{"id":107855,"date":"2023-12-07T12:30:07","date_gmt":"2023-12-07T11:30:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107855"},"modified":"2023-12-08T07:23:11","modified_gmt":"2023-12-08T06:23:11","slug":"cum-ex-skandal-hat-kanzler-scholz-gelogen-sein-sprecher-oder-beide-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107855","title":{"rendered":"Cum-Ex-Skandal: Hat Kanzler Scholz gelogen, sein Sprecher oder beide zusammen?"},"content":{"rendered":"<p>Neuste Entwicklung in der Causa Cum-Ex: Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat die Strafanzeige von Fabio de Masi gegen Kanzler Scholz wegen uneidlicher Falschaussage vor dem Untersuchungsausschuss abgewiesen. Die Begr&uuml;ndung der Staatsanwaltschaft lautet zusammengefasst: Sein Sprecher habe die &Ouml;ffentlichkeit wom&ouml;glich belogen und nicht Scholz selbst (&bdquo;&hellip;dass der Sprecher Hebestreit seine Ausf&uuml;hrungen gemacht hat, um den Eindruck eines geordneten Hauses zu erwecken&ldquo;). Die <em>NachDenkSeiten<\/em> baten vor diesem Hintergrund den Regierungssprecher darum, doch bitte mal Klarheit zu schaffen, wer denn nun in der Angelegenheit mutma&szlig;lich gelogen hat. Dieser reagierte zun&auml;chst mit der gewagten Behauptung, der Verweis des Fragestellers, dass die Staatsanwaltschaft in Hamburg weisungsgebunden ist, sei &bdquo;eine Unterstellung&ldquo;. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9097\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-107855-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231207_Cum_Ex_Skandal_Hat_Kanzler_Scholz_gelogen_sein_Sprecher_oder_beide_zusammen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231207_Cum_Ex_Skandal_Hat_Kanzler_Scholz_gelogen_sein_Sprecher_oder_beide_zusammen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231207_Cum_Ex_Skandal_Hat_Kanzler_Scholz_gelogen_sein_Sprecher_oder_beide_zusammen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231207_Cum_Ex_Skandal_Hat_Kanzler_Scholz_gelogen_sein_Sprecher_oder_beide_zusammen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=107855-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231207_Cum_Ex_Skandal_Hat_Kanzler_Scholz_gelogen_sein_Sprecher_oder_beide_zusammen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231207_Cum_Ex_Skandal_Hat_Kanzler_Scholz_gelogen_sein_Sprecher_oder_beide_zusammen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Am 28. August 2023 hatte der Finanzexperte Fabio de Masi Strafanzeige gegen Bundeskanzler Olaf Scholz beim Hamburger Generalstaatsanwalt eingereicht. Begr&uuml;ndung: Olaf Scholz h&auml;tte nachweislich unter Eid den Untersuchungsausschuss zur sogenannten Warburg-Bank-Aff&auml;re belogen und Erinnerungsl&uuml;cken vorget&auml;uscht. Er belegte dies in der Strafanzeige umfassend und detailliert (Die <em>NachDenkSeiten<\/em> berichteten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103023\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102845\">hier<\/a>).<\/p><p>Genau drei Monate sp&auml;ter, am 28. November 2023, erkl&auml;rte nun die Hamburger Staatsanwaltschaft, wie alle Staatsanwaltschaften in Deutschland gegen&uuml;ber der Exekutive weisungsgebunden, Dienstherrin ist im konkreten Fall die Gr&uuml;ne Justizsenatorin Anna Gallina, dass man beschlossen habe, kein Ermittlungsverfahren gegen den Bundeskanzler einzuleiten. Es l&auml;gen angeblich keine hinreichenden Anhaltspunkte f&uuml;r eine Straftat (L&uuml;ge unter Eid vor einem Untersuchungsausschuss) vor. Denn, so die vielsagende Argumentation in dem Schreiben der Staatsanwaltschaft, welches dem <em>Business Insider<\/em> <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/politik\/deutschland\/cum-ex-staatsanwaltschaft-weist-anzeige-gegen-scholz-zurueck\">vorliegt<\/a> und auf Nachfrage der <em>NachDenkSeiten<\/em> so auch von de Masi best&auml;tigt wurde: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es kommt (&hellip;) ebenso in Betracht, dass der Sprecher Hebestreit seine Ausf&uuml;hrungen gemacht hat, um den Eindruck eines geordneten Hauses zu erwecken.