{"id":106655,"date":"2023-11-13T13:20:51","date_gmt":"2023-11-13T12:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106655"},"modified":"2023-11-13T13:20:51","modified_gmt":"2023-11-13T12:20:51","slug":"leserbriefe-zu-der-fall-des-talkshowphilosophen-wer-wird-denn-da-von-cancel-culture-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106655","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eDer Fall des Talkshowphilosophen \u2013 wer wird denn da von Cancel Culture sprechen?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106157\">In diesem Beitrag<\/a> hinterfragt Jens Berger den Umgang mit dem Bestsellerautor und Talkshowphilosophen Richard David Precht. Der habe sich &bdquo;mit einem medienkritischen Buch angreifbar gemacht und nun hat ihn ein lapidar dahingesagter &ndash; inhaltlich falscher &ndash; Satz &uuml;ber das orthodoxe Judentum ins Zentrum der Cancel Culture bef&ouml;rdert&ldquo;. Angeblich gebe es jedoch keine Cancel Culture in Deutschland. Wir danken f&uuml;r die interessanten Leserbriefe. Hier nun eine Auswahl. <strong>Christian Reimann<\/strong> hat sie f&uuml;r Sie zusammengestellt.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<br>\nliebe Nachdenkseiten-Redaktion,<\/p><p>jetzt b&ouml;te sich f&uuml;r Markus Lanz die einmalig g&uuml;nstige Gelegenheit, eine eventuell vorhandene demokratische Gesinnung nicht nur vorzugeben, sondern auch demgem&auml;&szlig; zu handeln, um so ein wenig Ausgleich zu schaffen f&uuml;r seine undemokratischen Verfehlungen in seinem Job als Moderator . Obgleich es schwierig sein d&uuml;rfte, Lanzens gef&uuml;hlt jahrzehntelang vor Selbstherrlichkeit strotzende Selbstdarstellungen mit Nachsicht zu begegnen . Ehrlich gesagt bezweifele ich stark, da&szlig; Lanz seinem Gespr&auml;chsfreund R.D. Precht beist&uuml;nde angesichts einer m&ouml;glichen Gef&auml;hrdung seiner Karriere.<\/p><p>Eigentlich geh&ouml;rt dieses Schreiben direkt an Lanz und\/oder ZDF gerichtet ( formal abge&auml;ndert).&nbsp; Aber dort wird es niemand lesen , sondern gleich gel&ouml;scht.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nIselin Boit<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<br>\n&nbsp;<br>\nes gibt Grund zu der &Uuml;berlegung, ob der Begriff &ldquo;Cancel Culture&rdquo; zutreffend oder verharmlosend ist. Denn es geht den herrschenden politischen Kr&auml;ften nicht nur um die Zur&uuml;cknahme oder L&ouml;schung missliebiger &Auml;u&szlig;erungen im &ouml;ffentlichen Raum. Vielmehr geht es, wie Sie anhand des Falls von Richard David Precht darstellen, um die Ausschaltung von Dissidenten. Aber damit nicht genug des &Uuml;bels. Wie die Repressalien der Corona-Phase gezeigt haben, geht es auch um Verhaltenssteuerung im privaten, sogar im h&ouml;chstpers&ouml;nlichen Bereich: Die von CDUCSUSPDFDPGR&Uuml;NENLINKEN eingebrachten bzw. unterst&uuml;tzten Gesetzentw&uuml;rfe zur Einf&uuml;hrung der so genannten Impfpflicht bezweckten den Entzug der Verf&uuml;gung des Individuums &uuml;ber den eigenen K&ouml;rper. Aber auch damit nicht genug! Wie der Fall des Fu&szlig;ballspielers Joshua Kimmich und des Vorsitzenden der Partei &ldquo;Freie W&auml;hler&rdquo; zeigten, wollen die herrschenden politischen Kr&auml;ften nicht nur Meinungen