{"id":10692,"date":"2011-09-09T14:15:46","date_gmt":"2011-09-09T12:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10692"},"modified":"2019-07-05T11:30:39","modified_gmt":"2019-07-05T09:30:39","slug":"griechenland-in-der-todesspirale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10692","title":{"rendered":"Griechenland in der \u201eTodesspirale\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Aufregung &uuml;ber die schlechten Nachrichten aus Athen ist verst&auml;ndlich und unverst&auml;ndlich zugleich. Verst&auml;ndlich, weil die Tatsache, dass Griechenland seine Sparziele f&uuml;r 2011 nicht erreichen kann, das von der EU am 21. Juli beschlossene Rettungspaket gef&auml;hrdet. In der griechischen Staatskasse 2011 d&uuml;rften Ende des Jahres knapp 4 Milliarden Euro fehlen. Damit droht nicht nur der erste &bdquo;ungeordnete&ldquo; Staatsbankrott eines Eurolandes, sondern auch ein Szenario, das die Fortexistenz der Eurozone in ihrer bisherigen Form gef&auml;hrdet. Von Niels Kadritzke.<br>\n<!--more--><\/p><p>Unverst&auml;ndlich ist die Aufregung &uuml;ber diese Entwicklung deshalb, weil sie keineswegs &uuml;berraschend kommt. Dass ein wachstumsfeindliches Programm, das die Massenkaufkraft der Gesellschaft schlagartig um ein Viertel beschneidet, die wirtschaftliche Depression des Landes noch verst&auml;rken muss, lag von Anfang an, also seit dem Fr&uuml;hjahr 2010 klar auf der Hand. Ebenso klar war, dass ein versch&auml;rftes Minuswachstum des BIP die Steuereinnahmen mindern und damit Sparziele selbst unterminieren muss. Niemand sollte sich also &uuml;ber das Scheitern des von Anfang an &uuml;ber-ehrgeizigen und danach noch mehrfach versch&auml;rften &bdquo;Anpassungsprogramms&ldquo; wundern &ndash; zuallerletzt die &bdquo;Troika&ldquo; (EU-Kommission, EZB und IWF), die Griechenland in dieses &bdquo;Prokrustes-Bett&ldquo; hinein gezwungen hat.<\/p><p>&Uuml;berraschend ist allenfalls, dass die griechischen Wirtschaftsdaten f&uuml;r das erste Halbjahr 2011 noch schlechter ausfielen, als selbst realistische &Ouml;konomen angenommen hatten. Das BIP schrumpfte um schockierende 7, 3 Prozent gegen&uuml;ber dem Vorjahr (im ersten Quartal sogar um 8,1 Prozent). F&uuml;r das zweite Halbjahr 2011 sind zwar bessere Zahlen zu erwarten &ndash; nicht zuletzt wegen der sommerlichen Einnahmen aus dem Tourismus (dazu unten mehr). Aber f&uuml;r das Gesamtjahr 2011 kalkuliert selbst Finanzminister Venizelos offiziell mit einem Minuswachstum von mindestens 5 Prozent. <\/p><p>Damit sinkt auch die Hoffnung auf eine baldige konjunkturelle Erholung: Der neue griechische Finanzminister Venizelos rechnet erst f&uuml;r das Jahr 2014 mit einer R&uuml;ckkehr zu Wirtschaftswachstum, und selbst das ist angesichts der weltwirtschaftlichen Krisensymptome eine optimistische Annahme. Griechische Zeitungen berichten sogar, dass die  Experten im Athener Wirtschaftsministerium einen Einbruch des diesj&auml;hrigen BIP um 6 Prozent f&uuml;r realistisch halten. Die Etatans&auml;tze der Regierung beruhten dagegen auf einem angenommenen Minus-Wachstum von &bdquo;nur&ldquo; 3,5 Prozent. Damit ist eine R&uuml;ckf&uuml;hrung des Haushaltsdefizits f&uuml;r 2011 auf die anvisierten 7,6 Prozent des BIP praktisch unm&ouml;glich. Es sei denn, man zwingt Griechenland noch h&auml;rtere Sparma&szlig;nahmen auf, die aber die volkswirtschaftlichen &bdquo;Todesspirale&ldquo; nur noch beschleunigen w&uuml;rden. (Siehe dazu &bdquo;<a href=\"\/?p=7613\">Griechenland: Schock-Therapie oder Schock ohne Therapie?