{"id":106675,"date":"2023-11-14T10:00:14","date_gmt":"2023-11-14T09:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106675"},"modified":"2023-11-15T07:58:36","modified_gmt":"2023-11-15T06:58:36","slug":"general-a-d-kujat-zur-aktuellen-ampel-regierung-das-ist-keine-politik-sondern-fanatismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106675","title":{"rendered":"General a. D. Kujat zur aktuellen Ampel-Regierung: \u201eDas ist keine Politik, sondern Fanatismus\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In einem aktuellen Interview rechnet Harald Kujat, fr&uuml;herer Bundeswehr-Generalinspekteur und ehemaliger Vorsitzender des NATO-Milit&auml;rausschusses, hart mit der westlichen Politik im Ukraine-Konflikt ab. Seine Kritik gilt insbesondere der bundesdeutschen Politik. Aus seiner Sicht h&auml;tte der Krieg in der Ukraine verhindert und nach seinem Ausbruch schnell beendet werden k&ouml;nnen. Von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9653\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-106675-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231114_General_a_D_Kujat_zur_aktuellen_Ampel_Regierung_Das_ist_keine_Politik_sondern_Fanatismus_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231114_General_a_D_Kujat_zur_aktuellen_Ampel_Regierung_Das_ist_keine_Politik_sondern_Fanatismus_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231114_General_a_D_Kujat_zur_aktuellen_Ampel_Regierung_Das_ist_keine_Politik_sondern_Fanatismus_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231114_General_a_D_Kujat_zur_aktuellen_Ampel_Regierung_Das_ist_keine_Politik_sondern_Fanatismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=106675-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231114_General_a_D_Kujat_zur_aktuellen_Ampel_Regierung_Das_ist_keine_Politik_sondern_Fanatismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231114_General_a_D_Kujat_zur_aktuellen_Ampel_Regierung_Das_ist_keine_Politik_sondern_Fanatismus_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es gibt die einen, die den Krieg wollen, es gibt die anderen, die den Krieg nicht verhindern wollen. Und es gibt diejenigen, die den Krieg nicht verhindern k&ouml;nnen. Jetzt k&ouml;nnen Sie sich selbst aussuchen, wer zu welcher Kategorie geh&ouml;rt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So fasst der ehemalige Vorsitzende des NATO-Milit&auml;rausschusses, General a. D. Harald Kujat, in einem am 5. November ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ws0wX6ZTjkk&amp;t=855s\">Interview<\/a> mit dem Fachportal f&uuml;r Finanzkapitalanalyse <em>HKCM<\/em> zusammen, warum der Krieg in der Ukraine trotz riesiger Verluste weitergeht. Kujat war unter anderem Generalinspekteur der Bundeswehr.<\/p><p>Sein Gespr&auml;chspartner, HKCM-Mitgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Philip Hopf, verweist auf die in den letzten Jahren einseitig gewordene Berichterstattung und die oftmals empfindlichen Reaktionen, wenn eine kontr&auml;re Stimme erscheint. Er kritisiert die Politiker, &bdquo;die den Nimbus hatten, f&uuml;r den Frieden zu stehen und jetzt voll in die Eskalation reingehen, w&auml;hrend sie gleichzeitig nicht das Hintergrundwissen haben, um das &uuml;berhaupt einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen, was das eigentlich bedeutet&ldquo;.