{"id":107072,"date":"2023-11-22T09:00:54","date_gmt":"2023-11-22T08:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107072"},"modified":"2023-11-22T09:46:32","modified_gmt":"2023-11-22T08:46:32","slug":"deutschland-vom-primat-der-innenpolitik-zum-primat-der-aussenpolitik-zum-primat-des-militaerischen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107072","title":{"rendered":"Deutschland: Vom Primat der Innenpolitik zum Primat der Au\u00dfenpolitik zum Primat des Milit\u00e4rischen?"},"content":{"rendered":"<p>In der Politikwissenschaft existiert eine Methode, die Politik in das Primat (Vorrang) der Au&szlig;en- oder Innenpolitik zu kategorisieren. Innenpolitik ist in diesem Kontext nicht auf innere Sicherheit begrenzt, sondern umfasst im weitesten Sinne des Begriffs auch Wirtschafts- und Sozialpolitik etc. Nat&uuml;rlich bilden Kategorien die Wirklichkeit immer nur unzureichend ab. Aber Kategorisierungen sind unerl&auml;sslich zum Verst&auml;ndnis der Wirklichkeit. Und so ist es mit der politischen Wirklichkeit eben auch: Staaten, die der Au&szlig;enpolitik das Primat einr&auml;umen, sind eher Gro&szlig;m&auml;chte respektive M&ouml;chtegern-Gro&szlig;m&auml;chte. Kleinere, international weniger machtvolle Staaten konzentrieren sich eher auf die innenpolitische Ebene, sofern sie keiner direkten &auml;u&szlig;eren Gefahr ausgesetzt sind. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas Primat in die eine oder andere Richtung hat in der Logik immer auch unmittelbare Auswirkungen auf die andere, die sekund&auml;re Sph&auml;re, da politische Aufmerksamkeitssetzung immer auch nur &uuml;ber begrenzte Ressourcen (geistige, personelle, materielle, finanzielle etc.) verf&uuml;gt. Jeder Euro, der f&uuml;r das Milit&auml;r oder f&uuml;r diplomatische Initiativen ausgegeben wird, fehlt woanders, beispielsweise in der Gesundheitspolitik. Und selbst wenn eine Regierung bei einer sich exponierenden Au&szlig;enpolitik durch sozialpolitische Investitionen Ruhe im Innern sichern m&ouml;chte, so bedeutet dies kreditfinanzierte Ma&szlig;nahmen, sei es f&uuml;r die au&szlig;enpolitischen oder innenpolitischen &bdquo;Investitionen&ldquo;. Die Schulden m&uuml;ssen irgendwann plus Zinsen beglichen werden. So ist es mit dem vermeintlichen 100 Milliarden Euro &bdquo;Sonderverm&ouml;gen&ldquo; &ndash; ein Etikettenschwindel, da es sich tats&auml;chlich um Sonderschulden handelt &ndash;, die an der Schuldenbremse vorbei f&uuml;r die milit&auml;rische Aufr&uuml;stung kreditiert wurden. Und so ist es auch mit den kreditierten Coronahilfen um die 400 Milliarden Euro. So liegt der geplante Schuldendienst (Tilgung) im Bundeshaushaltsplan 2024, der Anfang Dezember im Bundestag verabschiedet werden soll, bei rund 37 Milliarden Euro (Einzelplan 32). Bei einem Gesamthaushalt von 445,6 Milliarden Euro sind das rund acht Prozent des Bundeshaushaltes, die nur zur Bedienung der Schulden und Zinsen ben&ouml;tigt werden.<\/p><p><strong>Wandel des Primats<\/strong><\/p><p>Die alte Bundesrepublik verfolgte zwangsl&auml;ufig angesichts der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert und der damit einhergehenden limitierten Souver&auml;nit&auml;t eine Politik des Primats der Innenpolitik. Die Bundesrepublik fuhr mit diesem Ansatz nicht schlecht: Wirtschaftswunder, sich aufbauender Wohlstand durch den Rheinischen Kapitalismus (Soziale Marktwirtschaft) etc. Damit hatte sich die Bundesrepublik auch international Respekt, ein Standing erarbeitet.