verbieten, Dissidenten ausschalten und Verhaltenssteuerung erzwingen; sie wollen von ihren Opfern auch Schuldbekenntnisse h&ouml;ren! Kimmich sollte &ouml;ffentlich bekennen, dass seine Ansicht zur so genannten Impfung falsch war. Aiwanger sollte sogar Schuld bekennen f&uuml;r einen Jahrzehnte zur&uuml;ckliegenden Vorfall, f&uuml;r den er selbst &uuml;berhaupt nicht verantwortlich war. Das alles ist mit dem Wort &ldquo;Cancel Culture&rdquo; unzutreffend beschrieben. Die beschriebenen politischen Methoden sind historisch betrachtet allerdings nicht neu. Sie alle wurden bereits von Stalin und seinen Gefolgsleuten seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bis zum Tod des Diktators angewandt. &Uuml;brigens wollte man damals auch angeblich die demokratische und soziale Gesellschaft verwirklichen. Der zutreffende, allgemeing&uuml;ltige Begriff zur Beschreibung der herrschenden politischen Methoden ist also nicht &ldquo;Cancel Culture&rdquo;, sondern Totalitarismus.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nHae-Joo Chang<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger, sehr geehrtes Nachdenkseiten-Team, sehr geehrte Leser*innen,<\/p><p>dass man dieser Tage sehr vorsichtig sein muss, was man sagt und sehr schnell Gefahr l&auml;uft, in eine Ecke gestellt zu werden, in die man nicht geh&ouml;rt, ist offensichtlich. Zum Beispiel ist gerade im Kulturbereich die Selbstbeschr&auml;nkung leider der Normalfall, weil sich alle Akteure bewusst sind, dass ihnen jederzeit die F&ouml;rdermittel gestrichen werden k&ouml;nnen. Das ist ein gro&szlig;es Dilemma, weil es meines Erachtens die Rolle des Kulturbereichs ist, differenzierte und vertiefende Diskurse zu erm&ouml;glichen.<\/p><p>Der Fall Richard David Precht hat bei mir allerdings viele Fragen aufgeworfen.<\/p><p>Ich gehe nicht davon aus, dass Richard David Precht ein Antisemit ist, also jemand, der dem Judentum oder j&uuml;dischen Menschen grunds&auml;tzlich mit Feindseligkeit begegnet. Was also ist da passiert?<\/p><p>Als reflektiertem Menschen, der an prominenter Stelle Diskurse anregt, muss ihm eigentlich klar gewesen sein, dass, gerade jetzt, jegliche &Auml;u&szlig;erung in Bezug auf j&uuml;dische Menschen, die in irgendeiner Weise diskreditierend ist, zum Eklat f&uuml;hren muss. Sollte man nicht besser informiert sein, wenn man &ouml;ffentlich seine Gedanken zu einem (so heiklen) Thema kundtut?<\/p><p>Bei einer Person, die im Rampenlicht der &Ouml;ffentlichkeit steht, wiegt ein solcher Fauxpas schwer.<br>\nIch frage mich, wie es dazu kommen konnte.<\/p><p>Muss man nicht eigentlich von einem &bdquo;medial sehr pr&auml;senten Philosophen&ldquo; erwarten, dass er wei&szlig;, wovon er spricht? Hat ein Mensch, der im Licht der &Ouml;ffentlichkeit steht und Millionen Zuh&ouml;rer*innen erreicht, nicht eine besondere Verantwortung?<\/p><p>In Ihrem Beitrag, Herr Berger, schreiben Sie:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Da kam den Leitartiklern nat&uuml;rlich eine Falschaussage Prechts zum Thema &bdquo;Judentum&ldquo; sehr gelegen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mag sein, dass der Fauxpas den Leitartiklern sehr gelegen kam. Aber wer sich heutzutage &ouml;ffentlich zu heiklen Themen &auml;u&szlig;ert, der m&uuml;sste eigentlich wissen, dass die Meute schon in den Startl&ouml;chern steht, um eine kritisch reflektierende Stimme auszuschalten.