<\/p><p><strong>Fanatismus statt Politik<\/strong><\/p><p>Kujat, einst rangh&ouml;chster Soldat Deutschlands, sieht das Problem darin, &bdquo;dass wir Menschen in der Politik haben, die aus mangelnder Kompetenz, aber auch aus Ignoranz heraus diese Politik seit dem letzten Regierungswechsel betreiben&ldquo;. Ihn haben die Reaktionen und die Einstellung von Teilen der Politik und Gesellschaft zum Krieg in der Ukraine nicht &uuml;berrascht. Eher hat ihn diese Entwicklung entt&auml;uscht: &bdquo;vor allen Dingen der Fanatismus, mit dem diese Politik betrieben wird, mit Scheuklappen, ohne nach links und rechts zu schauen&ldquo;. Diese Politik nimmt aus seiner Sicht keine R&uuml;cksicht auf das Wohlergehen der eigenen Bev&ouml;lkerung und l&auml;sst au&szlig;er Acht, welche Konsequenzen sie f&uuml;r die ukrainische Bev&ouml;lkerung hat, die unter diesem Krieg leidet. All das werde mit dem Satz verbr&auml;mt: Die Ukraine muss gewinnen. &bdquo;Das ist keine Politik. Das ist Fanatismus.&ldquo;<\/p><p>Damit wird laut dem Ex-General alles &uuml;ber Bord geworfen, &bdquo;was wir aus unserer Geschichte gelernt und in den letzten Jahrzehnten aus dieser Erfahrung heraus in unserer Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik angewendet haben&ldquo;. Diese Politik ist unverantwortlich, so Kujat.<\/p><p>Er ist davon &uuml;berzeugt, dass der Krieg in der Ukraine h&auml;tte verhindert werden k&ouml;nnen. Er erinnert an das &bdquo;sehr massive, sehr fordernde&ldquo; Papier der russischen Regierung am 17. Dezember 2021 an die Vereinigten Staaten und an die NATO. Im Kern ist es darum gegangen, auf Entwicklungen einzugehen, die aus russischer Sicht den Frieden gef&auml;hrdeten. Der Westen beziehungsweise einige NATO-Staaten waren laut Kujat nicht bereit, dar&uuml;ber zu sprechen. &bdquo;H&auml;tte man das getan, h&auml;tte man zumindest den Versuch unternommen, den Krieg zu verhindern.&ldquo; Selbst das sei ja nicht mit der n&ouml;tigen Ernsthaftigkeit geschehen, kritisiert er.<\/p><p><strong>Nicht gewollter Frieden<\/strong><\/p><p>Der Krieg h&auml;tte auch nach gut sechs Wochen beendet werden k&ouml;nnen, erkl&auml;rt Kujat weiter und weist auf die vom t&uuml;rkischen Pr&auml;sidenten initiierten Verhandlungen Anfang April 2022 hin, &bdquo;die ein sehr gutes Ergebnis erzielt haben&ldquo;. Der Vertrag sei aber auf Druck des Westens nicht unterschrieben worden. Das sei der Ursprung aller Entwicklungen: die vielen Toten danach auf der ukrainischen Seite, aber auch die Zerst&ouml;rung des Landes, sagt Kujat, der in seiner Dienstzeit auch Vorsitzender der NATO-Ukraine-Kommission war.<\/p><p>Im Augenblick bietet sich wieder eine Chance, die beiden Kontrahenten an den Verhandlungstisch zu bringen, erkl&auml;rt Kujat, da die wetterbedingte Schlammperiode in der Ukraine einsetzt. Dadurch wird der Krieg gerade entschleunigt, bis voraussichtlich Anfang Dezember wird es nicht m&ouml;glich sein, mit mechanisierten Kr&auml;ften einzugreifen. &bdquo;Aber die Entscheidung daf&uuml;r f&auml;llt nicht in Kiew, sondern die muss in Washington fallen.&ldquo; Es gibt aus seiner Sicht &uuml;berhaupt keinen Zweifel daran, dass die Ablehnung immer vom Westen erfolgt, teilweise auch von der Ukraine, da der ukrainische Pr&auml;sident Wolodymyr Selenskyj Anfang Oktober 2022 per Dekret sich selbst und seiner Regierung Verhandlungen mit Russland untersagte.<\/p><p>Russlands Pr&auml;sident Wladimir Putin habe dagegen mehrmals gesagt, dass er jederzeit zu Verhandlungen bereit sei. Beispielsweise am 17. Juni, als die afrikanische Friedensdelegation in Russland war, habe er auch gesagt, dass er jederzeit bereit sei, mit jedem zu verhandeln, der bereit ist, gerechte Verhandlungen zu f&uuml;hren und die beidseitigen Sicherheitsinteressen anzuerkennen.<\/p><p>Dieser Krieg ist nicht nur eine milit&auml;rische Auseinandersetzung, er ist auch ein Informationskrieg, betont Kujat im Gespr&auml;ch &ndash; darum wird &uuml;ber vieles kontr&auml;r oder gar nicht berichtet &ndash;, sowie ein Wirtschaftskrieg. &bdquo;In diesem Informationskrieg sitzen eben viele Frontk&auml;mpfer in den Sch&uuml;tzengr&auml;ben und berichten Dinge, die sie gerne so h&auml;tten, aber die nicht so sind, wie sie sie darstellen.