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Staatsanwaltschaft schiebt den Schwarzen (L&uuml;gen-)Peter folglich vom Kanzler auf dessen Sprecher weiter. Man nennt dies gemeinhin wohl auch &bdquo;Bauernopfer&ldquo;. <\/p><p>Gegen&uuml;ber den <em>NachDenkSeiten<\/em> erkl&auml;rte de Masi, um seine Einsch&auml;tzung des Vorgangs gebeten: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich habe bei der Lekt&uuml;re des Schreibens der Staatsanwaltschaft Tr&auml;nen gelacht. Die Staatsanwaltschaft r&auml;umt zwar ein, dass die Vorg&auml;nge rund um die Erinnerungsl&uuml;cke widerspr&uuml;chlich sind. Die Staatsanwaltschaft sagt aber gleichzeitig, der Kanzler habe wom&ouml;glich ein Treffen mit dem CumEx-Bankier nur auf Verdacht best&auml;tigen lassen, obwohl er sich daran gar nicht erinnert habe. Der Sprecher Hebestreit habe dabei wom&ouml;glich einen Kalendereintrag nur vorget&auml;uscht, um den Eindruck eines geordneten Hauses zu erwecken. Man hat bei der Hamburger Staatsanwaltschaft offenbar eine wilde Phantasie. Im Kern sagt die Staatsanwaltschaft: Scholz habe nicht zwingend im U-Ausschuss gelogen, weil vielleicht habe ja nur sein Regierungssprecher die &Ouml;ffentlichkeit belogen. Dies zeigt, dass wir dringend politisch unabh&auml;ngige Staatsanwaltschaften in Deutschland brauchen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Vor diesem skizzierten Hintergrund wollten die <em>NachDenkSeiten<\/em> auf der aktuellen Bundespressekonferenz von Regierungssprecher Steffen Hebestreit wissen, wer denn nun tats&auml;chlich gelogen hat, er, sich f&uuml;r Olaf Scholz opfernd, oder doch der aktuell amtierende Kanzler h&ouml;chstpers&ouml;nlich. Der Austausch geriet f&uuml;r einige recht unterhaltsam: <\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/EfLPZh665VE\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Quellenbelege f&uuml;r die getroffenen Aussagen bei der Bundespressekonferenz: <\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>&bdquo;Weisungsgebundene Staatsanwaltschaft&ldquo; <\/strong><br>\nDie Behauptung des Regierungssprechers, es w&uuml;rde sich bei dem Verweis darauf, dass Staatsanwaltschaften in Deutschland weisungsgebunden seien, um &bdquo;eine Unterstellung&ldquo; handeln, l&auml;sst sich recht leicht mit einem Verweis auf folgende <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/976306\/459d0ec2492bcd363f7c00af667a0ee5\/WD-7-081-23-pdf-data.pdf\">Ausarbeitung<\/a> der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages widerlegen. Dort hei&szlig;t es unmissverst&auml;ndlich: \n<blockquote><p>\n&bdquo;<strong>Deutschlands Staatsanw&auml;lte sind weisungsgebunden<\/strong> und in eine hierarchische Ordnung eingegliedert. Die Weisungsgebundenheit ist mithin der entscheidende Unterschied zum Berufsbild des Richters, der in seinen Entscheidungen unabh&auml;ngig ist (Art. 97 Abs. 1 Grundgesetz (GG)). (&hellip;) <strong>Weisungen k&ouml;nnen sich mangels gesetzlicher Beschr&auml;nkung auf jede staatsanwaltschaftliche Aufgabe und jeden Zeitpunkt beziehen<\/strong>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231207-BPK-Scholz_CumEx2-Screen1_.