<\/a>&ldquo;).<\/p><p>Deshalb sind die Berichte in der griechischen Presse plausibel, wonach die Regierung Papandreou und insbesondere Finanzminister Venizelos in den letzten Tagen versucht haben, die Troika zu &uuml;berzeugen, das Sparziel f&uuml;r 2011 den Realit&auml;ten anzupassen und auf etwa 8,5 Prozent des BIP anzusetzen (also den  Sparzwang um etwa zwei Milliarden Euro zu lockern). <\/p><p>Ob sie damit Erfolg hat, wird sich in den n&auml;chsten Tagen zeigen. Nach einem Bericht in der Kathimerini vom 4. September gibt es in dieser Frage bei der Troika interne Differenzen: Die Vertreter des IWF seien dem griechischen Wunsch nicht abgeneigt, weil sie die Depression nicht noch vertiefen wollen. Das entspr&auml;che auch der erkl&auml;rten Position von IWF-Pr&auml;sidenten Christine Lagarde, die unl&auml;ngst vor einer &bdquo;drohenden Abw&auml;rtsspirale&ldquo; in der Eurozone gewarnt und gefordert hat, die Sparprogramme der Realit&auml;t anzupassen und mehr &bdquo;wachstumsf&ouml;rdernde Ma&szlig;nahmen&ldquo; ins Auge zu fassen. (SPIEGEL-Interview vom 5. September). Laut Kathimerini bestehen dagegen die Vertreter der EU-Kommission und der EZB auf der Reduzierung des Haushaltsdefizits 2011 auf 7,6 Prozent des BIP. <\/p><p>Dass ein negatives Wirtschaftswachstum die &ouml;ffentlichen Haushalte belastet, wissen inzwischen selbst &ouml;konomische Analphabeten. Am Fall Griechenland lassen sich die wachstumsfeindlichen Effekte auf mehreren Ebenen aufzeigen:<\/p><ol>\n<li>Die Verh&auml;ltniszahl von Verschuldung zu BIP wird bereits dadurch erh&ouml;ht, dass der Nenner (also das BIP) kleiner wird. Wenn das Minuswachstum um zwei Prozent h&ouml;her liegt als angenommen, steigt die griechische Verschuldung rein rechnerisch bereits von 7,6 auf etwa 7,9 Prozent.<\/li>\n<li>Die Wirtschaftsflaute f&uuml;hrt zu sinkenden Staatseinnahmen, und zwar bei den indirekten Steuern (vor allem bei der Mehrwertsteuer) wie bei den direkten Steuern (steigende Arbeitslosigkeit und Lohnsenkungen); in Griechenland ist der R&uuml;ckgang der indirekten Steuereinnahmen besonders drastisch, weil der Massenkonsum um etwa 20 Prozent eingebrochen ist.<\/li>\n<li>Die rapide steigende Arbeitslosigkeit, die gegen Ende 2011 nach realistischen Sch&auml;tzungen mindestens 18 Prozent erreichen wird, l&auml;sst auch die staatlichen Ausgaben f&uuml;r die (bescheidene) Arbeitslosenhilfe ansteigen.<\/li>\n<li>Die Krise der Realwirtschaft beeintr&auml;chtigt auch die Aussichten, einen Teil der nicht beglichenen Steuerschulden einzutreiben, die in Griechenland einen &bdquo;Fehlbetrag&ldquo; von &uuml;ber 40 Milliarden Euro ausmachen. Dass der Fiskus in dieser Hinsicht seine selbst gesetzten Ziele nicht einmal im Ansatz erreicht, liegt nicht mehr nur an strukturellen Fehlern des Steuersystems und mangelnder Motivation der Finanzbeamten, sondern inzwischen auch an der Krise selbst: Viele Kleinbetriebe und Gesch&auml;fte k&ouml;nnen &ndash; selbst bei gutem Willen &ndash; ihr zur&uuml;ckliegenden Steuerschulden mangels Cash nicht begleichen bzw. sie w&uuml;rden bankrott gehen (was wiederum zu Lasten k&uuml;nftiger Steuereinnahmen ginge).