&ldquo;<\/p><p>Der ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur findet am erschreckendsten an der ganzen Situation, &bdquo;dass wir angeblich in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft leben und stolz darauf sind, eine Demokratie zu sein und die Werte hochhalten, die uns von anderen unterscheiden&ldquo;. Doch: &bdquo;Und was tun wir? Wir ignorieren das Friedensgebot der Verfassung. Die Verfassung interessiert die Politik &uuml;berhaupt nicht. Wir ignorieren das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung. Diese Unterdr&uuml;ckung von Meinungs&auml;u&szlig;erung haben wir ja in der Vergangenheit leider leidvoll erfahren m&uuml;ssen, ist uns nicht gut bekommen, und sie wird uns auch in diesem Fall nicht gut bekommen.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Viel Unsinn&ldquo; &uuml;ber die Lage<\/strong><\/p><p>Auch &uuml;ber die ukrainische Offensive werde &bdquo;viel Unsinn geredet&ldquo;, so Kujat. Ziel der Offensive war, die Landbr&uuml;cke zwischen Russland und der Ukraine zu unterbrechen, also etwa bis zu der Hafenstadt Mariupol vorzusto&szlig;en. Die Krim ist praktisch eine logistische Drehscheibe f&uuml;r die russischen Streitkr&auml;fte. So wollten die Ukrainer aus seiner Sicht die Zufuhr der Versorgung unterbrechen, die russische Armee &bdquo;austrocknen lassen&ldquo; und damit eine strategische Wende zugunsten der Ukraine erreichen. &bdquo;Nun, das ist nicht eingetreten, und das wird auch nicht eintreten.&ldquo;<\/p><p>NATO-Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg habe vor einiger Zeit gesagt, die ukrainischen Streitkr&auml;fte w&uuml;rden jeden Tag 100 Meter zur&uuml;ckgewinnen. Bis Mariupol sind es 86 Kilometer, also w&uuml;rde die Ukraine 860 Tage brauchen, um ihr Ziel zu erreichen. Das zeigt, wie viel &bdquo;Unsinn geredet&ldquo; wird, so Kujats Kommentar.<\/p><p>Der ukrainische Generalstabschef Walerij Saluschnyj soll in einem Interview mit der Zeitung <em>Washington Post<\/em> gesagt haben: Jeder Quadratmeter fordere einen hohen Blutzoll. Die Verluste der ukrainischen Streitkr&auml;fte sind exorbitant, gerade in dieser Offensive, betont Kujat. Die russischen Streitkr&auml;fte h&auml;tten sich dagegen zu einer strategischen Defensive entschieden. Ihr Ziel sei es, nicht Gel&auml;nde um jeden Preis zu halten, sondern die Streitkr&auml;fte der Ukraine zu vernichten. Er zitiert den Grundsatz von Clausewitz: &bdquo;Mache den Gegner wehrlos und dann kommt alles andere praktisch von selbst.&ldquo;<\/p><p>Kujat macht weiter darauf aufmerksam, dass die Russen seit einigen Tagen von einer Gegenoffensive sprechen und im Hinterland erhebliche Kr&auml;fte zusammengezogen haben. Die Rede sei von 350.000 Mann. Das k&ouml;nne nur auf einen Vorsto&szlig; hindeuten. Der General a. D. stellt sich die Frage: &bdquo;Welches Ziel verfolgen die Russen?&ldquo; Er geht davon aus, dass sie versuchen werden, ihre bisherigen Eroberungen zu konsolidieren, das hei&szlig;t die ehemaligen Verwaltungsgrenzen der Regionen Donezk und Luhansk, aber auch die Regionen Saporischschja und Cherson, die Putin am 30. September vorigen Jahres zu russischem Staatsgebiet erkl&auml;rt hat.<\/p><p>Er rechnet damit, dass sie auch Odessa einzunehmen versuchen, weil Russland Odessa als eine historisch bedeutende Stadt ansieht. Kujat h&auml;lt es f&uuml;r wahrscheinlich, dass Moskau danach sagen wird: Wir haben das Ziel unserer milit&auml;rischen Spezialoperation erreicht. Die entscheidende Frage ist aus seiner Sicht: Wie wird sich dann der Westen verhalten? Wird er den Krieg weiter fortsetzen wollen, oder wird er diese Gelegenheit ergreifen wollen, um dann doch den Krieg zu beenden?