<\/p><p>Zu meinem gro&szlig;en Bedauern und Verwundern hat es David Richard Precht seinen Kritikern sehr leicht gemacht. Das d&uuml;rfte ihn schmerzen. Ihn selbst und auch die Menschen, die sich solche Podcasts anh&ouml;ren, weil sie daran interessiert sind, ein Thema aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.<\/p><p>Der Fall Precht sieht f&uuml;r mich wie ein Fall von Selbst-Sabotage aus. Er f&auml;llt damit in meinen Augen auch nicht in die Kategorie &bdquo;Cancel Culture&ldquo;. Hier wird ja nicht jemand an den Pranger gestellt, weil er eine dem g&auml;ngigen Narrativ widersprechende Meinung &auml;u&szlig;ert.<\/p><p>David Richard Precht hat sich in meinen Augen zweifellos selbst diskreditiert. Das macht ihn nicht zu jemandem, den man von nun an aus den Diskursen ausschlie&szlig;en muss. Aber durch Aussagen, die nicht haltbar sind, wird Vertrauen verspielt.<\/p><p>Und noch einmal:<\/p><p>Was ist da passiert? Welche Emotionen sind da getriggert worden? Und was liegt dem zugrunde?<br>\nWieso macht ein intelligenter Mensch, ein medial pr&auml;senter Philosoph, einen so schwerwiegenden Fehler?<\/p><p>Das ist es, was ich in diesem Kontext so bemerkenswert finde und was mich vor allem besch&auml;ftigt.<\/p><p>Michaela Kirschning<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>an diesem Artikel sieht man, wie weit der &bdquo;Normale Faschismus&ldquo; in die Gesellschaft eingedrungen ist.<br>\n&nbsp;<br>\nNat&uuml;rlich darf man in &bdquo;diesem unseren Land, wo wir alle gerne leben, aber Frieren und Hungern m&uuml;ssen, dazu H&ouml;here Beitr&auml;ge zur Kranken-Versicherung, Lebenshaltungskosten, Mieten usw. zahlen m&uuml;ssen&ldquo;, w&auml;hrend Ukrainische Fl&uuml;chtlinge hier bevorzugt behandelt werden. Warum erschlie&szlig;t sich mir nicht.<br>\n&nbsp;<br>\nWarum nehmen die USA und Grossbritannien keine von diesen Fl&uuml;chtlingen auf ?<br>\nWeil es die Deutschen sehr gerne tun&nbsp; .&nbsp; .&nbsp; .&nbsp; so wie 2015 unter &bdquo;Mutter Blamage&ldquo;!<br>\n&bdquo;Weil wir schaffen das&nbsp;&nbsp; .&nbsp;&nbsp; .&nbsp;&nbsp; .&nbsp;&nbsp; lach&nbsp;&nbsp; .&nbsp;&nbsp; .&nbsp;&nbsp; . oder besser wir Deppen!<\/p><p>Die Politisch Verantwortlichen geben gerne Unsere Steuergelder aus und sonnen sich in der Sonne der Claqueure !<br>\n&nbsp;<br>\nSagen d&uuml;rfen wir in der &bdquo;Bananen Republik Deutschland&ldquo; = BRD wirklich alles&nbsp; .&nbsp; .&nbsp; .<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nur nicht laut und an die Falschen Leute adressiert!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Aber viel wichtiger ist der &bdquo;Aspekt der Angst und Unsicherheit&ldquo;&nbsp; .&nbsp; .&nbsp; .&nbsp; ein Zustand der zu paranoiden Verschw&ouml;rungstheorien f&uuml;hrt.<\/p><p>Die Momentaufnahme zeigt, es werden Leute, die ihre Meinung sagen und schreiben denunziert und aus ihren Berufen\/ Anstellungen geschmissen.<br>\n&nbsp;<br>\nSo etwas wird Diktaturen unterstellt, aber doch nicht in der BRD angewendet.<br>\nSch&ouml;n w&auml;re es !