<\/li>\n<li>Ein &auml;hnliches Problem ist bei den gro&szlig;en Sozialkassen entstanden, deren Defizite den Staatshaushalt stark belasten. Allein bei der allgemeinen Renten-und Krankenversicherung IKA sind die Arbeitgeber mit ihren Beitragszahlungen um 6,2 Milliarden Euro im R&uuml;ckstand. Auch diese Gelder sind unter Bedingungen der Krise nur schwer einzutreiben, ohne die Existenz von Unternehmen zu gef&auml;hrden (und damit die Arbeitslosigkeit weiter in die H&ouml;he zu treiben).<\/li>\n<\/ol><p>Ein Blick auf die Probleme der Sozialkassen macht deutlich, wie der Einbruch der Realwirtschaft die Krise der &ouml;ffentlichen Finanzen noch weiter versch&auml;rft hat. Bei der IKA waren die bewilligten Transferzahlungen aus dem Budget bereits im ersten Halbjahr zu 91 Prozent aufgebraucht. Um die Renten bis Ende 2011 auszahlen zu k&ouml;nnen, muss die IKA noch dieses Jahr &uuml;ber 1,1 Milliarden Euro an ausstehenden Beitr&auml;gen eintreiben. Wie schwierig das sein wird, zeigt in Blick auf die Liste der gr&ouml;&szlig;ten Beitragss&uuml;nder (dokumentiert in Kathimerini vom 24. Juli 2011). Am meisten schulden &bdquo;strategisch wichtige&ldquo; Unternehmen wie Olympic Airways (vor zwei Jahren privatisiert), die f&uuml;r die Flugverbindung vieler kleinerer Inseln unentbehrlich ist, oder die Busgesellschaft im Gro&szlig;raum Thessaloniki, aber auch die (privatisierte) Werft von Elevsina, bei der Hunderte Arbeitspl&auml;tze gef&auml;hrdet sind.<\/p><p>Sogar drei Ministerien sind mit ihren IKA-Beitr&auml;gen im R&uuml;ckstand &ndash; von denen ausgerechnet das Finanzministerium am meisten (10 Millionen Euro) schuldet. Auch andere staatliche und kommunale Unternehmen und zahlreiche landwirtschaftliche Genossenschaften haben ihre Beitr&auml;ge in einem Volumen von 160 Millionen nicht abgef&uuml;hrt, genauer: nicht abf&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/p><p>Der aufschlussreichste Einzelfall ist der Versicherungstr&auml;ger OAEE, die obligatorische Renten- und Sozialkasse der Freiberufler. Sie hat f&uuml;r ihre eigenen Angestellten Versicherungsbetr&auml;ge in H&ouml;he von 203 Millionen Euro nicht abgef&uuml;hrt. Warum das so ist, erschlie&szlig;t sich aus der d&uuml;steren Bilanz der Kassenbest&auml;nde: Die eigenen Einnahmen des OAEE (also die Beitr&auml;ge der Freiberufler) sind im Lauf der Krise dramatisch zur&uuml;ckgegangen. Von den 832 00 Pflichtversicherten schulden 300 000 ihre Beitr&auml;ge schon &uuml;ber f&uuml;nf Jahre, wodurch ein Einnahmendefizit von 3 Mrd. Euro aufgelaufen ist. Von diesen Geldern ist bis Jahresende selbst bei gr&ouml;&szlig;ter M&uuml;he nur ein Bruchteil einzutreiben, zumal inzwischen 130 000 Selbstst&auml;ndige krisenbedingt ihr Gewerbe aufgegeben haben (Angaben nach Vradini vom 30. Mai 2011).