{"id":107545,"date":"2023-12-04T10:00:58","date_gmt":"2023-12-04T09:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107545"},"modified":"2023-12-05T13:24:19","modified_gmt":"2023-12-05T12:24:19","slug":"stimmen-aus-der-ukraine-der-westen-enttaeuscht-selenskyj-nervoes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107545","title":{"rendered":"Stimmen aus Ungarn: Der Westen entt\u00e4uscht, Selenskyj nerv\u00f6s"},"content":{"rendered":"<p>Mit Bitterkeit und Wut, gemischt mit Entt&auml;uschung, beobachten die Eliten in Kiew und im Westen das Scheitern der ukrainischen Gegenoffensive. Wie so oft hat das Scheitern auch diesmal keinen Verursacher, und das Hin- und Herschieben von Verantwortung hat begonnen. In der Folge wachsen die Spannungen sowohl innerhalb der ukrainischen Machtelite &ndash; vor allem zwischen dem Milit&auml;r und der politischen F&uuml;hrung &ndash; als auch zwischen Kiew und seinen westlichen Unterst&uuml;tzern. Welche Fehler haben dazu gef&uuml;hrt, und was sind die m&ouml;glichen Folgen der wachsenden Kriegsm&uuml;digkeit? Vom ungarischen Analysten <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, ins Deutsche &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2451\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-107545-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231204_Stimmen_aus_Ungarn_Der_Westen_enttaeuscht_Selenskyj_nervoes_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231204_Stimmen_aus_Ungarn_Der_Westen_enttaeuscht_Selenskyj_nervoes_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231204_Stimmen_aus_Ungarn_Der_Westen_enttaeuscht_Selenskyj_nervoes_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231204_Stimmen_aus_Ungarn_Der_Westen_enttaeuscht_Selenskyj_nervoes_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=107545-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231204_Stimmen_aus_Ungarn_Der_Westen_enttaeuscht_Selenskyj_nervoes_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231204_Stimmen_aus_Ungarn_Der_Westen_enttaeuscht_Selenskyj_nervoes_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das Scheitern des Durchbruchs, die gescheiterte Gegenoffensive hat sowohl die westliche &Ouml;ffentlichkeit, die den Glauben an den Sieg der Ukraine verloren hat, als auch die ukrainische Innenpolitik aufgew&uuml;hlt. Der westliche Mainstream kritisiert immer lauter die ukrainische F&uuml;hrung. Die politischen Eliten zeigen irritiert mit dem Finger auf Kiew, und die Presse berichtet immer offener &uuml;ber den Stand des Krieges. Sie konfrontiert eine zunehmend kriegsm&uuml;de &Ouml;ffentlichkeit mit der Tatsache, dass von einem ukrainischen Sieg immer noch keine Spur zu sehen ist. Dar&uuml;ber hinaus ver&auml;ndert sich die internationale Lage, sie spitzt sich immer mehr zu. Und wie wir am Aufflammen der pal&auml;stinensisch-israelischen Konfrontation gesehen haben, wird die Aufmerksamkeit langsam von der Ukraine abgelenkt. Inzwischen sind viele L&auml;nder wegen innenpolitischer Probleme kaum noch in der Lage, die finanzielle und milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Kiew zu erh&ouml;hen oder auch nur das derzeitige Niveau zu halten.<\/p><p>Wie die Situation in den USA zeigt, wird es immer schwieriger, hinter der Ukraine zu stehen. Das hei&szlig;t nat&uuml;rlich nicht, dass der Westen der Ukraine den R&uuml;cken kehrt, aber der moralische Ansatz und der realit&auml;tsferne Enthusiasmus werden zunehmend durch bittere Ern&uuml;chterung, Entt&auml;uschung und Realismus ersetzt.