<\/p><p>Seit der Wende 1989\/90 gewannen in der politischen Elite und den sie wohlwollend begleitenden Leitmedien Ideen die Oberhand, wonach Deutschland international nun mehr Gewicht erhalten m&uuml;sse &ndash; mithin die F&auml;higkeit zu einer gestaltenden Machtpolitik in den internationalen Beziehungen anzustreben sei. Und dieses &bdquo;mehr Gewicht Erhalten&ldquo; st&uuml;tzt(e) sich sehr auf den Ausbau milit&auml;rischer F&auml;higkeiten und deren Anwendung (materielle F&auml;higkeiten und politische Absichten). Die Debatten &uuml;ber Auslandseins&auml;tze (&bdquo;out of area&ldquo;) der Bundeswehr, angefangen bei Kambodscha und Somalia Anfang der 1990er-Jahre und endend mit der Flucht aus Afghanistan im August 2021, sind sicherlich noch vielen in Erinnerung. Stets wurde mit wachsender internationaler Verantwortung &ndash; mal mehr, mal weniger offen &ndash; im milit&auml;rischen Sinne argumentiert. Neben der schleichenden Verlagerung des politischen Primats gab es auch beschleunigte Schubphasen.<\/p><p><strong>Sch&uuml;be der Primatwandels<\/strong><\/p><p>Dazu geh&ouml;ren sicherlich die Beteiligung an dem v&ouml;lkerrechtswidrigen NATO-Angriffskrieg auf Jugoslawien 1999, mit der sich Deutschland endg&uuml;ltig von der Kohl&rsquo;schen Pr&auml;misse, wonach keine deutschen Soldaten in Regionen eingesetzt werden sollten, die vom faschistischen Deutschland angegriffen worden waren. Mit der Beteiligung am NATO-Angriffskrieg 1999 geh&ouml;rte man schlie&szlig;lich in der Selbstwahrnehmung und -darstellung zu den Guten &ndash; Deutschland war damit zumindest mit Blick auf Osteuropa von seiner dunklen Vergangenheit rehabilitiert, so die nicht&ouml;ffentliche Auffassung nicht weniger Protagonisten im damaligen politischen Bonn. Einen weiteren Schub stellte 9\/11 dar, das die M&ouml;glichkeit bot, in Afghanistan milit&auml;risch mitzumischen &ndash; mit dem bereits erw&auml;hnten manifesten Misserfolg 2021.<\/p><p>Ein weiterer, wohl heute nur wenigen in Erinnerung gebliebener Schub d&uuml;rfte im Februar 2014 auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz erfolgt sein. Seit dieser Konferenz ist die &Ouml;ffentlichkeit einer Dauerbeschallung angesichts einer angeblich unterfinanzierten und nicht einsatztauglichen Bundeswehr ausgesetzt. Auf besagter Sicherheitskonferenz, an der ich selbst teilnahm, wurde ein orchestrierter Auftritt zwischen dem damaligen Bundespr&auml;sidenten J. Gauck, dem damaligen Au&szlig;enminister F.-W. Steinmeier und der damaligen Verteidigungsministerin U. von der Leyen inszeniert: Deutschland m&uuml;sse endlich internationale Verantwortung &uuml;bernehmen und seine B&uuml;ndnisverpflichtungen erf&uuml;llen. Worin denn genau das angebliche Verantwortungs- und B&uuml;ndnisverpflichtungsdefizit bestand, war sie nicht willens zu erl&auml;utern.<\/p><p>Und der damalige Au&szlig;enminister und heutige Bundespr&auml;sident F.-W. Steinmeier forderte, Deutschland sei zu gro&szlig;, um &bdquo;Weltpolitik nur von der Au&szlig;enlinie zu kommentieren&ldquo;. Nicht dahinter zur&uuml;ckbleiben wollte der damalige Bundespr&auml;sident J. Gauck: Deutschland d&uuml;rfe sich nicht mehr hinter &bdquo;seiner historischen Schuld verstecken&ldquo; und m&uuml;sse &bdquo;auch milit&auml;risch&ldquo; mehr tun. (<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/rolle-deutschlands-steinmeier-zu-gross-fuer-die-aussenlinie-100.html\">Quelle<\/a>) Hier dringt er durch, der Anspruch auf einen milit&auml;risch gest&uuml;tzten Gro&szlig;machtstatus. Denn wirklich Weltpolitik gestalten kann nur eine Gro&szlig;macht, k&ouml;nnen nur miteinander konzertierende Mittelm&auml;chte oder aber eine Mittelmacht als Anhang einer Gro&szlig;macht.