<\/p><p>Dies ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, warum die griechischen Sparziele nicht erreicht werden k&ouml;nnen. Deshalb m&uuml;sste man endlich Abschied nehmen von der Logik des &bdquo;Totsparens&ldquo;. (Siehe dazu auch: &bdquo;Die Lernschw&auml;che der &Ouml;konomen&ldquo; in der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/artikel\/C30717\/schuldenkrise-die-lernschwaeche-der-oekonomen-30495373.html\">FAZ<\/a>. Die gro&szlig;teils berechtigten und langfristig dringend notwendigen Sparziele m&uuml;ssen zeitlich gestreckt werden. Das w&uuml;rde auch der Logik der EU-Beschl&uuml;sse vom 21. Juli entsprechen, die Griechenland nicht nur niedrigere Zinsen sondern auch l&auml;ngere Laufzeiten f&uuml;r seine Anleihen konzediert haben. Logisch konsequent w&auml;re nachgerade eine Koppelung der Schritte beim Abbau der Gesamtverschuldung an die (positive) Entwicklung der Wirtschaft, nach dem Grundsatz: gr&ouml;&szlig;ere Einsparungen entsprechend einem erneut wachsendem BIP. Eine Ankurbelung der Konjunktur ist aber erst zu erwarten, wenn das Investitionsprogramm umgesetzt werden kann, das die Europartner den Griechen zugesagt haben. Solange das nur auf dem Papier steht, darf man sich nicht wundern, wenn auch das Sparen nicht so schnell geht, wie man es der Regierung Papandreou vorgeschrieben hat. <\/p><p>Damit ist nicht gesagt, dass die griechische Seite keinerlei Verantwortung f&uuml;r die entstandene Situation tragen w&uuml;rde. Die Kritik an der z&ouml;gerlichen Umsetzung absolut unerl&auml;sslicher Ma&szlig;nahmen und Reformen, ist zum Teil durchaus berechtigt und wird auch in Griechenland artikuliert. Wichtige Gesetzentw&uuml;rfe, die von der Regierung zu hohen politischen Kosten durchs Parlament gebracht wurden, stehen bis heute immer noch erst auf dem Papier. <\/p><p>Das schlagendste Beispiel ist der Kampf gegen die Steuerhinterziehung, der weit ertragreicher sein k&ouml;nnte, als er es bislang gewesen ist. Auf diesem Gebiet verk&uuml;ndet die Regierung etwa alle drei Monate ein neues Konzept, von dem man sechs Monate sp&auml;ter h&ouml;rt, dass es leider nichts gebracht hat. Die neueste Idee ist ein Abkommen mit den Schweizer Beh&ouml;rden, das die Erfassung griechischer Verm&ouml;genswerte in der Schweiz erm&ouml;glichen soll und von dem sich das Finanzministerium bis Jahresende &uuml;ber eine Milliarde an Steuereinnahmen verspricht. In diese Richtung geht auch die j&uuml;ngste Ver&ouml;ffentlichung  einer Liste der Personen und Organisationen, die dem Fiskus am meisten Steuern schulden. Aber kaum jemand in Griechenland glaubt, dass dieser Ver&ouml;ffentlichung auch harte juristische Sanktionen folgen werden. <\/p><p>Aber selbst der laufende Betrieb in den Finanz&auml;mtern stockt. Aus einem Bericht in Ta Nea geht hervor, dass von den seit Jahresanfang eingereichten Steuererkl&auml;rungen bis Ende August erst 30 Prozent abgearbeitet waren. Knapp 360 000 F&auml;lle liegen noch ungepr&uuml;ft in den Regalen. Nach den Unterlagen des Finanzministerium wurde in den 34 gr&ouml;&szlig;ten Finanz&auml;mtern des Landes, die normalerweise 70 Prozent des Steueraufkommens eintreiben, von jedem Angestellten pro Tag im Durchschnitt gerade mal eine Akte bearbeitet. Man k&ouml;nnte das auch einen &bdquo;Bummelstreik&ldquo; nennen.