<br>\n&nbsp;<br>\nDie Frage, ob Precht als auch seinen Gespr&auml;chspartner, den &bdquo;Katholischen Internatssch&uuml;ler &amp; Freund so manchem ATLANTIK-BR&Uuml;CKEN Kollegen&ldquo; Markus Lanz verliert, kann nicht abschliessend beantwortet werden. W&auml;re aber kein gro&szlig;er Verlust !<br>\n&nbsp;<br>\nDie Ausreden stapeln sich aber bereits zuhauf, wie die der &bdquo;Kulturfabrik Kampnagel&ldquo;, eine einfache, an die fr&uuml;he NS-Zeit erinnernde, Ausrede.<br>\n&nbsp;<br>\nAber so sieht, h&ouml;rt und liest jeder Mensch &bdquo;in diesem, unserem Land, wie wunderbar das Leben sein kann, wenn man die Schnauze h&auml;lt und still und leise in den eigenen W&auml;nden am System zugrunde geht.&ldquo;<br>\n&nbsp;<br>\nM&nbsp; f&nbsp; G<br>\nB. Schroeder<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>ich habe den Artikel &raquo;Der Fall des Talkshowphilosophen &ndash; wer wird denn da von Cancel Culture sprechen?&laquo; mit Interesse gelesen. Ich halte Ihre Formulierungen, die seine Honorarprofessur betreffen, allerdings f&uuml;r unzutreffend:&nbsp;<\/p><p>&raquo;Seine Honorarprofessur musste er schon niederlegen &hellip; &laquo; bzw. &raquo;&hellip; seine Honorarprofessur an der L&uuml;neburger Leuphana Universit&auml;t musste Precht bereits nach &rsaquo;Protesten&lsaquo; des dortigen Studierenden-Parlaments niederlegen.&laquo;<\/p><p>Er ist von selbst zur&uuml;ckgetreten, was auch der von Ihnen zitierte Beitrag aus der SZ belegt:<\/p><blockquote><p>\n&raquo;Der Bestsellerautor und ZDF-Philosoph Richard David Precht tritt nach Antisemitismus-Vorw&uuml;rfen mit sofortiger Wirkung von seiner Honorarprofessur an der Leuphana-Universit&auml;t L&uuml;neburg zur&uuml;ck. &rsaquo;Die Universit&auml;tsleitung&lsaquo;, so ein Sprecher, &rsaquo;respektiert diese Entscheidung und dankt Herrn Precht f&uuml;r sein gro&szlig;es Engagement und seine &uuml;ber viele Jahre hinweg f&uuml;r die Universit&auml;t geleistete Arbeit.&lsaquo;&laquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die steigende Tendenz, Leute &raquo;canceln&laquo; zu wollen, sehe ich auch. Gleichzeitig sehe ich zwei weitere Ph&auml;nomene: Einige kleben noch fester in ihren Sesseln, und einige knicken noch schneller ein. Letzteres scheint mir bei Precht der Fall zu sein.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nThomas Kubo<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Redaktion.<\/p><p>Mir fehlt in dem Artikel der Hinweis auf die religi&ouml;se Sozialhilfe zur Unterst&uuml;tzung der rechtgl&auml;ubigen Lebensweise in Israel.<\/p><p>Ein Blick in Wikipedia:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;In Israel stellen die Charedim gesch&auml;tzt bis zu 15 Prozent der Bev&ouml;lkerung.[5] Allerdings verl&auml;sst seit den 2010er Jahren eine wachsende Zahl junger Erwachsener, so genannte &bdquo;XOs&ldquo; (Ex-Orthodoxe), die ultraorthodoxen Gemeinden, nicht zuletzt weil die bisherige Abschottung der Charedim von der s&auml;kularen israelischen Gesellschaft sich in Zeiten des Internets nicht mehr wie gewohnt durchsetzen l&auml;sst.[6] Demgegen&uuml;ber nehmen auch s&auml;kulare oder gem&auml;&szlig;igt religi&ouml;se j&uuml;dische Israelis den ultraorthodoxen Lebensstil an, so genannte &bdquo;Chosrim beTschuvah&ldquo; (Zum Judentum Zur&uuml;ckkehrende).