{"id":10771,"date":"2011-09-20T14:37:21","date_gmt":"2011-09-20T12:37:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10771"},"modified":"2019-07-05T11:30:14","modified_gmt":"2019-07-05T09:30:14","slug":"griechische-zeitung-berichtet-uber-deutschen-plan-b-fur-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10771","title":{"rendered":"Griechische Zeitung berichtet \u00fcber deutschen Plan B f\u00fcr Griechenland"},"content":{"rendered":"<p>Die Athener Zeitung Kathimerini hat in ihrer heutigen Ausgabe einen Artikel ver&ouml;ffentlicht, der Einzelheiten &uuml;ber einen angeblich in Berlin vorbereiteten Plan B f&uuml;r Griechenland enth&auml;lt. Die Informationen sind ernst zu nehmen, weil die gew&ouml;hnlich gut unterrichtete Zeitung auch &uuml;ber gute Quellen in Berlin verf&uuml;gt. Die Frage ist allerdings, ob es sich bei diesem Plan B, aus dessen Existenz auch der deutsche Finanzminister Sch&auml;uble kein Geheimnis macht, um ein in Berlin aktiv angestrebtes Szenario handelt, oder das Papier vielmehr eine Drohkulisse ist, die den Druck auf die griechische Regierung verst&auml;rken soll, das drakonische Sparprogramm rasch umzusetzen, das die Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF als Vorbedingung f&uuml;r die Auszahlung der n&auml;chsten Rate (von 8 Mrd. Euro) aus ihrem Rettungsfonds sieht. Von Niels Kadritzke<br>\n<!--more--><br>\nEin Punkt spricht allerdings daf&uuml;r, dass es sich um durchdachtes und keineswegs hypothetisches Alternativ-Szenario handelt: Das Papier sieht auch f&uuml;r den Fall einer Schuldenschnitts (Haircut) den Verbleib Griechenlands in der Eurozone und realistischerweise auch die St&uuml;tzung des griechischen Bankensystems wie auch der Sozialkassen vor. Sowohl die Banken als auch die Rentenkassen halten gro&szlig;e Best&auml;nde an griechischen Staatspapieren und w&auml;ren bei deren Abwertung sofort zahlungsunf&auml;hig.<\/p><p>Hier der Wortlaut des Artikels aus Kathimerini vom 20. September:<\/p><blockquote><p><strong>Die innenpolitischen Entwicklungen in Deutschland, aber auch die Zweifel an den Chancen des Landes (Griechenlands), seine &ouml;ffentliche Verschuldung unter Kontrolle zu bringen, haben die Lage hinsichtlich der Wahrnehmung und Behandlung der griechischen Krise dramatisch ver&auml;ndert. Diese beiden Faktoren bestimmen auch die Haltung der Troika in der neuen Phase der Verhandlungen mit Athen, die gestern begonnen hat. Nach einer Reihe von Wahlniederlagen, ist die Koalitionsregierung in Berlin von der Aufl&ouml;sung bedroht. F&uuml;r Angela Merkel wird es immer schwieriger, die Stimmen zu ignorieren, die von ihrer Regierung und der Eurozone alternative L&ouml;sungen f&uuml;r die griechische Krise fordern.<\/strong><\/p>\n<p>Die &Auml;u&szlig;erungen und durchgesickerte Informationen &uuml;ber einen Plan B, der einen kontrollierten Staatsbankrott Griechenlands mit einem betr&auml;chtlichen Haircut vorsieht, lassen erkennen, dass die Deutschen alternative L&ouml;sungen ausarbeiten, die sie je nach den weiteren Entwicklungen realisieren werden. Im Kern sieht das Szenario dieses Plan B offenbar einen kontrollierten Bankrott ohne ein Ausscheiden aus der Eurozone vor. Er beinhaltet weiterhin die Bereitstellung von Finanzhilfen zur Rekapitalisierung der (griechischen) Banken und zur St&auml;rkung der Renten- und Krankenkassen, wie auch die Erneuerung der auslaufenden Staatsanleihen <em>(gemeint ist die Abl&ouml;sung von auslaufenden Bonds durch l&auml;ngerfristige Papiere, N.K.)