<\/p><p>Die L&uuml;cke bei den Steuereinnahmen hat gravierende politische und &ouml;konomische Folgen: Wenn die &bdquo;besser verdienenden&ldquo; Betr&uuml;ger nicht zu fassen sind, m&uuml;ssen die indirekten Steuern erh&ouml;ht werden, was die sozial Schwachen am h&auml;rtesten trifft und die Konjunktur weiter abw&uuml;rgt. Zurecht schrieb der Kolumnist Nikos Konstandaras am letzten Sonntag: &bdquo;Anstatt st&auml;ndig die Mehrwertsteuers&auml;tze zu erh&ouml;hen, m&uuml;sste die Regierung erst einmal die f&auml;lligen Steuerbetr&auml;ge konsequent eintreiben und das Fluchtkapital erfassen und besteuern. Desgleichen k&ouml;nnte sie alle Verm&ouml;genswerte erfassen, die nicht durch die (deklarierten (N.K.)) Einkommen ihrer Besitzer zu erkl&auml;ren sind. All das sollte sie endlich machen, um zu zeigen, dass sie eine gerechte Gesellschaft begr&uuml;nden will, statt immer nur die abzustrafen, die entweder (steuer)ehrlich sind oder aber vom Fiskus als Dauergeiseln genommen wurden &ndash; also die Lohnabh&auml;ngigen und die Rentner.&ldquo;<\/p><p>Ein weiteres Vers&auml;umnis, das der Regierung vor allem seitens der Euro-Partner vorgehalten wird, ist die z&ouml;gerliche Umsetzung des Privatisierungsprogramms, zu dem sich Athen als Gegenleistung f&uuml;r das zweite St&uuml;tzungsprogramm vom 21. Juli verpflichtet hat. (Siehe dazu &bdquo;<a href=\"\/?p=10197\">Das Rettungspaket des EU-Gipfels aus griechischer Sicht<\/a>&ldquo;). Nun ist es zwar richtig, dass sich in dieser Frage seit Wochen zwei Regierungsorgane &uuml;ber die Abgrenzung ihrer Kompetenzen streiten (die Privatisierungsabteilung im Finanzministerium und die nach dem Vorbild der deutschen Treuhand gebildete &bdquo;Kasse zur Verwertung &ouml;ffentlicher Sonderverm&ouml;gen&ldquo;), so dass bis Anfang September erst ein Projekt ausgeschrieben wurde. Aber das erkl&auml;rt keineswegs, warum das ganze Programm seine Ziele weit verfehlen wird. Bis Ende September sollen 1,7 Milliarden Euro an Privatisierungserl&ouml;sen eingefahren sein, bis Ende 2011 sogar 5 Milliarden. Beide Ziele sind v&ouml;llig utopisch. In der Wirtschaftspresse wird ein Regierungsexperte mit dem Satz zitiert: &bdquo;Wenn alles gut geht, kann man bis Jahresende 2,4 Milliarden Euro eingenommen haben.&ldquo; <\/p><p>Das einzige Projekt, &uuml;ber das substantielle Gespr&auml;che begonnen haben, ist die Betreiberlizenz f&uuml;r den Athener Flughafen f&uuml;r den Zeitraum 2026 bis 2046. An diesem Beispiel l&auml;sst sich zeigen, wo das eigentliche Problem liegt. Zun&auml;chst ist es eher ungew&ouml;hnlich, eine Flughafenlizenz f&uuml;r einen Zeitraum in ferner Zukunft zu vergeben, weil ein realistischer &bdquo;Wert&ldquo; der Betreiberrechte heute kaum zu bestimmen ist. Klar ist allerdings, dass die Lizenzbewerber auf einen niedrigen Preis spekulieren k&ouml;nnen, wenn der Lizenzgeber angesichts des drohenden Staatsbankrotts unbedingt verkaufen muss. <\/p><p>Der einzige Bewerber ist derzeit der alte P&auml;chter: die deutsche Hochtief Airport. Das Mutterunternehmen des Flughafenbetreibers (der u.a. den Flughafen D&uuml;sseldorf managt)  war Generalunternehmer f&uuml;r den Bau des gesamte Projekts, das 2001 fertig wurde. Ein Teil der Bauhonorare f&uuml;r Hochtief wurde damals abgegolten durch einen 40-prozentigen Anteil an der Flughafengesellschaft (den Rest h&auml;lt der griechische Staat) und durch die Lizenz, die der Tochter Hochtief Airport f&uuml;r den Zeitraum 2001- 2026 &uuml;bertragen wurde. Was genau die Betreiberlizenz