{"id":1069,"date":"2006-03-08T11:16:13","date_gmt":"2006-03-08T09:16:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1069"},"modified":"2016-02-15T09:56:00","modified_gmt":"2016-02-15T08:56:00","slug":"zum-bild-artikel-schrumpf-rente-und-zur-weiter-agitation-gegen-die-rente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1069","title":{"rendered":"Zum Bild-Artikel &#8220;Schrumpf-Rente&#8221; und zur weiter Agitation gegen die Rente"},"content":{"rendered":"<p>Die Agitation geht weiter. Im heute im Bundeskabinett diskutierten Rentenversicherungsbericht, in <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,404842,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,404842,00.html\">SPIEGEL ONLINE<\/a> wie bei BILD. Hierzu die Pressemitteilung der Deutschen Rentenversicherung und vor allem einen sehr guten Leserbrief eines Fachmanns und Nutzers der NachDenkSeiten an die WAZ.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Pressemitteilung der Deutschen Rentenversicherung:<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die Bildzeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe erneut &uuml;ber &bdquo;schrumpfende Renten&ldquo;. Die von der Deutschen Rentenversicherung Bund hierzu vorgenommenen Berechnungen ergeben Folgendes:<br>\nIm Rentenversicherungsbericht 1995 wurde f&uuml;r das Jahr 2009 eine monatliche Eckrente von 1.510 Euro vorausgesagt. Der Rentenversicherungsbericht 2005 geht von einer Eckrente im Jahr 2009 in H&ouml;he von rund 1.180 Euro aus. Das sind 78 Prozent der vorausgesagten Werte.<br>\nIn vergleichbarer Weise haben sich auch die Bruttoentgelte der Besch&auml;ftigten entwickelt. Der Rentenversicherungsbericht 1995 hat f&uuml;r 2009 ein Bruttoentgelt in H&ouml;he von rund 39.336 Euro vorausgesagt, heute werden f&uuml;r 2009 30.787 Euro erwartet. Das sind auch 78 Prozent der vorausgesagten Werte.<br>\nIm Ergebnis entsprechen sich also die Abweichungen sowohl bei der vorhergesagten Bruttorente als auch bei den Bruttoentgelten. Grund f&uuml;r die Entwicklung ist, dass zum Zeitpunkt des Rentenversicherungsberichts 1995 noch von h&ouml;heren Wachstumsraten bei den Entgelten &ndash; und damit automatisch auch bei den Renten &ndash; ausgegangen wurde.&ldquo;<\/p><p><strong>2. Auszug aus einem &ndash; nicht ver&ouml;ffentlichten &ndash; Leserbrief an die WAZ:<\/strong><\/p><p>Zu Ihrem Kommentar &ldquo;Jeder Schritt z&auml;hlt&rdquo; am Samstag, d. 4. 2. 2006:<\/p><p>(&hellip;.)<\/p><p>Zur Sache: <\/p><p>Die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 hat mit vielen Faktoren zu tun, nur nicht mit dem einen, den Sie nennen, dass wir immer &auml;lter werden, oder, um Sie w&ouml;rtlich zu zitieren: &ldquo;Der Alterungsprozess der Gesellschaft ist leider so stark, dass wir wohl nicht die freie Auswahl zwischen verschiedenen L&ouml;sungen haben werden&hellip;&rdquo;<\/p><p>H&auml;tten Sie die Mu&szlig;e gefunden, mal kurz ein paar Tabellen im Statistischen Jahrbuch des Bundes aufzuschlagen, w&auml;re Ihnen klar geworden, das Ihr Satz nichts weniger als dummes Zeug ist. Konkret: Knapp 53 Mio. Menschen im erwerbsf&auml;higen Alter stehen gerade 15 Mio. Menschen &uuml;ber 65 gegen&uuml;ber. Die demographisch-quantitative Relation ist also gl&auml;nzend. Nur: Von diesen 53 Mio. sind nur noch &ndash; bei schleichendem Auszehrungsprozess &ndash; 26 Mio. sv-besch&auml;ftigt. (Nur zur Erweiterung Ihres Kenntnisstandes: Der eigentliche Alterungsprozess der Bev&ouml;lkerung beginnt mit dem Jahre 2025 (ist also relativ exakt vorauszusagen), n&auml;mlich dann, wenn die geburtenstarken Jahrg&auml;nge der sechziger Jahre, die jetzt den Arbeitsmarkt im wahrsten Sinne des Wortes belasten, ins Rentenalter kommen, wobei ich hier noch von 65 ausgehe)<\/p><p>Womit wir beim Thema w&auml;ren:<br>\nDie Finanzknappheit der Rentenkassen resultiert aus dem R&uuml;ckgang an SV-Besch&auml;ftigten (allein 372.000 im letzten Jahr), aus der Massenarbeitslosigkeit (wieviel Beitragseinnahmen w&uuml;rden wohl 1,2,3, usw. Mio. Menschen, wieder in Arbeit gebracht, ausl&ouml;sen?), den bewu&szlig;t installierten 7 Mio. Minijobbern (ein klassische Subventionierung von Schwarzarbeit), dem stagnierenden Lohnniveau, dem Abbau beitragspflichtiger Sonderleistungen, Dummheiten wie der (beitragsfreien) Entgeltumwandlung (Alterseink&uuml;nftegesetz), der massiven Fr&uuml;hverrentung von entlassenen Arbeitnehmern und aus der falschen Finanzierung des Beitritts der neuen L&auml;nder. &ldquo;Kleinere&rdquo; Dummheiten, wie die Verrentung von 400. 000 Polen nach dem deutsch &ndash; polnischen Sozialversicherungsabkommen und der zuwandernden &auml;lteren Aussiedler nach dem Fremdrentengestz m&ouml;chte ich aus political-correctness Gr&uuml;nden nur nachschieben und nicht besonders betonen.<\/p><p>All diese Faktoren lassen gar keine andere L&ouml;sung zu, als die Rente &ndash; so wie es jetzt geschieht &ndash; zu zerst&ouml;ren, wenn auch zun&auml;chst schrittweise.<\/p><p>Ihre Alternative ist genau das, was uns die private Versicherungswirtschaft seit Jahren einzubleuen versucht: &ldquo;Die gesetzliche Rente wird auf Sozialhilfeniveau abgesenkt und wir machen mit der Privatvorsorge ein Milliardengesch&auml;ft&rdquo;. Wenn sich die Herrschaften da mal nicht vertun: In einem weitgehend prekarisierten Arbeitsmarkt k&ouml;nnen die Menschen eine private Vorsorges&auml;ule gar nicht aufbauen, denn Ihr Lohn reicht gerade f&uuml;r die Br&ouml;tchen des n&auml;chsten Tages, wenn &uuml;berhaupt.<\/p><p>Ich zitiere als letztes den Sachverst&auml;ndigenrat als Zeuge f&uuml;r meine Ausf&uuml;hrungen, obwohl dieser durch und durch auf neoliberaler Linie liegt &ndash; mit Ausnahme von Herrn Bofinger. Hier hei&szlig;t es in dem Gutachten von November 2005, das Sie sicherlich aufmerksam gelesen haben:<\/p><blockquote><p>Der seit Jahren zu beobachtende, nun aber verst&auml;rkte R&uuml;ckgang der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten ergibt sich aus dem gef&auml;hrlichen Zusammenwirken zweier Faktoren: Zum einen werden die Versicherten in den Sozialen Sicherungssystemen zu einer versteckten Besteuerung herangezogen. Gleichzeitig er&ouml;ffnet der Staat mit hoch subventionierten Formen flexibler Besch&auml;ftigung ein stark nachgefragtes Substitut f&uuml;r regul&auml;re Arbeitspl&auml;tze.<\/p><\/blockquote><p>Einfacher ausgedr&uuml;ckt. Durch eine dumme Politik zerst&ouml;rt der Staat die Finanzierungsgrundlagen der Rentenversicherung und anschlie&szlig;end bleibt ihm keine andere M&ouml;glichkeit, als die Rente zu k&uuml;rzen. Denn nichts anderes als eine K&uuml;rzung ist die Rente mit 67.<\/p><p>(&hellip;.)\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Agitation geht weiter. Im heute im Bundeskabinett diskutierten Rentenversicherungsbericht, in <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,404842,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,404842,00.html\">SPIEGEL ONLINE<\/a> wie bei BILD. 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