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div>\n<p>Dieser Sachverhalt wurde auch bereits vom Europ&auml;ischen Gerichtshof (EuGH) kritisiert. Dieser stellte in einem <a href=\"https:\/\/www.transparency.de\/aktuelles\/detail\/article\/eugh-urteilt-deutsche-staatsanwaltschaft-nicht-unabhaengig\">Urteil<\/a> vom 27. Mai 2019 fest, dass deutsche Staatsanwaltschaften nicht hinreichend unabh&auml;ngig gegen&uuml;ber der Exekutive seien. Deutsche Staatsanwaltschaften d&uuml;rfen seit diesem Urteil keine Europ&auml;ischen Haftbefehle mehr ausstellen, da die Gefahr einer Einflussnahme durch die Exekutive bestehe, etwa durch ein Justizministerium. <\/p><\/li>\n<li><strong>Quelle f&uuml;r Zitat &bdquo;Du darfst nicht l&uuml;gen&rdquo;<\/strong>\n<p>Das in der zweiten Frage angef&uuml;hrte Zitat &bdquo;F&uuml;r jeden Regierungssprecher, jede Regierungssprecherin gilt: Du darfst nicht l&uuml;gen&ldquo; findet sich in folgendem Interview mit dem Medienmagazin <em>Journalist<\/em> vom 2. Mai 2022: <a href=\"https:\/\/www.journalist.de\/startseite\/detail\/article\/du-darfst-nicht-luegen\">JOURNALISMUS UND DEMOKRATIE -&ldquo;Du darfst nicht l&uuml;gen&rdquo;<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Belege f&uuml;r die L&uuml;gen von Scholz und seinem Pressesprecher<\/strong>\n<p>Im Februar 2020, der Wahlkampf zur Hamburger B&uuml;rgerschaft lief gerade auf Hochtouren, ver&ouml;ffentlichten&nbsp;<em>ZEIT<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>NDR<\/em>&nbsp;Ausz&uuml;ge aus Dokumenten (Tagebuch des Privatbankers Olearius), aus denen hervorging, dass Scholz sich entgegen der bisherigen Darstellung sehr wohl Ende November 2017, mitten im aufgeflogenen Steuerskandal, zumindest einmal mit dem Miteigner der Warburg-Bank getroffen hatte &ndash; in seinem Amtszimmer.<\/p>\n<p>Erst nach dieser Ver&ouml;ffentlichung r&auml;umte Scholz das Treffen ein &ndash; und lie&szlig; &uuml;ber seinen damaligen Pressesprecher im Finanzministerium, Steffen Hebestreit, Folgendes verlautbaren:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Zu den Aufgaben eines Ersten B&uuml;rgermeisters geh&ouml;rt es, mit den Wirtschaftsvertretern der Stadt im regelm&auml;&szlig;igen Austausch zu stehen. So hat es auch ein Treffen von Olaf Scholz mit Herrn Olearius im November 2017 im Amtszimmer des B&uuml;rgermeisters gegeben, wie aus dem Kalender des Ersten B&uuml;rgermeisters hervorgeht, der der Senatskanzlei vorliegen m&uuml;sste. Wieso dies bei der Beantwortung der Kleinen Anfrage nicht ber&uuml;cksichtigt worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>An der Korrektheit von dessen Darstellung bestehen erhebliche Zweifel, de Masi spricht in diesem Zusammenhang davon, dass dies &bdquo;mehrfach gelogen&ldquo; sei, und f&uuml;hrt dies auch aus:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;<em>1. Der Termin stand nicht mehr (oder gar nie) in Scholz&rsquo; Kalender, da der Termin laut seiner B&uuml;roleiterin im M&auml;rz 2018 nicht ins Finanzministerium &uuml;berspielt wurde;<\/em><\/p>\n<p><em>2. Dem Hamburger Senat lag der Kalender nicht mehr vor, was Scholz&lsquo; Leute wussten, da der Senat ja bei ihnen angefragt hatte;<\/em><\/p>\n<p><em>3. Warum der Hamburger Senat die Treffen nicht einger&auml;umt hatte, entzog sich nicht ihrer Kenntnis, da Scholz daf&uuml;r selbst verantwortlich war. Er hatte dem Hamburger Senat nicht geantwortet.