<\/p><p>Zu Letzterem passt wie die Faust aufs Auge die Anbiederung des deutschen Wirtschaftsministers R. Habeck bei seinem Antrittsbesuch im Februar 2022 in Washington:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Je st&auml;rker Deutschland dient, umso gr&ouml;sser ist seine Rolle.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die &bdquo;Bereitschaft, eine dienende F&uuml;hrungsrolle auszu&uuml;ben&ldquo; werde in der US-Hauptstadt erfreut zur Kenntnis genommen. Die Hoffnung und Erwartung sei, dass mit der Bereitschaft zu h&ouml;heren Milit&auml;rausgaben und zu Waffenlieferungen in die Ukraine auch die Bereitschaft zu mehr Verantwortung innerhalb der NATO verbunden sei. &bdquo;Und das ist ja auch der Plan.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/deutschland-die-wichtigsten-meldungen-aus-der-politik-ld.1670359\">Quelle<\/a>)<\/p><p>Und nat&uuml;rlich wird so wenig deutsche Selbstachtung vom Washingtoner Establishment erfreut zur Kenntnis genommen. Man kann den US-Amerikanern diese Freude &uuml;ber den von R. Habeck ausgedr&uuml;ckten deutschen Willen, den USA zu dienen, gar nicht ver&uuml;beln. Und wie weit der deutsche Wille, den USA zu dienen, fortgeschritten ist, zeigt sich am passiven Verhalten des deutschen Kanzlers O. Scholz auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem US-Pr&auml;sidenten J. Biden Anfang Februar 2022. Dieser erkl&auml;rte: &bdquo;Wenn Russland einmarschiert, wird es kein Nord Stream 2 mehr geben.&ldquo; Auf die Nachfrage anwesender Journalisten, wie die USA das verhindern wollten, antwortete der US-Pr&auml;sident trocken: &bdquo;Ich verspreche Ihnen, dass wir das schaffen werden.&ldquo; Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland O. Scholz steht regungslos daneben und akzeptiert scheinbar damit die US-Dominanz &uuml;ber die deutsche Energiepolitik &ndash; mithin das Ende der Energiesouver&auml;nit&auml;t.<\/p><p>Der letzte und wohl massivste Schub, auch f&uuml;r das Portemonnaie des deutschen Steuermichels, war die Verk&uuml;ndung der &bdquo;Zeitenwende&ldquo; am 27. Februar 2022 als Reaktion des russischen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffs auf die Ukraine. Diese Zeitenwende beinhaltet eben zu tilgende Sonderschulden in H&ouml;he von 100 Milliarden Euro plus Zinsen &ndash; Gelder, die in der innenpolitischen Sph&auml;re fehlen. 100 Milliarden Euro &ouml;ffentliche Investitionen beispielsweise in die deutsche Verkehrsinfrastruktur (Deutsche Bahn), in die Bildungsinfrastruktur, in die Gesundheit und Umwelt w&auml;ren Investitionen in die Zukunft unseres Landes. Es w&auml;ren Investitionen von den Menschen (Steuergelder sind unsere Gelder) f&uuml;r die Menschen in unserem Land, die das internationale Standing Deutschlands gewiss erh&ouml;hen w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Aufr&uuml;stung schafft nicht notwendigerweise Stabilit&auml;t<\/strong><\/p><p>Ja, der Krieg Russlands scheint denen recht zu geben, die eine starke und kriegstaugliche Bundeswehr einfordern, so wie unser Verteidigungsminister B. Pistorius. Aber es scheint eben nur so &ndash; auf dem niedrigen Reflexionsniveau.