{"id":107303,"date":"2023-11-27T10:00:11","date_gmt":"2023-11-27T09:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107303"},"modified":"2023-11-28T14:05:52","modified_gmt":"2023-11-28T13:05:52","slug":"gibt-es-im-gazastreifen-fuenfzig-gerechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107303","title":{"rendered":"Gibt es im Gazastreifen f\u00fcnfzig Gerechte?"},"content":{"rendered":"<p>Die Herzen der Menschen erreicht eine Politik nur dann, wenn sie mit allen Opfern leidet. Auf das Massaker der Hamas in Israel folgt das Massaker Israels im Gazastreifen. Die jetzt vereinbarte Feuerpause und der Geiselaustausch sind ein Silberstreif am Horizont der Mitmenschlichkeit. Aber danach soll das sinnlose Morden weitergehen. Dass das Vorgehen Israels mit dem V&ouml;lkerrecht nicht vereinbar ist, ist offenkundig, und auch die Genfer Konventionen verbieten einen Krieg gegen die Zivilbev&ouml;lkerung. Dabei ist die Frage, ob man Unschuldige f&uuml;r Verbrechen anderer bestrafen kann, uralt. Schon im Alten Testament wird eine Antwort gegeben. Von <strong>Oskar Lafontaine<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9011\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-107303-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231128-Gazastreifen-fuenfzig-Gerechte-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231128-Gazastreifen-fuenfzig-Gerechte-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231128-Gazastreifen-fuenfzig-Gerechte-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231128-Gazastreifen-fuenfzig-Gerechte-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=107303-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231128-Gazastreifen-fuenfzig-Gerechte-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231128-Gazastreifen-fuenfzig-Gerechte-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Aufl&ouml;sung in einem einzigen Satz<\/strong><\/p><p>Als Gott Sodom und Gomorrha dem Erdboden gleichmachen wollte, um die Einwohner f&uuml;r ihre S&uuml;nden zu bestrafen, sagte Abraham zu ihm: &laquo;Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen t&ouml;ten? Vielleicht gibt es f&uuml;nfzig Gerechte in der Stadt. Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der f&uuml;nfzig Gerechten dort? Das kann man doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen [&hellip;] Sollte sich der Richter &uuml;ber die ganze Erde nicht an das Recht halten?&raquo; &ndash; Da sprach der Herr: &laquo;Wenn ich in Sodom in der Stadt f&uuml;nfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.&raquo;<\/p><p>Gerechte darf man nicht t&ouml;ten, um Ruchlose zu bestrafen! An diesem alttestamentarischen Gebot &auml;ndert auch die Fortsetzung der biblischen Erz&auml;hlung nichts. Sodom und Gomorrha wurden letztlich doch zerst&ouml;rt, nachdem der Gerechte Lot mit seiner Familie die Stadt verlassen hatte. In diesem Versuch Abrahams, selbst gegen&uuml;ber der Macht Gottes menschlich zu bleiben, liege das eigentliche Erbe des ethischen Monotheismus, schreibt der New Yorker Philosoph Omri Boehm. Es gehe Abraham nicht nur darum, die Existenz eines einzigen wahren Gottes zu behaupten, sondern darum, die Instanz der Gerechtigkeit universell zu setzen. Erg&auml;nzt man diesen Ansatz um die zentrale Botschaft des Christentums, nach der alle Menschen Gotteskinder und damit gleich sind, dann hat man den Weg der Aufl&ouml;sung des Nahostkonflikts in einem einzigen Satz: Die W&uuml;rde aller Menschen ist unantastbar.<\/p><p>Dass die israelische Regierung das Alte Testament kennt, darf unterstellt werden, aber sie handelt nicht danach. Der ehemalige israelische Botschafter Schimon Stein urteilte, die Regierung Netanjahu sei halbfaschistisch. Finanzminister Bezalel Smotrich nennt sich selbst einen faschistischen Homophoben. Verteidigungsminister Joaw Galant triumphierte: &laquo;Kein Strom, kein Essen, kein Sprit, alles ist abgeriegelt. Wir k&auml;mpfen gegen menschliche Tiere und handeln dementsprechend.