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Es liege, so der Finanzexperte weiter, auf der Hand, dass Scholz den Kalendereintrag vorget&auml;uscht habe, um sp&auml;ter noch die Option Erinnerungsl&uuml;cke anf&uuml;hren zu k&ouml;nnen, falls die weiteren Termine noch entdeckt werden w&uuml;rden. Scholz, so die Erl&auml;uterung von de Masi, konnte zu dem Zeitpunkt ja nicht einsch&auml;tzen, was noch in den konfiszierten Tageb&uuml;chern des Warburg-Miteigners stand und bis zu welchem Grad Journalisten dazu Zugang hatten.<\/p>\n<p>&Uuml;berpr&uuml;fen wir nun, soweit m&ouml;glich, die drei von de Masi angef&uuml;hrten Punkte:<\/p>\n<blockquote><p>\n<em>1. &bdquo;Der Termin stand nicht mehr (oder gar nie) in Scholz&lsquo; Kalender&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Alle verf&uuml;gbaren Informationen best&auml;tigen diese Darlegung von de Masi: Im April 2021 schickte, wie unter anderem auch&nbsp;<em>DER SPIEGEL <\/em><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/olaf-scholz-in-der-cum-ex-affaere-der-raetselhafte-kalender-a-37eea7d2-3464-45db-9caa-68df7c818769\">berichtet<\/a>, die langj&auml;hrige B&uuml;roleiterin von Scholz, Jeanette Schwamberger, ein Schreiben an den Untersuchungsausschuss in Hamburg. In diesem berichtet sie &uuml;ber den Umgang mit dem Terminkalender und erkl&auml;rt, als Scholz 2018 von Hamburg nach Berlin gewechselt sei, habe man die Daten aus den Jahren 2014 bis 2018 &bdquo;in den Ministerkalender in Microsoft Outlook &uuml;bertragen&ldquo;. Dazu erg&auml;nzt sie dann allerdings, und jetzt wird es interessant:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;<em>Zum Termin (von Scholz mit Olearius) finden sich keine Eintr&auml;ge im Ministerkalender des Bundesministeriums der Finanzen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>In einer internen Mail, datiert auf den 25. April 2021, die dem&nbsp;<em>STERN <\/em>vorliegt und nicht vom Bundeskanzler dementiert wurde, &auml;u&szlig;ert sich seine B&uuml;roleiterin noch expliziter und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/olaf-scholz--e-mails-aus-seinem-team-zum-cum-ex-skandal-werfen-neue-fragen-auf-33754512.html\">erkl&auml;rt<\/a>, sie habe &bdquo;noch nie&ldquo; einen Termin mit Olearius von November 2017 im Kalender gesehen.<\/p>\n<p>Hintergrund der Aussage? Am 30. April 2021 war Scholz vor dem Untersuchungsausschuss in Hamburg geladen. F&uuml;r diesen Zweck verfasste sein damaliger Staatssekret&auml;r Wolfgang Schmidt, der als engster Vertrauter des jetzigen Bundeskanzlers gilt, in Zusammenarbeit mit Scholz&rsquo; B&uuml;roleiterin einen Sprechzettel f&uuml;r ihn. Darin hei&szlig;t es unter anderem als Formulierungsvorschlag, der per Mail an Schwamberger geht:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;<em>Im November 2017 hat sich der damalige Erste B&uuml;rgermeister Olaf Scholz mit Herrn Olearius in seinem B&uuml;rgermeister-Amtszimmer zu einem Gespr&auml;ch getroffen. Dies ist dem Dienstkalender des B&uuml;rgermeisters zu entnehmen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Darauf antwortet Scholz&rsquo; B&uuml;roleiterin laut der dem&nbsp;<em>STERN<\/em>&nbsp;vorliegenden Mail an Schmidt und Hebestreit um 22:30 Uhr:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das irritiert mich. Ich habe noch nie einen Termin mit Olearius von November 2017 im Kalender gesehen. Auch nicht einen Termin im Oktober 2017. Das ist alles merkw&uuml;rdig, aber wir sind alle Kalender durch.