<\/em><\/p>\n<p>Nach diesem Plan muss die griechische Seite ihre Defizite abdecken, pr&auml;ziser: das Defizit im Prim&auml;rhaushalt sofort auf Null herunterfahren <em>(Prim&auml;rhaushalt bedeutet: Staatsausgaben bzw. &ndash;einnahmen ohne Schuldendienst, N.K.)<\/em>. Eine solche L&ouml;sung ist allerdings mit einem hohen Grad Ungewissheit behaftet, zumal man nur schwer voraussehen kann, wie die griechische Gesellschaft reagiert, ob die Gl&auml;ubiger mitmachen, und vor allem, welche Auswirkungen sich f&uuml;r die anderen Euro-L&auml;nder ergeben. Die Unsicherheit &uuml;ber die Folgen einer solchen Entscheidung ist der Hauptgrund, warum dieser Alternativplan bislang noch ein lediglich alternativer ist.<\/p>\n<p>Unbestreitbar ist allerdings, dass der Beschluss des EU-Gipfels vom 21. Juli derzeit in der Luft h&auml;ngt. Dazu hat auch der Versuch der griechischen Seite beigetragen, die Ziele des mittelfristigen Programms (zum Schuldenabbau) und die Konditionen des zweiten Finanzierungsprogramms (in H&ouml;he von 109 Mrd. Euro) neu auszuhandeln.<\/p>\n<p>Nach unseren Informationen hat sich die Regierung, als sie die Gefahr realisierte, an die Regierung in Paris gewandt. Aber auch dort haben die Zweifel, dass Griechenland in der Lage ist, das mittelfristige Programm einzuhalten, in letzter Zeit an Boden gewonnen. Nach einem Bericht von Le Monde, ist Pr&auml;sident Nicolas Sarkozy &uuml;beraus sauer, weil er bef&uuml;rchtet, die &bdquo;Ausfl&uuml;chte&ldquo; Griechenlands k&ouml;nnten die Abstimmung im deutschen Parlament &uuml;ber den erweiterten Europ&auml;ischen Stabilisierungsfonds gef&auml;hrden.<\/p>\n<p>Griechenland hat diejenigen (Eurol&auml;nder) verloren, die bis vor kurzem zu ihren traditionellen Freunden geh&ouml;rten. Und zu den L&auml;ndern, die eine prinzipiell negative Haltung haben (Niederlande, Finnland, Slowakei) sind jetzt noch weitere dazu kommen, darunter auch L&auml;nder der europ&auml;ischen Peripherie, die den Eindruck gewinnen, dass die &bdquo;Laxheit&ldquo; Griechenland f&uuml;r sie selbst bedrohlich wird. Zudem lassen die Europ&auml;ische Zentralbank und die EU-Kommission erkennen, dass sie sich den Entscheidungen der Regierungen der starken L&auml;nder nicht widersetzen k&ouml;nnen.<\/p><\/blockquote><p>Siehe dazu auch folgende Meldung der Nachrichtenagentur <a href=\"http:\/\/www.morningstar.de\/de\/markets\/newsfeeditem.aspx?id=145910776519544\">Dow Jones Newswires<\/a>.<\/p><p><strong>Zitat:<\/strong> <\/p><blockquote><p>Ein Plan B, das ist eine Frage die sich jetzt nicht stellt&rdquo;, sagte BMF-Sprecher Johannes Blankenheim am Freitagabend zu Dow Jones Newswires in Berlin. &ldquo;Wir arbeiten die Beschl&uuml;sse vom 21. Juli ab und sind optimistisch, dass wir diese Beschl&uuml;sse und den Plan A auch durch das Parlament bringen und damit erfolgreich sind,&rdquo; betonte er.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Athener Zeitung Kathimerini hat in ihrer heutigen Ausgabe einen Artikel ver&ouml;ffentlicht, der Einzelheiten &uuml;ber einen angeblich in Berlin vorbereiteten Plan B f&uuml;r Griechenland enth&auml;lt. Die Informationen sind ernst zu nehmen, weil die gew&ouml;hnlich gut unterrichtete Zeitung auch &uuml;ber gute Quellen in Berlin verf&uuml;gt. 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