<\/p><p><strong>Neue Phase des Krieges<\/strong><\/p><p>Die ukrainischen Streitkr&auml;fte befinden sich laut Kujat in einem au&szlig;erordentlich kritischen Zustand. Die Offensive, die vom Westen &uuml;ber lange Zeit hochgelobt wurde, ist aus seiner Sicht gescheitert. &bdquo;Das muss man klar sagen.&ldquo; Jetzt entsteht eine neue Phase des Krieges, so Kujat weiter, in der die Ukraine versucht, Russland in der Tiefe des Raumes anzugreifen. Kujat zitiert die Worte von Pr&auml;sident Selenskyj aus dem Juli dieses Jahres nach einem Drohnenangriff auf Russland: &bdquo;Allm&auml;hlich kehrt der Krieg auf das Territorium Russlands zur&uuml;ck &ndash; auf seine symbolischen Zentren und Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte.&ldquo;<\/p><p>Der Krieg wird auf eine h&ouml;here Eskalationsstufe angehoben, so Kujat, und er habe den Eindruck, dass dies die letzte Stufe sei, &bdquo;bevor die Ukraine darum bittet, dass westliche Soldaten den westlichen Waffensystemen folgen&ldquo;. Denn Waffensysteme k&ouml;nnen die personellen Verluste der ukrainischen Streitkr&auml;fte nicht ausgleichen, sagt der ehemalige NATO-General.<\/p><p>Bei dieser neuen Phase spiele Deutschland eine besondere Rolle. Diese Phase k&ouml;nne die Ukraine &uuml;berhaupt nur beginnen, wenn sie &uuml;ber Systeme wie &bdquo;Taurus&ldquo; (ein deutscher Luft-Boden-Marschflugk&ouml;rper) verf&uuml;gt. Die US-Amerikaner haben sich bisher geweigert, solche Waffensysteme zu liefern. Er erinnert daran, was US-Pr&auml;sident Joseph Biden gesagt hat: &bdquo;Wir liefern keine. Wir wollen einen dritten Weltkrieg vermeiden.&ldquo; In Deutschland dagegen wird nach wie vor diese Diskussion um &bdquo;Taurus&ldquo; gef&uuml;hrt. Das ist eine &auml;u&szlig;erst kritische Entwicklung f&uuml;r die Bundesrepublik, so der Ex-General.<\/p><p>Kujat spricht auch &uuml;ber die hohe Zahl der Fahnenfl&uuml;chtigen in der Ukraine und &uuml;ber das sehr geringe Reservoir. &bdquo;Denn man kann sich freikaufen. F&uuml;r zwischen 6.000 und 10.000 US-Dollar werden die M&auml;nner vom Wehrdienst befreit und gehen ins Ausland.&ldquo; Inzwischen hat Selenskyj versucht aufzur&auml;umen, und der Verteidigungsminister und seine sechs Stellvertreter wurden entlassen, f&uuml;gt er hinzu.<\/p><p><strong>Effektive russische Armee<\/strong><\/p><p>Die russischen Verluste sind laut dem ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr am Anfang des Krieges hoch gewesen, in den ersten zwei bis drei Wochen. Zwischendurch sind sie dann geringer geworden, denn, &bdquo;das wei&szlig; jeder Milit&auml;r, ein Verteidiger hat immer weniger Verluste als ein Angreifer&ldquo;. Hinzu kommt, dass Russland &uuml;ber die gesamte Lufthoheit &uuml;ber dem Gefechtsfeld verf&uuml;gt. Den Einsatz russischer Kampfhubschrauber sch&auml;tzt er als &auml;u&szlig;erst effektiv ein. Weiterhin verf&uuml;gen laut Kujat die russischen Streitkr&auml;fte &uuml;ber ein hochmodernes F&uuml;hrungsinformationssystem, das hei&szlig;t eine hervorragende Vernetzung zwischen Aufkl&auml;rungssystemen und Wirkungssystemen, also Waffensystemen. Diese Vernetzung erlaubt es ihnen, praktisch ohne Zeitverzug zu reagieren. Das macht die russische Kriegsf&uuml;hrung aus seiner Sicht &auml;u&szlig;erst effektiv.<\/p><p>Einen dritten Punkt hebt er hervor: Bis zum Oktober ging es noch um einen Bewegungskrieg. Dann war die russische &Uuml;berlegenheit dadurch gekennzeichnet, dass sie das Gefecht der verbundenen Waffen, also das Zusammenwirken verschiedener Waffensysteme, hervorragend beherrschen. Das ist eine F&auml;higkeit, die eine lange Ausbildungszeit erfordert. Die russischen Streitkr&auml;fte sind im Augenblick wesentlich st&auml;rker, als sie vor dem Krieg waren: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Es ist eine sehr moderne, eine sehr schlagkr&auml;ftige Armee.