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Sp&auml;ter dann im Untersuchungsausschuss auf den nicht belegbaren Kalendereintrag angesprochen, pr&auml;sentiert Scholz eine sehr eigenwillige Erkl&auml;rung. Bedingt durch IT-Probleme im Finanzministerium seien im Kalender ab Mitte Oktober 2017 &bdquo;ausschlie&szlig;lich Termine meines Amtsvorg&auml;ngers, Bundesminister Altmaier&ldquo; zu finden. Weiter f&uuml;hrt er aus:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;<em>Insofern gehe ich davon aus, dass das Treffen stattgefunden haben wird, auch wenn ich daran keine eigene Erinnerung habe.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch diese Scholz&rsquo;sche Version wird durch Ermittlungen des Landeskriminalamts (LKA) Nordrhein-Westfalen zumindest teilweise infrage gestellt, denn das LKA hatte im Laufe der Untersuchungen zu Cum-Ex ein damaliges E-Mail- und Kalender-Postfach von Scholz zu seiner Zeit als B&uuml;rgermeister beschlagnahmt und dies mittlerweile ausgewertet. Diese Auswertung ist einsehbar. F&uuml;r den fraglichen 10. November 2017 sind dort genau acht Termine festgehalten, beginnend von 9 Uhr morgens bis 23 Uhr abends. Aufgef&uuml;hrt werden an Terminen unter anderem der Besuch eines Forschungszentrums sowie die Er&ouml;ffnung einer Fachkonferenz. Doch was fehlt, ist ein Termineintrag f&uuml;r das Treffen mit dem Warburg-Vertreter.<\/p>\n<p>Ebenso pr&auml;sentiert sich die Lage zu den von de Masi aufgef&uuml;hrten Punkten 2 und 3. Denn seit letzter Woche liegt eine weitere Antwort des Hamburger Senats auf eine Anfrage der dortigen Linksfraktion vor, die wissen wollte, wieso der Senat Ende 2019 das mittlerweile einger&auml;umte Treffen zwischen Olearius und Scholz dementiert hatte. Die Antwort hat es in sich.<\/p>\n<p>Der Senat r&auml;umt in seiner Antwort ein, dass er damals gar keinen Zugriff mehr auf den Kalender von Scholz gehabt habe, da dieser zu diesem Zeitpunkt bereits in Berlin als Finanzminister t&auml;tig war. Zwar habe man entsprechend bei ihm im Bundesfinanzministerium nachgefragt, aber eine R&uuml;ckmeldung sei &bdquo;innerhalb der f&uuml;r die Beantwortung der Schriftlichen Kleinen Anfrage zur Verf&uuml;gung stehenden Zeit nicht erfolgt&ldquo;. Die Auskunft, dass es keinerlei Gespr&auml;che gegeben habe, h&auml;tte man dann auf der Grundlage gegeben, &bdquo;weil grunds&auml;tzlich der Erste B&uuml;rgermeister in einem steuerlichen Verfahren nicht beteiligt ist&ldquo;.<\/p>\n<p><strong>Alles spricht gegen die Version von Scholz<\/strong><\/p>\n<p>Wir k&ouml;nnen festhalten: Alles spricht f&uuml;r die Darlegung von de Masi und alles gegen die Wahrhaftigkeit der Erkl&auml;rung von Hebestreit im Namen des jetzigen Bundeskanzlers und auch bez&uuml;glich Scholz&rsquo; eigener Aussagen vor dem Finanzausschuss des Bundestages sowie, in seiner Implikation noch gravierender und strafrechtlich relevant, gegen&uuml;ber dem Hamburger Untersuchungsausschuss.<\/p>\n<p>Auf Grundlage dieses neuen Erkenntnisstandes ger&auml;t die gesamte bisherige Argumentationsgrundlage des amtierenden Kanzlers endg&uuml;ltig ins Wanken. Denn Scholz r&auml;umte zwar h&auml;ppchenweise und nur nach medialem Druck zumindest drei Treffen mit dem kriminellen Banker ein, berief sich dabei aber immer auf angebliche Kalendereintr&auml;ge. Eigene Erinnerungen, so betonte er es immer wieder vor dem Bundestag und dem Hamburger Senat, h&auml;tte er an keines der Treffen.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Protokollauszug von der Regierungspressekonferenz am 6. Dezember 2023:<\/strong><\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><br>\nHerr Hebestreit, ich muss noch einmal auf das leidige Thema von Cum-Ex und den angeblichen Erinnerungsl&uuml;cken von Olaf Scholz zur&uuml;ckkommen. Die weisungsgebundene Staatsanwaltschaft in Hamburg hat die Strafanzeige von Fabio De Masi wegen uneidlicher Falschaussage abgewiesen, und zwar mit der Begr&uuml;ndung, der Sprecher von Scholz und nicht Scholz selbst habe die &Ouml;ffentlichkeit wom&ouml;glich belogen. Wenn ich kurz zitieren darf:<\/p><blockquote><p>&bdquo;dass der Sprecher Hebestreit seine Ausf&uuml;hrung gemacht hat, um den Eindruck eines geordneten Hauses zu erwecken.