus den Kundeneinlagen vergeben &ndash; wenn man sich die <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/statistik\/bankenstatistik\/S131ATIMB2425.PDF\">Statistiken der Bundesbank [PDF &ndash; 25 KB]<\/a> anschaut, erkennt man jedoch, dass der Kreditsumme von 3.963 Milliarden Euro, die der deutsche Bankensektor an den Privat- und Unternehmenssektor vergeben hat, immerhin 3.206 Milliarden Euro an Einlagen aus diesen beiden Sektoren gegen&uuml;berstehen. <\/p><p>So berechtigt die Kritik an den zu laschen Mindestreserve- und Mindesteigenkapitalanforderungen auch sein mag &ndash; ein Blick auf die Zahlen der Bundesbank zeigt, dass auch heute noch die Kreditvergabe im Wesentlichen aus den Einlagen der Bankkunden vorgenommen wird. Wer seine Ersparnisse also nicht unter dem Kopfkissen versteckt, &bdquo;hortet&ldquo; sie auch nicht, sondern stellt sie &ndash; indirekt &uuml;ber den Bankensektor &ndash; Kreditnehmern und somit der Volkswirtschaft zur Verf&uuml;gung.<\/p><p><strong>Geld versus Verm&ouml;gen<\/strong><\/p><p>Sehr viele Einw&auml;nde der Kritiker beruhen auf dem simplen Denkfehler, Geld und Verm&ouml;gen gleichzusetzen. So wird oftmals die Geldmenge f&auml;lschlicherweise mit dem Volksverm&ouml;gen gleichgesetzt. Dieser Denkfehler l&auml;sst sich jedoch mit einem simplen Beispiel widerlegen. Wer ein komplett abgezahltes und nicht belastetes Haus besitzt, ist zweifelsohne im Besitz eines Verm&ouml;gensgegenstands. Dieses Haus findet sich jedoch in keiner Geldmengenberechnung wieder &ndash; es ist f&uuml;r die Notenbanken schlichtweg nicht existent. Erst wenn man dieses Haus beispielsweise als Sicherheit f&uuml;r einen Hypothekenkredit belastet, taucht sein Wert pl&ouml;tzlich auch in der Geldmengenstatistik auf. Am n&auml;chsten Tag ist dann die Geldmenge um den Betrag dieses Kredites gewachsen. Selbstverst&auml;ndlich hat diese Transaktion jedoch nichts am Verm&ouml;gen ge&auml;ndert. <\/p><p><strong>Umlaufgeb&uuml;hr<\/strong><\/p><p>Einige Leser, die offensichtlich Anh&auml;nger der &bdquo;Freiwirtschaft&ldquo; sind, wiesen mich darauf hin, dass nicht der Zins, sondern die positive Zinsrate &bdquo;das Problem&ldquo; sei. Abhilfe w&uuml;rde demnach eine Umlaufgeb&uuml;hr schaffen, die das &bdquo;Horten&ldquo; von Geld durch eine periodische Abwertung bestraft.<\/p><p>Ich gebe gerne zu, dass ich derlei Argumentation noch nicht einmal im Ansatz nachvollziehen kann. Worin besteht der Unterschied einer solchen Umlaufsicherung zu der vorhandenen Inflation? Warum soll eine Umlaufsicherung die Menschen davon abhalten, Geld zu &bdquo;horten&ldquo;? Wer sein Geld dem Kreislauf entzieht, muss auch heute mit einer Entwertung dieses Geldes rechnen &ndash; nur halt nicht absolut, sondern relativ. In die gleiche Kategorie sind Leseranmerkungen einzuordnen, die den Zins deshalb verbieten wollen,  weil eine konstante Geldmenge und ein konstanter Wert des Geldes anzustreben sei. Warum sollte so etwas anzustreben sein? Wenn eine konstante Geldmenge einer wachsenden G&uuml;termenge gegen&uuml;bersteht, f&uuml;hrt dies zwangsl&auml;ufig zu Deflation mit all ihren negativen Folgen, die sich vor allem negativ auf die Kreditvergabe auswirken w&uuml;rden, weil das Risiko, dass die Kredite sich nicht amortisieren gr&ouml;&szlig;er w&uuml;rde. G&auml;be es Deflation und keine Zinsen, w&auml;re es n&auml;mlich tats&auml;chlich vorteilhafter, sein Geld zu &bdquo;horten&ldquo;. <\/p><p><strong>Antisemitismusvorwurf<\/strong><\/p><p>Es ist nicht der Fall, dass ich meinem Artikel Zinskritiker pauschal in eine antisemitische Ecke stelle. Im Artikel schreibe ich &ndash; in einem einzigen kleinen Nebensatz -, dass Zinskritik oft mit einem antisemitischen Grundton durchmischt sei. Ich wundere mich, dass sich einige Leser an dieser Aussage reiben, ist es doch kein gro&szlig;es Geheimnis, dass antisemitische Machwerke wie Gottfried Feders &bdquo;Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft&ldquo; sich auch heute noch in vielen Foren gro&szlig;er Beliebtheit erfreuen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/25b8bd5087994ad08777b34ce68e2f26\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kaum anders zu erwarten, hat der Artikel <a href=\"?p=10530\">&bdquo;Kritik an der Zinskritik&ldquo;<\/a> bei einigen unserer Leser hohe Wellen geschlagen. Auf viele Mails bin ich direkt eingegangen, leider fehlt mir jedoch die Zeit, jede Mail einzeln zu beantworten. Daher habe ich mich entschlossen, noch einmal auf die am h&auml;ufigsten genannten Punkte einzugehen. 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