<\/p><p>Denn unter sicherheitspolitischem Gesichtspunkt schluckt eine R&uuml;stungsspirale sehr viel Steuergelder, die in anderen Bereichen (innenpolitische Sph&auml;re) eben eingespart werden m&uuml;ssen. Die R&uuml;stungsausgaben schaffen aber im umgekehrten Verh&auml;ltnis nicht mehr, sondern mitunter weniger Stabilit&auml;t und Sicherheit. Denn die Russische F&ouml;deration sitzt als gr&ouml;&szlig;te Nuklearmacht im Zweifel immer am l&auml;ngeren Hebel, da jegliche konventionelle &Uuml;berlegenheit der NATO, die objektiv gegeben ist, durch das russische Nuklearpotenzial mehr als kompensiert wird. Ein unmittelbarer Krieg gegen die Russische F&ouml;deration lie&szlig;e sich wohl wenig wahrscheinlich auf die konventionelle Ebene begrenzen. Diese Erkenntnis gilt &uuml;brigens f&uuml;r beide Seiten, f&uuml;r die Russische F&ouml;deration wie f&uuml;r die NATO. Denn auch in Moskau wei&szlig; man, dass die USA im Zweifel ihre Nuklearwaffen in einem milit&auml;rischen Schlagabtausch einsetzen w&uuml;rden. Diese Situation nennt man gegenseitige nukleare Abschreckung auf der Grundlage des Wissens um die &bdquo;gegenseitig gesicherte Zerst&ouml;rung&ldquo; (&bdquo;mutual assured destruction&ldquo;, kurz &bdquo;MAD&ldquo;), die &ndash; so pervers, wie sie ist &ndash; doch bis heute einen dritten Weltkrieg verhindert hat.<\/p><p>Und genau diese Tatsache zeigt, wie unsinnig, ja geradezu verantwortungslos mit unseren wertvollen Steuergeldern in Form immer weiterer Aufr&uuml;stung umgegangen wird &ndash; finanziell und sicherheitspolitisch verantwortungslos. Das hei&szlig;t nicht, dass wir keine Bundeswehr ben&ouml;tigen. Es hei&szlig;t aber, eine Bundeswehr mit rein defensiver Ausrichtung zur Landesverteidigung begleitet durch eine konstruktive, auf Abr&uuml;stung und gemeinsamer Sicherheit f&uuml;r Europa unter Einschluss der Ukraine und Russland orientierte Sicherheitspolitik. Dass wissen auch die etwas aufgekl&auml;rteren au&szlig;en- und sicherheitspolitischen Experten, die sich nicht in gesinnungsethischem Denken verrennen, sondern verantwortungsethisch verhalten.<\/p><p><strong>Mittelstand? Egal.<\/strong><\/p><p>Wie weit unsere Ampelregierung von dem Primat der Innenpolitik &uuml;ber das Primat der Au&szlig;enpolitik zumindest tendenziell hin zum Primat des Milit&auml;rischen gegangen ist, zeigt nicht zuletzt die absolut skurrile Situation um die Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Die Bundesregierung hatte im Kontext der Coronapandemie die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf sieben Prozent gesenkt, um die Belastungen f&uuml;r die Gastronomie w&auml;hrend der Pandemie zu mindern. Und O. Scholz versprach in der ARD-Wahlarena (Bundestagswahlkampf 2021), die Absenkung der Mehrwertsteuer f&uuml;r die Gastronomie werde &bdquo;nie wieder&ldquo; abgeschafft. (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/AlexanderSNeu\/status\/1726170816935788844\">Quelle<\/a>).<\/p><p>Es ist eine sehr sinnvolle Ma&szlig;nahme &ndash; nicht nur, um die Belastungen w&auml;hrend der Pandemie f&uuml;r die Gastronomie zu senken, sondern generell. Als nun gew&auml;hlter Bundeskanzler sieht Olaf Scholz das pl&ouml;tzlich anders: Nun sei die Pandemie vorbei, und man m&uuml;sse diese Ausnahmeregelung auslaufen lassen. Ob er sich nicht mehr an seine Zusage, es sei keine Ausnahmeregelung, erinnern kann oder nicht mehr erinnern will, sei dahingestellt. Festzuhalten bleibt, dass er ganz dem Adenauer&rsquo;schen Motto &bdquo;Was st&ouml;rt mich mein Geschw&auml;tz von gestern&ldquo; folgt.