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das hei&szlig;t, dass die Staatsanwaltschaft jetzt Ihnen ein wenig den Schwarzen Peter zuschiebt. K&ouml;nnen Sie ein bisschen Klarheit schaffen und sagen, wer mutma&szlig;lich gelogen hat, Sie, sich selbstlos f&uuml;r den k&uuml;nftigen Kanzler opfernd, oder Olaf Scholz selbst?<\/p><p><strong>Regierungssprecher Hebestreit<\/strong><br>\nHerr Warweg, wenn ich alle Unterstellungen, die Sie in Ihre Frage gepackt haben, unter anderem gegen&uuml;ber der Staatsanwaltschaft Hamburg, einmal weglasse &ndash; &ndash; &ndash;<\/p><p><strong>Zusatz Warweg<\/strong><br>\nIch habe zitiert.<\/p><p><strong>Hebestreit<\/strong><br>\nNein, Sie haben eine Unterstellung gemacht. Mit der Erw&auml;hnung, dass sie weisungsgebunden ist, wollen Sie ja etwas insinuieren. Wenn ich das alles weglasse, dann habe ich von dieser Stelle aus zu dieser Thematik &ndash; hier sitze ich als Regierungssprecher und spreche f&uuml;r die Bundesregierung der aktuellen Legislaturperiode &ndash; gar nichts beizutragen, kann aber sagen, dass das, was ich Ihnen das letzte oder das erste Mal, als Sie die Frage gestellt haben, gesagt habe, dass es n&auml;mlich jedem freisteht, eine Anzeige zu erstatten, und es dann an den jeweiligen justiziellen Apparaten ist, das zu beantworten, weiterhin richtig ist.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><br>\nSie hatten dem Medienmagazin &bdquo;Journalist&ldquo; in einem Interview einmal erkl&auml;rt, dass einer der Grunds&auml;tze eines Regierungssprechers sei: Du darfst nicht l&uuml;gen. K&ouml;nnen Sie uns versichern, dass dieser Grundsatz auch galt, als Sie noch Sprecher von Olaf Scholz waren, als dieser noch das Amt des Finanzministers innehatte?<\/p><p><strong>Hebestreit<\/strong><br>\nHerr Warweg, das gilt f&uuml;r den Regierungssprecher genauso viel wie f&uuml;r Journalisten.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 06.12.2023<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102845\">Cum-Ex-Skandal: &bdquo;Es kann zweifelsfrei bewiesen werden, dass Bundeskanzler Olaf Scholz vor dem Untersuchungsausschuss gelogen hat&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104758\">Aktenvermerk zu Cum-Ex: Ermittlungen gegen Scholz eingestellt wegen &bdquo;R&uuml;cksicht&ldquo; auf dessen Stellung als Kanzler<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104198\">Wieso verschwieg Olaf Scholz gegen&uuml;ber dem Bundestag zwei Treffen mit Cum-Ex-Drahtzieher Olearius?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103023\">Cum-Ex-Skandal: Finanzexperte de Masi stellt Strafanzeige gegen Bundeskanzler Scholz wegen &bdquo;uneidlicher Falschaussage zur Warburg Aff&auml;re&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105167\">Cum-Ex-Skandal und m&ouml;gliches Erpressungspotenzial gegen Kanzler Olaf Scholz<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/eb1fd804ae254c67905f0bd50c772f5d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuste Entwicklung in der Causa Cum-Ex: Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat die Strafanzeige von Fabio de Masi gegen Kanzler Scholz wegen uneidlicher Falschaussage vor dem Untersuchungsausschuss abgewiesen. 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