<\/p><p>Auch in den Medien schl&auml;gt die Stimmung um. Wolodymyr Selenskyj, der vor einem Jahr noch als Verteidiger der westlichen Welt und des Fortschritts galt, steht nun im Mittelpunkt der Kritik. Immer mehr Menschen weisen auf seine fehlgeleiteten Ziele, seine mangelnde Kompromissbereitschaft, das Ausma&szlig; der Korruption in der Ukraine und sogar auf seinen diktatorischen F&uuml;hrungsstil hin. Ein gutes Beispiel daf&uuml;r ist das US-Magazin <em>Time<\/em>, das Selenskyj vor einem Jahr zum &bdquo;Mann des Jahres&ldquo; k&uuml;rte und nun eine vernichtende Kritik &uuml;ber den ukrainischen F&uuml;hrer ver&ouml;ffentlicht hat. In seinem viel beachteten Bericht hat das Wochenmagazin bereits die Realit&auml;tsferne des Pr&auml;sidenten, der sich f&uuml;r den Erl&ouml;ser w&auml;hnt, seine Entschlossenheit, den Kampf fortzusetzen, und seine fast messianische Verpflichtung, Russland zu besiegen, aufgedeckt. Inzwischen wachsen die Unzufriedenheit in der Gesellschaft und die Spannungen innerhalb der Elite. Einige Kommandeure an der Front widersetzen sich den Befehlen. Sie weigern sich anzugreifen, bleiben nur in den Sch&uuml;tzengr&auml;ben sitzen und halten die Stellung. Selenskyj ist offensichtlich entt&auml;uscht &uuml;ber den Westen. Der Pr&auml;sident sieht, dass es immer schwieriger wird, die Ukraine zu finanzieren, ist deshalb verst&auml;ndlicherweise nerv&ouml;s und f&uuml;hlt sich von seinen Verb&uuml;ndeten verraten.<\/p><p><strong>Der westliche Mainstream ist desillusioniert und w&uuml;tend<\/strong><\/p><p>Doch bevor wir &uuml;ber die realistische Sicht der westlichen Mainstream-Medien in Bezug auf die Lage in der Ukraine euphorisch werden, m&ouml;chte ich Sie daran erinnern, dass in denselben Zeitungen vor einem Jahr enthusiastische Artikel &uuml;ber die Siegeschancen der Ukraine zu lesen waren. Und derselbe Journalist Simon Shuster, der jetzt pl&ouml;tzlich einen kritischen Ton anschl&auml;gt, erkl&auml;rte Selenskyj zum Helden, zum H&uuml;ter der Demokratie. Und derselbe Mainstream hat alles, was er jetzt selbst behauptet, als russische Propaganda gebrandmarkt.<\/p><p>Der westliche Mainstream scheint der Realit&auml;t ins Auge geblickt zu haben und akzeptiert, was die realistische politische Schule seit dem 24. Februar 2022 sagt. Er sieht ein, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen und die Ukraine gezwungen ist, sich mit territorialen Verlusten aus ihm zur&uuml;ckzuziehen. Dieser Mainstream ist jedoch eher desillusioniert und w&uuml;tend, weil der Traum, den er sich ausmalte, in weite Ferne r&uuml;ckt: Russland kann nicht besiegt werden. Doch anstatt zuzugeben, dass sie die &ouml;ffentliche Meinung in die Irre gef&uuml;hrt hat, sucht die Mainstream-Presse &auml;hnlich der politischen Elite nach einem S&uuml;ndenbock und zeigt nun mit dem Finger auf die ukrainische F&uuml;hrung. Dabei ist die Elite in Kiew heute noch genauso wie beim Ausbruch des Krieges, nur der westliche Mainstream wollte es nicht wahrhaben. In dem, was jetzt geschieht &ndash; zum Beispiel die Zuspitzung der Beziehungen zwischen dem Generalstabschef der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, und Selenskyj &ndash; ist in der Tat nichts Neues, denn das war vor einem Jahr nicht anders. Ein Riesenunterschied ist jedoch, dass die Ukraine vor einem Jahr milit&auml;rische Erfolge vorweisen konnte, indem sie an der Front in Charkiw vorr&uuml;ckte. Au&szlig;erdem standen die Vereinigten Staaten und der gesamte Westen eindeutig an der Seite der Ukraine.