<\/p>\n<p>Berufst&auml;tigkeit<\/p>\n<p>In Israel gehen weniger als 50 Prozent der charedischen j&uuml;dischen M&auml;nner (Stand 2015)[8] einer regul&auml;ren Arbeit nach, sondern verbringen ihre Zeit offiziell ausschlie&szlig;lich in einer religi&ouml;sen Lehranstalt, der Jeschiwa, mit dem Studium der religi&ouml;sen Schriften, vor allem Tanach und Talmud. Sie werden in der Regel vom Staat finanziell unterst&uuml;tzt. Dagegen sind &uuml;ber 65 Prozent der Frauen berufst&auml;tig, die mitunter eine bessere Berufsausbildung haben als die theologische Studien betreibenden M&auml;nner.<\/p>\n<p>Etwa 53 Prozent der ultraorthodoxen israelischen Juden lebten 2018 nach Zahlen des israelischen Zentralb&uuml;ros f&uuml;r Statistik unter der Armutsgrenze. Gr&uuml;nde daf&uuml;r sieht das Haredim-Institut f&uuml;r &Ouml;ffentliche Angelegenheiten in der ultraorthodoxen Lebensweise, in der Geld und der wirtschaftliche Status einen eher geringen Stellenwert haben. Die Hauptgr&uuml;nde f&uuml;r das niedrige Pro-Kopf-Einkommen sind die verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig niedrige Besch&auml;ftigungsrate, das religi&ouml;s dominierte Bildungssystem, das junge Heiratsalter sowie die gro&szlig;en Familien.[13]&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Leute haben keine Zeit, Arbeiten zu gehen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In seinen Artikeln f&uuml;hrt er [Kowner, um 1871] die armselige Lage der Juden [in Ru&szlig;land] auf ihren religi&ouml;sen Asketismus und auf jenen theologischen Geist zur&uuml;ck, der ihr schwieriges Dasein g&auml;nzlich durchdringe. &bdquo;Ein Zug, der allein der j&uuml;dischen Masse eigen ist, besteht darin, da&szlig; sie mehr im k&uuml;nftigen als im gegenw&auml;rtigen Leben steht. Die sichtbare Welt als solche hat f&uuml;r den frommen Juden gar keine Bedeutung. Nach der Lehre der hebr&auml;ischen Weisen stellt diese Welt nichts anderes dar, als den Vorraum, der in die Gem&auml;cher des k&uuml;nftigen Lebens f&uuml;hrt. Auf solche Weise hat das Leben der &uuml;berwiegenden Mehrheit der Juden bis auf den heutigen Tag keinen festen, realen Boden unter den F&uuml;&szlig;en und ist nur von der k&uuml;nftigen Welt durchdrungen. Bei ihrer ganzen irdischen Gesch&auml;ftigkeit ist die j&uuml;dische Masse mit ihrer ganzen eigenartigen T&auml;tigkeit, sind alle ihre seelischen Bestrebungen nur darauf gerichtet, sich einen s&uuml;ndelosen Geist innerhalb des s&uuml;ndigen Leibes zu bewahren. [&hellip;] Die Masse unterwirft sich nat&uuml;rlich &auml;hnlichen Foltern [der Armut] nicht, sie empfindet aber nichtsdestoweniger f&uuml;r solche Asketen die gr&ouml;&szlig;te Sympathie und Andacht und befreit sie von allen Existenzsorgen, indem sie sie auf ihre Kosten erh&auml;lt.&ldquo; [&hellip;] &bdquo;Der Geist der Askese&ldquo;, &hellip;, hat in den nordwestlichen und zum Teil in den s&uuml;dwestlichen Kreisen die bemerkenswerte Erscheinung hervorgerufen, da&szlig; fast alle j&uuml;dischen Frauen in diesen Gegenden im h&ouml;chsten Grade tatkr&auml;ftig sind, w&auml;hrend die M&auml;nner die Rolle von Drohnen spielen [&hellip;]; &hellip; mit einem Wort, sie stellen den lebendigsten Kern von Handel und Gewerbe im Lande dar. Indessen sitzen ihre M&auml;nner in den Beth&auml;usern hinter Talmudfolianten und