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Den ukrainischen Brigaden, die im Ausland und &uuml;berwiegend in Deutschland ausgebildet wurden, sei beigebracht worden, die westlichen Waffensysteme zu bedienen und zu beherrschen. Aber die F&auml;higkeit zum Gefecht der verbundenen Waffen h&auml;tten sie in der Zeit gar nicht lernen k&ouml;nnen. Das kann laut Kujat von ihnen gar nicht verlangt werden. Auch das hat dazu gef&uuml;hrt, betont er, dass die ukrainischen Verluste im Vergleich zu den russischen Verlusten exorbitant sind.<\/p><p><strong>Geopolitischer Konflikt<\/strong><\/p><p>Zum eskalierten Nahost-Konflikt sagt der General a. D. der Luftwaffe, er finde es &bdquo;unertr&auml;glich&ldquo;, dass diese Situation &uuml;ber viele Jahre entstehen konnte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir m&uuml;ssen jetzt versuchen, die Situation kurzfristig zu deeskalieren. Denn es kann nicht sein, dass nun Auge um Auge, Zahn um Zahn Rache ge&uuml;bt wird.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Er sagt: Es muss ein vern&uuml;nftiges politisches Ziel sichtbar werden, eine stabile Ordnung muss entstehen. Das kann seiner Meinung nach nur darin bestehen, dass es eine Zweistaatenl&ouml;sung gibt. Er bedauere es, dass es &uuml;berall da, wo die Interessen beider Gro&szlig;m&auml;chte &ndash; Russland und die Vereinigten Staaten &ndash; ber&uuml;hrt sind, zu einer Eruption kommt.<\/p><p>K&auml;me es zu einem europ&auml;ischen Krieg, w&auml;re die Bundeswehr nach seiner Einsch&auml;tzung im Moment nicht in der Lage, einen wesentlichen Beitrag zur Landes- und B&uuml;ndnisverteidigung zu leisten. &bdquo;Sie wird laufend auch kannibalisiert durch den Abzug des Materials, das in die Ukraine geht.&ldquo; Das nennt er einen Riesenfehler, den die Politiker begehen.<\/p><p>Der Ex-Bundeswehr-Generalinspekteur denkt nicht, dass Russland Europa, die baltischen Staaten oder Rum&auml;nien angreifen w&uuml;rde. Viel mehr bestehe das Risiko, dass sich eine Eskalation entwickelt, die weder von Russland noch vom Westen politisch unter Kontrolle gebracht werden kann. Das sieht er als das eigentliche Problem, gerade jetzt an der Schwelle der Ausweitung des Krieges der Ukraine auf Russland. Er weist auf einen weiteren Punkt hin: In der Vergangenheit verf&uuml;gte Deutschland &uuml;ber erhebliche US-amerikanische und andere Kr&auml;fte von B&uuml;ndnispartnern, um sich zu verteidigen. &bdquo;Die sind nicht mehr da.&ldquo;<\/p><p>Die US-Amerikaner w&uuml;rden vier bis sechs Monate brauchen, bis sie das Material wieder zur&uuml;ckgef&uuml;hrt haben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Fr&uuml;her zu den gro&szlig;en &Uuml;bungen wurden die amerikanischen Soldaten eingeflogen, haben ihre Waffensysteme in Besitz genommen, und innerhalb von 72 Stunden waren sie in ihren Verteidigungsr&auml;umen. Das ist Geschichte, das ist nicht mehr der Fall.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Krieg ohne Sieger<\/strong><\/p><p>&Uuml;berhaupt daran zu denken, dass es zu einem Krieg in Europa kommen k&ouml;nnte, der m&ouml;glicherweise sogar das Risiko einer Eskalation in den nuklearen Bereich birgt, das h&auml;lt er f&uuml;r &bdquo;verbrecherisch&ldquo;. Kujat sagt: &bdquo;Wir m&uuml;ssten uns selbst Zur&uuml;ckhaltung auferlegen: uns gegen&uuml;ber und der ukrainischen Bev&ouml;lkerung gegen&uuml;ber.