<\/p><p>Die Tatsache, dass die westliche Presse die Erkl&auml;rung des Vorsitzenden von Selenskyjs Parlamentsfraktion &bdquo;Diener des Volkes&rdquo;, Dawid Arachamija, als Neuigkeit wiedergegeben hat, sollte in diesem Zusammenhang betrachtet werden. Arachamija sprach unter anderem &uuml;ber die russisch-ukrainischen Friedensgespr&auml;che vom M&auml;rz beziehungsweise April 2022 und erw&auml;hnte, dass am Ende die einzige wirkliche Meinungsverschiedenheit die Mitgliedschaft oder Nichtmitgliedschaft der Ukraine in der NATO war und dass die Friedensgespr&auml;che schlie&szlig;lich nach dem Besuch &ndash; der Intervention &ndash; von Boris Johnson abgebrochen wurden. Arachamija wei&szlig; dar&uuml;ber Bescheid, da er die ukrainische Delegation leitete. Die westlichen Medien m&uuml;ssen das auch gewusst haben, aber die Mainstream-Medien wollen davon nichts gewusst haben, obwohl der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der oder der israelische Ex-Regierungschef Naftali Bennett, die an der Vermittlung beteiligt waren, dar&uuml;ber sprachen. Die Einsicht der Ukraine kann nun als eine Botschaft an den Westen interpretiert werden, die besagt: Wenn ihr damals keinen Frieden zugelassen habt, finanziert ihr jetzt den Krieg.<\/p><p>Bevor wir jedoch Mitleid mit Wolodymyr Selenskyj und seiner Mannschaft haben, sollten wir nicht vergessen, dass die ukrainische Elite ein Partner in dieser stillschweigenden Abmachung war. W&auml;hrend der Westen die Augen vor den Schlamassel verschloss, spielte Selenskyj einerseits die ihm zugeteilte Rolle des Kriegshelden, andererseits wusste er aus der Opferrolle Kapital zu schlagen. Er wuchs so sehr in seine Rolle hinein, dass er anfing zu glauben, was er sagte.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Performance&rdquo; nimmt immer absurdere Wendungen<\/strong><\/p><p>Umso verst&auml;ndlicher sind Nervosit&auml;t und Wut, gemischt mit der Desillusionierung, die sich in seinem Gesicht bereits auf dem NATO-Gipfel in Vilnius und j&uuml;ngst auf seiner USA-Reise abzeichneten. Das Rampenlicht ist erloschen oder zumindest verblasst, jetzt ist Gaza im Fokus. Aber die Vorstellung ist noch lange nicht vorbei, sie nimmt nur immer tragischere Z&uuml;ge an. Doch man kann nicht einfach die Rolle ablegen, auch wenn dieses Spiel immer mehr zu einer Farce wird &ndash; so sehr, dass manchmal sogar die Nebendarsteller eine Hauptrolle haben wollen. Wie im Fall von Oleksij Arestowitsch, dem im Januar entlassenen Pr&auml;sidentenberater, der, das wachsende Chaos sp&uuml;rend, seine Absicht kundtat, f&uuml;r das Pr&auml;sidentenamt zu kandidieren und f&uuml;r den Frieden bereit zu sein, die von Russland besetzten Gebiete aufzugeben.<\/p><p>Inmitten einer spektakul&auml;ren Zuspitzung der Spannungen zwischen der milit&auml;rischen und der politischen F&uuml;hrung gibt beispielsweise der pl&ouml;tzliche und merkw&uuml;rdige Tod von Major Hennadii Chastiakov, einem Adjutanten des ukrainischen Oberbefehlshabers, verst&auml;ndlicherweise Anlass zu Spekulationen. Nach der offiziellen Version hatte er von seinem Kollegen, Oberst Timtschenko, zum Geburtstag eine Flasche guten Whiskey und Kampfgranaten geschenkt bekommen. Saluschnyjs Stellvertreter soll ihn ausdr&uuml;cklich darauf hingewiesen haben, aber der Jubilar hielt dies zu Hause f&uuml;r einen Scherz und machte sie scharf. Nach einer anderen Version begann der 13-j&auml;hrige Sohn des Majors, mit den Granaten zu spielen. W&auml;hrend Chastiakov sie ihm aus der Hand nahm, wurde demnach der Sprengstoffmechanismus der Granate aktiviert. Chastiakov wurde get&ouml;tet und sein Sohn schwer verletzt. Um die Verwirrung zu steigern, ist auf den am Tatort aufgenommenen Bildern eine Injektionsnadel zu sehen. Die offizielle Erkl&auml;rung wird von vielen nicht geglaubt, sie sehen hinter den Ereignissen die Pr&auml;sidialverwaltung, obwohl die M&ouml;glichkeit eines &bdquo;Geburtstagsunfalls&rdquo; nicht ausgeschlossen ist.<\/p><p>Aber der Regisseur hat noch nicht abgewunken, also m&uuml;ssen die immer peinlicheren Szenen gespielt werden. Auch wenn die Schauspieler hinter den Kulissen bereits &uuml;bereinander herfallen, und jeder will dem anderen &ndash; die ukrainischen Schauspieler meist dem Regisseur &ndash; den Misserfolg der Auff&uuml;hrung in die Schuhe schieben.