{"id":107,"date":"2005-06-20T16:38:02","date_gmt":"2005-06-20T15:38:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=107"},"modified":"2016-03-13T15:41:00","modified_gmt":"2016-03-13T14:41:00","slug":"buchtipp-heinz-josef-bontrup-stellt-dem-primat-der-wirtschaft-eine-demokratische-alternative-entgegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107","title":{"rendered":"Buchtipp: Heinz-Josef Bontrup stellt dem Primat der Wirtschaft eine demokratische Alternative entgegen"},"content":{"rendered":"<p>Zur Befriedigung seiner Gewinnanspr&uuml;che dr&auml;ngt das Kapital auf eine immer ungleichere Verteilung des Sozialprodukts. Gewinn ist aber kein Selbstzweck, und die Wirtschaft ist f&uuml;r die Menschen da, nicht umgekehrt. Dies ignoriert auch die Politik. Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung zur&uuml;ck und &uuml;berl&auml;sst die wirtschaftliche Entwicklung den &raquo;Selbstheilungskr&auml;ften des Marktes&laquo;. Hinzu kommt noch eine krisenversch&auml;rfende Wirtschaftspolitik. Nach einer einzel- wie gesamtwirtschaftlichen Kritik r&uuml;ckt Heinz J. Bontrup, Professor f&uuml;r Wirtschaftswissenschaft in Gelsenkirchen, die Alternativen in den Mittelpunkt. Es geht ihm um eine demokratische Wirtschaft, die den allgemeinen Wohlstand erh&ouml;ht und nicht nur den Reichtum einer kleinen Schicht.<br>\nEine Buchbesprechung von Peter Pulte, Professor f&uuml;r Arbeits- und Sozialrecht.<br>\n<!--more--><br>\nDas von Bontrup vorgelegte Buch behandelt einen interessanten &bdquo;Dreiklang&ldquo; von Arbeit, Kapital und Staat auf einzel- und gesamtwirtschaftlicher Ebene. Diesen umfassenden Zusammenhang findet man in der Literatur so gut wie nie. Allein in der Schlie&szlig;ung dieser wissenschaftlichen L&uuml;cke liegt ein gro&szlig;er Verdienst. In vier Kapiteln besch&auml;ftigt sich der Autor auf 424 Seiten mit der Forderung nach einer zu demokratisierenden Wirtschaft. Diese sei bis heute, im Gegensatz zum politischen Raum, nicht verwirklicht und deren Umsetzung &uuml;berf&auml;llig. Die vorherrschende Dichotomie zwischen Politik und Wirtschaft k&ouml;nne nicht mehr akzeptiert werden. <\/p><p>Die ersten beiden Kapitel sind dem Faktor Arbeit, auch in einem geschichtlichen Duktus, gewidmet. Hier wird sowohl die Bedeutung von menschlicher Arbeit, ihre marktwirtschaftliche Wertbestimmung als auch die j&uuml;ngste Auseinandersetzung um eine ad&auml;quate Lohnpolitik beschrieben. Bontrup streitet hier leidenschaftlich f&uuml;r eine produktivit&auml;tsorientierte Lohnpolitik, die seit Jahren verletzt w&uuml;rde, und dar&uuml;ber hinaus f&uuml;r eine Gewinn- und\/oder Kapitalbeteiligung in Arbeitnehmerhand. Den &bdquo;Hartz-Gesetzen&ldquo; erteilt er dagegen eine klare Absage, sie w&uuml;rden zu gesamtwirtschaftlich kontraproduktiven Ergebnissen f&uuml;hren. Interessant ist dabei die Auseinandersetzung mit den Arbeitskosten, womit Politik und Wirtschaft weitgehend die &bdquo;Reformen&ldquo; an den Arbeitsm&auml;rkten begr&uuml;nden. Bontrup zeigt hier anhand von empirischen Daten, dass seines Erachtens bei den so genannten angeblich zu hohen Lohnnebenkosten nur von einer &ouml;konomischen &bdquo;M&auml;r&ldquo; sprechen