&ldquo; Aber diese Zur&uuml;ckhaltung sehe er nicht:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich sehe immer nur die Frontk&auml;mpfer des Informationskriegs, die fordern, fordern, fordern und den Eindruck erwecken, die Ukraine k&ouml;nnte den Krieg gewinnen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diesen Krieg kann laut dem Ex-NATO-General niemand gewinnen. Russland k&ouml;nne ihn nicht gewinnen, denn sein Ziel, die NATO-Erweiterung zu verhindern, sei mit der Mitgliedschaft von Schweden und Finnland nicht mehr zu erreichen. Die Ukraine k&ouml;nne den Krieg auch nicht gewinnen, weil sie ihre Gebiete nicht zur&uuml;ckgewinnen k&ouml;nne. Die Vereinigten Staaten k&ouml;nnten ihr politisches Ziel ebenfalls nicht erreichen, n&auml;mlich die Schw&auml;chung der russischen Streitkr&auml;fte, die Schw&auml;chung von Russland insgesamt. Eher das Gegenteil treffe zu: Das zeige Russlands enormer politischer Aufschwung in Bezug auf die BRICS-Staaten und die Zusammenarbeit mit China.<\/p><p>Es bleibe also die Frage, wer eine milit&auml;rische Niederlage erleiden wird. &bdquo;Das ist ganz offensichtlich f&uuml;r jeden, der nur ein wenig von milit&auml;rischen Operationen und von Strategie versteht.&ldquo; Das ist laut Kujat nur eine Frage der Zeit. Milit&auml;risch ist die russische Armee die st&auml;rkste seit vielen Jahren.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nur leider ist in unserer Bundesregierung die F&auml;higkeit zum Weitblick ganz gering ausgepr&auml;gt oder gar nicht vorhanden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Er hoffe auf ein Umdenken, zun&auml;chst in unseren Medien, denn dann wird diese Entwicklung auch bei der derzeitigen Regierung wirksam werden.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Juergen Nowak<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema: <\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103160\">&bdquo;Nato-General Kujat: Ukraine-Krieg ist f&uuml;r Selenskyj ungewinnbar, EU-Eskalation bleibt eine Gefahr&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104523\">Eiszeit: Wie Russland d&auml;monisiert wird und warum das so gef&auml;hrlich ist<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106483\">Verfolgung von Oppositionellen in der Ukraine: Maxim Goldarb und die Haltung der Bundesregierung<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/523f6bfcdda34f72bada96a763b7291e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem aktuellen Interview rechnet Harald Kujat, fr&uuml;herer Bundeswehr-Generalinspekteur und ehemaliger Vorsitzender des NATO-Milit&auml;rausschusses, hart mit der westlichen Politik im Ukraine-Konflikt ab. 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Von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106675\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":106676,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,183,171],"tags":[3293,3240,2005,2591,466,259,260],"class_list":["post-106675","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","tag-bellizismus","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-fake-news","tag-kujat-harald","tag-nato","tag-russland","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/shutterstock_2220652393.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=106675"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106730,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/106675\/revisions\/106730"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/106676"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=106675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=106675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=106675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}