besch&auml;ftigen sich, au&szlig;er mit dem Studium dieser B&uuml;cher, mit gar nichts. Und alles das kommt daher, da&szlig; die Frauen, den j&uuml;dischen Gesetzen gem&auml;&szlig;, mit religi&ouml;sen Satzungen nicht so &uuml;berlastet werden wie die M&auml;nner, weshalb sich jene um die materiellen Dinge k&uuml;mmern, und diese, indem sie die religi&ouml;sen Forderungen strenge erf&uuml;llen, das zur Erlangung der G&uuml;ter in der k&uuml;nftigen Welt unumg&auml;nglich notwendige Material vorbereiten. Dadurch bildet sich zwischen j&uuml;dischen Ehegatten eine besondere Art von Assoziation; der Mann k&uuml;mmert sich um das Leben des Geistes, die Frau um die leibliche Existenz, in jener anderen Welt jedoch sollen beide Eheh&auml;lften in gleicher Weise des verdienten Lohnes teilhaftig werden &hellip;&ldquo; (Abraham (&bdquo;Albert&ldquo;) Urija Kowner)&ldquo; (in: Leonid Gro&szlig;mann, Die Beichte eines Juden in Briefen an Dostojewski, Herausgegeben von Ren&eacute; F&uuml;l&ouml;p-Miller und Friedrich Eckstein, Piper &amp; Co. Verlag, M&uuml;nchen 1927, S. 52 ff.)\n<\/p><\/blockquote><p>Es gibt also eine Tradition der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2023-05\/isreal-gelder-orthodoxe-juden-proteste\">&ldquo;Erwerbslosigkeit&rdquo;<\/a>.<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Tausende Israelis protestieren gegen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Ultraorthodoxe<\/p>\n<p>Israels Regierung will nicht arbeitende ultraorthodoxe M&auml;nner finanziell st&auml;rker f&ouml;rdern. Kritiker werfen der Koalition vor, die Staatskasse zu pl&uuml;ndern.<\/p>\n<p>24. Mai 2023,<\/p>\n<p>[&hellip;] Am Montag hatte Netanjahu angek&uuml;ndigt, der Haushaltsentwurf sehe eine Summe von umgerechnet 62 Millionen Euro vor, die verheirateten ultraorthodoxen M&auml;nnern zugutekommen solle, die anstelle einer Erwerbst&auml;tigkeit religi&ouml;se Studien betreiben.<\/p>\n<p>Die Vereinbarung wurde in letzter Minute mit dem Koalitionspartner Vereinigtes Tora-Judentum getroffen, um dessen Zustimmung zum Haushalt sicherzustellen. &hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Hat Precht daran gedacht?<\/p><p>bis dann<br>\nholger blank<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>bez&uuml;glich der Falschaussage des Fernsehphilosophen Precht kl&auml;rt uns die &bdquo;Jewish Virtual Library&ldquo; auf:<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.jewishvirtuallibrary.org\/ultra-orthodox-jewish-community-in-israel-facts-and-figures#google_vignette\">jewishvirtuallibrary.org\/ultra-orthodox-jewish-community-in-israel-facts-and-figures#google_vignette<\/a><\/p><p>&gt;&gt; Besch&auml;ftigung<\/p><p>Im Jahr 2021 liegt die Besch&auml;ftigungsquote bei ultraorthodoxen M&auml;nnern bei 51 % und bei ultraorthodoxen Frauen bei 81 %, gegen&uuml;ber 87 % und 83 % bei anderen Juden. Von 2009 bis 2018 ist der Anteil der ultraorthodoxen M&auml;nner, die im Bildungsbereich arbeiten, von 31 % auf 27 % zur&uuml;ckgegangen, w&auml;hrend der Anteil der im Handel t&auml;tigen M&auml;nner von 11 % im Jahr 2009 auf 14 % im Jahr 2018 gestiegen ist. Bei den ultraorthodoxen Frauen war der R&uuml;ckgang des Anteils der Besch&auml;ftigten im Bildungsbereich st&auml;rker &ndash; von 57 % im Jahr 2009 auf 40 % im Jahr 2018. &lt;&lt;\n\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en\nChristoph Swoboda\n\n\n\n<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>besonders sympathisch war mir der Precht nie, als er noch Medienliebling war. Aber da ist offenbar aus einem Saulus ein Paulus geworden. Man soll also die Hoffnung nie aufgeben, was Deutschland betrifft. Wenn ich dann allerdings lese:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/richard-david-precht-honorar-professur-lueneburg-abgabe-1.6292453?utm_source=facebook&amp;utm_medium=bot_content&amp;utm_campaign=6292453&amp;fbclid=IwAR3w2hNw7MrjuxeeCVg4qYQrME7J_s_As9Qri1PR54_cjoYmE3GQTAImE_U\">&hellip; nach &bdquo;Protesten&ldquo; des dortigen Studierenden-Parlaments &hellip;<\/a>&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>dann ist die Hoffnung schon wieder dahin. Ich lach mich schimmelig! Zu meiner Zeit hie&szlig; das Studentenrat oder so &auml;hnlich. &ldquo;Studierende&rdquo;, die haben doch alle ein Rad ab. Nein, alle vier!<\/p><p>Dieses Land hat sich im Wahnsinn verirrt. Ich hoffe aber, nur die sogenannte &ldquo;Elite&rdquo;. Darf ich noch ein paar S&auml;tze von Ihnen zitieren, denen ich voll zustimme:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Das muss man sich mal vorstellen.&rdquo; &ndash; &ldquo;Es ist der schiere Wahnsinn.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Vielleicht hat der Wahnsinn ja einen Zweck. Dann merkt man es nicht so, wenn der &ldquo;Zirkus&rdquo; brennt. Georg Kreisler reimte:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Als der Zirkus in Flammen stand<br>\nIst auch ein Vogel Strau&szlig; verbrannt<br>\nDenn der gute Vogel tauchte<br>\nW&auml;hr&rsquo;nd sein Hinterteil schon rauchte<br>\nSeinen Kopf standhaft in den Sand&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Was ganz aktuelles zum &ldquo;brennender Zirkus&rdquo;. Rainer Rupp. der zur Zeit des Kalten Kriegs an den &Uuml;bungen der NATO zum Atomkrieg gegen die Sowjetunion beteiligt war, hat k&uuml;rzlich eine Einsch&auml;tzung &uuml;ber die Gefahr eines Atomkriegs im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg verfasst. Fazit: Der Erstschlag kommt von den USA. Sie werden vermeiden, mit Atomraketen direkt auf Russland&nbsp; zu zielen. In der Hoffnung, dass der Atomkrieg dann auf Europa begrenzt wird. Und wer sitzt mitten drin und hat Ziele erster Priorit&auml;t (Ramstein)? Deutschland!<\/p><p>Wir sind wieder da, wo Wolfgang Neuss schon 1966 war:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Was machen Sie, wenn der Atomkrieg ausbricht? &ndash; Ich h&uuml;lle mich ein ein wei&szlig;es Bettlaken und gehe gem&auml;chlich zum Friedhof. &ndash; Warum gem&auml;chlich? &ndash; Damit keine Panik ausbricht!&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Blo&szlig; nicht dran denken! Dann lieber Cancel Culture. Und der ganze andere Mist.<\/p><p>Herzlichen Gru&szlig; an Sie und die anderen Aufrechten bei den NachDenkSeiten,<br>\nRolf Henze<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106157\">In diesem Beitrag<\/a> hinterfragt Jens Berger den Umgang mit dem Bestsellerautor und Talkshowphilosophen Richard David Precht. 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