&raquo; Das ist in der Tat die Sprache des Faschismus. Immer mehr Israeli und Freunde Israels fordern jetzt, man m&uuml;sse das Land vor sich selbst sch&uuml;tzen und dem Morden ein Ende bereiten, um dem t&auml;glich st&auml;rker werdenden Antisemitismus entgegenzutreten. Und vereinzelt taucht in den Medien auch die bittere Wahrheit auf: Die Hamas wurde lange Jahre von der israelischen Regierung unterst&uuml;tzt, an erster Stelle von Benjamin Netanjahu, um einen pal&auml;stinensischen Staat zu verhindern. Wie die USA al-Qaida, so f&ouml;rderte Israel die Hamas und wurde jetzt mit den schrecklichen Folgen der eigenen Politik konfrontiert. Die Mehrheit der Israeli fordert l&auml;ngst die Abl&ouml;sung der Regierung Netanjahu, deren Vorgehen im Gazastreifen unendlichen Hass s&auml;t und immer neue K&auml;mpfer f&uuml;r die Hamas und den militanten Islamismus hervorbringt. &laquo;Die Hamas l&auml;sst sich nicht ausl&ouml;schen. Sie ist eine Ideologie, die bestehen bleibt, solange sie einen N&auml;hrboden hat&raquo;, sagt die j&uuml;dische Bestsellerautorin Deborah Feldman.<\/p><p><strong>Emp&ouml;rende Empathielosigkeit<\/strong><\/p><p>In ihrem Bem&uuml;hen, Israel und damit die israelische Regierung bedingungslos zu unterst&uuml;tzen und das wachsende Leid der Pal&auml;stinenser nicht zum Anlass zu nehmen, einen sofortigen Waffenstillstand zu fordern, erreicht die Bundesregierung vor allem eines: Der Antisemitismus in Deutschland w&auml;chst wieder. Wenn Bundeskanzler Olaf Scholz in seinem bekannten, leidenschaftslosen Tonfall wiederholt, er gehe davon aus, dass die israelische Regierung das V&ouml;lkerrecht beachte, auch wenn mittlerweile &uuml;ber 10 000 Pal&auml;stinenser von der israelischen Armee get&ouml;tet wurden, die H&auml;lfte davon Kinder, dann st&ouml;&szlig;t eine solche Empathielosigkeit auf Emp&ouml;rung. Und wenn im Zuge der sich immer weiter ausbreitenden Cancel-Culture pauschal propal&auml;stinensische Demonstrationen verboten und f&uuml;r Pal&auml;stina Partei ergreifende K&uuml;nstler ausgeladen werden, dann w&auml;chst die Wut, und die Leidtragenden in Deutschland sind vor allem die Juden. <\/p><p>Die Herzen der Menschen erreicht eine Politik nur dann, wenn sie auf wirklicher Menschlichkeit gr&uuml;ndet und mit allen Opfern leidet, nicht nur mit den israelischen Opfern. Wir brauchen jetzt eine gro&szlig;e Demonstration in Deutschland, in der ein sofortiger Waffenstillstand gefordert und der israelischen und der pal&auml;stinensischen Opfer gedacht wird.<\/p><p><small>Titelbild: Anas-Mohammed\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Herzen der Menschen erreicht eine Politik nur dann, wenn sie mit allen Opfern leidet. Auf das Massaker der Hamas in Israel folgt das Massaker Israels im Gazastreifen. Die jetzt vereinbarte Feuerpause und der Geiselaustausch sind ein Silberstreif am Horizont der Mitmenschlichkeit. Aber danach soll das sinnlose Morden weitergehen. Dass das Vorgehen Israels mit dem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107303\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":107304,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171,161],"tags":[302,822,1557,1926,303,1703,2360],"class_list":["post-107303","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","category-wertedebatte","tag-gaza","tag-hamas","tag-israel","tag-netanjahu-benjamin","tag-palaestina","tag-voelkerrecht","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/231127_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=107303"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":107412,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107303\/revisions\/107412"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/107304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=107303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=107303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=107303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}