<\/p><p>Und au&szlig;erdem f&uuml;hrte eine Fortsetzung der Sieben-Prozent-Regelung zu einem Mehrwertsteuerausfall von rund 3,4 Milliarden Euro, so die erg&auml;nzende Begr&uuml;ndung f&uuml;r den Wortbruch. Warum diese Gr&ouml;&szlig;enordnung von 3,4 Milliarden Euro interessant ist, beleuchte ich weiter unten. Jedenfalls solle daher die Mehrwertsteuer ab Januar 2024 wieder auf 19 Prozent erh&ouml;ht werden. Ganz so, als ob erstens die Gastronomie sich wieder g&auml;nzlich von den Belastungen der Coronaphase erholt h&auml;tte und ganz so, als ob es keine neuen Belastungen f&uuml;r die Gastronomien g&auml;be &ndash; wachsende Energie- und Lebensmittelkosten. <\/p><p>Die Ampel vertr&ouml;stet die Kleinunternehmer und den Mittelstand damit, sie habe ja die Energiepreisbremse bis Ende M&auml;rz 2024 verl&auml;ngert. Dar&uuml;ber hinaus ginge es indessen nicht aufgrund von Bedenken aus der EU. Also, im Klartext drei Monate mehr Galgenfrist &ndash; diese &auml;ndert in der Logik der Galgenfrist liegend aber nichts an der Problematik als solches: zu hohe Belastungen f&uuml;r die Gastronomien. Und zu Recht protestieren die Gastronomen und der deutsche Hotel- und Gastst&auml;ttenverband gegen die Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer. Denn diese Erh&ouml;hung f&uuml;hrt mutma&szlig;lich zu einer Reihe von Pleiten im Gastronomiegewerbe. G&auml;ste bleiben aus, da der ohnehin inflations- und kostensteigerungsgeplagte Michel noch genauer in seine Geldb&ouml;rse schauen muss. Eine m&ouml;gliche Pleitewelle bedeutet Jobverluste und ggf. Arbeitslosigkeit, was wiederum die sozialen Sicherungssysteme, wie die Arbeitslosenversicherung, st&auml;rker belasten d&uuml;rfte. Dieser anzunehmende geringere gastronomische Konsum bis hin zu gastronomischen Insolvenzen d&uuml;rfte erheblich dazu beitragen, dass die Mehrwertsteuereinnahmen durch die Erh&ouml;hung auf 19 Prozent eben nicht ein Plus von 3,4 Milliarden Euro, sondern deutlich weniger oder sogar ein Nullsummenspiel generieren. Obendrauf kommen die Zusatzkosten f&uuml;r die sozialen Sicherungssysteme. Kurzum: ein erstaunlich geniales Vorhaben der Ampel, um es mit etwas Zynismus zu bewerten.<\/p><p>Und nun zur&uuml;ck zu den 3,4 Milliarden Euro und der Frage des Primats der Innen- oder Au&szlig;enpolitik: Verteidigungsminister B. Pistorius erkl&auml;rte k&uuml;rzlich, ohne mit der Wimper zu zucken, die Milit&auml;rhilfe (wohlgemerkt nicht humanit&auml;re Hilfe) f&uuml;r die Ukraine um vier Milliarden Euro auf acht Milliarden Euro f&uuml;r 2024 zu verdoppeln. (<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/ukraine-militaerhilfe-100.html\">Quelle<\/a>) Wie locker doch die Steuermilliarden sitzen, wenn es um milit&auml;rische Fragen geht. Und wie sehr die Ampel auf dem Steuers&auml;ckel sitzt, wenn es darum geht, die Wirtschaft unseres Landes vor der wachsenden Rezession zu bewahren.<\/p><p>Diese finanzielle Verdoppelung f&uuml;r milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen einerseits und die Gef&auml;hrdung der Gastronomie andererseits stellen keine Ausnahmen dar. Sie stehen vielmehr paradigmatisch f&uuml;r ein prinzipielles Politikverst&auml;ndnis, das sich in den letzten 30 Jahren durch einen schleichenden Prozess sowie offensichtliche Sch&uuml;be breitgemacht hat:<\/p><p>Vom Primat der Innenpolitik weg, hin zum Primat einer milit&auml;risch abgest&uuml;tzten Au&szlig;enpolitik.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ shirmanov aleksey<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105547\">Das Aufkommen der neuen Weltordnung &ndash; von Kriegen begleitet<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106000\">Die Welt wandelt sich &ndash; und der Westen schlafwandelt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101565\">Krieg und V&ouml;lkerrecht<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/3b6f47e375624c4d86a1ac0a6973bfad\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Politikwissenschaft existiert eine Methode, die Politik in das Primat (Vorrang) der Au&szlig;en- oder Innenpolitik zu kategorisieren. 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