f&uuml;r den Konzern wert ist, l&auml;sst sich von au&szlig;en nicht berechnen. <\/p><p>F&uuml;r die neue, &uuml;ber 20 Jahre laufende Lizenz ab 2026 bietet Hochtief Airport nach griechischen Presseberichten 300 Millionen Euro, das macht pro Jahr 15 Millionen. Die griechische Regierung will dagegen 510 Millionen Euro erl&ouml;sen. An der Zahl, die am Ende herauskommt wird das Machtverh&auml;ltnis der Verhandlungs&ldquo;partner&ldquo; abzulesen sein. Er wird schon deshalb sehr viel n&auml;her bei dem Hochtief-Angebot liegen, weil Athen unter gro&szlig;em Zeitdruck steht. Und weil die Deutschen einen &bdquo;Vorschuss&ldquo; von 200 Millionen bieten, auf den die Griechen dringend angewiesen sind.<\/p><p>Wir haben es also mit folgender interessanten Konstellation zu tun: Der Konzern, der sich trotz der Aktienmehrheit des spanischen Gro&szlig;aktion&auml;rs ACS, immer noch als selbst&auml;ndiges deutsches Unternehmen versteht, dr&uuml;ckt den Preis f&uuml;r eine staatliche Lizenz, f&uuml;r die der griechische Staat &ndash; auf Gehei&szlig; auch der deutschen Regierung &ndash; m&ouml;glichst hohe Erl&ouml;se erzielen will, um seine Gesamtverschuldung substantiell zu reduzieren. Das aber ist mit Schn&auml;ppchenpreisen nicht zu schaffen. Hier liegt der strukturelle Defekt des gesamten Privatisierungsprogramms, das unter den gegenw&auml;rtigen Umst&auml;nden ebenso erfolglos bleiben wird wie der Kampf um die Erh&ouml;hung der Staatseinnahmen unter Bedingungen einer &bdquo;<strong>sterbenden Wirtschaft<\/strong>&ldquo;. (Siehe dazu auch &bdquo;<a href=\"\/?p=9602\">Die griechische Krise und das Dilemma der Privatisierungen<\/a>&ldquo;).<\/p><p>Mit diesem dramatischen Begriff hat Griechenlands Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis gestern das Dilemma seines Landes bezeichnet. Die Dramatik ist nicht &uuml;bertrieben. Ob solche Beschw&ouml;rungen in Br&uuml;ssel und bei den Euro-Partnern Griechenlands Eindruck machen werden, ist h&ouml;chst ungewiss. Wie die gestrige Bundestagsdebatte zeigte, bei der deutschen Regierung schon gar nicht. Eines allerdings ist sicher: Sollte das &bdquo;Rettungsprogramm&ldquo; vom 21. Juli scheitern, ist ein unkontrollierter Staatsbankrott kaum mehr zu vermeiden. Der aber w&auml;re f&uuml;r Griechenland eine Katastrophe, die ein geschichtsbewusster Kommentator in der Zeitung Ta Nea mit dem Ereignis von 1922 verglichen hat, das die Griechen die &bdquo;kleinasiatische Katastrophe&ldquo; nennen. Damals bezahlte Griechenland das imperiale Abenteuer seines Eroberungskriegs in Kleinasien mit einer bitteren Niederlage, Die milit&auml;rische Niederlage und der anschlie&szlig;ende Bev&ouml;lkerungsaustausch, den man mit dem neuen t&uuml;rkischen Nationalstaat unterschreiben musste, haben damals fast 1,5 Millionen Griechen des ehemals Osmanischen Reichs zu Fl&uuml;chtlingen gemacht und die Gesellschaft von Grund auf ersch&uuml;ttert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufregung &uuml;ber die schlechten Nachrichten aus Athen ist verst&auml;ndlich und unverst&auml;ndlich zugleich. Verst&auml;ndlich, weil die Tatsache, dass Griechenland seine Sparziele f&uuml;r 2011 nicht erreichen kann, das von der EU am 21. 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