<\/p><p><strong>Die ausl&auml;ndische Presse wird zum Schlachtfeld der Machtk&auml;mpfe<\/strong><\/p><p>Auch hierf&uuml;r nutzen sie die internationale Presse. Selenskyj gibt ein Interview nach dem anderen, mal verzweifelt, mal erpresserisch, manchmal mit drohendem Ton. Er selbst erh&auml;lt &uuml;ber die Medien Nachrichten, die ihn oft wie eine kalte Dusche &uuml;berkommen. So berichtete der US-amerikanische Fernsehsender <em>NBC<\/em> k&uuml;rzlich, dass die westlichen Staats- und Regierungschefs die Ukrainer bereits an den Verhandlungstisch setzen w&uuml;rden. Inzwischen wird auch die ausl&auml;ndische Presse, wie zum Beispiel <em>The Economist<\/em>, zu einem Schlachtfeld f&uuml;r Machtk&auml;mpfe.<\/p><p>In einem in der britischen Zeitschrift ver&ouml;ffentlichten Interview und in zwei parallel dazu ver&ouml;ffentlichten Artikeln r&auml;umte Oberbefehlshaber Saluschnyj ein, dass an den Fronten eine Pattsituation herrsche. Es gebe keine Chance auf einen Durchbruch, und es werde statt Operationen zu langwierigen Stellungsk&auml;mpfen kommen, g&uuml;nstig f&uuml;r die russische Seite, die eine Taktik des Aufreibens verfolge. Laut dem Generalstabschef braucht die Ukraine neue milit&auml;rische F&auml;higkeiten und Ausr&uuml;stung &ndash; vor allem Artillerie und Luftstreitkr&auml;fte &ndash;, um aus der Falle dieser Art der Kriegsf&uuml;hrung auszubrechen. Saluschnyjs Worte in der britischen Zeitschrift k&ouml;nnen tats&auml;chlich als Hilferuf interpretiert werden.<\/p><p>Der Oberbefehlshaber sieht und sp&uuml;rt, dass die ukrainische politische F&uuml;hrung, das Team des Pr&auml;sidenten, ihn zum S&uuml;ndenbock f&uuml;r das Scheitern der Gegenoffensive machen will. Daher r&auml;umt er zwar die taktischen Fehler der milit&auml;rischen F&uuml;hrung ein, verweist aber auf die Verantwortung der politischen Elite und des Westens.<\/p><p><strong>Der Westen hat sich selbst belogen<\/strong><\/p><p>Zu Recht, denn die milit&auml;rische F&uuml;hrung hielt beispielsweise die Verteidigung von Bahmut, die unz&auml;hlige Opfer erforderte und der russischen Seite Zeit f&uuml;r den Bau der Surowikin-Linie verschaffte, f&uuml;r ungerechtfertigt, aber die Pr&auml;sidialverwaltung wollte ein Heldenepos schreiben und war mehr auf Prestige als auf praktische Erw&auml;gungen bedacht. Doch auch die Verantwortung der westlichen politischen Elite und der NATO ist zu bedenken. Es war ein Fehler, die Ukraine in einen aussichtslosen Kampf zu st&uuml;rzen &ndash; ein Friedensabkommen wurde im M&auml;rz 2022 blockiert &ndash; und sie glauben zu lassen, auch wenn es nicht so schwierig war, dass Russland besiegt werden muss und kann. Vor diesem Hintergrund ist es kein Zufall, dass Moskau diesen Krieg als Teil des Stellvertreterkriegs der USA gegen Russland sieht, in dem ukrainische Truppen als Kanonenfutter eingesetzt werden. Es scheint jedoch, dass der Westen nicht nur die Ukraine, sondern auch sich selbst get&auml;uscht, um nicht zu sagen gar belogen hat.<\/p><p>Es gab auch erheblichen politischen Druck auf Kiew, eine Gegenoffensive zu starten, die von der ukrainischen Milit&auml;rf&uuml;hrung in Zusammenarbeit mit westlichen Beratern und Strategen geplant wurde. Nach f&uuml;nf Monaten ist festzustellen&ndash; und Saluschnyj sagt es im Wesentlichen &ndash;, dass die Alliierten ein b&ouml;ses Experiment mit den Ukrainern durchgef&uuml;hrt haben. Kein Mitgliedsstaat des B&uuml;ndnisses h&auml;tte vermutlich eine offensive Milit&auml;roperation gestartet &ndash; ohne Artillerie und Luft&uuml;berlegenheit. Es wurde aber auch deutlich, dass die NATO in den letzten drei Jahrzehnten keine unmittelbare Erfahrung mit umfangreichen Landoperationen hatte &ndash; schon gar nicht gegen einen so starken Gegner. Und wir haben noch nicht erw&auml;hnt, dass es ein Fehler bei der Aufkl&auml;rung und Planung war, zu erwarten, dass die Kampfmoral der Russen niedrig sein w&uuml;rde und dass sie sich nach den ersten Angriffen zur&uuml;ckziehen w&uuml;rden.