k&ouml;nne und dass die Arbeitskosten insgesamt in Relation zur erbrachten Leistung und Produktivit&auml;t nicht zu einer Gef&auml;hrdung der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit f&uuml;hren w&uuml;rden. <\/p><p>Im dritten Kapital r&uuml;ckt Bontrup die &bdquo;Stellung und Rolle der Besch&auml;ftigten in Unternehmen&ldquo; in den Mittelpunkt. Hier beklagt er das heute weit verbreitete personalwirtschaftliche Denken im einseitigen Interesse der Shareholder an. Der Mensch st&uuml;nde nicht wie immer verlautbart w&uuml;rde im Mittelpunkt, sondern er sein nur Mittel &ndash; Punkt! Diese einseitige Verengung, die letztlich in einer wenig erfolgreichen Gewinnmaximierung endet, lehnt Bontrup entschieden ab und entwickelt nach einer ausf&uuml;hrlichen Analyse unterschiedlicher personalwirtschaftlicher Paradigmen dazu eine Alternative unter der &Uuml;berschrift: &bdquo;Elemente einer demokratisierten und partizipativen Unternehmenskultur&ldquo;. Diese sei aber nur realistisch umsetzbar, wenn sie von einem gesamtwirtschaftlichen Rahmen umgeben ist, und der nicht durch eine falsche Wirtschaftspolitik konterkariert werden d&uuml;rfte. Dies beschreibt Bontrup im vierten Kapitel seines Buches. Auch hier bleibt er nicht nur in einer Kritik verfangen, sondern entwickelt auch gesamtwirtschaftliche Alternativen, die lesenswert sind. Hier wird sowohl auf Basis einer Sozialen Marktwirtschaft auf Wettbewerbspolitik, Sozialpolitik &ndash; mit zwei ausf&uuml;hrlichen Punkten zur Renten- und Gesundheitspolitik &ndash; als auch auf die staatlich praktizierte Finanzpolitik eingegangen und Stellung bezogen. Interessant ist hier besonders die ausf&uuml;hrliche Darstellung eines alternativen Steuerkonzeptes. <\/p><p>Alle vier Kapitel sind auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau geschrieben und trotzdem f&uuml;r eine breite Leserschaft gut verst&auml;ndlich abgefasst. Bontrup verzichtet erfreulicherweise auf Polemik bei einer insgesamt hoch komplexen aber auch politisch brisanten Thematik. 35 Tabellen und 11 Abbildungen sowie 210 Fu&szlig;noten im Anhang unterst&uuml;tzen den Text. Das Literaturverzeichnis umfasst 26 Seiten! und bietet dem Leser als Erg&auml;nzung vertiefende Literaturhinweise. Verzichtet wurde leider auf ein Stichwortverzeichnis. Dies h&auml;tte dem Schnell- oder Selektivleser die Arbeit erleichtert, zumal man das Buch durchaus auch als ein Nachschlagewerk betrachten kann. Es zeigt tiefgehende und holistische Zusammenh&auml;nge unserer Wirtschaft auf einzel- und gesamtwirtschaftlicher Ebene auf. Man kann dem Buch insgesamt nur eine breite Leserschaft w&uuml;nschen. <\/p><p>Heinz-J. Bontrup, Arbeit, Kapital und Staat. Pl&auml;doyer f&uuml;r eine demokratische Wirtschaft, PapyRossa Verlag K&ouml;ln, ISBN 3-89438-326-7, 424 Seiten, 24,80&nbsp;&euro;\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Befriedigung seiner Gewinnanspr&uuml;che dr&auml;ngt das Kapital auf eine immer ungleichere Verteilung des Sozialprodukts. Gewinn ist aber kein Selbstzweck, und die Wirtschaft ist f&uuml;r die Menschen da, nicht umgekehrt. Dies ignoriert auch die Politik. 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