<\/p><p>Das Jahr 2023 hat gezeigt, dass Russland besser auf einen langwierigen Krieg vorbereitet ist als die Ukraine, die ohne die Hilfe des Westens nicht in der Lage w&auml;re, weiterzuk&auml;mpfen.<\/p><p>Au&szlig;erdem verf&uuml;gt Russland &uuml;ber weitaus gr&ouml;&szlig;ere Reserven, und es ist klar, dass der Westen, der hinter der Ukraine steht, weder in der Lage noch willens ist, Kiew st&auml;rker zu unterst&uuml;tzen, als er es derzeit tut. Er glaubt, dass er sein Ziel &ndash; Russland nicht viel gewinnen zu lassen und es durch einen Krieg so weit wie m&ouml;glich zu schw&auml;chen &ndash; ohnehin erreichen wird. Was mit der Ukraine geschieht, ist f&uuml;r ihn weniger von Interesse.<\/p><p>Es ist daher klar, dass das offizielle ukrainische Narrativ vom Endsieg zusammenbricht, der Krieg milit&auml;risch nicht zu gewinnen ist und Kiew sich fr&uuml;her oder sp&auml;ter mit Russland an einen Tisch setzen muss, um zu verhandeln. Wenn es nach Moskau geht, wird es sp&auml;ter sein m&uuml;ssen, denn sie hoffen, dass die Zeit zu ihren Gunsten arbeitet.<\/p><p><em>(Der Artikel wurde urspr&uuml;nglich in der ungarischen Wochenzeitung Demokrata ver&ouml;ffentlicht und kann <a href=\"https:\/\/demokrata.hu\/vilag\/a-vereseg-egyre-kozeleg-757937\/\">hier nachgelesen<\/a> werden.)<\/em><\/p><p>Angaben zum Autor:<\/p><p><strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, geboren 1961, ist ein ungarischer au&szlig;enpolitischer Journalist, Analyst und Publizist. Er ist Fachjournalist f&uuml;r Au&szlig;enpolitik bei der ungarischen Wochenzeitschrift Demokrata sowie Gr&uuml;ndungschefredakteur von #moszkvater, einem Internet-Portal &uuml;ber die slawischen V&ouml;lker, insbesondere die L&auml;nder der ehemaligen Sowjetunion. Davor war er 28 Jahre lang bis zu ihrer Aufl&ouml;sung bei der konservativen Tageszeitung Magyar Nemzet t&auml;tig, von 2000 bis 2017 als Leiter des au&szlig;enpolitischen Ressorts. Er war der letzte Moskau-Korrespondent der Zeitung. Sein Interesse gilt dem postsowjetischen Raum und dessen aktuellen geopolitischen Entwicklungen. Stier schreibt regelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r au&szlig;enpolitische Fachzeitschriften und seine Beitr&auml;ge und Interviews erscheinen regelm&auml;&szlig;ig in der mittel- und osteurop&auml;ischen Presse. Er ist Autor des Buches &bdquo;Das Putin-R&auml;tsel&ldquo; (2000) und seit 2009 st&auml;ndiges Mitglied des Waldai-Klubs.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ ShapikMedia<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106492\">Stimmen aus Ungarn: Br&uuml;ssel und das ukrainische Fass ohne Boden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105854\">&bdquo;Europa spielt keine Rolle mehr&ldquo; &ndash; Ungarischer Politologe &uuml;ber Waldai-Klub 2023<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105547\">Das Aufkommen der neuen Weltordnung &ndash; von Kriegen begleitet<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106483\">Verfolgung von Oppositionellen in der Ukraine: Maxim Goldarb und die Haltung der Bundesregierung<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/161253c80a7b43ef9f83930fd6c1594b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Bitterkeit und Wut, gemischt mit Entt&auml;uschung, beobachten die Eliten in Kiew und im Westen das Scheitern der ukrainischen Gegenoffensive. 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